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ist die kirche noch bei trost? 4. Mai, 2007

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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Oder anders gefragt: glaubt sie selbst noch, was sie zu glauben lehrt und predigt?

Nämlich,

Gott zu vertrauen!

dass Glaube Berge versetzen kann!

dass Gott mehr zu gehorchen ist als den Menschen!

Alles nachzulesen in den Evangelien, die ja die Grundlage christlicher Verkündigung sind – zumindest doch sein sollten!

Ich habe da so meine Zweifel!

Wohlbegründete Zweifel!

War gestern schon in einer schmallippigen Verlautbarung und heute in einem ausführlicheren Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung doch zu lesen, dass die Evangelisch-Lutherische Kirche in Hannover Kirchen schließen oder Gemeinden mit anderen zusammen legen will, dass man im Bereich der Diakonie kräftig kürzen wolle, was zu allererst Jugend- und Seniorenarbeit betrifft, dass Gebäude verkauft werden und selbst sehr aktive Gemeinden zur Zwangsfusion mit anderen gezwungen werden sollen, weil,

ja, weil kein Geld da sei!

Sicher sind in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Kirchenaustritten die Einnahmen der Kirchen zurück gegangen. Klar, es muss sparsam gewirtschaftet werden.

Aber ausgerechnet bei der Jugendarbeit? Es sind die Kinder und Jugendlichen von heute, die später die Kirchensteuerzahler sein werden – oder auch nicht! Begeisterung für Gott, den Glauben und damit auch für die Kirche ist doch in Jugendjahren so viel intensiver und damit die Bindung an eine Gemeinde auch viel eher gegeben. Warum beraubt sich die Kirche ihrer Zukunft?

Ausgerechnet bei der Altenarbeit? Sind es nicht gerade die Alten, die in schwierigen Zeiten auch zur Kirche gehalten haben, die ihre Steuern brav bezahlt haben, auch wenn es ihnen wirtschaftlich selbst nicht so gut ging, die eben nicht auf Rosen gebettet waren? Senioren, die heute in Alteneinrichtungn leben, von Diakoniestationen zu Hause versorgt werden, in ambulante Tageskliniken oder Altenzenten gehen, weil sie sonst gar keinen Kontakt zu anderen mehr hätten? Will die Kirche wirklich ihre Alten vergessen, ausgrenzen aus ihrer Gemeinschaft? Und ist das nicht völlig konträr zu dem, was Jesus sagt und die kirchlichen Würdenträger in aktuellen Statements so gerne von der Gesellschaft einfordern?

Ausgerechnet in diakonischen Einrichtungen, die sich um die Schwachen und Notleidenden der Gesellschaft kümmern, Hilfe leisten bei Familien in Not, bei Drogenkranken, Suchtgefährdeten, Obdachlosen, bei Menschen in Krisensituationen und bei denen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stehen? Verliert die Kirche damit nicht ihr letztes Bißchen an Glaubwürdigkeit und Anerkennung bei denjenigen, die man leicht „Kirchenferne“ oder „Kirchendistanzierte“ nennt? Wird sie damit nicht generell unglaubwürdig? Entäußert sie sich nicht der wichtigsten Teile kirchlicher Arbeit neben Predigt, Taufen, Trauungen und Beerdigungen?

Ausgerechnet in den aktiven Gemeinden, die mit Geschick und unglaublichem Einsatz trotz schwieriger Bedingungen immer wieder neu attraktive Angebote für Menschen ihres Stadtteils machen, Perspektiven anbieten, Treffpunkt sind für Lelute, die über den eigenen Tellerrand schauen wollen?

Wo erfahren Menschen „Kirche“ denn noch als etwas, das für das Leben selbst relevant ist, als einen Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren, wo das , was als „Religion“ gelehrt wird unmittelbar mit dem Leben selbst zu tun hat und nicht nur im geistlich- sprirituellen Bereich ein trauriges Dasein fristet? Wo erlebt man „Kirche“ als integralen und integrativen Teil der menschlichen Gemeinschaft, wenn nicht in ihren Gemeinden und ihren Werken?

Die Kirche hat ihr ureigenstes Metier, das des Glaubens und der Hoffnung und der Zuversicht aufgegeben! An die Stelle der Gewißheit, dass Gott der HERR seiner Gemeinde ist, tritt der Glaube an Management- und Finanzberater und statt auf den Heiligen Geist verläßt sie sich auf Bürokraten und Verwaltungsfachleute!

Nein, die Kirche ist nicht mehr bei Trost, gar nicht zu reden davon, dass sie anderen Rat und Trost geben könnte. Sie ist kraftlos geworden, ängstlich bemüht, den Bestand zu wahren.

Sie wird auch den verlieren!

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Kommentare»

1. arabrabenna - 6. Mai, 2007

Die Kirche ist schon lange nicht mehr bei Trost! Deswegen bin ich vor inzwischen 7 Jahren auch ausgetreten. Ein Pfarrer, der immer nur Angst hat, die Alten zu verlieren und dabei ganz die Jugend vergißt, der privat einen anderen Glauben hat als auf der Kanzel und der mit einem faulen Kompromiß sein Amt als Pfarrer antrat. Ich konnte irgendwann nicht mehr. Und eine Kirche, die immer nur über Geld nachdenkt, anstatt zu den Menschen zu gehen und ihnen Gottes Liebe zu zeigen, und zwar in ihrer Sprache!

2. Rika - 6. Mai, 2007

Annebarbara,
ich kenne das auch, den frust und das leiden an der kirche / gemeinde!
es gab zeiten, da wäre ich auch am liebsten aus der gemeinde ausgetreten. aber die gemeinde Jesu ist mehr als die institution „kirche“ oder „baptistengemeinde“, und nach einer langen durststrecke geht es mir jetzt mit den neuen pastoren unserer gemeinde auch richtig gut.
ich wünsche dir menschen und christliche gemeinschaft bei denen du Gottes Liebe erfahren und weitergeben kannst.
liebe grüße,
rika

3. arabrabenna - 7. Mai, 2007

Liebe Rika!
Ich habe ja längst eine gemeinde gefunden, nur kommt der Frust manchmal doch noch hoch. Eigentlich sollte man ja seine Gemeinde vor Ort haben (wir fahren immer 30 km). Die neue Gemeinde ist noch jung und klein, aber die Menschen wollen die Leute um sich herum erreichen, was man hier auf dem Dorf leider weniger behaupten kann. Hier im Osten gibt es sehr viele Atheisten, bzw. Menschen, die wirklich noch nie etwas von Gott, geschweige denn Jesus gehört haben. Erst die braunen und dann die roten haben da wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Saat ist aufgegangen.
Ich habe noch guten Kontakt zu einem Frauenkreis vor Ort ,in dem ich auch aktiv mitarbeite. Das ist eine gute Gemeinschaft und uns allen ist egal, zu welcher Art von Gemeinde jeder so gehört.
So, ich muß erst mal los, iThemba tritt heute in Görlitz im Gefängnis auf und ich muß mit. Liebe Grüße!!!

4. Nun jammern sie… | himmel und erde - 6. März, 2014

[…] Aber konnte man das nicht schon lange kommen sehen? […]


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