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Streit um Antisemitismus – beigelegt …? 29. Oktober, 2008

Posted by Rika in Allgemein.
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Mit ungläubigem Staunen habe ich bei Lizas Welt einen Bericht gelesen, der die Beilegung des Streits um Antisemitismus beschreibt:

Hier bei uns in Deutschland hat Antisemitismus keine, aber auch gar keine Chance!

Wir tun alles dafür! A L L E S !!!

Jedenfalls kommt es mir so vor, wenn ich den so ungemein erhellenden Entwurf zur gemeinsamen Erklärung aller im Bundestag vertretenen Parteien zum Thema Antisemitismus lese, der dank „Lizas Welt“ seit heute der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Ich kann nicht wirklich glauben, dass das, was ich da lese, wirklich und wahrhaftig eine Erklärung GEGEN den Antisemitismus ist, eher doch wohl eine ZUM Antisemitismus, mit den mehr offenen als verborgenen Begründungen, warum es Antisemitismus einfach und immer noch geben MUSS! Weil Israel sich leider trotzt aller freundschaftlichen Bemühungen immer noch als Besatzungsmacht gar zu scheußlich gegen die Palästinenser benimmt, ihnen das Land raubt und überhaupt immer noch Vertreibung als Mittel der Politik betreibt und wir schon deshalb die Pflicht haben, dieses fürchterliche Unrecht zu benennen und zu beklagen, und nein, das ist KEIN Antisemitismus, das ist ein Freundschaftsdienst zum Erhalt des Friedens.

Und dem Erhalt des Friedens dient es natürlich auch, dass wir denjenigen, die aus rein religiösen Gründen etwas gegen Juden haben, schließlich sind sie ja dem heiligen Buch des Propheten verpflichtet und wir dürfen uns ja in religiöse Angelegenheiten nicht einmischen, wenn wir also diesen Leuten die Freiheit lassen, in ihren Versammlungshäusern deutlich gegen die unbelehrbaren Ungläubigen und die bösen Israelis zum Kampf aufzurufen. Nein, das ist überhaupt nicht antisemitisch, das dient dem Frieden im Land und verhindert neuerlichen Rassismus gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund (hach, wie das so herrlich tolerant daher kommt!!!) und das müssten doch eigentlich alle verstehen. (Der politisch-religiösen Korrektheit halber sei betont, dass es auch unter Christen immer noch fundierte Antisemiten gibt und das das Kapitel keineswegs hinter uns liegt!)

Und dem Erhalt des Friedens dient es ganz selbstverständlich auch, dass man den Mann in Teheran nicht erzürnt. Er ist ohnehin nicht gut auf das zionistische Gebilde zu sprechen! Nein, das ist gar nicht antisemitisch, das ist reine Politik! Schließlich muss man einen Präsidenten doch sagen lassen dürfen, dass er gegen Zionisten ist, das hat doch mit Antisemitismus nichts zu tun. Wenn er das aber nicht mehr sagen darf, kriegt er wohl möglich einen Aggressionsstau und der führt dann dazu, dass er das Gebilde von der Landkarte vertilgt und das wollen wir doch alle verhindern, nicht wahr? Den Mann in Teheran nicht zu erzürnen dient dem Existenzrecht Israels, ja sicher!!! Einen Aggressionsstau kriegt Herr A. aber ganz sicher, wenn man ihm nahelegt, seine Äußerungen zu unterlassen, und das ist schlecht für die sehr guten wirtschaftlichen Beziehungen und schlechte Wirtschaftsbeziehungen können nicht dem Frieden dienen, ist doch klar. Deshalb halten wir uns aus allem raus und machen gute Geschäfte.

Und damit man all die verschiedenen Felder der freundschaftlichen Beziehungen im Kampf gegen den Antisemitismus erfolgreich zusammenführen kann,

„folgt die innen- wie außenpolitische Notwendigkeit, die Stelle eines Bundesbeauftragten für die Bekämpfung des Antisemitismus einzurichten, der in einem ersten Schritt eine tragfähige Definition des Antisemitismus erarbeiten soll.“

Sag ich doch, bei uns hat Antisemitismus keine, aber auch gar keine Chance!

Denn wie heißt es doch gleich im ersten Absatz des Entwurfs so schön trefflich:

Letztlich weiß niemand besser als die Deutschen, wie gefährlich und schädlich Antisemitismus ist: Die nationalsozialistische Judenvernichtung beraubte die Deutschen eines wesentlichen Teils ihrer Kultur und machte sie so zu den eigentlichen Leidtragenden. Diese Erfahrung schmerzt noch heute.“

Wir Deutschen sind „die eigentlichen Leidtragenden“ des gefährlichen und schädlichen Antisemitismus … dem 6 Millionen Juden zum Opfer fielen …

NOCH IRGENDWELCHE FRAGEN?

Eine noch:

Dieser Bericht, mal ehrlich, das kann doch nur ein Fake sein, oder etwa nicht?

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Nicht meine Idee … 28. Oktober, 2008

Posted by Rika in Allgemein.
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… und sehr lesenswertswert!

Der Blog „Jüdisches Berlin“ berichtet über eine Pionierin der Sozialarbeit in Deutschland:

Alice Salomon, die vor 100 Jahren „die Soziale Frauenschule“ in Berlin Schöneberg gründete, aus der die heutige Alice-Salomon-Fachhochschule hervor gegangen ist.

„Jüdisches Berlin“ zitiert einerseits aus einen Bericht der taz:

„“Ein gutes Dutzend junger Frauen blickt heiter in die Kamera. Ihre Haare sind ordentlich gelegt, die Blusen geschlossen, die Röcke lang. In ihrer Mitte eine Dame in Schwarz mit Buch auf dem Schoß. Ein katholischer Frauenverein? Der Jahrgang eines Pensionats für höhere Töchter? Weit gefehlt. „Hier sehen Sie die Anfänge moderner Sozialarbeit“, erklärt Adriane Feustel und freut sich über das Staunen, das dieses Schwarzweißfoto von 1908 bei Zeitgenossen hervorruft. Darauf zu sehen sind Schülerinnen der „Sozialen Frauenschule“ in Schöneberg mit ihrer Direktorin Alice Salomon.““

und kommentiert andererseits den Bericht und weist auf die Aspekte des Berichts hin, die man aus Unkenntnis oder mangelnder Information leicht übersieht und überliest, aber die dennoch bedeutsam sind:

„Leider de-thematisiert der Artikel die enorm wichtige Rolle von Jüdinnen in der Professionalisierung und Theoriebildung der sozialen Arbeit. Alice Salomon – sie kam aus einem assimilierten jüdischen Elternhaus – wird in dem Artikel gerade mal als Tochter „aus großbürgerlich-jüdischem Hause“ bezeichnet. Im Nebensatz wird erwähnt, daß sie ins Exil ging. Wie stark die Standards der professionellen Sozialarbeit im jüdischen Konzept der „Zedaka“ verwurzelt sind, wird in dem Artikel verschwiegen.“

Ich wiederum verzichte auf weitere Kommentare und weise lieber mit ausdrücklicher Empfehlung und mit Genehmigung des „Jüdisches- Berlin-Blog“ auf den Beitrag hin!

Ps

In Hannover trägt eine Berufsfachschule den Namen ‚Alice Salomon‘.

„Streit um Antisemitismus“ … 25. Oktober, 2008

Posted by Rika in israel, meine persönliche presseschau.
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… überschreibt die HAZ heute einen kurzen Bericht über eine Kontroverse im Bundestag. Anlass des Streits ist das Vorhaben aller Bundestagsparteien, einen gemeinsamen Antrag gegen Antisemitismus anlässlich des 70. Jahrestages des Pogroms vom 9. November 1938 zu verabschieden. Die CDU sträubt sich dagegen, dies im Einvernehmen mit der Linkspartei zu tun.

Und das aus gutem Grund:

„Die Linke“, so zitiert die HAZ die CDU-Abgeordnete Kristina Köhler, „unterstütze unter dem Deckmantel des Antiimperialismus antisemitische Hetzer und Terroristen wie Hamas und Hisbollah.“ Und weiter heißt es in der HAZ: „In der Union wurde daran erinnert, dass die DDR Israel nie anerkannt habe, dass das Land Waffen an arabische Kriegsgegner Israels geschickt hatte und dass jüdische Unternehmer in der DDR enteignet worden waren. Dahinter verberge sich die antisemitische Fratze.“

Die Linke reagiere besonders empört, schreibt die Zeitung und sehe darin vor allem „Hass gegen die Linke“, den die CDU „über ihre historische Verantwortung für eine gemeinsame Erklärung“ stelle, wird Gregor Gysi zitiert.

Nun ist es sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass Linke und CDU sich nicht sonderlich grün sind und auf vielen politischen Ebenen nicht nur unterschiedlicher Meinung sind sondern sich grundsätzlich einem verschiedenen theoretischen Verständnis von Wirtschaft, Macht und Staat verpflichtet fühlen. Und vermutlich wurden in der DDR nicht nur jüdische Unternehmer enteignet und finden sich auch in der CDU nicht wenige, die einen latenten Antisemitismus aus welchen Gründen auch immer „pflegen“ oder ihn mehr oder weniger bewusst tradieren.

Ich finde aber dennoch die Haltung der CDU äußerst bemerkenswert, weil meiner Wahrnehmung nach zum ersten Mal eine zentrale politische Kraft in Deutschland offen davon spricht, dass Antisemitismus heute im Gewand des Antiimperialismus auftritt und dass die Unterstützung von Hamas und Hisbollah keineswegs aus „humanitären Gründen“ legitim sei, wie es ja oft im linken Lager verniedlichend und beschwichtigend dargestellt wird, sondern damit tatsächlich vor allem und in erster Linie antisraelische und antisemitische Haltungen und Vorbehalte befördert werden.

Dass Thomas Oppermann ( SPD-MdB), laut HAZ auf einen Konsens aus ist und in der Linkspartei „einen versteckten Antisemitismus, der als Antizionismus daherkomme“ ausmacht, ist zwar im Prinzip zu begrüßen, täuscht meiner Ansicht nach aber auch darüber hinweg, dass sich auch SPD-Abgeordnete und sicher etliche SPD-Mitglieder bundesweit genau diesem Mechanismus entsprechend verhalten, weil auch sie einen vermeintlich berechtigten Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus für gegeben ansehen und ihnen nicht klar ist, dass sie damit einem alten Vorurteil im neuen Gewand das Wort reden, auch wenn sie sich offiziell zu Israel bekennen und lediglich „nur“ gegen die Sperranlagen sind oder den Palästinensern das Recht zusprechen, mit (fast) allen Mitteln für ihre Rechte zu kämpfen.

Dass der 9. November, dieser denkwürdige Tag, im Bewusstsein der Deutschen eben nicht nur Einheitsfeierjubeltag ist, sondern auch immer eine Mahnung bedeutet für das, was Menschen von Vorurteilen geblendet und in blindem Gehorsam und blankem Hass anderen Menschen angetan haben und auch wieder antun könnten, das sollte und darf nicht im Parteiengezänk um die „besseren Deutschen und besseren Demokraten“ untergehen.

Und so sollte man schon zu einer gemeinsamen Erklärung kommen, einer Erklärung, deren Bedingungen und Basis allen absolut klar sein muss:

Wir wollen dem Antisemitismus Paroli bieten, egal in welchem Gewand er auftritt und hinter welchen taktischen Finessen er sich zu tarnen versucht, das gilt für ALLE Bürger und Bewohner dieses Landes, für politische Parteien ebenso wie für religiöse Gruppierungen, die vielleicht nur darum nicht ins öffentliche Blickfeld geraten, weil sie (noch) rein zahlenmmäßig unerheblich zu sein scheinen.

Bildungsgipfel … 24. Oktober, 2008

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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Eine Veranstaltung einen „Gipfel“ zu nennen, die sich lediglich einem Maulwurfshügel gleich aus der öden Ebene erhebt, das ist in der Tat ein Gipfel, der Gipfel der Unverschämtheit und der Volksverdummung nämlich, womit er das Gegenteil dessen darstellt, was er vorgibt sein zu wollen!

Bildungsgipfel

Bessere Kitas, bessere Schulen, bessere Lehrpläne, bessere Ausbildungsbedingungen, bessere Unis, bessere Professoren, bessere Studienbedingungen, bessere Schüler, bessere Eltern, bessere Lehrer ….

Ich kann es nicht mehr hören!

Haben sich die, die den Bildungsgipfel bestiegen, je in die Niederungen deutscher Bildungseinrichtungen begeben? Wissen sie überhaupt, wovon sie reden, wenn sie davon schwadronieren, Bildung auch für Kinder „bildungsferner Schichten“ möglich machen zu wollen? Ist es nicht vielmehr ein Armutszeugnis ersten Ranges für das „Bildungsland Deutschland“, dass es diese „bildungsfernen Schichten“ überhaupt (noch) gibt und dass diese in den letzten Jahren trotz aller Bemühungen nicht weniger geworden sind, sondern eher zugenommen haben – und das liegt nun wirklich nicht NUR an den Migranten, auf die man ja so gerne entschuldigend verweist, wenn Schulen unter dem „Durchschnitt“ liegen.

Kennen die Bildungspolitiker die maroden Schulgebäude, die man Kindern und Jugendlichen zumutet, haben sie je in letzter Zeit ihre Notdurft auf einem ekelhaft stinkenden Schulko verrichten MÜSSEN? Haben sie eine Ahnung davon, wie wenig einladend die Pausenhöfe, Gänge und Klassenräume sind, in denen Kinder und Jugendliche ihr mitgebrachtes Pausenbrot zu sich nehmen müssen? – Davon, dass es viel zu viele Kinder gibt, deren Eltern sich gar nicht um das Essen kümmern, das ihre Kinder während eines 6 oder 7 oder 8 Schulstundentages dringend brauchen, will ich gar nicht erst reden.

Wie viele Kitas haben sie besucht? Was wissen sie von der Belastung der Erzieherinnen und Erzieher, die zu zweit 20 bis 25 Kleinkinder eben nicht nur tagsüber „hüten“, sondern einen anspruchsvollen „Bildungsauftrag erfüllen sollen und auch wollen, aber nur selten wirklich können, weil die Bedingungen es einfach nicht hergeben, sich intensiv um die Kinder, die ja bekanntlich „unsere Zukunft“ sind, zu kümmern und individuell zu fördern – wie man es so schön in den hochtrabenden Plänen lesen kann!

Wann hat je ein Bildungspolitiker vor einer Klasse mit 25 – 30 Schulanfängern gestanden und versucht, dem Bildungsauftrag gerecht zu werden, der damit beginnt, Kindern zunächst die elementarsten Dinge des Alltags zu vermitteln, bevor man überhaupt daran denken kann, das einzuüben, was man gemeinhin „Kulturtechniken“ nennt, also Lesen, Schreiben, Rechnen als Grundvoraussetzung für alles andere? Oder wann hat ein Herr / Frau Bildungspolitiker mal eine Woche oder wenigstens einen einzigen Schultag lang in einer ganz normalen Schule um die Ecke hospitiert? Hat einer von ihnen mal eine Sportstunde in einer völlig herunter gewirtschafteten Turnhalle gehalten, in der einem schon in der Umkleidekabine das Mittagessen des letzten Tages hoch kommt …?

Was wissen sie von Förderschülern, die es trotz aller Mühe niemals schaffen werden, einen berufsqualifizierenden Schulabschluss zu erreichen und was von Studenten, die in überfüllten Hörsälen schlecht ausgebildeten Professoren ausgeliefert sind? „Zu lernen wie man lernt“ hieß einmal ein hehres Ziel deutscher Pädagogen, aber setzt das nicht voraus, dass Professoren auch „lehren müssen, wie man lehrt“? Was nützen denn die 100sten Aufsätzchen und Veröffentlichungen der Professoren, wenn sie im Hörsaal an den Studenten vorbeireden? Wozu Forschung in vielen Gebieten (von der Anwendung in Betrieben, der Wirtschaft oder Medizin mal abgesehen), wenn sie nicht auch adäquat an den Mann, die Frau gebracht werden kann, weil einfachstes Grundwissen der „Lehre vom Lehren“ nicht vorhanden ist? Doch Frau Schavan hält es nicht für erforderlich, die Exzellensinitiative an den Universitäten auf die LEHRE auszudehnen , so jedenfalls ging es aus einem Interview hervor, dass ich gestern oder vorgestern im D-Radio zum Thema „Bildungsgipfel“ verfolgte!

Nachwuchs fehlt allenthalben, hört man. Aber um die bereits vorhandenen Kinder und Jugendlichen schert man sich einen Dreck!

Jahr für Jahr werden hochqualifizierte Lehramtsstudenten nach dem 1. Staatsexamen in die Warteschleife verschoben, bevor die Glücklichen unter ihnen einen Platz im Ausbildungsseminar und ergattern und als Referendar in einer Schule den zweiten Abschnitt ihrer Berufsausbildung beginnen können, und Jahr für Jahr werden fix und fertig ausgebildete Lehrinnen und Lehrer nach dem zweiten Staatsexamen in die nächste Warteschleife geschickt oder mit sogenannten „Feuerwehrverträgen“ abgespeist, die sinnvoller Weise so ausgelegt sind, dass die (Sommer)Ferienzeiten nicht bezahlt werden, weil die Verträge nur die reine Unterrichtszeiten umschließen. Was ist das für eine Volkswirtschaft, die meint, sich den Luxus leisten zu können, junge Menschen auszubilden und dann in die Arbeitslosigkeit zu entlassen? Lehramtsstudenten fahren ein hohes Risiko, sind sie doch für einen Beruf ausgebildet, der ihnen wenig Möglichkeiten in der sogenannten freien Wirtschaft bietet, wenn sie NICHT in den Schuldienst übernommen werden. (Davon, dass sie, wie Studenten anderer Fachrichtungen auch, in etlichen Bundesländern Semester für Semester 500 Euro zusätzlich zu den ohnehin immer schon anfallenden Kosten nun an Studiengebühren zahlen müssen, will ich gar nicht erst sprechen! Und auch nicht davon, dass viele auf einem Riesenberg an Schulden sitzen, weil sie ihr Studium nur mit Hilfe von Krediten finanzieren konnten (und Lehrergehälter nicht so besonders üppig sind, dass man die Schulden in zwei drei Jahren mal eben so abbezahlen könnte!).

Andererseits rekrutiert man in einigen Bundesländern Hausfrauen, Pensionäre und Quereinsteiger, um den immer wieder in regelmäßigen Zyklen anfallenden und überhaupt nicht vorhersehbaren Lehrermangel zu beheben – und wundert sich dann über schlecht ausgebildete und völlig demotivierte Schüler.

Eine Exzellenzinitiative muss her.

Sicher. Schön und gut. Ich bin ja damit einverstanden, dass hochbegabte und talentierte junge Leute besonders gefördert werden, aber muss nicht im gleichen Umfang auch „in die Breite“ gearbeitet werden? Nicht jeder Schüler verlässt die Schule als Supermann und nicht jeder wird ein Crack in seinem Beruf. Nicht jeder Medizinstudent kann Chefarzt werden und nicht jeder begabte Ingenieur Chefentwickler bei der Motorenabteilung von Porsche oder Mercedes, nicht aus allen BWL-Studenten wird mal ein Spitzenmanager und nicht jeder Jurastudent landet am Bundesgerichtshof . Ob die oder der Einzelne(r) das wirklich wollen, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, aber gerade darum müssen ALLE Studenten Bedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben, ihren Möglichkeiten entsprechend EXZELLENT zu sein!

Und dann gibt es noch das schöne alte Argument, dass früher ja auch in großen Klassen unterrichtet wurde und aus diesen Schülerinnen und Schülern schließlich auch etwas geworden sei. Klar, ich bin auch gemeinsam mit 53 weiteren Schülern eingeschult worden, aber damals waren die Zeiten anders. Wer von uns möchte denn zurück in die Fünfziger Jahre – ohne PC, ohne moderne Kommunikationssysteme, ohne Fernsehen, ohne, ohne ohne …?

Kinder von heute wachsen anders auf als es diejenigen taten, die heute über die Bildungschancen der heutigen Kinder und der Erwachsenen von morgen bestimmen. Sie haben die Veränderungen zwar miterlebt, aber noch nicht so verinnerlicht, dass sie daraus die richtigen Schlüsse für ihre Entscheidungen ziehen.

So werden beispielsweise junge Mütter geradezu gedrängt, so schnell wie möglich in den Beruf zurück zu kehren, aber es gibt gar nicht genug Einrichtungen, denen die jungen Mütter guten Gewissens ihre Kinder anvertrauen könnten, und nicht jede Oma ist vor Ort oder hat Kraft, Lust dazu und auch Freude daran, eine weitere Generation groß zu ziehen!!! Viele junge Kinder bleiben sich selbst überlassen und das „wichtigste“ Bildungsinstrument ist der Fernseher oder der PC mit Internetanschluß. Viele Eltern können nicht Schritt halten mit den Erfordernissen der Zeit, können ihren Kindern nicht helfen, sind selbst mit den Anforderungen überfordert die ihnen und ihren Kindern von einem mit viel zu viel „Stoff“ überfrachteten Schulsystem zugemutet werden. Aber die Erkenntnis, dass Eltern und Kinder Hilfe brauchen ist doch nicht neu, das haben wir doch schon in den siebziger und achtziger Jahren diskutiert. Es gab mal eine Forderung, dass an jeder Schule mindestens ein Schulsozialarbeiter angestellt sein solle – ein Witz, wenn man bedenkt, wieviel Zeit pro Schüler zur Verfügung stehen würde, selbst wenn es NUR eine kleine Schule mit ca 150 Schülern beträfe -, doch selbst davon ist man aber immer noch weit entfernt, obwohl es an gut ausgebildeten Sozialpädagogen und Sozialarbeitern nicht mangelt!

Und was die Ausstattung von Schulen angeht, welcher Architekt oder Ingenieur arbeitet heute noch ausschließlich mit dem Rechenschieber? Aber in deutschen Schulen wird immer noch mit Kreide an die (allerdings nun doch nicht mehr aus Schiefer bestehende) Tafel geschrieben. Moderne Medien sind in den meisten Schulen nicht zu finden! Schlecht ausgestattete Physik- und Chemieräume ermöglichen nun mal keinen erstklassigen Unterricht, der naturwissenschaftliches Denken fördert und Jugendliche für ein entsprechendes Studium begeistert. Schlecht ausgestattete Musik- und Kunsträume ermöglichen nun einmal nicht die Entdeckung und Förderung musisch-kreativer Begabungen auch der Kinder, die zu Hause kein Klavier stehen haben und deren Eltern mit ihnen nicht regelmäßig in Kunstausstellungen und oder Konzerte gehen, für die Musik, Kunst, Theater und Literatur nun mal nicht zu wichtigen Bereichen des Lebens gehören. Große Klassen ermöglichen nun einmal nicht die individuelle Förderung der Begabungen, die jeder Mensch von Natur aus hat und lassen viele Lehrerinnen und Lehrer viel zu vorzeitig resignieren und nur noch gerade so das Soll des Lehrplans erfüllen – auch wenn sie mal mit viel Idealismus in ihr Lehrerdasein gestartet sind

Die Welt – zumal die Wirtschaft und ihre gesellschaftlichen Bedingungen – verändern sich rasant. Nur im deutschen Bildungssystem soll alles so (dreigliedrig) bleiben, wie es war.

Ach nein, der Bildungsgipfel will ja gerade bessere Schulen, bessere Kindergärten, bessere Universitäten …

Aber das kostet natürlich Geld, viel Geld.

Wer das bezahlen soll und will?

Könnte nicht die Bundesregierung ihr Milliardenrettungspaket für die Banken an die Auflage knüpfen, in Zukunft Patenschaften zu übernehmen für Kitas, Schulen, Berufsschulen, Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten? Nein?

Nein!

Bildung muss immer und unbedingt Aufgabe des Staates bleiben – das sind wir alle -, und der Staat muss investieren in die Zukunft unserer Kinder, schließlich hängt auch unsere Zukunft davon ab, wie gut und sorgfältig junge Menschen gebildet werden – nicht nur und in erster Linie ausgebildet für die Bedürfnisse der Wirtschaft, sondern ausgerichtet an den Bedürfnissen ihres und unseres Menschseins!

Ach ja,

in den Zusammenhang passt auch die Nachricht gut hinein, dass das ZDF die streitbare und manchmal etwas vorlaute Journalistin Elke Heidenreich gefeuert hat – Lesen bildet zwar, bringt aber halt weniger Quote als ein Moderator, der sich als Hanswurst in ein Senffass tauchen lässt …

Nur die Blätter leuchten golden … 22. Oktober, 2008

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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… und geben diesem trüben Tag einen sanften Glanz.

Ganz unverkennbar, es geht zu Ende mit dem „Goldenen Oktober“, obwohl wir ja laut Kalender durchaus noch ein paar Tage lang Oktober haben, nur golden – ich meine, so richtig „golden“ mit tiefblauem Himmel und immer noch wärmender Sonne – werden diese Tage wohl nicht mehr werden …

Gestern haben wir das Gärtchen winterfest gemacht, d.h. das hatte ich ja eigentlich und weitgehend schon in der letzten Woche zwischen den diversen Besuchen bei meinen invaliden Lieben in Angriff genommen – Stauden zurück geschnitten, Blumenzwiebeln verbuddelt, die Pumpen aus Teich und Wasserbecken genommen (samt Schlamm und Modder, abgestorbenen Teichpflanzen — Seerosenblüten, Blätter, Stängeln und all den vielen Blättern, die, vom Winde verweht, im kleinen Teich gelandet sind!), ein bisschen Heide gepflanzt und ungefähr eine Million Ebereschenbeeren aufgefegt und zusammengeharkt und natürlich auch jede Menge Blätter …

Gestern mussten nur noch die Terrassenmöbel ins Winterquartier gebracht werden, was immer eine logistische Herausforderung bedeutet, haben wir doch nur ein sehr kleines Gartenhäuschen, das überdies schon mit zwei Regalen, dem Rasenmäher und den üblichen Gartengeräten gut gefüllt ist und nun auch noch Grill, Tische, Stühle, allerhand Dekokram und den tönernen Ofen aufnehmen muss…

Also heißt es, erst einmal alles ausräumen und dann alle Dinge so wieder einräumen und verstauen, dass alles Platz findet und das Häuschen dennoch begehbar bleibt, schließlich müssen wir ja noch Säge, Hecken- und Astscheren, Spaten und Harken erreichen, den großen Abfallsack für die /mit den weiteren Millionen Ebereschenbeeren und Blättern unterstellen (damit er er nicht voll regnet bevor wir ihn zur Grünannahme fahren), an die Steckdose gelangen können (für die adventliche Gartenillumination , ähhh!) und überhaupt und sowieso, man weiß ja nie, was man plötzlich so braucht, oder? !!! Die Gartenliegen wurden darum in diesem Jahr in den Keller verfrachtet (der ist ohnehin zum Möbellager mutiert und müsste dringend erweitert oder geräumt werden…)!

Und weil ich ja immer noch zwischen Vater im Altenheim und Mutter im Krankenhaus pendel und außerdem Herbstferien habe, in denen ich nicht schon um 8.00h voller Tatendrang durch die Gegend renne (ich bin nämlich ein ausgesprochener Nachtmensch mit Morgenslangeschlafen-Gen) und demzufolge ein ohnehin begrenztes Zeitkonto für Draußenarbeit bei Tageslicht habe, bin ich mit dem Winterfestmachen nicht so ganz fertig geworden, und so werde ich wohl morgen, wenn es nach der Wettervorhersage auch wirklich nicht regnet, die Kübelpflanzen in frostabweisende bzw. -mindernde Hüllen packen und die letzen blühenden fleißigen Lieschen aus den Balkonkästen nehmen und durch „Erika“ und ihre Verwandten ersetzen… und darauf hoffen, dass die drei letzten Tomaten genießbar sind, die ich nun doch grün ernten muss, weil die Sonne sie einfach nicht mehr rot und reif werden lässt.

 

Und bei all diesen meinen wichtigen Tätigkeiten und Überlegungen dreht sich die Welt einfach weiter, produziert Neuigkeiten, die alltäglichen Kleinigkeiten, wie das außergewöhnlich Großartige, Feiern und Feste (Sukkot fiel in diese Tage), Klatsch und Tratsch, Intrigen, Gemeinheiten und Unverständliches, Irrungen und Wirrungen, offiziell und sehr privat … bei Banken, Volkswirtschaften und Völkern  …  sterben Kinder bei Selbstmordattentaten und Soldaten auf Friedensmissionen, Politiker im Vollrausch oder durch einfaches Verschwinden (wo ist den nun dieser nordkoreanische Kim abgeblieben?)  …  finden Wahlen statt oder werden verschoben …  werden Preise verliehen und abgelehnt  …  geht alles seinen Gang eben und ich komme kaum oder gar nicht nach, das alles wohlwollend oder mit Kritik, gar mit Abscheu zur Kenntnis zu nehmen und / oder zu kommentieren. Das Private hat Vorrang vor dem Offiziellen …

… und das ist auch gut so – oder doch nicht?

Und so sitze ich hier, sehe in den sanften regennassen Glanz des Tages, komme ins Nachdenken, Grübeln, Notieren …

… und muss schon wieder weiter, nicht ohne mir schnell noch den kleinen Hinweis auf Rilke zu erlauben:

Herbsttag

HERR: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 

so einen merkwürdigen geburtstag … 13. Oktober, 2008

Posted by Rika in familie.
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habe ich noch nie verlebt!

meine mutter liegt schon seit einiger zeit im krankenhaus – sie war im badezimmer unglücklich gestürzt und hatte sich dabei nicht nur einen wirklich riesigen bluterguss im knie zugezogen, sondern auch einen bänderabriß, der zur folge hat, dass sie ohne operation niemals mehr gehen kann. die operation ist nicht ohne risiko, weil meine mutter schwer herzkrank ist und das geschwächte herz die üblichen strapazen einer op nicht mehr ohne weitere probleme bewältigen kann. diese operation war nun im zweiten anlauf (trotz unserer angemeldeten bedenken!!!) just an meinem geburtstag angesetzt. (die bedenken galten wirklich nicht dem datum, sondern den medizinischen tatsachen, die mein medizinprofessorbruder im fernen hessenland zum glück mit den behandelnden ärzten per telefon beredet und mir erläutert hatte!)

als ich gegen mittag von der schule aus in der klinik anrief, teilte man mir mit, meine mutter sei noch im op und ich möge doch gegen 16.00h noch einmal anrufen.

angst und empörung machten sich breit.

a) wenn die op schon frühzeitig angesetzt war, was ist dann passiert, dass die mutter immer noch im op ist?

b) und wenn sie nicht seit dem frühen morgen im op ist, wie kann man eine 84jährige frau erst am späten vormittag operieren … (wer je eine op über sich ergehen lassen musste, weiß, warum ich sauer war!)

ein weiterer anruf gegen 14.30h ergab, dass zumindest meine angst unnötig war, da meine mutter GAR NICHT operiert worden war!   der kardiologe hatte befunden, dass das herz im gegenwärtigen zustand zu schwach sei, man daher nicht operieren könne und zunächst herz stärkende maßnahmen ergreifen wolle – wie auch immer die aussehen mögen …   die empörung blieb noch eine weile bestehen, nun aber nicht wegen des vermuteten späten vormittagtermins, sondern wegen des hin und her! wie kann man einer alten dame zumuten, mit der ganzen aufregung und angst vor einer op in die nacht zu gehen, um dann am späten morgen zu sagen, „nein, wir haben es uns anders überlegt!“?

trotz dieser etwas indifferenten kranken(haus)geschichte meiner mutter und der damit ebenso indifferenten eigenen gefühlslage, wollte ich wie geplant mit dem liebsten und den kindern (samt anhang), die (noch) in erträglicher entfernung zur mütterlichen behausung wohnen oder gerade zuhause weilen, ein bisschen feiern …

… gegen 17.00h meinte der liebste gatte, er wolle haferschleim essen und kamillentee trinken, denn leichte schmerzen im oberbauch hatten sich seit dem frühen nachmittag bemerkbar gemacht und da er diese anzeichen bereits aus sehr unangenehmer und noch nicht lange zurück liegender erfahrung kannte, wollte er vorbeugend tätig werden …

ich kochte ( haferschleim und tee für den liebsten und leckereien für den rest der familie), der liebste musste sich ins bett legen …

die kinder kamen, wir aßen genüßlich, dem liebsten erging es schlecht und schlechter …

schließlich brachten wir ihn in das vom leibarzt empfohlene krankenhaus … er wurde gründlich untersucht und da behalten …

und dort ist er immer noch! die ärzte rätseln und geben sich mühe, den ursachen der schmerzen auf die spur zu kommen…

er liegt im stockwerk über der mutter … praktisch, oder?

wäre mein vater auch noch im krankenhaus ….

aber so pendel ich zwischen vater im altenheim und mutter im krankenhaus, dem liebstem gatten und unserem schönen zuhause … und könnte glatt die krise kriegen und angst und was weiß ich noch …

die studententochter ist zum glück da und pendelt mit und der älteste und seine liebste auch …

doch eigentlich wollte ich mit dem allerliebsten gatten an der nordsee urlaub machen, weil wir ja seit freitagmittag herbstferien haben in niedersachsen, könnte mir die gute luft in spieka um die nase wehen lassen und zur ruhe kommen und überhaupt …

… aber leider habe ich nicht die leiseste ahnung, wie das alles weitergehen wird …

dabei war es ein wunderbar schöner tag … goldener oktober … herbstliebe!

Herr Nachbar will zum Schiedsgericht… 8. Oktober, 2008

Posted by Rika in familie.
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… und wir sollen mit!

Heute kam ein gelber Briefumschlag mit dem Aufdruck „förmliche Zustellung“ mit der Post und der liebste Gatte, der ihn mit etlichen anderen Umschlägen und den üblichen Reklamezettelchen ins Haus brachte, meinte, noch bevor er den Umschlag geöffnet hatte, dass der freundliche Nachbar nun wohl offiziell gegen uns vorgehen würde.

Und in der Tat, so ist es. Wir werden vor ein Schiedsamt zur Schlichtungsverhandlung geladen. Herr Nachbar erhebt folgenden Anspruch:

„Die Bäume und Sträucher an der Grundstücksgrenze zum Grundstück xxx sollen auf das gesetzliche Maß zurückgeschnitten werden. Ich fordere, dass der Geräteschuppen von meiner Grundstück an der Grenze entfernt wird.“ (So steht es da, obwohl es „meinem“ heißen müsste, ja, ja, ich kann auch ganz, ganz kleinkariert sein!)

Die Sache mit den Bäumen, glaubten wir, sei eigentlich geklärt, hatte doch mein Mann in einem weiteren Gespräch zum xten Mal erklärt und zugesichert, dass wir die Fichte spätesten im Frühjahr 2010 ganz fällen und sie in diesem Jahr, wie in allen Jahren zuvor, samt den 3 Koniferen, dem Eibisch und dem Flieder im Herbst bzw. Winter kräftig zurückschneiden werden.

Nun, das reicht dem Herrn Nachbarn offensichtlich nicht, er will die Regelung SOFORT! Aber was das angeht, hat die Fichte möglicherweise das Recht auf ihrer Seite, jedenfalls nehmen wir das aufgrund des Niedersächsischen Nachbarschaftsrecht an. Das trifft Ausssagen über den Bestand alter Bäume und unsere Bäume und Büsche sind schon alt … sie sind mit uns gealtert, ich schrieb ja schon darüber!

Die Lage unseres Gartenhäuschen – „Geräteschuppen“ nennt es der Nachbar – scheint ein wenig komplizierter zu sein, auch darüber schrieb ich, aber auch da ließe sich sicher ein Kompromiss finden – und wenn es nicht anders geht, versetzen wir halt das Häuschen, die Terrasse, den kleinen Teich, unsere ganze lieb gewordene Schwedenecke …. der liebste Gatte hat in seinem Ruhestand ja genug Zeit …. das ist nicht die Welt …

Viel schlimmer als das Fällen oder Zurückschneiden der Bäume und das Versetzen des Häuschens samt der Schwedenecke empfinde ich aber die Unnachgiebigkeit und Härte, mit der der Nachbar seine Ziele und „sein Recht“ verfolgt und es wird mir Angst und Bange bei der Vorstellung, was ihm im Laufe der Zeit noch alles einfallen könnte, mit dem er uns reglementieren und einschränken könnte und so unserer Lebensfreude im Gärtchen berauben würde … Grillen, Feuer im Gartenkamin, im Sommer mit Freunden auf der Terrasse sitzen und klönen nur noch bis 22.00h ? …

Wir fänden es viel netter, mit ihm und seiner Lebensgefährtin gemeinsam an lauen Sommerabenden auf der Terrasse bei einem guten Wein das Leben zu genießen …

Herrn Nachbar wäre es am liebsten, so erklärte er es meinem Mann im letzten Gespräch, wir würden auch so einen hübschen und 1.80 hohen Zaun wie er ihn gebaut hat (siehe Bild)

an die Grenze setzen und alle unsere Bäume und Büsche entfernen.

Das, erwiderte ihm mein Mann, entspräche nicht so ganz unserer Vorstellung von Garten und Natur – und die Lebensgefährtin des Herrn Nachbar ließ daraufhin erkennen, dass sie, wie wir, etwas Grün, Büschchen und Bäumchen an der Grenze ganz schön findet …

Das macht die Sache nicht einfacher, muss „Herr Nachbar“ doch nicht nur „sein Recht“ uns gegenüber behaupten, er muss wohl auch um jeden Preis sicher stellen, dass ER der „Herr im Haus“ ist.

Vielleicht sollte ich ihm eine Kopie dieser schönen Broschüre in den Briefkasten stecken zusammen mit der Einladung zu herbstlichem Zwiebelkuchen und Federweißem … oder zu Bier mit Grünkohl und Pinkel, das ist hier in Niedersachsen einfach bodenständiger …

aber dazu muss es natürlich erst richtig kalt werden …puhhh!

Übrigens sieht es links von uns so aus:

Unser linker Nachbar brachte beim Einzug einen kleinen Hund mit und weil der noch jung und unerfahren war und überall nach Hundeart das Terrain erkundete und gerne Löcher buddelte, setzte der Nachbar wieder Zäune rechts und links, nachdem die alten Zäune schon gefallen waren und nur noch Rasenkantensteine die „Grenze“ markierten.

Die beiden nächsten Nachbar bauten eine Rundbank um die Blutpflaume, die mitten auf der Grenze steht. Das sieht schön und einladend aus, wenngleich es sich Schulter an Schulter nicht ganz so gut miteinander quatschen und reden lässt, wie es die einladende Bank verspricht …

Wir hatten unseren rechten Zaun auch schon abbauen wollen, doch dann kaufte ein junges Ehepaar (die Vorgänger des jetzigen rechten Nachbarn) das Haus und wir hatten Sorge ihre beiden kleinen Kinder könnten in unseren Gartenteich fallen und ertrinken, ist der Teich doch immerhin 80 cm tief! So blieb der Zaun stehen und wir schlossen auch noch die Lücke zwischen Zaun und Häuschen und pflanzten gemeinsam mit den Nachbarn je einen Weinstock an jede Seite des Rankgitters. Im Sommer hat der „Neue“ den Wein auf seiner Seite abgeschnitten, die Ranken vom Gitter gerissen und die Wurzel ausgebuddelt, er habe Angst gehabt, sagte er uns NACH DER AKTION, der über unser Häuschen rankende Wein könne das Dach beschädigen.

Hätte er nicht wenigstens fragen können ob wir seine Besorgnis teilen?

Wenn ein junger Mann … 4. Oktober, 2008

Posted by Rika in schule - kinder.
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… gerade 18 Jahre alt geworden, Schüler einer Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung und nicht in der Lage, eine wie einfach auch immer gestellte Aufgabe – ob rein theoretischer oder ganz praktischer Natur – ohne weitere Hilfe zu bearbeiten (im Gegensatz zu nahezu allen anderen Mitschülern seiner Klasse) und zudem generell mit massiven Verständnisschwierigkeiten und offensichtlicher Orientierungslosigkeit konfrontiert, wenn dieser junge Mann also auf Anhieb den Führerschein besteht und zwar sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, dann macht mich das sehr, sehr nachdenklich …

Denn müssen nicht an irgendeiner Stelle im „System Schule“ oder im „System Führerscheinerwerb“ gravierende Fehler gemacht worden sein?

Entweder hat sich die Schule permanent durch das schon Jahre währende Verhalten und die erbrachten Leistungen des Schülers täuschen lassen und er ist in Wirklichkeit sehr, sehr, sehr viel intelligenter und lebenstüchtiger und bleibt nur in der Schule weit, weit unter seinen „wirklichen“ Möglichkeiten oder beim Erwerb des Führerscheins kann es nicht mit rechten Dingen zu gegangen sein.

Wo auch immer der Knackpunkt verborgen ist – mir ist es jedenfalls ganz und gar nicht wohl bei der Geschichte und ich male mir in Albtraum ähnlichen Angstzuständen aus, wie ein junger Mensch entweder um seine Zukunft betrogen ist oder wie andere Menschen durch eben diesen jungen Mann tagtäglich in Gefahr gebracht werden, fährt er doch mittlerweile mit dem eigenen Auto in der Gegend rum …!!!

Wie auch immer man es betrachtet, es ist nicht gut!

Ich muss vielleicht noch ergänzen, dass der junge Mann zwar rein mechanisch einfache mathematische Aufgaben lösen kann (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division) und auch über einen erstaunlichen Sprachschatz verfügt, es ihm aber nicht möglich ist, einen Text Sinn entnehmend zu lesen, darin enthaltene Informationen weiter zu verarbeiten oder logische Schlussfolgerungen aus Texten und / oder mathematischen Aufgaben zu ziehen… (ganz einfaches Beispiel – Fragestellung: Ein Mann kauft auf dem Markt zwei Kilo Kartoffeln und 1Kilo Äpfel, die er nach Hause trägt. Wie schwer wiegt sein Einkauf? Antwort: „Vielleicht bringt ja seine Mutter die Sachen nach Hause!“ … Eine beachtensswerte Überlegung, aber nicht die Antwort auf die Frage!)

Es ist mir rätselhaft, wie sich ein Mensch, der an den einfachsten Aufgaben in der Schule scheitert, in den komplexen und oftmals auf Anhieb schwer zu durchschauenden und geradezu mörderischen Verkehrssituationen (im wahrsten Sinne des Wortes!) zurecht finden kann …

Leider habe ich gar keine Ahnung, wie ich diesem Rätsel und dem vermuteten „Geheimnis seiner wahren Fähigkeiten“ auf die Spur kommen könnte – unabhängig von den bekannten Testverfahren – und welche Schritte ich nötigenfalls unternehmen müsste, um mögliche schwerwiegende und verhängnisvolle Folgen abzuwenden…

Aber dass man etwas tun müsste, liegt doch eigentlich auf der Hand … ?!

NACHLESE(N) 1. Oktober, 2008

Posted by Rika in vermischtes.
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Die diesjährige Fahrt des VC-GRABPSCH

(so heißt unsere Volleyballgruppe – und das aus gutem Grund!)

führte an den Main …

… nicht um dort Volleyball zu spielen …

… wir hatten es mehr auf den …

abgesehen …

… nicht auf den Keller, natürlich und auch nicht ausschließlich auf die Flaschen aus diesem, gibt es doch in der Stadt vorzügliche Weine aus dem ganzen Frankenland zu verkosten … und Gesottenes und Gebratenes dazu … und Natur, Kultur und Geschichte obendrein … eine bekömmliche Mischung halt, ganz nach dem Geschmack der Grabpscher.

Wir machen das schon seit 22 Jahren so … für ein Wochenende miteinander verreisen … in eine Stadt … oder aufs Land … mal mehr Kultur … mal mehr Natur … mit Bus … oder Bahn … oder dem Auto (mehreren Autos natürlich, schließlich spielen die Aktiven nicht nur zu viert oder fünft und der Fanclub ist ja auch immer dabei!) …

…  und diesmal stand Würzburg auf dem Programm samt Rundgang mit einem überaus kompetenten Stadtführer … einem Ausflug per Schiff zum Rokokogarten … der Eroberung Besichtigung der Festung Marienberg … der wunderbaren Unterkunft HimmelspfortenWeinproben … und fränkischen Leckereien!

Es traf sich zufällig und gut, dass (1.) wir aus dem Hannöverschen an diesem Wochenende die Freude hatten, den Bayern überlegen zu sein und uns (2.) der Stadtführer auf den ewigen Konflikt der Franken mit den Bayern hingewiesen hatte – und ich es heute darum viel besser verstehe, dass die Bayern, dem (alten) Vorurteil entsprechend, sich wieder einmal gegen die Franken durchgesetzt und ihren Ministerpräsidenten durch die Wahl zum Rücktritt überredet haben …

Nun ist es ja eine alte Weisheit, dass Reisen bildet und so brachte diese außer den erwarteten und überraschenden Freuden auch erhellende An- und Einsichten mit sich!