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eva herman und die frauenbewegung … 14. Oktober, 2007

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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soweit sind wir also schon gekommen, dass eva herman zum sinnbild der „wahren frau und mutter“ wird, mutig und entschlossen sich allen gegnern ob mann ob weib entgegen stellend und gegen die schlimmen und bösen (linken) emanzen der frauenbewegung ankämpfend…

ich verstehe die welt nicht mehr!

vor 45 jahren hätte eine eva herman ohne die genehmigung ihres ehemannes nicht einmal einen kleinen und schlecht bezahlten frauenjob annehmen dürfen, geschweige denn eine gut bezahlte und öffentlichwirksame tätigkeit bei einer großen deutschen fernsehanstalt ausüben können. sie hätte ohne ihren ehemann auch nicht mit verlagen um buchrechte verhandeln können und ihre einnahmen wären auch nicht auf ein eigenes konto geflossen, sondern wären natürlich auch von ihrem ehemann verwaltet worden.

und wie hätte sie ohne ehemann da gestanden, vor 45 jahren? es gehörte für die frauen der 50er jahre schon sehr viel selbstbewußtsein dazu, als ledige oder geschiedene frau durchs leben zu gehen, das war nämlich eigentlich nicht für frauen vorgesehen, selbständig und selbstbewußt auf ehe und ehemann zu verzichten. unverheiratete frauen galten als „alte jungfern“ oder aber, wenn sie so attraktiv und schön wie frau herman waren, als femme fatale, mit sicherheit aber enstsprachen sie nicht den gängigen vorstellungen von einer „normalen“ frau. die hatte verheiratet zu sein und ungefähr zwei kinder zu haben. und natürlich arbeitete man nicht, es sei denn, man hatte so einen armen schlucker zum ehemann, dass man selbst zum unterhalt der familie beitragen musste – in der regel durch unterbezahlte arbeit, die gesellschaftlich nicht so rasend viel anerkennung fand. aber davon ist natürlich nicht die rede, wenn man gegen die „emanzen“ wettert!

für alle, die es nicht gewusst haben, der einfachheit halber bei wiki nachgelesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichberechtigung

„Ein wesentlicher Schritt zur Durchsetzung der Gleichberechtigung von Mann und Frau vollzog sich am 3. Mai 1957 mit einer Neuordnung der Gesetze, die im Widerspruch zum Grundgesetz standen. An diesem Tag beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts. Zuvor hatte es im Plenum heftige Debatten unter anderem über das Prinzip des Letztentscheids gegeben, das nach Ansicht der CDU/CSU den Männern in Sachen des gemeinschaftlichen Lebens eingeräumt werden sollte. In dieser Frage unterlagen die Unionsparteien knapp.Zentrale Punkte des Gesetzes über die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das am 1. Juli 1958 in Kraft trat:

  • Das Letztentscheidungsrecht des Ehemanns in allen Eheangelegenheiten wird ersatzlos gestrichen.
  • Das Recht des Ehemanns, ein Dienstverhältnis seiner Frau fristlos zu kündigen, wird aufgehoben (Aber erst seit 1977 darf die Frau ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein, und erst seit 1977 gilt das Partnerschaftsprinzip, nach dem es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr gibt).“
haben die leute das schon wieder vergessen, dass die rechte der frauen nun alles andere als selbstverständlich in die allgemeine rechtssprechung und das grundgesetzt eingegangen sind.
wären alle frauen (und männer!!!), die sich für die rechte der frauen eingesetzt haben, einzig und allein dem ideal der „fürsorglichen frau und mutter in der heilen familie“ gefolgt, gäbe es die diskussion hier gar nicht.
ich habe gar keine neigung, die diskussion um heim und herd zu führen, wie sie uns von frau herman empfohlen wird.
das thema betrifft mich und mein leben nicht.
wer hier ab und zu in meinem blog liest, wird unschwer erkennen können, dass ich sowohl eine liebevolle mutter, wie eine nachdenkliche christin, eine engagierte lehrerin und ein politisch interessierter mensch bin … dass ich dabei auch fehler mache und alles andere als perfekt bin, gehört zu meinem leben dazu. ich gehöre nicht zu den frauen, die morgens schon eine liste mit all den dingen neben dem frühstücksteller liegen haben, die sie im laufe des tages routiniert und ohne wenn und aber abarbeiten. (manchmal wäre ich gern etwas kontrollierter!)
das, was mir wichtig ist und mich ausmacht, habe ich im laufe der jahre gelernt, von meinen eltern und der familie, von engagierten freunden, durch schule und ausbildung, in meiner gemeinde, durch die vielen alltäglichkeiten in meiner eigenen familie und im beruf. es war und ist ein stetiger abgleich zwischen dem, was sein sollte – auch in bezug auf mein christsein und die damit verbunden werte und normen – und dem, was ich tatsächlich leisten kann, dem was meiner struktur entspricht und dem, worin ich mich immer wieder neu überwinden muss. es ist kein für alle zeiten festgelegter handlungsablauf. und das, was gestern ein absolutes muss war, kann morgen schon völlig nebensächlich sein.
mein leben ist nicht statisch, es ist ein und „im“ prozess, und dennoch gibt es fixpunkte.
darum lässt sich auch nicht einfach verordnen, vorschreiben oder empfehlen, wie ich zu leben haben oder welche werte ich vermitteln sollte.
zu denen gehört selbstverständlich das politische engagement ebenso wie die mitarbeit in der gemeinde, das eintreten für soziale gerechtigkeit genauso selbstverständlich, wie ein bewußtes christsein mit den damit verbundenen werten und normen. wesentlich ist doch immer, dass das, was wir an kinder weitergeben, auch wirklich zu uns gehört, das wir authentisch sind, in dem was wir tun und sagen. und wir frauen sind doch unterschiedlich – durch die sozialisationsbedingeungen, die wir hatten, durch veranlagung und erziehung. was für die eine völig richtig ist, kann für die andere ein völliger graus sein.
niemand kann mir als frau / mutter vorschreiben, wie ich meine zeit einteile, ob nun ganz für kinder und haushalt – den ehemann bitte nicht unterschlagen und vergessen – oder eben auch noch für einen beruf, der mich fordert und interessiert.
so verstehe ich emanzipation, das herauszufinden, was mir entspricht und danach zu leben, egal, was meine nachbarin oder freundin tut, egal, was gesellschaftlich angesagt ist oder nicht. glücklich zu hause bleiben (sofern es die wirtschaftliche lage überhaupt zulässt) oder eben auch arbeiten. kinder haben und großziehen (sofern dies möglich ist) oder bewußt ehelos leben oder in einer partnerschaft ohne kinder. aber es muss doch mit mir und meinen vorstellungen und möglichkeiten in einklang sein (kompromisse eingeschlossen!). dafür haben sich die frauenbewegten in den vergangenen jahren eingesetzt und nicht dafür, den einen gültigen lebensentwurf für frauen durch einen anderen resolut und radikal zu ersetzen. die freiheit der wahl ist das entscheidende kriterium und nicht das zu wählende!
mich erinnert die von frau herman angezettelte diskussion sehr an ein erlebnis, das ich während eines elternabends im kindergarten hatte:
mein ältester sohn war in den kindergarten gekommen und nach einigen wochen wurden wir zum elternabend geladen. wir wurden über die allgemeinen dinge der kita ebenso informiert, wie über die gruppe, zu der unsere kinder gehörten. unweigerlich kam das gespräch auf das thema „essen und frühstück“. das frühstück brachte jedes kind selbst von zu hause mit und es ist verständlich, dass das bei den 25 kindern sehr unterschiedlich ausfiel. ein / zwei kinder hatten wohl „milchschnitten“ und ähnlich „gesunde sachen“ anstelle eines butterbrotes und obst dabei. nun machte sich eine mutter dafür stark, die kindergartenleitung solle den verzehr von milchschnitten verbieten, weil sie sonst jeden morgen stress mit ihrer tochter habe, die absolut kein butterbrot mitnehmen wolle.
mich hat das damals in großes erstaunen versetzt! eine mutter, die eine autoritäre anweisung „von oben“ braucht, um ihrer vierjährigen tochter klar zu machen, warum sie keine milchschnitte zum frühstück mit in den kindergarten nehmen darf.
(nachtrag von heute, 15. 10. : genauso gut muss eine mutter auch die freiheit haben zu sagen, natürlich darf mein kind eine milchschnitte mitnehmen, die versüßt meinem kind den tag in der kita, dafür gibt es dann ein gesundes mittagessen, abendbrot und frühstück daheim!)
auch später bin ich immer wieder menschen bei elternabenden begegnet, die eine anweisung, ein verbot oder ein gebot brauchten, um sich dahinter verkriechen zu können, die sich und ihre ansichten und werte nicht wichtig und ernst genug nahmen, um sie ihren kindern vermitteln zu können.
solchen frauen würde ein von oben verordnetes gebot zur heilen familie natürlich ganz ungeheuer helfen, ihre eigene position nicht finden und vertreten zu müssen.
aber das haben wir frauen des 21. Jahrhunderts doch nun wirklich nicht mehr nötig!
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Kommentare»

1. Pink - 15. Oktober, 2007

Das Eva Herman so dumm ist, sich mit möchtegern intelektuellen wie Kerner, Senta Berger, Schreinemaker und Co. über ein ernsthaftes Thema zu unterhalten ist eine Sache. Das alleine ist aber noch nicht verwerflich!

2. oldman - 16. Oktober, 2007

Jetzt sagt E.H. übrigens, dass Kerner überfordert war (was sogar etwas hat :-)) aber noch schlimmer – sie droht mit einem dritten Buch!

3. Initiative - 17. Oktober, 2007

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