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Roberta… 18. Januar, 2014

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Vor einem Jahr tauchte auf der Wiese hinter dem Deich ein kleines Kaninchen auf, weiß mit hell-ocker farbigen Flecken. Ganz offensichtlich keines der Kaninchen, die seit je her im freien Gelände leben, am Deich aber nichts zu suchen haben und darum gejagt werden.

MEDION Digital Camera

Wir rätselten, woher das Tier wohl kam. Hatte es sein Besitzer vielleicht ausgesetzt, weil die Pflege ihm zu langweilig geworden war? War es gar das gleiche Tier, das schon im Jahr zu vor gesichtet worden war und von dem wir gedacht hatten , dass es den sehr kalten Winter unmöglich hatte überstehen können in der freien Wildbahn? Sah es aber nicht doch ein bisschen anders aus, heller nämlich? Fragen über Fragen!

Das Kaninchen war überaus zutraulich,

MEDION Digital Camera

 

 

ließ sich von uns nicht stören, hoppelte allenfalls ein paar Meter zur Seite wenn wir ihm zu dicht auf die Pelle rückten, erkundete nicht nur die Wiese ….

Foto

…  und lag am liebsten unter unserem Auto!  Mittlerweile frisst es mir die Möhren aus der Hand… aber dazu komme ich später. Erst mal der Reihe nach.

Das damals noch namenlose Kaninchen fraß   aber nicht nur das zarte Grün, das auf der Wiese reichlich vorhanden ist in Form von allen nur denkbaren Wiesenkräutern und Blümchen, nein, es nagte auch mit größtem Eifer an den noch dünnen Zweigen der Büsche und Bäumchen, die wir im Laufe der letzten Jahre angepflanzt hatten, um die Wiese ein bisschen abwechselungsreicher zu gestalten.  Wir fanden das nicht nett, wenngleich wir natürlich einsahen, dass sich das Kaninchen absolut artgerecht verhält. Aber musste es ausgerechnet auf unserer Wiese seinen Lebensunterhalt artgerecht erknabbern? Ich muss hier allerdings gestehen, dass es zwar seinen absoluten Lebensmittelpunkt auf unsere Wiese hatte (und hat), nicht nur dort fraß und und Zweige benagte, auch die Nachbarwiesen samt Büschen und Bäumchen  wurden nicht verschont. Das freute die Nachbarn ganz und gar nicht. Und so dauerte es auch nicht lange nach dem Auftauchen des Kaninchens auf unseren Wiesen,  bis sich der Unmut der Nachbarn immer mehr verdichtete und die ersten Pläne zur Vertreibung des Tierchens geschmiedet wurden, wobei einfangen und ins Tierheim bringen noch die am weitesten “humane” Idee war…

Doch das Tier war schlau, weder ließ es sich fangen, noch geriet es in gefährliche Situationen, im Gegenteil, es fand ganz offensichtlich einen wilden Verbündeten in der Wiesenrunde. Denn eines Tages wurde es mit einem überaus zauberhaften, kleinen, weißen Knäuel gesichtet, das sich als winziges Kaninchenkind entpuppte.

Kaninchen mit Jungem

Den Nachbarn gefiel das gar nicht, obschon sie zugeben mussten, dass die beiden sehr possierlich waren…

Uns gefielen die neuen Mitbewohner und den Kindern unserer Wiesengäste sowieso…

Freunde von uns sind  schon seit vielen Jahren Bewohner einer Wiese hinter dem Deich und ebenso aus dem Hannöverschen wie wir und so erzählten wir ihnen natürlich auch vom Auftauchen des Kaninchens. Das heißt, der Meinige erzählte es dem Freund beim gemeinsamen Sportabend. Der verzog das Gesicht zu einem seltsamen Lächeln, druckste eine Weile herum  und beschloss dann, ein Geheimnis preis zu geben, nicht ohne sich allerdings das Versprechen geben zu lassen, es keinesfalls  den Wiesennachbarn weiter zu erzählen.

Ein Jahr lang, so erzählte der Freund, hatte ein ausgebüxtes Kaninchen seinen Garten hier im Hannöverschen unsicher gemacht, hatte sich an Tulpen und Narzissen gütig getan, die jungen Triebe von Weinreben probiert, die zarten Sprösslinge der Gemüsepflanzen nicht verschmäht und überhaupt alles angeknabbert, was vor seine Kaninchennase gekommen und als essbar identifiziert worden war. Fast ein Jahr lang hatten er und seine Frau sich über das freche Ding geärgert, dann war es ihnen gelungen, das Tier einzufangen und der durchaus bekannten jungen Besitzerin wieder zukommen zu lassen. Aber wie es so geht und wie Kinder so sind, ob mit Absicht oder aus Nachlässigkeit, das junge Mädchen hatte die Stalltür nicht richtig verschlossen und das inzwischen an die Freiheit gewohnte Tier, hatte die Chance ergriffen und schnell das Weite gesucht und war, wie man es sicher schon vermutet, wieder im Garten der Freunde gelandet. Die wollten aber nicht wieder ein Jahr mit Kaninchenfrust verbringen und beschlossen, das Tier erneut einzufangen und zu ihrer Wiese am Meer zu bringen, denn auf ihrer Wiese am Meer, so dachten sie, könne das Tier ja ruhig seinem angeborenen Tatendrang nachgehen, ohne allzu viel Unheil anzurichten und Unmut zu erregen. Gesagt getan. Am ersten Tag blieb das Kaninchen auch brav auf der Wiese der Freunde, doch dann entschloss es sich, die Gegend zu inspizieren und in Erfahrung zu bringen, ob es noch andere  lohnende Wiesen gebe.  Und so landete es bei uns. Denn unsere Wiese ist wirklich noch eine Wiese und kein gepflegter Rasen wie bei allen anderen Wiesennachbarn.  Und die jungen Triebe der diversen Büsche gefielen dem Kaninchen auch sehr gut. Es blieb bei uns –  bis heute und macht lediglich nach wie vor ein paar kleine Ausflüge auf die Nachbarwiesen.

Der Freund verriet uns auch, dass das Kaninchen  den schönen Namen “Roberta” hat, so hatte es das Mädchen genannt, dem Roberta entwischt war.

Roberta geht es gut auf unserer Wiese und auch die Nachbarn haben inzwischen ihren Frieden mit ihr gemacht und in einem Aushang dazu aufgerufen, dem Kaninchen Heimrecht zu gewähren und auf eine Kaninchenjagd zu verzichten.

Das kleine weiße Knäuel ist nun fast genauso groß wie Roberta und hat darüberhinaus noch einen kleinen Bruder bekommen, jedenfalls vermuten wir, dass das kleine braune Kaninchen, das auch schon dem Knäuel-Stadium entwachsen ist, ein Männchen sein muss. Die drei sind bisher gut durch den Winter gekommen. Als wir in der ersten Januarwoche auf der Wiese waren lag Roberta schon kurz nach unserer Ankunft wieder unter unserem Auto.  Sie bleibt dort auch sitzen wenn wir losfahren. Offensichtlich hat sie schnell gelernt, dass sie weder von uns noch von unserem Auto Unbill für ihr Leben zu befürchten hat, obwohl ich ihr regelmäßig mit dem Kochtopf drohe, wenn ich sie dabei erwische, dass sie die Zweige der noch jungen Büsche abknabbert….  Doch diese Drohung nimmt sie einfach nicht ernst! Würde sie mir sonst die Möhren aus der Hand fressen? Es kann aber auch sein, dass sie einfach mit dem Begriff “Kochtopf” nichts anzufangen weiß und meine Drohungen als freundliche Kommunikation und liebevolle Zuwendung begreift, der sie ihrerseits mit Zutraulichkeit begegnet.  Überhaupt scheint sie ausgesprochen anhänglich zu sein, von unseren hannöverschen Freunden lässt sie sich sogar streicheln, wenn sich die drei auf der Straße begegnen…

Wo sie sich   am liebsten aufhält, wenn das Auto nicht da ist, wird wohl ihr kleines Geheimnis bleiben. Wir vermuten aber, dass sie es unter unserem Holzstapel sehr gemütlich findet…Ihre Kinder treiben sich nun auf eigenen Pfoten und Wegen in der Wiesensiedlung herum…

MEDION Digital CameraI

Könnte ich eine kleine Bitte an Roberta richten, würde ich sie fragen, ob sie nicht mit ihrer Kaninchensippe die Maulwürfe vergraulen könnte, die unsere Wiese untertunneln und mit ihren Erdarbeiten in eine Hügellandschaft verwandeln….

Aber das ist ein anderes Thema!

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Kommentare»

1. Caruso - 19. Januar, 2014

Lieb!!! Das Tier und die Geschichte. Danke!
lg
carusi

2. Rika - 20. Januar, 2014

Liebe Caruso,
als ich meinen Blog begann schwebte mir vor, solche Altersgeschichten aufzuschreiben, mich mit Sinnfragen ebenso zu beschäftigen wie mit Kochrezepten, über Gott nachzudenken und zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung zu nehmen… eben über das Leben zu schreiben! :-)
Schon bald verlagerte sich der Schwerpunkt meiner Bloggerei und damit fielen die Kleinigkeiten mehr und mehr fort.
Aber manchmal muss ich eben doch über die kleinen Banalitäten oder liebenswerten Nebensächlichkeiten schreiben, besonders dann, wenn mir angesichts der Berichterstattung über das mir sehr wichtige Thema “Israel” immer wieder die Galle überkocht und ich es kaum noch ertragen kann….
Dann helfen Mäuse-, Garten-, und Kaninchengeschichten oder was mir sonst so gerade an Alltäglichem begegnet und in den Sinn kommt!
Sonst würde ich vermutlich nur noch sarkastisch und zynisch auf die Welt blicken können und das wäre doch eigentlich sehr schade.
lg
Rika


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