jugendgewalt und wahlkampftaktik 9. Januar, 2008
Posted by Rika in förderschule - kinder, nachrichten & meine meinung, vermischtes.3 comments
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
sie ist nämlich nicht vorbei wenn der wahlkampf zu ende ist, der erfolg so oder so sicher gestellt und die politiker zu ihren üblichen regierungsgeschäften zurück gekehrt sind und gar nicht mehr daran denken, entsprechend ihrer mit nachdruck und eifer vorgetragenen theorien und vorschlägen für die praxis zu handeln!
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil sie als ein seit jahren stetig ansteigendes und zunehmend schwieriger werdendes problem seit ebenso vielen jahren von der politik bestenfalls in sonntagsreden vorkommt - wenn wieder einmal ein besonders krasses beispiel in den medien für aufregung und kasse sorgt - und ansonsten einfach von der öffentlichkeit völlig unbeachtet den überlasteten eltern, erziehern, lehrern, sozialarbeitern, richtern, jugendgerichtshelfern und auffanggruppen überlassen wird - wie auch die opfer von gewalt ja sehr gerne sich selbst überlassen werden … das gilt besonders für die opfer - kinder und frauen - aggressiver, gewalttätiger und / oder bis zur unzurechnungsfähigkeit alkoholisierter männer und erst recht für die opfer der sich als herr über frau und kinder erhaben wissenden “familienoberhäupter”, die das recht zu prügel und gewalt für sich in anspruch nehmen.
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil die kommunen aus angeblichem oder tatsächlichem geldmangel die gruppenstärke in den kitas erhöhen, dafür aber erzieherInnen arbeitsverträge zumuten, die einer sozialen erpressung gleichkommen (man muss nehmen, was man kriegen kann, stellen sind rar, da ist es doch besser, einen einjahresvertrag über eine dreiviertel-stelle zu haben als gar keine arbeit!) gleichzeitig aber den druck auf die erzieherInnen erhöhen, indem ihnen noch mehr an förderarbeit aufgetragen wird, ohne sie dafür angemessen zu bezahlen.
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil schulen verrotten, mobiliar und einrichtung der klassen eine himmelschreiende schande sind und schon die äußeren bedingungen des systems schule alle halbwegs aufmerksamen und sich um jedes tierbaby im zoo sorgenden menschen zu protestmärschen auf die straßen treiben müßten! weil darüberhinaus die “klassenstärken” - die rede ist von der anzahl menschen, die eine lerngruppe bilden - drastisch erhöht werden und trotz einer immer größer werdenden anzahl von kindern, die einen erhöhten förderbedarf haben, keine weiteren lehrer eingestellt werden. das gilt im übrigen für nahezu alle schultypen, aber besonders für die schulen, die üblicherweise in den stadtteilen liegen, in denen kein herr koch und keine frau merkel freiwillig wohnung nehmen würden - ich übrigens auch nicht, nur das zur klarstellung - und in denen laut presseberichten selbst polizisten auf streife ein mulmiges gefühl haben.
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil schüler auf der strecke bleiben, die durch das raster unseres tollen dreigliedrigen bildungssystems fallen und dann an schulen wie meiner landen - doch, wir geben uns mühe mit ihnen, versuchen sie aufzubauen, achten ihre würde, geben ihnen halt und rat … und sind dennoch so erfolglos, wenn es darum geht, ihnen eine zukunftsperspektive anzubieten. wo sind die arbeitsstellen für junge schulabgänger und wo die für leute ohne abschluß, für kinder, die trotzt aller mühen bestimmte geforderte intellektuelle leistungen nicht erbringen können - ja, die gibt es, auch wenn die meisten politisch klugen und gebildeten leute davon sprechen, dass man mit etwas einsatz alles erreichen könnte. könnte ….
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil herr koch und frau merkel und alle anderen klugschei … klugschreiber seit jahren alle probleme in bezug auf soziale notfälle, auf migration, auf fehlende kitas, krabbelstuben, horteinrichtungen, schulen und weiterbildungsangeboten kennen - und nichts tun, sieht man mal vom stellenabbau in jugendämtern, bei der jugendgerichtshilfe, der familienhilfe und ähnlichen nützlichen einrichtungen ab, oder davon, dass der geniale herr koch gerade erst gelder für die ambulante nachsorge junger straftäter gestrichen hat und einrichtungen deshalb nur noch wenige jugendliche betreuen können und außerdem polizeibeamte “abgebaut” hat … da fragt man sich dann auch, wie das mit der prävention gelingen kann und wie er das eigentlich schaffen will, die straftäter dingfest machen zu lassen ?
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
und doch ist sie da, gibt es sie, leiden menschen an ihren eigenen aggressionen und unter denen der anderen, sind jugendliche orientierungslos oder orientieren sich an vorbildern, die ihnen nicht gut tun. aber das wissen wir doch schon lange, seit jahren schon!
wie lange wollen wir noch zusehen, dass kinder schon in ihren jüngsten jahren auf eine bahn gesetzt werden von eltern, die auch schon keine chance hatten oder solchen, die alle chancen hatten und ihre kinder darüber vergaßen? und wie lange wollen wir es uns noch leisten, mit offenen augen und ohren das desaster zu verfolgen, ohne etwas zu tun?
hier in meinem blog habe ich ganz am anfang mal das lied bettina wegners zitiert: “Sind so kleine Hände … darf man niemals schlagen…!”
“kinder sind unsere zukunft” heißt es immer wieder. aber nur, wenn wir ihnen eine ermöglichen - im elternhaus, in kindergärten und schulen und wenn wir sie mit liebe und aufmerksamer achtsamkeit ernst nehmen und fördern.
wäre das nicht ein gutes thema für die nächste zeit … und nicht nur im wahlkampf!?
lust und routine … 30. August, 2007
Posted by Rika in förderschule - kinder.add a comment
von lust konnte zunächst gar keine rede sein , gestern nicht und heute morgen auch nicht.
ich muss gestehen, dass ich niemals zuvor in meinem lehrerdasein mit soviel unlustgefühlen zu kämpfen hatte, wie in den zurück liegenden tagen. in den verganenen jahren hatte ich mich meistens schon in den ferien auf das neue schuljahr gefreut - nicht, dass ich die ferien nicht in vollen zügen genossen hätte!
in diesem jahr war es zum ersten mal völlig anders. ich hatte keine lust, gar keine.
kein bock - wie meine schüler sagen würden.
die dienstbesprechung am letzten ferientag hatte an meiner motivationalen situation nicht wesentlich etwas geändert, und so machte ich mich heute morgen mit unlust, widerwillen und mit mir hadernd auf den weg zur schule: muss das sein? habe ich nichts anderes zu tun? warum tue ich mir das noch an? gibt es nichts besseres als sich mutwillig das leben schwer zu machen? halte ich das noch aus - und wie lange noch?
und dann bog ich in die schulstraße ein, sah schon von weitem die kleinbusse und schülertaxis, die unsere kinder aus weitem umkreis zur schule fahren und spürte plötzlich und gänzlich unerwartet, wie sich in mir eine woge von sympathie, zugehörigkeitsgefühlen und sogar so etwas wie vorfreude ausbreitete. als ich das auto einparkte und den motor abstellte, war es mir, als habe es die ferien gar nicht gegeben. ich griff meine tasche, stieg aus, verschloss das auto, hörte die vertrauten schulhofgeräusche, die ersten kinder riefen mir ein “guten morgen” zu, mit kollegen, die wie ich gerade angekommen waren, ging es ins lehrerzimmer … alles wie immer.
das übliche geschäftige treiben … leute ziehen ein paar kopien, einige diskutieren miteinander vor der großen stundentafel, einige unterhalten sich über schülerprobleme, andere trinken kaffee und erzählen vom urlaub, (bei uns beginnt die tägliche präsenzpflicht 15 minuten vor unterrichtsbeginn, zeit genug für kaffee, klönschnack und kopieren!)
ROUTINE
und ich tauchte ein in diese routine … mit energie und LUST!
es gongt zur ersten stunde, das lehrerzimmer lehrt sich, jeder, jede geht zum aufstellplatz “seiner”, “ihrer” klasse … “hallo”, “guten morgen” … erste mahnende rufe sind zu hören … auch alles wie immer…
vertraute routine wie an jedem tag … und doch jeden tag neu und ganz anders.
und so war er dann, der erste schultag nach den großen ferien, voller Lust und Routine!
Schule ist schön!
F E R I E N . . . ! 18. Juli, 2007
Posted by Rika in förderschule - kinder, vermischtes.add a comment
um 10.30 h tönte der Gong durch das geliebte Schulgebäude und verkündete Kindern, Jugendlichen, pädagogischen Mitarbeiterinnen und Lehrerinnen das Ende des Schuljahres 2006 / 2007 , zumindest das Ende, das den Unterricht betrifft …
Die letzten Tagen waren noch erfüllt von hektischer Betriebsamkeit … nun kehrt erst einmal Ruhe ein, bevor es dann zu neuen Ufern geht, sei es in Haus und Garten oder in fremden Landen …
und auch hier wird es in den nächsten Wochen überwiegend sooo aussehen:
… gähnende Leere auf dem Schulhof!
So schön friedlich und soooo langweilig!
schule aus … 7. Juli, 2007
Posted by Rika in förderschule - kinder.add a comment
… und was dann?
diese bange frage stellen sich viele unserer schüler, die gestern mit einer fröhlichen feier von der schulgemeinschaft “in’s leben” verabschiedet wurden, aber auch wir vom kollegium sehen die zukunft unserer schüler mit sehr gemischten gefühlen.
zwei schüler haben einen guten hauptschulabschluss geschafft! sie haben zumindest die chance auf einen ausbildungsplatz oder gar einen erweiterten abschluß an der berufsschule. ein schüler wird in einer werkstatt für menschen mit behinderungen arbeiten, sein platz in werkstatt und “leben” ist sicher. ein anderer kann im elterlichen betrieb arbeiten, auch er hat eine sichere perspektive - und die anderen?
was ist mit den anderen 9 schülern? welche chancen und möglichkeiten haben sie? auch sie haben träume von einer schönen wohnung, von partnerschaft und familie, von auto, urlaub und pc und all den dingen, die uns tag täglich von der werbung als unverzichtbar für ein lebenswertes und angenehmes leben angepriesen werden.
womit aber das geld verdienen, das man braucht, um am tanz um’s goldene kalb “konsum” teilnehmen zu können?
und was tun, wenn aus den schönen träumen der alltägliche albtraum wird - kein job, keine perspektive, abhängen und rumlungern, sich mit alkohol zudröhnen, bis man die wirklichkeit erträglich finden kann?
aus die maus! schluss mit lustig! ende der fahnenstange!
da können einem die tränen kommen …
rechenkünstler… 14. Juni, 2007
Posted by Rika in förderschule - kinder.add a comment
ich hatte für heute eine klasse unserer förderschule zu mir in mein gärtchen eingeladen. es ist schon eine gute tradition, dass wir immer mal wieder schüler zu uns nach hause einladen.
und so trafen gegen 9.00 h sieben muntere knaben im fortgeschrittenen schulalter mit meinen beiden kolleginnen bei mir ein. bei dem schönen wetter - und hier im norden war es wirklich schön - ist natürlich grillen angesagt! zwei grillmeister waren schnell gefunden, hühnerbrüste und hähnchenbeine, tomaten, nürnberger und andere würste landeten auf dem grill, dazu gab es salat und brot und natürlich die obligatorischen soßen. es war ein wunderschöner vormittag.
aber leider hat auch die schönste grillparty irgendwann ein ende, und da die schüler pünktlich um 13.00h von ihren schulbussen am tor der schule abgeholt werden und die gruppenkinder in ihre wohngruppen gehen müssen, konnten wir das ende auch nicht hinausschieben.
die rückfahrt zum schulort mußte noch abgesprochen werden, d.h., es ging darum, wer in den privatautos der kolleginnen “vorne” sitzen durfte. “vorne sitzen” ist ein ungeheures privileg. wer vorne sitzt hat’s eindeutig besser. nicht nur der aussicht sondern auch der langen beine wegen, die die großen kerle mit ihren 15 - 19 jahren schon haben.
die kollegin schlug ein losspiel vor: sie dachte sich eine zahl zwischen 1 und 10 aus und ihre mitfahrer durften ein votum abgeben.
“5″ sagte einer, “8″ ein anderer, der dritte nannte die 2. die loszahl war 7.
“wer ist am nächsten dran?” fragte die kollegin.
“ich”, rief der mit der 5.
eine wilde rechnerei begann. schließlich gab sich der junge mit der 5 geschlagen.
aber ob er wirklich verstanden hat, warum die 8 näher an der 7 ist?
ich weiß es nicht. ich weiß nur, dass ich die großen kerle unheimlich mag und sie für mich die normalsten menschen der welt sind, wunderbare lebenskünstler!
sie können nur nicht rechnen!
(k)eine zukunft … 23. Mai, 2007
Posted by Rika in förderschule - kinder, vermischtes.add a comment
…. oder schlechte aussichten!
liegt es nun an meinem fortgeschrittenen alter oder an der tatsächlichen beschaffenheit der welt, dass ich zunehmend mehr den eindruck gewinne, dass der gedanke an die zukunft bei vielen menschen resignation auslöst, weil so wenig erkennbar ist, ob und wie das eigene leben gestaltet werden kann.
gestern unterhielt ich mich während der pausenaufsicht mit einem der älteren schüler meiner schule über seine vorstellungen nach der entlassung.
“keine ahnung!”
keine ahnung, ob er nach dem hauptschulabschluß eine berufsausbildung beginnen oder doch noch versuchen wird, sich weiter zu qualifizieren. keine ahnung, ob er überhaupt eine chance hat auf dem arbeitsmarkt mit seiner “akte” - die zwar nicht weitergereicht wird, die ER selbst aber im kopf hat - mit seinem bisherigen bemühen und scheitern … immer wieder.
keine ahnung … nicht nur bei meinen schülern.
studenten meines mannes, die jetzt auf dem arbeitsmarkt nach stellen suchen, haben wenig hoffnung, ob sie überhaupt einen ihrem studium entsprechenden platz finden werden … vielleicht noch für das berufspraktikum … zur not auch ohne bezahlung … hauptsache mit dem bp das studium abschließen können … nach dem kolloquium - keine ahnung!
keine ahnung wohin die reise geht!
war das nicht immer schon so? haben menschen nicht zu allen zeiten unwägbarkeiten aushalten müssen?
als ich vor 35 jahren mein examen machte, konnte ich mir aus fünf schulen die passende aussuchen … und heute?
noch vor 30 jahren konnten wir alle unsere schüler einer sonderschule für lernbehinderte im ländlichen gebiet in arbeitsstellen und sogar in ausbildungsstellen vermitteln … heute undenkbar!
wer heute “nur” mit “2″ sein examen macht, kann gleich taxi fahren oder in die schwarzarbeit als kinderbetreuerin oder hausaufgabenhilfe gehen, keine chance auf eine stelle!
schulabschlüsse von förderschulen, wie sie heute heißen, führen geradewegs ins soziale abseits, hauptschüler finden kaum noch lehrstellen…
zukunft?
keine ahnung!
das ist der kleine überschaubare bereich, mit dem ich es zu tun habe. schaue ich aber in die zeitung oder magazine, bietet sich kein positiveres bild!
streikende angestellte großer unternehmen, die um ihren lohn bangen, während sich die manager großzügig belohnen mit immer höheren gehältern und abfindungen, falls sie dann doch mangels erfolg vorzeitig die stelle räumen müssen …
erzieher, krankenschwestern, altenpfleger in diakonischen einrichtungen, die unter permanentem zeitdruck stehen, ausgebeutet an leib und seele, während die “vorstände” der gleichen diakonischen einrichtungen vorstandsgehälter beziehen … es sei der wirtschaftlichkeit geschuldet, sagt man … soziale arbeit ist teuer und in unserem land nichts mehr wert. kinder, alte und kranke haben keine lobby … und ihre pfleger, betreuer und erzieher leider auch nicht!
es sei die folge der globalisierung, hört man.
zukunft?
keine ahnung …
und die wirklich große politik … hier im land … in europa … weltweit?
zukunft?
keine ahnung … aber ahnungen, die nichts gutes verheißen.
kinder … so verloren 28. März, 2007
Posted by Rika in förderschule - kinder.add a comment
über sternstunden schrieb Lila in ihrem blog
ja, die gibt es, gibt es auch an meiner schule. und wenn sie sich ergeben, leise, unspektakulär, zart und schön, bin auch ich glücklich. wer wäre es nicht!
die sternstunden an meiner schule sehen jedoch anders aus und auch die wirklichkeit meiner schüler ist eine andere. es sind junge menschen, die an anderen schulen immer wieder gescheitert sind, die mit ihren emotionen nicht klar kommen, die zuschlagen oder abtauchen, wenn man ihnen zu nahe kommt, denen die harten worte leichter über die lippen kommen als ausdrücke der freude oder der zärtlichkeit. für die es ein guter tag ist, wenn sie mal nicht in konflikte verwickelt sind, wenn sie sich nicht von mitschülern bedroht fühlen - sie fühlen sich fast immer bedroht, weil sie in ihrem leben von eltern und geschwistern schon so viel gewalt, verbale wie körperliche, erlebt haben, dass sie nahezu jede form der kontaktaufnahme schon als bedrohung wahrnehmen, empfinden, auch wenn das gegenüber eindeutig nicht mit bösen oder schlechten absichten kommt.
die kinder meiner schule erleben den mangel hautnah, den mangel an liebe, an zuwendung, an zärtlichkeit, mangel an gespräch und mangel an zuhören, an verständnis, an offenheit für ihre sorgen, ängste, nöte. die kinder meiner schule leiden not, seelische not, soziale not, emotionale not. sie sind bei uns “gelandet” und und wir hoffen, dass sie es tatsächlich als landung erleben und nicht als ein gestrandet sein, ein scheitern, ein endgültiges aus! landung bedeutet für schiffe und seefahrer sicherheit. und auch unsere schüler brauchen Sicherheit mehr als alles andere. verlässliche beziehungen, zuverlässige erwachsene, regeln, auf die sie zurückgreifen können, menschen, die ihnen zuhören, sich ihrer annehmen, auch dann noch ansprechpartner bleiben, wenn sie übel beschimpft werden, wenn sie verantwortlich gemacht werden, für den frust den sie der schule wegen empfinden.
es war am letzten schultag vor den osterferien. ich wollte mit meiner hauswirtschaftsgruppe muffins backen und schickte zwei schüler zum nahegelegenen supermarkt, um noch buttermilch und bananen zu kaufen. die schüler waren mit den einkaufsregeln vertraut und ich vertraute ihnen. die zeit verging und die schüler kamen nicht zurück. stattdessen ein anruf im sekretariat der schule vom marktleiter des supermarktes. als ich im büro des marktleiters eintraf, standen sie da, zwei unglückliche zwölfjährige. der eine, schüler A, hatte den anderen, B, zum diebstahl überredet - und ließ dann den dieb im regen stehen, behauptete, er habe den mitschüler zum kaufen einer kassette aufgefordert und der habe sie dann eingesteckt, was von dem anderen wieder und wieder bestritten wurde. er war von A so unter druck gesetzt worden, dass er die kassette, die A aus dem regal genommen hatte, schließlich einsteckte. der “dieb” war nur noch ein häufchen unglück, vom detektiv des hauses beim klauen erwischt, vom mitschüler hängengelassen. er hatte auch gegen alle schulregeln verstoßen und wußte das. der markt wird eine anzeige erstatten, ich muß einen bericht schreiben, die akte wird noch dicker werden.
ich wußte nicht was mich mehr entsetzte, traurig machte, ärgerte, der diebstahl oder der gemeine verrat des einen schülers am anderen. mir war zum heulen, und wieder einmal fühlte ich die ohnmacht, nichts, aber auch gar nichts langfristig erreicht zu haben. wochenlang war alles gut gegangen, wochenlang hatten die beiden gut gearbeitet. und nun das.
es ist so fürchterlich frustrierend, kraft und energie und hoffnung und zuversicht jeden tag neu einzubringen - und am ende werden doch sehr viele unserer schüler stranden, auf der straße, in der prostitution, im knast. und dann wird es keine einrichtung wie unsere schule mehr geben, in der lehrer und pädagogische mitarbeiter immer wieder neu versuchen, die destruktiven strukturen, die die kinder schon im elternhaus kennengelernt und verinnerlicht haben, aufzuweichen, zu verändern, positiv zu wenden. neue verhaltensweisen aufzubauen, den selbstwert zu stärken, soziales handeln zu üben, einen freundlichen umgang miteinander zu ermöglichen und ihnen beizubringen, dass regeln auch schutz bedeuten und nicht nur dazu da sind gebrochen zu werden.
am gleichen tag war eine ehemalige schülerin mit ihrer kleinen tochter bei uns in der schule zu besuch. sie lebt mit ihrem freund zusammen, ohne arbeit mit hartz 4 … kann ich von einer sternstunde sprechen, weil ich gesehen habe wie liebevoll die junge mutter mit ihrer kleinen tochter umgeht? oder ist auch das hoffen gegen alle sonstigen erfahrungen?
Peter … 21. März, 2007
Posted by Rika in förderschule - kinder.1 comment so far
die “mischpokische Regierung” machte in ihrem blog darauf aufmerksam:
heute ist der “Welt-Down-Syndrom-Tag”. Danke, Anneka!
Peter und ich im sommer 1977.
Peter war mein schüler, das erste kind mit down-syndrom in meiner klasse. ich liebte Peter und Peter liebte mich. so viel habe ich von ihm gelernt, so sehr von ihm profitiert! ich liebte seinen humor, seine fröhlichkeit, seine wärme, seine kindlichen späße, seinen willen - er war ein kleiner dickkopf, manchmal - seine anhänglichkeit, seine fähigkeit, sich trotz der sprachprobleme verständlich machen zu können, ich liebte seine phantasie, seine kreativität und seine gute laune. peter war ein zartes kind, sein herz machte ihm probleme, seine energie reichte immer nur eine kleine weile, dann mußte er sich ausruhen, neue kraft schöpfen. ich fühlte mich durch Peters zuneigung und liebe reich beschenkt!
als ich ein jahr nach dem entstehen dieses bildes einen kleinen sohn bekam und meine schule verließ, war Peter sehr traurig und ich vermißte den kleinen kerl mit dem großen lebensmut!
auch später habe ich immer wieder schüler wie Peter gehabt, kinder und jugendliche mit down-syndrom, und wie Peter haben sie mich beeindruckt und verzaubert mit ihrer wunderbaren art, ihr leben zu leben. ich weiß, dass es oftmals schwere jahre für eltern und angehörige sind. ich bin dankbar für die zeit mit den kindern und ihren eltern!

