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innenansichten… 20. April, 2007

Posted by Rika in meine persönliche presseschau, vermischtes.
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… keine statistiken, keine belegbaren berichte, keine dokumentationen, keine wissenschaftlichen analysen zu den problemen unserer zeit – einfach nur das eigene fragen zulassen.

oettinger, der amoklauf eines – wie es heißt – psychopathen, ermordete christen in der türkei, schäuble und sein „sicherheitskonzept“, putin und die demonstranten, die raf, raketenabwehrsysteme, turbokapitalismus, meinungsfreiheit, gewaltvideos, pornographische rapper, ehrenmorde, zu dicke deutsche, atommüllendlager … nur eine sehr kleine auswahl der themen, die dieser tage in deutschen zeitungen nachzulesen waren und sind … die auch mich beschäftigen …

es könnte mir schwindelig werden, mir den verstand rauben, mir die lust auf zukunft nehmen, mich ängstlich oder wütend machen oder beides …

ich könnte gegen alles sein oder mich aus allem raushalten.

ich könnte schreien oder mich verkriechen.

ich könnte eine revolution anzetteln oder beten.

wie kommt es, was ist das, das mich beunruhigt – aber doch nicht so unruhig macht, dass es mich auf die straße und zum handeln treibt?

als ich als junges mädchen meine eltern und großeltern, onkel, tanten und freunde meiner eltern auf den prüfstand stellte und sie befragte – zu hitler, den nazis, den aktionen gegen juden, die im millionenmord endeten, – hatte ich die geschichte auf meiner seite. die fehler der altvorderen waren bekannt, lagen auf der hand. die befragten konnten lediglich noch ihre persönliche stellungnahme abgeben, ändern konnten sie an den taten die ich ihnen, bzw. ihrer generation anlastete, gar nichts mehr. oft hörte ich die antwort: wir haben nicht gewußt. wir haben nicht bemerkt. wir konnten ja nichts tun!

das hat mich manchmal ganz schön wütend gemacht und ich habe meiner wütenden verachtung auch ausdruck gegeben.

was weiß ich heute, könnte ich wissen, müsste ich wissen?

wieviel von dem unsäglichen, von den berichten über das, was hier in meinem zuständigkeitsbereich passiert (die welt lasse ich in dieser auflistung mal vorläufig bei seite, dazu komme ich noch – später – vielleicht ), lasse ich an mich herankommen?

wo bin ich „betroffen“ im sinne von: ganz direkt, sehr persönlich und unmittelbar in meinem innersten angerührt, getroffen?

welche konsequenzen ziehe ich daraus?

was tue ich – außer hier zu sitzen und schreibend darüber zu lamentieren?

wo ist mein elan, mein einsatz früherer jahre geblieben, als ich noch auf die straße ging, naturgebiete durch unterschriften zu retten versuchte, sammelaktionen für die boat-people organisierte, mich im wahlkampf engagierte, gegen neonazis demonstrierte, schwerter zu pflugscharen schmieden wollte und teil von lichterketten war…?

bin ich vielleicht hartherziger, gleichgültiger, empfindungsärmer, hoffnungsloser geworden?

reichen meine schriftlichen proteste, vom pc aus an alle möglichen persönlichkeiten und institutionen geschrieben, wirklich aus?

bin ich damit nicht untergetaucht in der masse der gesichtslosen und scheinbar gleichmütigen hinnehmer?

findet das aufbegehren jetzt unter ausschluß der öffentlichkeit statt?

nur noch auf der „virtuellen straße“ des webs?

und reicht das aus?

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Kommentare»

1. Miriam Woelke - 21. April, 2007

B“H

Um auf den Amoklauf in Virginia zu sprechen zu kommen, wir besprachen das Thema heute am Shabbat. Alles waren der Meinung, dass wenn jemand dem Amoklaeufer HALLO oder irgendein freundliches Wort gesagt haette (bevor es zur Katastrophe kam), das alles vielleicht nie passiert waere. Da sieht man was es ausmacht, jemandem ein freundliches Wort zu sagen.

Miriam

2. Yael - 22. April, 2007

Die Sache ist viel komplizierter Miriam. Der Amokläufer war schon seit mehreren Jahren auffällig, unter anderem war er auch in der Psychiatrie. Auch hatten mehrere Dozenten versucht, mit ihm in Kontakt zu treten und ihm zu einer Therapie geraten. Bei ihm half, soviel man weiß, kein freundliches Wort, da er mit niemanden sprach und niemanden an sich ran ließ. Bei solch gestörten Personlichkeiten hilft dein Tipp in keiner Weise. Ich finde es, so leid es mir tut, ein wenig naiv.

Richtig ist, dass die Warnzeichen, die von ihm ausgingen, nicht sehr ernst genommen haben: seine sexuellen Belästigungen anderer Kommilitoninnen beispielsweise. Ich denke, viele hatten einfach Angst vor ihm und da wird niemand Lust gehabt haben, näheren Kontakt zu ihm zu suchen. Ich hätte da auch kein fröhliches Hallo zu ihm gesagt.


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