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Eine Frau an der Spitze … 28. Oktober, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, gesellschaft, vermischtes.
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…  der evangelischen Kirche!

Heute wurde Margot Käßmann mit großer Mehrheit zur Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt,  132 von 142 Stimmen fielen auf die Bischöfin der Landeskirche Hannover, der größten Landeskirche in Deutschland, 4 Personen enthielten sich der Stimme, 5 Menschen stimmten mit Nein, eine Stimme war ungültig.

Bei allem Respekt für Frau Merkel, die ja auch heute (wieder) gewählt wurde, ich halte die Wahl Margot Käßmanns zur Ratsvorsitzenden der EKD für wesentlich bedeutsamer für und in unserer Gesellschaft als die Wiederwahl der Kanzlerin.

Zeigt diese Wahl doch, dass die Kirche die gesellschaftlichen Bedingungen und Herausforderungen unserer Zeit nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern sich ihrer annimmt und sich ihnen stellt.

Die Kirche macht neben allen administrativen Notwendigkeiten auch deutlich, dass sie das  Evangelium von Jesus Christus mitten in die Gegenwart holt,   Jesus selbst, der in der Hinwendung zu dem Einzelnen  die Liebe Gottes zu den Menschen  als das Wesentliche jeglicher Gottesbeziehung sichtbar gemacht hat, indem er  Menschen nahe ist, ihre Schwächen und Schwachheiten kennt und trägt, Sünden vergibt und Verletzungen heilt.

Das lange Zeit als unumstößlich geltende Wort des Apostel Paulus: „Das Weib schweige in der Gemeinde!“ wie Luther den Text aus 1.Korinther 14, 34 übersetzt,  wird nicht länger als genereller  Maulkorb für Frauen verstanden, sondern in den Kontext der damaligen Zeit gestellt, den Paulus kurz anklingen lässt:  „Wie es in allen Gemeinden der Heiligen ist, sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie es auch das Gesetz sagt.“ Damit ist vermutlich  nicht nur  das „Gesetz des Mose“, also die Thora  gemeint (die Elberfelder Bibel gibt hier den Verweis auf 1. Mose 3, 16 an) , denn die Korinther waren überwiegend  „Heidenchristen“, sondern auch das weltliche / politische Gesetz.

Und wie die politischen Bedingungen unserer Zeit Frauen Redefreiheit und die Übernahme von öffentlicher Verantwortung zugestehen (s. Kanzlerin und Ministerinnen), sollten auch die religiösen Belange von Frauen wahrgenommen werden.  In unserer Zeit heute, in der die Auseinandersetzung um die Rechte der Frauen auf dem Hintergrund religiöser Bestimmungen wieder neu geführt wird, ist es ein mutiges Zeichen der Kirche, die Ebenbürtigkeit von Mann und Frau auch und gerade in geistlichen Kontexten durch die Wahl der Bischöfin zu betonen.

Wer die Berichterstattung über die Synode in Ulm verfolgt hat, wird sicher auch mit Erstaunen gelesen haben, dass die männlichen Bewerber ihr untadeliges Familienleben als Qualitätsmerkmal für das höchste Amt der evangelischen Kirche hervorhoben. (Sie mögen damit auf die biblischen Empfehlungen für Amtsinhaber in den Gemeinden hingewiesen haben, wie wir sie etwa im 1. Timotheus-Brief lesen  – 1.Tim. 3 , 1 ff)  Margot Käßmann, geschieden nach 26 Ehejahren,  schien diesem Merkmal nicht zu entsprechen. Aber vielleicht   steht sie gerade deshalb exemplarisch für die „Mühseligen und Beladenen“, die Jesus auffordert, zu ihm zu kommen, um „Erquickung“ zu erfahren.  Dieses „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ hat die Kirche lange Zeit  vernachlässigt, zwar hat sie sich in ihrem diakonischen Engagement um die gekümmert, die am Rand stehen, hat Not gelindert und zur Lebensbewältigung geholfen, aber in der Kirche selbst, in den Gremien und Arbeitskreisen  waren doch eher die propperen und integeren Persönlichkeiten gefragt, die etwas hermachen konnten. (Es ist noch gar nicht so lange her, dass Scheidung als ein so großer Makel angesehen wurde, dass man Geschiedenen die Mitarbeit in den Gemeinden verweigerte und auch andere „Randgruppenvertreter“ praktisch in den Mitarbeitergruppen der Kirche nicht vorkamen – Ex-Gefangene, Ex-Junkies, ganz zu schweigen von „akut am Rand stehenden“  Christen, die es ja gibt…) Vielleicht, so ist meine Hoffnung für die Kirche, nimmt  die Kirche auch in ihren verschiedenen institutionellen Gruppierungen wieder  die Menschen mit all ihren menschlichen Unzulänglichkeiten und Bedürftigkeiten in ihre Mitte.  Wir müssen doch keine Vorzeigechristen oder gar Heilige sein, um Wort Gottes heute in unserer Gesellschaft lebendig werden zu lassen.

Unsere Gemeinden  leben nicht von den wenigen nahezu perfekten Supermännern und Frauen, sondern von allen denjenigen, die sich – so wie sie sind – in  Gesellschaft und Gemeinde einbringen.  Dass Frau Käßmann aber auch alle Merkmale einer Superfrau aufweist, ist für ihre Wahl  – und für ihre zukünftige Arbeit – sicher ein wesentlicher und grundsätzlich positiver Aspekt!

Ein hervorragender Vortrag – und was „DIE ZEIT“ daraus macht… 7. Oktober, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, gesellschaft.
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Anlässlich des Jubiläums  der „Barmer Theologische Erklärung“ von 1934 hat Dr. Michael Bertrams,  Richter des Verfassungsgerichts in NRW,   einen sehr differenzierten Vortrag gehalten, der sich  mit der gegenwärtigen Bedeutung der „Barmer Erklärung“  für die gesellschaftliche Relevanz der christlichen Kirchen in Deutschland befasst.

Dr. Bertrams beschäftigt sich in seinem Vortrag in erster Linie mit dem Verhältnis von Kirche und Staat in Bezug auf die „Barmer Erklärung“ und liefert dazu eine Fülle interessanter Informationen, die sowohl den historischen Zusammenhang betreffen, als auch die juristischen Aspekte gerade  für interessierte Laien verdeutlichen – dabei weist er ausdrücklich auch auf Positionen hin, die seiner eigenen widersprechenden.  Er greift dabei (natürlich) vor allem die juristischen Aspekte auf, die  sowohl das Kirchenrecht – als innerkirchliche Rechtsgrundlage – wie das Staatskirchenrecht betreffen.

Da das Staatskirchenrecht aber nicht nur die rechtlichen Grundlagen zwischen  den (christlichen) Kirchen und dem Staat regelt, sondern ausdrücklich alle Religionsgemeinschaften betrifft, die als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“  in Kooperation und „Partnerschaft“   zum Staat in einer Rechts-Beziehung stehen (Herr Bertrams nennt neben den Neu-Apostolischen Christen auch die Jüdischen Gemeinden als Beispiel für die genannten Körperschaften),  wird auch kurz auf die Notwendigkeit hingewiesen, die verfassungsgemäße Beziehung islamischer Gemeinden zu Staat und Gesellschaft in der gegenwärtigen Diskussion stärker zu beachten.

Herr Bertrams tut das in einer – wie ich finde – wohl überlegten und ausgewogenen Argumentation, verhehlt dabei allerdings nicht, dass er seine Zweifel habe, ob die Grundlage für eine allgemeine Anerkennung muslimischer Gemeinden als Körperschaft des öffentlichen Rechts zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirklich gegeben  sei.  Dies macht er aber nicht aus irgendwelchen dubiosen Bauchgefühlen heraus  (wie es mir passieren könnte ;-)   ) sondern führt nachvollziehbare Argumente an.

Sein Anliegen  – so wie ich es verstanden habe – ist in diesem Vortrag aber nicht die Auseinandersetzung der Kirche mit dem Islam, sondern die  bewusste Auseinandersetzung der Kirche mit ihrem gesellschaftlichen Auftrag einerseits und der Rückbesinnung auf die  „Basics“ andererseits, auf das was sie ausmacht und worauf sie sich gründet als  Zentrum  christlichen Glaubens.

Er fasst  so zusammen:

IV. Schluss
Das in der Barmer Erklärung vom 31. Mai 1934 thematisierte Spannungsverhältnis
zwischen Kirche und Staat war geprägt von der Auseinandersetzung mit den
Deutschen Christen und ihrer Anpassung an einen verbrecherischen Staat. Bei dem
Spannungsverhältnis zwischen Kirche und Staat geht es heute um die Positionierung
der Kirche im freiheitlichen Rechtsstaat des Grundgesetzes, um die Positionierung in
einer pluralen Gesellschaft. Wie schwierig diese Positionierung ist, zeigt nicht zuletzt
die Auseinandersetzung mit dem Islam, der seinen Frieden mit dem Verfassungsstaat
noch nicht geschlossen hat. In dieser -zunehmend an Bedeutung gewinnenden -Auseinandersetzung laufen die Kirchen meines Erachtens Gefahr, ihr unverwechselbares Profil und damit zugleich ihre Überzeugungskraft zu verlieren.

Ich sehe diese Gefahr zum einen, weil es die Kirchen – in den Worten von Josef Isensee
– mit ihre Neigung zur Säkularisierung häufig übertreiben. Die Kirchen formulieren
mit anderen Worten gerade nicht mit Entschiedenheit diejenigen Zumutungen
an die Adresse des Staates, die der Indikativ des Evangeliums im Sinne Eberhard
Jüngels eigentlich erwarten lässt. …

Und schließt mit den Worten:

Will sich die Kirche in der pluralen Gesellschaft nicht aufgeben, muss sie ihre ureigene
Botschaft klar formulieren und mit Anspruch auf Verbindlichkeit glaubhaft
vertreten. Sie muss mit anderen Worten zu jener Entschiedenheit zurückkehren, mit
der die Verfasser der Barmer Theologischen Erklärung im Jahre 1934 auf das Evangelium
verwiesen haben.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich spätestens mit dieser Bemerkung den mir
einleitend selbst verordneten Standpunkt des Juristen verlassen habe. Aber so viel
persönliches Bekenntnis musste sein.

Nachlesen kann man den Vortrag hier:

Der Vortrag wird zwar auch in dem Artikel der Zeit als Quelle benannt, aber ganz offensichtlich war der kritische Kommentator nicht in der Lage, die Rede Sinn entnehmend zu lesen, anders kann ich es mir nicht erklären, dass er den Kontext der beanstandeten Äußerungen so völlig außer Acht lässt und bei seiner Betrachtung die Priorität  den wenigen, dem Islam geltenden Sätzen zukommen lässt und  dabei vor allem  die Position   der  seiner Meinung nach  zu Unrecht kritisierten Muslime vertritt und  (wohl) deshalb den Referenten so heftig attackiert.   Wobei ich den Tenor sehr viel spannender finde, den nämlich Herr Bertram  – nach meiner Ansicht – auf das Verhältnis der (christlichen) Kirchen zu Staat, Verfassung und gesellschaftlicher Entwicklung  legt und damit  (mehr oder weniger)  die  Legitimierung der Kirche als gesellschaftliche Größe im Deutschland nach der Jahrtausendwende  in einer zunehmend säkularen Gesellschaft darstellt, bzw. den Anstoß dazu gibt, diese Diskussion INNERHALB der Kirche verstärkt zu wagen.

Die polemische Aufbereitung und Anklage der Zeit findet sich hier

Zu spät, viel zu spät… 24. Mai, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube.
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Leider, leider habe ich viel zu spät entdeckt, dass es „ein“en Blog zum Kirchentag in Bremen gibt.

Aber auch das  Nachlesen ist informativ und schön … für Leute wie mich, die nicht selbst teilnehmen konnten oder für Leute, die da waren aber eben  nicht überall zur gleichen Zeit sein konnten (konnten die Blogger natürlich auch nicht!!!  insofern ist meine Begründung etwas unlogisch  ;-)    ) auch für Leute, die noch ein bisschen wehmütig in Erinnerungen schwelgen wollen…  oder für die Neugierigen die sich fragen, was soll denn die Frage: „Mensch, wo bist du?“

HIER LESEN!!

Und ab morgen ist … 19. Mai, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube.
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KIRCHENTAG

IN

BREMEN !

unter dem Motto:

„MENSCH, wo bist du? „  nach 1.Mose 3,9

gibt es ein reichhaltiges Angebot an Seminaren, Referaten, Feiern, Gottesdiensten, Diskussionen, Andachten, Gesprächen und…und… und …

Bremen lohnt sich, sicher!

Informationen finden sich reichlich auf dieser Seite.

Kirchentagslogo

Benedetto – nur schwer zu begreifen … 13. Mai, 2009

Posted by Rika in aktuell, christsein - glaube, gesellschaft, islam, israel.
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Lila sagt, sie sei enttäuscht.

Der grenzgaenger bringt leise Kritik an.

Frau Knobloch kritisiert laut und deutlich.

In den meisten Medien  kritische Töne.

Der Papst pilgert durch das „Heilige Land“ und kehrt ein diesseits und jenseits des Jordan.

Für Frieden unter den Menschen und Völkern wirbt er … und beunruhigt und verstört gerade die die guten Willens sind, ihn nicht von Anfang an in die „deutsche“ Ecke mit der braunen Vergangenheit zu stellen. Und dann führt er vor, wie er eine religiöse Pilgerfahrt in eine hoch politische umfunktioniert.

Fehlten in Yad Vaschem die eindeutigen Worte zur  Schuld der katholischen Kirche – der Christen -  an jahrhundertelanger Entrechtung und Verfolgung der Juden – in Europa vor allem – und dem millionenfachen Mord während der Nazi-Diktatur,  so nimmt er umso eindeutiger Stellung zum Leid der Palästinenser:

Ich grüße Sie alle von Herzen und danke Präsident Mahmud Abbas für seine freundlichen Begrüßungsworte. Meine Pilgerreise in die Länder der Bibel würde ohne einen Besuch in Bethlehem, der Stadt Davids und dem Geburtsort Jesu Christi, unvollständig bleiben. Ebensowenig hätte ich ins Heilige Land kommen können, ohne die freundliche Einladung von Präsident Abbas anzunehmen, diese Gebiete zu besuchen und das palästinensische Volk zu grüßen. Ich weiß, wie sehr Sie an der seit Jahrzehnten in diesem Land herrschenden Unruhe gelitten haben und weiter leiden. Mein Herz wendet sich all jenen Familien zu, die kein Zuhause mehr haben. Heute Nachmittag werde ich das Aida Refugee Camp besuchen, um den Menschen, die so viel verloren haben, meine Solidarität zu bekunden. All jenen unter Ihnen, die über den Verlust von Angehörigen und Freunden in den gewaltsamen Auseinandersetzungen und besonders in den jüngsten Konflikten in Gaza trauern, versichere ich mein tiefes Mitgefühl und mein häufiges Gebetsgedenken. Ja, ich bete jeden Tag für Sie alle, und ich bitte den Allmächtigen aufrichtig um Frieden, um einen gerechten und dauernden Frieden in den Palästinensischen Gebieten und in der ganzen Region.
Herr Präsident, der Heilige Stuhl unterstützt das Recht Ihres Volkes auf eine eigenständige palästinensische Heimat im Land seiner Vorfahren in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn innerhalb von international anerkannten Grenzen. Auch wenn die Verwirklichung dieses Ziels heute noch fern erscheint, fordere ich Sie und Ihr Volk auf, die Flamme der Hoffnung am Leben zu erhalten, einer Hoffnung, daß ein Weg gefunden werden kann, die legitimen Ansprüche beider Seiten, der Israelis und der Palästinenser, zu erfüllen. In den Worten des verstorbenen Papstes Johannes Pauls II. gibt es „keinen Frieden ohne Gerechtigkeit und keine Gerechtigkeit ohne Vergebung“

siehe Originalton Radio Vatikan

Kein einziges Wort an die Palästinenser, auf den Terror gegen Israel zu verzichten, kein Wort darüber, dass Christen in den Palästinensergebieten von den muslimisch-palästinensischen Brüdern unterdrückt und mehr und mehr vertrieben werden, kein Wort der Aufforderung an die  „lieben Freunde“ und ihren Herrn Präsidenten  Israels Existenzrecht anzuerkennen  ohne wenn und aber!

Nichts und nichts dergleichen.

Dafür Verurteilung der „Mauer“   der Appell die „Blockade von Gaza“ zu beenden und einen Palästinenserstaat zu errichten!

Das ist nur schwer, nein,  gar nicht zu begreifen.

Ich hatte heute viel im Gärtchen gearbeitet und war nur kurz dazu gekommen, bei Himmel und Erde nachzuschauen und zu lesen, was die anderen so schreiben. Lilas Artikel zum Retzingär hatte ich kommentiert, ihre Erwiderung darauf löste eine Flut an Gedanken aus, die ich ihr schreiben wollte. Doch bevor ich dazu kam, sah und hörte ich die Nachrichten im ZDF „Papst verurteilt Mauerbau“

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/754788?inPopup=true

Alle meine wohlüberlegten Gedanken waren wie weggespült, Verständnis und Sympathie für den großen Theologen und Papst im Härtetest – einer von uns beiden wird ihn wohlmöglich nicht bestehen!

Wenn ich jetzt hier und nicht in Lilas Kommentarbereich trotzdem den Versuch mache, auf ihre Frage einzugehen, dann aus dem Gedanken heraus, dass der Problembereich, den Lila anspricht,  vielleicht mit dem Verhalten des Papstes in Regensburg und Bethlehem in Zusammenhang steht.

Lila hatte in ihrem Kommentar eine interessante Frage aufgeworfen:

Kennt der Papst etwa seine Bibel nicht? Moses hat nicht die Palästinenser ins Heilige Land geführt

Ich wollte ihr etwa so antworten:

„Liebe Lila,

ich nehme an, Du weißt wie riesig und gefährlich das Fass ist, das Du mit dieser Frage aufmachst.

Es stimmt natürlich, dass Mose nicht die Palästinenser ins Heilige Land geführt hat, aber zweifellos wurde Hagars Sohn Ismael zugesagt, dass er zu einer großen Nation werden würde ( siehe 1. Mose 21,8-21 und 1.Mose 25,12-18), und sind es nicht die Muslime, die sich genau darauf berufen? Ja nicht nur das, sie drehen die Geschichte und Ismael ist Avrahams legitimer Sohn und Erbe … das weiß der kluge Papst natürlich auch und so munkelt er und orakelt  laut und vernehmbar von den Vorvätern und Altvorderen und deren Land und ihrem (den heutigen Nachfahren) Recht auf Land und Staat und es macht ja nichts oder nicht so viel, dass damit die Israelis ein bisschen gebeutelt werden. (Zum Glück sagt er das  wenigstens nicht laut! Obwohl Du es natürlich schon sehr laut mitgehört hast – Du bist ja auch näher dran und Betroffene! Verzeih bitte, wenn ich das etwas flapsig sage!)

Aber es gibt natürlich noch eine Reihe weiterer Stolpersteine, wenn Herr Ratzinger seine Bibel, die er in- und auswendig kennen dürfte, ernst nimmt.

Die Sache mit dem Messias ist zwar schwierig, aber lösbar, man muss  einfach nur abwarten bis Jesus, der nach dem Neuen Testament und nach dem Glauben der Christen der Messias ist, wiederkommt. Dann wird sich zeigen, ob er es ist oder nicht. Für dieses Problem braucht es vor allem einen langen Atem und viel Geduld.

Auch die Sache mit Israels Erwählung als „Gottes auserwähltes Bundesvolk“ ist im Lichte der neuen Erkenntnisse über die Paulus-Briefe nicht mehr so schwierig. Gott hat die Erwählung niemals zurückgenommen, sein Bund mit seinem Volk hat ewigen Bestand.  So steht es jedenfalls in Römer 11!

Der eigentliche Hammer aber liegt in dem Problem, dass nach dem Verständnis des Neuen Testaments Christus, als der Sohn Gottes, gleichzeitig die letzte und endgültige Offenbarung Gottes ist. Wie geht das aber mit dem bekannten Propheten zusammen, der über Jahre durch den Erzengel Gabriel Sure für Sure Allahs Wort vernahm und als die absolute und einzige Wahrheit mit Feuer und Schwert unter’s Volk brachte und alle, ob sie wollten oder nicht unter den Rechtsanspruch des Islam zwang – auch wenn viele Leute immer noch glauben, dass die Verbreitung des Islam im Mittelmeerraum und weit darüber hinaus völlig freiwillig und ohne jeden mörderischen Druck geschah! Dass schon damals die Juden ihren Unglauben mit dem Leben bezahlen mussten, interessiert heute natürlich nicht mehr.

Mich hingegen interessiert schon, wie ein hochgeistiger und begnadeter Theologe den Dreh rauskriegt, zwischen Allah und dem Gott der Christen (und Juden- sage ich als Christin -, die Juden mögen das anders sehen) keinen Unterschied zu sehen und kein Problem damit zu haben (scheint), alles unter dem Hut der Theologie zu einem „All-in-One-Allah-Gott“ zusammen zu fassen.   Ich frage mich insgeheim, was wäre, wenn er die Erkenntnis hätte, dass Allah unmöglich Gott sein kann, wenn man der Bibel folgt…? Aber er ist zum Glück nicht nur Theologe sondern auch Diplomat, so dass er diese hübsch für sich behält oder behielte … ganz wie man möchte – es könnte ja sonst zu einer Katastrophe kommen. Jedenfalls, so scheint mir, ist sein Auftreten bei den Vertretern der Muslime vielleicht auch eine Reaktion auf die Reaktion derselben (Muslime) auf die Regensburger Rede…  Und er, der Papst, kann ja unmöglich sagen, dass er es bedauert, dass die Muslime so eine ganz andere Gottesvorstellung haben als die  (nicht nur katholische) Christenheit  und unser liebender Gott und „Vater“ wie wir ihn im „Vater unser“ bekennen, nichts aber auch gar nichts mit dem gemein hat, der im Koran zum Abschlachten Bekehren der Ungläubigen aufruft … nein, das geht nicht!

Wäre noch die Sache mit der Mission zu klären, die für jeden Christen eigentlich ein MUSS ist, wenn man seine Bibel nicht nur kennt, sondern auch befolgt… das ist aber auch ein heikles Thema, weil es ja in allen Jahrhunderten viele missionsresistente Menschen auf allen Kontinenten gab, denen ihre Weigerung nicht gut bekommen ist.  Dass Mission auch sehr viel Gutes für die Menschen auf allen Kontinenten gebracht hat, kann man mitunter schwer vermitteln, deshalb verzichte ich hier auf weitere Ausführungen.  Judenmission ist noch heikler als Mission allgemein… und mein Bedarf an Problemen ist für heute mehr als gedeckt. Ich will Dir nur zusichern, dass ich Judenmission für unbiblisch und damit für falsch halte… aber das sehen andere auch punktuell anders!

Siehst Du nun, liebe Lila, was Du mit Deiner einfachen Frage für einen Berg an Problemen für mich aufgehäuft hast?

Trotzdem verbleibe ich in großer Wertschätzung und Zuneigung deine

Rika“

So, und nun will schauen, dass mein Wäschebügelberg etwas flacher und kleiner wird!

——————————

Später Nachtrag – der Fairness geschuldet – aus dem Blickwinkel einer katholischen Zeitung, weil unsere Welt eben nicht eindimensional ist und die Berichterstattung dies auch wiederspiegeln sollte.

Achtung: Gefahr durch Kongress in Marburg! 1. Mai, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, gesellschaft.
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Zum Glück

gerade noch rechtzeitig erreichte mich heute eine Meldung, wonach in Marburg ein Kongress für Psychotherapie und Seelsorge stattfinden wird. Dass SPON schon einmal darüber berichtete, hatte ich in den letzten Tagen glatt übersehen, aber noch ist ja Zeit, die Gefahr, die  für die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland von dieser Veranstaltung ausgeht, abzuwehren.

Vermutlich evangelikale Seelsorger und Psychotherapeuten (gibt’s die überhaupt bei den Evangelikalen, ich meine, ist Psychotherapie nicht schon eine ganz, ganz  unbiblische Methode sich der Probleme des Menschen anzunehmen und damit eigentlich für Christen gänzlich ungeeignet???!!! Aber man weiß natürlich nie, auf welche Ideen die Frommen kommen und mit welchen fiesen Tricks sie ihre armen Opfer in die Falle locken, nein, wirklich!), also, vermutlich evangelikale Seelsorger und Psychotherapeuten planen einen Kongress in Marburg – vom 20. 5. – 24.5. 2009. Es ist übrigens der 6. Internationale Kongress dieser Art und die  teilnehmenden Wissenschaftler, Ärzte und Therapeuten (siehe hier), die Referate oder Seminare halten,  sind vermutlich -  wenn schon nicht evangelikal -  so doch alle ziemlich gaga und müssten wegen der Gefahr die deshalb von ihnen ausgeht, eigentlich  vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Vermutlich waren wir alle mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, dass wir die gefahrvolle Wirkung, die von solchen Zusammenkünften sicher auch in der Vergangenheit ausgegangen ist, hier gar nicht mitbekommen haben. Aber das tut ja nun nichts zur Sache.

Bei dem Kongress soll es um  Identität gehen, hübsch verpackt in das Thema:  Der rote Faden in meinem Leben.

Roter Faden klingt doch ganz nett, so ein roter Faden scheint ab und zu einigen Leuten zu fehlen, mir auch manchmal bei dem was ich so tue, denke, schreibe, das kommt vor und tut hier auch nichts zur Sache.

Und sich um Identität zu kümmern, noch dazu um die eigene, kann ja kein Fehler sein.  Wenn aber Christen, vermutlich Evangelikale, sich um Identität kümmern und einen Kongress dazu abhalten, ist Gefahr in Verzug.

Vor allem dann, wenn zwei oder drei der eingeladenen ReferentInnen auch schon mal zum Thema Sexualität / Homosexualität in Diskussionen und Aufsätzen Stellung bezogen haben, die den modernen Ansichten über Homosexualität nicht entsprechen. Diese Leute werden vermutlich alles daran setzen, um  homosexuelle Menschen bei der Suche nach dem roten Faden in ihrem Leben davon zu überzeugen, dass sie falsch gewickelt sind, ihr Faden nämlich gar nicht rot, sondern in der Komplementärfarbe GRÜN eingefärbt ist, was ja nicht sein darf und demzufolge auch zukünftig nicht mehr sein kann und wird, weil sie sollen in Marburg umgepolt werden. Jawohl!

Das steht zwar nicht so in der Ausschreibung zu dem Kongress, aber, wie gesagt, man weiß ja nie, wie diese Frommen so ticken und was sie eigentlich meinen!

Darum: Leute, wehrt euch!

Schreibt Briefe und Protestnoten und wendet Euch an den Marburger Bürgermeister, der hat sich vorsichtshalber schon mal von möglichen Umpolern distanziert, will aber bisher den Kongress nicht verbieten!

Kämpft gegen die Auswüchse christlicher Seelsorge und Therapie, unterstützt Volker Beck im Kampf gegen die gefährlichen Therapeuten, die auch an diesem Kongress teilnehmen werden!

Sollte der Kongress aber nicht verhindert werden können, stürmt die Seminare, stört die Diskussionen, veranstaltet Sprechchöre und Gegendemonstrationen, denn sie sind gefährlich, diese christlichen – vermutlich evangelikalen – Seelsorger und Psychotherapeuten.

Wenn Ihr mit Euren Problemen nicht anders fertig werden könnt, macht eine Edelsteintherapie, sucht eine fundierte Kartenlegerin auf, befragt einen Astrologen oder lasst Euch aus dem Kaffeesatz die Zukunft lesen. Es sollen auch Outdoorseminare äußerst hilfreich sein oder die Teilnahme am Dschungelcamp.

Und wenn alles nicht hilft, geht bei Vollmond in den Garten und lauft dreimal  rückwärts eine Acht, das hilft!

Aber nehmt um Himmelswillen keinen Seelsorger oder Psychotherapeuten in Anspruch, der an dem Marburger Kongress teilnehmen will oder teilgenommen hat. Es könnte der Anfang vom Ende Eurer Probleme sein! Schrecklich!!!

Ostern … 14. April, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, familie.
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Selten ist mir die Botschaft von Ostern so sehr intensiv  bewusst geworden wie in diesem Jahr und darum noch einmal die zentrale Aussage – diesmal nicht von Jesus selbst, sondern von Paulus bezeugt:

Christus ist für uns gestorben, damit wir zusammen mit ihm leben. Das gilt für uns alle, ob wir noch am Leben sind, wenn er kommt, oder ob wir schon vorher gestorben sind.

1.Thessalonicher 5,10   (Lehrtext der Herrnhuter „Losungen für junge Leute“  in der Übersetzung der Guten Nachricht)


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Ostern ist für unsere Familie nicht nur der höchste christliche Feiertag, sondern auch traditionell das Fest, an dem sich die große Familie am zweiten Feiertag bei Schwägerin und Schwager trifft mit (fast) allen Kindern und Enkeln. Und natürlich gibt es für die Kleinen auch das Ostereiersuchen im nahe gelegenen Wald und einen damit verbundenen Spaziergang zum idyllischen Heidesee…

Es war ein wunderschöner Tag gestern, das Zusammensein der Familie – auch wenn zwei unserer Kinder nicht dabei sein konnten – mit viel erzählen über dies und das, erinnern, planen, lachen …  das wunderbare Wetter …

Dank an die Lieben und danke Gott!

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HINWEIS:

Seit diesem jahr gibt es die bekannten Herrnhuter Losungen auch in einer speziellen Ausgabe für junge Leute im Taschenkalender-Format mit Kalendarium und Raum für eigene Notizen. Sehr empfehlenswert. Herausgegeben von der Evangelischen Brüder-Unität im Reinhardt Verlag.

Infos dazu bei  www.losungen.de

Sterben und Auferstehen … 9. April, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, familie.
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Meine   – unsere -  Mutter  ist in der letzten Woche  gestorben und am Dienstag beigesetzt worden.

Ein Freund sprach mir sein Beileid aus.   Wir werden uns, weil er mit seiner Familie verreist,  vor Ostern nicht mehr sehen und so sagte er  nachdenklich zum Abschied unseres Gesprächs:  „Ich weiß nicht, ob ich Euch in dieser Situation ‘Frohe Ostern’ wünschen kann…“

„Doch, das kannst Du!“

Ja, das kann er nicht nur,  trotz der Trauer die uns bewegt, es ist geradezu die zentrale Aussage angesichts des Todes:

Frohe Ostern!

Denn der HERR  ist auferstanden an Ostern! Er ist nicht im Tod geblieben. Er hat den Tod überwunden und so  und nur so können wir angesichts des Todes eines geliebten Menschen von der Kraft dieser Auferstehung her leben und hoffend und glaubend das annehmen, was Jesus der Martha zusagt:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und  jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“

Johannes 11, 25 – 26


Unsere Mutter ist in dieser tiefen Zuversicht und in Frieden heimgegangen in Gottes Herrlichkeit. Uns, die wir sie lieben, ist das Trost und Hoffnung und Grund großer Dankbarkeit und Freude – trotz des Abschiedsschmerzes, den wir spüren.

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Morgen ist Karfreitag … der Tag, der uns mit der Macht und dem Schrecken des Todes konfrontiert, an dem wir des leidenden und sterbenden Jesus gedenken, der die Gottverlassenheit des Todes auskosten musste in grenzenloser Verzweifelung und Ohnmacht.

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Aber wir wissen schon jetzt:  Der Sieg des Todes an Karfreitag ist nicht endgültig.

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Es wird Ostern …

Die Probe aufs Exempel … 6. Februar, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube, gesellschaft.
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… unfreiwillig zwar und alles andere als angenehm und wie   „es“ letztlich ausgehen wird ist auch noch völlig offen, aber die Probe, ist sie nicht bestanden?

Da geht ein schwedischer Journalist her und macht eine Reportage – in Schweden zunächst – über eine unheimliche Erscheinung in schwedischen Landen. Eine neue Gruppierung tritt auf, mit überaus konservativen Wertvorstellungen und strengen religiösen Regeln. Die Gruppe scheint nicht ganz geheuer und da es auch in anderen europäischen Ländern ähnliche Ableger dieser radikal-katholischen Glaubensgemeinschaft gibt, führt der Weg der Recherche weit aus Schweden hinaus – bis in die tiefe bayrische Provinz (bitte scrollen!)

Ein ehedem der schwedischen (protestantischen) Kirche angehörender Vikar ist zum Katholizismus konvertiert, zu eben diesem radikal-katholischen Zweig, der sich nicht unter die päpstlichen Weisungen beugen will und den modernen Weg der katholischen Kirche, der doch in vielen  Augen nicht modern genug ist, nicht mitgehen will und lieber an alten Riten und alten Dogmen festhalten möchte.

In Bayern soll am Fest „Allerheiligen“ der ehemals schwedisch-protestantische Vikar zum Diakon geweiht werden und der Journalist ist eingeladen oder hat sich eingeladen, so genau weiss ich es nicht, dieses feierliche Ereignis medial aufzubereiten und darüber zu berichten. Der zelebrierende Bischof – zu diesem Zeitpunkt im Zustand der Exkommunikation – ist nicht nur ein Verfechter eines erzkonservativen Katholizismus, es ist darüber hinaus auch ein Mann mit seltsamen politischen Ansichten und einem völlig verfälschten Geschichtsbewusstsein, vor allem in Bezug auf die Judenverfolgung und Judenvernichtung während der Nazidiktatur. Und er macht aus seinen Ansichten dazu auch gar keinen Hehl, wohl wissend, dass er mit seinen Äußerungen in Deutschland eine Straftat begeht, leugnet er doch den Holocaust und verdreht die historischen Tatsachen auf unerträgliche Art und Weise.

Und er weiß was er sagt und was er tut.

Das wird in dem Bericht des schwedischen Reporters deutlich, der nicht nur die Zeremonie filmt, sondern auch mit dem Bischof vor laufender Kamera ins Gespräch kommt. Ein Glücksfall für den Journalisten, hatte er doch schon in früherer Zeit von den kruden Ansichten des geistlichen Herrn gehört und nun die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, diesen dazu zu befragen. Bereitwillig und nicht ohne den Hinweis, dass man das in Deutschland ja nicht veröffentlichen dürfe, gibt der Bischof Auskunft über seine Vorstellungen und Ansichten.

Zurück in Schweden stellt der Journalist seine bisherigen Reportageergebnisse zusammen, führt sie einigen Offiziellen vor, die sich empört von der radikal-katholischen Gruppe und ihrem den Holocaust leugnenden Bischof distanzieren. Mehr passiert zunächst nicht.

Im Januar wird bekannt, dass die Exkommunizierten vom amtierenden Papst begnadigt und in den Schoß der Kirche neu aufgenommen werden sollen.  Völlig unabhängig von den Ansichten des Bischofs zu Judentum und Holocaust, die in der öffentlichen Wahrnehmung noch gar nicht angekommen sind,  ist die Pius-Bruderschaft, so die Bezeichnung der radikal-katholischen Gruppe, hierzulande  bei vielen Katholiken  höchst umstritten, weil sie als Hemmnis für die  Öffnung der Kirche zu mehr Liberalismus und in der Anpassung an die Erfordernisse der Neuzeit empfunden wird.

Zeitgleich geht in Schweden die Reportage über den Sender!

Darüber findet sich zunächst nur ein „unscheinbarer“ Bericht in einem deutschen Mainstreammedium, der aber schnell Verbreitung findet …

Und ein Sturm der Entrüstung bricht los.

Völlig zu Recht – was die unhaltbaren Äußerungen des Bischofs betrifft – und mit deutlicher Kritik an der päpstlichen Weisung.

Wie kann der Papst einen Mann begnadigen, der solcherlei Meinungen offen äußert?

Die Diskussion über den Bischof einerseits und das Handeln des Papstes andererseits wird heftig und ohne jede Rücksicht auf die „Heiligkeit“ des heiligen Stuhls ausgetragen – auf allen gesellschaftlichen Ebenen, im Kirchenvolk ebenso wie in den kirchlich gänzlich uninteressierten Kreisen, Politiker melden sich zu Wort und sparen nicht an Kritik, weder am Papst noch an den Strukturen seiner Kirche.

Selten hat es ein so großes öffentliches Aufbegehren gegen eine Entscheidung eines Kirchenfürsten gegeben und selten war dies Aufbegehren so laut und so vernehmlich und so öffentlich.

Wie der Papst letztlich das Dilemma lösen wird, in das ihn vor allem die publik gewordenen Äußerungen des Bischofs gebracht haben, vermag ich nicht zu sagen,

aber „WIR“ haben die Probe aufs Exempel bestanden in diesem Land!

Jedenfalls fast!

„Wir“  streiten nicht nur öffentlich gegen Fehlentscheidungen der Kirche, sondern sagen sogar dem Papst die Meinung und viele seiner Bischöfe gleich mit!

Und wir  weisen alle Christen und alle christlich sozialisierten Nichtmehrchristen und bekenndende Atheisten in ihre Schranken, die es wagen, den Holocaust zu leugnen, zu verharmlosen oder die historischen Tatsachen in Abrede zu stellen.

Jetzt müssen wir  nur noch den Geschäftsleuten klar machen, die mit dem Holocaustleugner im Iran gute und beste Geschäfte machen, dass die gleiche Entschiedenheit, die man dem Papst entgegenbringt, auch den Mullahs und dem finsteren Herrn des Iran entgegen zu setzten ist, wenn die nicht nur den Holocaus leugnen, sondern ganz offen davon reden, „das zionistische Gebilde“ im Land Palästinas von der Landkarte tilgen zu wollen.

Und einigen Hobbypolitikern, Stadträten und den Verantwortlichen bei der Polizei müssten die gleichen Forderungen gestellt werden, sich vehement den Holocaustleugner und Hamas-Sympathisanten entgegen zu stellen, die unter den muslimischen Migranten  und ihren deutschenstämmigen  antizionistischen Mitstreitern  zu finden sind … wie man unlängst in verschiedenen Städten bei den Friedenskundgebungen für Gaza mühelos erleben konnte…

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Bleibt noch die Frage, wie die Empörung gegen die  Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation einiger Bischöfe zurückzunehmen,  ausgefallen wäre, wenn der HOLOCAUSTLEUGNER  nicht unter denjenigen gewesen wäre, die der Papst begnadigte.

So gesehen, war es geradezu ein Glücksfall für die Kirche und auch für unsere demokratische Streitkultur, DASS ES  ÜBERHAUPT ZU DEM EKLAT GEKOMMEN IST,  zeigt sich doch gerade in der öffentlich geführten Debatte, dass es im Christentum von heute keine Tabus und erst recht keine Schonräume oder Schonzeiten  für  „öffentliche Personen“ gibt, nicht einmal für den Papst und dass in  Deutschland keine (christliche) Person des öffentlichen Lebens für Kritik tabu ist!

Bleibt auch noch die Frage, ob die Belange anderer Glaubens- und Religionsgemeinschaften ähnlich leidenschaftlich öffentlich diskutiert und Entscheidungen kritisiert werden können … gab es da nicht vor einiger Zeit einen UN-Antrag,  auf die religiösen Gefühle einer großen Religionsgemeinschaft Rücksicht nehmen zu MÜSSEN und bestimmte kritische Äußerungen nicht tun zu dürfen …?

Diese  Probe aufs Exempel steht noch aus …

… und ich nehme Wetten darüber an, dass sie mit allen Mitteln vermieden wird!

Einsamer alter Mann … 3. Februar, 2009

Posted by Rika in christsein - glaube.
7 comments

… möchte man fast mitleidig sagen, wenn man die jüngsten Berichte über den „deutschenPapst“ liest,  über seine Wertschätzung für die Theologie, seine Liebe zu den Büchern, sein emsiges Schaffen an seinem Jesusbuch … und … und … und…

Von Politik verstünde er nichts,  ist zu lesen und wolle er auch nichts verstehen, dafür seien seine Berater und seine „Minister“ zuständig, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, wie die HAZ in ihrer Printausgabe schreibt.  Auch mit Kirchenpolitik hat er wohl nichts am Hut, sofern damit mehr die Politik und weniger die Kirche gemeint ist. Die Einheit der Kirche sei ihm allerdings äußerst wichtig, geradezu existentiell wichtig. Darum habe er auch die abtrünnigen Pius-Brüder wieder in den Schoss der Kirche aufgenommen – und die liberalen und modernen Glaubensbrüder umso mehr brüskiert.  Dass unter dem Dach der Piusbruderschaft  christlicher Antisemitismus gepredigt wird und ein erklärter Holocaust-Leugner mit zu den Begnadigten gehört, scheint für den Papst weniger wesentlich zu sein wie diese „Einheit der Kirche“!

Darum riskiert er einen totalen Bruch im Dialog mit den Juden und verstört all jene, die gerade von ihm eine deutliche Stellungnahme erwarten. Die sei ja nach Meinung durchaus  „papstkritischer Insiderstimmen in Rom“ klar und deutlich erfolgt, meint die HAZ zu wissen und schreibt: „Benedikts Haltung gegenüber den Juden, sagen sie, sei über jeden Zweifel erhaben.“  Das freilich sieht Frau Merkel anders und verlangt

Benedikt XVI. und der Vatikan müssten „eindeutig klarstellen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben darf

So ganz nebenbei vergrätzte er vor einiger Zeit  die Christen, die sich dem lutherischen  und / oder reformatorischen Zweig der Evangelischen zurechnen, indem er ihnen ganz einfach und schnöde das „Kirche sein“ absprach.

Freikirchen sind dann nach dieser Zurechtweisung erst recht keine „Kirche“ – i.S.v.  „Gemeinschaft der Gläubigen in der Nachfolge Jesu“ – und vermutlich nicht einmal Abtrünnige sondern ganz einfach Heiden … nehme ich mal an.

Von Publicrelations will der einsame alte Mann in Rom gar nichts wissen, das Medienzeitalter liegt jenseits seiner Vorstellung und Abseits seines Interesses, so scheint es.

Die Gruppe seiner Vertrauten sei klein, so heißt es und ansonsten gehe der Papst früh zu Bett. Vermutlich liest er keine Tageszeitungen aus Deutschland und sieht auch keine deutschen Fernsehprogramme. (Ob die italiensischen Medien genauso mit ihm ins Gericht gehen wie die hier in Deutschland?)   So gibt es für ihn auch wenig Möglichkeiten Volkes Stimme zu hören, so es ihn denn überhaupt interessierte.

Die HAZ fragt deshalb unter der Rubrik „Blick in die Zeit“  besorgt, ob Benedikt XVI. beratungsresistent sei oder der Welt entrückt und rätselt:“Was treibt den deutschen Papst?“

Ich habe darauf keine Antwort, allenfalls  folge  ich einer vagen Vermutung, gestützt auf das Flüstern in den diversen Blättern, das Raunen allenthalben, die Verknüpfung seiner vermeintlichen Fehltritte in  „Fettnäpfchen“, angefangen bei der Regensburger Rede – die ich immer noch großartig finde – bis zu dieser überaus unglücklichen Begnadigung höchst suspekt erscheinender Männer der Kirche.  Es sei denkbar, meinen die Rauner, das der Papst die Christen hinter sich und unter seinem Hirtenstab sammle  … für die Zeit, in der die Stärke der Kirche und die Einheit der Christen zu einer absoluten Notwendigkeit werden könnte …

Der  Gedanke der Einheit der „Gemeinde Jesu“, unabhängig von allen hierarchischen Strukturen und von dogmatisch begründeten Unterschieden, dieser Gedanke ist es wert weiter bedacht und weiter gebracht zu werden … aber nciht um jeden Preis.

Der Preis, den der Papst zu zahlen bereit schien, ist mir eindeutig zu hoch!