Israel … und die “Gratulanten” 8. Mai, 2008
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Die “Gratulanten”
Stellen Sie sich vor, Sie wissen, dass einer Ihrer Bekannten oder guten Freunde Geburtstag hat, einen runden noch dazu, und stellen Sie sich weiter vor, dass Sie sich zu diesem Anlass ein paar Gedanken über den Jubilar machen und diese auch dem Geburtstagskind zu Gehör bringen werden.
Ganz sicher werden Sie doch an ihm herum mäkeln, sein unfreundliches Benehmen ausführlich beschreiben, über seine schlechten Angewohnheiten lang und breit lamentieren, sein Aussehen kritisieren, seinen ganz und gar unpassenden Umgang bemängeln, sein Auftreten im Freundeskreis unter die Lupe nehmen und selbstverständlich kritisch “würdigen”, seinen Ihrer Meinung nach absolut unmöglichen Stil mit wohlmeinender Kritik bedenken und überhaupt nichts Gutes über ihn zu sagen wissen, außer dem vielleicht, dass er von Natur aus hübsche Ohren hat, oder so etwas Ähnliches!
Das geht mir durch den Kopf, wenn ich die - natürlich nur wohl gemeinten - kritischen Beiträge zum 60. Jubiläum der Staatsgründung Israels in (nahezu allen) öffentlichen Medien verfolge. Und natürlich dienen alle diese Beiträge NUR dazu, einem “FREUND” hilfreich unter die Arme zu greifen und ihm endlich mal zu sagen, was mit ihm eigentlich nicht stimmt, warum ihn in Wirklichkeit niemand so wirklich gern hat. Vielleicht, so mögen diese kritischen Gratulanten denken, nimmt sich der Freund ja alle gut gemeinten Negativdarstellungen und die damit verbundenen guten und fürsorglichen Ratschläge endlich zu Herzen und ändert sich, wird so, wie “man” ihn haben und ertragen will.
Nun ist ja gegen ein kritisches Wort in aller Freundschaft nicht unbedingt etwas einzuwenden, wäre es so, dass an allen übrigen 364 Tagen des Jahres nur Gutes und Positives über den Freund berichtet wird - dann könnte man höchstens sagen, dass Kritik am Geburtstag nicht ganz so angebracht sei und man damit doch lieber erst in drei oder vier Wochen an den Getadelten herantreten sollte.
Bei dem heutigen Jubilar jedoch, ist das alles ganz anders, der wird an 365 Tagen im Jahr kritisch unter die Lupe genommen - ziemlich egal eigentlich, um was es sich handelt, irgendein kritischer Knackpunkt findet sich immer.
Da wäre es meiner ganz naiven Vorstellung nach eigentlich doch mal ziemlich fair gewesen, alles Positive zu benennen, das das Geburtstagskind auch aufzuweisen hat - meine ganz private Liste ist da nicht so wirklich für alle Gratulanten repräsentativ -, und ich bin sicher, dass auch kritische Zeitgenossen positiv über den “Sechziger” berichten könnten, wenn sie es denn wollten.
Da liegt jedoch der Hund begraben, die freundlichen Kritiker wollen einfach nichts Gutes sehen!
Weder den enormen Beitrag des Geburtstagskindes zu Medizin, Naturwissenschaft, Technik, Musik, Kunst, Kultur, noch seine Hilfeleistungen, die es anderen Staaten und Not leidenden Menschen zukommen lässt, auch die Tatsache, dass es die Menschen Tag für Tag unterstützt, die nichts anderes im Sinn haben, als es selbst zu vernichten und von der Landkarte zu tilgen, findet hierzulande wenig Beachtung, kein Wort darüber, dass selbstverständlich israelische Krankenhäuser auch Palästinensern offen stehen - STOP, stimmt nicht ganz, es gab da mal einen spektakulären Fall, darüber wurde schon berichtet, wenn ich mich erinnere, aber im ganz normalen alltäglichen Krankheitsfall eben auch -, wenig wird darüber berichtet, dass deutsche Wissenschaftler von der Zusammenarbeit mit israelischen Kollegen profitieren, kaum der Rede wert, dass Israels Gerichtsbarkeit allen Bewohnern des Landes zugänglich ist und auch kaum ein Wort davon, dass die meisten arabischen Israelis einen gehörigen Bammel davor haben, eines Tages unter der Hamas leben zu müssen …
Man bringt es nicht einmal fertig, die schwierigen Zeiten des Jubilars zu würdigen, die Jahre der Not, der Entbehrungen, der Aufbauarbeit, die Ängste um die bedrohte Existenz, die permanente Sorge um das Leben und Überleben. Und wenn doch einer mal etwas dazu sagt, findet sich auch darin in erster Linie Kritik an der Leistung, an den Gegebenheiten.
Nein, nein, man kann sich nicht einmal dazu durchringen, der schier unglaublichen Leistung des Jubilars mit Respekt und Achtung zu begegnen!
Hier meint man, gerade zum Geburtstag die kritischen Daumenschrauben noch stärker anziehen zu müssen …
Ganz im Sinne einer großartigen Freuindschaft …
Mal ehrlich, würden Sie, wenn Sie von Ihren Freunden eine solche Laudatio erhielten, diese Leute noch zu Ihren Freunden zählen, auf die Sie sich in guten, wie in schlechten Zeiten verlassen würden?
…
Ich auch nicht!
Nachtrag:
Leider erst heute (11.5.) Broders bissigen Beitrag zum gleichen Thema bei SPON gelesen.