Donnerschläge … 21. Mai, 2008
Posted by Rika in christsein und glauben, familie.11 comments
… wie Hölle und Feuer … alles ist upside down … die Welt steht Kopf … taumelnder Schmerz …
und mitten darin die Zusage: “Siehe ich bei euch, bis an der Welt Ende.” Ich bin bei dir in deinem Kummer, deiner Verzweifelung, deiner Hoffnungslosigkeit, in deinem Leid, in den Wirrnissen dieser Tage … ich halte dich, trage dich, trage deinen Schmerz mit dir, gebe dich nicht auf, halte mit dir stand, dulde mit dir und tröste dich …
” Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. Und wenn ich Weissagungen habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse weiß und wenn ich allen Glauben habe, so daß ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich Ruhm gewinne, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbitten, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht niemals; …
Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe.” 1. Korinther 13, 1 - 8 und 13
…..
… wir sind in schweren Wassern … aber Jesus trägt!
frisch - fromm - fröhlich - frei … 3. Mai, 2008
Posted by Rika in christsein und glauben.add a comment
… und radikal?
ca 16000 Jugendliche treffen sich in Bremen zum Christival, einem Kirchentag ähnlichen Event gläubiger junger Christen.
16 ooo !
Unter dem Motto “Jesus bewegt” begegnen sich junge Menschen, feiern Gottesdienste, singen, beten, tanzen, diskutieren über Glaubensfragen und aktuelle Themen unserer Zeit … und machen sich damit offenbar gesellschaftspolitisch so verdächtig, dass “Grüne” und “Linke” schon seit Wochen gegen das Christival agitieren und - nicht genug damit - die Jugendlichen direkt angreifen und die Website des Christivals hacken.
16000!
16000 junge Leute, die friedlich zusammen sein wollen, die weder Lust auf Saufgelage noch auf Randale haben, die einfach nur ihren Glauben in aller Öffentlichkeit für 4 1/2 Tage gemeinsam leben und feiern wollen.
Die meisten von ihnen sind doch in ihren Heimatorten immer eine winzig kleine Minderheit und erleben während dieser 4einhalb Tage oftmals zum ersten Mal eine große Gemeinschaft gleich oder ähnlich gesinnter junger Leute! Das - so berichteten jedenfalls meine Kinder vom Christival in Kassel - ist eine ganz wunderbare Erfahrung, man muss sich nicht rechtfertigen, wird nicht mit Spott bedacht oder ausgelacht, nur weil man GERNE betet, singt, Gottesdienste feiert und miteinander Spaß hat bei Lobpreis und Fun-Aktivitäten!
16000!
Wenn Hannover 96 gegen berühmte Bundesligavereine ein Heimspiel hat, ziehen etwa doppelt so viele Fans durch die Innenstadt - und niemand nimmt daran Anstoß und ich nehme an, dass das in Bremen bei Heimspielen des SV Werder nicht anders ist.
Aber 16000 Christen stellen natürlich ein ganz extremes Gefahrenpotential dar, vor allen Dingen die 80 Teilnehmer, die an einem Seminar zu Fragen der Abtreibung teilnehmen … “Im Zentrum der Kritik steht eines von 229 Seminaren, das an diesem Sonnabend unter der Frage „Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?“ geplant ist. Veranstalter sind radikale Lebensschützer des Heidelberger Vereins „Die Birke“, die sich auch gegen eine Abtreibung im Fall einer Vergewaltigung wenden. Dazu hätten sich rund 80 Jugendliche angemeldet, hieß es.” dies ist vor allem, so meint es jedenfalls die HAZ, ein Grund für den Hackerangriff auf die Website.
Ein anderes Seminar, das sich mit Fragen der Homosexualität beschäftigen wollte, ist auf Druck politischer Dauerempörter schon im Vorfeld gekanzelt worden.
Hat sich eigentlich niemand der Kritiker vorgenommen, so ein Seminar zu besuchen und intern, in der Diskussion den eigenen Standpunkt zu vertreten? Ich meine, das hätte doch durchaus Sinn gemacht. Schließlich gibt es doch in den Seminaren genug Raum, sich mit den Darlegungen auseinander zu setzen und eigene andere Standpunkte zu vertreten.
Aber vermutlich hatte Volker Beck gar keine Zeit für diese Form von basisdemokratischer Diskussionskultur und viele andere Kritiker vermutlich ebenso wenig - da hetzt es sich doch besser in den entsprechenden Medien, man heizt den Volkszorn an, der sich dann ja auch prompt einstellt.
Vielleicht haben die Kritiker aber auch einfach nur Angst vor der geballten Macht christlicher “Radikaler” (nicht zu verwechseln mit autonomen Steinewerfern und Bombenbastlern, die ihrer Ideologie gerne gewaltig radikal Ausdruck verleihen!) und sie haben sich einfach nicht getraut, das offene Gespräch mit Jugendlichen zu suchen - die ja in aller Regel doch noch gar nicht so sehr auf eine eindeutige Meinung festgelegt sind, die doch nach Entscheidungshilfen suchen, ihre eigene Position in der Auseinandersetzung mit anderen entwickeln und finden wollen.
Immerhin reichte es aber für eine Diskussionsrunde mit anderen “Offiziellen”.
Ich persönlich denke, dass hier die Themen Homosexualität und Abtreibung künstlich hochgespielt wurden, um gegen das Christival insgesamt Stimmung zu machen. Sicherlich gibt es zu diesen Fragen sehr unterschiedliche Einstellungen und Haltungen, die man wohl auch jeweils biblisch begründen kann, und sicher ist die Diskussion zum Thema Abtreibung schmerzhaft und schwierig in einer Zeit, da Abtreibung aus medizinischen Gründen (schwere Missbildungen des Kindes) auch noch in der Spätphase der Schwangerschaft möglich ist und die pränatale Diagnostik immer mehr Gewicht bekommt. Und vermutlich gibt es auch beim Thema Homosexualität schmerzhafte und schwierige Prozesse, die zu leugnen weder hilfreich noch förderlich ist. Soll man darum nicht darüber reden? Und wenn Christen darüber reden, wird dann nicht gleich Hölle und Fegefeuer assoziiert und tief empfundenes Misstrauen und Angst ausgelöst? Sind aber nicht viele andere Themen unserer Zeit weitaus beunruhigender als die Frage nach Sexualität oder Abtreibung?
Ja, 16000 junge Christen beunruhigen!
Sie werden ihres Glaubens an Jesus Christus wegen angefeindet und manche von ihnen gar als “Radikale” bezeichnet und ausgegrenzt.
Das ist (für mich) das eigentliche Beunruhigende in unserer Gesellschaft. Christlicher Glaube stößt zunehmend auf Widerstand, wird als störend wahr genommen, gar als feindlich betrachtet, wird einer allgemeinen Kritik Preis gegeben und diese dabei nicht mehr (nur) an einzelnen Kritik würdigen Positionen festgemacht, sondern Christ sein und Glauben wird in unserer Gesellschaft generell und mit zunehmender Tendenz als unzeitgemäß und dem multikulturellen Mainstream abträglich, an den Pranger gestellt.
frisch - fromm - fröhlich - frei ???
JESUS bewegt …
NACHTRAG:
Gestern las ich im Bonhoeffer Brevier
Das gibt für diese Tage Verse aus dem 10. Kapitel des Matthäus-Evangelium an: 30. April- Verse 11- 15; 1. Mai - Vers 16 “Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. …” ; 2. Mai - Verse 17-22; 3. Mai - Verse 26-33; 4. Mai -Verse 40 - 42 “Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf …”
Jesus bewegt …
spiegeleien … 28. April, 2008
Posted by Rika in christsein und glauben.add a comment
spieglein, spieglein in der hand, wer sind die schlimmsten im ganzen land?
es hätte mich auch wirklich sehr verwundert, wenn so kurz vor “christi himmelfahrt” kein in typischer spiegelmanier geschriebener “artikel zum feiertag” veröffentlicht worden wäre…
… ist es doch mittlerweile guter brauch und nützliche tradition, dass die öffentlichkeit vor weihnachten, ostern, himmelfahrt und pfingsten von eifrigen redakteuren des spiegels über christlichen wahnsinn und irrwitz aufgeklärt und mitunter auch gewarnt wird vor allzu christlich anmutenden aktionen oder werltvorstellungen. da wird die bibel dann schon mal als kompletter blödsinn dargestellt, wahlweise gott als zornbebender rächer oder jesus als weintrinkender, homeerotischer wunderheiler beschrieben, wird dem papst unterstellt, heimlich mit der wiedereinführung der heiligen inqusition zu liebäugeln und die evangelischen kirchen müssen sich dieser tage als ganz unsoziale arbeitgeber rechtfertigen, die gar schlimmer sind als lidl und konsorten. doch vor allem muss man sich heutzutage vor den evangelikalen hüten, die wollen nämlich in deutschland missionieren auf teufel fahr aus und streben gar die weltherrschaft an.
nicht weniger gefährlich sind christliche fundamentalisten, verbieten diese doch sex vor der ehe und erlauben sex in der ehe nur zur zeugung von nachkommenschaft (müsste doch eigentlich den spiegelleuten gefallen, dass auch möglichst viele christliche kindelein gezeugt werden sollen, könnten die doch dermaleinst unsere renten sichern …), die bibel dient diesen menschen gleichermaßen als geschichts- und biologiebuch, auch die erdentwicklung läßt sich prima damit erklären (unsere sozialen und humanitären ideen leiten sich auch aus dem buch der bücher ab, aber das sagen die spiegelleute nicht so gerne!!!) und die rückwärtsgewandte familienpolitik frommer freikirchler - “das weib sei dem manne untertan” - befördert unsere gesellschaft gleich zurück ins mittelalter …
(wo baptisten und ähnliche vom kirchlichen mainstream abweichende fromme, die ja schon immer umstürzlerisch gesinnt waren und sich auch mit einer geburt nicht zufrieden geben, sondern - nach umfassender spiegelrecherche - die wiedergeburt durch “frommes Engagement” anstreben, wohl auf den inqusitorisch gesinnten papst treffen und damit vermutlich auf scheiterhaufen landen werden. hat man mit diesen frommen täufern jahrelang so gemacht!)
ein düsteres szenario, das der spiegel in seiner neuesten ausgabe in dem artikel “Aufschwung Jesu” an die wand malt, ein ungenießbarer brei geradezu, der sich aus allen nur erdenklichen unverdaulichen bestandteilen von halbwissen und unklarheiten, bekannten vorurteilen und wiedergekauten unausgegorenem zusammensetzt …
und der in der zweifellos beängstigenden mitteilung gipfelt, die evangelikalen wollten einfluß auf die politik nehmen: “Denn längst reicht es den konservativ-evangelikalen Kreisen nicht mehr, ihre Gebetshäuser zu füllen. Nach amerikanischem Vorbild suchen sie Andockstellen im politischen Berlin, wollen Debatten um Themen wie Abtreibung und Familie mitbestimmen.”… (hört, hört, evangelikale nehmen ihre demokratischen rechte wahr, ist das nicht zum fürchten? da hält man es doch lieber mit den lobbyisten der tabakindustrie oder so …) …”Inzwischen gibt es konservative Gebetskreise auch mit Bundestagsabgeordneten.”
da packt mich doch das grausen … politiker beten…. am ende glauben die sogar noch an gott, anstatt an die soziale marktwirtschaft oder den segensreichen turboglobokapitalismus …
so gnade uns … ja wer denn eigentlich?
auf dem jakobsweg … 14. April, 2008
Posted by Rika in christsein und glauben, familie.add a comment
… wandert der Zweitgeborene Santiago de Compostela entgegen. seit samstag ist er unterwegs.
meine gedanken sind bei ihm mit segenswünschen für seinen weg!
“Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen; geh in seinem Frieden, was auch immer du tust. Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte, bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.” (Manfred Siebald)
“Er selbst aber, der Herr des Friedens, gebe - Dir - euch den Frieden allezeit auf alle Weise! Der Herr sei mit - Dir - mit euch allen! (nach 2. Thessalonicher 3,16)
ein paar wochen wochen weg … 5. Februar, 2008
Posted by Rika in christsein und glauben, meditatives.1 comment so far
ich hätte auch “si… wo… ohne” schreiben können, vermute aber, dass dann einige leute hier bei mir landen würden auf der suche nach information zur fastenaktion.
und die gibt es hier bei mir eben nur mittelbar in form eines hinweises.
ich selbst bin weg!
weg von allen bloggereien - und manche blogs werden mir auch schmerzlich fehlen -, weg von allen hitzigen diskussionen, weg von allen verlockenden angeboten und informationen, von tratsch und klatsch und überhaupt und sowieso.
vor vielen jahren entdeckte ich die fastenzeit für mich.
fastenzeit - das klang immer sooo katholisch, nach “ohne fleisch” und “ohne freude” und irgendwie fand ich es immer ganz angenehm, dass fasten nicht zu den traditionen gehört, die man im deutschen baptismus besonders pflegt. ich weiß nicht mehr genau wodurch und wann ich zum ersten mal ans fasten dachte … ich probierte es aus … verzichtete u.a. auf süßigkeiten, knabberzeug, alkohol und fernsehen … und merkte, dass der bewußte verzicht auf etwas, das ich gewohnheitsmäßig und mit genuß konsumierte, nicht nur meinem körper, sondern auch meiner seele gut tat.
in letzter zeit gehört das internet zu den festen “genüssen” meines lebens und manchmal beschleichen mich schon die gedanken, es könne ein wenig zuviel des guten sein … hier noch schnell in einen blog schauen, dort einen kommentar abgeben, im forum diskutieren, mal sehen was was bedeutet … die zeit läuft davon und ich merke es kaum noch. ein spöttischer kommentar des liebsten hier, ein leichtes stirnrunzeln da … die virtuelle welt ganz wichtig, manchmal wichtiger gar als die reale hier bei mir, bei uns?
zeit für eine zäsur … für eine denk- und atempause … für kopf frei machen … für himmel und erde, menschen und Gott und glauben … und zeit haben!
H A B E N , das gefällt mir an der idee der diesjährigen fastenaktion, nicht verzicht steht im vordergrund, verschwendung dessen was ich HABE ist angesagt! zeit und energie und geld und ideen verschwenden an andere.
versuchen will ich das … in meinem echten, ganz realen leben!
und deshalb bin ich hier weg … es sei denn, ich finde gar niemanden für die verschwendung … dann könnte ich ja hier meine ideen … gedanken… zumal es im bloguniversum sehr nette menschen gibt, an die ich gerne meine zeit verschwende …
nein!
später!
wir lesen uns später wieder!
ich wünsche allen eine gute zeit …
gesegnete tage …
rika
Pinchas Lapide: “Die Juden … 22. Januar, 2008
Posted by Rika in christsein und glauben, judentum.4 comments
und der Tod Jesu …
Jüdische Überlegungen zur Passionsgeschichte
“Welchen Eindruck, glaubst du, wird die Erzählung auf das Gemüt des Kindes machen, wenn du ihm von den Drangsalen, die Jesus in seinem Leben tragen mußte, berichtest, von dem Verrat, den einer seiner Gefährten an ihm beging, wie die anderen ihn verleugneten, sowie von den Beschimpfungen und Beleidigungen der anderen Juden, die ihn schließlich ans Kreuz schlugen - wie man es oft auf den Bildern sieht - und die wollten, daß sein Blut über sie und ihre Kinder käme, während er für sie betet, daß das nicht geschehen möge und daß Der Himmlische Vater ihnen diese Sünde vergebe …
Wenn du ihm berichtest, daß zur gleichen Zeit ein schändlicher Räuber lebte, der zum Tode verurteilt war: daß das Volk dessen Freilassung verlangte und es ihm zujubelte … während es schrie: ‘Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!’ Sicherlich wird es fest entschlossen sein, wenn es einmal groß geworden ist, alle jene Gottlosen in Stücke zu reißen, die sich gegen die Liebe Jesu gewendet haben.
Mit diesen Worten beschreibt Soeren Kierkegaard in seinem Buch “Schule des Christentums” die blutige Wirkungsgeschichte unzähliger Osterpredigten, die die Passionsgeschichte in eine Passion der Juden verwandelte, Karfreitag jahrhundertelang zum Pogromtag, und das Heil der Christen zum Unheil für Jesu leibliche Brüder werden ließ.
…”
ich stelle den gesamten text der predigt hier ein.
zeigt er doch auf eine wohltuende weise, wie gegenseitiges verstehen gefördert werden kann, authentische informationen über “das eigene” dazu beitragen können, missverständnisse aufzuhellen, vorurteile abzubauen und neue sichtweisen entwickeln zu können.
unaufgeregt und informativ beschreibt pichas lapide eine szenerie, die mir von kindheit an vertraut ist, die ich viele, viele male selbst gelesen habe, zu unterschiedlichen zeiten, in vielen übersetzungen und in den verschiedenen phasen meines lebens. ich habe viele predigten darüber gehört, texte dazu gelesen, an bibelarbeiten dazu teilgenommen oder selber welche gehalten. ich kenne die szenerie, wie sie von den evangelien berichtet wird, ich kenne die aussagen der “briefe” dazu und auch die prophetischen worte, die auf dieses geschehen hinweisen.
und mir wird durch ihn - pinchas lapide - eine weitere dimension der betrachtung ermöglicht.
und vielleicht hilft es ja auch, missverständnisse, die sich manchmal zu gebirgen auftürmen, abzubauen!
ein bildungsprogramm in der kritik … 18. Januar, 2008
Posted by Rika in christsein und glauben, judentum, vermischtes.comments closed
“bildungsprogramm” nennt der verlag an der ruhr eine in buchform erschienene materialsammlung mit dem etwas effekt heischenden titel: “Woher kommt Judenhass? Was kann man dagegen tun?”
nun muss ich eingestehen, dass ich das buch selbst bis auf zwei seiten, die klappentexte, das vorwort und das inhaltsverzeichnis gar nicht gelesen habe.
wozu über ein buch schreiben, das ich nicht kenne?
nun, ich will gar nicht über das buch schreiben. ich schreibe über den streit!
den streit nämlich, den eine rezension des bildungsprogramms ausgelöst hat. nachlesen kann man das alles bei hagalil - im redaktionellen teil findet man die rezension und einige inzwischen gemachte ergänzungen dazu. die kommentare zur rezension bieten stoff für soziologen, pädagogen, psychologen - sie sind nur eines nicht: geeignet, licht in das dunkel der verständnislosigkeit - oder soll ich sagen des unverstandes - zu bringen.
nicht minder wenig angenehm zu lesen die kommentare im forum hagalils zu diesem thema. es gereicht mir nicht unbedingt zur ehre, dass ich da fröhlich mitgemischt habe. aber vielleicht könnte ich es mir ja noch an meine fahne heften, einem ehrlichen bemühen um aufklärung eines missverständnisses gefolgt zu sein. die ausführung dieses bemühens, das muss ich selbstkritisch eingestehen, geriet schlechterdings zu einem desaster, ach, was sage ich, zu einem widerlichen krieg der rauchenden köpfe. grausam …
wer mag, kann das drama lesend nachvollziehen.
und alles nur, weil die autoren des buches in dem kapitel des anstoßes methodisch schludrig gearbeitet haben und es so zu einer missverständlichen aussage kommen konnte, die rezensentin ebenso wenig sorgfältig mit dem ohnehin schon miss zu verstehendem text umging und ihre rezension zu einer nicht unpolemischen anklage wurde und die schreiberin dieser zeilen wiederum die rezension mit misstrauischer kritik bedachte und darob prügel bezog und andere sich auch berufen fühlten, mit zu prügeln, ohne überhaupt zu verstehen, worum es wirklich ging.
entstehen so vor-urteile - oder waren die zuerst da und wurden neuerlich manifestiert, werden klischees zu tatsachen stilisiert und fragen zu vorverurteilungen umgemünzt?
so sollte es eigentlich nicht sein!
und dabei wäre die lösung so einfach zu finden gewesen!
es ist wie in der schule: arbeitsanweisungen werden nicht richtig gelesen - und schon stimmt die zusammenfassung nicht mehr mit der aufgabenstellung überein und anstelle der angestrebten aufklärung herrscht das vollkommene chaos!
trauriges fazit: ein vorurteil wurde nicht abgebaut sondern kräftig untermauert, menschen beleidigten und wurden beleidigt, die sprach- und diskussionskultur hat schaden genommen und das buch ist nicht mehr im handel.
hat irgendjemand irgendetwas gutes damit erreicht?
die mögliche lösung zur aufklärung des missverständnisses liegt, ebenso wie der berühmt-berüchtigte teufel, im detail:
hier findet man unter Matthaeus - Passion pdf- klar und deutlich die fragestellung: “Welche Religion hatten Jesus Eltern, Freunde und Anhänger?” “Welche Vorwürfe erhoben Christen jahrhundertelang gegen Juden?” “Wie wurden diese Vorwürfe begründet?”
dann folgt ein weiterer text und irgendwann taucht dann auf der nächsten seite unter dem stichpunkt “Behauptung” der inkrimminierende satz auf: “Die Juden haben Christus umgebracht.” mit der sich daran anschließenden “Richtigstellung: Das ist richtig. Denn …”
im sinne der fragestellung “Welche Vorwürfe erhoben Christen jahrhundertelang…” s.o., ist der satz: “das ist richtig” richtig. das war nämlich in der tat DER vorwurf, den christen jahrhundertelang gegen juden erhoben. inhaltlich stimmt die aussage jedoch nicht, denn juden haben christus nicht umgebracht.
noch konfuser wird der buchtext aber mit folgendem satzteil: “Richtigstellung: … denn Jesus wurde in der Provinz Judäa des Römischen Reiches geboren. Er selbst, seine Familie und Anhänger waren Juden, …” auch dies eine völlig korrekte aussage in bezug auf die fragestellung: “Welche Religion hatten Jesus Eltern, Freunde und Anhänger?” s.o.
und dieser absatz geht mit folgendem text weiter: “Der Tod Jesu in der Art, wie er laut der Überlieferung der Bibel geschah, war ein notwendiger Teil des Lebens, das Gott für seinen Sohn vorgesehen hatten. Auch Jesus selbst bezeichnete seinen Tod in der Bibel als notwendig.”
hier stimmt die “Richtigstellung” wieder! denn damit wird die ‘Behauptung’ “Die Juden haben Christus umgebracht” in der tat richtig gestellt! nicht die juden haben christus umgebracht, der tod und die art des todes jesu gehörte nach Gottes wort zum leben jesu dazu.
der mangelhafte und doch so notwendige hinweis darauf, dass es sich bei “Behauptung” und “Richtigstellung” um zwei unterschiedliche kategorien handelt, unter die die jeweiligen aussagen zu den fragen gesammelt werden und die stattdessen erfolgte verknüpfung der antworten beider kategorien zu EINER völlig unlogischen und unsinnigen Aussage, führte zu dem irreführenden schluß, es sei richtig zu behaupten, die juden hätten jesus umgebracht, den schluß, den die rezensentin zum mittelpunkt ihrer kritik machte und vom inhalt her zu recht heftig kritisierte. (ich mache hier darauf aufmerksam, dass es genau diese haltung war, die unlogische aussage in den mittelpunkt der rezension zu stellen, die mich zum nachfragen anregte (frage an Yael nämlich, ob sie die rezension UND die anderen kommentare gelesen habe !!!)
es wäre so einfach gewesen, einen unschönen streit zu vermeiden!
und es ist natürlich völlig klar, dass eine methode zur überwindung des antisemitismus, die solche gravierenden mängel aufweist, nicht zum einsatz kommen darf.
der verlag, der hier ganz entscheidende fehler bei der bearbeitung des materials übersehen hat, muss sich zu recht den vorwurf gefallen lassen, schlampig gearbeitet zu haben und die konsequenzen tragen, indem er das buch vom markt nimmt!
es gibt mich noch … 19. Dezember, 2007
Posted by Rika in christsein und glauben, vermischtes.2 comments
ich habe aber im richtigen leben so viel zu regeln und zu tun, dass mein blogleben in den hintergrund rückt und alle meine ideen für einträge hier bis “hinterwoche” zurück gestellt werden …
“hinterwoche” - vor vielen, vielen jahren prägte die tochter meiner freundin diesen ausdruck, sie wollte übernächste woche oder so ähnlich sagen … aber ist hinterwoche nicht viel schöner?
also bis hinterwoche - und weil ich vermutlich nicht mehr dazu komme, meine weihnachtswünsche hier zu formulieren, auf die schnelle und doch von herzen:
ICH WÜNSCHE ALLEN RUHIGE UND SCHÖNE TAGE!
UND DENEN, DIE ES FEIERN,
EIN GESEGNETES CHRISTFEST!
rika
gespanntes warten … ADVENT 2. Dezember, 2007
Posted by Rika in christsein und glauben.add a comment
Sicher, als Kind habe ich sehr gespannt gewartet im Advent, darauf nämlich, dass ich jeden Tag ein Türchen in meinem Kalender öffnen durfte … damals gab es noch keine Schokolade hinter den Türchen, dafür ein hübsches kleines Bild und auf dem Kalender selbst eine Spur von Glitter … so festlich! Adventkalender in Form von kleinen Päckchen oder Stiefeln oder Söckchen oder kleinen Beuteln gab es zu meiner Kindheit auch noch nicht, jedenfalls nicht in meinem Elternhaus. Das kam erst später auf - “später” habe ich für meine Kinder Säckchen genäht und befüllt, kleine Schachteln beklebt und gefüllt … mit Süßigkeiten, in anderen Familien gab es schon Spielsachen …
Und natürlich wartete ich nicht ohne Anspannung auf den 6. Dezember, auf den Nikolaus. Nie konnte ich mir sicher sein, ob er mir wirklich etwas bringen würde … ich war ein wildes, neugieriges Kind, das unbequeme Fragen stellte und Widerworte gab! Unartig, sagte man damals dazu und unartige Kinder mussten damit rechnen, vom Nikolaus übergangen zu werden. Zum Glück für mich gab es aber auch keinen Knecht Ruprecht - Backpfeifen und Massagen des Allerwertesten wurden wohl dosiert übers Jahr verteilt verabreicht … es war damals so.
Und dann warteten wir natürlich auf Weihnachten! Alle Kinder taten das, ich auch!
Weihnachten, das wusste ich schon von klein auf, Weihnachten feiern wir zum Gedenken an die Geburt Jesu und zur Ehre Gottes. Und aus Freude darüber, dass Jesus auf die Welt kam als ein Kind, bekommen bis heute vor allem die Kinder Geschenke! Mama und Papa, Oma und Opa und die Lieblingstante natürlich auch! Denen schenkte man am besten Selbstgemachtes, dass verkürzte die Wartezeit im Advent erheblich, mussten doch viele Arbeitsstunden in die Geschenkemacherei gesteckt werden. Leider trübte die Geschenkebastelei auch ein wenig die vorweihnachtliche Stimmung.
Und dann die vielen schönen Lieder, die wir in der Familie in der Adventszeit sangen. Das liebte ich sehr - nur die Begleitung mit der Blockflöte war nicht immer so ganz freudvoll für mich, weil, nun, weil ich die Flöte spielen musste und das wiederum bedeutete intensives Üben, dabei musste ich doch schon so viel Zeit in die Geschenke investieren …!
Trotzdem, die Adventszeit hatte ihren ganz eigenen Zauber, ich liebte sie sehr und war immer sehr traurig, wenn sie mit Weihnachten endgültig zu Ende war und ein schrecklich langes Jahr bis zum nächsten Advent bevorstand …
Und heute?
Man muss an tausend Sachen denken, tausend Sachen erledigen, tausend Stunden irgendwie zusätzlich in den normalen Alltag quetschen und hetzt von Besinnung zu Besinnung. Ein adventliches Kaffeetrinken hier, eine Adventfeier dort, mindestens vier Weihnachtsmärkte MÜSSEN besucht werden, weil die liebste Freundin oder der beste Kollege dort ehrenamtlich tätig sind - mittlerweile kann ich auch Weihnachtsmärkte genauso wenig riechen und sehen wie Kekse …!
Und bei alledem bleibt das auf der Strecke, was eigentlich Ursprung, Basis und Sinn des ganzen adventlichen Rummels ist.
Die Besinnung darauf nämlich, dass Gott in unserer Welt Raum hat und ich diesen Raum bewusst wahrnehme, mich darauf wieder neu einstelle, Ihm diesen Raum in meinem Leben “einzuräumen”. Warte ich sehnsüchtig auf die Ankunft Gottes in meinem Leben? Bin ich noch gespannt darauf, was sich ereignet, wenn Gott Raum nimmt in der Herberge meines Lebens? Vor der Geburt Jesu mussten Maria und Josef erleben, dass “kein Raum war in der Herberge”, sie wurden notdürftig in einem Stall untergebracht. Schiebe ich nicht auch manchmal Gott ab in die Nebengebäude meines Lebens, in den Stall, in die Abstellkammer? Und doch ereignet sich gerade in der Notunterkunft des Stalls das Wunder:
Gott selbst hält Einzug in der rauhen Behausung des Stalls von Bethlehem!
Ich wünsche allen, die so auf Gottes Gegenwart in dieser Welt hoffend vertrauen und darauf warten, dass er auch heute mitten unter uns Wohnung nimmt, eine gesegnete Adventszeit …!
PS Seit einigen Jahren habe ich auch wieder einen Adventkalender, ich kann ihn sehr empfehlen!
Jesus - glauben … beten … Zumutung? 19. November, 2007
Posted by Rika in christsein und glauben.33 comments
Kann der Glaube an Jesus eine Zumutung sein?
Und wenn ja, für wen?
Für den der glaubt?
Für den der ungläubig staunend oder im fassungslosen Schaudern daneben steht und zusieht?
Es war schon ziemlich grenzwertig, was uns gestern Henning Großmann zum “Abend der Begegnung” in unserer Gemeinde “zumutete”, Auszüge aus einer Reportage nämlich, die schon vor einigen Monaten mit dem reißerischen Titel “Jesus junge Garde - die christliche Rechte und ihre Rekruten” gesendet worden war und die angesichts starker fundamentalistischer Strömungen nicht nur im Islam sondern eben auch im Christentum brandaktuell ist und die der Jugendreferent meiner Gemeinde zum Anlass nahm, einen Aspekt der christlichen Jugendbewegung unter die Lupe zu nehmen.
Ich möchte hier aber weder ein Verlaufsprotokoll oder eine Inhaltsangabe des gestrigen Abend wiedergeben, noch näher auf die amerikanisch-christliche Bewegung “The Call” und ihre deutschen Ableger eingehen, über die in der Reportage vor allem berichtet wird. Ich möchte etwas von meinen Gedanken und Gefühlen preisgeben, die mich gestern so intensiv bewegten und die die zentralen Themen meines Lebens berühren :
JESUS - glauben … beten … leben …
Vermutlich habe ich schon mehrfach erwähnt oder berichtet, dass ich in einem christlich-frommen Elternhaus aufgewachsen bin und so die Bibel, Gott, Jesus von frühester Kindheit an so selbstverständlich zu meinem Leben gehören, wie die täglichen Mahlzeiten oder die Tageszeitung oder die Nachrichten oder das Gespräch mit Eltern, Verwandten, Freunden, meinem Mann und meinen Kindern. Das ist fast schon eine absolute Banalität des Alltäglichen, es ist einfach so, ich kenne es gar nicht anders. Was nicht heißt, dass ich immer und zu allen Zeiten zu allem Ja und Amen gesagt hätte, was Vater, Pastor und “Gemeinde” zu Gott, Bibel und Jesus gesagt haben. Nein, ich habe auch kritisch nachgefragt, habe aufmüpfig “mein eigenes Ding” gemacht, mir eine “Auszeit” genommen - sehr bewußt -, habe gehadert und gemosert mit meiner Gemeinde und auch mit IHM, Gott selbst.
Es gab Zeiten, da betete ich selten und die Bibel verstaubte im Regal und es gab Zeiten, da lebte ich wie im Rausch - intensiv, voller Hingabe und ohne wenn und aber. Ich sang im Jugendchor und war in der Jugendgruppe aktiv, wir machten Straßeneinsätze, sangen und beteten in Krankenhäusern, Gefängnissen und Zelten, ich hielt Andachten und leitete Jugendstunden und konnte mir überhaupt gar nichts anderes vorstellen, als genau so mit Gott zu leben… und mit den anderen Jugendlichen, die genauso begeistert glaubten, beteten und lebten wie ich.
Ja, die Bilder dieser Reportage kenne ich gut … aus meiner Jugend, wenngleich wir weniger “wild”, weniger laut und weniger präsent in den öffentlichen Medien waren. Aber das war der Zeit geschuldet und nicht unserem Enthusiasmus oder unserem Engagement. Vermutlich haben auch wir auf unsere Zeitgenossen damals verstörend gewirkt, brachten doch auch wir etwas Neues in das gläubig-behäbige Gemeindeleben der damaligen Zeit. Wie hat es damals die Alten irritiert, dass wir keine Choräle und fromme Glaubenslieder sangen, sondern für die Zeit damals ungeheuer moderne und fetzige “Songs”, die mit einer richtigen Band begleitet wurden … mit Bass, Schlagzeug und E-Guitarre in der Kirche … die Orgel hatte Pause! Es war die Zeit der Beatles und ihrer artverwandten Musikgruppen, und wenn auch die Haare der Jungs nicht ganz so lang waren und die Röcke der Mädchen nicht ganz so kurz wie in der Jugendszene sonst üblich, so zeigten sich doch nicht wenige der Gemeindemitglieder geschockt über unser Outfit. Und geschockt waren viele auch über unser Reden von Gott in unserer Alltagssprache, mit unseren Vokabeln und Redewendungen, irritiert über unser freies und offenes Beten, dass doch so anders war als die gewohnte sonntägliche Predigt und die ruhige Gebetsgemeinschaft im Gottesdienst. (In baptistischen -freikirchlichen- Gottesdiensten war und ist es üblich, laut und frei zu beten und meistens beteiligen sich mehrere Brüder und Schwestern daran - und in der Regel nacheinander und nicht, wie im Film dargestellt, laut betend und parallel, obwohl auch das in einigen Gemeinden sicher so geschieht.) Wir waren, lebten und glaubten begeistert.
Und soll man nicht von JESUS begeistert sein, der so sehr die Menschen seiner Zeit liebte und verstand, sie heilte, mit ihnen redete, feierte, trauerte, der ihnen Sinn gab für ihr Leben, Sinn über den Tod hinaus … und nicht nur damals, nein, bis heute!?! Bis heute berührt er die Menschen, redet zu ihnen, gibt ihnen Leben, ewiges Leben. Wie sollte man ihn nicht zur Basis und zum Zentrum seines Lebens machen, wenn man ihm einmal begegnet ist!? Die Begeisterung für Jesus ist für die verständlich, die ihn “kennen” und vermutlich nach wie vor denen befremdlich, die “nur” von ihm gehört haben oder davon, dass es ihn mal gegeben haben soll.
Ich muss natürlich auch sagen, dass nicht alle Jugendlichen meiner Zeit und meiner Gemeinde so begeistert waren. Es gab auch damals schon die ruhigen, stillen und nachdenklichen Zeitgenossen, die aber nicht weniger intensiv glaubten und immer noch glauben, nur eben weniger offensichtlich und so extrovertiert, wie meine Gruppe und ich es damals taten und wie die jungen Leute von heute, über die die Reportage berichtet und die im Film doch eher negativ dargestellt werden. Und es gab und gibt in den Gemeinden immer auch junge Menschen, die nur mühsam oder auch gar keinen Zugang finden zu Gott, die entweder in der Gemeinde bleiben, weil sie die Leute nett finden und dort Freunde haben - oder die eines Tages ganz weg bleiben und sich anderen Zielen zuwenden.
Ich kenne heute eine Menge junger Leute, die begeistert glauben und nachdenklich fragen, die in gleicher Weise “radikal” sind, wie wir damals waren - die sich radikal und ganz bewusst auf Gott einlassen, nach ihm fragen und danach, was sein Wille für ihr Leben ist.
Die meisten der so intensiv und begeistert lebenden Jugendlichen von damals sind heute ruhiger geworden. Auch mein Glaubensleben hat sich verändert. Ich habe gelernt, dass es auch Zeiten der Ruhe und des Reifens gibt, dass Leid zu meinem Leben gehört und Nachdenklichkeit. Ich habe erfahren, dass Gott “in dem sanftem Sausen des Windes” zu mir redet und die zarten und leisen Töne der Worte nicht weniger machtvoll und stark sind als die so überzeugend und vernehmlich vorgetragenen Reden, Lieder und Gebete meiner Jugend.
Glauben ist nach wie vor eine Zumutung.
GOTT mutet mir zu, ihm zu vertrauen, gegen jede Vernunft und wissenschaftliche Erfahrbarkeit, einfach so, nur auf sein Wort hin. Und ich, ich vertraue ihm, seinem Wort, seiner Zusage, durch Jesus das ewige Leben zu haben, und darf ihn “Vater” nennen, bei ihm geborgen sein und heil werden.
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Ich will aber auch noch auf die Zumutung des Film zu sprechen kommen, die ich oben bereits erwähnte. Der Film ist eine Zumutung für mich als Mutter, Lehrerin, Gemeindemitglied, wenn ich sehe, in welcher Weise Kinder und Jugendliche von amerikanisch-christlich geprägten Organisationen “geschult” und vereinnahmt werden! Ich halte es allerdings für eine Zumutung, wenn noch halbe Kinder in Workshops zu “Missionaren” oder Heilern “ausgebildet” werden. Dagegen wende ich mich mit aller Kraft. Ich halte gar nichts davon, Kindern zu suggerieren, sie müssten den Jüngern Jesu gleich, zu geistlichen Taten bereit und fähig sein. Das ist in meinen Augen Manipulation und Machtmissbrauch der übelsten Art, eine Form des geistlichen Missbrauchs, dem man Kinder und Jugendliche nicht aussetzen darf.
Jeus, so sagt die Bibel, ließ die Kinder zu sich bringen und segnete sie. Die Jünger, von denen die Rede ist und die er aussandte, um von Gottes Wort zu reden und die Menschen zur Umkehr zu Gottes zu bewegen, waren erwachsene und gestandene Männer.
Wir “Alten” müssen auf die “Jungen” Acht haben, dass sie sich in ihrer Begeisterung nicht selbst verlieren und Zielen nachlaufen, die andere ihnen gesetzt haben. “Dir geschehe nach deinem Glauben” hat Jesus immer wieder zu den Menschen gesagt, die ihre ganze Hoffnung auf ihn gesetzt haben. Er hat von ihnen nicht das Erreichen einer vorher festgelegten Glaubens-Norm erwartet. Und ich persönlich bin ganz sicher, dass das auch für die Menschen von heute gilt - und für Kinder und Jugendliche erst recht! Wir dürfen nicht zulassen, dass begeisterte Jugendliche für (politische) Ziele einzelner Gruppen instrumentalisiert werden. Kinder und Jugendliche sind in der Phase der Pubertät und des Heranwachsens und in ihrer ungestümen Suche nach Leben und Sinn schnell zu begeistern und zu beeinflussen (nicht nur in religiösen Angelegenheiten, auch und gerade in ethischen, moralischen und ideologischen Aspekten der Sinnsuche, beim Sport ebenso wie bei der Freizeitbeschäftigung, im Umgang mit den neuen Medien genauso wie im sozialen oder politischem Engagement) und wir müssen sie davor schützen, dabei ausgenutzt und missbraucht zu werden.