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Was tun mit leeren Kirchen? 23. Januar, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, islam.
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Es ist ja kein Geheimnis, dass den Kirchen – besonders der Evangelischen Kirche – in Deutschland die Gläubigen weglaufen, wobei man wohl richtiger sagen muss, dass es nicht die „Gläubigen“ sind, die die Kirchen verlassen, sondern die Leute, die irgendwann als Kind getauft und so in die Reihen der „Gläubigen“ aufgenommen wurden, selbst aber weder mit Gott, noch mit Glaube und schon gar nicht mit Kirche etwas am Hut haben und deshalb auch – groß und erwachsen geworden – auf das Zahlen der Kirchensteuer verzichten wollen und ihren Austritt erklären.

Die „Kirche“ schrumpft, nur noch wenige Menschen finden sich zum Gottesdienst ein, das Gemeindeleben kommt nahezu zum Erliegen, die finanziellen Belastungen können nicht mehr getragen werden und man macht aus der Not eine Tugend und schließt benachbarte Kirchengemeinden zu einer neuen Gemeinde zusammen.  Damit stellt sich unweigerlich die Frage, was nun mit dem leerstehenden und nicht mehr benötigten Gebäude zu tun sei.

In Hannover hat es in den vergangenen Jahren mehrere solcher „Fusionen“ gegeben – und seither stehen Kirchengebäude leer oder wurden einem neuen Zweck zugeführt.

Idealer Weise wird aus einer Kirche ein neues  „sakrales“  Zentrum.

So geschehen beispielsweise mit der Kirche, also dem Gebäude,  in Hannover Leinhausen, die / das  von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover aufgekauft und umfangreich umgebaut wurde.

An diesem Wochenende (Sonntag) wird das neue Gemeindezentrum der Liberalen Jüdischen Gemeinde seiner Bestimmung übergeben.

Die Umwandlung einer evangelischen Kirche in ein jüdisches Gemeindzentrum fand in Hannover großen Zuspruch.

Heute nun steht in der Zeitung unter der Überschrift  „Muslime verärgert über Bischöfin Margot Käßmann„,  dass die Nutzung einer ehemaligen Kirche als Moschee von Frau Käßmann ziemlich kategorisch abgelehnt wird. Begreiflicherweise stößt das bei den Muslimen in Hannover laut des Zeitungsberichtes auf Unverständnis.  „Die Äußerungen stellten eine ‘Brüskierung der Muslime n Deutschland dar’, sagt Avni Altiner, Vorsitzender der hannoverschen Moscheegemeinde Jama’at un-Nur.’“ so die HAZ.

Käßmann hatte am Dienstag auf einem Architekturforum in Hannover gesagt, man könne mit Kirchen nicht alles machen. Unter Umständen könne es besser sein, sie verfallen zu lassen oder abzureißen, als sie für eine „imageschädigende“ Nachnutzung zu verkaufen. Als Beispiele für unakzeptable Nachnutzungen hatte sie die Umgestaltung von Gotteshäusern zu Restaurants oder Diskotheken genannt. Auch eine Umnutzung als Moschee schloss sie aus. Als positives Beispiel hob sie dagegen die Umwidmung einer Kirche zu einer Synagoge hervor, wie es mit der Gustav-Adolf-Kirche in Leinhausen geschehen ist.

Auf den ersten Blick mutet dieses „Zweierlei-Maß“  unverständlich an und die Verägerung der Muslime erscheint verständlich. Beim zweiten Blick, der aber dem Leser wohlweißlich vorenthalten wird, gibt es durchaus Gründe die dagegen sprechen, eine Kirche in eine Moschee umzuwidmen. Die liegen im islamischen Selbstverständis, sind aber unter Umständen nicht geeignet,  offen verhandelt zu werden.  Bedeutet doch jede Moschee ein Zeichen der Errichtung eines „islamischen Hoheitsgebietes“ – bezogen auf die religiöse Dimension.  Das klar zu benennen ist jedoch nicht opportun und so belässt es Frau Käßmann bei der Feststellung:

Sie sei nicht grundsätzlich gegen eine Umwidmung zur Moschee, sagte die Bischöfin der HAZ. Allerdings sei es die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), eine Kirche eher verfallen zu lassen als sie einer Nutzung zuzuführen, die mit den religiösen Gefühlen der Gemeinde unverträglich sei. Durch eine Umwidmung in eine Moschee könne genau das aber geschehen – gerade bei Menschen, die in der Kirche geheiratet hätten oder deren Kinder dort getauft worden seien. „Wenn eine Kirchengemeinde sagt, sie sei überzeugt, dass eine Nutzung als Moschee in tiefstem Frieden geschehen kann, bin ich einverstanden“, sagte Käßmann. „Im Moment sehe ich aber nicht, dass das möglich ist.“

Die Frage, ob eine Kirche als Moschee weitergenutzt werden kann, wird in Deutschland nicht generell verneint, es gibt auch einflussreiche Stimmen, die sich für die Nutzung einer Kirche als Moschee aussprechen, wie der HAZ-Artikel weiter ausführt.

Die Präsidentin des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages, Karin von Welck, hält jeden Abriss einer Kirche für ‘ „eine Kapitulation unserer christlichen Gesellschaft“‘.

Ich denke aber, die  Kapitulation unserer christlichen Gesellschaft ist längst in vollem Gange und hat viel weniger mit dem Abriss von Kirchen zu tun, als vielmehr mit dem Verlust an geistlicher Kraft, Spiritualität, „christlich gelebtem Alltag“ und Glauben.

Diese fortschreitende Kapitulation spüren alle, die sich mit Christsein heute aktiv auseinandersetzen -  und da hilft es auch wenig auf die vielen neu entstehenden freien christlichen Gemeinden hinzuweisen. Die führen im Bewusstsein der Öffentlichkeit doch nur ein absolutes Nischendasein und werden allenfalss von denjenigen wahrgenommen, die sich ohnehin für „Gott und SEINE  Welt“ interessieren.

Ich denke, es ist besser eine Kirche verfallen zu lassen als Mahnung ihres Niedergangs, als sie in  eine Moschee zu verwandeln als Zeichen des Triumphes des Islam über das Christentum.

Das mag provokant klingen – es ist auch so gemeint!

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siehe dazu Seite 68 f  der Handreichung der EKD