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Die Probe aufs Exempel … 6. Februar, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, gesellschaft.
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… unfreiwillig zwar und alles andere als angenehm und wie   „es“ letztlich ausgehen wird ist auch noch völlig offen, aber die Probe, ist sie nicht bestanden?

Da geht ein schwedischer Journalist her und macht eine Reportage – in Schweden zunächst – über eine unheimliche Erscheinung in schwedischen Landen. Eine neue Gruppierung tritt auf, mit überaus konservativen Wertvorstellungen und strengen religiösen Regeln. Die Gruppe scheint nicht ganz geheuer und da es auch in anderen europäischen Ländern ähnliche Ableger dieser radikal-katholischen Glaubensgemeinschaft gibt, führt der Weg der Recherche weit aus Schweden hinaus – bis in die tiefe bayrische Provinz (bitte scrollen!)

Ein ehedem der schwedischen (protestantischen) Kirche angehörender Vikar ist zum Katholizismus konvertiert, zu eben diesem radikal-katholischen Zweig, der sich nicht unter die päpstlichen Weisungen beugen will und den modernen Weg der katholischen Kirche, der doch in vielen  Augen nicht modern genug ist, nicht mitgehen will und lieber an alten Riten und alten Dogmen festhalten möchte.

In Bayern soll am Fest „Allerheiligen“ der ehemals schwedisch-protestantische Vikar zum Diakon geweiht werden und der Journalist ist eingeladen oder hat sich eingeladen, so genau weiss ich es nicht, dieses feierliche Ereignis medial aufzubereiten und darüber zu berichten. Der zelebrierende Bischof – zu diesem Zeitpunkt im Zustand der Exkommunikation – ist nicht nur ein Verfechter eines erzkonservativen Katholizismus, es ist darüber hinaus auch ein Mann mit seltsamen politischen Ansichten und einem völlig verfälschten Geschichtsbewusstsein, vor allem in Bezug auf die Judenverfolgung und Judenvernichtung während der Nazidiktatur. Und er macht aus seinen Ansichten dazu auch gar keinen Hehl, wohl wissend, dass er mit seinen Äußerungen in Deutschland eine Straftat begeht, leugnet er doch den Holocaust und verdreht die historischen Tatsachen auf unerträgliche Art und Weise.

Und er weiß was er sagt und was er tut.

Das wird in dem Bericht des schwedischen Reporters deutlich, der nicht nur die Zeremonie filmt, sondern auch mit dem Bischof vor laufender Kamera ins Gespräch kommt. Ein Glücksfall für den Journalisten, hatte er doch schon in früherer Zeit von den kruden Ansichten des geistlichen Herrn gehört und nun die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, diesen dazu zu befragen. Bereitwillig und nicht ohne den Hinweis, dass man das in Deutschland ja nicht veröffentlichen dürfe, gibt der Bischof Auskunft über seine Vorstellungen und Ansichten.

Zurück in Schweden stellt der Journalist seine bisherigen Reportageergebnisse zusammen, führt sie einigen Offiziellen vor, die sich empört von der radikal-katholischen Gruppe und ihrem den Holocaust leugnenden Bischof distanzieren. Mehr passiert zunächst nicht.

Im Januar wird bekannt, dass die Exkommunizierten vom amtierenden Papst begnadigt und in den Schoß der Kirche neu aufgenommen werden sollen.  Völlig unabhängig von den Ansichten des Bischofs zu Judentum und Holocaust, die in der öffentlichen Wahrnehmung noch gar nicht angekommen sind,  ist die Pius-Bruderschaft, so die Bezeichnung der radikal-katholischen Gruppe, hierzulande  bei vielen Katholiken  höchst umstritten, weil sie als Hemmnis für die  Öffnung der Kirche zu mehr Liberalismus und in der Anpassung an die Erfordernisse der Neuzeit empfunden wird.

Zeitgleich geht in Schweden die Reportage über den Sender!

Darüber findet sich zunächst nur ein „unscheinbarer“ Bericht in einem deutschen Mainstreammedium, der aber schnell Verbreitung findet …

Und ein Sturm der Entrüstung bricht los.

Völlig zu Recht – was die unhaltbaren Äußerungen des Bischofs betrifft – und mit deutlicher Kritik an der päpstlichen Weisung.

Wie kann der Papst einen Mann begnadigen, der solcherlei Meinungen offen äußert?

Die Diskussion über den Bischof einerseits und das Handeln des Papstes andererseits wird heftig und ohne jede Rücksicht auf die „Heiligkeit“ des heiligen Stuhls ausgetragen – auf allen gesellschaftlichen Ebenen, im Kirchenvolk ebenso wie in den kirchlich gänzlich uninteressierten Kreisen, Politiker melden sich zu Wort und sparen nicht an Kritik, weder am Papst noch an den Strukturen seiner Kirche.

Selten hat es ein so großes öffentliches Aufbegehren gegen eine Entscheidung eines Kirchenfürsten gegeben und selten war dies Aufbegehren so laut und so vernehmlich und so öffentlich.

Wie der Papst letztlich das Dilemma lösen wird, in das ihn vor allem die publik gewordenen Äußerungen des Bischofs gebracht haben, vermag ich nicht zu sagen,

aber „WIR“ haben die Probe aufs Exempel bestanden in diesem Land!

Jedenfalls fast!

„Wir“  streiten nicht nur öffentlich gegen Fehlentscheidungen der Kirche, sondern sagen sogar dem Papst die Meinung und viele seiner Bischöfe gleich mit!

Und wir  weisen alle Christen und alle christlich sozialisierten Nichtmehrchristen und bekenndende Atheisten in ihre Schranken, die es wagen, den Holocaust zu leugnen, zu verharmlosen oder die historischen Tatsachen in Abrede zu stellen.

Jetzt müssen wir  nur noch den Geschäftsleuten klar machen, die mit dem Holocaustleugner im Iran gute und beste Geschäfte machen, dass die gleiche Entschiedenheit, die man dem Papst entgegenbringt, auch den Mullahs und dem finsteren Herrn des Iran entgegen zu setzten ist, wenn die nicht nur den Holocaus leugnen, sondern ganz offen davon reden, „das zionistische Gebilde“ im Land Palästinas von der Landkarte tilgen zu wollen.

Und einigen Hobbypolitikern, Stadträten und den Verantwortlichen bei der Polizei müssten die gleichen Forderungen gestellt werden, sich vehement den Holocaustleugner und Hamas-Sympathisanten entgegen zu stellen, die unter den muslimischen Migranten  und ihren deutschenstämmigen  antizionistischen Mitstreitern  zu finden sind … wie man unlängst in verschiedenen Städten bei den Friedenskundgebungen für Gaza mühelos erleben konnte…

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Bleibt noch die Frage, wie die Empörung gegen die  Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation einiger Bischöfe zurückzunehmen,  ausgefallen wäre, wenn der HOLOCAUSTLEUGNER  nicht unter denjenigen gewesen wäre, die der Papst begnadigte.

So gesehen, war es geradezu ein Glücksfall für die Kirche und auch für unsere demokratische Streitkultur, DASS ES  ÜBERHAUPT ZU DEM EKLAT GEKOMMEN IST,  zeigt sich doch gerade in der öffentlich geführten Debatte, dass es im Christentum von heute keine Tabus und erst recht keine Schonräume oder Schonzeiten  für  „öffentliche Personen“ gibt, nicht einmal für den Papst und dass in  Deutschland keine (christliche) Person des öffentlichen Lebens für Kritik tabu ist!

Bleibt auch noch die Frage, ob die Belange anderer Glaubens- und Religionsgemeinschaften ähnlich leidenschaftlich öffentlich diskutiert und Entscheidungen kritisiert werden können … gab es da nicht vor einiger Zeit einen UN-Antrag,  auf die religiösen Gefühle einer großen Religionsgemeinschaft Rücksicht nehmen zu MÜSSEN und bestimmte kritische Äußerungen nicht tun zu dürfen …?

Diese  Probe aufs Exempel steht noch aus …

… und ich nehme Wetten darüber an, dass sie mit allen Mitteln vermieden wird!

Kommentare»

1. Rika - 7. Februar, 2009

Einen wunderbaren Text zu den Ereignissen um die Pius-Bruderschaft, Mr. Williamson und den Papst liefert Manfred in seinen politischen Korrektheiten:
„Tu es Petrus!“
fordert er den Papst auf und schreibt unter anderem:

„Der Eindruck, den das Konzil langfristig hinterließ, war der, dass Glaubenswahrheiten Gegenstand mehr oder minder demokratischer Abstimmungsprozesse sein könnten. Ließe die Kirche diesen Eindruck unwidersprochen stehen, so würde sie ihre Existenzberechtigung verlieren.

Die Sorte Christentum, wo theologische Standpunkte politisch ausgehandelt werden, die gibt es bereits: Sie heißt Protestantismus und besteht zur Zeit aus circa dreißigtausend Denominationen. Bei dem Tempo, mit dem die Sektiererei dort voranschreitet, hat Benedikt XVI. gute Chancen, die Gründung …“

http://www.korrektheiten.com/

auch wenn es mir als Baptistin nicht gefällt wohl möglich mit in diesen Topf der 30 000 Denominationen geworfen zu werden, aber der Gedanke ist bestechend klar:

Das Glaubensbekenntnis – die Glaubenswahrheit – der Kirche ist kein Parteiprogramm über das man abstimmen könnte …

und ein Konzil ist keine Aktionärsversammlung.
Wo kämen wir denn da hin

… und dann würde ich noch gerne (vielleicht etwas ketzerisch) bemerken, dass der „heilige Geist“ keiner Mehrheitsmeinung unterliegt und sicher auch nicht politischen Ränkespielen dienbar ist oder nutzbar gemacht werden kann.
GOTT SEI DANK!