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Diamantene Hochzeit … 14. November, 2008

Posted by Rika in familie.
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… und mehr als 60 (gemeinsame) Jahre …

Es wird berichtet, dass eines schönen Sonntages ein junger Mann von gerade mal 17 Jahren in der Versammlung der Brüdergemeinde in einem sauerländischen Städtchen an der Lenne ein junges Mädchen sah, das gerade mit der älteren Schwester den Raum betrat, um wie alle anderen Anwesenden am nachmittäglichen Gottesdienst teilzunehmen. Es sei sogleich um ihn geschehen gewesen, wird weiter berichtet, er habe auf der Stelle beschlossen, dass dieses anmutige und bezaubernde Wesen, dessen Namen er nicht kannte und von dem er nicht mehr wusste, als das es sehr schön war, dass dieses junge Mädchen also seine Frau werden müsste, was heißt müsste, werden wird!

Wie es der Zufall wollte, war es ausgerechnet der Bruder der jungen Schönen, den der verliebte Jüngling, der als Gast in der Gemeinde weilte, gefragt hatte, ob er das hübsche junge Mädchen dort in der Bank kenne. „Selbstverständlich!“, war die prompte Antwort, „Das ist meine Schwester!“

Und obwohl der junge Mann nicht auf der Suche nach einem neuen Freund war, erkannte er mit sicherem Instinkt, dass eine Freundschaft zu dem netten jungen Mann neben ihm nur von Vorteil sein könnte. Nach dem Gottesdienst, von dem vermutet werden kann, dass er mit keinem Lied und keinem Wort Eindruck auf den jungen Mann gemacht hatte, verabredete man sich zu einem Spaziergang – es war damals, so erzählte man mir, durchaus üblich, dass sich die hoffnungsvolle Jugend in Wald und Flur und frischer Luft an und bei Spaziergängen ergötzte. Dem jungen Mädchen, erst 15 Jahre jung, blieb der neue Freund des Bruders natürlich nicht lange verborgen, es machte aber keine Anstalten, den unbekannten Jüngling kennen lernen zu wollen, im Gegenteil, es ging ihm gezielt aus dem Weg!

Und so begann ein langer und listenreicher Werbefeldzug des Jungen Mannes um die, die er zu seiner Herzdame und späteren Ehefrau erkoren hatte.

Was sich so romantisch-unschuldig anhört, fiel jedoch in die alles andere als romantische und unschuldige Zeit der ersten Kriegsmonate und Jahre des zweiten Weltkriegs, den der junge Mann alsbald als Soldat erlebte und das junge Fräulein im Büro.

Die Verlobung

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fiel in die Zeit, als sich nicht nur die Niederlage der Deutschen bei Stalingrad abzeichnete ( Silvester 42/43) sondern die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des ganzen Krieges immer deutlicher wurde und der Schrecken auch immer näher an die Kleinstadt im Sauerland rückte und der junge Mann nur noch äußerst selten Urlaub bekam, um seine Liebste zu sehen – und schließlich ab 44 gar nicht mehr – und die Liebste immer öfter vom Büro in den nahen Bunker fliehen musste und ihre Nächte mit der ganzen Familie und der übrigen Hausgemeinschaft überwiegend im Luftschutzkeller verbrachte.

Man schrieb sich lange Briefe und endlich war der Krieg vorbei.

In Italien wurde der junge Mann als Soldat von englischen Truppen gefangen genommen und als Kriegsgefangener nach Ägypten verfrachtet, in ein PoW-Camp in der Nähe des Suez-Kanals. Er gehörte zu den privilegierten Gefangenen, die sich nach den ersten schwierigen Monaten mit sinnvollen Tätigkeiten die langsam verrinnende Zeit vertreiben durften und begann ein Studium an der eigens gegründeten theologischen Schule.

In der fernen Heimat hungerte die Braut und mit ihr die ganze Familie und Millionen andere Leute auch. Man ging auf Hamsterfahrt und sammelte Bucheckern, kochte selbst aus Kartoffelschalen die leckersten Gerichte und war ansonsten schlank, sehr schlank!

Und schrieb wieder! Viele, viele Briefe gingen hin und her zwischen dem Lager im sonnigen Ägypten und der Stadt im deutschen Nachkriegsalltag.

Und endlich, mit dem vorletzten Transport, der das Lager am großen Bittersee verließ, machte sich der junge Mann auf den Weg in die beinahe fremd gewordene Heimat, auf den Weg zu seiner Familie und zu seiner Braut.

Im Oktober 1948 kam er zu Hause an, am 13. November wurde Hochzeit gefeiert!

Ein Jahr später im Oktober wurde ich geboren. Drei Jahre und vier Monate später, im Februar, mein Bruder.

60 Jahre – leben, lieben, arbeiten, feiern, streiten, beten, hoffen, glauben, leiden, freuen seither, Jahre, über die ich an anderer Stelle das eine oder andere berichten werde.

60 Jahre unter GOTTES Segen!


Herzlichen Glückwunsch, liebe Eltern!


60 Jahre … Und sagt Gott Dank allezeit für ALLES!

abenstimmung

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