Jom Kippur 21. September, 2007
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Mit dem heutigen Abend beginnt Jom Kippur, „Tag der Versöhnung“, höchster Feiertag des Judentums, der „Schabbath der Schabbathe“ wie Dr. Michael Rosenkranz in seinem Text schreibt.
Allen, die diesen Tag begehen, wünsche ich Frieden und Segen. Gmar chatima tova und leichtes Fasten!
rika
folgenden text habe ich bei hagalil gelesen:
Der Regenbogen:
Diese Welt – haOlam haseh!
Sieh, was ich mit dem gemacht habe,
was du mir gegeben hast!
Unsere Welt ist eine Welt in der ein Regenbogen sein kann. In der ersten Zeit nach der Schöpfung gab es eine Welt, die nur empfing und keine Dividenden zahlte. Ihre Bewohner ergriffen keinen Besitz von ihr. Sie lebten in der Güte ihres Schöpfers, taten, was sie taten, ohne eine Notwendigkeit der Begründung; schließlich starben sie, wie sie starben. Das war alles.
Mit der Sintflut wurde die Welt wiedererschaffen. Die Erde wurde gereinigt, die Atmosphäre geklärt. Es entstand eine Welt, die den Sonnenschein aufnehmen konnte, der von oben herunterströmte, und ihn in viele Farben aufspaltete. Es entstand eine Welt, in der unterschiedlichste Wesen geboren werden konnten. Sie konnten eine Seele, einen Körper, ihren Teil der Welt und alles was der Schöpfer ihnen gab, annehmen, nutzen und etwas damit tun – und dann heimkehren und sagen: «Sieh, was ich mit dem gemacht habe, was du mir gegeben hast!»
Und so schwor G-tt, die Welt nie wieder zu zerstören. Denn wenn ihre Bewohner auch gefehlt hatten, so konnten sie doch immer wieder umkehren und ihre eigene Unordnung aufräumen.
http://www.hagalil.com/judentum/feiertage/kippur/chabad-1.htm
Rosch haSchanah… 12. September, 2007
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… das jüdische neujahrsfest steht bevor und wird auf der ganzen welt von juden gefeiert.
dieses neujahrsfest hat aber so gar nichts mit silvester oder den sonst üblichen neujahrsfeiern zu tun.
das macht sehr gut ein text des Rabbiners Dr. Joel Berger deutlich, den ich auf den seiten von hagalil entdeckte und der damit auch mir – als christin – einen eindruck des wesens dieses festes vermittelt.
den jüdischen lesern und freunden wünsche ich
Schanah towah u’metukah!
rika
erfülltes leben … 24. August, 2007
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Heute las ich bei Hagalil einen wunderbaren Text.
Es ist die sehr persönliche Auseinandersetzung einer Jüdin mit ihrer Rolle als Frau, vor dem Hintergrund biblischer Texte und in der Situation jüdischer Menschen nach der Shoah.
Es ist eine sehr spezifische Situation, die ich – bestenfalls – versuchen kann, nachzuempfinden. Sie berührt mich auch als die bis heute nachwirkende Tragödie, die Juden durch Deutsche erlitten haben und an deren Folgen sie bis heute leiden.
Der Text spricht aber auch – über diese speziell jüdische Betrachtung hinaus – Gemeinsamkeiten an, die viele junge Frauen von heute mit der Autorin teilen. Die Schwierigkeit nämlich, mit den bisweilen unvereinbar scheinenden Zukunftserwartungen von Familie und Beruf konfrontiert zu sein und den Sinn des Lebens für sich ganz persönlich entdecken und entfalten zu „müssen“.
Wie Toby Axelrod hier die eigene Lebenserfahrung mit den biblischen Weisheiten verbindet und zu einem Sinn erfüllten Sein kommt und darüber berichtet, finde ich so eindrucksvoll, dass ich den Text allen Frauen ans Herz legen möchte.
lernen 2. Mai, 2007
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non scholae, sed vitae discimus …
nicht für die schule, für das leben lernen wir.
und doch kann ich mich manchmal des eindrucks nicht erwehren, dass wir eben doch „für die schule lernen“, dass lernen nur dann als lernen verstanden wird, wenn es um abfragbares wissen, um harte daten oder fakten geht.
„schule“ ist mehr als eine institution mit lokalisierbaren gebäuden, lehrern, prüfungsordnungen, stundenplänen, kerncurriculi oder mindestanforderungen. sie ist längst internalisiert. jeder von uns hat sie im kopf und sortiert entsprechend aus: was ist „lerninhalt“ = muss gespeichert werden und was ist „leben“, das man – immerhin- erinnern darf.
lernen für das leben, aber auch lernen durch das leben?
verstehen wir das heute wirklich so?
sicher sagt man im volksmund, dass man aus erfahrung klug werde, aber werden nicht diejenigen, die diese erfahrungen machen – meistens sind es ja eher negative erlebnisse – doch mehr mitleidig bedauert, denn achtungsvoll als „Lernende“ betrachtet?
was lehrt mich das leben – ich meine nicht die ausbildungen, kurse, zeitungen, nachrichten, nachschlagewerke oder ratgeber für alles und jedes?
höre ich überhaupt zu, wenn der „lehrer leben“ lehrt?
lerne ich auch von anderen, die mir ihre erfahrungen mitteilen, ihren weg beschreiben, ihre eindrücke schildern?
was ist lernen – außerhalb der klugen definitionen, wie sie etwa die lerntheorien beschreiben?
und wie gebildet muss ein lehrer des lebens sein?
verhilft er mir, eigene einsichten zu gewinnen oder stellt er mir „seine“ interpretation als „das“ wissen vor? läßt er mir die möglichkeit ihm zu widersprechen, um selber klug zu werden?
es ist heute angesagt vom lebenslangen lernen zu reden. dabei ist jedoch weniger das lernen durch und für das leben gemeint, als vielmehr eine anhäufung von wissen, eine aneignung von fertigkeiten, die in erster linie dem wirtschaftlich besten einsatz des lernenden dient. es sei nötig in zeiten der globalisierung, sagt man.
ist das so?
mein leben, das mich lehrt und an dem ich lerne ist doch mehr als institutionalisiertes wissen.
das möchte ich mehr und mehr begreifen.
„nur“ ein viertelstündchen… 22. April, 2007
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… heißt es oft, wenn die bitte um eine verlängerung ausgesprochen wird. Kinder möchten noch ein bißchen spielen, morgens mag ich noch ein wenig länger schlafen, manchmal brauche ich einen kleinen aufschub für meine arbeit, weil ich noch nicht fertig bin …
ein viertelstündchen …
… bekamen wir heute im Gottesdienst geschenkt.
wie das?
wer ist schon autorisiert, „zeit“ zu verschenken? noch dazu in der gemeinde?
mein viertelstündchen liegt hier vor mir in form eines schönen weißen quadrats aus papier, das mit einem kreisviertel bedruckt ist, eindeutig als teil eines zifferblattes zu erkennen.
man könnte die verteilung der geschenkten viertelstunden für einen gag halten – wer mag, kann das ruhig tun – die aktion löste in der gemeinde einige heiterkeit aus! ein mitarbeiter ging mit einem mikrofon durch die reihen und befragte einige gottesdienstbesucher: was machen sie mit der geschenkten zeit, dem viertelstündchen?
innehalten … nachdenken … ausruhen … schnell noch etwas erledigen …
in ihrer predigt ging unsere pastorin darauf ein, wie sehr wir manchmal fremd bestimmt werden durch zeit- und termindruck oder wie wir durch selbst auferlegte aufgaben und zwänge unter druck geraten – „stress“ nennt man das heute.
„Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31, 16″
steht auf meinem ‘geschenkten viertelstündchen’. beim nachlesen des ganzen psalms zu hause entdeckte ich, dass dieser vers eingebettet ist in Davids klage über die vielen schwierigkeiten mit seinen feinden und über bedrängnis und not, die er zu seiner zeit empfand. dem vers geht Davids aussage voraus (vers 15):
„Ich aber, ich habe auf dich vertraut, HERR, ich sagte: Du bist mein Gott!“
das ist Davids fixpunkt! in Gottes Händen liegt seine zeit, liegt alle zeit – und daran gemessen werden – damals wie heute – schwierigkeiten, stress, zeitdruck und terminnot ganz relativ.
mein geschenktes viertelstündchen hier vor mir auf meinem schreibtisch soll mich die ganze woche, die nächste zeit daran erinnern. ich will mir zeit nehmen, darauf zu achten.
Gedenktag 16. April, 2007
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HOLOCAUST-GEDENKTAG
aus ‘Der Jüdische Kalender’ für heute, den 15. april 2007:
„“Auf dem Mahnmal in Bergen-Belsen ist ein Zitat aus dem Psalm 38,18 eingemeißelt: ‘… mein Schmerz ist immer vor mir.’ Die Wege der Erinnerung waren und sind für mich nur mühsam zu gehen, aber solange ich lebe, werde ich in meinem Gedächtnis behalten: die Opfer ohne Unterschied ihrer Herkunft und Religion, die mutigen Retter und vor allem meine Kameraden, die die Stunde der Freiheit nicht mehr erlebten. Sie sind der Grund, warum ich auch weiterhin – ‘mit Schmerz und Zorn’ – Zeugnis ablegen werde.“ Arno Lustiger“
Taufe … 11. April, 2007
Posted by Rika in christsein und glauben, meditatives.1 comment so far
… an Ostern, das ist schon etwas besonderes!
und nicht nur für die täuflinge sondern für die ganze gemeinde. wir hatten uns früh auf den weg zur gemeinde gemacht. der gottesdienstraum war festlich geschmückt. in der ersten reihe saßen die täuflinge in ihren weißen kleidern, ein wenig aufgeregt und – wie die gemeinde selbst – in feierlich-froher erwartung!
nach baptistischer tradition und tauf- und glaubenspraxis muss jeder täufling vor der versammelten gemeinde seinen glauben an Jesus Christus persönlich und mit eigenen worten bekennen, bevor er getauft wird, wir nennen es “ zeugnis des glaubens“ und diese zeugnisse fielen dann auch entsprechend der unterschiedlichen persönlichkeiten und lebenssituationen der einzelnen menschen auch sehr persönlich und unterschiedlich aus.
da sind die jungen leute, die von säuglingstagen an „immer“ auch in der gemeinde waren, für die christliches leben ganz selbstverständlich ist und die dennoch ein eigenes JA zu dem leben mit Gott finden und sagen müssen. es gibt die menschen, die auf umwegen oder durch zufall in unsere gemeinde gerieten und hier zum ersten mal von Gott, von Jesus hörten, sich angesprochen fühlten und von Gott gerufen. es sind leute da, die leid erfahren haben und in ihrem leid „Gott begegneten“ als demjenigen, der sie auch in schwierigen zeiten trägt.
so ließen uns die sieben täuflinge anteil nehmen an ihren lebens- und glaubenswegen, berichteten von ihren fragen, zweifeln, unsicherheiten und davon, wie Gott in ihnen die gewißheit wachsen ließ, ihr ganzes leben aus der hand Gottes annehmen und in zukunft mit Ihm gehen und leben zu können und zu wollen.
nach baptistischen taufverständnis ist die taufe kein sakrament wie in den großen volkskirchen. die taufe ist das bekenntnis des menschen zu Gott, es ist die annahme der erlösung, die uns in Jesus Christus, seinem Tod und seiner Auferstehung zukommt, die der glaubende mensch bewußt für sich in anspruch nimmt. gleichzeitig wird der täufling in die gemeinde aufgenommen – sowohl in die „unsichtbare Gemeinde Jesu“, als auch in die sehr sichtbare jeweilige ortsgemeinde.
die taufe findet natürlich öffentlich im gottesdienstraum statt und nicht etwa in einem separaten raum. in nahezu jeder baptistengemeinde befindet sich das baptisterium (taufbecken) im vorderen bereich des gottesdienstraumes in unmittelbarer nähe zu abendmahlstisch und kanzel – einen altarraum oder altar, wie er in den kirchen üblich ist, gibt es in baptistengemeinden nicht. (kleinere ortsgemeinden, die kein eigenes gemeindehaus haben und sich zum gottesdienst in angemieteten räumen versammeln, taufen in benachbarten gemeinden.)
unser baptisterium ist nicht ein schalenähnliches becken, wie man es von den kirchen her kennt sondern gleicht in seinen ausmaßen eher einem kleinen swimmingpool, was auf manche gäste der gemeinde auf den ersten blick etwas befremdlich wirkt, aber einfach damit zu tun hat, dass der täufling bei der taufe vollkommen und der länge nach untergetaucht wird. das taufbecken muß also entsprechend groß sein.
bei der taufe steht der pastor oder die pastorin, die in der regel die taufhandlung vornehmen, mit dem täufling im baptisterium, das natürlich nur für die taufen mit wasser gefüllt ist. nachdem der taufende die taufformel gesprochen hat, legt er dem täufling einen arm um die schultern und die andere hand auf die gefalteten hände, taucht den täufling rücklings vollkommen unter wasser und richtet ihn dann wieder auf. die gemeinde kann die taufhandlung unmittelbar miterleben – und nicht nur die gemeinde sondern auch alle gäste und freunde des täuflings und der gemeinde. taufe ist immer ein öffentliches geschehen.
die ersten baptisten in deutschland wurden noch in flüssen oder seen getauft (in den ersten jahren liefen sie dabei gefahr, verhaftet und mit gefängnis bestraft zu werden, weil sie den religionsgesetzen zuwider handelten!) und in manchen gemeinden wird das auch heute noch ab und zu so gemacht. dann versammelt sich die gesamte gemeinde an einem fluß- oder seeufer und die taufe findet nach alter tradition unter freiem himmel statt. es ist einleuchtend, dass in unseren breiten die witterung nicht in jeder jahreszeit solche taufen zuläßt. deshalb wurden schon in den ersten jahren des baptismus in deutschland gemeindehäuser mit einem baptisterium gebaut – unser noch relativ neues gemeindezentrum natürlich auch.
kein anderes ereignis im gemeindeleben ist so festlich und feierlich wie eine taufe an ostern und kaum ein anderer anlaß wird gemeinsam in den räumen der gemeinde so fröhlich gefeiert! viele bringen etwas mit, helfen bei den vorbereitungen oder beim aufräumen.
neben dem „geistlichen leben“ der gemeinde in den gottesdiensten und den verschiedenen veranstaltungen während der woche, ist es diese gemeinschaft untereinander und in den vielen gruppen, die den zusammenhalt der gemeinde prägen und ausmachen und die in dem bewußtsein gelebt wird, dass Jesus selbst der Herr seiner gemeinde ist.
am ende dieses tauf- und osterfestes steht der dank,
Dank sei GOTT !
Osterlicht … 8. April, 2007
Posted by Rika in christsein und glauben, meditatives.3 comments
in vielen kirchen wird um mitternacht das osterlicht entzündet.
meine gemeinde pflegt diese tradition nicht, aber viele gemeindemitglieder treffen sich in den frühen morgenstunden, um sich im ersten tageslicht gegenseitig die osterbotschaft zu sagen:
Der HERR ist auferstanden! ER ist wahrhaftig auferstanden!
später im gottesdienst ruft uns der pastor zu: „Der HERR ist auferstanden!“ und wir alle antworten ihm: „ER ist wahrhaftig auferstanden!“ es berührt mich immer wieder neu zu erleben, wie sich dabei eine große freude ausbreitet! wir werden morgen einen taufgottesdienst feiern. 7 junge erwachsene lassen sich auf das bekenntnis ihres glaubens hin taufen. in baptistengemeinden werden nur diejenigen getauft, die das selber wollen, es klar zum ausdruck bringen und mit eigenen worten ihren glauben an Jesus Christus bezeugen. ein taufgottesdienst ist für die gemeinde immer ein besonderes ereignis und erst recht zu ostern!
so freue ich mich auf den morgen – jetzt ist gerade mitternacht vorüber – auf den neuen tag, den gottesdienst, die gemeinschaft in der gemeinde und die osterfeier mit meiner familie. ich werde in den nächsten tagen hier wohl nicht vorbeischauen. darum wünsche allen, die selbst ostern feiern
GESEGNETE OSTERN!
und allen anderen einfach ein paar schöne tage in ruhe, stressfrei und erholsam!
Karfreitag 6. April, 2007
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Kaum ein „Feier“tag des christlichen Kirchenjahres ist in der öffentlichen Darstellung und Meinung so wenig präsent wie der Karfreitag.
Es ist ein schwieriger Tag, „einen sperrigen Feiertag“ nennt ihn Bernhard Dressler, dessen Aufsatz ich denjenigen empfehlen möchte, die sich intensiver mit diesem Tag auseinandersetzen wollen.
Karfreitag ist kein Feiertag im Sinne von ‘feiern mit einem fröhlichen und festlichen Gepräge’. Karfreitag ist ein stiller Tag, ein Tag des Nachdenken, des Zweifelns mitunter. Wir begehen als Christen kein „Fest“ und dennoch „feiern“ wir – Karfreitag!
„Wir preisen deinen Tod“ heißt es in einem Lied.
Den Tod preisen, gar feiern?
Es ist diese völlige Diskrepanz zwischen dem grausigen Geschehen auf Golgatha und dem daraus erwachsenden Heil, dass es für viele Menschen so schwer macht, die Kreuzigung Jesu mit sich selbst in Verbindung zu bringen, darin für das eigene Leben die Bedeutung schlechthin erkennen und / oder annehmen zu können.
Wenn wir das ‘liebe Jesulein’ in der Krippe noch herzig finden können – und den Bezug zum eigenen Leben dabei getrost ausklammern – so können wir dem Tod Jesu gar nichts mehr abgewinnen, wenn er nicht in Beziehung zum persönlichen Leben gebracht wird. Dann ist es einfach nur ein fürchterliches, grausames Sterben oder eine „Torheit „, wie Paulus es in 1.Kor. 1,18 ausdrückt.
Die Ungeheuerlichkeit des Todes Jesu liegt nicht in der einfachen Tatsache, dass er – wie viele gegen die römische Herrschaft aufmüpfende Menschen seiner Zeit – am Kreuz starb sondern dass, nach christlichem Verständnis, Gott selbst sich erniedrigte zum „Heil der Welt“.
Die Unvereinbarkeit des „du sollst nicht töten“, das Verbot des Menschenopfers – wie es seit der Bindung Isaaks von Gott seinem Volk auferlegt war – mit diesem „Opfertod“ Jesu, ist der unbeschreibliche Widerspruch zu allen bis dahin in Zusammenhang mit Gott geltenden Standards. Das Geheimnis dieses Widerspruchs, diese Diskrepanz macht Karfreitag zu einem schweren Tag – bis heute.
Der jüdische Gelehrte Pinchas Lapide hat einen bemerkenswerten Aufsatz geschrieben, den ich hier ebenfalls sehr empfehle:
http://www.medianet2002.de/godi/karfreitag/heb9.html
DIE JUDEN UND DER TOD JESU
Jüdische Überlegungen zur Passionsgeschichte von Pinchas Lapide
Auch Pinchas Lapide löst den Widerspruch nicht auf. Er trägt aber dazu bei, dass das fast 2000 Jahre währende Vorurteil, die Juden seien schuldig am Tod Jesu, endlich revidiert wird. Damit sind die grundsätzlichen Unterschiede zwischen jüdischer Tradition und christlicher Auffassung zu Leben, Sterben und Auferstehung Jesu nicht weniger geworden oder gar aufgehoben, sie ermöglichen jedoch einen weiteren Zugang zu Karfreitag.
Karfreitag – ein schwieriger Tag!
Karfreitag – ein notwendiger Tag?
MA NISCHTANAH … ? 2. April, 2007
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„Warum ist diese Nacht so ganz anders als die übrigen Nächte?“
fragt der Jüngste der Tischgesellschaft, die sich zum Seder versammelt hat. Heute ist Pessach und Juden in aller Welt feiern dieses Fest in Erinnerung des Auszugs aus Ägypten vor tausenden von Jahren. Auf die Frage wird geantwortet: „Sklaven waren wir einst dem Pharao in Ägypten, da führte uns der Ewige, unsere Gott, von dort heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm.“ (Zitate aus der Pessach-Haggadah)
Wir waren Sklaven und sind nun frei, das ist wohl die zentrale Aussage von Pessach, nicht frei aus eigener Kraft, frei durch die „starke Hand und den ausgestreckten Arm Gottes“. Es hat mich sehr bewegt, als ich vor Jahren als Christin an einem Seder bei Freunden in Ma’ale Adumim (bei Jerusalem) teilnehmen und so hautnah die Geschichte des Auszugs aus Ägypten miterleben durfte, diese einzigartige Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart.
Wir Christen feiern in den nächsten Tagen Ostern. Wir feiern die Auferstehung Jesu, die Überwindung des Todes, die uns, die wir fern von Gott waren, mit Gott in Verbindung bringt. Als ich damals den Seder mit meinen jüdischen Freunden feierte, mußte ich schon am nächsten Tag zurück nach Deutschland fliegen, am Shabbat, am Samstag, Samstag vor Ostern. Ostersonntag saß ich im Gottesdienst meiner Gemeinde, noch ganz erfüllt von dem Erleben in Israel, dem Pessach-Geschehen und fühlte die Sehnsucht nach der Befreiung, die Sehnsucht nach der Nähe Gottes, dem Frieden, den ER seinem Volk zusagt und auch uns, „die wir einst ferne waren“, wie Paulus schreibt.
So wünsche ich allen Menschen, die heute und in diesen Tagen mit ihren Familien oder Freunden oder in den jüdischen Gemeinden Pessach feiern, „Pessach sameach vekascher“.
Uns Christen wünsche ich, dass wir nie aus dem Blick verlieren, dass es ohne das jüdische Pessach, ohne den Auszug aus Ägypten, auch nicht Jesus von Nazareth gegeben hätte, der für uns, die wir an ihn glauben, zum Christus, unseren Erlöser, geworden ist und durch den wir leben!