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lernresistent … 12. Juni, 2007

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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das hat nicht unbedingt etwas mit dummheit zu tun, es kann auch bedeuten, dass jemand über eine ungemein große beharrlichkeit verfügt, mit der er -trotz aller mißerfolge – immer wieder versucht, ziele zu erreichen.

oder auch: aus schaden wird noch lange nicht jeder klug!

so kann man in den online-nachrichten der ZEIT lesen, dass die usa darüber nachdenken, bei ihren friedensbemühungen im irak sunnitische gruppen in den kampf gegen das al quaida-netzwerk einzubeziehen.

das bedeutet doch auch, dass diese sunnitischen gruppen mit waffen ausgerüstet werden und mit der nötigen logistischen unterstützung durch die usa rechnen können. man liest mit staunen, dass aber just diese gruppen ehedem mit al quaida paktiert haben, nun aber gegen sie antreten wollen. (über das, was den sinneswandel tatsächlich bewirkte, erfährt man weniger viel.)

mich erinnert das auf fatale weise an die geschichte, als weiland streng islamisch-sunnitische gruppen in afghanistan antraten, die macht im bürgerkrieg an sich zu reißen. heute firmieren diese streng islamisch-sunnitischen gruppen unter dem namen Taliban und sind eng mit dem al quaida-netzwerk verbandelt. die usa bemühen sich nach kräften, sie aus dem land zu treiben und überhaupt am besten allesamt dingfest zu machen.

denn die taliban stören den friedlichen wiederaufbau des zerstörten afghanistan und verhindern mit macht die so heiß herbei gesehnte demokratie daselbst.

erinnern wir uns: um die macht in afghanistan tobte ein langer und verheerender bürgerkrieg in den die sowjetunion mit dem vorwand eingriff, die wahren demokraten der kommunistischen demokratischen volkspartei unterstützen zu müssen. die aufrichtigen gotteskrieger, mudschahedin genannt, hatten ganz entschieden etwas gegen die sowjets und wollten sie vertreiben. und weil auch pakistan die kommunistisch-sowjetischen demokraten im nachbarland mit skepsis betrachteten, unterstützten sie mehr oder weniger offen die gotteskrieger.

und wie wir alle wissen, waren die kommunisten schon immer und die sowjetunion sowieso den usa ein dorn im auge und stachel im fleisch, so dass auch sie die mudschahedin reichlich mit waffen versorgten für ihren befreiungskrieg.

aber die zeiten ändern sich und meinungen und menschen eben auch. zwar waren die tapferen dschihadisten bereit, die waffen aus amerika zu beziehen, aber nicht geneigt, ebenso lebensstil und lebensart samt demokratie westlicher prägung zu importieren. (das mit der westlichen prägung war ja schon ein paar jahre zuvor im iran kläglich gescheitert – der scha war ziemlich demokratie-resistent und die nachfolgenden ajatollahs träumten nur vom gottesstaat auf erden, den sie ja auch errichteten und mit hilfe der übrig gebliebenen waffen aus der schah-zeit gegen das böse saddam-regime im irak erfolgreich verteidigten … bitte diesen klitzekleinen exkurs zu entschuldigen!)

naja, und nun galt es für die wieder erstarkten gotteskrieger eben, den westlichen satan zu bekämpfen. und da man ja schlecht in offener feldschlacht gegen das amerikanische böse ankämpfen konnte, verlegte man sich auf das schon gegen israel „bewährte“ terrorsystem, hinterhältig, gemein und in seiner wirkung ungemein effektiv.

mit dem 11. september war die terroristische bedrohung ganz offensichtlich und ihre urheber wurden in al quaida und den gefolgsleuten ausgemacht.

selbstverständlich muss man den terror dort bekämpfen, wo er in erster linie beheimatet ist und seine kämpfer rekrutiert.

afghanistan wurde von den taliban befreit und der irak von seinem menschenverachtenden diktator, der im verdacht stand, die welt mit chemikalischen, biologischen und wohlmöglich gar atomaren waffen vernichten zu wollen.

beide kriegsschauplätze bieten wenig anlaß zu der hoffnung, dass friede und wohlstand die menschen glücklich leben läßt. die erneute terrorgefahr durch taliban und al quaida wächst von tag zu tag … und gleichzeitig macht sich im iran ein (verrückt erscheinender) präsidente und streng islamischer verfechter des wahren glaubens und kämpfer gegen das von ihm so genannte „zionistische gebilde“ daran, atomwaffen fähiges material her zu stellen …!

tägliche anschläge im irak machen gleichzeitig sehr deutlich, dass „der frieden“ nicht zu befehlen ist und den militärisch errungenen siegen noch lange nicht auch zivile überzeugungen und einsichten in die vermeintlich neu gewonnenen freiheiten folgen müssen…

da schiiten, amerikaner und verbündete freunde im irak nicht allein für frieden sorgen können, müssen die sunniten …. wie war das doch gleich mit teufel und belzebub?

aber das ist eine andere geschichte.

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Kommentare»

1. beer7 - 13. Juni, 2007

Rika,

der Grund, warum sunnitische Bevoelkerungsgruppen im Irak sich von Al-Qaida abwenden, sollte einleuchtend sein. Seit langen sind ganz normale irakische Buerger ueberwiegend die Opfer von Anschlaegen. Die Sunniten moegen davon getraeumt haben, zusammen mit Al-Qaida die Besatzer aus dem Land zu treiben und die Vorherrschaft im Staat wieder an sich zu reissen. Diese Traeume duerften aber verblassen, wenn Verwandte und/oder Freunde durch Terroranschlaege ums Leben kommen oder verletzt werden.

Den Sunniten grosso modo zu unterstellen, dass sie eine kuenftige Terrororganisation seien, finde ich falsch. Natuerlich kann es passieren, dass sie – wenn sie sich irgendwann einmal stark genug fuehlen – mit Gewalt an die Regierung kommen wollen. Das Risiko besteht ausser bei den Quaekern wohl bei jeder halbwegs homogenen Bevoelkerungsgruppe.

In den USA hat jeder Buerger das Recht auf bewaffnete Selbstverteidigung. Wenn die USA den irakischen Sunniten dieses Recht absprechen wollten, muessten sie einen so wirksamen Polizeischutz aufbauen, dass von den Sunniten verlangt werden koennte, auf dieses Recht zu verzichten. Ist das realistisch?

2. Rika - 13. Juni, 2007

„Den Sunniten grosso modo zu unterstellen, dass sie eine kuenftige Terrororganisation seien, finde ich falsch“
oh, ich habe nicht gedacht, dass mein beitrag so interpretiert werden könnte!
ich denke aber doch, dass eine aus der not geborene allianz so unterschiedlicher „systeme“ auf die dauer nicht gut gehen kann.
ich lehne das recht auf bewaffnete sebstverteidigung in funktionierenden demokratischen rechtsstaaten grundsätzlich ab!
(die betonung liegt auf „bewaffnet“!)
und wohin unkontrollierter waffenbesitz in schwierigen zeiten führt, machen uns die palästinenser ja gerade sehr eindrucksvoll vor!
DAS kann man ja nun wirklich nicht mehr befürworten!

3. beer7 - 13. Juni, 2007

Dann lehnst Du wohl auch das Recht auf bewaffnete Selbstverteidigung in den USA ab? Auch in Israel und in der Schweiz ist Schusswaffenbesitz weit verbreitet. Der Waffenbesitz allein fuehrt nicht zu pal. Zustaenden und schwierige Zeiten auch nicht.

Ich habe ziemlich viel zum Thema recherchiert, als die US-Waffengesetze in Europa so einhellig fuer das Massaker in Virginia-Tech verantwortlich gemacht wurde.

Eine solch einfache Korrelation ist nicht nachweisbar.

4. Rika - 14. Juni, 2007

Ruth,
ja, ich lehne auch die bewaffnete selbstverteidigung in den usa ab.
ich habe deine diskussion zum thema „waffen und amokläufe“ intensiv verfolgt. ich glaube dir, dass so eine korrelation nicht nachzuweisen ist.
das mag natürlich auch am statistischen verfahren liegen, aber da ich die statistiken nicht kenne und selber auch keine großartige statistikerin bin (trotz 4 sem. mathematische methoden in meinem psychologiestudium! 😉 ), will ich diesen aspekt nicht weiter verfolgen.
der waffenbesitz in amerika ist vermutlich historisch bedingt und geht zurück in die zeit des aufbruchs in den wilden westen, als noch das recht des stärkeren galt – bis dies von allgemeinen und verfaßten rechten abgelöst wurde.
heute besteht aber gar keine notwendigkeit mehr, das recht in die eigenen hände zu nehmen. wozu soll also ein „selbstverteidigungsrecht“ unter waffen gut sein?
ich sehe eher den psychologischen aspekt bei dieser frage: wenn ich „mein gutes recht“ mit allen mitteln meine verteidigen zu müssen, bedeutet das doch im umkehrschluß möglicherweise auch, dass ich dem „öffentlichen recht“ nicht traue! nur was ich selber regeln kann und darf , empfinde ich in meinem sinne als „recht“ und gerecht.
das heißt, es fällt mir schwer, zugunsten einer übergeordneten „macht“ auf meine eigene macht (hier in form von waffenbesitz) zu verzichten.
natürlich weiß ich, dass die wenigsten waffenbesitzer gebrauch von der waffe machen, um ihrem recht nachdruck zu verleihen.
aber es ist dieses gefühl des „mach(t)baren“, das das denken mit bestimmt und den glauben an die eigene stärke.
das ist meiner meinung nach nicht in jedem fall positiv.
was die schweiz angeht, die hat doch auch die tradition, dass die wehrfähigen männer ihre ausrüstung zu hause haben – ich meine, dies gelesen zu haben; vermutlich werden viele ein gewehr im schrank stehen haben, oder? was sagt die „Schwyzer Expertin“?
und israel, auch da ist es doch ähnlich, oder? und angesichts der vielen terroranschläge doch nur zu verständlich, dass viele leute eine waffe haben.
wie oft habe ich schulklassen beobachtet, die von einem bewaffneten schomer begleitet wurden bei ihren ausflügen…
gar keine frage also!

5. grenzgaenge - 14. Juni, 2007

liebe rika,

ich stimme ruth voll zu.

die frage ist einfach ob es nicht sinnvoll und moralisch vertretbar ist

a) das eigene leben zu retten indem man selbst den angreifer toetet, nach deiner definition das recht selbst ausuebt.

b) ob nicht menschenleben durch den besitz von schusswaffen gerettet werden koennen, z.b. durch die benutzung der eigenen schusswaffe.

ich meine bei deiner argumentation ein wenig den slogan „schwerter zu pflugscharen“ heraus zu hoeren. kann das sein ?

viele gruesse,
grenzgaenger

6. Rika - 14. Juni, 2007

„ich meine bei deiner argumentation ein wenig den slogan “schwerter zu pflugscharen” heraus zu hoeren. kann das sein ?“
nein, ganz entschieden nein!
ich sehe nur für die usa keinerlei notwendigkeit, das recht in die eigenen hände zu nehmen, auch nicht das recht, sich mit waffengewalt zu verteidigen!
ich schätze, die statistik würde gut belegen, dass viele opfer von gewalt durch die verteidigung mit hilfe einer waffe umgekommen sind.
kannst du dir vorstellen, dass die wildgewordenen nazis in deutschland auch noch mit schußwaffen rumlaufen dürfen?
ich nicht!
es reicht doch schon, dass sie verbale gewalt und körperliche gewalt durch prügel ausüben.
für mich wäre es ein horrorszenario, wenn jeder in deutschland das recht hätte, sich mit der schußwaffe in der hand zu verteidigen!
messerstechende albaner, türken und andere migranten nebst durchgeknallten einheimischen reichen mir schon!
schau dir die zeitungen und die statistiken an!
und ich sagte ja ausdrücklich, dass ich für israel andere maßstäbe anlege. aber meines erachtens besteht dafür in westeuropa und für die usa überhaupt kein grund.
bisher!
wenn die zeiten sich ändern, werde auch ich meine position überdenken!
da halte ich es mit meinem mann, der gesagt hat, er sei zur bundeswehr gegangen, weil er sich grundsätzlich habe vorstellen können, sich und seine familie gegen angreifer (auch im ganz persönlichen bereich) zu verteidigen und dabei den tod eines menschen in kauf zu nehmen!
aber – noch – sind bei uns die städte und gemeinden weitgehend friedlich und man muss nicht mit dem revolver im gürtel durch die straßen ziehen.
(nachdem bei uns eingebrochen wurde, hatte mein mann allerdings monatelang ein kleines beil unter seinem bett liegen! ich glaube aber, es diente mehr seiner psychischen befindlichkeit. es ist auch niemals etwas danach wieder passiert!)

nix pflugscharen und nix (billiger) pazifismus, also!
liebe grüße von der durchaus wehrhaften rika

7. beer7 - 17. Juni, 2007

Ein gewisses Misstrauen gegenueber dem Staat scheint mir nicht unangebracht.

In der Schweiz hat nicht nur jeder Milizionaer seine Waffe zuhause, sondern der Waffenerwerb wird durch keine Lizenz regelmentiert.

8. Rika - 17. Juni, 2007

„Ein gewisses Misstrauen gegenueber dem Staat scheint mir nicht unangebracht.“

liebe Ruth, natürlich d’aacord!
und ich hoffe inständig, dass es genügt, wenn ich in extremen fällen mein misstrauen durch eine klage vor gericht „klären“ lassen kann, gab es doch schon zeiten, in denen der bürger dieses staates völlig rechtlos war!
liebe grüße nach beersheva –
wie ist dort die lage angesichts der zustände um fatah und hamas?


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