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Einsamer alter Mann … 3. Februar, 2009

Posted by Rika in aktuell.
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… möchte man fast mitleidig sagen, wenn man die jüngsten Berichte über den „deutschenPapst“ liest,  über seine Wertschätzung für die Theologie, seine Liebe zu den Büchern, sein emsiges Schaffen an seinem Jesusbuch … und … und … und…

Von Politik verstünde er nichts,  ist zu lesen und wolle er auch nichts verstehen, dafür seien seine Berater und seine „Minister“ zuständig, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, wie die HAZ in ihrer Printausgabe schreibt.  Auch mit Kirchenpolitik hat er wohl nichts am Hut, sofern damit mehr die Politik und weniger die Kirche gemeint ist. Die Einheit der Kirche sei ihm allerdings äußerst wichtig, geradezu existentiell wichtig. Darum habe er auch die abtrünnigen Pius-Brüder wieder in den Schoss der Kirche aufgenommen – und die liberalen und modernen Glaubensbrüder umso mehr brüskiert.  Dass unter dem Dach der Piusbruderschaft  christlicher Antisemitismus gepredigt wird und ein erklärter Holocaust-Leugner mit zu den Begnadigten gehört, scheint für den Papst weniger wesentlich zu sein wie diese „Einheit der Kirche“!

Darum riskiert er einen totalen Bruch im Dialog mit den Juden und verstört all jene, die gerade von ihm eine deutliche Stellungnahme erwarten. Die sei ja nach Meinung durchaus  „papstkritischer Insiderstimmen in Rom“ klar und deutlich erfolgt, meint die HAZ zu wissen und schreibt: „Benedikts Haltung gegenüber den Juden, sagen sie, sei über jeden Zweifel erhaben.“  Das freilich sieht Frau Merkel anders und verlangt

Benedikt XVI. und der Vatikan müssten „eindeutig klarstellen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben darf

So ganz nebenbei vergrätzte er vor einiger Zeit  die Christen, die sich dem lutherischen  und / oder reformatorischen Zweig der Evangelischen zurechnen, indem er ihnen ganz einfach und schnöde das „Kirche sein“ absprach.

Freikirchen sind dann nach dieser Zurechtweisung erst recht keine „Kirche“ – i.S.v.  „Gemeinschaft der Gläubigen in der Nachfolge Jesu“ – und vermutlich nicht einmal Abtrünnige sondern ganz einfach Heiden … nehme ich mal an.

Von Publicrelations will der einsame alte Mann in Rom gar nichts wissen, das Medienzeitalter liegt jenseits seiner Vorstellung und Abseits seines Interesses, so scheint es.

Die Gruppe seiner Vertrauten sei klein, so heißt es und ansonsten gehe der Papst früh zu Bett. Vermutlich liest er keine Tageszeitungen aus Deutschland und sieht auch keine deutschen Fernsehprogramme. (Ob die italiensischen Medien genauso mit ihm ins Gericht gehen wie die hier in Deutschland?)   So gibt es für ihn auch wenig Möglichkeiten Volkes Stimme zu hören, so es ihn denn überhaupt interessierte.

Die HAZ fragt deshalb unter der Rubrik „Blick in die Zeit“  besorgt, ob Benedikt XVI. beratungsresistent sei oder der Welt entrückt und rätselt:“Was treibt den deutschen Papst?“

Ich habe darauf keine Antwort, allenfalls  folge  ich einer vagen Vermutung, gestützt auf das Flüstern in den diversen Blättern, das Raunen allenthalben, die Verknüpfung seiner vermeintlichen Fehltritte in  „Fettnäpfchen“, angefangen bei der Regensburger Rede – die ich immer noch großartig finde – bis zu dieser überaus unglücklichen Begnadigung höchst suspekt erscheinender Männer der Kirche.  Es sei denkbar, meinen die Rauner, das der Papst die Christen hinter sich und unter seinem Hirtenstab sammle  … für die Zeit, in der die Stärke der Kirche und die Einheit der Christen zu einer absoluten Notwendigkeit werden könnte …

Der  Gedanke der Einheit der „Gemeinde Jesu“, unabhängig von allen hierarchischen Strukturen und von dogmatisch begründeten Unterschieden, dieser Gedanke ist es wert weiter bedacht und weiter gebracht zu werden … aber nciht um jeden Preis.

Der Preis, den der Papst zu zahlen bereit schien, ist mir eindeutig zu hoch!

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Kommentare»

1. curioustraveller - 4. Februar, 2009

Was Benedikt XVI da gebracht hat, war ein Lapsus major – gar keine Zweifel. Wobei man genau genommen sagen muss, dass er z.B. den Bischof Williamson ja nicht rehabilitiert hat – er hat ihm nur die Möglichkeit eröffnet, bei entsprechender Reue, die der ja auch in anderen Bereichen nicht zeigt, in den Schoß der „Mutterkirche“ zurückzukehren. Das führt natürlich zu sehr in die Tiefen katholischen Kirchenrechts, um mit einer Schlagzeile beschrieben zu werden. Da hört sich „Papst begnadigt Holocaust-Leugner“ schon irgendwie verkaufsfördernder an.
Ich ärgere mich darüber, dass der Papst von der gesammelten Presse der Welt nur noch als seniler Tattergreis präsentiert wird. Ich habe einige seiner Bücher gelesen, und ich muss sagen, dass ich von (fast) allen sehr angetan war. Abgesehen von der eindeutig katholischen Seite, die ich so nicht teilen kann.
Was sein Verhältnis der Kirche zu anderen Konfessionen betrifft – da wird viel Halbwissen kolportiert. Er hat bis jetzt nichts anderes gemacht, als das zu wiederholen bzw. zu betonen, was in den entsprechenden Dekreten des 2. vatikanischen Konzils geschrieben steht.
Ich bin kein Papst-Getreuer oder gar ein Fan. Aber ich schätze ihn als scharfsinnigen und kompetenten Theologen, auch wenn ich mich in einigen wichtigen Fragen fundamental von ihm unterscheide.

Zum Selbststudium der Konzilsdekrete sei folgende Seite empfohlen:
http://www.stjosef.at/index.htm?konzil/konzil.php~mainFrame
Da finden sich alle Texte als PDF-Format. Fand ich sehr interessant.

2. Rika - 4. Februar, 2009

„Ich ärgere mich darüber, dass der Papst von der gesammelten Presse der Welt nur noch als seniler Tattergreis präsentiert wird.

ich schätze ihn als scharfsinnigen und kompetenten Theologen, auch wenn ich mich in einigen wichtigen Fragen fundamental von ihm unterscheide.“

Das geht mir recht ähnlich … und ich kann mir nicht vorstellen, dass er wirklich so weltfremd sein soll, wie ihm unterstellt wird …

Mein theologischer Sachverstand geht zwar gegen Null – so ganz ohne Ausbildung und nur dem Interesse verpflichtet, aber sein (erstes) „Jesusbuch“ finde ich großartig!

Danke für den Link!

3. Azuriana - 4. Februar, 2009

Möchte mich curioustraveller anschliessen und einen Punkt ergänzen: Es war ja von protestantischer Seite GEWOLLT, aus der apostolischen Sukzession auszuscheren. Da dies aber zum katholischen Selbstverständnis von Kirche dazugehört, KANN eine evangelische Kirche IM KATHOLISCHEN SINN keine Kirche sein – das heisst nicht, dass sie nicht in der Nachfolge Christi steht; sie tut dies eben nur anders (und in katholischen Augen unvollständig, aber das ist Auslegungssache).

4. Rika - 4. Februar, 2009

http://svtplay.se/v/1426080/uppdrag_granskning/sspx_-_english_version?cb,a1364145,1,f,103536/pb,a1364142,1,f,103536/pl,v,,1426080/sb,p103536,1,f,103536

Der Bericht im schwedischen Fernsehen,
der die verhängnisvolle Rolle eines ultrakonservativen Flügels des Katholizismus unter der Leitung des Holocaust-Leugner Williamson offenbart …

… und das will wirklich niemand aus der offiziellen katholischen Kirche gewusst haben?

5. Azuriana - 5. Februar, 2009

Ja, verstehe ich. Stelle mir die Fragen auch. War der Piusbruderschaft vorher auch eher bei – sagen wir vorsichtig (nicht nur aber auch) merkwürdigen Texten begegnet. Und was die ganze Beurteilung so schwierig macht, ist, dass keine Seite alle ihre Karten offenlegt (oder offenlegen kann).

Dennoch finde ich die jetzt stattfindende Hetzjagd in Politik und Medien scheinheilig und unangemessen. Der Vatikan hat – wenn auch ziemlich spät – reagiert. Williamson & Co. sollen auf die Anerkennung der kirchlichen Lehrtexte verpflichtet werden (usw. ), bevor sie TATSÄCHLICH rehabilitert sind.

Deinen Gedanken, den Du „im Raunen der Blätterwelt“ zu hören glaubst, halte ich im Übrigen gar nicht für so abwegig. Im Gegenteil. Und wenn man sich die Nachwuchsrate der PB anschaut, dann wird auch einiges vielleicht nachvollziehbarer?!?

Ob die Kalkulation aufgeht, bleibt zu hoffen und zu beten.

6. Perry - 6. Februar, 2009

Auf den Webseiten von Il Giorno und Corriere delle Sera ist der Papst und die antisemtische Piusbruderschaft kein Thema.
Die spanische Webseite von el Mundo berichtet ebenfalls nicht darüber.
El Pais berichtet nur insofern über diese Thematik als das es sich um einen Streit zwischen Deutschland und dem Vatikan handelt.

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass sich die großen Nachrichtenmedien der restlichen katholischen Welt, und die Masse der Katholiken lebt nicht in Europa sondern in Mittel- und Südamerika sowie Afrika, sich dieser brisanten Thematik ebenfalls nicht annehmen.

7. Rika - 13. März, 2009

In beeindruckender Weise hat der Papst mit einem persönlichen Schreiben an die Bischöfe auf die Kritik an ihm und dem Vorgehen mit der Piusbruderschaft reagiert:

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E330C9B48B4CA45018539B4AE62D1F961~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Auszüge daraus:
„Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlichjüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen un d weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern.“


„Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, daß Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muß deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen.“

„War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, daß ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmißverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“ (Lk 22, 32). Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“ (1 Petr 3, 15). In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) – im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. “

„Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Daß die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger – wenn irgend möglich – zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen läßt?“

„Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, daß ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5, 13 – 15 auslegen und kommentieren mußte. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, daß wir auch nicht besser sind als die Galater? Daß uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Daß wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und daß wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe?“

„Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.“

Das sind starke Worte, die unabhängig von dem Prozedere der Kirche, von dem ich persönlich zu wenig, wenn nichts verstehe, in seltener Deutlichkeit auf den hinweisen, der Sinn und Halt, Weg und Ziel, Ursprung und Vollendung allen Glaubens ist:
Jesus Christus, Sohn Gottes, Heil der Welt!


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