jump to navigation

Kurze Rückschau auf eine bemerkenswerte Rede…. 24. September, 2014

Posted by Rika in gesellschaft, islam, politik, terrorismus.
Tags: , , , , , , , , ,
3 comments

Angesichts  der vielen verstörenden Berichte über junge Männer, die sich dem “Islamischen Staat” anschließen und für dessen Verwirklichung in den Krieg ziehen, töten, morden und  zerstören,  wird  einmal mehr die Forderung nach besseren Konzepten der Integrationspolitik laut und zum anderen darüber nachgedacht, die Rückkehrer in einem therapeutisch ausgerichteten Resozialisierungsprojekt für unsere demokratische Gesellschaft zurück zu gewinnen.  Es gibt jedoch auch Stimmen, wie die Wolfgang Bosbachs beispielsweise, die die IS-Kämpfer nicht wieder in die Bundesrepublik einreisen lassen wollen und dafür auch gute Gründe anführen.

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass alle Maßnahmen zur Integration an den jungen Männern gescheitert sind, die sich dem Kampf gegen die Werte verschrieben haben, die für unsere Gesellschaft in Deutschland bindend sind, wie Religionsfreiheit, Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit, Demokratie… um nur ein paar wesentliche Bereiche zu nennen.  Der “Islamischer Staat”, dem sich die jungen Muslime anschließen, bekämpft mit grausamsten Methoden genau diese Werte. Natürlich kann man fragen: “Was ist falsch gelaufen, warum haben unsere gesellschaftlichen Werte nicht überzeugen können, was hätten “wir” anders machen müssen? Wieso radikalisieren sich junge Muslime in einer unaussprechlich grausamen Weise? Was hat das mit uns zu tun?”

Sicher ist es notwendig, diese Fragen zu stellen und klügere Leute als ich werden bestimmt auch Antworten darauf haben oder finden.

Ich denke aber, dass es nicht “nur” ein Versagen unserer Gesellschaft ist, wenn sich muslimische Migranten nicht in unseren Ordnungen zurecht finden und unsere Werte nicht übernehmen können oder wollen.   Es gibt auch Gründe, die außerhalb unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit in der Bundesrepublik zu finden sind.

Die folgende Rede mag das verdeutlichen.

Der damalige Ministerpräsident der Türkei, Erdogan, hielt sie im Februar 2008 in Köln:

“Meine sehr verehrten Mitbürger, liebe Schwestern und Brüder, unsere verehrten Botschafter, die ihr den Duft der anatolischen Erde, jene anatolische Sensibilität bis nach Deutschland, in die Mitte Europas, getragen habt, meine Damen und Herren. Ich grüße Sie alle aus tiefstem Herzen. Ich grüße jeden Einzelnen von Ihnen mit Liebe und Respekt. Heute ist die Stadt Köln Zeuge eines denkwürdigen Programms.

Heute wird von hier aus die Botschaft von Brüderlichkeit, Freundschaft, Solidarität und Frieden nach ganz Europa und in die gesamte Welt übermittelt. Die türkische Gemeinschaft in Deutschland demonstriert heute wieder einmal der ganzen Welt den mit Liebe, Freundschaft, Zuneigung durchdrungenen Charakter unseres Volkes. Die türkische Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft der Liebe, des Friedens, die türkische Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die die Brüderlichkeit hochhält. Die türkische Gemeinschaft und der türkische Mensch, wohin sie auch immer gehen mögen, bringen nur Liebe, Freundschaft, Ruhe und Geborgenheit mit sich. Hass und Feindschaft können niemals unsere Sache sein. Wir haben mit Streit und Auseinandersetzung nichts zu schaffen. Genau wie jenes Licht, das vor Hunderten von Jahren in Anatolien von Yunus (gemeint ist der türkische Volksdichter Yunus Emre, d.Red.) in unsere Herzen eingepflanzt wurde:

“Ich bin nicht zum Streit gekommen

Meine Sache ist die Liebe.

Das Haus des Freundes, das sind die Herzen,

Ich kam, um Herzen zu gewinnen”

Ich gehe im Geiste zurück in das Jahr 1961, als ich der Abfahrt meiner Verwandten mit jenen von Dampfloks gezogenen Zügen im Bahnhof Sirkeci (Istanbul) zuwinkte. Als jene Züge unsere Freunde (im Original “Gurbetci”, was so viel heißt wie “rückkehrwilliger Auslandstürke”, d. Red) nach Deutschland brachten, trug ein jeder von ihnen im Herzen jenes Licht, von dem ich eben sprach. Jeder unserer Brüder und Schwestern hat hier Tag und Nacht gearbeitet, um Herzen zu gewinnen. Sie haben jede Bitterkeit zu Honig gemacht, jedweder Schwierigkeit getrotzt. Heute haben Sie fast die Zahl von drei Millionen erreicht. Doch zu Beginn dieser Woche haben wir in Ludwigshafen neun unserer Brüder und Schwestern in einem Brand verloren. Neun unserer Geschwister, fünf von ihnen waren noch Kinder, haben in der Blüte ihrer Jugend dieser Welt Lebwohl gesagt. Ich erbitte für jeden von ihnen Gottes Erbarmen, für meine verletzten Brüder und Schwestern bete ich für baldige Genesung.

Wie Sie wissen, bevor wir nach Deutschland kamen, befand sich der deutsche Innenminister in der Türkei. Die erste Einschätzung haben wir mit ihm gemeinsam in der Türkei vorgenommen. Sofort nach dem Vorfall haben wir unseren Staatsminister Mustafa Said Yazicioglu zusammen mit einer vierköpfigen Expertengruppe der Polizei zum Ort des Geschehens geschickt. Hier haben wir in allen unseren Gesprächen mit den deutschen Stellen unsere Sensibilitäten und unsere Erwartungen zum Ausdruck gebracht und die Sache auch mit der verehrten Frau Kanzlerin detailliert besprochen. Wir haben unsere Erwartung, dass dieser Vorfall in all seinen Dimensionen untersucht wird, mit ihnen besprochen. Wir haben auch zum Ausdruck gebracht, dass wir diese Sache weiterhin verfolgen werden. Unser Wunsch ist der folgende: Nicht nur unsere Staatsbürger hier, sondern auch unsere Staatsbürger in der Türkei, die diese Entwicklung aus nächster Nähe verfolgen, mögen Ruhe finden. Doch glaube ich, dass auch die deutsche Regierung, das deutsche Volk ebenso beunruhigt sind. Die Aufklärung ist auch erforderlich, damit auch sie Ruhe finden können. Möge Gott geben, dass solche bitteren Bilder die letzten gewesen sind. Möge Gott geben, dass wir nicht noch einmal solchen Schmerz erdulden müssen.

Und heute, wie Sie wissen, werden unsere Brüder und Schwestern, die ihr Leben verloren haben, mit einem Flugzeug der Turkish Airlines, das von dem Amt des Ministerpräsidenten geschickt worden ist, gemeinsam mit ihren Angehörigen und unserem Staatsminister Herrn Said Yazicioglu, nach Gaziantep überführt.

Seit dem Jahr 1961 haben Tausende unserer Brüder und Schwestern ihre Häuser, manchmal ihre Familien, ihre Eltern, ihre Ehefrauen und ihre Kinder zurückgelassen und sind hierhergekommen. Nicht wenige haben hier geheiratet, es kamen hier Kinder zur Welt, es wurden hier Enkel geboren. Heute haben Sie allein in Deutschland eine zahlenmäßige Stärke von fast drei Millionen erreicht. Sie haben nunmehr seit 47 Jahren mit Ihrer Arbeit, mit Ihrem Bemühen dazu beigetragen, dass Deutschland vorankommt, dass Deutschland in Europa und in der Welt zu einem mächtigen Land wird. Sie haben hier einerseits gearbeitet, andererseits aber haben Sie sich bemüht, Ihre Identität, Ihre Kultur, Ihre Traditionen zu bewahren. Ihre Augen und Ihre Ohren waren immer auf die Türkei gerichtet. Die Tatsache, dass Sie seit 47 Jahren Ihre Sprache, Ihren Glauben, Ihre Werte, Ihre Kultur bewahrt haben, vor allem aber, dass Sie sich gegenseitig stets unterstützt haben, diese Tatsache liegt jenseits aller Anerkennung.

Ich verstehe die Sensibilität, die Sie gegenüber Assimilation zeigen, sehr gut. Niemand kann von Ihnen erwarten, Assimilation zu tolerieren. Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie sich einer Assimilation unterwerfen. Denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Sie sollten sich dessen bewusst sein. Wir müssen jedoch auch Folgendes zur Kenntnis nehmen: Sie können sich im heutigen Deutschland, in Europa von heute, in der heutigen Welt, nicht mehr als “der Andere”, als derjenige, der nur vorübergehend hier ist, betrachten, Sie dürfen sich nicht so betrachten. Die türkische Gemeinschaft hat sich volle 47 Jahre für dieses Land verausgabt. Nicht nur in Deutschland, in zahlreichen Ländern Europas nähert sich die Zahl unserer Staatsbürger fast fünf Millionen. Es ist bemerkenswert, dass trotz diesem immensen Einsatz, trotz dieser zahlenmäßigen Stärke gewisse grundlegende Probleme in diesen Ländern sich immer noch nicht auf der Tagesordnung befinden. Selbstverständlich werden unsere Kinder Türkisch lernen. Das ist Ihre Muttersprache und es ist Ihr natürlichstes Recht, Ihre Muttersprache Ihren Kindern weitergeben.

Jedoch würden Sie, wenn Sie die Sprache des Landes erlernen, in dem Sie leben, oder sogar noch einige Sprachen dazu, in jeder Hinsicht davon profitieren. Schauen Sie, viele unserer Kinder hier lernen in frühem Alter keine Fremdsprachen. Diese Kinder werden mit Deutsch erst dann konfrontiert, wenn sie mit dem Schulbesuch beginnen. Und das führt dazu, dass diese Kinder im Vergleich zu den anderen Schülern die Schullaufbahn mit einem Nachteil von eins zu null beginnen müssen. Doch würde es für Sie und für Ihre Kinder in jeder Hinsicht vorteilhaft sein, wenn Sie die Möglichkeiten maximal ausschöpfen, die das hiesige gute Schulsystem Ihnen bietet.

Sie werden einen Beruf ausüben, Sie werden öffentliche Dienste in Anspruch nehmen. Wenn Sie die Sprache des jeweiligen Landes nicht beherrschen, nicht lernen, so fallen Sie unweigerlich in eine Situation der Benachteiligung.

Weiter: Jahrelang hat eine Haltung vorgeherrscht, die durch eine Distanz gegenüber der Politik in diesem Lande, gegenüber der Außenpolitik, der Innenpolitik, der Sozialpolitik charakterisiert war. Doch sollte die türkische Gemeinschaft mit ihren drei Millionen Menschen in der Lage sein, in der deutschen politischen Landschaft einen Einfluss auszuüben, Wirkungen zu erzielen. (Zurufe “Die Türkei ist stolz auf dich”, Anm. d. Übers.)

Warum sollten wir nicht in Deutschland, in den Niederlanden, in Belgien, in den anderen Ländern Europas auch Bürgermeister haben? Warum sollten wir keine Vertreter und Gruppen in den politischen Parteien haben? Warum sollten wir im deutschen Parlament, im EU-Parlament nicht noch mehr Vertreter haben? Warum sollten unsere Ansichten bei der Formulierung der Sozialpolitik der Länder, in denen wir leben, nicht zur Kenntnis genommen werden?

Schauen Sie sich die amerikanischen Wahlen an. Achten Sie darauf, wie die Menschen aus unterschiedlichen Ländern im Prozess der Wahlen und nach den Wahlen bei der Formulierung der Politik Einfluss ausüben. Hoffentlich (Antwort auf einen Ruf seitens der Zuhörer, d. Red.) – Leider leidet unser Land seit Jahren darunter. Manche Gemeinschaften sind in der Lage, auch wenn sie nur aus einer Handvoll Menschen bestehen, basierend auf ihrem intensiv betriebenen Lobbyismus, die Politik eines jeden Landes, in dem sie sich befinden, zu beeinflussen. Sie können Druck ausüben, um Beschlüsse der Parlamente in den jeweiligen Ländern zu erwirken. Warum sollten wir nicht Lobbyismus betreiben, um unsere Interessen zu schützen? (Applaus, Anm. d. Übers.)

Meine lieben Brüder und Schwestern … Im Moment leben in Deutschland etwa drei Millionen Türken, doch sind davon 800000 deutsche Staatsbürger, 800000. Das ist keine Zahl, die man einfach ignorieren könnte. Es ist angebracht, sich damit eingehend auseinanderzusetzen. Sie sollten sich diese Fragen gegenseitig nunmehr öfters stellen. Gott sei Dank haben wir in den letzten Jahren eine beachtliche Strecke zurückgelegt. Wir stehen in ständigem Kontakt mit unseren Vereinen und den zivilgesellschaftlichen Organisationen hier. Was könnte man noch unternehmen? Wie könnten die Probleme der türkischen Gesellschaft gelöst werden? Wir beschäftigen uns nun viel mehr mit diesen Fragen und wir geben uns viel mehr Mühe und setzen uns stärker ein. Es ist jetzt unumgänglich geworden, dass auch Sie, jeder für sich und in Ihren Familien, mit Ihren Verwandten, Freunden, Nachbarn diese Fragen verstärkt stellen und die Schritte, die aus diesen Fragen folgen, unternehmen. Schauen Sie, heute ist die Türkei ein Land im Beitrittsprozess in die Europäische Union. Das heißt, wir führen Verhandlungen. Wie Sie wissen, hat vor zwei Jahren der Verhandlungsprozess begonnen. Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass gewisse Länder die Frage der Mitgliedschaft der Türkei für ihre innenpolitischen Ziele instrumentalisieren und Schritte unternehmen, die darauf gerichtet sind, den Beitrittsprozess der Türkei zu unterbinden.

Ich möchte hier besonders betonen: Die Türkei hat keine andere Alternative als die Vollmitgliedschaft in der EU, sie kann keine andere Alternative haben. Von Zeit zu Zeit sprechen einige von etwas, das sie die privilegierte Partnerschaft nennen. Unser Buch enthält nichts dergleichen, nichts, was man als privilegierte Partnerschaft bezeichnet. Aber ich möchte, dass Sie auch folgenden Punkt beachten: Auch das Rechtssystem der Europäischen Union kennt keine privilegierte Partnerschaft. Nun bereiten sie ein neues Szenario vor. Die Türkei wird in einem solchen Szenario nicht mitspielen. Niemand wird in der Lage sein, der Türkei diesen Anzug aufzuzwingen. Das sollten Sie wissen. Wir haben den Prozess der europäischen Einigung 1959 gestartet. 1963 starteten wir den vertraglichen Prozess. Die Türkei befindet sich seit 1963 vertraglich im Prozess der europäischen Einigung. Und, können Sie sich vorstellen, sie haben seit 45 Jahren immer das getan, immer solche Sachen verlautbart. Doch die Türkei war geduldig. Mit Geduld sind wir so weit gekommen. Nun sagen sie sich, vielleicht können wir etwas unternehmen, dass die Türkei sich abwendet. Sie mögen uns entschuldigen, wir werden uns nicht abwenden. Wir werden diesen Weg fortsetzen. Nun, wollen sie uns nicht?

Wenn sie uns nicht wollen, sollen sie diejenigen sein, die die Entscheidung fällen. Sie sollen sich entscheiden. Doch wir werden nicht diejenigen sein, die sich davonmachen. Wir werden uns nicht abwenden. Wir machen unsere Hausaufgaben. Wir wissen auch, was wir zu tun haben. Schauen Sie: Das Projekt “Bündnis der Zivilisationen”, das unter der Führung von Kofi Annan begonnen wurde und bei dem wir, gemeinsam mit meinem verehrten Kollegen Zapatero, dem spanischen Ministerpräsidenten, die Moderation übernommen haben, stellt einen wichtigen Schritt dar. Warum haben wir an diesem wichtigen Schritt teilgenommen? Warum? Weil wir wollten, dass die Europäische Union zu einer wichtigen Adresse im Rahmen dieses wichtigen Schritts wird. Wenn wir das nicht getan hätten, hätte man das dann als Bündnis bezeichnen können? Nein. Dann wären sie unter sich geblieben. Doch gibt es hier einen Punkt, den es zu bemerken gilt. Auf der einen Seite, im Namen der islamischen Welt, die 1,5 Milliarden Menschen umfasst, steht die Türkei, die ein demokratischer, laizistischer, sozialer Rechtsstaat ist, auf der anderen Seite, im Namen des Westens, Spanien. Gemeinsam haben wir dieses Projekt gestartet. Was wollen wir? Es soll keinen Zusammenprall der Zivilisationen, sondern ein Bündnis der Zivilisationen geben. Welche soll die erste Adresse sein? Es soll die Europäische Union sein. Wenn jedoch die Europäische Union nicht in der Lage ist, dieses Unterfangen durchzustehen, so werden wir nicht dafür verantwortlich sein. Es werden diejenigen verantwortlich sein, die nicht in der Lage sind, das durchzustehen. Ich betone das besonders. Deswegen sage ich allen unseren Brüdern und Schwestern, die in diesem Moment in Köln-Arena versammelt sind: Ja, Sie sind bereits in der Europäischen Union, Sie sind in der EU. Wir sagen unseren europäischen Freunden, schauen Sie, Sie machen einen Fehler. Diese Herangehungsweise an die Türkei ist nicht angebracht. Wir haben sowieso im Moment fast fünf Millionen Staatsbürger, die sich in der Europäischen Union befinden.

Schauen Sie, halten Sie uns nicht länger mit fadenscheinigen Vorwänden auf. Lassen Sie uns diese Sache rasch abschließen. Es sind bereits 45 Jahre vergangen, das ist keine kurze Zeitspanne, lassen Sie diese Hinhaltetaktik. Natürlich, wir setzen uns und sprechen darüber. Da sieht man, dass sie unter Atemnot leiden. Wir sind jedoch geduldig. Hoffentlich werden wir das schaffen. Es gibt jedoch auch andere, die da sagen, ziehen Sie sich zurück. Mit der europäischen Union wird es nicht funktionieren. Liebe Brüder und Schwestern, wir werden auch diesem Trick nicht verfallen. Wir werden diesen Weg beharrlich fortsetzen. Seit fünf Jahren haben wir diesen Weg fortgesetzt. Schauen Sie, Gott sei Dank, wir konnten in unserer Regierungsperiode die politischen Kriterien von Kopenhagen erfüllen. Jetzt marschieren wir in Richtung der ökonomischen Maastricht-Kriterien. Es ist interessant festzustellen: Auch in Richtung der ökonomischen Maastricht-Kriterien konnten wir eine beachtliche Wegstrecke zurücklegen. Auch in dieser Hinsicht ist der Punkt, den wir erreicht haben, ansehnlich. Obschon zahlreiche Länder, die der EU zugehören, die ökonomischen Maastricht-Kriterien nicht erfüllen können, sind wir in der Lage, sie zu erfüllen. Wir können sie erfüllen.

Es genügt, dass wir solidarisch sind. Es genügt, dass wir uns nicht als Fremde, nicht als Gast, nicht als der/die Andere sehen, dass wir uns als ein wesentliches Element dieses Landes betrachten. Sie werden sehen, in dem Moment, in dem wir dies erreichen, werden unsere Probleme hier eines nach dem anderen gelöst werden.

Meine verehrten Brüder und Schwestern, meine verehrten Mitbürger. Gott sei Dank hat die Türkei in den letzten fünf Jahren Fortschritte verzeichnet, die als historisch zu bezeichnen sind. Ich bin mir sicher, dass Sie von hier aus den Prozess der Umwandlung, die die Türkei durchmacht, viel besser erkennen können. Sie können das Echo der Türkei in der ganzen Welt und in Europa viel besser wahrnehmen. Schauen Sie, was die Freiheiten betrifft, hat die Türkei in den letzten fünf Jahren Riesenschritte unternommen. Noch im dritten Jahr nach unserer Regierungsübernahme haben wir die politischen Kriterien von Kopenhagen erfüllt, das liegt nun hinter uns. Auf diese Weise wurde der Weg für die Beitrittsverhandlungen eröffnet. Unsere Bemühungen, die Menschenrechte und die Freiheiten entsprechend den europäischen Standards zu gestalten, werden fortgesetzt. Wir schreiten entschieden voran, um alle Hindernisse für die Inanspruchnahme der Freiheiten zu beseitigen und eine demokratischere Struktur für die Türkei zu erreichen. Haben wir keine Mängel? Natürlich haben wir welche. Aber, wir werden unser Ziel früher oder später erreichen.

Meine lieben Brüder und Schwestern, Sie, Ihre Angehörigen, waren gezwungen, wegen der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, wegen Arbeitslosigkeit, wegen Mangels an Straßen hierhin zu kommen und hier unter schweren Bedingungen zu arbeiten. Niemand sonst kann so gut verstehen, was das heißt, was das Leben in der Fremde bedeutet. Genauso waren Tausende von unseren Studentinnen gezwungen, wegen gewisser Hindernisse ihr Land und ihre Universitäten zu verlassen und hierhin und in andere Länder der Welt zu fahren, und in der Fremde zu leben. Wer kann ein solches Recht haben? Wer kann das Recht haben, den Menschen ihre eigene Heimat, das eigene Vaterland in einen Ort zu verwandeln, in dem Zwang herrscht? Mit welchem Blickwinkel, mit welcher Berechtigung kann diese bekannte Einstellung unsere intelligenten und fleißigen Jugendlichen, unsere unternehmerischen Jugendlichen dazu zwingen, die Träger eines “Braindrain” zu sein und die eigene Heimat zu verlassen? Diese Dinge sind nicht nachvollziehbar. Die Türkei, die sich im Prozess der Aufnahmeverhandlungen für die europäische Union befindet, verdient solche Maßnahmen nicht.

(Es folgen Ausführungen zur weltökonomischen Stellung und binnenwirtschaftlichen Entwicklung der Türkei, d.Red.)

Meine lieben Schwestern und Brüder, die Türkei wird nunmehr von einer Regierung gelenkt, die Ihre Probleme kennt und die ihre Arbeitszeit für die Lösung Ihrer Probleme aufwendet. Ich muss natürlich hier eine Sache ansprechen, die uns Kummer bereitet. Ich weiß sehr wohl, dass die Änderungen in dem Zuwanderungsgesetz Sie beunruhigt haben. Wir verfolgen dieses Thema aus nächster Nähe. Gestern, vorgestern haben wir dieses Thema mit der sehr geehrten Kanzlerin besprochen. Wir möchten insbesondere, dass Sie, sowohl als Einzelpersonen wie auch als zivilgesellschaftliche Organisationen bei Ihrem Einsatz für Ihre Rechte entsprechend den nationalen und internationalen Regelungen, beim Ausdrücken Ihrer Reaktionen, wie bis heute schon immer gewesen, immer respektvoll gegenüber dem Recht des Landes, in dem Sie leben, besonnen und maßvoll vorgehen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie auch für diese Ihre Verhaltensweise beglückwünschen. Ich bin überzeugt, dass wenn Sie Ihre unterschiedlichen Ansichten beiseitelassen und bezüglich der gemeinsamen Interessen gemeinsam vorgehen, diese Haltung Ihre Stärke noch multiplizieren wird.

Und ich hoffe, dass bei den nächsten allgemeinen Wahlen, bei den Wahlen für die Präsidentschaft und bei den Volksentscheiden, wobei die Kommunalwahlen ausgenommen sind, denn bei denen ist das nicht möglich, mein Volk nunmehr seine Stimme abgeben können wird.

Ein anderer Punkt auf unserer Tagesordnung ist ein hässliches Programm, das leider in einem deutschen Fernsehkanal gesendet worden ist. Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass unser Volk wegen dieser hässlichen Ausdrücke sich tief verletzt gefühlt hat. Die Pressefreiheit kann niemals unbeschränkt sein. Die Meinungsfreiheit kann niemals unbeschränkt sein. Die Freiheiten reichen nur bis zur Grenze eines anderen Freiheitsbereichs. Bis dahin bist du frei, aber sobald du den Freiheitsbereich eines anderen Menschen betrittst, endet deine Freiheit, sollte deine Freiheit enden. Anders herum würde dies die Missachtung der Menschenwürde bedeuten. Es würde die Missachtung des Rechts auf eine unterschiedliche Organisation bedeuten. Wir erwarten in diesem Punkt Sensibilität. Wir erwarteten und erwarten in diesem Zusammenhang von denjenigen, die für die Ausstrahlung des besagten Programms verantwortlich sind, von der betreffenden Behörde, dass sie sich vor allem bei unseren alevitischen Staatsbürgern, bei der Öffentlichkeit wegen der erfolgten Übergriffe entschuldigen. Unsere Unruhe in diesem Zusammenhang haben wir, meine lieben Brüder und Schwestern, den deutschen Stellen mitgeteilt, wir werden dies weiter verfolgen. Wir haben dies in zahlreichen europäischen Parlamenten, im Europarat und bei unseren Gesprächen auf die Tagesordnung gesetzt.

Meine werten Brüder und Schwestern, wir sind in der Türkei in dem Maße glücklich und ruhig, wie Sie hier glücklich und ruhig sind. Ihre Probleme sind unsere Probleme. Seien Sie versichert, dass Ihre Angelegenheiten auch unsere Angelegenheiten sind. Wichtig ist, dass wir die Hoffnung nicht verlieren, dass wir niemals Abstriche an dem Geist der Solidarität zulassen, wir einheitlich sind, stark und vital sind. Es gibt kein Problem, das wir mit Gottes Hilfe nicht überwinden können, es wird kein solches Problem geben.”

Quelle: http://www.welt.de/debatte/article1660510/Das-sagte-Ministerpraesident-Erdogan-in-Koeln.html

Hervorhebungen von mir. Über die so gekennzeichneten Textstellen mag sich jeder selber seine Gedanken machen….  Ich möchte sie nicht im einzelnen kommentieren, bewundere aber beinahe das Geschick Erdogans, mit dem er seine Botschaft im Hinblick auf das Fortschreiten einer islamischen Gesellschaftsordnung für Deutschland und Europa  innerhalb seiner Rede so verpackt hat, dass sie erst beim sorgfältigen Lesen trotz der nebulösen Äußerungen erkennbar wird.

Damals – 2008 –  rief die Rede schon deutliche Missfallensäußerungen hervor, heute erscheint sie mir  vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen des “Islamischer Staat” und der Unterstützung der IS-Kämpfer durch die Türkei beinahe wie ein Menetekel für das, was Europa unter einem “Bündnis der Zivilisation”  (im Sinne Erdogans mit  türkisch-islamischer Prägung)   noch bevorstehen könnte.

Wer mag ernsthaft daran glauben, dass noch mehr Integrationsbemühungen junge Männer, die von in der Türkei ausgebildeten Imamen beeinflusst werden, davon abhalten werden, für ihre Religion in einen blutigen Krieg zu ziehen und wer hofft allen Ernstes, dass ein Resozialisierungsprogramm zum Erfolg führen und die von ihrer Religion überzeugten  jungen Männer in unser demokratisches, freiheitliches Gesellschaftssystem neu eingliedern wird?

Es gehört aber zu den ausgesprochen guten Seiten unseres Rechts- und Gesellschaftssystems, jedem Menschen  eine zweite Chance zu geben….

Dazu stehe ich!

 

Die mit dem Fisch… 1. September, 2014

Posted by Rika in christsein und glaube.
Tags:
1 comment so far

Immer wieder mal sieht man im Straßenverkehr Autos mit einem Aufkleber, der in stilisierter Form einen Fisch zeigt.

Doch die  Vermutung einiger Zeitgenossen, es handele sich bei den Autobesitzern wohl um Mitglieder eines Angelvereins, trifft  nicht zu. Zwar mögen manche Fahrer  der mit einem Fisch geschmückten Autos auch Angler sein, aber der Fisch steht für etwas anderes:  Mit dem Symbol des Fisches geben sich Christen untereinander zu erkennen, bzw. bekennen sie für alle sichtbar, dass sie Menschen  sind, die an Jesus Christus als den Sohn Gottes und Erlöser glauben:

 

Das griechische Wort für Fisch ἰχθύς (ichthýs) enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis (ησοῦς Χριστὸς ΘεοῦΥἱὸς Σωτήρ):

  • ΗΣΟ˜ΥΣIēsoũs (neugr. Ιησούς Iisoús) Jesus
  • ΧΡΙΣΤῸΣChristòs „Christus“ (der Gesalbte)
  • ΘΕΟ˜ΥTheoũ (neugr. Θεού theoú) Gottes
  • ΥἹῸΣ — Hyiòs (neugr. Υιός Iós) Sohn
  • ΣΩΤΉΡSōtér (neugr. Σωτήρας Sotíras) Erlöser

 

siehe Wikipedia

Früher, so sagt die Legende, gaben sich die ersten Christen, die noch dem Druck der Verfolgung ausgesetzt waren, so einander zu erkennen. Der erste malte einen unverdächtig erscheinenden  Bogen in den Sand oder auf die Wand, der andere, so er das Zeichen verstand, ergänzte den ersten Bogen mit einem zweiten zum “Fisch”.   Lange Jahre war das Symbol in Vergessenheit geraten, erst in neuerer Zeit ist es wieder gebräuchlich geworden, als öffentliches Bekenntnis und Erkennungszeichen. (siehe Wiki)

Als die ersten “Fische” an den Autos aufkamen fand ich das zwar nett, machte aber nicht mit, obwohl ich mich seit ich denken kann zu Jesus bekenne, als den, der mich erlöst.

Aber ich war eben nicht nur eine, die sich zu Jesus bekennt, ich war auch immer ein ziemlich wildes Kind mit eigenem Kopf, ein ungestümer Mensch, wenn es darum ging, etwas, was mir wichtig war, zu “verteidigen”. Mein Mann nannte das immer meinen “missionarischen Eifer”, der sich nun keineswegs in erster Linie auf die klassische Variante von “Mission” bezog, sondern ganz schlicht auf die Art meiner Meinungsäußerung bei mir wichtigen Dingen. Ihm war dieser Eifer nie so ganz geheuer und das gab er mir auch ziemlich unverblümt immer wieder zu verstehen. Mit der Zeit lernte ich, mich etwas besser zurück nehmen zu können, nicht mehr ganz so eifrig meine Meinung unters Volk zu predigen. Aber ganz ablegen kann ich das Verhalten wohl immer noch nicht, so sehr ich mich auch bemühe.

So wild wie ich als Kind war, so ungestüm wie ich argumentierte, so fuhr ich auch Auto, schnell und manchmal auch herausfordernd – zum Glück aber auch sehr sicher! Beim Wiedereinstieg in meinem Beruf nach der langen Kinderpause, machte es die große Entfernung zu meinem Arbeitsplatz erforderlich, dass wir ein zweites Auto anschafften, “mein Auto”.

Mir gefiel die Sache mit dem  Fisch-Symbol zunehmend besser und ich überlegte, ob ich nicht auch mein Auto so kennzeichnen sollte. Aber, so dachte ich, war dieser Fisch mit meinem Fahrstil überhaupt in Einklang zu bringen? Sollten Christen, wenn sie sich schon als solche zu erkennen geben, nicht ein besseres Vorbild abgeben als ich das mit meiner Fahrerei vermutlich tat? Ich beschloss, zukünftig rücksichtsvoller zu fahren und klebte mir den Fisch an die Heckklappe meines Autos. Und tatsächlich hat mich dieses unscheinbare kleine Zeichen dazu gebracht permissiver zu fahren, weniger wild, weniger herausfordernd, freundlicher im Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Warum ich das hier so ausführlich schreibe?

Weil ich auch im Netz mit dem Fisch unterwegs bin, auch wenn er nicht mehr so gut sichtbar zu erkennen ist, wie an meinem Auto.  Ich schreibe diesen Blog, kommentiere bei anderen Bloggern, bin bei Facebook aktiv. Manchmal gerate ich in hitzige Diskussionen und manchmal passiert es mir, dass mir doch die Gäule durchgehen und ich mich in gleicher unverschämter Weise äußere, wie ich sie bei so vielen Leuten beobachte und gar nicht leiden kann.  Manchmal kostet es mich Mühe, nicht in den schrecklichen Jargon der Schmähungen mit einzusteigen, und eben nicht nur auf die beleidigenden Ausdrücke aus der Tier- und Fäkalsprache zu verzichten, sondern auch mit meinem Schreibstil sorgsam so umzugehen, dass ich zwar meine Meinung sage, mein Gegenüber aber nicht absichtlich herabwürdige oder beleidige.  Es kommt vor, dass ich mich in Grund und Boden schäme, weil ich andere  Menschen mit Verachtung behandelt habe.  

“Die mit dem Fisch” sind sicher nicht bessere Menschen als alle anderen, aber sie weisen auf den hin, der wie kein anderer Menschen mit Liebe begegnete, sich ihrer annahm und sich selbst nicht scheute, mit als  Sünder verachteten Leuten  Gemeinschaft zu haben.

Christen dürfen, nein, sie sollen sich einmischen, ihre Meinung unters Volk bringen, auch manchmal unnachgiebig sein, wenn es darum geht  die Botschaft Jesu  und seiner  Werte zu verteidigen, sie sollen  aktiv für das einstehen, das ihnen wichtig ist.  Der, auf den der Fisch hinweist, hat sehr eindeutig seine Meinung vertreten, er war immer klar in seiner Rede und in seinem Handeln, aber er begegnete den Menschen mit Geduld, Verständnis und Liebe.

Ich übe mich noch immer darin, Ihm nachzueifern…. mehr kann ich nicht versprechen.

 

 

Fremde Feder: “Ein Insider-Handbuch…” 27. August, 2014

Posted by Rika in aktuell, araber-"palästinenser", gesellschaft, islam, israel, politik.
Tags: , , , , , ,
1 comment so far

Rika:

Ruth hat einen Text übersetzt, der sich mit dem Phänomen beschäftigt, dass Israel, dieses winzige Land, im ständigen Fokus der Presse steht, obwohl in anderen Konfliktherden der Welt weitaus größere Opfer zu beklagen sind…
Danke an Ruth für diese Wahnsinnsarbeit.

Ursprünglich veröffentlicht auf Blick auf die Welt - von Beer Sheva aus:

Das englische Original von Matti Friedman wurde gestern auf Tablet veroeffentlicht.

Bis Mitternacht habe ich den Text ins Deutsche uebersetzt. Ich habe versucht, Tablet und Matti Friedman zu erreichen, um mir eine Genehmigung fuer die Uebersetzung zu holen. Bis jetzt habe ich noch keine Antwort erhalten.

Die Veroeffentlichung des uebersetzten Texts geschieht also unter Vorbehalt. Notfalls muss ich ihn wieder aus dem Blog loeschen.

Ein Insider-Handbuch zur wichtigsten Story der Welt

Ein ehemaliger AP Korrespondent erklärt wie und warum Reporter Israel missverstehen und wieso das etwas ausmacht

Die Israel-Story

Blieb irgendetwas zu Israel und dem Gazstreifen noch ungesagt? Diesen Sommer sind die Zeitungen voll davon. Fernsehzuschauer sehen Trümmerhaufen und Wolkensäulen schon im Schlaf. Ein repräsentativer Artikel aus der jüngsten Ausgabe des “The New Yorker” beschriebt die Ereignisse dieses Sommers, indem er je einen Satz für den Horror in Nigeria und in der Ukraine verwendet, vier Sätze für die fanatischen Völkermörder…

Original ansehen noch 3.738 Wörter

Die Bedrängnis erkennen… 22. August, 2014

Posted by Rika in islam.
Tags: , , , , , , , , , , ,
2 comments

Johannes Gerloff hat einen sehr guten Artikel über die Situation und  Vertreibung der Christen im Irak geschrieben.

Ich stelle ihn hier ungekürzt ein:

Die Apokalypse des irakischen Christentums

Christen und andere „Ungläubige“ zu vernichten ist das erklärte Ziel islamistischer Extremisten im Irak. Eine der ältesten christlichen Kulturen der Welt steht vor dem Aus. Eine Analyse von Johannes Gerloff

Die Bilder sind grauenhaft. Aneinander gekettete Frauen werden reihenweise als Sex-Sklaven feilgeboten. Männer müssen sich in Massengräber legen, wo sie durch Kopfschüsse getötet werden. Kreuze, an denen blutüberströmte menschliche Körper hängen. Nicht nur Soldaten, sondern auch Kleinkinder werden enthauptet, die abgeschnittenen Köpfe auf Pfählen zur Schau gestellt – was die Täter dann fotografieren und stolz im Internet veröffentlichen.

Begleitet werden die Bilder von Schreckensgeschichten, die kaum unabhängig überprüft werden können. Aber sie haben Wirkung: Tausende orientalische Christen sind auf der Flucht. In der Mitte des zweiten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert steht eine der ältesten christlichen Kulturen weltweit vor dem Aus.

Dabei standen die Zeichen unmissverständlich an der Wand. Was heute grauenhaft Wirklichkeit wird, wurde durch Graffiti an den Hauswänden der irakischen Großstädte Bagdad und Mossul seit Jahren angekündigt. Und der dort angesprühte anti-christliche Hass war keineswegs präzedenzlos. Bereits vor eineinhalb Jahrzehnten drohten islamistische Wandschmierereien in Ägypten: „Zuerst die Samstag-Leute! Dann die Sonntag-Leute!“

Auslöschung mit System

Tatsächlich ist die Massenvertreibung der christlichen Bevölkerung des arabisch-islamischen Orients eine konsequente Fortsetzung der erklärten, planmäßigen und erfolgreichen ethnischen Säuberung der arabischen Juden, der „Samstag-Leute“. Waren Mitte 20. Jahrhunderts noch mehr als eine Million Juden in der arabischen Welt beheimatet, so ist diese heute praktisch „judenrein“.

Jetzt sind Zentren, Organisationen und Institutionen der „Sonntag-Leute“ „legitime Ziele“ extremistischer Muslime. Sie wollen erklärtermaßen „alle Ungläubigen töten, wo immer sie ihrer habhaft werden können“. Mit „Ungläubigen“ sind aus Sicht der Muslime alle Andersgläubigen gemeint, nicht nur Christen, sondern auch Jesiden und Muslime der jeweils anderen Glaubensrichtungen.

Aus Perspektive der Christen erwächst die Bedrohung aber nicht nur von Seiten sunnitischer Islamisten, etwa der Muslimbruderschaft, der Al-Qaida und ihrer „Töchter“, der Nusra-Front oder des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS), sondern auch von schiitischen Gruppierungen. So ordnete im Jahr 2012 der Großajatollah Sajid Ahmad al-Hassani al-Baghdadi in einem Interview mit dem ägyptischen Fernsehsender Al-Baghdadiah die uneingeschränkte Unterwerfung oder Ermordung aller Christen im Irak an.

Systematisch haben radikale Muslime im Irak über Jahre hinweg ein Klima des Schreckens,

(mehr…)

Experten für den Frieden? 21. August, 2014

Posted by Rika in aktuell, araber-"palästinenser", israel, terrorismus.
Tags: , , , , , , , ,
3 comments

In Deutschland gibt es überaus viele Experten, darunter besonders viele “Nahostexperten”. Diese haben sich nun mit einem offenen Brief an die Bundesregierung gewandt mit der Bitte, eindeutige Schritte gegen Israel zu unternehmen. Zuvorderst wird die Beendigung der “Blockade des Gazastreifens”  angemahnt, sowie die Stärkung der palästinensischen Präsenz in Ost-Jerusalem, die Aufgabe der Siedlungspolitik (bzw. der Siedlungen) und die Errichtung des Staates Palästina.

Es fällt auf, dass die versammelte Expertenschar ihre Forderungen ausschließlich an Israel richtet, nicht aber im Gegenzug die Forderung nach einer sofortigen Einstellung aller Terroraktionen gegen Israel an die “Palästinenser”  gestellt wird oder gar von diesen verlangt wird, die Existenz und das Fortbestehen des jüdischen Staates bedingungslos anzuerkennen.

Ich finde es sehr interessant, die Namen der Experten    der erklärten Gegner Israels zu erfahren. Da sie so freundlich waren, diese als “Unterzeichner” unter den offenen Brief zu setzen, bin ich jetzt so offen, sie  hier zu versammeln, die Experten, die allesamt gegen Israel votieren!

Mag sich ein jeder seine Gedanken darüber machen…..

  • Prof. Dr. Helga Baumgarten, Politikwissenschaftlerin, Birzeit University (Westjordanland)
  • Prof. Dr. Ulrike Freitag, Direktorin, Zentrum Moderner Orient (ZMO), Berlin
  • Prof. em. Dr. Karin Kulow, Arabistin & Islamwissenschaftlerin, Berlin
  • Wiltrud Rösch-Metzler, Bundesvorsitzende, pax christi, Berlin
  • Prof. Dr. Udo Steinbach, Islamwissenschaftler, Berlin
  • Peter Röhrig, ehem. Landesdirektor Deutscher Entwicklungsdienst (DED) in Ramallah & EZ-Berater, Berlin
  • Dr. Reiner Bernstein, Historiker & Publizist, Genfer Initiative Deutschland, München
  • Judith Bernstein, Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe, München
  • Dr. René Wildangel, Leiter, Palästina/Jordanien-Büro Heinrich-Böll-Stiftung, Ramallah
  • Dr. Bahman Nirumand, Journalist & Autor, Berlin
  • Wolfgang Schmidt, Propst, Jerusalem
  • Dr. Gerhard Fulda, Botschafter a.D. & Vizepräsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG)
  • Almut Hoffmann, ZFD-Koordinatorin Weltfriedensdienst e.V., Bethlehem
  • Riad Othman, Leiter, Palästina/Israel-Büros von medico international, Ramallah
  • Prof. em. Dr. Werner Ruf, Politikwissenschaftler, Friedensforscher & Soziologe, Edermünde
  • Dr. Michael Lüders, Islamwissenschaftler & Politik- und Wirtschaftsberater & Publizist/Autor, Berlin
  • Loay Mudhoon, Redaktionsleitung Qantara.de: Dialog mit der islamischen Welt, Deutsche Welle, Bonn
  • Manuela Römer, Medienberaterin und -trainerin, AnNajah National University, Nablus (Westjordanland)
  • Kai Wiedenhöfer, Dokumentarfotograf, Berlin
  • Prof. em. Dr. Stefan Wild, Islamwissenschaftler, Universität Bonn
  • Dr. Katja Hermann, Islamwissenschaftlerin, Ramallah
  • Johanna von Toggenburg, Advocacy Coordinator Ewash (The Emergency Water and Sanitation-Hygiene Group), Jerusalem
  • Tessa Lambrich, Juristin, Ramallah
  • Jakob Rieken, Politikwissenschaftler, Jerusalem
  • Thomas König, Agraringenieur & Entwicklungshelfer im Auja-Umweltbildungszentrum, Al Auja, Jericho (Jordan-Tal)
  • Tsafrir Cohen, Nahostreferent medico international, Frankfurt
  • Prof. em. Dr. Helmut Mejcher, Hamburg
  • Dr. Marianne Schmidt-Dumont, Hamburg
  • Christian Sterzing, ehem. MdB & ehem. Leiter des Palästina-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung & Autor/Publizist, Edenkoben
  • Dr. Stephan Rosiny, GIGA Institut für Nahoststudien, Hamburg
  • Thimna Bunte, ZFD-Fachkraft, KURVE Wustrow  Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V., Al-Walajeh (Westjordanland)
  • Dr. André Bank, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GIGA Institut für Nahost-Studien, Hamburg
  • Prof. em. Dr. Mohssen Massarrat, Universität Osnabrück
  • Dr. Anja Zorob, Islam- & Wirtschaftswissenschaftlerin, Bochum
  • Clemens Messerschmid, Hydrogeologe, Ramallah
  • Prof. Dr. Arshin Adib-Moghaddam, Professor in Global Thought and Comparative Philosophies, School of Oriental and African Studies (SOAS), University of London
  • Stefan Wagler, Psychologe und ZFD-Fachkraft für den Weltfriedensdienst e.V., Bethlehem
  • Prof. Dr. Mustafa Gencer, Historiker an der Abant İzzet Baysal University, Bolu (Türkei) 
  • Kerstin Gollembiewski, ZFD-Koordinatorin Palästina/Israel, KURVE Wustrow, Ramallah
  • Prof. Dr. Andreas Kaplony, Arabist & Islamwissenschafter, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Prof. Dr. med. Günter H. Seidler, Leiter Sektion Psychotraumatologie, Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg
  • Alexandra Senfft, Autorin & Publizistin
  • Dr. Thomas K. Gugler, Exzellenzcluster “Religion und Politik”, Zentrum für Islamische Theologie, Universität Münster
  • Dr. Sonja Hegasy, stellv. Leiterin des Zentrums Moderner Orient (ZMO), Berlin
  • Dr. Mohammad Gharaibeh, Islamwissenschaftler & wissenschaftlicher Koordinator des Annemarie-Schimmel-Kollegs, Universität Bonn
  • Nirit Sommerfeld, Schauspielerin & Israel-Palästina-Reisen, München
  • Jörn Böhme, ehem. Leiter des Israel-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung
  • Petra Salz, Betriebswirtin & Therapeutin, Silwan (Ost-Jerusalem)
  • Dr. Ludwig Watzal, Journalist & Redakteur, Bonn
  • Ali Fathollah-Nejad, Research Fellow, Deutsches Orient-Institut, Berlin
  • Gesa Heym-Halayqa, International Office, Freie Universität Berlin
  • Dr. Ulrike Stehli-Werbeck, Dozentin für Arabistik, Universität Münster & Universität Basel
  • Svenja Oberender, Programmkoordinatorin, Heinrich-Böll-Stiftung, Ramallah
  • Alia Rayyan, Direktorin, Al-Hoash Gallery, Jerusalem
  • Joachim Paul, ehem. Leiter des Palästina-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung, Tunis 
  • Petra Schöning, Politikwissenschaftlerin, Köln
  • Dr. Bassam Helou, Vorstandsmitglied Deutsch-Arabische Gesellschaft (DAG), Sankt Goar
  • Bernhard Hillenkamp, Berater/ Referent Nahost im forumZFD & langjähriger KZE für medico International BMZ-Projekt in Gaza
  • Dr. Fritz Balke, stellv. Vorsitzender Nahost-Forum e.V., Berlin
  • Nora Lafi, Historikerin am Zentrum Moderner Orient, Berlin
  • Miriam Shabafrouz, Politikwissenschaftlerin, Frankfurt
  • Dr. des. Luay Radhan, Islamwissenschaftler, Heidelberg
  • Dr. Sophia Hoffmann, freiberufliche Beraterin, Berlin
  • Elhakam Sukhni, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Islamische Theologie, Universität Osnabrück
  • Iris Hefets, Psychotherapeutin, Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahost, Berlin
  • Robert Jesse, Islamwissenschaftler & Development Advisor in Palästina
  • Dr. Lisa Franke, Arabistin/Islamwissenschaftlerin, Universität zu Köln
  • Katharina Kretzschmar, Doktorandin der Geschichte, Technische Universität Berlin
  • Charlotte Joppien, Doktorandin, Department of Anthropology, Macquarie University, Sydney
  • Neda Noraie-Kia, Politikwissenschaftlerin, Berlin
  • Shelley Harten, Doktorandin, Freie Universität Berlin, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes
  • Dr. Ahmed Badawi, Direktor, Transform e.V. – Zentrum für Konfliktbearbeitung und politische Entwicklung, Berlin
  • Michaela Birk, Geschäftsführerin, Transform e.V. – Zentrum für Konfliktbearbeitung und politische Entwicklung, Berlin
  • Angelika Vetter, Vorsitzende Institut für Palästinakunde e.V., Bonn
  • Nadine Schnelzer, Nahostwissenschaftlerin & Übersetzerin, Erlangen
  • Sarah Albrecht, Islamwissenschaftlerin, Freie Universität Berlin
  • Jochi Weil-Goldstein, ehem. Projektverantwortlicher für Palästina und Israel bei medico international Schweiz, Zürich
  • Dr. Gerlinde Wunder, Gerontologin, Ramallah 
  • Dr. Stephan Milich, Arabist & Übersetzer, Universität zu Köln
  • Hermann Kuntz, Pfarrer, zahlreiche Gruppenleitungen nach Israel/Palästina, Jerusalemsverein im Berliner Missionswerk, Berlin
  • Dr. Viktoria Waltz, ehem. Partnerschaftsbeauftragte TU Dortmund / Birzeit University & ehem. Regierungsberaterin beim Ministry of Housing (MOH) Gaza/Ramallah
  • Anna-Lena Punken, Politikwissenschaftlerin, Hamburg
  • Tanya Ury, Künstlerin & Mitglied der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, Köln 
  • Lerke Scholing, Dipl.-Pädagogin & Lehrauftrag an der Universität Lüneburg zum Nahost-Konflikt
  • Martin Forberg, Dozent, Mitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte, Berlin
  • Eva Johais, Politikwissenschaftlerin, Universität Duisburg-Essen
  • Dr. Jochim Varchmin, Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München & AK Nahost Berlin
  • Lothar Heusohn, Dipl.-Soziologe, Ulmer Volkshochschule
  • Galit Altshuler, Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost
  • Ali Memari Fard, Vorstandsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG), Dessau-Roßlau
  • Fionn Harnischfeger, Politikwissenschaftler, München
  • Prokop Bowtromiuk, freischaffender Redakteur
 

Weitere UnterzeichnerInnen

  • Dr. Bettina Marx, Journalistin
  • Prof. Dr. jur. habil. Hans-Georg Ebert, Universitätsprofessur Islamisches Recht, Orientalisches Institut, Universität Leipzig  
  • Prof. Dr. Thomas Bauer, Arabist und Islamwissenschaftler, Universität Münster
  • Malika Bouziane, Research Associate, Arbeitsstelle Politik des Vorderen Orients, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft, Freie Universität Berlin
  • Günther Orth, Übersetzer und Dolmetscher für Arabisch, Berlin
  • Jan Busse, Politikwissenschaftler, Berlin
  • Dr. Christiane Fröhlich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH), Universität Hamburg
  • Dr. Christoph Marcinkowski, Islamwissenschaftler, Leiter der Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit, missio Aachen
  • Prof. em. Dr. Norman Paech, Völkerrechtler, Hamburg
  • Layla Al-Zubaidi, Leiterin des Büros Südliches Afrika, ehem. Leiterin des Büros Mittlerer Osten der Heinrich-Böll-Stiftung, Kapstadt
  • Azadeh Zamirirad, Politikwissenschaftlerin, Universität Potsdam
  • Dr. Ulrike Dufner, Politikwissenschaftlerin, Istanbul
  • Dr. Hermann Düringer, ehem. Leiter der Evangelischen Akademie Arnoldshain, zahlreiche Tagungen zu Nahost
  • Jörg Tiedjen, Redakteuer “Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten” (INAMO), Berlin
  • Ruth Fruchtman, Autorin, Mitglied der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V. (EJJP  European Jews for a Just Peace, Deutschland)
  • Mike Thanner, Politikwissenschaftler, Jerusalem
  • Dr. Rüdeger Baron, Politikwissenschaftler, Mitglied im AK Palästina des Nürnberger Evangelischen Forums für den Frieden
  • Nuray Atmaca, M.A. Politik und Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens (Universität Marburg)
  • Zuher Jazmati, Orientwissenschaftler, Marburg & Berlin
  • Hanna Pfeifer, Politikwissenschaftlerin, Universität Magdeburg
  • Jürgen Jung, Schauspieler und Politologe, Mitglied von Salam Shalom Arbeitskreis Palästina-Israel e. V. München

Margot Kässmann…. 13. August, 2014

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, meine persönliche presseschau, politik.
Tags: , , , , ,
6 comments

hat den Redakteuren –  Christiane Hoffmann und  René Pfister – des Magazin  “Der Spiegel” ein Interview gegeben unter dem  etwas provozierenden Titel: “Beten mit den Taliban”.

Ich habe zunächst über das Internet   davon  erfahren, z. B. hier   hier    und hier   und in vielen Kommentaren bei Facebook.

Am Montag   die Druckausgabe des “Spiegel”  im Briefkasten … und sofort das ganz Interview gelesen!

Es ist ein interessantes Gespräch, das mit der Frage eröffnet wird:

Frau Kässmann, war es ein gerechter Krieg, als die Alliierten Deutschland von der Herrschaft der Nazis befreiten?

die Frau Kässmann so beantwortet:

Es war sicherlich ein Krieg mit einer guten Intention und am Ende die Befreiung vom Naziterror. Aber mir fällt es schwer, Kriege zu rechtfertigen. Es gibt nur einen gerechten Frieden. Wenn es zu einem Krieg kommt, ist das immer ein Versagen, weil es nicht schon viel früher Versuche gegeben hat, Waffengewalt zu verhindern.

Wie schon in dieser Eingangssequenz deutlich wird,  ist das Gespräch vor allem durch die Art des verbalen Schlagabtauschs interessant: Die Spiegel-Journalisten stellen provokante Thesen / Fragen zur Debatte, Frau Käsmann antwortet mit nicht minder provozierenden Statements, wie es das in den Medien so hart kritisierte Zitat zeigt:

Ich fände es gut, wenn die Bundesrepublik auf eine Armee verzichten könnte wie etwa Costa Rica. Natürlich weiß ich, dass das eine Utopie ist, allein wegen der Einbindung Deutschlands in die NATO.“

Dabei unterschlagen die Kommentatoren in den Blogs und Foren  jedoch die etwas provozierende Frage der Interviewer, die der oben zitierten Antwort vorausgeht, nämlich:

“Warum sagen Sie nicht gleich: Schafft die Bundeswehr ab!”

Dieser  Ausschnitt   markiert jedoch schon fast das Ende des Gesprächs.

Auffällig an dem Gesprächsverlauf zuvor, ist,  wie sehr  sich Frau Kässmann darum bemüht, nicht konkret zu werden, sie flüchtet sich geradezu von einem  friedlichen Statement zum nächsten und zieht immer neue Karten mit weiteren Stichworten aus  ihrem umfangreichen Zettelkasten fromm-friedlicher Sprüche. Wann immer die Journalisten eine Frage stellen, holt Frau Kässmann die passende  ausweichende Antwort aus ihrem schier unerschöpflichen Repertoire.

Zum Beispiel:

Spiegel: Ist für die evangelische Kirche eine militärische Intervention überhaupt zu rechtfertigen?

Antwort Kässmann:

Ich bin Pazifistin, aber keine Radikalpazifistin. Für mich ist Gewaltfreiheit immer die vorrangige Option. Ich kann mir aber vorstellen, und so steht es auch in einer Denkschrift der EKD aus dem Jahr 2007, dass unter strengen Kriterien  “eine Art internationaler Polizeiaktion” möglich ist.

Das ist, denke ich, eine durchaus diskussionswürdige Idee, wobei es in dieser kurzen Passage jedoch völlig offen bleibt, wie so eine “internationale Polizeiaktion” aussehen könnte, wer die Aktion auf den Plan riefe, wie die Bewaffnung wäre, welche Zielsetzung dem Einsatz zugrunde läge und wer überhaupt die “Polizei” stellen sollte. Das alles bleibt im Interview sehr vage und müsste an Ort und Stelle in der Denkschrift nachgelesen werden.

Die prompte  Nachfrage der Journalisten, was das genau hieße, “präzisiert” Frau Kässmann so:

Die evangelische Kirche hat insgesamt sieben Kriterien aufgestellt, die erfüllt sein müssen, damit ein Einsatz gerechtfertigt ist. So muss zum Beispiel unter allen Umständen dafür gesorgt werden, dass Zivilisten geschont werden. Außerdem muss es ein UNO-Mandat geben.

Natürlich wird  diese Aussage umgehend gekontert, Spiegel:

Damit hätte der Krieg der Alliierten gegen Hitler und der Einsatz der Nato im Kosovo nicht stattfinden dürfen. Bei beiden kamen Zivilisten zu schaden, und im Kosovo gab es kein UNO-Mandat. Wäre es nicht ehrlicher von Ihnen zu sagen: Ich bin ganz  gegen Kriegseinsätze, ohne diese rhetorischen Verrenkungen?

Damit nähern sich die Kontrahenten langsam dem Kern der “Kampfzone um Krieg und Frieden”. Frau Kässmann:

Meine Position ist, dass wir alles tun müssen, um Kriege als Institution abzuschaffen. Ich persönlich finde es sehr positiv, dass die Deutschen eine solche Abneigung gegen Krieg entwickelt haben.

Wer in unserer schönen Bundesrepublik würde den Satz, “Krieg als Institution abzuschaffen” nicht unterschreiben wollen. Es ist ein wunderbares Ziel, auf eine grausame und den Tod bringende Institution verzichten zu wollen.  Aber leider ist die Wirklichkeit auf unserem Planeten eine völlig andere. Kriege werden geführt, immer noch und wohl auch immer wieder.

Es mag für Frau Kässmann und viele ihrer NachfolgerInnen  persönlich ja sehr schön sein, dass die Deutschen eine Abneigung gegen den Krieg entwickelt haben, und hätte sie gesagt, “gegen einen Krieg zu sein, den WIR, die Deutschen anzetteln oder den unsere Verbündeten in der NATO anzuzetteln gedenken und den wir dann ob wir wollen oder nicht, mittragen müssen” – so könnte ich ihr im Kern zustimmen. Die Abneigung,  einen Krieg anzuzetteln, teile ich nämlich auch. Aber ganz anders sieht es doch aus, wenn wir zu Hause auf dem Sofa sitzen und uns via Fernsehen die grauenhaftesten Bilder aus den Kriegsgebieten dieser Erde präsentiert werden und wir dann nur seufzend die Hände in den Schoß legen und sagen: “Da kann man nichts machen. Ich bin ja gegen den Krieg, aber ich rufe eine Spendenaktion für die Opfer ins Leben….!”

Denn das ist die Konsequenz, die man  aus den nächsten beiden Dialog-Szenen schlussfolgern müsste:

Spiegel: Der Historiker Heinrich August Winkler hat kürzlich gesagt, es sei ein pathologischer Lernprozess, wenn die Deutschen aus den dunklen Kapiteln ihrer Geschichte den Schluss ziehen, sich in einer weltpolitischen Nische zu verstecken.

Kässmann: Was soll daran pathologisch sein? Sind die Schweizer pathologisch oder die Schweden? Ich fände es gut, wenn wir als Konsequenz aus den Schrecken des 20. Jahrhunderts sagen: Wir beteiligen uns nicht an Kriegseinsätzen.

Mir kommt Frau Kässmanns Erwiderung an dieser Stelle unredlich, ja, unverantwortlich verantwortungslos vor.  Sie weist einmal  auf Staaten hin, die im großen Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkriegs bereits “neutral”  und nicht Kriegspartei waren, die also gar nicht  den oben genannten “Lernprozess” durchlaufen mussten, sondern bereits viel früher zu einer anderen politischen Haltung in Bezug auf Allianzen in Kriegs- und Friedenszeiten gekommen waren und bis heute dabei geblieben sind.   Zum anderen unterschlägt sie, dass  “nur” durch den enormen militärischen Einsatz der Alliierten und durch größte menschliche Opfer  der Schrecken der Naziherrschaft über Europa gewendet werden konnte. Gegenwärtig erleben wir in Syrien und Irak einen furchtbaren und mörderischen Krieg gegen vollkommen unschuldige Menschen, die auf die blutigste Weise gemordet und abgeschlachtet werden. Wenn je ein “gerade wir Deutschen” in der Argumentation berechtigt war oder ist, dann in dieser. Gerade wir Deutschen können uns nicht mit heimlichem Schauder zurücklehnen und uns nicht zuständig fühlen, die verfolgten Menschen aus ihren Qualen zu befreien.

Es ist zynisch zu sagen, wir hätten aus dem Schrecken des vergangenen Jahrhundert das gelernt, die Verfolgten dieses Jahrhunderts ihrem eigenen Schrecken zu überlassen. Das wäre oder ist nämlich die  Konsequenz der Kässmann’schen Haltung.

Die Interviewer haken nach:

Also sind Sie dafür, dass die Kirche jegliche Form von Gewalt ablehnt.

Antwort Kässmann:

Das ist meine Vision, ja. Altbundeskanzler Schmidt hat einmal gesagt, Leute mit Visionen sollten zum Arzt gehen. Aber ich finde die biblische Vision vom Frieden wunderbar. Friede und Gerechtigkeit werden sich küssen, heißt es in der Bibel. Was für ein schönes Bild!

Ja, was für ein schönes Bild! Welch eine herrliche Vision! Wer würde sich das nicht wünschen?

Aber muss ich  die  promovierte Theologin wirklich darauf hinweisen, dass sie diese “Vision” völlig aus dem Zusammenhang gerissen zitiert? Entnommen ist dieser Vers (11)   dem Psalm 85  in dem ein nicht näher genannter “Chorleiter”  sich im  Gebet  an  Gott wendet, ihm dafür dankt, dass ER, Gott  “die Gefangenschaft Jakobs wendet”, “die Ungerechtigkeit seines Volkes vergibt” , “seinen Grimm zurückgezogen hat” . Und er – der Chorleiter – bittet den “HERRN” um Gnade, “gewähre uns dein Heil”.…. “Fürwahr, nahe ist sein Heil denen, die ihn fürchten, damit Herrlichkeit wohne in unserem Land. Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst. Wahrheit wird sprossen aus der Erde, Gerechtigkeit herniederschauen vom Himmel.”  (nach der Elberfelder Übersetzung zitiert) Die “Wahrheit” wird nicht von Menschen verkündet, sie stellt sich ein, wie die Pflanze, die aus der Erde sprosst;  wirkliche Gerechtigkeit zu gewährleisten, dazu sind wir, die Menschen,  nach Ansicht dieses uralten Gebets ganz offensichtlich nicht imstande, sie wird  “vom Himmel”  geleistet.  Noch, so muss man dem Psalm entnehmen, ist der friedliche Zustand, den der Betende beschreibt,  nicht eingetroffen. Das Böse ist immer noch in der Welt. Und auch die  Voraussetzung für diesen paradiesischen Zustand ist bis heute nicht erfüllt,  nämlich “Gott zu fürchten”, wie es im Psalmwort heißt,  ihn zu ehren, seinen Worten zu folgen, könnte man dieses “fürchten” interpretieren.  Wäre es darum einer Theologin nicht angemessener, diesem Ziel zu folgen,  Gott in den Mittelpunkt ihrer Mission zu   stellen, statt zu einem gnadenlosen Pazifismus aufzurufen, der dazu beiträgt, dass Menschen im grausamen Elend bleiben?

Und das scheinen auch die Spiegel-Journalisten zu meinen, wenn sie auf die Kässmann’sche “Vision” erwidern:

Das stimmt. Das Problem beginnt dort, wo man sich eine Realität zusammenträumt und dann Politikern Handlungsanweisungen mit auf den Weg gibt.

Aus- und abweichend antworte Margot Kässmann darauf:

Warum setzen Sie Gewaltfreiheit immer mit Träumerei gleich? In Liberia haben Frauen mit Sitzblockaden einen Friedensprozess erzwingen. Es ärgert mich, dass solche Geschichten nie erzählt werden. Nach Ihrer Logik hätte es auch die friedliche Revolution in der DDR nie geben dürfen.

Frau Kässmann nimmt hier eine elegante Wendung vor.  Statt von Krieg und Frieden zwischen Staaten redet sie nun von Gewaltfreiheit im Staat,  statt von zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen zu sprechen,  bringt sie die Rede auf innerstaatliche Konflikte. Weder haben die Frauen in Liberia, noch haben die Menschen in der damaligen DDR gegen einen “äußeren Feind” gekämpft. Sie haben sich friedlich mit Problemen des eigenen Lebens und des eigenen Landes auseinandergesetzt und sind gegen die jeweiligen Zustände im friedlichen Protest auf die Straße gegangen. Das ist doch eine völlig andere Situation als die, in der sich beispielsweise die Christen und Yeziden im Irak befinden, die willkürlich angegriffen und ermordet werden. Sollten sie sich mit Kerzen auf den Markplatz setzen und so dem “Islamischen Staat” trotzen oder gar Einhalt gebieten?

An dieser Stelle des Interviews fällt dann die oben zitierte Frage nach der Abschaffung der Bundeswehr und folgt die Kässmann’sche Antwort (s.o.), die  mit einem weiteren Satz ergänzt wird:

Es wäre schön, wenn wir darauf verzichteten, Waffen in alle Welt zu liefern.

Die Spiegel-Redakteure lassen sich auf dieses Argument ein, fragen aber, was gegen Exporte in NATO-Länder spräche, die ja “versprochen haben, uns in der Stunde der Gefahr beizustehen”.

Darauf Frau Kässmann:

Meine ganz persönliche Meinung ist, dass ein Land mit der Vergangenheit wie Deutschland sich nicht dadurch hervortun muss, “schöne” und technisch ausgefeilte Waffen in die ganze Welt zu liefern. Welche Widersprüche durch Waffenexporte entstehen können, sehen wir doch jetzt am Beispiel Russlands. Es steht Deutschland gut an zu sagen: Wir exportieren Frieden und nicht Rüstung.

(Der Spiegel, Ausgabe 33,  11. 8. 2014, Seiten 23 und  24)

Soweit der von mir hervorgehobene Dialog.

Und wieder schafft Frau Kässmann eine elegante Wendung mit dem Hnweis auf die Waffenlieferung in alle Welt. Auch das ein Argument, über das man nicht nur wegen der enormen wirtschaftlichen Bedeutung und der Sicherung von Arbeitsplätzen trefflich streiten kann.  Ich verstehe zu wenig von wirtschaftlichen Fragen, um da kompetent mitreden zu können, könnte mich aber schon mit dem Gedanken anfreunden, auf die Herstellung von Waffen zu verzichten zugunsten von “Pflugscharen”, um mit dem biblischen Bild zu sprechen, das seit  den 80er Jahren auf den Kirchentagen so mit Hingabe diskutiert wird. Auch ich bin voller Überzeugung und mit Begeisterung und einem großen “Friedens-Sendungsbewusstsein” wochenlang mit dem “lila Tuch” umher gelaufen.

“Friedliche Technologie” in die Welt zu liefern bedeutet aber doch nicht im gleichen Arbeitsgang “Frieden” zu exportieren, zumal nahezu jede noch so friedliche  Technologie zu unfriedlichen Zwecken umfunktioniert werden kann.

Es bleibt  darum nachzufragen, wie der Export von Frieden geschehen soll oder kann.

Stelle ich mich auf die Straßen und Marktplätze und rufe “Friede sei mit euch”?  Verteile ich Flyer mit der schönen Friedenshymne Marin Luther Kings,  “I have a dream”?  Lade ich zu Symposien über “Friedensarbeit” ein, zu Friedenskongressen, Friedensgebeten? Und wenn ja, wo? Hier in Deutschland, in Europa, in Russland, China, Nordkorea?  In Nigeria, dem Irak, Iran, Syrien, Afghanistan? Verlese ich die berühmte “Erklärung der Menschenrechte”?  Darf ich eine Bibel mitbringen oder wäre der Koran oder eine Buddha-Statue angemessen?

Verteile ich kostenlos Medikamente, Nahrungsmittel, Kleidung,  Süßigkeiten?

Biete ich Antiaggressionstraining bei den Salafisten an? Empfehle ich Herrn Erdogan, von seinen Bemühungen Abstand zu nehmen, ein neues “Osmanisches Reich” zu errichten? Bemühe ich mich um  die Abschaffung aller Folterkeller und Methoden? Weise ich Monsanto in die Schranken und die Pharmakonzerne, die einen unglaublichen Reibach mit genau den Medikamenten machen, die in Afrika Leben retten könnten?

Wer würde mir helfen? Das THW oder doch lieber das Rote Kreuz?  Der Rote Halbmond oder der Magen David Adom? Sollten mich Geistliche  begleiten oder lieber Parteifreunde?

Wie macht man das, “Frieden exportieren”?

Diplomaten aussenden, die Außenminister aller Länder der Erde einberufen, die UN bemühen?

MARGOT, wie hast du dir das vorgestellt? Ich meine, so ganz konkret, nicht nur rein theoretisch?

Dazu wurde Frau Kässmann jedoch  nicht befragt und dazu hat sie auch nichts gesagt.

Aber das, genau das würde mich brennend interessieren.

So bleibt es bei den bekannten Reden und Friedensbekenntnissen der Margot Kässmann, die sich gut anhören, aber leider so gut wie gar nichts bewirken bei denen, die mit Gewalt die Welt erobern wollen – ob es nun die kleine Welt ihrer eigenen Lebensumstände ist oder die große, weite Welt, die wir uns mit so vielen Menschen teilen MÜSSEN… weil es nur diese eine Welt gibt.

 —————————–

Einen guten Kommentar von Jan Fleischhauer gibt es hier

Wo bleibt der Aufschrei der Muslime? 8. August, 2014

Posted by Rika in islam, politik, terrorismus.
Tags: , , , ,
2 comments

fragt der Kommentator  bei welt-online…

Im Irak wütet ein unvorstellbar grausamer muslimischer Mob …. und bitte jetzt nicht wieder das besänftigende “Das hat mit dem Islam nichts zu  tun!”

Wenn die Schlächter  von IS  = “Islamischer Staat”  schon in der Zielsetzung ihres mörderischen Tuns ausdrücklich den Islam ins Spiel bringen, hat das sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun. Es mag ja sein, dass die muslimischen Kämpfer von “Islamischer Staat”  eine etwas extravagante Auslegung des Islam befürworten, aber zu sagen, das habe nichts mit dem Islam zu tun, das kann niemand in unserer Gesellschaft länger als Ausrede der schweigenden muslimischen  Mehrheit gelten lassen, die doch so lautstark gegen Israel gewettert hatte. Das gilt jedoch nicht nur für die Muslime selbst, sondern zumindest im gleichen Maße  auch für ihre Unterstützer und Sympathisanten unter den Nichtmuslimen.  Erst recht gilt das für die Friedensbewegten der Grünen und  Linken***, den Mitläufern in der SPD und den heimlichen Unterstützern von CSU und CDU (wenn die vielleicht auch geringer sind als die der übrigen Parteien), nicht zu reden von den seltsamen Gestalten am sogenannten “rechten Rand der Gesellschaft”.

Ja, es gilt sogar für die christlichen Verbände und Gemeinschaften in unserer Gesellschaft, die viel zu lange dem schrecklichen Wüten stumm zugesehen haben und allenfalls die verfolgten christlichen Brüder und Schwestern in ihre Gebete eingeschlossen haben. Denkt jemand noch an das schön friedliche Bild der Betenden in den vatikanischen Gärten – Papst, Abbas und Peres mit ihrem jeweiligen Gefolge? Und erinnert sich vielleicht auch noch jemand an den Imam, der eine Sure in die öffentlichkeitswirksamen Zeremonie einbrachte, die vorher nicht abgesprochen war?   Sure 2.286:

You are our Guardian and Owner (to Whom We entrust our affairs and on Whom we rely) so help us and grant us victory against the disbelieving people!” Print

 

“Grant us victory against the disbelieving people”

Kaum jemand hat das kritisch zur Kenntnis genommen und die es taten, wurden rasch in die Ecke der   Islamophoben gedrängt und medial elegant zum Schweigen gebracht.

Vermutlich sollte auch über die Kämpfer von “Islamischer Staat” mediales Schweigen gebreitet werden, bis deren Untaten so grauenvoll wurden,  dass niemand mehr darüber hinweg sehen konnte. “Grant us victory against the disbelieving people!”   Der “Islamische Staat” definiert, wer unter “disbelieving people” fällt, und es sind eben nicht “nur”  Christen oder Yeziden, es sind  sehr,  sehr viele  Muslime – sofern man den Meldungen trauen kann -, die in den Kämpfern des blutigen Kriegszug  auf widerwärtige Weise getötet werden  und natürlich solche, die Widerstand leisten.

Schweigen die Muslime hierzulande deshalb, haben sie Angst? Angst vor den Leuten ihrer friedlichen Religion, die auch in Deutschland zum Kampf aufrufen? Sie – die friedlichen Muslime –   sind doch so viele hier in Deutschland, folgt man den Beteuerungen ihrer Verbände und Freunde, sie müssten doch gegen die wenigen Abweichler aufstehen und laut und vernehmlich sagen “Nein!  Hört auf!”

Doch es bleibt allenthalben ruhig. Kaum ein Gemüt in Europa regt sich auf. Und auch das zeigt die Tragödie im Irak auf brutale Weise. Es kommt in Deutschland und bei seinen Nachbarn nicht auf die Zahl der Opfer an, um aufzuschreien. Es ist entscheidend, um welche Toten es sich handelt.

Sterben einige tausend Palästinenser in einem Krieg, den ihre Führung begonnen hat, treibt es die Menschen auf die Straßen, weil endlich mal wieder gegen Israel gewettert werden kann. Schlachten Araber andere Araber und Kurden zu Zehntausenden ab, sind sie im Begriff einen Völkermord zu begehen, dann ist das hierzulande für viele Zeitgenossen zwar traurig, aber doch weit weg.

Aber sie schweigen und mit ihnen schwiegen  bislang  und schweigen  noch immer die Unterstützer ihrer Proteste gegen Israel.

Welcher muslimische Verband in Deutschland hat den Genozid im Irak eigentlich schon verurteilt? Welcher Imam in Köln oder Kopenhagen, Mailand oder München hat schon eine Donnerpredigt gegen die Mordbuben und schwarzen Schafe der eigenen Religion von der Kanzel gelassen?

 

Aber  die Tragödie kann man nicht länger übersehen, nun endlich berichten auch die Medien ausführlicher darüber, nun endlich scheint auch “die Politik” (oder das, was wir dafür halten) zu reagieren.

 

Und vielleicht begreifen wir endlich auch dies:

Das Töten im Irak zeigt auch: Es geht nicht mehr weiter so in Europa. Es muss Schluss sein mit Mulitkulti, wenn Multikulti bedeutet, auf die europäische Zivilisation zu pfeifen, wenn es heißt, Mord und Totschlag mit Achselzucken hinzunehmen. Es war Dolf Sternberger, der mit Blick auf den Rechtsextremismus schrieb: “Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit.” Dieser Satz muss heute auch für Islamisten in Deutschland gelten.

 

Mag sein, dass unsere Politiker das langsam in ihr Repertoire aufnehmen, wenn sie von “friedlichem Zusammenleben”  reden und die Auswüchse ausblenden, die ja immer schon sichtbar waren.

Vielleicht folgen sie  im aktuellen Fall  sogar Obamas Beispiel:

Obama, so heißt es in dem oben verlinkten Kommentar, “schickt sich an,  die Christen, Jesiden und Kurden zu schützen”.

Das wird auch Zeit, höchste Zeit!

Und wenn die deutschen Politiker nicht  militärischen Mitteln greifen wollen, so sollten sie endlich die  freundlich -anpassenden, diplomatischen Reden in die Schubladen verbannen,  und  unter anderem Erdogan und seinen Hasstiraden entgegen treten, ihm widersprechen, wenn er gegen Israel hetzt, wenn er offen von einem neuen osmanischen Reich träumt und sich anschickt, dem großen Führer nachzueifern in seiner schrecklichen Rhetorik gegen die Juden.  Das gilt auch für die Führung Syrien, Irans, Katars, Saudi-Arabiens und und und….  Wenn wir unsere freiheitlichen und demokratischen Werte behalten wollen, müssen wir die doppelzüngigen Strategien islamischer Staaten offen legen, statt sie mit einem freundlichen Händeschütteln zu legitimieren.

Ich weiß, das wird nicht gehen…  die schönen Geschäfte einerseits und die finanzielle Abhängigkeit andererseits lassen das nicht zu.

Man könnte es aber versuchen…. in Ansätzen….

 

 

****  Eine schweigt nicht: “Es ist ein regelrechtes  Gemetzel…”        aber Luftangriffe hält sie für falsch…

Fremde Feder weiter gereicht…. 7. August, 2014

Posted by Rika in antisemitismus, araber-"palästinenser", islam, israel, politik, terrorismus.
Tags: , , , , , ,
add a comment

Ein Text von David Klein…..   wie ein Spiegel für viele Leute, die sich auf der sicheren Seite der gesellschaftlichen Moralinstanz wähnen.  Unkommentiert weiter gereicht:

 

“Nur ein toter Palästinenser ist ein guter Palästinenser.

Was für eine Schlagzeile, Sie sind zurecht empört. Aber es kommt noch schlimmer: “Neger, Neger, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!”, “Wir müssen die Muslime ausrotten!” oder “Die Schwulen brauchen einen Hitler!”.

Mittlerweile ist Ihr Puls auf Hundert, aber keine Bange, Abhilfe naht. Ersetzen Sie einfach Palästinenser, Neger, Muslime und Schwule durch Juden und Sie lesen die Beschimpfungen und Parolen, die im Rahmen der pro-palästinensischen Aktivitäten anlässlich des aktuellen Gaza-Konflikts im Netz gepostet und weltweit an antiisraelischen Demonstrationen skandiert werden.

Sogleich werden Sie Erstaunliches beobachten: Ihr Puls wird ruhiger, die Empörung ebbt ab und macht einer heiteren Gelassenheit Platz: Das sind ja bloss Juden, die hier beleidigt, verhöhnt und mit dem Tod bedroht werden, deren Geschäfte, wie in der Pariser Vorstadt Sarcelles, niedergebrannt und deren Synagogen und Gemeindezentren attackiert werden. Und die sind schliesslich selbst schuld, so wie diese zionistischen Kriegstreiber mit den Palästinensern umspringen.

Lehnen Sie sich also ruhigen Gewissens zurück und ergreifen Sie als Mitglied der westlich-demokratischen “Wertegemeinschaft”, weiterhin Partei für die mörderische islamistische Hamas, in deren Charta die Vernichtung der Juden festgeschrieben steht. Verteidigen Sie störrisch das “Recht auf legitimen Widerstand” einer theokratischen Terrororganisation, die seit Jahren in flagranter Verletzung des humanitären Völkerrechts Raketen auf unschuldige israelische Zivilisten regnen lässt. Raketen, die sie nachweislich in denselben Schulen versteckt, in denen sie bereits die Kleinsten zum antisemitischen Jihad erzieht.

(mehr…)

Gestern ging es um Christen… 5. August, 2014

Posted by Rika in aus meinem kramladen, baptisten, christenkram, christsein und glaube, gesellschaft.
Tags: , , , , ,
add a comment

Mission unter falscher Flagge

Während die traditionellen Kirchen Mitglieder verlieren, sind die sogenannten Evangelikalen im Aufwind. Sie leben ihren Glauben entschieden, wollen allen davon erzählen – und möglichst alle Un- und Andersgläubigen missionieren. 

 

 

So die Ankündigung der ARD für einen Beitrag, der in der Reihe “Die Story im Ersten” präsentiert wurde.

Die Autorinnen Mareike Fuchs und Sinje Stadlich haben sich auf den Weg gemacht, das fromm-bunte Völkchen der “Evangelikalen” in Augenschein zu nehmen. Sie haben sich große Mühe gegeben, die frommen Leute in einem möglichst  – tja, wie soll ich es nennen? “Gut” kann man das Licht eigentlich nicht nennnen, in dem sie die “Evangelikalen” erscheinen lassen, nicht einmal “neutral – objektiv” wäre eine passende Bezeichnung für den Filmbericht, den sie dem Fernsehzuschauer zukommen lassen   zumuten. Denn eine Zumutung war es schon, die ich am späten Abend über mich ergehen ließ, und es hätte gar nicht der schriftlichen Erklärung  auf der Internetseite des Senders bedurft, um sofort zu merken, welche Zielsetzung die beiden  Frauen verfolgen, die sich solch eine akribische Mühe geben, der ursprünglichen Ankündigung,   “gefährliche Christen seien auf dem Vormarsch”, wie es in einem Trailer der ARD  hieß, gerecht zu werden.

Mission unter falscher Flaggge” ist der Titel  des Werks.

Im Untertitel heißt es gar:    In den Fängen radikaler christlicher Gruppen

 

In der Tat hält der Film fast alles, was in der Ankündigung schon angedeutet wird. In dieser  wird zunächst grob der Begriff “Evangelikale” als Schlagwort eingebracht und gesagt:

 

Dahinter verbirgt sich ein breites Spektrum verschiedenster Glaubensgemeinschaften wie Pfingstgemeinden, Freikirchen, Gemeinschaften der charismatischen Bewegung oder Gemeinden evangelischer Landeskirchen.

An dieser Stelle wäre ein kleiner Link im oben genannten Text  angebracht  (z.B. man findet diesen mühelos im Internet), um dem Leser die Möglichkeit zu geben sich einen kleinen Überblick zu verschaffen, der mehr aussagt als:

Gemeinsam ist ihnen ihr Glaube an die Irrtumslosigkeit der Bibel und an Jesus Christus als den einzigen Retter

“Irrtumslosigkeit der Bibel”  kommt nun mal nicht gut an in einer Welt, die “Irrtumslosigkeit” allenfalls den Sportberichten im Kicker zubilligt, aber keineswegs einem mehrere Tausend Jahre altem Buch. Noch schlimmer als “Irrtumslosigkeit der Bibel” ist freilich der Glaube an “Jesus Christus”.

Sollte es den Autorinnen vielleicht entgangen sein, das Christen seit knapp 2000 Jahren an Jesus Christus glauben?  Als in dem Filmbeitrag geradezu verschwörerisch davon die Rede war, dass diese Christen an Jesus glauben, musste ich ja beinahe lachen und stellte laut die Frage:

“Ja, an wen denn sonst?  An den Weihnachtsmann vielleicht?”

Ich muss gestehen, diese Szene und Aussage macht mich vollkommen fassungslos. “Christen glauben an Jesus!”  Was haben sich denn Frau Fuchs und Frau Stadlich gedacht als sie ihre Reportage vorbereiteten, falls sie sich überhaupt vorbereiteten in gründlicher Recherche? Dass Evangelikale eine Sonderbotschaft von Gott erhalten haben und diese nun unter das Volk bringen? Haben die beiden überhaupt schon mal etwas von Jesus gehört, etwas über ihn gelesen, zum Beispiel in dem Buch, das sich nicht irrt?

 

Immerhin “wissen” sie:

Wer Jesus ablehnt, sei verdammt,

und weisen auf die Erklärung der Evangelischen Allianz hin, dem  Dachverband der Evangelikalen, der etwa 1,3 Millionen Gläubige vertritt.

“Verdammt”, sofern  man es  nicht im Alltag mal eben und ganz nebenbei als Fluch gebraucht, hört sich auch sehr konspirativ und gefährlich an, wenn ein Christ das sagt.  Gottes Ewigkeit und im Gegenpart  die Verdammnis, auch “Hölle” genannt, sind ja in unserem Leben längst aus der Mode gekommen, sofern mit “Hölle” nicht eine unangenehme Situation, beispielsweise   Stress im Beruf gemeint ist. Es ist schwierig für Leute von heute, sich mit dem Gedanken an die Zeit nach dem Tod, an die Ewigkeit zu beschäftigen und dabei auch über Hölle und Verdammnis nachzudenken – und leider finden viele auch in den Kirchen wenig Hilfreiches zu diesem Thema.

 

Der weitere Text trifft einige Aussagen zu den verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Evangelischen Allianz. Die Autorinnen verzichten darauf, diese als Ganzes zu verurteilen, sie weisen vielmehr darauf hin, dass die Allianz  mit “radikalen Gruppierungen am Rand” ihre Schwierigkeiten habe.

Sowohl der Text als auch insbesondere der Film stellen einige dieser  – nach Ansicht der beiden Frauen wohl schwierigen – Gruppen vor. Was im Text noch lediglich als Information mitgeteilt wird, offenbart sich im Film als eine ziemlich willkürlich aus jedem Zusammenhang gerissene Ansammlung von Mitschnitten von Gottesdiensten, Kurzinterviews junger Leute und  seltsam anmutenden Berichten von sogenannten Aussteigern.  Immer wieder werden die Filmabschnitte unterbrochen von Stellungnahmen verschiedener Personen, denen man entweder  einen offiziellen Status innerhalab der Kirche oder der Allianz zubilligt oder die man als “Experte” bzw. Mitarbeiter einer Behörde vorstellt. Mit Ausnahme  der von Jürgen Werth, dem langjährigen Direktor des “Evangeliumsrundfunk”, fielen diese  Stellungnahmen negativ aus.

So wurde ein Szenario  vorgestellt, als seien evanglikale Christen “Menschenfänger”, die  gefährlich für die seelische / psychische und geistliche  Gesundheit der betroffenen  “Eingefangenen”  seien und aus deren Klauen man sich nicht mehr befreien könne.

Mit Sicherheit gibt es  – wie in allen Gruppierungen, ob sie nun religiös,  parteipolitisch oder sportlich bis ehrenamtlich aktiv sind, Menschen, die weder mit der Struktur der Gruppe, noch mit deren inhaltlichen  Ausrichtungen  oder menschlichen Gegebenheiten klar kommen und ganz sicher gibt es auch bei Christen Gruppierungen, deren Struktur oder Glaubensweise dazu geeignet  ist, Menschen zu verunsichern, bzw. zu entmündigen. Darauf  muss die Gesellschaft  achtgeben und dagegen muss sie vorgehen. Aber es kann nicht angehen, dass in einem Film die christliche Gruppierungen, die mit Freude und Lust ihr Christsein leben und auch in ihren Städten und Gemeinden sich öffentlich zum Wohl der Bürger engagieren, in Bausch und Bogen verurteilt und unter den Generalverdacht gestellt werden,  “gefährlich” zu sein.

Ich habe schon mehrmals in diesem Blog über das beinahe bösartig zu nenende Vorgehen vermeintlich “gutmeinender”  Journalisten geschrieben und dabei auch von meinen persönlichen Erfahrungen berichtet. Das muss ich hier nicht wiederholen.

 

Es stellt sich mir aber doch die Frage, warum diese mediale Jagd auf Christen angestellt wird, warum  christliche, singende und betende,  fröhliche Jugendliche als “radikal” bezeichnet und in einem Atemzug mit radikalen Muslimen genannt werden, die mit Waffengewalt für ihre Religion in den Kampf ziehen.

Natürlich gibt es das Phänomen, dass 2000 oder 3000 junge Leute in einem Gottesdienst ausgelassen singen, sogar tanzen und – wie sie es selbst sagen würden – JESUS  feiern. Nach meinem christlichen Verständnis haben sie Grund, Jesus zu feiern. Das wird man allerdings schwer in einem Filmbeitrag erfahren können, der NUR aus der Sicht des kritischen Beobachters  einen fröhlichen Gottesdienst “erlebt”.

Bei Facebook habe ich einem  Kommentator, der sichtlich erschüttert  und nahezu verächtlich nur noch:  “Armes Deutschland” angesichts des Films sagen konnte, so geantwortet:

“XXX, ja, den Eindruck konnte man leider gewinnen, der sich Ihnen wohl vor allem eingeprägt hat. Die Frage ist, ob man genau diesen Eindruck auch gewinnen “SOLLTE”?  Ob es genau darum ging, Christen zu diskreditieren?

Ich habe den Beitrag mit sehr gemischten Gefühlen angesehen, einerseits erinnerten mich einige Szenen an meine Jugend (ich bin jetzt fast 65 ) in der ich mit Begeisterung für Jesus auf die Straße ging. Was für ein wunderbarer HERR! Heute bin ich immer noch von Jesus tief beeindruckt, ja, begeistert, aber mein Stil, das mitzuteilen, hat sich verändert. Ich würde gerne mit Ihnen in Ruhe darüber sprechen können, wie es ist, tatsächlich von Gottes Geist, von Jesus berührt zu werden, eine Form der Heilung zu erleben, die nichts mit unserem medizinischen Verständnis von Heilung zu tun hat, aber dafür mein ganzes Menschsein erfasst.

Damit bin ich bei “andererseits” in meinen Gefühlen angesichts des Beitrags. Für Leute, die nur die Strenge liturgischer Gottesdienste kennen, ist es vermutlich überaus befremdlich Gottesdienste dieser Art via Fernsehen zu “erleben”.  Sie erleben sie ja nicht, sie beobachten ihn nur mit und durch die Augen derjenigen, die die Bilder und die Filme zusammen gestellt haben.

Und da setzt auch meine Kritik an dem Beitrag an: Hintergrundwissen über Freikirchen wurde gar nicht vermittelt, es wurde mit Begriffen hantiert, die für die meisten Leute heute nicht mehr aktuell sind, beispielsweise den “Zehnten zu geben”. (Die Kirchensteuer wird übrigens nach ähnlichen Gesichtspunketen erhoben, nur dass das nicht der “Zehnte” vom Netto- oder gar Bruttogehalt ist, sondern ein gewisser Prozentsatz von den Steuern, die der Staat erhebt!) In meiner Baptistengemeinde ist es durchaus noch üblich, den “Zehnten” zu geben, aber wer nichts hat, kann auch nichts geben, so einfach ist das…. Es ist schade, das all das in Bausch und Bogen verdammt und verurteilt wurde. Über die Frage gleichgeschlechtlicher Liebe wurde in diesem Thread schon an anderer Stelle etwas gesagt, auch da versuchte der Beitrag eine ganz bestimmt Stimmung gegen Christen zu erzeugen. Ich finde das sehr schade und möchte Sie darum einladen, einfach mal in einen ganz normalen freikirchlichen Gottesdienst in Ihrem Ort oder in der Nähe Ihres Ortes zu gehen… Vielleicht ändern Sie dann Ihre Meinung von “armes Deutschland” in “gut für Deutschland, dass es noch Christen gibt, die nicht an den Weihnachtsmann, sondern tatsächliclh an Jesus Christus glauben”.”

 

Das würde ich auch den beiden Autorinnen von Herzen wünschen, dass sie tatsächlich “Jesus begegnen”, wie wir Frommen es nennen und IHN erfahren und erleben als das Beste, was ihnen in ihrem Leben passieren kann.

 

Noch einen Gedanken will  ich zu bedenken geben:

Wir haben gerade eine wunderbare Zeit der Fußballweltmeisterschaft erlebt und dabei gesehen, wie “gottgleich”  die großartigsten Spieler der Welt von ihren Anhängern verehrt wurden, wie begeistert die Leute auf den Straßen getanzt und gesungen haben, wie euphorisch die Massen beim Public Viewing waren.

Warum können nicht Menschen, für die Jesus großartiger ist als Manuel Neuer  oder Messi  auch ihrer Begeisterung über ihren wunderbaren  Gott  Ausdruck geben? Warum rückt man sie in die Nähe gefährlicher Radikaler wenn sie doch nichts anderes tun, als Gott zu ehren und anderen Menschen davon zu berichten?

 

——–

Eine nüchterne Erwiderung auf den Film, die auch auf die dort erhobenen Vorwürfe gegen einzelne Personen oder Gruppen eingeht (was ich nicht leisten konnte),  gibt es hier:

“ARD: Freikirchliche Gottesdienste als ausgeübte Gewalt”

BILD hat es schon vor Jahren vorgemacht… 3. August, 2014

Posted by Rika in araber-"palästinenser", aus meinem kramladen, gesellschaft, israel, meine persönliche presseschau, terrorismus.
Tags: , , , , , ,
9 comments

…. lasst Bilder sprechen!

Und alle Nachrichtensender greifen auf diese Methode zurück, denn:

 

Bilder sind genial!

Sie transportieren  die Nachricht und erzeugen unmittelbar das dazu passende Gefühl.

Wer hätte nicht auf der Stelle Mitleid mit dem Kind, das neben seiner toten Mutter sitzt und weint? Wer würde nicht mit dem Vater trauern, der seinen toten Sohn in den Armen wiegt? Wer würde nicht mit Entsetzen auf verstümmelte Körper reagieren, wer nicht angesichts von Trümmerhaufen  Ohnmacht, Angst und Wut verspüren?

Richard C. Schneider hat in einem Text über die Schwierigkeit geschrieben, gegen diese Macht der Bilder die klare und nüchterne Analyse des Wortes zu setzen. Hat man erst einmal “gesehen”, kann man nicht mehr “hören”.

So ganz nebenbei beschreibt er dabei auch, das Nachrichten vor allem eines sind:  Geschäft, gehört es doch zu einem Geschäft, dass man etwas bestellt   (beim Bäcker beispielsweise:  ich hätte gerne 3 Vollkornbrötchen und 4 Semmeln) und dafür bezahlt, in welcher Währung auch immer (beim Bäcker ist das klar, aber bei Nachrichten?).

So sagt Herr Schneider in seinem Text:

Die ARD hat uns Korrespondenten angewiesen, aus Sicherheitsgründen im Augenblick nicht nach Gaza zu gehen. Doch wir haben ein palästinensisches Team dort. Wir sind im ständigen telefonischen Kontakt, bestellen Storys, Bilder, Informationen, die wir dann im Studio zu Stücken zusammenstellen.

 

(Hervorhebung von mir)

Das klingt harmlos, nicht wahr. Ich bestelle eine Story, sagen wir mal, über ein zerstörtes palsätinensisches Haus mit einer trauernden Frau davor.  Wird gemacht, kein Problem! Ist zwar für das Team ein bisschen gefährlich wegen der israelischen Angriffe, aber die Story wird geliefert und dann im Studio zu Stücken zusammengestellt. Das sind dann die Häppchen, die wir Zuschauer zu sehen kriegen SOLLEN, um zu zeigen, wie grausam der Krieg ist. Eine Nachricht wird gemacht mit einer klaren Zielvorstellung, was diese Nachricht zu Hause in Deutschland auszusagen hat.

Nun könnte ich ja fragen, warum Herr Schneider und sein Team nicht eine Story bestellen von den Luxusanwesen der Hamas-Führer, beispielsweise. Das würde mich schon interessieren, wie die Herrschaften zu residieren belieben. Aber das würde ja das Mitleid der Zuschauer dann wohl doch arg in Grenzen halten. Große Häuser mit Garten und Swimmingpool passen schlecht zur Kriegsberichterstattung.  Ja, ja, ich bin zynisch, ich weiß.

 

Herr Schneider führt weiter aus:

Wir wissen, dass unser Team Bilder nicht manipuliert, Informationen nicht fälscht. Nur auf diese Bilder können wir uns verlassen, nur bei diesen Bildern wissen wir, dass sie das zeigen, was wir sehen.

 

Nein, das Team manipuliert die Bilder nicht, die sind schon authentisch. Aber die Bilder manipulieren UNS, die Zuschauer.  Und das ist ja auch der Zweck dieser Bilder, sie sollen in uns eine Haltung, eine Meinung bilden.  Würden sie sonst   bestellt   und akribisch erarbeitet und geliefert? Nein, sage ich.

 

Herr Schneider weiß immerhin, was diese Bilder anrichten können, wenn er fortfährt und sagt:

Und doch bleiben auch bei unseren Bildern Fragen: Wir sehen eine zerstörte Moschee, ein umgestürztes Minarett – und natürlich ist das Entsetzen, dass ein Gotteshaus zerbombt wurde, die beinahe automatische Reaktion, auch bei uns. Doch dann müssen wir uns fragen: Waren in der Moschee Waffen gelagert oder nicht? Wir wissen, dass in Moscheen Waffen gelagert werden, es gibt Belege.

Warum, lieber Herr Schneider, bestellen Sie solche Bilder? Warum verarbeiten Sie diese Bilder zu den “Stücken”, die wir zu sehen kriegen?  Wenn Sie sich schon fragen, ob in der Moschee nicht Waffen gelagert waren, warum lassen Sie dann die Bilder nicht weg und berichten “nur”, dass eine Moschee zerstört wurde, in der mutmaßlich Waffen gelagert waren? Sie wissen doch, wie die empfindsamen Deutschen reagieren, wenn man ihnen Bilder von zerstörten “Gotteshäusern” zeigt. Sie sind empört, zumal wenn es sich bei dem “Gotteshaus”  um eine Moschee und nicht um eine Kirche handelt.  (Die Zerstörung christlicher Kirchen in Irak wurde mit deutlich weniger Aufwand, Bildern und Pathos berichtet, nur so nebenbei bemerkt!)

 

Richard C.Schneider glaubt, das Dilemma hinreichend gekennzeichnet zu haben, in dem sich die Berichterstatter befinden und erfügt hinzu:

Wir müssen gleichzeitig immer wieder die Beweggründe beider Seiten einbeziehen, erklären, vermitteln.

(Hervorhebung von mir)

Mhhhm, welche Beweggründe könnte die Hamas haben, Raketen auf Israel zu schießen? Das wär doch mal eine passende Frage, die man an den Bericht über den Konflikt stellen könnte, und dann ließe sich prima die Charta der Hamas zur Lösung und Beantwortung dieser Frage heranziehen.

Herr Schneider und sein Team könnten eine wunderbare Sendung darüber machen, dass seit Bestehen der Hamas diese nichts anderes im Sinn hat, als Israel zu vernichten, und da ihr das mit Entführungen und Selbstmordattentaten immer noch nicht gelungen ist, muss man eben neue Wege gehen: Raketen auf Israel schießen, jeden Tag, wieder und wieder und überhaupt nicht nachlassen, jahrelang, bis Israel sich wehrt, seinerseits Raketen oder Bomben auf Gaza abfeuert und damit die Bilder erzeugt, die die Hamas braucht, um das Mitleid der Welt und die   Solidarität der muslimischen Ummah zu erzeugen.  Es wär vielleicht zuviel an Mutmaßung, dass die Hamas damit rechnet, das ISIS ebenfalls Israel angreift… aber das müsste Herr Schneider ja nicht unbedingt sagen.

Stattdessen geht es ihm um Ausgewogenheit, “beide Seiten” haben ihre Beweggründe.

Warum wohl schießt Israel mit Granaten auf Gaza?

Die Frage ist wirklich schwer zu beantworten von verantwortungsvollen Journalisten. Dafür wissen das die Jungs auf den Straßen in Deutschland, die mit Transparenten und Spechchören die Deutungshoheit erlangt haben, umso besser.  Zionisten sind von Grund auf böse, sie streben nach der Weltherrschaft und bringen kleine Kinder dafür um.

Herr Schneider versucht zu erklären, und es klingt durchaus einleuchtend was er sagt über die Unmöglichkeit, mit einem guten Text gegen die Macht der Bilder zu bestehen.

 

Wie also texten? Wie gegen die Macht der Bilder, aber auch gegen die Urteile und Vorurteile der Zuschauer in Deutschland antexten? Gegen die Islamophoben und Islamophilen, gegen die Antisemiten und Philosemiten, gegen all diejenigen, die nie im Nahen Osten waren, aber über den palästinensisch-israelischen Konflikt mitreden und glauben urteilen zu können in einem Ausmaß, wie es bei keinem anderen Konflikt auf dieser Welt der Fall ist

 

Da bin ich dann wieder bei meiner Ausgangsfrage: Wozu diese Bilder? Wem dienen sie?

Machen wir uns nichts vor: Ein Konflikt, bei dem Juden mit im Spiel sind, wird in Deutschland per Reflex anders wahrgenommen als ein Krieg zwischen Muslimen oder zwischen Christen. Und wir wissen natürlich, wie die Zuschauer reagieren: Viele sehen und hören nur, was sie sehen und hören wollen.

Wenn ich doch weiß, dass in Deutschland eine sehr spezielle Gemengelage herrscht “weil Juden im Spiel sind”, muss ich dann nicht erst recht sehr sorgsam mit den Bildern umgehen, weil meine Texte nicht gegen die Macht der Bilder sprechen können? Abgesehen davon muss ich Herrn Schneider ja wohl nicht darüber belehren, dass es keineswegs ein “deutsches Phänomen”  wegen unserer Vergangenheit ist, dass, wenn “Juden im Spiel sind” andere Emotionen angesprochen werden als bei Konflikten zwischen Muslimen und Muslimen. Man sehe sich nur die Berichte aus Frankreich, Belgien, England an, um zu wissen, dass es keinesfalls ein “deutsches Problem” ist. Es ist der blanke Antisemitismus, der sich Bahn bricht und von Bildern aus Gaza auch im Deutschen Fernsehen über alle Maßen befeuert wird. Und man könnte, nein, man müsste auch in den Berichten aus Israel und Gaza davon berichten, dass der muslimische Antisemitismus eine lange Tradition hat, die weit vor die Gründung des Staates Israel zurückreicht und wenig mit der politischen Situation im Nahen Osten zu tun hat, aber viel mit der Stellung von Juden (und auch Christen) in der islamischen Lehre, die sich auf den Propheten beruft und im Koran verankert ist.

Ich wage den kleinen Einschub, dass auch ein Konflikt zwischen Christen und Muslimen zu gewaltätigen Ausschreitungen von Muslimen in unbeteiligten Ländern führen würde, sofern es Christen wären, die Muslime angriffen   – mit der entsprechenden medialen Entrüstung über die bösen Christen -,   hingegen lässt es Muslime und die ihnen nahstehenden Medien  geradezu  kalt, dass die letzten Christen aus Mossul vertrieben wurden nach  einer fast 2000jährigen Geschichte dort.   Deshalb irrt sich Herr Schneider an dieser Stelle seines Textes. Ich erinnere nur, welch ein Furor die islamische Welt und ihre Sympathisanten in Deutschland erfasste, als ein durchgeknallter Pastor in USA  einen Koran verbrennen wollte oder ein Karikaturist in Dänemark einige nicht genehme Zeichnungen des Propheten anfertigte…

 

Richard Schneider klagt darüber, dass unentwegt für die verschiedenen Magazine im deutschen Fernsehen neue Beiträge produziert werden “müssen”.

Ist das so?

Muss das sein?

Wollen wir uns hier in Deutschland wirklich schon zum Frühstück an dem Leid anderer “ergötzen”? Ich glaube nicht, dass das so ist. An dieser Stelle wäre endlich mal das Wort von der “Spirale” angebracht, das sonst immer in Bezug auf die Gewalt, die vor allem von Israel ausgehe, gebraucht wird.

Es ist die sich immer schneller drehende Spirale der aktuellsten Berichterstattung mit den schockierendsten Bilder, die uns in einen schrecklichen Strudel reißt.

 

Zwar beschreibt Herr Schneider sehr eindrucksvoll die Position des Reporters vor Ort:

Die Raketen, die in Deutschland gerne als „selbstgebastelt“ verharmlost werden, sind längst gefährliche Waffen, die töten würden, massiven Schaden anrichten würden, wenn es das Abwehrsystem „Iron Dome“ nicht gäbe. Und dennoch: Wenn wir unmittelbar an der Grenze zu Gaza stehen und der Alarm losgeht, dann haben wir gerade mal 15 Sekunden Zeit, uns in Deckung zu begeben. Im freien Feld ist das ein Problem. Wir werfen uns auf den Boden, versuchen uns hinter irgendwelchen Steinbrocken zu verstecken, warten auf den Einschlag und noch ein bisschen länger, um nicht danach von Granatsplittern getroffen zu werden. Danach stehen wir wieder auf und machen weiter, sehen, keinen Kilometer von uns entfernt, Rauchsäulen, sehen und hören Explosionen, Bombardement.

Es wirkt wie im Kino, aber wir wissen: Da sterben Menschen und wir können nichts tun. Außer berichten, immerzu weiter berichten. Nach bestem Wissen und Gewissen.

 

Muss man aber wirklich “immerzu weiter berichten” – ISRAEL zum Schaden zum Nutzen der Propaganda der Hamas?

Stellen wir doch diese Spirale einfach mal ab.

 

Der Druck, der auf den Nachrichtenbeschaffern lastet, ist sicher erheblich, das will ich mit meinem Post überhaupt nicht bestreiten, ich mache mir generell Gedanken über die Flut der Nachrichten und Bilder, die uns beeinflussen und ich frage mich immer wieder, wer oder was steckt dahinter, bzw. kann es sein, dass sich das System “Nachrichtenvermittlung” inzwischen vollkommen verselbstständigt hat und Journalisten mehr oder weniger nur noch die Zuarbeiter sind, wobei ich Richard Schneider noch für einen der wenigen seriösen “Zuarbeiter” halte, aller hier geäußerten Kritik zum Trotz!

 

Für mich bilden Blogs eine wohltuende Alternative zum Hype der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, liest man da auch solche berührenden Gedanken wie diese:

Brief eines Soldaten im Gazastreifen”

 

Dass sich das schlecht fernsehgerecht verarbeiten lässt… nun, das leuchtet mir ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 48 Followern an