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septemberkinder … 26. September, 2007

Posted by Rika in familie.
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als ich vor 29 jahren nach dem anfangsverdacht durch meinen gynäkologen die gewißheit bekam, schwanger zu sein, freute ich mich natürlich riesig. aber es sollten ja noch soooo viele wochen, nein monate vergehen, bis unser kind geboren werden würde! im februar hatte der arzt mir vorausberechnet, dass der geburtstermin der 2. september sein würde.

viel zeit also für namensuche und wäschebeschaffung, auswahl der wiege und des kinderwagens, der wickelkommode und all der vielen utensilien, die man so für ein baby braucht. zeit für arbeit und studium, prüfungen und schwangerschaftsgymnastik … und endlich, endlich rückte DER termin näher und näher. doch der 2. september verging ohne nennenswerte ereignisse und auch die darauf folgenden tage waren ruhig und beschaulich.

ich war eigentlich ganz dankbar für den aufschub, musste und wollte ich doch noch die alte eckbank fertig abschleifen, um sie dann blau zu streichen, die dazu gehörenden stühle und den tisch ebenso! außerdem waren wir damit beschäftigt, unsere zelte in göttingen abzubrechen und in hannover neu aufzuschlagen. der liebste gatte hatte seit dem 1. august dort eine neue arbeitsstelle und pendelte nun hin und her…

damals galt ich mit meinen 28 jahren und 11 monaten als sogenannte „spätgebärende“ und musste deshalb alle nasenlang zur fruchtwasserkontrolle in die praxis meines gynäkologen. es war aber alles bestens … und dann strahlten auch eckbank, tisch und stühle in neuem blau und das kind konnte kommen!

und es kam!

d. h. es machte sich auf den weg! wir hatten noch einen bummel durch göttingens schöne altstadt gemacht und einen wahrhaft riesigen herbstblumenstrauß gekauft … waren dann wie üblich in der mensa beim mittagessen, als ich ein ziemlich heftiges, mir bis dahin doch völlig unbekanntes ziehen verspürte … senkwehen hatte ich natürlich schon vor ein paar wochen gehabt, aber die waren irgendwie anders … im mensa-cafe gab es noch herrlich leckeren pflaumenkuchen !!! … hätte ich auf den verzichten sollen? mitnichten! außerdem quatschten wir gerade so schön mit dem ehemaligen arbeitskollegen des liebsten gatten, der uns – mit blick auf meinen wunderbar runden bauch – alles gute wünschte …

inzwischen hatte sich weiteres ziehen ereignet und da ich durch das schreiben meiner vordiplomarbeit, die sich mit der psychischen situation der frau vor, während und nach der geburt beschäftigte, bestens mit allen abläufen vertraut war und demzufolge die minutenabstände genau notierte —ja, jaaa! beim ersten kind macht man das noch so!!! – hielten wir es für angemessen, nach hause zu fahren und die kliniktasche, die griffbereit schon seit wochen!!! im schrank stand, hervorzuholen.

die kontraktionen kamen gleichmäßig im abstand von 5 minuten – zeit für die klinik, dachten wir und machten uns auf den weg.
nun ist das aber mit erstgebärenden so, dass das geburtsgeschäft länger dauern kann, darum schlugen uns (sie meinten aber eigentlich nur mich) arzt und hebamme vor, doch zwei von diesen wunderpillen zu nehmen, die den ganzen prozeß erst mal zur ruhe bringen sollten und dann am nächsten morgen mit frischer kraft zu starten. vermutlich hatten die einfach keine lust auf eine langweilige nacht! wir aber schon! wir wollten das kind nach möglichkeit noch vor mitternacht begrüßen, dann wäre es am geburtstag des großvaters geboren worden … also ließ der liebste gatte die pillen in seiner jackentasche verschwinden, ich legte mich brav ins bett und ruhte! … was man so ruhen unter den wehen nennt … gegen mitternacht, ich war weit davon entfernt, das kind bereits jetzt gebären zu können – muttermund und so -, wurde die fruchtblase gesprengt und nun hatte ich endlich die gelegenheit, das anzuwenden, womit ich mich theoretisch gründlich auseinandergesetzt hatte… atmen, entspannen, atmen, entspannen … atmen … atmen … atmen … der liebste gatte stoppte die intervalle mit der stoppuhr … sagte mir den beginn der nächsten kontraktion an und gab mir den rhythmus für die atmung vor – wir waren ein sehr gut vorbereitetes und eingespieltes team … … … und dann endlich ,

um 6.02 war er da, unser sohn …

… an einem strahlend schönen samstagmorgen im september, genau eine woche nach dem errechneten geburtstermin !

ein schönes kind!

wunderschön!

das schönste allen neugeborenen kinder!

NATÜRLICH !!!

zwei jahre später war es wieder ein strahlend schöner september. wieder war der geburtstermin vertrischen – für unser zweites kind nämlich. die schwangerschaft war nach anfänglichen komplikationen problemlos und schön verlaufen, wir freuten uns alle auf das baby. und wieder bekam ich am 8. september gute wehen, nur das mir das diesmal gar nicht in den kram passte, schließlich wollte ich mit dem schon vorhandenen sohnemann geburtstag feiern, seinen 2. ! immerhin. nach einer kleinen unwillensbekundung hörten die wehen tatsächlich auf und wir feierten am 9. einen sehr schönen kindergeburtstag, den ersten, den er ganz bewußt so erlebte, mit geburtstagsständchen samt kerzen, kakao, kaffee und kuchen, oma und opa, schwangerer tante, schwangerer freundin (meiner, natürlich!) und allem was sonst noch dazu gehört. aber vermutlich hatte ich meinen unwillen ein wenig zu heftig geäußert. mein bauch war beleidigt, es rührte sich nichts mehr.

nach der fruchtwasseruntersuchung am darauf folgenden tag, saß ich mißmutig am eßtisch meiner freundin, mit der ruhe in meinem bauch heftig hadernd, als plötzlich und völlig unvermutet das diesmal schon bekannte ziehen einsetzte. ich rief den vater an der fh an, der kam schnellstens, wir brachten den sohnemann zum mittagschläfchen ins bett, überließen ihn der obhut der oma und fuhren in die klinik. der chefarzt war gerade beim zahnarzt und sein stellvertreter meinte, das könne noch dauern, ich dürfte mich aber trotzdem schon mal in den kreisssal begeben ( heißt das heute eigentlich immer noch so?)! diesmal musste mir der beste gatte nicht die wehen mit der stoppuhr ansagen, oh freude der technik, ich hing an einem wehenschreiber … es piepte und pochte, rauschte und pulsierte aus allen möglichen gerätelautsprechern, dass mir hören und sehen verging – bei solcher piepserei kann sich doch kein mensch auf seine arbeit konzentrieren!!! piep, piep piep piep … doch bei jeder kontraktion wurde das pochen immer langsamer … die herzschläge des kindes setzten vor dem (am wehenschreiber abzulesenden und auch deutlich spürbaren) höhepunkt der wehe ganz aus und kamen dann ganz langsam wieder … irgendetwas schien nicht zu stimmen … ich bekam diese eklig riechende sauerstoffmaske über die nase und befolgte genau die anweisungen der hebamme …

16.58h

kam er zur welt, unser sohn, die nabelschnur zierend um den hals geschlungen, aber putzmunter und gesund! er war nun da, der kleine bruder! und natürlich war er das schönste baby der ganzen station! was sag ich, der ganzen großen stadt hannover! der ganzen welt! und wie stolz war der große bruder auf das kleine brüderchen!!!

im februar 1984 bekamen die brüder – die jungsbrüder, wie sie später in der familie heißen sollten – eine kleine schwester!

und die turnte  ein jahr später an einem sonnigen samstagnachmittag im september vergnügt an mir herum. ich war mit mir und der welt vollkommen zufrieden, mein bauch war rund und kugelig-schön, eine gute und problemlos verlaufene schwangerschaft ging dem ende entgegen, ich ließ mir pflaumenkuchen und kaffee schmecken und sah entspannt und gelassen den nächsten tagen entgegen, konnte ich doch davon ausgehen, dass noch ein paar tage bis zur geburt des vierten im bunde der rasselbande verstreichen würden, schließlich hatte ich auf alle kinder eine weile nach dem eigentlichen termin – der war an diesem samstag – warten müssen. plötzlich gab es in mir einen hellen ton und ich spürte, dass sich eine warme flüssigkeit unter mir ausbreitete…

zum glück war die oma schon seit ein paar tagen im haus – man kann ja nie wissen! und so zogen wir wohlgemut ins krankenhaus – inzwischen hatten wir ja schon einige übung im kinderkriegen. doch der arzt, der mich untersuchte, war mit dem befund alles andere als zufrieden. das kind lag quer in meinem bauch und zu allem überfluß war ein ärmchen schon in den geburtskanal gerutscht. kaiserschnitt also!

der arzt spritzte ein wehen hemmendes mittel, das op-team wurde einbestellt … der oberarzt kam im feinen dress von einer geburtstagsgartenparty … und dann lag ich da, wohlpräpariert auf dem op-tisch, der anästhesist neben mir, bereit, mich in einen tiefen schlaf zu schicken … ich sah auf die uhr an der wand: 18. 52 h., „um sieben wird ES wohl da sein“, dachte ich noch und „HERR, erbarme dich“, mehr konnte ich nicht bitten und beten! als ich wieder zu mir kam hörte ich stimmen um mich herum und irgendwie muss ich wohl so etwas gesagt haben wie „mein baby, mein bauch, wo ist B…“, jemand sagte: „nun zeigen sie der frau doch das kind!“ und wieder ein anderer jemand hielt mir ein bündel vors gesicht und ich konnte ein kleines gesichtchen mit einer riesengroßen nase* sehen, dann wurde mir wieder ganz schwarz vor augen.

später hat man mir dann gesagt, dass „ES“ – unser 4. kind und 3. sohn – tatsächlich um 7.00 h geboren wurde, es dann aber komplikationen gegeben hatte und es schon kurz vor 9.00h war, als man mich aus dem op schob. mein mann hatte unser kind in dieser welt begrüßt und dann lange mit ihm im arm darauf gewartet, dass auch mit mir alles gut werden würde.

meine septemberkinder (und das februarkind natürlich auch!) sind große und wunderbare menschen geworden und ich bin dankbar, dass ich das miterleben durfte.

wir haben im september viel zu feiern …

* ach ja, die nase ist völlig normal! übermorgen feiert er geburtstag!

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Kommentare»

1. schariagegner - 29. September, 2007

Was für eine schöne Geschichte.

Und es ist doch schön, wenn ein Kind einen ‚eigenen Geburtstag hat‘ (Blödsinn, hat es sowieso) und nicht ‚den von Opa‘.

Mein Sohn, nun 20, wurde einen Tag nach meinem Geburtstag geboren. Das war uns beiden 😉 nun, das war, damals: mir sehr recht. Und heute freuen sich Sohn und Mutter über den, dass keiner des anderen Geburtstag vergessen kann .

Mit gutem Gruß
Schariagegner
http://schariagegner.wordpress.com/

____
PS
Filmtipp:
“Novembermond“ (D/F 1985),
Geschichte über eine Jüdin im III. Reich


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