Im Nachtmagazin der ARD … 7. Januar, 2009
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wurde gestern am späten Abend, bzw. heute in der ersten Stunde des neuen Tages Daniel Barenboim interviewt.
Wie habe ich ihn bewundert, ihn, Jacqueline du Pré und Pinchas Zukerman als ich vor etwa 35 Jahren zum ersten Mal Beethovens Klaviertrios in dieser Einspielung hörte (damals noch auf Langspielplatten …) … Gänsehaut und Glücksgefühle …
Wie habe ich ihn bewundert für die Energieleistung das West-Eastern-Divan-Orchestra aufzubauen! Der Bericht bei ARTE oder 3-Sat, so genau weiß ich das nicht mehr, über das Konzert in Ramallah rührte mich zu Tränen …
Das Interview gestern/heute ließ mich nicht mehr los. Ein Musiker redet über die Verständigung durch und über Musik – allen Anfeindungen und Unwägbarkeiten zum Trotz. Er appelliert mehr oder weniger direkt an die Israelis, die Waffen ruhen zu lassen, gibt dem Unternehmen, die Hamas militärisch zu besiegen, eigentlich keine Chance, befürchtet den neuerlichen Hass der Palästinenser und ruft dazu auf, dem keine neue Nahrung zu bieten.
Ich dachte, ob er wohl Leute von der Hamas in seinem Orchester sitzen hat … und können Menschen, die sich der Musik verschrieben haben und gemeinsam musizieren überhaupt (gegeneinander?) kämpfen oder umgekehrt, wird jemand seine Waffen niederlegen, um Beethoven zu spielen oder Brahms, Mozart oder Tschaikowsky und danach, was kommt dann?
Hier kann man das Interview nachhören und sehen:
Bei WElt – online findet sich dieses Interview mit ihm, er träumt und arbeitet für den Frieden im Nahen Osten mit „seinen Waffen“, den Waffen der Musik, des Gesprächs, der Verständigung, der Hoffnung gegen die Realität.
Die Hamas hat das nicht beeindruckt. Sie feuert seit Monaten und Jahren Raketen auf die Ortschaften, die sie vom Gazastreifen aus erreichen kann.
Und auch dieses bei FAZ-net wird sie vermutlich herzlich wenig interessieren, aber viele Leute nachdenklich machen und sich ihrer Ohnmacht bewusst werden lassen. Denn eine wirklich Lösung kann auch Daniel Barenboim nicht bieten.
Übrigens wurde ein geplantes Konzert in Kairo abgesagt, wegen der Sicherheitslage.
Vermutlich sind es nicht die palästinensischen Mitglieder des Orchesters, die um ihre Sicherheit fürchten müssen…
aber das ist nun schon wieder nicht fair von mir …
„Streit um Antisemitismus“ … 25. Oktober, 2008
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… überschreibt die HAZ heute einen kurzen Bericht über eine Kontroverse im Bundestag. Anlass des Streits ist das Vorhaben aller Bundestagsparteien, einen gemeinsamen Antrag gegen Antisemitismus anlässlich des 70. Jahrestages des Pogroms vom 9. November 1938 zu verabschieden. Die CDU sträubt sich dagegen, dies im Einvernehmen mit der Linkspartei zu tun.
Und das aus gutem Grund:
„Die Linke“, so zitiert die HAZ die CDU-Abgeordnete Kristina Köhler, „unterstütze unter dem Deckmantel des Antiimperialismus antisemitische Hetzer und Terroristen wie Hamas und Hisbollah.“ Und weiter heißt es in der HAZ: „In der Union wurde daran erinnert, dass die DDR Israel nie anerkannt habe, dass das Land Waffen an arabische Kriegsgegner Israels geschickt hatte und dass jüdische Unternehmer in der DDR enteignet worden waren. Dahinter verberge sich die antisemitische Fratze.“
Die Linke reagiere besonders empört, schreibt die Zeitung und sehe darin vor allem „Hass gegen die Linke“, den die CDU „über ihre historische Verantwortung für eine gemeinsame Erklärung“ stelle, wird Gregor Gysi zitiert.
Nun ist es sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass Linke und CDU sich nicht sonderlich grün sind und auf vielen politischen Ebenen nicht nur unterschiedlicher Meinung sind sondern sich grundsätzlich einem verschiedenen theoretischen Verständnis von Wirtschaft, Macht und Staat verpflichtet fühlen. Und vermutlich wurden in der DDR nicht nur jüdische Unternehmer enteignet und finden sich auch in der CDU nicht wenige, die einen latenten Antisemitismus aus welchen Gründen auch immer „pflegen“ oder ihn mehr oder weniger bewusst tradieren.
Ich finde aber dennoch die Haltung der CDU äußerst bemerkenswert, weil meiner Wahrnehmung nach zum ersten Mal eine zentrale politische Kraft in Deutschland offen davon spricht, dass Antisemitismus heute im Gewand des Antiimperialismus auftritt und dass die Unterstützung von Hamas und Hisbollah keineswegs aus „humanitären Gründen“ legitim sei, wie es ja oft im linken Lager verniedlichend und beschwichtigend dargestellt wird, sondern damit tatsächlich vor allem und in erster Linie antisraelische und antisemitische Haltungen und Vorbehalte befördert werden.
Dass Thomas Oppermann ( SPD-MdB), laut HAZ auf einen Konsens aus ist und in der Linkspartei „einen versteckten Antisemitismus, der als Antizionismus daherkomme“ ausmacht, ist zwar im Prinzip zu begrüßen, täuscht meiner Ansicht nach aber auch darüber hinweg, dass sich auch SPD-Abgeordnete und sicher etliche SPD-Mitglieder bundesweit genau diesem Mechanismus entsprechend verhalten, weil auch sie einen vermeintlich berechtigten Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus für gegeben ansehen und ihnen nicht klar ist, dass sie damit einem alten Vorurteil im neuen Gewand das Wort reden, auch wenn sie sich offiziell zu Israel bekennen und lediglich „nur“ gegen die Sperranlagen sind oder den Palästinensern das Recht zusprechen, mit (fast) allen Mitteln für ihre Rechte zu kämpfen.
Dass der 9. November, dieser denkwürdige Tag, im Bewusstsein der Deutschen eben nicht nur Einheitsfeierjubeltag ist, sondern auch immer eine Mahnung bedeutet für das, was Menschen von Vorurteilen geblendet und in blindem Gehorsam und blankem Hass anderen Menschen angetan haben und auch wieder antun könnten, das sollte und darf nicht im Parteiengezänk um die „besseren Deutschen und besseren Demokraten“ untergehen.
Und so sollte man schon zu einer gemeinsamen Erklärung kommen, einer Erklärung, deren Bedingungen und Basis allen absolut klar sein muss:
Wir wollen dem Antisemitismus Paroli bieten, egal in welchem Gewand er auftritt und hinter welchen taktischen Finessen er sich zu tarnen versucht, das gilt für ALLE Bürger und Bewohner dieses Landes, für politische Parteien ebenso wie für religiöse Gruppierungen, die vielleicht nur darum nicht ins öffentliche Blickfeld geraten, weil sie (noch) rein zahlenmmäßig unerheblich zu sein scheinen.
Bildungsgipfel … 24. Oktober, 2008
Posted by Rika in gesellschaft, meine persönliche presseschau, schule - kinder.1 comment so far
Eine Veranstaltung einen „Gipfel“ zu nennen, die sich lediglich einem Maulwurfshügel gleich aus der öden Ebene erhebt, das ist in der Tat ein Gipfel, der Gipfel der Unverschämtheit und der Volksverdummung nämlich, womit er das Gegenteil dessen darstellt, was er vorgibt sein zu wollen!
Bildungsgipfel
Bessere Kitas, bessere Schulen, bessere Lehrpläne, bessere Ausbildungsbedingungen, bessere Unis, bessere Professoren, bessere Studienbedingungen, bessere Schüler, bessere Eltern, bessere Lehrer ….
Ich kann es nicht mehr hören!
Haben sich die, die den Bildungsgipfel bestiegen, je in die Niederungen deutscher Bildungseinrichtungen begeben? Wissen sie überhaupt, wovon sie reden, wenn sie davon schwadronieren, Bildung auch für Kinder „bildungsferner Schichten“ möglich machen zu wollen? Ist es nicht vielmehr ein Armutszeugnis ersten Ranges für das „Bildungsland Deutschland“, dass es diese „bildungsfernen Schichten“ überhaupt (noch) gibt und dass diese in den letzten Jahren trotz aller Bemühungen nicht weniger geworden sind, sondern eher zugenommen haben – und das liegt nun wirklich nicht NUR an den Migranten, auf die man ja so gerne entschuldigend verweist, wenn Schulen unter dem „Durchschnitt“ liegen.
Kennen die Bildungspolitiker die maroden Schulgebäude, die man Kindern und Jugendlichen zumutet, haben sie je in letzter Zeit ihre Notdurft auf einem ekelhaft stinkenden Schulko verrichten MÜSSEN? Haben sie eine Ahnung davon, wie wenig einladend die Pausenhöfe, Gänge und Klassenräume sind, in denen Kinder und Jugendliche ihr mitgebrachtes Pausenbrot zu sich nehmen müssen? – Davon, dass es viel zu viele Kinder gibt, deren Eltern sich gar nicht um das Essen kümmern, das ihre Kinder während eines 6 oder 7 oder 8 Schulstundentages dringend brauchen, will ich gar nicht erst reden.
Wie viele Kitas haben sie besucht? Was wissen sie von der Belastung der Erzieherinnen und Erzieher, die zu zweit 20 bis 25 Kleinkinder eben nicht nur tagsüber „hüten“, sondern einen anspruchsvollen „Bildungsauftrag erfüllen sollen und auch wollen, aber nur selten wirklich können, weil die Bedingungen es einfach nicht hergeben, sich intensiv um die Kinder, die ja bekanntlich „unsere Zukunft“ sind, zu kümmern und individuell zu fördern – wie man es so schön in den hochtrabenden Plänen lesen kann!
Wann hat je ein Bildungspolitiker vor einer Klasse mit 25 – 30 Schulanfängern gestanden und versucht, dem Bildungsauftrag gerecht zu werden, der damit beginnt, Kindern zunächst die elementarsten Dinge des Alltags zu vermitteln, bevor man überhaupt daran denken kann, das einzuüben, was man gemeinhin „Kulturtechniken“ nennt, also Lesen, Schreiben, Rechnen als Grundvoraussetzung für alles andere? Oder wann hat ein Herr / Frau Bildungspolitiker mal eine Woche oder wenigstens einen einzigen Schultag lang in einer ganz normalen Schule um die Ecke hospitiert? Hat einer von ihnen mal eine Sportstunde in einer völlig herunter gewirtschafteten Turnhalle gehalten, in der einem schon in der Umkleidekabine das Mittagessen des letzten Tages hoch kommt …?
Was wissen sie von Förderschülern, die es trotz aller Mühe niemals schaffen werden, einen berufsqualifizierenden Schulabschluss zu erreichen und was von Studenten, die in überfüllten Hörsälen schlecht ausgebildeten Professoren ausgeliefert sind? „Zu lernen wie man lernt“ hieß einmal ein hehres Ziel deutscher Pädagogen, aber setzt das nicht voraus, dass Professoren auch „lehren müssen, wie man lehrt“? Was nützen denn die 100sten Aufsätzchen und Veröffentlichungen der Professoren, wenn sie im Hörsaal an den Studenten vorbeireden? Wozu Forschung in vielen Gebieten (von der Anwendung in Betrieben, der Wirtschaft oder Medizin mal abgesehen), wenn sie nicht auch adäquat an den Mann, die Frau gebracht werden kann, weil einfachstes Grundwissen der „Lehre vom Lehren“ nicht vorhanden ist? Doch Frau Schavan hält es nicht für erforderlich, die Exzellensinitiative an den Universitäten auf die LEHRE auszudehnen , so jedenfalls ging es aus einem Interview hervor, dass ich gestern oder vorgestern im D-Radio zum Thema „Bildungsgipfel“ verfolgte!
Nachwuchs fehlt allenthalben, hört man. Aber um die bereits vorhandenen Kinder und Jugendlichen schert man sich einen Dreck!
Jahr für Jahr werden hochqualifizierte Lehramtsstudenten nach dem 1. Staatsexamen in die Warteschleife verschoben, bevor die Glücklichen unter ihnen einen Platz im Ausbildungsseminar und ergattern und als Referendar in einer Schule den zweiten Abschnitt ihrer Berufsausbildung beginnen können, und Jahr für Jahr werden fix und fertig ausgebildete Lehrinnen und Lehrer nach dem zweiten Staatsexamen in die nächste Warteschleife geschickt oder mit sogenannten „Feuerwehrverträgen“ abgespeist, die sinnvoller Weise so ausgelegt sind, dass die (Sommer)Ferienzeiten nicht bezahlt werden, weil die Verträge nur die reine Unterrichtszeiten umschließen. Was ist das für eine Volkswirtschaft, die meint, sich den Luxus leisten zu können, junge Menschen auszubilden und dann in die Arbeitslosigkeit zu entlassen? Lehramtsstudenten fahren ein hohes Risiko, sind sie doch für einen Beruf ausgebildet, der ihnen wenig Möglichkeiten in der sogenannten freien Wirtschaft bietet, wenn sie NICHT in den Schuldienst übernommen werden. (Davon, dass sie, wie Studenten anderer Fachrichtungen auch, in etlichen Bundesländern Semester für Semester 500 Euro zusätzlich zu den ohnehin immer schon anfallenden Kosten nun an Studiengebühren zahlen müssen, will ich gar nicht erst sprechen! Und auch nicht davon, dass viele auf einem Riesenberg an Schulden sitzen, weil sie ihr Studium nur mit Hilfe von Krediten finanzieren konnten (und Lehrergehälter nicht so besonders üppig sind, dass man die Schulden in zwei drei Jahren mal eben so abbezahlen könnte!).
Andererseits rekrutiert man in einigen Bundesländern Hausfrauen, Pensionäre und Quereinsteiger, um den immer wieder in regelmäßigen Zyklen anfallenden und überhaupt nicht vorhersehbaren Lehrermangel zu beheben – und wundert sich dann über schlecht ausgebildete und völlig demotivierte Schüler.
Eine Exzellenzinitiative muss her.
Sicher. Schön und gut. Ich bin ja damit einverstanden, dass hochbegabte und talentierte junge Leute besonders gefördert werden, aber muss nicht im gleichen Umfang auch „in die Breite“ gearbeitet werden? Nicht jeder Schüler verlässt die Schule als Supermann und nicht jeder wird ein Crack in seinem Beruf. Nicht jeder Medizinstudent kann Chefarzt werden und nicht jeder begabte Ingenieur Chefentwickler bei der Motorenabteilung von Porsche oder Mercedes, nicht aus allen BWL-Studenten wird mal ein Spitzenmanager und nicht jeder Jurastudent landet am Bundesgerichtshof . Ob die oder der Einzelne(r) das wirklich wollen, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, aber gerade darum müssen ALLE Studenten Bedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben, ihren Möglichkeiten entsprechend EXZELLENT zu sein!
Und dann gibt es noch das schöne alte Argument, dass früher ja auch in großen Klassen unterrichtet wurde und aus diesen Schülerinnen und Schülern schließlich auch etwas geworden sei. Klar, ich bin auch gemeinsam mit 53 weiteren Schülern eingeschult worden, aber damals waren die Zeiten anders. Wer von uns möchte denn zurück in die Fünfziger Jahre – ohne PC, ohne moderne Kommunikationssysteme, ohne Fernsehen, ohne, ohne ohne …?
Kinder von heute wachsen anders auf als es diejenigen taten, die heute über die Bildungschancen der heutigen Kinder und der Erwachsenen von morgen bestimmen. Sie haben die Veränderungen zwar miterlebt, aber noch nicht so verinnerlicht, dass sie daraus die richtigen Schlüsse für ihre Entscheidungen ziehen.
So werden beispielsweise junge Mütter geradezu gedrängt, so schnell wie möglich in den Beruf zurück zu kehren, aber es gibt gar nicht genug Einrichtungen, denen die jungen Mütter guten Gewissens ihre Kinder anvertrauen könnten, und nicht jede Oma ist vor Ort oder hat Kraft, Lust dazu und auch Freude daran, eine weitere Generation groß zu ziehen!!! Viele junge Kinder bleiben sich selbst überlassen und das „wichtigste“ Bildungsinstrument ist der Fernseher oder der PC mit Internetanschluß. Viele Eltern können nicht Schritt halten mit den Erfordernissen der Zeit, können ihren Kindern nicht helfen, sind selbst mit den Anforderungen überfordert die ihnen und ihren Kindern von einem mit viel zu viel „Stoff“ überfrachteten Schulsystem zugemutet werden. Aber die Erkenntnis, dass Eltern und Kinder Hilfe brauchen ist doch nicht neu, das haben wir doch schon in den siebziger und achtziger Jahren diskutiert. Es gab mal eine Forderung, dass an jeder Schule mindestens ein Schulsozialarbeiter angestellt sein solle – ein Witz, wenn man bedenkt, wieviel Zeit pro Schüler zur Verfügung stehen würde, selbst wenn es NUR eine kleine Schule mit ca 150 Schülern beträfe -, doch selbst davon ist man aber immer noch weit entfernt, obwohl es an gut ausgebildeten Sozialpädagogen und Sozialarbeitern nicht mangelt!
Und was die Ausstattung von Schulen angeht, welcher Architekt oder Ingenieur arbeitet heute noch ausschließlich mit dem Rechenschieber? Aber in deutschen Schulen wird immer noch mit Kreide an die (allerdings nun doch nicht mehr aus Schiefer bestehende) Tafel geschrieben. Moderne Medien sind in den meisten Schulen nicht zu finden! Schlecht ausgestattete Physik- und Chemieräume ermöglichen nun mal keinen erstklassigen Unterricht, der naturwissenschaftliches Denken fördert und Jugendliche für ein entsprechendes Studium begeistert. Schlecht ausgestattete Musik- und Kunsträume ermöglichen nun einmal nicht die Entdeckung und Förderung musisch-kreativer Begabungen auch der Kinder, die zu Hause kein Klavier stehen haben und deren Eltern mit ihnen nicht regelmäßig in Kunstausstellungen und oder Konzerte gehen, für die Musik, Kunst, Theater und Literatur nun mal nicht zu wichtigen Bereichen des Lebens gehören. Große Klassen ermöglichen nun einmal nicht die individuelle Förderung der Begabungen, die jeder Mensch von Natur aus hat und lassen viele Lehrerinnen und Lehrer viel zu vorzeitig resignieren und nur noch gerade so das Soll des Lehrplans erfüllen – auch wenn sie mal mit viel Idealismus in ihr Lehrerdasein gestartet sind
Die Welt – zumal die Wirtschaft und ihre gesellschaftlichen Bedingungen – verändern sich rasant. Nur im deutschen Bildungssystem soll alles so (dreigliedrig) bleiben, wie es war.
Ach nein, der Bildungsgipfel will ja gerade bessere Schulen, bessere Kindergärten, bessere Universitäten …
Aber das kostet natürlich Geld, viel Geld.
Wer das bezahlen soll und will?
Könnte nicht die Bundesregierung ihr Milliardenrettungspaket für die Banken an die Auflage knüpfen, in Zukunft Patenschaften zu übernehmen für Kitas, Schulen, Berufsschulen, Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten? Nein?
Nein!
Bildung muss immer und unbedingt Aufgabe des Staates bleiben – das sind wir alle -, und der Staat muss investieren in die Zukunft unserer Kinder, schließlich hängt auch unsere Zukunft davon ab, wie gut und sorgfältig junge Menschen gebildet werden – nicht nur und in erster Linie ausgebildet für die Bedürfnisse der Wirtschaft, sondern ausgerichtet an den Bedürfnissen ihres und unseres Menschseins!
Ach ja,
in den Zusammenhang passt auch die Nachricht gut hinein, dass das ZDF die streitbare und manchmal etwas vorlaute Journalistin Elke Heidenreich gefeuert hat – Lesen bildet zwar, bringt aber halt weniger Quote als ein Moderator, der sich als Hanswurst in ein Senffass tauchen lässt …
olympia … nein, danke …? 10. April, 2008
Posted by Rika in meine persönliche presseschau, vermischtes.add a comment
ich weiß es noch ganz genau wann mich das olympiafieber ergriff. im spätsommer 1960 war es. zu der zeit war ich fahrschülerin, d.h., ich besuchte die schule im nachbarort und da die züge nur dreimal täglich fuhren, blieb ich immer bei einer meiner mitschülerinnen, wenn wir nachmittags noch eine veranstaltung hatten oder anschließend noch viel zeit für meinen zug war.
ich saß also bei irmgart im wohnzimmer, der fernseher lief … so etwas aufregendes! das gab es bei uns zu hause noch nicht … schwarz-weiße bilder flimmerten über den bildschirm … olympische spiele in rom!
100-meterlauf der männer … ein deutscher mit am start … armin harry (das er zur damaligen zeit das enfant terrible der deutschen leichtathleten war, wußte ich noch nicht, dazu war ich noch zu jung mit meinen beinahe 11 jahren, und die unrühmlichen jahre armin harrys lagen noch in weiter zukunft).
start!
wie schnell die 100 m durchlaufen sind! kaum zeit für herzklopfen!
harry gewinnt in 10,2 sekunden !
es war der beginn meiner langen und großen liebe für olympia!
zu weihnachten wünschte ich mir ein „olympiabuch“ – und bekam auch eines, „Olympische Spiele 1960″ geschrieben von dem unvergessenen Heinz Maegerlein!
ich las mit heißem herzen und roten ohren von penny pitou und heidi biebel, von georg thoma, manfred schnelldorfer, marika kilius und hansjürgen bäumler (dem traumpaar schlechthin!), von wilma rudolph, otis davis, birkila abebe und dave sime, dem deutschlandachter, ingrid krämer, helmut recknagel und carl kaufmann …
so nebenbei erfuhr ich, dass „wir“ eine gesamtdeutsche mannschaft waren, damals interessierte mich das aber wenig, war doch die ddr noch die „sogenannte“ und hieß im übrigen eigentlich „ostzone“, wurde regelmäßig in der weihnachtszeit mit in den fenstern leuchtenden kerzen mitfühlend bedacht und dort lebende freunde und verwandte mit päckchen und paketen versorgt … und auch die mauer war noch nicht gebaut und die teilung deutschlands noch nicht so überdeutlich, offensichtlich und unüberwindbar!
ich habe alle olympischen spiele seither mit großem interesse und begeisterung verfolgt …
aber wie allen großen lieben, so blieb auch dieser der wandel und krisenzeiten nicht erspart … der phase der idealisierung und leidenschaftlichen verklärung, folgte die der abkühlung, verbunden mit nüchterner analyse und ruhiger bestandsaufnahme … und diese ging in kritische distanz und – mit zunehmender enttäuschung – in frustration und abkehr über …
sperrung von athleten (karl schranz – ungerecht!!) wegen unerlaubter werbung (heute ist werbung ALLES!) schmiergelder, uneindeutiger genus von athleten (irina oder tamara press?), politisch zweifelhafte bedingungen, boykott, staatsknete für im staatlichen auftrag gedopte topathleten, big money für heimlich gedopte topathleten, kinderturnerinnen, ränkespiele und seltsame machenschaften, fernsehübertragungen bestimmen wettbewerbzeiten … riesen-riesengeschäft olympia
und nun china!
ende einer großen liebe … scheidung …
olympia, nein danke!
jugendgewalt und wahlkampftaktik 9. Januar, 2008
Posted by Rika in gesellschaft & migration, meine persönliche presseschau, schule - kinder.3 comments
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
sie ist nämlich nicht vorbei wenn der wahlkampf zu ende ist, der erfolg so oder so sicher gestellt und die politiker zu ihren üblichen regierungsgeschäften zurück gekehrt sind und gar nicht mehr daran denken, entsprechend ihrer mit nachdruck und eifer vorgetragenen theorien und vorschlägen für die praxis zu handeln!
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil sie als ein seit jahren stetig ansteigendes und zunehmend schwieriger werdendes problem seit ebenso vielen jahren von der politik bestenfalls in sonntagsreden vorkommt – wenn wieder einmal ein besonders krasses beispiel in den medien für aufregung und kasse sorgt – und ansonsten einfach von der öffentlichkeit völlig unbeachtet den überlasteten eltern, erziehern, lehrern, sozialarbeitern, richtern, jugendgerichtshelfern und auffanggruppen überlassen wird – wie auch die opfer von gewalt ja sehr gerne sich selbst überlassen werden … das gilt besonders für die opfer – kinder und frauen – aggressiver, gewalttätiger und / oder bis zur unzurechnungsfähigkeit alkoholisierter männer und erst recht für die opfer der sich als herr über frau und kinder erhaben wissenden „familienoberhäupter“, die das recht zu prügel und gewalt für sich in anspruch nehmen.
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil die kommunen aus angeblichem oder tatsächlichem geldmangel die gruppenstärke in den kitas erhöhen, dafür aber erzieherInnen arbeitsverträge zumuten, die einer sozialen erpressung gleichkommen (man muss nehmen, was man kriegen kann, stellen sind rar, da ist es doch besser, einen einjahresvertrag über eine dreiviertel-stelle zu haben als gar keine arbeit!) gleichzeitig aber den druck auf die erzieherInnen erhöhen, indem ihnen noch mehr an förderarbeit aufgetragen wird, ohne sie dafür angemessen zu bezahlen.
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil schulen verrotten, mobiliar und einrichtung der klassen eine himmelschreiende schande sind und schon die äußeren bedingungen des systems schule alle halbwegs aufmerksamen und sich um jedes tierbaby im zoo sorgenden menschen zu protestmärschen auf die straßen treiben müßten! weil darüberhinaus die „klassenstärken“ – die rede ist von der anzahl menschen, die eine lerngruppe bilden – drastisch erhöht werden und trotz einer immer größer werdenden anzahl von kindern, die einen erhöhten förderbedarf haben, keine weiteren lehrer eingestellt werden. das gilt im übrigen für nahezu alle schultypen, aber besonders für die schulen, die üblicherweise in den stadtteilen liegen, in denen kein herr koch und keine frau merkel freiwillig wohnung nehmen würden – ich übrigens auch nicht, nur das zur klarstellung – und in denen laut presseberichten selbst polizisten auf streife ein mulmiges gefühl haben.
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil schüler auf der strecke bleiben, die durch das raster unseres tollen dreigliedrigen bildungssystems fallen und dann an schulen wie meiner landen – doch, wir geben uns mühe mit ihnen, versuchen sie aufzubauen, achten ihre würde, geben ihnen halt und rat … und sind dennoch so erfolglos, wenn es darum geht, ihnen eine zukunftsperspektive anzubieten. wo sind die arbeitsstellen für junge schulabgänger und wo die für leute ohne abschluß, für kinder, die trotzt aller mühen bestimmte geforderte intellektuelle leistungen nicht erbringen können – ja, die gibt es, auch wenn die meisten politisch klugen und gebildeten leute davon sprechen, dass man mit etwas einsatz alles erreichen könnte. könnte ….
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
weil herr koch und frau merkel und alle anderen klugschei … klugschreiber seit jahren alle probleme in bezug auf soziale notfälle, auf migration, auf fehlende kitas, krabbelstuben, horteinrichtungen, schulen und weiterbildungsangeboten kennen – und nichts tun, sieht man mal vom stellenabbau in jugendämtern, bei der jugendgerichtshilfe, der familienhilfe und ähnlichen nützlichen einrichtungen ab, oder davon, dass der geniale herr koch gerade erst gelder für die ambulante nachsorge junger straftäter gestrichen hat und einrichtungen deshalb nur noch wenige jugendliche betreuen können und außerdem polizeibeamte „abgebaut“ hat … da fragt man sich dann auch, wie das mit der prävention gelingen kann und wie er das eigentlich schaffen will, die straftäter dingfest machen zu lassen ?
nein,
jugendgewalt eignet sich gar nicht als wahlkampfthema!
und doch ist sie da, gibt es sie, leiden menschen an ihren eigenen aggressionen und unter denen der anderen, sind jugendliche orientierungslos oder orientieren sich an vorbildern, die ihnen nicht gut tun. aber das wissen wir doch schon lange, seit jahren schon!
wie lange wollen wir noch zusehen, dass kinder schon in ihren jüngsten jahren auf eine bahn gesetzt werden von eltern, die auch schon keine chance hatten oder solchen, die alle chancen hatten und ihre kinder darüber vergaßen? und wie lange wollen wir es uns noch leisten, mit offenen augen und ohren das desaster zu verfolgen, ohne etwas zu tun?
hier in meinem blog habe ich ganz am anfang mal das lied bettina wegners zitiert: „Sind so kleine Hände … darf man niemals schlagen…!“
„kinder sind unsere zukunft“ heißt es immer wieder. aber nur, wenn wir ihnen eine ermöglichen – im elternhaus, in kindergärten und schulen und wenn wir sie mit liebe und aufmerksamer achtsamkeit ernst nehmen und fördern.
wäre das nicht ein gutes thema für die nächste zeit … und nicht nur im wahlkampf!?
das wenige, das ich tun kann … 22. Oktober, 2007
Posted by Rika in israel, meine persönliche presseschau.2 comments
wie ohnmächtig sind die entführten israelischen soldaten
Ehud Goldwasser,
Eldad Regev und
Gilad Schalit
und deren familien der willkür der terroristischen hisbollah und hamas ausgeliefert.
der newsletter der israelischen botschaft macht in der heutigen ausgabe wieder darauf aufmerksam und gibt unter diesem link informationen weiter und auch
den hilferuf der ehefrau ehud goldwassers an die weltöffentlichkeit!
hätten eu und die einzelnen staaten der gemeinschaft nicht eine reihe von möglichkeiten, die hamas und hisbollah unter druck zu setzen?
und … ?
eva herman und die frauenbewegung … 14. Oktober, 2007
Posted by Rika in meine persönliche presseschau.3 comments
soweit sind wir also schon gekommen, dass eva herman zum sinnbild der „wahren frau und mutter“ wird, mutig und entschlossen sich allen gegnern ob mann ob weib entgegen stellend und gegen die schlimmen und bösen (linken) emanzen der frauenbewegung ankämpfend…
ich verstehe die welt nicht mehr!
vor 45 jahren hätte eine eva herman ohne die genehmigung ihres ehemannes nicht einmal einen kleinen und schlecht bezahlten frauenjob annehmen dürfen, geschweige denn eine gut bezahlte und öffentlichwirksame tätigkeit bei einer großen deutschen fernsehanstalt ausüben können. sie hätte ohne ihren ehemann auch nicht mit verlagen um buchrechte verhandeln können und ihre einnahmen wären auch nicht auf ein eigenes konto geflossen, sondern wären natürlich auch von ihrem ehemann verwaltet worden.
und wie hätte sie ohne ehemann da gestanden, vor 45 jahren? es gehörte für die frauen der 50er jahre schon sehr viel selbstbewußtsein dazu, als ledige oder geschiedene frau durchs leben zu gehen, das war nämlich eigentlich nicht für frauen vorgesehen, selbständig und selbstbewußt auf ehe und ehemann zu verzichten. unverheiratete frauen galten als „alte jungfern“ oder aber, wenn sie so attraktiv und schön wie frau herman waren, als femme fatale, mit sicherheit aber enstsprachen sie nicht den gängigen vorstellungen von einer „normalen“ frau. die hatte verheiratet zu sein und ungefähr zwei kinder zu haben. und natürlich arbeitete man nicht, es sei denn, man hatte so einen armen schlucker zum ehemann, dass man selbst zum unterhalt der familie beitragen musste – in der regel durch unterbezahlte arbeit, die gesellschaftlich nicht so rasend viel anerkennung fand. aber davon ist natürlich nicht die rede, wenn man gegen die „emanzen“ wettert!
für alle, die es nicht gewusst haben, der einfachheit halber bei wiki nachgelesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichberechtigung
„Ein wesentlicher Schritt zur Durchsetzung der Gleichberechtigung von Mann und Frau vollzog sich am 3. Mai 1957 mit einer Neuordnung der Gesetze, die im Widerspruch zum Grundgesetz standen. An diesem Tag beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts. Zuvor hatte es im Plenum heftige Debatten unter anderem über das Prinzip des Letztentscheids gegeben, das nach Ansicht der CDU/CSU den Männern in Sachen des gemeinschaftlichen Lebens eingeräumt werden sollte. In dieser Frage unterlagen die Unionsparteien knapp.Zentrale Punkte des Gesetzes über die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das am 1. Juli 1958 in Kraft trat:
-
- Das Letztentscheidungsrecht des Ehemanns in allen Eheangelegenheiten wird ersatzlos gestrichen.
-
- Die Zugewinngemeinschaft wird der gesetzliche Güterstand. Frauen dürfen ihr in die Ehe eingebrachtes Vermögen selbst verwalten. Bis dahin durften nur die Männer über das Vermögen und auch über das Einkommen aus der Erwerbstätigkeit der Frau verfügen.
-
- Das Recht des Ehemanns, ein Dienstverhältnis seiner Frau fristlos zu kündigen, wird aufgehoben (Aber erst seit 1977 darf die Frau ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein, und erst seit 1977 gilt das Partnerschaftsprinzip, nach dem es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr gibt).“
- haben die leute das schon wieder vergessen, dass die rechte der frauen nun alles andere als selbstverständlich in die allgemeine rechtssprechung und das grundgesetzt eingegangen sind.
- wären alle frauen (und männer!!!), die sich für die rechte der frauen eingesetzt haben, einzig und allein dem ideal der „fürsorglichen frau und mutter in der heilen familie“ gefolgt, gäbe es die diskussion hier gar nicht.
- ich habe gar keine neigung, die diskussion um heim und herd zu führen, wie sie uns von frau herman empfohlen wird.
- das thema betrifft mich und mein leben nicht.
- wer hier ab und zu in meinem blog liest, wird unschwer erkennen können, dass ich sowohl eine liebevolle mutter, wie eine nachdenkliche christin, eine engagierte lehrerin und ein politisch interessierter mensch bin … dass ich dabei auch fehler mache und alles andere als perfekt bin, gehört zu meinem leben dazu. ich gehöre nicht zu den frauen, die morgens schon eine liste mit all den dingen neben dem frühstücksteller liegen haben, die sie im laufe des tages routiniert und ohne wenn und aber abarbeiten. (manchmal wäre ich gern etwas kontrollierter!)
- das, was mir wichtig ist und mich ausmacht, habe ich im laufe der jahre gelernt, von meinen eltern und der familie, von engagierten freunden, durch schule und ausbildung, in meiner gemeinde, durch die vielen alltäglichkeiten in meiner eigenen familie und im beruf. es war und ist ein stetiger abgleich zwischen dem, was sein sollte – auch in bezug auf mein christsein und die damit verbunden werte und normen – und dem, was ich tatsächlich leisten kann, dem was meiner struktur entspricht und dem, worin ich mich immer wieder neu überwinden muss. es ist kein für alle zeiten festgelegter handlungsablauf. und das, was gestern ein absolutes muss war, kann morgen schon völlig nebensächlich sein.
- mein leben ist nicht statisch, es ist ein und „im“ prozess, und dennoch gibt es fixpunkte.
- darum lässt sich auch nicht einfach verordnen, vorschreiben oder empfehlen, wie ich zu leben haben oder welche werte ich vermitteln sollte.
- zu denen gehört selbstverständlich das politische engagement ebenso wie die mitarbeit in der gemeinde, das eintreten für soziale gerechtigkeit genauso selbstverständlich, wie ein bewußtes christsein mit den damit verbundenen werten und normen. wesentlich ist doch immer, dass das, was wir an kinder weitergeben, auch wirklich zu uns gehört, das wir authentisch sind, in dem was wir tun und sagen. und wir frauen sind doch unterschiedlich – durch die sozialisationsbedingeungen, die wir hatten, durch veranlagung und erziehung. was für die eine völig richtig ist, kann für die andere ein völliger graus sein.
- niemand kann mir als frau / mutter vorschreiben, wie ich meine zeit einteile, ob nun ganz für kinder und haushalt – den ehemann bitte nicht unterschlagen und vergessen – oder eben auch noch für einen beruf, der mich fordert und interessiert.
- so verstehe ich emanzipation, das herauszufinden, was mir entspricht und danach zu leben, egal, was meine nachbarin oder freundin tut, egal, was gesellschaftlich angesagt ist oder nicht. glücklich zu hause bleiben (sofern es die wirtschaftliche lage überhaupt zulässt) oder eben auch arbeiten. kinder haben und großziehen (sofern dies möglich ist) oder bewußt ehelos leben oder in einer partnerschaft ohne kinder. aber es muss doch mit mir und meinen vorstellungen und möglichkeiten in einklang sein (kompromisse eingeschlossen!). dafür haben sich die frauenbewegten in den vergangenen jahren eingesetzt und nicht dafür, den einen gültigen lebensentwurf für frauen durch einen anderen resolut und radikal zu ersetzen. die freiheit der wahl ist das entscheidende kriterium und nicht das zu wählende!
- mich erinnert die von frau herman angezettelte diskussion sehr an ein erlebnis, das ich während eines elternabends im kindergarten hatte:
- mein ältester sohn war in den kindergarten gekommen und nach einigen wochen wurden wir zum elternabend geladen. wir wurden über die allgemeinen dinge der kita ebenso informiert, wie über die gruppe, zu der unsere kinder gehörten. unweigerlich kam das gespräch auf das thema „essen und frühstück“. das frühstück brachte jedes kind selbst von zu hause mit und es ist verständlich, dass das bei den 25 kindern sehr unterschiedlich ausfiel. ein / zwei kinder hatten wohl „milchschnitten“ und ähnlich „gesunde sachen“ anstelle eines butterbrotes und obst dabei. nun machte sich eine mutter dafür stark, die kindergartenleitung solle den verzehr von milchschnitten verbieten, weil sie sonst jeden morgen stress mit ihrer tochter habe, die absolut kein butterbrot mitnehmen wolle.
- mich hat das damals in großes erstaunen versetzt! eine mutter, die eine autoritäre anweisung „von oben“ braucht, um ihrer vierjährigen tochter klar zu machen, warum sie keine milchschnitte zum frühstück mit in den kindergarten nehmen darf.
- (nachtrag von heute, 15. 10. : genauso gut muss eine mutter auch die freiheit haben zu sagen, natürlich darf mein kind eine milchschnitte mitnehmen, die versüßt meinem kind den tag in der kita, dafür gibt es dann ein gesundes mittagessen, abendbrot und frühstück daheim!)
- auch später bin ich immer wieder menschen bei elternabenden begegnet, die eine anweisung, ein verbot oder ein gebot brauchten, um sich dahinter verkriechen zu können, die sich und ihre ansichten und werte nicht wichtig und ernst genug nahmen, um sie ihren kindern vermitteln zu können.
- solchen frauen würde ein von oben verordnetes gebot zur heilen familie natürlich ganz ungeheuer helfen, ihre eigene position nicht finden und vertreten zu müssen.
- aber das haben wir frauen des 21. Jahrhunderts doch nun wirklich nicht mehr nötig!
armes ding … 11. Oktober, 2007
Posted by Rika in meine persönliche presseschau.1 comment so far
sagte man früher, wenn sich ein mädchen in eine sache verrannt hatte und darob in schwierigkeiten steckte.
armes ding!
die steigerung von „armes ding“ ist „selber schuld“, will sagen, diejenige, die da in einer mieslichen lage steckt, ist nicht so ganz zufällig in die blöde situation geraten. und klingt bei „armes ding“ noch mitleid an, so schwingt bei „selber schuld“ schon eher feine häme mit.
warum muss sie sich auch mit etwas beschäftigen, wovon sie (fast) keine ahnung hat, warum mischt sie sich in themen ein, von denen sie nichts versteht, warum bringt sie es nicht fertig, ihre „unglücklichen“ vergleiche klar zu stellen und sich deutlich von braunen mustern zu distanzieren, wieso muss sie unbedingt auch noch ein zweites buch schreiben, wo doch das erste schon ungenießbar war – wenn man denn den kommentatoren trauen darf, warum plaudert sie nicht einfach nur und überläßt das bücherschreiben anderen? „schuster, bleib bei deinen leisten!“
„Auf der Autobahn ins Abseits“ sei sie geraten, meint die haz und widmet der kühlen blonden aus dem hohen norden fast eine ganze seite!
fast eine ganz seite!!!
Imre Grimm zerbricht sich darüber den kopf, was die motive ihres tuns gewesen seien und warum sie nicht über die goldene brücke gegangen ist, die der andere vielschwätzer des zweiten deutschen fernsehens ihr ganz offensichtlich habe bauen wollen, und er spekuliert auch darüber, ob er sie habe schützen oder vollkommen demontieren wollen mit dem rauswurf ( dem freundlichen hinauskomplimentieren aus seiner sendung).
ich habe die sendung nicht gesehen. ich schau sie mir schon seit urzeiten nicht mehr an. die selbstbespiegelung und den zur schau gestellten narzismus des moderators finde ich genauso widerwärtig, wie die kostenlosen pr-kampagnen für die meisten seiner gäste.
und eigentlich empört es mich ganz maßlos, dass „meine“ zeitung dieser aktion
fast eine ganze seite im hauptteil widmet.
als hätte die welt gar keine anderen probleme, als gäbe es nichts wichtigeres und wesentlicheres als das dumme gefasel des „moderators für alles“ vom zdf und das noch dümmere geschwätz der blondine von der ard.
und sage mir hier niemand, es ginge um meinungsfreiheit. es geht um die bessere vermarktung des eigenen selbst, sowohl des moderators als auch des, der unbegabten und, wie sich zeigt, auch völlig uneinsichtigen schreiberin eines völlig überflüssigen buches.
und wenn ich dann lese, dass sowohl pi als auch theologisch sich des „armen dings“ mitfühlend annehmen, frage ich mich, ob ich noch recht bei trost bin oder doch „die“.
emma und alice … 7. Oktober, 2007
Posted by Rika in islam, meine persönliche presseschau.add a comment
ich weiß es nicht mehr so genau, wann ich die erste „emma“ kaufte,
aber es war wohl eine der ersten ausgaben überhaupt. ich legte sie damals demonstrativ und gut sichtbar auf meinen platz am lehrertisch … welch mutige tat! hatte ich mir doch von meinem damaligen schulrat die empfehlung anhören müssen, mich meiner „wahren werte als frau und mutter“ zu besinnen und ihnen gerecht zu werden. das pädagogische thema bei meiner zweiten lehrerprüfung (1975!) war „emanzipation“ gewesen, und der schulrat, ein schon älterer herr, meinte wohl, mich auf den rechten weg zurückbringen zu müssen. ich muss leise lächeln, wenn ich daran denke, denn damals hätte ich mir niemals träumen lassen, einmal vier kinder zu haben und ein durch und durch bürgerliches leben zu führen!
„emma“ begleitete mich viele jahre. irgendwann aber hörte ich auf, sie regelmäßig zu lesen, auch fand ich, dass alice schwarzer nicht zu allem und jedem ihren kommentar abgeben müsse. emma und alice als programm hatten sich (für mich) irgendwie abgenutzt.
in letzter zeit höre und lese ich wieder mit größerer anteilnahme das, was alice und emma thematisieren. und ich merke mit zunehmender aufmerksamkeit, dass keines der „alten themen“ seine brisanz, aktualität und notwendigkeit verloren hat, im gegenteil, sie sind herausfordernd wie eh und je und für viele gruppen unserer multikultigesellschaft anstößig und unbequem.
ich beobachte, dass viele freiheiten (nicht nur) junger frauen von heute wieder auf den prüfstand gestellt werden von menschen, denen diese freiheiten ein dorn im auge sind und es ist eine bittere erkenntnis, dass wir nicht aufhören können, für „emanzipation“ einzustehen, sie einzufordern und ihr geltung zu verschaffen.
ein chinesisches sprichwort sagt: lernen ist wie rudern gegen den strom, wenn du aufhörst, fließt du zurück.
das, dieses „nicht aufhören dürfen“, gilt nicht nur für das lernen. es gilt für viele bereiche unseres sozialen miteinander, wir dürfen nicht aufhören, für unsere rechte einzutreten. es gilt für uns frauen, es gilt für unser demokratieverständnis, es gilt für soziale gerechtigkeit … und … und… und!
und es gilt in ganz besonderer weise für unser selbstverständnis von einer modernen, westlichen gesellschaft, die sich ihrer vergangenheit bewußt ist, ihrer tradition ebenso wie ihrer brüche, ihrer historischen und religiösen entwickelung ebenso, wie ihrer verantwortung für die zukunft.
alice und emma sind noch lange nicht obsolet und deshalb verlinke ich hier ein interview mit alice schwarzer, das ich hier entdeckt und gelesen habe.
er scheint verrückt … 5. Oktober, 2007
Posted by Rika in islam, israel, meine persönliche presseschau.add a comment
… aber ER ist nicht verrückt!
wie sollte man es anders betrachten, heute, 62 jahre nach dem ende des zweiten weltkrieges, der, vom hitler-regime angezettelt und mit perfider gründlichkeit betrieben, nicht nur millionen von toten soldaten und zivilisten zur folge hatte, sondern auch einen schrecken offfenbarte, wie ihn die welt zuvor noch nicht gesehen hatte.
6 millionen juden umgebracht, ausgerottet!
und nun geht dieser mensch daher und stellt das in frage!
hohnlächelnd, schmähend und triumphierend, in der sicheren gewissheit, dass man ihn trotz und wegen seiner ungeheuerlichen aussagen nicht zur rechenschaft ziehen wird.
ahmadinedschad hat die stirn, zum wiederholten mal zu fordern, israel von der landkarte zu streichen. er stellt sich öffentlich hin und leugnet die shoah.
sicher, am al-kuds-tag muss er seinen leuten schon etwas bieten: hasstiraden gegen israel, drohungen und schmähungen. aber wir sollten uns nicht täuschen lassen, dieser mann meint das vollkommen ernst! kaum jemand, der damals „mein kampf“ gelesen hatte, glaubte, dass hitler seine ideen tatsächlich umsetzen würde. er wurde als utopist einfach nicht ernst genommen von denen, die seinen machtzuwachs hätten verhindern können.
und heute?
es wird abgewiegelt, verharmlost, dementiert, „richtig“ gestellt von leuten, die lieber die augen vor der wirklichkeit verschließen und im übrigen denken, dass der iran weit genug entfernt ist …
und „wir“ ja nicht gemeint sind … und solange es „nur“ israel betrifft …
… können wir doch ganz in ruhe weiter handel treiben mit dem iran und dem frieden trauen, denn, wie heißt es so schön, „islam ist frieden“!