vom wunder des lebens… 18. Oktober, 2009
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es ist ein so alltägliches wie beinahe selbstverständliches ereignis, jeden von uns hat es bereits ganz persönlich betroffen und einigen von uns widerfährt es ein zweites, drittes, viertes mal in direkter beteiligung: das wunder der geburt.
und ein wunder ist es immer wieder, wenn aus der vereinigung zweier menschen neues leben wird, zellen sich teilen, differenzieren, wachsen und so im laufe etlicher monate ein neuer mensch heranwächst im schutz des mütterlichen uterus und dann endlich – zumeist sehnsüchtig-ungeduldig und vielleicht auch etwas ungeduldig-ängstlich erwartet - geboren wird.
dieses wunder des lebens, des werdens und endlich auch des geboren werdens hat unsere familie in diesem jahr der abschiede begleitet - in hoffnungsfroher erwartung und spannung.
und so danke ich GOTT mit glücklichem herzen und in großer dankbarkeit für das wunder des lebens:
unser erstes enkelkind ist geboren worden.
seine eltern sind glücklich und dankbar für ein wunderbares kind, zart und klein und ganz lebendig und gesund (und wunder-, wunderschön … ganz bestimmt das schönste kind der welt…). wir freuen uns mit ihnen und sind froh, dass mutter und kind wohlauf sind – was immer als eine große selbstverständlichkeit verstanden wird und doch nicht so selbstverständlich ist.
nie zuvor war mir tod und leben, sterben und geboren werden so als unauflösliche „einheit des lebens“ bewusst wie in diesem jahr. der beginn des sterbens unserer mutter war gleichzeitig der beginn des neuen lebens und als wir unseren vater zu grabe trugen, war das neue leben schon lebensfähig, an meinen 60. geburtstag vor einer woche vollendete sich das leben meiner tante und wir haben sie beerdigt am tag nach der geburt des kleinen enkelsohns … beginn, fülle und vollendung des lebens.
SAGT GOTT DANK ALLEZEIT FÜR ALLES! Epheser 5,20
ein schwieriges jahr der abschiede… 12. Oktober, 2009
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„dies ist für dich ein jahr des abschied nehmens“, meinte meine schwägerin als ich ihr am telefon erzählte, dass meine tante gestorben sei.
meine tante die so untrennbar zu meinem leben gehörte, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, sie würde eines tages nicht mehr da sein. im januar wäre sie 94 geworden und irgendwie glaubte ich mit nahezu kindlicher einfalt, sie würde 100 und noch älter.
sie war eine institution in unserer familie.
die älteste schwester meiner mutter, selbst ledig und kinderlos, war für mich und alle ihre nichten und neffen so etwas wie die gute seele der familie. mir war sie enge vertraute in schwierigen zeiten und für meine kinder eine zusätzliche oma, die wunderbare geburtstagsbriefe schrieb – so zuverlässig, liebevoll und anteilnehmend. und obwohl sie zuletzt nicht mehr gut sehen konnte und ihre schrift zittrig geworden, waren ihre gedanken noch klar und aktuell und ihre worte voller kraft, so dass wir es als herben verlust empfanden, als in diesem jahr erstmalig die briefe ausblieben.
ihr nahezu unerschütterliche glaube an Gott, der auch in ihren schweren zeiten trotz mancher zweifel tragfähig blieb, ihr klares bekenntnis zu christus und ihr nie nachlassendes gebet für ihre neffen und nichten und deren kinder und großkinder vor allem – neben den fürbitten für gemeinde und welt – war immer vorbild und ansporn für mich (manchmal auch reibung und grund für oppositionelles aufbegehren!).
an meinem geburtstag ist sie gestorben - ein onkel rief uns am tag darauf an, er hatte unsere kleine familienfeier nicht stören wollen.
wir werden sie in dieser woche beerdigen
nach mutter und vater nun auch sie, die mir so viel gegeben und bedeutet hat.
ich danke ihr für ihre liebe und danke Gott für ihr leben.
Rot ist schön! 6. September, 2009
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Nein, das soll kein Wahlkampfbeitrag werden …
Weder geht es um politische Ansichten, die man gerne farblich kennzeichnet, noch um die vermeintliche Farbe der Liebe, ja nicht einmal um das Rot an sich.
Eine Notiz bei SPON inspiriert mich zu „Rot ist schön!“
Als mein Zweitgeborener ziemlich haarlos auf die Welt kam, beschäftigte sich meine gute Freundin gerade intensiv mit der Frage, ob sie ihrer Tochter zu Weihnachten ein Haarfärbemittel schenken solle, eine Idee, die ich überhaupt nicht verstehen konnte, hatte doch die Tochter wunderschöne Haare in einer atemberaubend tollen Farbe – meine Freundin fand meinen Enthusiasmus jedoch als gut überspieltes Mitleid!
Und als meinem Zweitgeborenen der erste zarte Flaum auf dem hübschen Köpfchen wuchs, hielt sie triumphierend ihren Finger unter ein / zwei der feinen Härchen und verkündete: „Der wird ROT!“
Er wurde rot! Löckchen (die sich später zu wilden Wellen auswuchsen) in wunderbar hell schimmerndem Kupfer, im Sommer mit einzelnen blonden Strähnen gaben dem kleinen Kerl ein unwiderstehlich anmutiges Aussehen.
Auch die Drittgeborene wurde rot! Herrlich kräftig rot glänzende Haare. (Allerdings dauerte es sehr lange, bis sie sich zu einer prächtigen Mähne auswuchsen.)
Der Viertgeborene schließlich, wurde ebenfalls rot! Ein feiner Rotton, der in jungen Jahren relativ hell war und erst im Erwachsenenalter fast wie Mahagoni leuchtet.
Die Kinder haben in ihrer Kindergarten- und Schulzeit sehr unterschiedliche Erfahrungen mit ihren roten Haaren gemacht. Allen begegneten Mitschüler und Kinder, die die roten Haare zum Anlass nahmen, sie zu hänseln oder zu ärgern. Pumuckel, Feuerwehr, Pipi Langstrumpf – das waren die gängigen Vergleiche. Unsere Tochter wurde eine Zeitlang Ferari genannt – eine nette Anspielung auf Haarfarbe und Temparament, im Kindergarten musste sie sich allerdings anhören (von gleichaltrigen Mädchen), dass man eine wie sie im Mittelalter als Hexe verbrannt hätte… einen ganzen Sommer lang färbte ich mir damals aus Solidarität mit meiner Tochter die Haare ROT!
Inzwischen haben sie natürlich keine Probleme mehr mit Leuten, die rote Haare nicht leiden können oder in ihnen Hexen, Pumuckel oder irgendwelche unheimlichen Figuren vermuten. Außerdem ist es heutzutage geradezu schick, sich die Haare rot zu färben, besonders bei Frauen, denen der natürliche – wie auch immer geartete – Farbton zugunsten eines mehr und mehr eindeutigen „Grau“ abhanden kommt.
Ich wandel mich auch gerade von einem eher nichtssagenden Aschblond zu einem undefinierbaren Grau mit aschblonden Strähnen …
Die Zeit vergeht und auch (Haar)Farben sind vergänglich!
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Sind – äh, waren – sie nicht bezaubernd, unsere „Roten“? (Auf der Terrasse des Lieblingsferienhauses vor ca. 20 Jahren)
Und unser Ältester? Der war als Kleinkind leuchtend blond und wurde mit den Jahren immer dunkler. Zur Zeit ist er sehr gespannt, welche Haarfarbe sein Kind haben wird, das seine Frau (hell naturblond) und er im Herbst erwarten …
Rot wäre doch eine schöne Farbe!
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Übrigens verstehe ich nicht, wie man in der Fotoleiste des Spiegelartikels so viele rot gefärbte Leute darstellt, es gibt doch (noch) genug „Naturrote“ in allen Variationen!
Was bleibt… 3. September, 2009
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Nein, es ist nicht schön, die Wohnung sehr geliebter Menschen leer zu räumen, alle die schönen Dinge, die einem zum Teil von frühester Kindheit an vertraut sind, in Kisten zu verpacken, um sie vorläufig im eigenen Keller zu lagern, bevor man dann in der Lage ist, alles noch einmal zur Hand zu nehmen und zu entscheiden, was endgültig damit geschehen soll.
Was tut man mit Möbeln, die die Wohnung der Eltern so wunderbar vertraut und heimelig machten, wohin mit Teppichen, Sofas und Sesseln, Schränken, Lampen, Tischen und Stühlen? Was wird aus den „Hättelkes und Tättelkes“, wie mein Großvater selig die kleinen Dinge zu bezeichnen pflegte, die keinen anderen Nutzen haben, als „schön“ auszusehen und dem- und derjenigen Freude zu machen, der / die sie ausgesucht und aufgestellt, gelegt oder aufgehängt hat.
Meine Mutter hatte ein Händchen für das Ausschmücken der Wohnung, mein Vater ein gutes Auge für Räume und die „richtigen“ Proportionen. Man kann nicht einfach so die Dinge nehmen, im eigenen Haus aufstellen und meinen, sie würden dort die gleiche Wirkung entfalten. Nein, geht nicht!
Es geht sowieso nicht, noch nicht. Deshalb die Kartons… es ist schwierig, die Dinge zu verpacken, so, als packte man das Leben der Eltern irgendwie gleich mit ein. Und dennoch hat das Packen auch etwas Tröstliches, ich tue etwas und meine Gedanken werden gebändigt, konzentriert auf Sorgfalt und Vorsicht, damit die Zeugen der Vergangenheit nicht beschädigt werden. Ab und zu, wenn die Erinnerung durch ein Buch, eine Vase, ein Bild, gar zu heftig aufsteigt, mache ich eine Pause und höre den Geschichten zu, die mir Vase, Bild oder Buch erzählen.
Gut, dass ich nicht allein bin, dass der Liebste da ist.
Am Samstag müssen wir fertig sein und die Wohnung leer geräumt. Die Gardinen dürfen hängen bleiben, die neuen Bewohner würden sie gerne übernehmen. Ich weiß noch, wie ich sie – die Gardinen natürlich - in der alten Kasseler Wohnung abgenommen, gewaschen und dann im Stift aufgehängt habe, damit es beim Einzug für die Eltern schon ein bisschen nach Zuhause aussieht.
Familienbande… 29. August, 2009
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„Familienbande“
- ein Wort, das mehr als eine Deutung zulässt und sicherlich bei jedem Menschen ganz unterschiedliche Assoziationen auslöst, je nach Zeit und Situation angenehme wie unangenehme, heitere wie traurige, liebsame und solche, die man lieber in die allerhinterste Ecke seines Gedächtnisses schieben möchte.
Mal kommen einem die „Bande“ wie die zarten Verbindungen der Liebe vor oder wie starke Taue, an denen man Halt findet, mal wie die berühmte lange Leine, an der man sich irgendwie durchs Leben „geführt“ fühlt und manchmal wird die Leine kurz und kürzer, wird fast zum Knebel.
Eines unserer Kinder war in seinen Kindergartentagen mal der „Chef“ einer „Coolen Bande“, wie sie sich selbst nannte, immer irgendwelche Streiche und Unternehmungen im Schilde führend – „Bande“ als Gruppe, die wie Pech und Schwefel zusammenhält, aber nicht nur und nicht immer die lautersten Absichten verfolgt… (Im Kindergarten mag das noch angehen
! )
Der Familienclan als kriminelle Bande, durchaus weiter verbreitet als es einem gut erzogenen Mitteleuropäer vorstellbar erscheint, soll hier nicht näher betrachtet werden.
Fast jeder kennt die „Bande“ in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen und Ausprägungen. Mit Ausnahme der „Bande“, die nichts Gutes im Schilde führt, ich auch.
Gestern, bei der Trauerfeier für meinen verstorbenen Vater, habe ich meine Groß-Familienbande in ihrer allerbesten und schönsten Form erlebt:
Menschen, die mich kennen, die ich kenne, die mir seit Kindertagen vertraut sind, vor denen ich keine Rolle spielen muss, die einfach wissen wer und auch wie ich bin und die mir Halt geben und Sicherheit, die meine Erinnerungen teilen und / oder ergänzen, die einfach da sind, weil sie meine Familie sind! Die noch lebenden Schwestern meiner verstorbenen Mutter, der Onkel – als einziger aus der älteren Generation, der nun von den Männern noch da ist, die Schwester unseres Vaters starb schon vor vielen Jahren, ihr Mann im letzten Jahr -, meine Cousins und Cousinen, mit denen mich viel mehr verbindet, als es auf den ersten Blick erscheint.
Mein Bruder natürlich, der wie ich nun „elternlos“ ist, der nächste leibliche Verwandte, den ich auf dieser Welt habe. Kein anderer Mensch teilt so viele Erinnerungen an unsere Eltern mit mir, wie er. Und obschon er fast 3 1/2 Jahre jünger ist als ich, „kennt“ er sich in meiner Kindheit besser aus als alle anderen – hat er doch den Alltag mit mir und den Eltern geteilt, Tag für Tag, Jahr um Jahr. Und so denken wir an Mutter und Vater, erinnern uns an viele Begebenheiten und fühlen uns nahe und vertraut. Eingeschlossen in dieses Vertrautsein ist seine Familie, seine Frau, die Kinder, meine Nichte und die Neffen.
Selbstverständlich ist meine eigene Familie in die „Familienbande“ verwoben, mein Mann, unsere Kinder, Schwiegertochter…
Es ist einfach gut, FAMILIE ZU HABEN !
Danke an meine Familie – die kleine wie die große – für die starken und zarten Bande der Liebe, für den sicheren Halt, für Hilfe und Rat, für die Unterstützung in Wort und Tat und Gebet.
Meine liebe Mischpoke, ich weiß, was ich an dir habe!
.
- und für alle, die es noch nicht wissen, aber gerne den Dingen auf den Grund gehen, „Mischpoke“ ist dem Jiddischen entnommen, das wiederum im Hebräischen verwurzelt ist und heißt nichts anderes als Familie - MISCHPACHAH
Mein Vater 23. August, 2009
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Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht. Jesaja 12,2
Ein langes Leben
Höhen und Tiefen
Verzweifelung und Freude
Schmerz und Glück
Lieben und geliebt sein
Arbeit und Entspannung
Alltage und Sonntage
Vater und Großvater
Bruder und Freund
„Ich weiß mich in des HERRN Hand. Er wird mich nicht verlassen.“
So hat er gelebt und so ist er heimgegangen in GOTTES Frieden und Herrlichkeit.

Dankbar sind wir für sein Leben,
dankbar, dass er sein langes Leiden nun hinter sich gelassen hat,
traurig, dass wir ihn in dieser Welt nicht mehr bei uns haben
und doch voller Vertrauen und Hoffnung auf die Ewigkeit GOTTES
Jesus sagt:
Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich: Weil ich lebe, werdet auch ihr leben. Johannes 14, 19
Elberfelder Bibelausgabe von 1927
Lissabon…Portugal…Urlaub… Teil II 16. Juli, 2009
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… oder auch „Linie 28″
Das Fado-Zimmer bescherte uns eine ruhige, wenn auch ziemlich warme Nacht, die in den frühen Morgenstunden durch Lärm und Getöse unten auf der Straße jäh beendet wurde. Ganz offensichtlich waren Müllwerker damit beschäftigt, Abfalltonnen zu entleeren und den Dreck der Straße zusammen zu kehren.
Es ist angebracht an dieser Stelle einen kleinen Einschub zu machen über die auffällige Sauberkeit in Lissabons Straßen der Altstadt, den Bahnhöfen und U-Bahnstationen! (Wenn ich das so mit Hannover vergleiche, dann kommt Hannover ganz, ganz schlecht weg.) Angebracht ist auch zu erwähnen, dass die Straßen und Gassen der Altstadt gepflastert sind, nicht einfach so grau in grau, sondern mit vielfältigen Ornamenten und geometrischen Mustern versehen….
Es läuft sich gut auf dem Pflaster und die Hitze staut sich in und über den Steinen weniger als bei vergleichbarem Asphalt… und außerdem sieht es einfach schöner aus!
Nachdem ich also im Dämmerzustand des Halbschlafs festgestellt hatte, dass die Müllwerker aktiv waren und mir auch bewusst geworden war, dass ich URLAUB hatte und keine Notwendigkeit bestand, aufzustehen, drehte ich mich beruhigt auf die andere Seite und schlief selig weiter bis der Liebste mich weckte und fragte, ob ich Lust auf Frühstück hätte und meinte, dass ich, wenn ja, nun aufstehen müsse, andernfalls würden wir wohl nichts mehr bekommen, die Frühstückszeit war nämlich schon weit fortgeschritten.
Es zeigte sich aber, dass die meisten der Hostel-Gäste ihre ganz private Frühstückszeit in die letzte Phase der offiziell im Hostel angeboten Zeit verlegt hatten und ein immer noch munteres Treiben und mehrsprachiger reger Informationsaustausch über dies und das in der Lounge herrschte – wir waren genau richtig!
Voller Tatendrang zogen wir nach dem guten Frühstück los, die Stadt zu erkunden. Mir kam es sehr zu Gute, dass der Liebste sich schon zu Hause akribisch auf die Reise vorbereitet hatte, mit mehreren Reiseführern bestens ausgestattet war und auch schon einige Vorschläge parat hatte, was in der doch begrenzten Zeit unseres Aufenthalts in Lissabon angeschaut und unternommen werden könnte, zumal Tobias noch mit Klausuren beschäftigt war und als Reiseleiter nur bedingt zur Verfügung stand.
Geradezu ein MUSS für Touristen in Lisboa ist eine Fahrt mit der legendären Straßenbahn der Linie 28.

Was daran so besonders ist?
Sie ist altmodisch und aktuell zugleich, Verkehrsmittel und Touristenattraktion, bietet Sightseeing und Transport, befördert müde und unternehmungslustige, alte und junge Menschen, Einheimische und Besucher aus aller Welt.Denn sie fährt eben nicht nur für Touristen, sondern in erster Linie immer noch für die ganz normalen Bewohner der Altstadt quietschend und kreischend durch enge Gassen und noch engere Kurven, hügelauf und wieder hinab, mit einem abenteuerlich anmutenden Mindestabstand zu Hauswänden und geparkten Autos… gewährt dabei im Vorbeifahren tiefe Einblicke in den ganz normalen Lissaboner Alltag …
… und erreicht trotz Enge, Kurven und diversen Verkehrshindernissen doch eine erstaunliche Geschwindigkeit…

Der Fahrer – die Fahrerin hat Verkehr und Passagiere fest im Blick, bleibt auch im dichtesten Gewühle vollkommen gelassen wie in dieser Situation…
- Bahn und Bus begegnen sich in der engen Straße kurz unterhalb der Se, kommen ohne aufwendiges Rangieren des Busses in der engen Kurve nicht aneinander vorbei, hinter der Bahn ein langer, langer Stau, Autofahrer hupen wild, hilfreiche Leute gestikulieren und versuchen das Chaos zu entzerren … irgendwie gelingt das Rangiermanöver, Bus und Bahn fahren im Millimeterabstand aneinander vorbei … Kein Problem! -
… und bedient die Kurbel, wie ich es noch aus Kindheitstagen in Erinnerung habe … wobei ich bis heute nicht wirklich weiß, was die Kurbelei auslöst, bremsen, fahren?

Die Fahrgäste sind etwas lockerer heutzutage was die Kleidung angeht und auch im Umgang miteinander, darin unterscheidet sich das Publikum der 28 wohltuend von den gestressten Menschen, die in den schnellen Zügen sitzen und von den Alten damals, die mir als Kind alle so schrecklich streng vorkamen…
Fehlt in dieser herrlich alten Bahn eigentlich nur der Schaffner mit dieser wunderbar altmodischen Kasse, die an einem Riemen vor seinem Bauch baumelt und die auf Knopfdruck das Wechselgeld ausspuckt …
… wobei ich hier einen weiteren Einschub machen und einen kleinen Lobgesang anstimmen möchte auf das günstige Preissystem der Verkehrsbetriebe und die moderne Form der Fahrkarten, kann man doch an vielen Stellen in der Stadt Karten mit einer bestimmten Geldmenge „aufladen“ und dann in Bus und Bahnen bequem elektronisch bezahlen, indem man die Karte an ein entsprechendes Lese-Abrufsystem hält. Schwarzfahrer scheint es nicht zu geben, Kontrolleure, wie sie in Hannovers Bahnen ständig anzutreffen sind, haben wir nicht erlebt… und in der 28 schon gar nicht!
Überhaupt ist diese Bahn fast genau so, wie ich die Straßenbahn als kleines Mädchen in meiner Heimat kennen gelernt hatte, vielleicht etwas kürzer die Wagen (der engen Kurven wegen) und die Fenster lassen sich vollständig öffnen, was in der schwülen Sommerhitze ganz angenehm für Durchzug sorgt! Das war in der alten „Elektrischen“, wie meine Großmutter das Gefährt nannte, das von Iserlohn über Letmathe und Hohenlimburg bis nach Hagen fuhr, nicht so… Also Nostalgie pur, diese wunderbare Straßenbahn, aber heute noch nützliches Verkehrsmittel, das quer durch das alte Lisboa fährt – und so wundert es mich nicht, dass auch diese schöne alte Bahn „Eléctrico“ genannt wird.
Natürlich fahren auch wir mit der 28, von der Baixa bis zur Endstation Prazeres und wieder zurück zum Martin Moniz und noch einmal bis in die Baixa … steigen aus und wieder ein, besichtigen quasi unterwegs den Garten Estrela und am Endpunkt den imposanten Friedhof, dann, fast am anderen Ende Kirche und Kloster Sao Vicente de Fora samt großartigem Treppenhaus und Wandelgängen, die mit den berühmten „Kacheln“ den „Azulejos“ gefliest sind und so Szenen der griechischen Mythologie ebenso darstellen wie Motive aus der Bibel oder die Fabeln Fontaines, sehenswert auch die Ausstellung und erholsam das gemütliche Cafe. Wir statten auch dem Panteao Nacional einen Besuch ab – von deren Aussichtsterrasse ein atemberaubender Rundblick über Stadt und Tejo geboten wird - und der Se, wandern durch die Gassen der Alfama und … und … und sind begeistert!
Es fahren auch die schnellen und supermodernen Straßenbahnen in Lissabon, allerdings nicht hügelan und -ab und schon gar nicht durch die engen Gassen und sind daher ziemlich langweilig für Straßenbahn erfahrene Leute!
Ich könnte einen seitenlangen Bericht schreiben und würde doch nur ein Bruchteil dessen beschreiben, was es rechts und links der Linie 28 und den Vierteln, durch die sie fährt, zu sehen und zu entdecken gibt… es würde aber den Rahmen meines Blogs sprengen…
Für mehr Infos: Einen kurzen und anschaulichen Bericht übr die 28 fand ich hier!
Lissabon … Portugal … Urlaub ….. 15. Juli, 2009
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Urlaub! Endlich!
So urlaubsreif wie in diesem Jahr habe ich mich selten gefühlt und so gingen meine Vorstellungen von Urlaub in Portugal vor allem in eine Richtung: Ausruhen, ausruhen, ausruhen! Am besten an einem gemütlichen Plätzchen mit Meerblick, Meer ist für mich nämlich DAS große und entscheidende Mehr an Entspannung, das erst einen „richtigen“ (Erholungs)Urlaub ausmacht.
Einigermaßen müde kamen wir in Lissabon nach einer im Verhältnis zur eigentlichen Flugzeit doch langen Reise an: das frühe Aufstehen zu Hause – um 7.25 h ging der Flieger von Hannover aus -, das Umsteigen in Paris, verbunden mit langer Wartezeit von 3 1/2 Stunden, das alles hatte uns ein bisschen geschlaucht, umso schöner und belebender war das Wiedersehen mit Tobias, der ja schon seit Anfang Februar in Lissabon ist.
Vom Flughafen aus ging es mit dem Shuttle-Bus ins Zentrum der Altstadt und ein paar weitere Meter zu Fuß zu unserem Quartier, das Tobias für uns ausgesucht und gebucht hatte, einem wunderbaren Hostel in der Baixa (Lissabons Unterstadt), in dem er selbst während der ersten drei Wochen in Lissabon und in der Phase der Wohnungssuche gewohnt hatte.
Wer jung oder noch einigermaßen jung geblieben ist, Lust auf viele nette junge Leute aus der ganzen Welt hat und mühelos per Treppe den Höhenunterschied von insgesamt 5 möglichen altbauhohen Etagen bewältigen kann, dem sei das „living-lounge-hostel“ empfohlen: Inspirierendes Design, witziges Details, eine unglaublich nette Crew und blinkende Sauberkeit dank der unermüdlich wischenden und säubernden freundlichen Damen an der Wischfront, nicht zu vergessen die schmackhaften Abendmahlzeiten, die man – sofern man sich dazu im Laufe des jeweiligen Nachmittags angemeldet hat - in lebhafter Runde einnehmen und genießen kann… sehr empfehlenswert!
Nach Einchecken im „llh“ und kurzer Pause wanderten wir durch enge Gassen und über zahlreiche Treppen ins „Bairro Alto“, dem Altstadtviertel in dem Tobias wohnt …
… mit einer kurzen Verschnaufspause an einem der schönsten Aussichtspunkte Lissabons, dem „Miradouro San Pedro de Alcantara, der einen wunderbaren Blick über einen Teil der Altstadt bietet, bis in „seine“ Gasse …
… der Hauseingang in der „RUA DOS MOUROS“ …
Irgendwie hatte ich von Lissabon nicht wirklich die Vorstellung von einer Stadt, die gleich Rom auf sieben Hügeln gebaut ist… trotz Reiseführer, wohlgemerkt, von dem ich es doch hätte wissen können. Vermutlich prägt die eigene Umwelt nicht unerheblich das Bewusstsein hinsichtlich der (unbewussten) Erwartungen an eine Umgebung! Jedenfalls brachten mich das Auf und Ab der Lissaboner Straßen und Treppen ganz schön ins Schwitzen – bin halt nichts Gutes gewohnt und dem Sport ziemlich entwöhnt… Das soll sich natürlich ändern, muss es auch, weil ich ja im Winter wieder Skifahren will….!
Wir hätten statt der Treppen und Gassen auch den berühmten „Elevador de Santa Justa“ nehmen können, der den Höhenunterschied von der Baixa über den Chiado ins Bairo Alto in kurzer senkrechter Fahrt mühelos überwindet, aber wir wollten unsere Erfahrungen nicht über das „Erfahren“ mit Hilfe eines Aufzugs machen (meine männlichen Familienmitglieder und Begleiter jedenfalls nicht…), und so blieben auch mir nur die Treppen, um auf die obere Plattform des Elevadors zu gelangen…

… von der aus man einen schönen Blick auf Altstadt und Tejo hat!
(Von dort aus ging es weiter über den Miradouro zu Tobias Wohnung (s.o.))
Ja, die Wohnung … sie ist wirklich sehr klein und sein Zimmer winzig, so dass der Satz: „Raum ist in der kleinsten Hütte“, der ja auch besagt, dass immer irgendwie doch mehr Platz ist, als man braucht, eine Ergänzung erfahren müsste: „für mich“, denn sein Zimmer bietet neben Bett, kleinem Schreibtisch samt Stuhl und den hängenden ikea’schen Aufbewahrungsboxen kaum Platz um eine Iso-Matte auszulegen …
geschweige denn den schon etwas älteren elterlichen Herrschaften als Herberge zu dienen und so kann ich Tobias leise Neidgefühle gut nachvollziehen, aber auch, dass er sich sehr wohl fühlt dort oben über den Dächern. Daniels Zimmer ist noch winziger als Tobias und auch das Wohnzimmer ist mehr ein Zimmerchen und alles hat den unverwechselbaren Charme studentischen Lebens … das weckt in mir leise Erinnerungen und auch so etwas wie ein ganz klein bisschen Neid… absurd, ich weiß! (Neben den leisen Wehmuts- und Neidgefühlen, die mich angesichts der Studentenbude beschlichen, empfand und empfinde ich Stolz auf meinen Sohn! Du kriegst es gut geregelt, Tobias!)
Reise, Treppensteigen und durch enge Gassen laufen macht hungrig. Wir hatten keine Vorbestellung für das Hostel-Abendessen abgegeben. An diesem ersten Abend sollten wir nach Tobias Vorschlag in einem der typischen Straßenrestaurants essen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen:
Tagsüber ist eine schmale Treppen-Straßen-Gasse einfach nur ein Verkehrsweg für Fußgänger (in den treppenlosen Gassen oftmals auch Einbahn- „Straße“ für Autos!) und nichts deutet dem Ahnungslosen an, dass er dort ab ca 18.00h im Freien sitzen, essen, klönen und das Leben genießen kann; einzig die in stärker abfallenden Gässchen seitlich angebrachten, fast waagerechten Minipodeste könnten Vermutungen darüber erlauben, dass diese nicht zum Abstellen der Einkaufstasche während einer kurzen Rast gedacht sind…
Und so saßen wir dann in einer schmalen Treppenstraße mit Blick auf das auf dem gegenüberliegenden Berg trutzende „Castelo de Sao Jorge“

in der schon kühler werdenden Abendluft, tranken Bier und Wein,

und aßen – ebenfalls auf Empfehlung – Bacalhau in einer der 365 verschiedenen Zubereitungsarten …
die laut Reiseführer die portugiesische Küche zu bieten hat. Eine gute Entscheidung, wie sich beim Essen herausstellte. Nie hätte ich gedacht, dass etwas, das einen so wenig Appetit anregenden Namen wie „Stockfisch“ hat, so lecker sein könnte. Übrigens haben wir noch etliche Male und auch im Hostel Bacalhau gegessen, ich könnte glatt alle 365 Varianten ausprobieren…
Wir klönten und erzählten bis es schließlich ganz dunkel war und wir den Weg zum Hostel antraten… in unser sehr spezielles „Fado-Zimmer“ …
(Alle Zimmer des Hostels tragen entsprechend ihrer Gestaltung Titel – wie Kunstwerke, als die sie ja auch betrachtet werden können! „Unser“ Zimmer war der berühmten portugiesischen Fado-Sägerin Amalia Rodrigues gewidmet…)
-
-kleine Pause, Bericht wird fortgesetzt!
Und zwar hier: Lissabon – Portugal Teil II
aufzählen … 12. Juli, 2009
Posted by Rika in familie.add a comment
Alle die verpassten Daten, Ereignisse und Themen für einen Blogeintrag in epischer Breite nachzuholen, käme in der Länge der Diplomarbeit gleich, an der meine Studententochter zur Zeit schreibt… das aber machte Arbeit und zur Arbeit habe ich nun gar keine Lust, sind doch seit gefühlten 6 – 8 Wochen Ferien und in den Ferien arbeite ich nicht, da gehe ich nur meinen Gelüsten nach und erledige so nebenbei die Notwendigkeiten des Alltags, die ja auch in den Ferien im täglichen Trott zu bewältigen sind.
Dass das Schuljahrsende aber erst zwei und eine halbe Woche zurückliegt, die gefühlte Zeit aber schon so viel länger währt, mag an dem ungeheuer vielfältig schönen und intensiven Urlaub in Portugal liegen, den wir bei mit unserem jüngsten Studentenkind zunächst in Lissabon - dort studiert er im Rahmen des Erasmus-Programms – und dann im Süden Portugals an der Algarve verbrachten und erlebten. Dazu schreibe ich noch ausführlich und in einem eigenen Beitrag.
Den medienwirksamen Ereignissen der letzten Wochen werde ich keine neuerliche Aufmerksamkeit schenken – die sind ausführlich beschrieben, besungen, kritisiert und beweint worden und außerdem rege ich mich bei einigen Themen so sehr auf (das merkt man dann auch meinem mitunter einseitig-bissigen Schreibstil an), dass die ganze schöne Speicherenergie, die ja bis zum Ruhestand irgendwie reichen sollte, mit einem Mal verbraucht wäre. Also kein Iran, kein China, kein Gipfel, kein Barak und auch kein Papst, Frau Merkel nicht und auch nicht die Herren und Damen der SPD, die doch so verzweifelt um den Klassenerhalt kämpfen (hätte sich Hannover 96 so ins Zeug gelegt, wären sie glatt noch Meister geworden!) und doch nur sehr trübe Aussichten auf Erfolg haben…
Eine Hochzeit haben wir gefeiert – ein Hoch auf das junge Paar, möge es glücklich bleiben solange das Leben währt und Gottes Segen mit ihm sein!
Gefeiert haben wir auch mit Freunden, einem nicht mehr ganz jungen Ehepaar, das zusammen 140 Lebensjahre der unendlichen Statistik über Lebensalter und die damit verbundene Diskussion über Rentenhöhe und -einstiegsalter beisteuern könnte… wobei die Rente kein Thema war, sondern die Freude darüber, dass es ihnen und uns, ihren Gästen gut geht!
Erleichtert haben wir – Schülerinnen und Schüler, wie Lehrerinnen und Lehrer und alle anderen Mitarbeitern an der Schule – den letzten Schultag gefeiert, wobei vielleicht manchem Schüler nicht nach feiern zu Mute war, entsprach doch das Zeugnis so ganz und gar nicht den Erwartungen, die man in einsichtsvollen Minuten als Perspektive und Zielsetzung für das S-Jahr 08/09 (notwendigerweise) gefasst hatte.
Still und eher behutsam haben wir schließlich in der zurück liegenden Woche den Geburtstag meines Vaters gefeiert, zum ersten Mal seit ich denken kann ohne meine Mutter. Manchmal ruft er nach ihr, um dann – sich der Realität bewusst werdend – ganz still zu werden… Vor einem Jahr, als wir seinen 86. feierten, konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Mutter vor ihm gehen würde. Sie war trotz ihres schwachen Herzens so unglaublich lebendig, während der Vater schon am Lebensende angekommen zu sein schien …
Über Kinder würde ich gern müsste ich schreiben, Schüler, die ohne jede Perspektive ins Leben entlassen werden, ins Nichts und darüber, was das mit den geänderten Gesetzen zum Zwecke der Einsparung von sozialen Leistungen zu tun hat, von mangelnder Beratung durch die Arbeitsämter (nennt man die noch so?) und von der Gleichgültigkeit vieler Eltern, die schon die eigene Gegenwart und Zukunft versoffen haben und weiter versaufen und sich einen Dreck kümmern um die, die ihnen anvertraut waren als wichtigste Aufgabe ihres Lebens! Auch das ein Thema, das mir keine Ruhe lässt und mich wütend und traurig zugleich macht und ohnmächtig und hoffnungslos! Ich werde darüber schreiben, aber nicht heute…
Und dann gibt es noch das Gärtchen, die Blumen, Fische und Vögel, die einen Blog-Beitrag wert wären und die vielen schönen und manchmal auch nicht so schönen Belanglosigkeiten, die auch zum Leben gehören …
Später … later !
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Beim Rückflug von Lisboa nach Deutschland habe ich aus dem Flugzeug ein „Vorbeifahrbild“ gemacht – eigentlich ein Drüberfliegbild …
„Über den Wolken …“ sang Reinhard May vor mehr als 30 Jahren … „mag die Freiheit wohl grenzenlos sein…“
Im Flugzeug selbst ist die Freiheit allerdings arg begrenzt und auch das mit den Sorgen und Ängsten trifft es nicht so wirklich, aber viele der ungeheuer wichtigen Dinge werden in ihrer Bedeutung reduziert, wenn man genügend großen Abstand nimmt …
.
So hat mir der Urlaub gut getan, hat mir geholfen, den „Sicherheitsabstand“ wieder neu zu finden, der notwendig ist, um nicht in den Problemen der kleinen, ganz privaten und der großen Welt unter zu gehen …
Danke Dir, Tobias, Du hast uns so gut beraten, es waren schöne Tage mit Dir und eine wunderbare Zeit !
(Bericht folgt, später … !)
Der Wille zählt… 18. Juni, 2009
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… der Wille des Patienten nämlich!
Heute verabschiedete der Bundestag ein Gesetzt zur Patientenverfügung, das vorsieht, dem Patienten die größtmögliche Entscheidungsfreiheit zu lassen.
Liegt der Patientenwille schriftlich vor, gilt er auch – und zwar völlig unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung. Das bedeutet, dass beispielsweise ein Motorradfahrer für den Fall eines Komas das Abschalten des Beatmungsgeräts festlegen kann, wenn ihm beide Beine abgenommen werden müssten. Fehlt die Verfügung, muss wie bislang der mutmaßliche Wille des Patienten ermittelt werden. Sind sich Betreuer und Arzt in dieser Entscheidung nicht einig, wird ein Vormundschaftsgericht eingeschaltet.
Wie schwierig die Entscheidung zu diesem Gesetz war und wie schwer es trotz des Gesetzes für Betroffene sein wird, dem Willen des Patienten und dem Gesetz Rechnung zu tragen und Geltung zu verschaffen lässt sich an der lange und engagiert geführten Debatte schon im Vorfeld der heutigen Entscheidung und wohl auch am Abstimmungsergebnis ablesen.
Gut sechs Jahre lang hat die deutsche Politik um eine Regelung zum Umgang mit Sterbenden gerungen. Jetzt ist ein Gesetz zur Patientenverfügung beschlossen, das vor allem den Willen der Betroffenen gelten lässt. In der vorangehenden Debatte traten die Abgeordneten angespannt und leidenschaftlich wie selten auf.
Das Gesetz mag den einen zu weit und den anderen zu unpräzise erscheinen, es hat sicher Schwachpunkte und vermutlich kommt es – wie bei nahezu allen Gesetzen – letztlich auf die Auslegung an, aber dennoch ist es gut, dass nun eine gesetzliche Regelung vorliegt.
Dabei trieb die Abgeordneten nicht die Fraktionsdisziplin zur Abstimmung. Quer durch alle Parteien hatten die verschiedenen Anträge für ein Gesetz zur Patientenverfügung im Vorfeld Unterstützer gefunden – da unterzeichnete Angela Merkel einen Entwurf in einer Reihe mit Linken-Politiker Diether Dehm, CSU-Mann Norbert Geis unterschrieb einen anderen gemeinsam mit Volker Beck von den Grünen, Linken-Chef Oskar Lafontaine einen dritten zusammen mit FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Schwer war abzusehen, wie die Entscheidung ausgehen würde – jede Stimme zählte.
Am Ende fand ein Vorschlag einer Gruppe um den SPD-Abgeordneten Joachim Stünker eine doch überraschend deutliche Mehrheit: 317 Parlamentarier stimmten für den Entwurf, 233 Parlamentarier votierten dagegen, fünf enthielten sich. Stünker hatte schon vor der Abstimmung die meisten Unterstützer aus den verschiedenen Fraktionen gewinnen können, darunter allerdings keine aus der Union.
Die gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung beendet (zunächst) die Diskussionen um die Rechtswirksamkeit bisheriger Verfügungen, auch wenn es in der nächsten Zeit sicher zu Debatten darüber kommen wird, wie gut das Gesetz sich im Alltag von kranken, alten, dementen Menschen, von Koma-Patienten und sterbenskranken Patienten in den Krankenhäusern, Pflegestationen und in der häuslichen Pflege bewähren wird.
Durch die schwere Erkrankung meines Vaters vor 6 Jahren bin ich endgültig mit der Frage konfrontiert worden, wie ich mir mein eigenes Sterben wünsche, unter welchen Bedingungen ich mir ein Leben als mögliche schwerst pflegebedürftige Patientin vorstellen kann und was ich unter keinen Umständen an Maßnahmen der Lebensverlängerung oder Wiederbelebung für mich will.
Meine Eltern haben sich damals ebenfalls sehr intensiv mit den Fragen auseinander gesetzt und eine sogenannte „Christliche Patientenverfügung“ abgeschlossen und mir zusätzlich eine notariell beglaubigte Generalvollmacht erteilt. Wir glaubten damals, für alle Fälle gut gerüstet zu sein. Und nach der neuen Gestzeslages scheint es auch so zu sein, denn
Die Gültigkeit der bereits verfassten Patientenverfügungen steht durch das neue Gesetz nicht in Frage. Sie müssen nicht neu verfasst werden.
Dann mussten meine Eltern ihre Wohnung in der weit von hier entfernten Stadt aufgeben und gegen ein Appartement in einem Pflegeheim hier in der Nähe eintauschen, weil meine Mutter die Pflege meines Vaters beim besten Willen nicht mehr bewältigen konnte – trotz Hilfe im Haushalt und ambulantem Pflegedienst.
Die Zeit im Pflegeheim lehrte uns, dass der „eigene Wille“ nicht nur ein hohes, sondern vor allem ein durch Vorschriften, Pflegedokumentation, Pflegerinnen und Pfleger höchst gefährdetes Gut ist, für dessen Erhalt gestritten und gebettelt werden muss, so kam und kommt es mir jedenfalls bisweilen vor.
Die Pflegevorschriften legen zum Beispiel fest, wie viel ein alter Mensch täglich „einführen“ (das heißt tatsächlich so!!!) muss, an Flüssigkeit vor allem, aber auch an mit der Nahrung aufgenommenen Kalorien. Meine Mutter war eine sehr selbstbestimmte Frau und konnte freundlich bestimmt sagen, was sie wollte und was nicht und ebenso bestimmt auch die Rechte ihres Mannes verteidigen. Seit dem Tod meiner Mutter erlebe ich es immer wieder, dass meinem Vater das Essen aufgenötigt wird und sein energisches „Ich will nicht!“ mit dem Hinweis ignoriert wird, dass er essen und trinken MUSS!!, weil ihm sonst die Zwangsernährung drohe, da ja der kommunale medizinische Dienst die Dokumentationen überprüfe und dem Heim Ärger ins Haus stehe, wenn ein Bewohner nicht die Norm erfülle und durch Unterernährung oder Flüssigkeitsmangel in eine lebensbedrohliche Situation kommen könne. Zum Glück habe ich mit einer verständnisvollen Ärztin und mit einigen der Pflegekräfte ausmachen können, dass der Wille meines Vaters respektiert wird, ohne gleich den Tropf bereit zu stellen, wenn er seine Tagesration nicht erreicht. Aber die Pflegedienstleitung hat mir dabei sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass wir uns allesamt damit in einer Grauzone bewegen und Ungemach drohen könne.
Mein Vater, dauerhaft bettlägerig, weiß sehr genau was es bedeutet, wenn er nicht genug isst oder trinkt. Sein Verstand arbeitet nämlich noch ganz ordentlich, wenn er auch nicht mehr so wortgewandt wie in früheren Jahren seine Interessen vertreten und seine Ansichten darlegen kann. Ich bin gefordert, seine berechtigten Interessen und seinen Wunsch, respektiert zu werden bei den wenigen Dingen die er noch selbst bestimmen kann, durchzusetzen. Dazu gehört es nun einmal, dass er sagen kann: „Ich will nicht essen und ich will auch heute nichts mehr trinken!“ Bisher ist ein lebensbedrohlicher Zustand noch nicht eingetreten, darüber bin ich froh, dafür bin ich dankbar.
Aber ich möchte selbst dann den Wunsch meines Vaters respektieren, wenn absolut klar ist, dass die Konsequenz aus seiner Entscheidung dazu führt, dass er in einen Mangelzustand kommt, der sein Sterben bedeutet.
Die Begleitung meiner Mutter auf ihrer letzten Wegstrecke hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, der Sterbenden den Rhythmus zu überlassen, ihr die Ruhe zu geben, Abschied nehmen zu können, nicht durch technische Geräte oder medizinische Dauerbehandlung den Zeitpunkt weit und weiter hinaus zu schieben. Eine sehr einfühlsame Ärztin hat sie gut versorgt mit dem was nötig war, um keine Schmerzen zu erleiden oder in Panik zu geraten. Es war ein ruhiger, langer und intensiver Prozess des langsamen Loslassens.
Mir ist natürlich bewusst, dass andere Leute mit anderen Bedürfnissen und Erfahrungen zu anderen Schlüssen kommen und ein viel stärker begrenztes Patientenrecht für sinnvoll erachteten. Mir ist auch bewusst, dass die größere Freiheit des jetzt beschlossenen Rechts auch die Gefahr des Missbrauchs in sich birgt – und mir liegt viel daran, diesen so weit wie möglich auszuschließen.
Mir steht aber auch eine Veranstaltung im Pflegeheim meiner Eltern vor Augen, in der eine sehr eloquente Anwältin die Segnungen der anwaltlichen Beratung und eine vom Anwalt aufgesetzte Patientenverfügung anpries, dabei die Gefahren in den düstersten Farben malte und und schon den Terminkalender bereit liegen hatte, um Beratungsgespräche für eine anwaltlich-rechtlich einwandfreie Patientenverfügung zu führen – das mehrseitige Papier konnte nicht eingesehen werden, die anwaltlich korrekt aufgesetzte Verfügung war natürlich nicht kostenlos!
Das mag ein Einzelfall sein – wobei die Anwältin sehr sympathisch und nett „rüberkam“ – aber würde nicht der Zwang zu einem Beratungsgespräch mit Anwalt und / oder Arzt, wie es der Entwurf Wolfgang Bosbachs vorsah, vor allen Dingen diesen Berufsständen eine neue und (staatlich) garantiert krisenfeste Einnahmequelle sichern, denn wer möchte nicht abgesichert sein für die Einhaltung seines Willen bei seinem letzten Weg? (Ich bitte meine kleinen gemeinen Hintergedanken zu verzeihen…!) Und andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass man nicht mit dem Arzt seines Vertrauens über die medizinischen Belange redet, wenn man sich mit dem Gedanken trägt, eine Patientenverfügung für den Fall seines Sterbens oder eines langen, zum Tode führenden Leidens aufzusetzen.
… Dass ein Gesetzt vermutlich immer an Grenzen stößt bzw. Fragen offen lässt, machte mir mein Bruder, seines Zeichens Prof. Dr. med., klar, als wir über die möglichen Begleitumstände beim Sterben unserer Eltern redeten und er auf den Umstand zu sprechen kam, dass Ärzte ihrem hippokratischen Eid verpflichtet sind und selbst bei einer schon sehr explizit festgelegten Patientenverfügung, die regelt, was in welchem Fall getan, bzw. unterlassen werden solle die Situation sehr diffiziel sein kann …
Der folgende Satz erinnert mich daran:
Das Problem beim Aufsetzen einer Patientenverfügungen ist aus Sicht von Experten, genau eine spätere Situation und die eigenen Wünsche vorauszuahnen. Viele Verfügungen waren bisher nicht exakt genug, wenn sie zum Beispiel anwiesen, „unwürdiges Dahinvegetieren“, „qualvolles Leiden“ und „Apparatemedizin“ zu beenden.
…
So kann man sich doch eigentlich nur einen „gnädigen Tod“ zu Hause wünschen, wie es früher oft in Todesanzeigen zu lesen war, der Tod fragt nämlich nicht nach einer Patientenverfügung – auch wenn man sie natürlich bereit halten sollte für den Fall der Fälle!