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Nur die Blätter leuchten golden … 22. Oktober, 2008

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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… und geben diesem trüben Tag einen sanften Glanz.

Ganz unverkennbar, es geht zu Ende mit dem „Goldenen Oktober“, obwohl wir ja laut Kalender durchaus noch ein paar Tage lang Oktober haben, nur golden – ich meine, so richtig „golden“ mit tiefblauem Himmel und immer noch wärmender Sonne – werden diese Tage wohl nicht mehr werden …

Gestern haben wir das Gärtchen winterfest gemacht, d.h. das hatte ich ja eigentlich und weitgehend schon in der letzten Woche zwischen den diversen Besuchen bei meinen invaliden Lieben in Angriff genommen – Stauden zurück geschnitten, Blumenzwiebeln verbuddelt, die Pumpen aus Teich und Wasserbecken genommen (samt Schlamm und Modder, abgestorbenen Teichpflanzen — Seerosenblüten, Blätter, Stängeln und all den vielen Blättern, die, vom Winde verweht, im kleinen Teich gelandet sind!), ein bisschen Heide gepflanzt und ungefähr eine Million Ebereschenbeeren aufgefegt und zusammengeharkt und natürlich auch jede Menge Blätter …

Gestern mussten nur noch die Terrassenmöbel ins Winterquartier gebracht werden, was immer eine logistische Herausforderung bedeutet, haben wir doch nur ein sehr kleines Gartenhäuschen, das überdies schon mit zwei Regalen, dem Rasenmäher und den üblichen Gartengeräten gut gefüllt ist und nun auch noch Grill, Tische, Stühle, allerhand Dekokram und den tönernen Ofen aufnehmen muss…

Also heißt es, erst einmal alles ausräumen und dann alle Dinge so wieder einräumen und verstauen, dass alles Platz findet und das Häuschen dennoch begehbar bleibt, schließlich müssen wir ja noch Säge, Hecken- und Astscheren, Spaten und Harken erreichen, den großen Abfallsack für die /mit den weiteren Millionen Ebereschenbeeren und Blättern unterstellen (damit er er nicht voll regnet bevor wir ihn zur Grünannahme fahren), an die Steckdose gelangen können (für die adventliche Gartenillumination , ähhh!) und überhaupt und sowieso, man weiß ja nie, was man plötzlich so braucht, oder? !!! Die Gartenliegen wurden darum in diesem Jahr in den Keller verfrachtet (der ist ohnehin zum Möbellager mutiert und müsste dringend erweitert oder geräumt werden…)!

Und weil ich ja immer noch zwischen Vater im Altenheim und Mutter im Krankenhaus pendel und außerdem Herbstferien habe, in denen ich nicht schon um 8.00h voller Tatendrang durch die Gegend renne (ich bin nämlich ein ausgesprochener Nachtmensch mit Morgenslangeschlafen-Gen) und demzufolge ein ohnehin begrenztes Zeitkonto für Draußenarbeit bei Tageslicht habe, bin ich mit dem Winterfestmachen nicht so ganz fertig geworden, und so werde ich wohl morgen, wenn es nach der Wettervorhersage auch wirklich nicht regnet, die Kübelpflanzen in frostabweisende bzw. -mindernde Hüllen packen und die letzen blühenden fleißigen Lieschen aus den Balkonkästen nehmen und durch „Erika“ und ihre Verwandten ersetzen… und darauf hoffen, dass die drei letzten Tomaten genießbar sind, die ich nun doch grün ernten muss, weil die Sonne sie einfach nicht mehr rot und reif werden lässt.

 

Und bei all diesen meinen wichtigen Tätigkeiten und Überlegungen dreht sich die Welt einfach weiter, produziert Neuigkeiten, die alltäglichen Kleinigkeiten, wie das außergewöhnlich Großartige, Feiern und Feste (Sukkot fiel in diese Tage), Klatsch und Tratsch, Intrigen, Gemeinheiten und Unverständliches, Irrungen und Wirrungen, offiziell und sehr privat … bei Banken, Volkswirtschaften und Völkern  …  sterben Kinder bei Selbstmordattentaten und Soldaten auf Friedensmissionen, Politiker im Vollrausch oder durch einfaches Verschwinden (wo ist den nun dieser nordkoreanische Kim abgeblieben?)  …  finden Wahlen statt oder werden verschoben …  werden Preise verliehen und abgelehnt  …  geht alles seinen Gang eben und ich komme kaum oder gar nicht nach, das alles wohlwollend oder mit Kritik, gar mit Abscheu zur Kenntnis zu nehmen und / oder zu kommentieren. Das Private hat Vorrang vor dem Offiziellen …

… und das ist auch gut so – oder doch nicht?

Und so sitze ich hier, sehe in den sanften regennassen Glanz des Tages, komme ins Nachdenken, Grübeln, Notieren …

… und muss schon wieder weiter, nicht ohne mir schnell noch den kleinen Hinweis auf Rilke zu erlauben:

Herbsttag

HERR: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 

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