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gaza und bemerkenswerte selbsterkenntnis… 20. Juni, 2007

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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GAZA

kein thema mehr in unserer heutigen tageszeitung, nicht mal mehr eine randnotiz.

die zeit online widmet gaza zwar eine themensammlung, berichtet aber unter den nachrichten über die empörung der empörten (die, die immer gleich die fahnen verbrennen und so…). der spiegel-online rückt israel – wen sonst – ins zentrum und schreibt über israelische luftangriffe auf gaza und beschäftigt sich ansonsten mit dem dauerthema „islam“ – rushdie einerseits und schleieraufgabe andererseits.

ganz anders bei zeit-online:

in der morgigen printausgabe der zeit wird ein aufsatz Hazem Saghiehs erscheinen (von Jörg Lau übersetzt), der einige bemerkenswerte ansichten enhält, die vom üblichen „nur israel ist schuld“ abweichen, wenngleich auch Saghieh (natürlich) nicht darauf verzichten kann, israel des brutalen verhaltens den palästinensern gegenüber zu bezichtigen. aber er schlägt auch andere töne an, wie man heute schon online lesen kann:

„Mancher verweist auf die amerikanische und israelische Politik, …. Diese Politik war oft so brutal, eigennützig oder einfach dumm, dass sie ohnehin schon feindselige Haltungen unter den Arabern nur verstärken konnten.
Aber dieses Argument droht den Kern der Sache zu verschleiern. Die gegenwärtige Lage im Nahen Osten ist das Ergebnis einer Kulturkrise, die man nicht sieht, wenn man die Lage nur von einem politischen Standpunkt aus betrachtet.“

damit deutet er an, dass es tiefer liegende gründe für das chaos gibt, das mit palästinensicher „politik“ einhergeht, die – unabhängig von israel oder den usa – in der historischen entwicklung und ihrer mangelnden aufarbeitung der arabisch-islamischen, kulturellen und religiösen besonderheiten zu suchen sind.

und weiter:

Es ist kein Zufall, dass unser arabischer »Widerstand« immer nur Chaos und Fragmentierung produziert – im Irak, in Palästina und im Libanon. Man kann eben keinen »nationalen Befreiungskrieg« führen, wenn man keine Nation ist. Wir haben vorstaatliche Formationen (Sekten, Stämme, Ethnien), die mit poststaatlichen Ideologien hantieren (Panarabismus, Panislamismus). Das ist ein Rezept für ewige gegenseitige Rachefeldzüge.“

mit anderen worten, er beklagt, dass sich die oben genannten gesellschaften selbst gar nicht als „nation“ empfinden, sondern in sich selbst zerrisen, ja sogar verfeindet sind – was ja im irak besonders deutlich hervortritt.

weiter führt er aus:

Die arabischen Gesellschaften haben es nicht geschafft, eine moderne säkulare Legitimationsbasis für ihre Staaten zu entwickeln. Sie blieben beim Islam oder bei tribalen Loyalitäten als Quellen der Legitimität stehen. Der Nationalstaat hat im arabischen Boden nie tiefe Wurzeln schlagen können. Die vielen konkurrierenden Identitäten – man ist gleichzeitig Muslim, Araber, Bürger eines Landes und Mitglied einer religiösen und ethnischen Gruppe – führen dazu, den politischen Bereich unter Druck von seiten lauter nichtpolitischer Faktoren zu setzen. Eine säkulare, ausdifferenzierte, rationale Politik kann so nicht funktionieren.“

auch europa kannte diese phasen der zersplitterung und identitätskrisen, die schwierige loyalität zu kirche und herrschaft, die vereinnahmung der bürger ohne das recht auf zustimmung oder ablehnung vorgeschriebener glaubens-, meinungs- oder rechtsfragen.

und es hat noch lange nichts mit politischem sachverstand oder gar POLITIK zu tun, lediglich „dagegen“ zu sein, wie er weiter deutlich macht:

„Unsere Bereitschaft, despotische Regime zu akzeptieren, bloss weil sie behaupten, gegen Imperialismus und Zionismus« zu stehen, ist extrem bezeichnend. Überall im Nahen Osten sind Menschen bereit, erschreckend rückständige und fanatische Bewegungen auf der Basis zu verteidigen, sie seien ein Produkt des »Widerstands«. Sie weigern sich, etwa die iranische Einflußnahme in arabische Angelegenheiten – durch die Unterstützung der Hamas – zu kritisieren, obwohl sie wissen, das dieser »Anti-Imperialismus« nichts bringt und brutale Rückschläge heraufbeschwört. Wir neigen dazu, Siege auszurufen, wo es sich um das Gegenteil handelt. Diese chronische Sucht nach Triumphen konnte man zuletzt im Konflikt zwischen Israel und Hisbollah am Werk sehen. Hisbollah erklärte einen »göttlichen Sieg«, obwohl der Libanon, mein Heimatland, verwüstet worden war.“

er fasst zusammen:

„Die arabischen intellektuellen tragen eine besondere Verantwortung, weil sie dieses Verhalten jahrzehntelang entschuldigt haben. Sie haben Despotismus und Bürgerkrieg so lange gerechtfertigt, wie sie glaubten, dass es ihrer Agenda nütze.

So kann es einfach nicht mehr weitergehen. Wir werden morgen nicht auf einem Bett aus Rosen aufwachen. Wahrscheinlich wird die Lage sich noch lange weiter verschlechtern. Ein Grund mehr, endlich mit einer realistischen Selbsterforschung zu beginnen.“

vielleicht gibt es zu dieser „Selbsterforschung“ keine alternative, selbst dann nicht, wenn sie die gefahr in sich birgt, den völligen zusammenbruch der feudalen und diktatorischen strukturen herbei zu führen und damit möglicherweise dem islam der gotteskrieger noch mehr raum zu geben.

das allerdings würde die gefahr für israel ins unermessliche potenzieren.

   
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Kommentare»

1. grenzgaenge - 24. Juni, 2007

a song for gilad – bitte verbreitet dieses lied als zeichen gegen das vergessen !

http://grenzgaenge.wordpress.com/2007/06/24/a-song-for-gilad/


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