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emma und alice … 7. Oktober, 2007

Posted by Rika in islam, meine persönliche presseschau.
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ich weiß es nicht mehr so genau, wann ich die erste „emma“ kaufte,

aber es war wohl eine der ersten ausgaben überhaupt. ich legte sie damals demonstrativ und gut sichtbar auf meinen platz am lehrertisch … welch mutige tat! hatte ich mir doch von meinem damaligen schulrat die empfehlung anhören müssen, mich meiner „wahren werte als frau und mutter“ zu besinnen und ihnen gerecht zu werden. das pädagogische thema bei meiner zweiten lehrerprüfung (1975!) war „emanzipation“ gewesen, und der schulrat, ein schon älterer herr, meinte wohl, mich auf den rechten weg zurückbringen zu müssen. ich muss leise lächeln, wenn ich daran denke, denn damals hätte ich mir niemals träumen lassen, einmal vier kinder zu haben und ein durch und durch bürgerliches leben zu führen!

„emma“ begleitete mich viele jahre. irgendwann aber hörte ich auf, sie regelmäßig zu lesen, auch fand ich, dass alice schwarzer nicht zu allem und jedem ihren kommentar abgeben müsse. emma und alice als programm hatten sich (für mich) irgendwie abgenutzt.

in letzter zeit höre und lese ich wieder mit größerer anteilnahme das, was alice und emma thematisieren. und ich merke mit zunehmender aufmerksamkeit, dass keines der „alten themen“ seine brisanz, aktualität und notwendigkeit verloren hat, im gegenteil, sie sind herausfordernd wie eh und je und für viele gruppen unserer multikultigesellschaft anstößig und unbequem.

ich beobachte, dass viele freiheiten (nicht nur) junger frauen von heute wieder auf den prüfstand gestellt werden von menschen, denen diese freiheiten ein dorn im auge sind und es ist eine bittere erkenntnis, dass wir nicht aufhören können, für „emanzipation“ einzustehen, sie einzufordern und ihr geltung zu verschaffen.

ein chinesisches sprichwort sagt: lernen ist wie rudern gegen den strom, wenn du aufhörst, fließt du zurück.

das, dieses „nicht aufhören dürfen“, gilt nicht nur für das lernen. es gilt für viele bereiche unseres sozialen miteinander, wir dürfen nicht aufhören, für unsere rechte einzutreten. es gilt für uns frauen, es gilt für unser demokratieverständnis, es gilt für soziale gerechtigkeit … und … und… und!

und es gilt in ganz besonderer weise für unser selbstverständnis von einer modernen, westlichen gesellschaft, die sich ihrer vergangenheit bewußt ist, ihrer tradition ebenso wie ihrer brüche, ihrer historischen und religiösen entwickelung ebenso, wie ihrer verantwortung für die zukunft.

alice und emma sind noch lange nicht obsolet und deshalb verlinke ich hier ein interview mit alice schwarzer, das ich hier entdeckt und gelesen habe.

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