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Mein alter Herr … 10. Juli, 2008

Posted by Rika in familie.
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… hatte in dieser Woche Geburtstag!

86 !

Herzlichen Glückwunsch, Vati!

Vati – das passt viel besser zu ihm als „alter Herr“!

So, als „alten Herrn“, habe ich ihn nämlich nie erlebt, das war er einfach nicht, er war nicht der „Alte“ und er war kein „Herr“ in der Beziehung zu uns, meinem Bruder und mir.

Er war unser Vater, der, als wir klein waren, mit uns spielte, im Sommer zum Schwimmen ging und im Winter Schlitten fuhr, der Geschichten vorlas und auf unsere 100tausend Fragen 100tausend Antworten wusste, der mit uns und für uns betete, uns mit der Bibel vertraut machte, mit Gott und Jesus Christus und die unbegreiflichsten Dinge verständlich erklären konnte … er las gerne und viel und schien wirklich alles zu wissen…

… und als wir älter und verständiger waren leidenschaftlich gern mit uns diskutierte – und es gab wirklich kaum ein Thema, das nicht diskussionswürdig gewesen wäre … ob es um Politik oder Christsein ging, um Glauben oder Atheismus, um Emanzipation der Frau (ja, das WAR damals noch ein Thema, um das sich heftig streiten ließ!) oder die Rolle des Mannes in Familie und Gemeinde nach biblischen Erkenntnissen, um Atomkraftwerke und deren Verhinderungsversuche durch Atomkraftgegner, um die Pille oder Keuschheit, nichts, was wir nicht hätten bereden können – mal ruhig, mal heftig, je nach Situation…

… als er älter wurde und wir ihn zum Großvater gemacht hatten, konnte er mit Hingabe mit den Enkeln „Lego“ spielen oder riesige Briobahnlandschaften aufbauen oder irgendein aktuelles Quartett zum xsten Mal spielen oder einfach nur das jeweilige jüngste Kind (der 8 Enkel) stundenlang im Kinderwagen spazierenfahren…

… er machte die besten Bratkartoffeln und die leckersten Pfannkuchen, half unserer Mutter beim Abwaschen und Wäsche legen, Staub saugen und Wohnung putzen, er war ein guter Heimwerker und leidenschaftlicher Gärtner…

… er predigte gern in den umliegenden Gemeinden und hielt Bibelstunden, engagierte sich in der Gemeinde und im „Vorstand“ (Gemeindeleitung) und hatte, was Gemeinde- und auch Familienleben betraf, nur ein wirklich großes Manko: er konnte nicht singen, bzw. brachte, wenn er sang, alle anderen völlig aus der Fassung, so schräg waren seine Töne! …

… er war erfolgreich in seinem Beruf und beliebt bei seinen Freunden …

Vor 5 Jahren erlitt er eine Hirnembolie, seitdem sitzt er im Rollstuhl – nicht nur seine Bewegunsfähigkeit ist eingeschränkt, auch seine Motivation, am Leben mit all seinen Facetten den bis dahin gewohnt regen Anteil zu nehmen, ist fast vollständig verschwunden … das macht es schwer für ihn und für seine Frau, unsere Mutter …

… und so ist er ganz gegen seinen Willen jetzt im Alter von 86 Jahren doch so etwas wie ein „alter Herr“ geworden – mit immer größer werdender Distanz zum Leben und auch zu uns …

… manchmal ist das in der Erinnerung an die Zeit davor nur schwer zu ertragen und zu begreifen…

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