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sprachlos … 18. Juli, 2008

Posted by Rika in aktuell, israel.
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… vielen hat es die Sprache verschlagen, das Schauspiel, das die Hisbollah bei der Übergabe der ermordeten israelischen Soldaten vollführt hat… zynisch die Inszenierung, grausam für die Angehörigen, unerträglich für die, die nur einen Funken menschlichen Mitgefühls für die Trauernden empfinden.

Vielleicht ist es ja auch Katharina Sperber von der Frankfurter Rundschau so ergangen, sie fand einfach keine passenden Worte, um die Ungeheuerlichkeit zu beschreiben und flüchtete sich möglicherweise deshalb zu bekannte Redewendungen und Vergleichen, um über Unaussprechliches zu berichten …

„Biblische Szenen“, meint sie, hätten sich abgespielt, „archaische Zustände“ macht sie aus, „in den Tagen des bilateralen Körperzählens“ …

… und so wie sie es schreibt, klingt doch an, was sie ausdrücklich nicht ausspricht: Sie benutzt ein Stereotyp, weist auf einen vermeintlichen Zusammenhang religiös begründeter Motive und Mechanismen hin, diesem: „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben“, oder eben dem „Körperzählen“, wie sie das nennt – und ist sich ganz offensichtlich nicht bewusst, dass sie sich damit eines der ältesten antisemitischen Klischees bedient, die die Kirche jahrhundertelang verbreitet hat: Juden (und damit auch die israelische Regierung) leben nach der Maxime des strafenden, rächenden, zornigen und gewalttätigen Gottes des alten Testamentes.

Jüdische Ethik, so ist doch die unterschwellige Botschaft dieses Satzes von den „biblischen Szenen“, beruht auf dem „wie du mir, so ich dir“, „haust du mich, schlag ich dich“; und es klingt so etwas wie eine Gesetzmäßigkeit an, die nicht zu durchbrechen ist und ihren traurigen Höhepunkt darin findet, dass „Tote“ ausgetauscht werden , „meine Toten gegen deine Toten“ – was spielt es da für eine Rolle, wie „schief“ das Verhältnis der „Körperzählung“ ist und dass außerdem ein paar höchst lebendige Terroristen, Mörder und potentielle Killer und Attentäter auch noch frei kommen und im Libanon frenetisch gefeiert werden?

Für Frau Sperber ist das halt „biblisch“, auch wenn die Mörderbanden, die nun frei gekommen sind, sich ausdrücklich nicht auf die Bibel, sondern auf den“Heiligen Koran“ berufen, aber das kann man vernachlässigen und vom Koran haben wir hier sowieso so gut wie keine Ahnung.

Und so gerät dann auch der weitere Kommentar Frau Sperbers vor allem zur Abrechnung mit der unfähigen israelischen Regierung und greift dann erneut und wort-wörtlich dieses Motiv von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ auf als sie einen Ausblick wagt auf Potential und Taktik der Hisbolla und fordert:

Sie müssen isoliert werden, im Libanon und anderswo. Das braucht einen langen Atem und internationale Hilfe, beispielsweise von Europa. Politik eben, wie sie im 21. Jahrhundert gemacht werden sollte und nicht wie zu biblischen Zeiten.

Das macht mich sprachlos!

NACHTRAG:

Auf dem Höhepunkt der Bedrohung durch die RAF hat die damalige Bundesregierung eben nicht entsprechend der vermeintlich (gut) christlichen Ethik auch „noch die andere Backe hingehalten“ und sämtliche Terroristen der RAF frei gelassen als es um die Freipressung der RAF-Spitze ging. Sie hat sich zur Wehr gesetzt, wie sich jeder Staat seiner Gegner erwehren muss zum Schutz seiner Bürger. Hanns Martin Schleyer ist dabei ums Leben gekommen – es war eine schreckliche Zumutung für alle! Und dennoch gab es auch nach heutiger Einschätzung keine Alternative …

Israel wird sich seiner Feinde auch weiterhin erwehren MÜSSEN – und das ist eben kein „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Es ist ein dem 21. Jahrhundert durchaus angemessenes politisches Verhalten!

Und es wäre schon viel gewonnen, wenn die „modernen“, nicht nach vermeintlich archaischen Prinzipien handelnden Staaten DAS den Terrorbanden der Hamas, Fatah oder Hisbollah, dem Iran und seinen Vasallen ganz unmissverständlich klar machen würden : DAS EXISTENZRECHT ISRAELS IST UNATASTBAR !!!

Und jede Gewalthandlung gegen Israel und seine Bürger wird nicht länger als „Freiheitskampf“ schön geredet sondert als das bezeichnet was es ist:

T E R R O R

DEN ES ZU ÄCHTEN GILT, IMMER UND ÜBERALL!!!

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Kommentare»

1. hans bauer - 18. Juli, 2008

(und ist sich ganz offensichtlich nicht bewusst, dass sie sich damit eines der ältesten antisemitischen Klischees bedient, die die Kirche jahrhundertelang verbreitet hat) schreibt Frau Sperber.
warum so nachsichtig mit ihr Rika ? sie ist sich sicher bestimmt bewusst was sie schreibt und nimmt kein Blatt vor den Mund bezieht aber nicht eideutig Stellung gegen die Inszenierung Seitens der Libanesen

2. Yael - 19. Juli, 2008

Die hat erst mal einen ordenlichen Leserbrief von mir bekommen, nun nutzen wird es nix, so läuft das schon seit Jahren in allen Zeitungen.
Dt. Journalisten lieben wohl ihre antisemitischen Stereotypen, die sie verteiben.

3. Rika - 20. Juli, 2008

@ hans bauer,
diese „eindeutige Stellungnahme gegen die Inszenierung“ vermisse ich bei fast allen Beiträgen in den Medien, die sich des Themas angenommen haben … beschämend!

@ Yael,
ich hoffe sehr, dass Dein Leserbrief zumindest ein kurzes Nachdenken auslöst, eine Bewusstwerdung der antisemitischen Stereotypen, die sie so häufig gedankenlos (????) benutzen. Und ich wünsche mir sehr, dass die Aufklärung über diese Klischees – so sie denn gedankenlos eingesetzt werden – endlich auch den letzten unbedarften Schreiberling erreicht … die, die absichtsvoll antisemitisch schreiben und urteilen wird man, wie Du ja auch zu Recht vermutest („nutzen wird es nix“), sowieso weder erreichen, noch eines Anderen oder gar Besseren belehren können.
Trotzdem, ich finde es gut, dass Du Dich immer wieder bemühst!
LG, rika

4. Yael - 20. Juli, 2008

Ich habe da nicht viel Hoffnung, Rika. Unser Rabbiner in Hamburg hatte uns erzählt, wie oft er Leserbriefe zu diesem Thema an das Hamburger Abendblatt geschrieben hatte und diese über den Wahrheisgehalt des Zitates aufgeklärt hat. Er sagte, es hätte nie etwas genützt, die bekannt-antisemitische Auslegung kam im nächsten Artikel promt wieder. Und wenn man sogar den Hinweis eines Rabbiners derart ignoriert, hat man als „kleines Licht“ wohl erst recht keine Chance.
Insofern muss man deutschen Journalisten mittlerweile unterstellen, dass sie diese antisemitische Klischee aufrechterhalten wollen.
Das ist einfach Absicht. Passt wohl zu schön ins Klischee, wenn es um Israel geht.

5. grenzgaenge - 20. Juli, 2008

tja, also, ich habe auch wenig hoffnung was leserbriefe angeht. auf der anderen seite ist die frage was man tun kann. nichts zu tun scheint mir auch das falsche rezept zu sein. so schreibe ich gezielt weiterhin briefe wenn mir die hutschnur platzt. ich glaube allerdings auch nicht das sich denken dadurch aendern laesst. schon gar nicht wenn es sich um jahrtausende alte stereotype handelt.

6. netzklempnerin - 20. Juli, 2008

Da wurde mir wohl ein Blogthema vor der Nase weg geschnappt 😉
Aber besser hätte ich es wirklich nicht machen können!

7. Preston - 21. Juli, 2008

Noch schlimmer treibt es FOCUS ONLINE im Kommentarbereich.
Dort behauptete „oskarherz“ am 17.07.2008:
„Israel trägt dabei nicht weniger Schuld als die Hisbollah.
Die Auge um Auge Politik muß ein Ende haben…“
http://www.focus.de/politik/ausland/nahost/israel-videobotschaft-nach-trauerfeier_aid_318602.html#box_comment

Als ich diesen „Auge um Auge“-Vergleich als antisemitisches
Vorurteil kritisierte (und fragte, wie man -in aller Welt- die
Mordtaten der Hisbollah mit dem Vorgehen des Staats Israel vergleichen könne), wurde mein Kommentar GELÖSCHT!
Auch mein zweiter, in dem ich fragte, weshalb solche Meinungen unwidersprochen stehenbleiben können, wurde auch nicht
angenommen.

8. Rika - 21. Juli, 2008

War heute den ganzen Tag in Familienangelegenheiten unterwegs, darum die späten Antworten.

@ Yael, „Passt wohl zu schön ins Klischee, wenn es um Israel geht.“
Manchmal kann man sich dieses Eindrucks nur schwer erwehren!

@ grenzgaenger, „nichts zu tun scheint mir auch das falsche rezept zu sein.“ Mit Sicherheit, auch wenn es frustrierend ist, keinen erkennbaren Erfolg zu haben, muss man doch weiter machen, und irgendein kleines Fünkchen, denke ich, wird vielleicht doch das vernebelte Denken der Leute irgendwann „erhellen“ !

@ netzklempnerin danke 😉 !

@ Preston, kann man in Erfahrung bringen, wer für die Moderation der Kommentare zuständig ist und dann dort direkt intervenieren?

9. Preston - 22. Juli, 2008

@ Rika:
„Preston, kann man in Erfahrung bringen, wer für die Moderation der Kommentare zuständig ist und dann dort direkt intervenieren?“

Gute Idee; werde ich machen.
Ich wollte sowieso noch einen Leserbrief schreiben. Werd die
Antwort dann hier posten.

10. Yael - 22. Juli, 2008

Das ist bei deutschen Medien leider üblich, sobald man sich gegen antisemitische oder nazistische Beiträge wehrt, werden diese gelöscht oder gar nicht erst zugelassen, antisemitische Beiträge werden stehen gelassen.
Besonders schlimm ist die Welt-online, so einen Sauhaufen an einer Nichtmoderation habe ich noch nie erlebt. Auch bei Beschwerden über diese Art der Nichtmoderation bekommt man auf Leserbriefe noch nicht mal eine Antwort. Im Forum Hagalil dokumentiere ich die Nazibeiträge auf welt.de. Dieses werde ich irgendwann mal an entsprechende Stellen weiterleiten. So kann es ja nicht weitergehen.

11. Yael - 22. Juli, 2008

@preston

hier

http://www.focus.de/politik/ausland/schuss-auf-gefesselten-israelischer-soldat-freigelassen_aid_319452.html

geht es mit dem Zitat „Auge um Auge“ weiter, habe dazu etwas geschrieben, mal sehen, ob die es veröffentlichen.

12. Preston - 23. Juli, 2008

@ Yael : habe dazu etwas geschrieben, mal sehen, ob die es veröffentlichen.

Bis jetzt noch nicht, habe auch etwas dazu geschrieben (über die
Schweiz, die auch Gummigeschosse verschießen läßt – obwohl es dort keine „Intifadas“ gibt, wie in Palästina); bin mal gespannt.

13. Preston - 23. Juli, 2008

Hallo Francis_Biggle,

Ihr Beitrag: Soll das ein Witz sein?
In der Schweiz wurde während der Jugendzentrum-Krawalle ’81 ebenfalls gezielt auf Personen geschossen, vier der Opfer verloren
sogar ein Augenlicht. In Nordirland starben mehrere Menschen durch
Gummigeschosse. Gab es damals auch solch einen Aufstand?
Man könnte meinen, der Mann sei wirklich „erschossen“ worden,
der habe zumindest ein Bein verloren, durch die „Brutalität“ der israelischen „Besatzungstruppen“.
In Wahrheit hat er eine Beule am Fuß – aber die deutschen Medien
erwecken trotzdem den Eindruck, als sei auf ihn „scharf“ geschossen worden. Soll das ein Witz sein?
In China werden JEDEN TAG Leute exekutiert – und ausgeweidet,
ihre Organe werden verkauft: und die Welt feiert trotzdem Olympia. Wie still man sein kann, wenn es ums Geld geht…

wurde von uns nach Prüfung durch einen Administrator nicht veröffentlicht.

Die Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben können, entnehmen Sie bitte unserer Netiquette:
http://www.focus.de/community/netiquette

14. Yael - 23. Juli, 2008

Hallo Preston, die haben es tatsächlich nicht veröffentlicht, dabei gibt es gar keinen Grund, wenn man schon ein Zitat nicht richtig stellen kann, stimmt da was gewaltig nicht. Ich habe jetzt nachgefragt, warum sie das nicht veröffentlichen, aber wahrscheinlich kommt da auch keine Reaktion. Die haben doch alle ein Rad ab. Ich kann es einfach nicht fassen, dass dort antisemitische Beiträge stehen bleiben und andere werden nicht mal zugelassen. Es stinkt gewaltig in der deutschen Medienwelt.

15. Preston - 23. Juli, 2008

Hallo, Yael
besonders perfide finde ich die Überschrift:
„Soldat schießt auf wehrlosen Palästinenser“ – und wie damit der Eindruck erweckt wird, als habe er „scharf“ geschossen.
Dabei ist klar, es war nur ein Gummigeschoß, der Typ hat nur ein
Hämatom – und der Soldat ist deswegen festgenommen (und verhört) worden. Solche „Übergriffe“ passieren auch in westlichen Demokratien ständig (man denke nur an Genua), aber ohne, daß
darüber so hysterisch berichtet wird – mit den ständigen „Auge in Auge“-Vergleichen durch irgendwelche Dumpfbacken.
Und wenn man sich darüber empört, wie Leute Israel mit der Hisbollah vergleichen, wird der Kommentar abgelehnt, weil er zu
sehr in die „Tiefe“ geht.
Das war die neueste Begründung:

„Sehr geehrter User,
die Artikelkommentierung ist KEIN Diskussionsforum. Sie führen leider in Ihren Kommentaren Sachverhalte und Zusammenhänge an, die mit dem eigentlichen Artikelinhalt nichts mehr zu tun haben.
Für hintergründige Informationen oder Diskussionen mit anderen Usern steht Ihnen auf unserer Seite ein umfassendes Forenangebot zur Verfügung.“

16. Rika - 23. Juli, 2008

Ich bin sehr gespannt, ob mein Kommentar veröffentlicht wird …
und wüsste auch gern, nach welchen Kriterien eine Zulassung erfolgt!

Israel hat leider gar keine Lobby in den Medien des Mainstream!

Es macht sich halt viel besser, mit terroristischen „Freiheitskämpfern und deren gerechter Sache“ zu paktieren als sich für das Existenzrecht eines ganzen Staates und die Sicherheit dessen Bürger einzusetzen … das gefällt auch den arabischen Nachbarn viel besser und ist gut für die wirtschaftlichen Beziehungen mit den Öl-Staaten …
und was fürs Geschäft der republikanischen Firmen gut ist, ist auch gut fürs Geschäft mit den Nachrichten …

17. Rika - 23. Juli, 2008

Kommentar veröffentlicht …
immerhin!

allerdings nur den Kommentar, der sich auf die Berichterstattung bezieht, meine Bemerkung zu „Auge um Auge“ haben sie – vermutlich aus Gründen der Nettikette (hübsche Ausrede, passt immer!!!) weggelassen!
Na denn …

18. Yael - 23. Juli, 2008

So, da mein dritter Kommentar erneut nicht veröffentlicht wurde, habe ich an den Focus folgenden Leserbrief geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf dieser Seite: http://www.focus.de/politik/ausland/schuss-auf-gefesselten-israelischer-soldat-freigelassen_aid_319452.html versuche ich seit 2 Tagen einen Kommentar zu diesen User: R.K. (22.07.2008 10:53) mit dem Kommentar: „Auch Israeli müssen akzeptieren, dass „Auge um Auge“, „Kugel um Stein“ in der modernen Welt nicht mehr akzeptabel ist!“ schreiben und auf dieses antisemitische Klischee hínzuweisen und es richtig zu stellen.
Da Sie anscheinend keine Links akzeptieren, habe ich mit eigenen Worten formuliert, dass es sich bei diesem Zitat keineswegs um Rache, sondern um einen Rechtsanspruch auf Schadenersatz handelt, welches die Thora zum Thema hat und ein wichtiger Grundsatz im Judentum ist. Mit der obigen Auslegung wird wieder einmal eine jüdische Rachsucht konstruiert, auf die ich reagiert habe. Ich frage mich daher, ob es daher in Ihrem Interesse liegt, derart antisemitischen Kram stehen zu lassen und an Aufklärung anscheinend kein Interesse zu haben. Ist das die heutige Aufgabe einer Onlinzeitschrift, wie ich es seit Jahren auch in anderen Online-Zeitungen beobachte, antijüdische Stimmungen ohne Gegenrede einfach stehen zu lassen? Ist es in diesem Land schon wieder so weit?
Ich frage mich daher, wie man in diesem Land ständig diese Sonntagsreden von sich geben kann, jüdisches Leben zu wollen und gleichzeitig derartige antisemitische Stimmungsmache scheinbar zu akzeptieren.
Ich und viele Juden und Jüdinnen haben langsam erneut die Nase voll, mit diesem und anderen Antisemitismus fast täglich konfrontiert zu werden.
Dass Sie nicht willens sind, meinen Kommentar zu veröffentlichen, macht mir wieder einmal klar, dass es in diesem Land erneut zu stinken beginnt.

Hochachtungsvoll,

… Yael …. (Berlin)

Auge um Auge

Wie Nahost-Kommentatoren mit einem biblischen Zitat umgehen

Von Richard Chaim Schneider
Süddeutsche Zeitung, 13.4.02

Wenn Journalisten und Politikern zum Thema Nahost nichts mehr einfällt, dann werden sie gerne biblisch und zitieren aus einer Passage des Buches Exodus, Kapitel 21, Vers 23/24: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Eine ideale Beschreibung der Situation in Israel, meinen sie, weshalb diese Formel gerne für Artikelüberschriften oder ganze Titelseiten verwendet wird. Denn sie ist knapp und angeblich treffend: Die Israelis seien nämlich ebenso rachsüchtig wie ihr alttestamentarischer Gott, meinen jene Bibelkenner. Das jüdische Prinzip „Rache“ stünde also der christlichen „Nächstenliebe“ diametral gegenüber – im Grunde gäbe es darüber hinaus nichts dazu zu sagen. Auf diese Weise werden 2000 Jahre christlicher Antijudaismus in einem Zitat aufgefangen, und niemand fragt danach, ob dessen populäre Interpretation überhaupt richtig ist.

In Wahrheit besagt diese Passage etwas völlig anderes. Der volle Wortlaut liest sich so: „Tritt aber ein Unglücksfall ein, so setze: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Strieme um Strieme.“ (Übersetzung von Naftali Herz Tur-Sinai). Dieser Vers ist eine große Errungenschaft des Judentums. Er betont die Verhältnismäßigkeit der Forderungen des Geschädigten und den Schadensersatz. War es zu biblischen Zeiten üblich, buchstäblich (!) zwei Augen und mehr für ein Auge zu fordern, zwei Zähne und mehr für einen Zahn, so macht die jüdische Ethik damit Schluss. In der jüdischen Rechtsprechung wurde dies stets berücksichtigt. Von frühesten Zeiten an wurde der Schadensersatz finanziell abgegolten. Die Rabbiner nahmen die Einschätzung des jeweiligen Verlustes vor und achteten penibel darauf, dass derjenige, der den Schaden zugefügt hatte, nicht selber zum Geschädigten wurde, indem er mehr geben musste als nötig.

Das alles wissen jene Meinungsmacher natürlich nicht, die das Zitat als antijudaistische Floskel ewig wiederholen und sich dabei auch noch für besonders originell halten. Dieser unreflektierte Umgang mit einem uralten Vorurteil erzählt sehr viel mehr über den Benutzer als über den Nahost- Konflikt.

Tatsächlich könnte man froh sein, wenn im Nahen Osten das biblische Vorbild des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gelten würde. Schadensersatz und finanzieller Ausgleich würden die Probleme lösen – kein neues Blutvergießen oder zusätzliche Verbrechen wären nötig und möglich. Der Bibelvers könnte also durchaus ein Schlüssel auf dem Weg zu einem Friedensvertrag sein. Dagegen hilft uns der Antijudaismus jener deutscher Kommentatoren, die nicht einmal wissen, was sie tun, ganz gewiss nicht weiter.
haGalil onLine 16-04-2002

http://www.nahost-politik.de/israel/bibel.htm

19. Preston - 23. Juli, 2008

@ Rika
Ich hab mal gegooglet, zu wem FOCUS (Burda) gehört; und siehe da:
http://www.stern.de/politik/deutschland/:J%FCrgen-Todenh%F6fer-Bin-Laden-Menschen-Bush/631948.html?id=631948&ks=6

Zitat (von heute):
Hoffnung setzt Todenhöfer auf den demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama: „Wenn er die Hand zur muslimischen Welt ausstreckt, wenn er sie so fair wie Israel behandelt, wird der Konflikt gelöst.“

Wenn man die 56 Kommentare unter dem Artikel liest, wird einem schlecht:
Zitat ecomoc4u – „es gibt unzählige hohe politiker, armee offiziere, personen öffentlicher ämter, über 11000 wissenschaftler, über 50 nobelpreisträger und zuletzt alle augenzeugen in new york, pentagon und shanksville, zb. polizei, feuerwehr, büroangestellte, alle haben redeverbot bekommen…“.

Es geht um die Anschläge vom 11. September, die angeblich ein „inside-job“ waren; ausgeheckt vom Mossad und CIA (einer der Kernpunkte dieser Theorie ist der jüdische Ex-Besitzer der Twin-Towers, Larry Silverstein). Auch das ist Antisemitismus pur,
und er wird vom Vizechef des BURDA-Verlags transportiert.

20. Rika - 23. Juli, 2008

oh, Mann !!!!

da möchte man ja am liebsten zu einem generellen Burda-Boykott aufrufen ….

hatte schon vor ein / zwei Tagen einen Bericht über oder von dem Herrn Tod… gelesen und nur mühsam die Fassung wahren können!

Danke für den Hinweis!

21. Preston - 24. Juli, 2008

@ Rika
wollte Dir eine mail schreiben (weil ich vielleicht etwas Interessantes
zum Posten habe), aber ich finde keine email-Adresse.
(Vielleicht bin ich zu doof.)
Kannst Du sie mir vielleicht mailen?

22. Rika - 24. Juli, 2008

@ Preston,

ich habe Dir per E-Mail geantwortet – ist die Mail möglicherweise im Spamschutz gelandet?

Unter „ani“ habe ich eine Kontaktmöglichkeit neu eingerichtet.
LG rika

23. Preston - 25. Juli, 2008

Sieht so aus… (komisch).
Aber ich hab Dir jetzt an die Kontaktadresse gemailt. Danke!


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