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Was haben die „Satanischen Verse“ mit dem Papst zu tun…? 15. Februar, 2009

Posted by Rika in islam.
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„Nichts bis wenig“ könnte man als interessierter und aufgeklärter Mitteleuropäer auf diese Frage antworten.

Die „Satanischen Verse“, genauer gesagt der Autor des Romans, Salman Rushdie,  wurden vor 20 Jahren mit einem Bann einer islamischen Autorität belegt, nein, eigentlich mit DEM  Bann DER islamischen Autorität, der Fatwa des Mullah Khomeini nämlich, der das Kunststück fertig brachte, den Schah von Persien zu stürzen und einen islamischen Gottesstaat zu errichten …  ist eine Weile her, ich weiß …

Seit Mullah Khomeini sein Pariser Exil verließ, um im  Iran nach dem Rechten zu sehen und dafür zu sorgen, dass dem Islam (im Iran, doch wie sich schnell zeigte, nicht nur dort!) in ausreichendem Maße Genüge getan wird, stehen die aufgeklärten Gesellschaften des christlichen Abendlandes und ihre Trabanten vor einem unlösbaren Konflikt Rätsel:

„Dürfen wir oder dürfen wir nicht?

Dürfen wir in unserem christlichen Abendland – mit zugegebener Maßen großer jüdischer Tradition – tun und lassen was wir wollen oder dürfen wir nicht?

Respektive dürfen Muslime frei und ohne Selbstbeschränkung im christlichen Abendland erfundene oder tatsächliche Geschichten erzählen, die die moralisch-ethischen Aspekte muslimischen Lebens berühren und dabei islamische Traditionen unter Umständen in zwielichtige Betrachtungen bringen KÖNNTEN  oder dürfen sie nicht?

Muslime dürfen NICHT!  Das ist mittlerweile klar belegt, Zuwiderhandlungen werden mit einer Todesfatwa belegt, wie der Fall Salman Rushdie recht eindrucksvoll belegt!

Dürfen wir (aufgeklärten und christlich-jüdisch  sozialisierten Europäer)  Muslime darin unterstützen, ihre Erzählungen zu veröffentlichen, die die moralisch-ethischen Aspekte muslimischen Lebens berühren und dabei islamische Traditionen unter Umständen in zwielichtige Betrachtungen bringen KÖNNTEN?

Dürfen wir NICHT!

GAR NICHT!

Weil, das bringt auf der Stelle alle muslimische Bürger unseres schönen Europa in einen nicht zu bewältigenden Loyalitätskonflikt – siehe Fatwah -, der die Grenzen der zumutbaren Tolerans für die muslimischen Mitbürger  sprengen KÖNNTE,  dadurch zu  chaotischen Zuständen in den großen europäischen  Städten führen KÖNNTE und damit Instabillität  verursachen KÖNNTE   … und wer möchte das riskieren, stellen  doch beispielsweise  schon so simple Fragen wie gemeinsamer Sportunterricht für Jungen und Mädchen in „Migrationsklassen“ ein riesiges Porblem dar … und das ist doch nun wirklich vergleichsweise harmlos!

Seit Herr Khomeini persönlich die Belange des Islam in Persien – sprich  IRAN –  überwacht hat und seine Anhänger und Nachfolger im Amt des obersten Wächters nach seinem Ableben diese ehrenwerte Aufgabe übernommen und weitergeführt haben, stehen alle ordentlichen Muslime  in der Pflicht, dem Islam weltweit Geltung zu verschaffen und für dessen ordnungsgemäße Umsetzung in allen Belangen des täglichen Lebens zu sorgen. Für die Muslime Europas gilt dies in besonderem Maße, vermutlich, weil Herr Khomeini eine Zeit seines Lebens in Europa verbrachte ….  es kann aber auch mit der glorreichen Vergangenheit im  „Goldenen Zeitalter“ zu tun haben, als Muslime sich via Spanien anschickten,  das christliche Abendland – mit zugegebener Maßen großer jüdischer Tradition – für den Propheten zu gewinnen …

Das christliche Abendland hingegen hat inzwischen gelernt, die christlichen Autoritäten – gleich welcher  Richtung – auf den Prüfstand zu stellen  und zu hinterfragen, ob ein U tatsächlich ein U und nicht etwa ein X sei und Gott das Maß aller Dinge und der Papst unfehlbar!

Päpste erwiesen sich im Lalufe der vielen Jahre seither als Kritik würdig, ja, sogar als Kritik bedürftig, Gott selbst schien nicht unfehlbar und die Religionen  hatten seit den schrecklichen Kriegen im 20. Jahrhundert  als „Angstmacher“ ohnehin ausgedient.

Der Papst in Rom war das geistige Oberhaupt vieler Katholiken und ansonsten ein netter Mann, der alljährlich seinen Segen „Urbi et Orbi“ spendete und den man mit seinen Ansichten zu Schwangerschaftsverhütung, Abtreibung und Homosexualität ohnehin nicht so ganz ernst nahm, wenngleich seine Ansichten schon Ärgernis bedeuteten … und manche Katholiken sich mit dem Gedanken des Kirchenaustritts trugen …  bei den Evangelen war und ist das sowieso noch ein bisschen anders seit Luther und seinen Thesen …  und die feinen Unterschiede in den drei monotheistischen Religionen wurden nicht explizit hervor gehoben oder gar betont … was den  Mullahs genauso recht war wie dem Papst und den vielen evangelischen Denominationen sowieso und auch von den Juden nicht weiter beachtet wurde …

Der Neue in Rom aber war anders. Seine Regensburger Rede machte deutlich, dass er die feinen Unterschiede sehr wohl registrierte … und die Mullahs merkten auf …

Das katholische Profil zu schärfen war das eine Anliegen,  Christus zu verkündigen das andere, wenngleich er das beinahe subversiv betrieb …

Die „SatanischenVerse“ hatten die Grenze der islamischen Toleranz deutlich gemacht – die Mohammed-Karikaturen taten ein Übriges – und die gesamte europäische Öffentlichkeit kuschte vor dieser Grenze.  In der erregten Debatte um die Regensburger Rede wurde öffentliche Rücksichtnahme auf die Gefühle der Muslime eingefordert, aber kaum eine große theologische Kapazität im alten Europa war bereit, sich inhaltlich mit den Aussagen auseienander zu setzen und zu einer  großen öffentlichen Disputatuion zu bitten!  Es scheint mir ein ähnliches Verhalten zu sein wie bei denSatanischen Versen oder den Mohammed-Karikaturen:  kaum ein Verlag war bereit, Buch und / oder Karikaturen zu drucken, die starke  Solidarität mit den Verfemten in Form einer TATkräftigen Unterstützung blieb aus. Lediglich ein lautes Lamento ob man dürfe oder nicht nürfe wurde veranstaltet in den Medien der Zeit!  Die Toleranzschwelle muslimischer Interessenverbände sank damit weiter und nähert sich bedrohlich gegen NULL.

Der „Neue“ im Vatikan jedoch  wurde zum Ventil für nahezu alle religiös geprägten Widerständler. Jegliche  (durchaus berechtigte) Kritik an religiösen Systemen entlud sich an dem „deutschen Papst“ in Rom, seine Fehler wurden öffentlich diskutiert und kritisiert.

Nahezu Lehrbuch mäßig wird der Papst zur öffentlichen Projektionsfläche für fast alle Formen der Kritik an religiösem Leben …

Doch kaum einer der „Papst-und-Kirche-Kritiker“   käme auch nur im Traum auf den Gedanken, in ähnlicher Form islamische Würdenträger und islamisch-religiöse Standpunkte an den Pranger der öffentlichen Kritik zu stellen…  Nicht einmal der „Spiegel“ ansonsten kein Kind von Traurigkeit und erst recht nicht zimperlich im Umgang mit den Größen des öffentlichen Lebens hatte es gewagt, die Karrikaturen nachzudrucken oder  heftig und kritisch Stellung zu nehmen gegen muslimische Traditionen, wie etwa das Verheiraten kleiner Mädchen mit alten Tattergreisen!

Mir  fallen mir auf Anhieb zig Aspekte ein, die ich gerne so öffentllich hinterfragt sehen würde, angefangen bei der Rolle der Frau (wie hacken sie alle auf der kath. Kirche und ihrer „Frauenfeindlichkeit“ herum), dem Ausschalten der eigenen kritischen Vernunft, dem schari’ischen Rechtssystem, der Ungleichbehandlung von Muslimen und Christen in islamisch orientierten Ländern,  Zwangsverheiratung und Heiratsalter, Selbstmordattentaten als Weg ins Paradies  und … und … und…

Ich behaupte völlig ungeschützt und durch keinerlei wissenschaftliche Recherche gestützt, dass wir Europäer  den Islam und seine Vertreter in der öffentlichen Diskussion „mit Toleranz schützen“, weil wir es uns Dank der Aufklärung leisten können den „Papst“  (als Symbol für jedwede und  archaisch geprägte religiöse Autorität) und mit ihm das Christentum in Grund und Boden zu verdammen, ohne Befürchtungen für jenseitige oder gegenwärtige Sanktionen hegen zu müssen.

Wir verkennen aber den Fehler der uns bei dem „ehrenwerten“ Vorgehen unterläuft,  den Islam und seine öffentlichen Vertreter mit unserer mittlerweile erarbeiteten Toleranz zu  „schützen“ und damit zu stärken,  dass nämlich  ein Islam „ohne Aufklärung“ ein absolutes, allumfassendes  und totalitäres System mit   mehr oder weniger großen religiösen Anteilen ist, das uns in unseren Freiheiten des Denkens, des religiösen Lebens und des politischen Handelns  beschneiden und beschränken wird…. Man sehe sich nur die Liste der Fatwas an um schnell fest stellen zu können, wie sehr islamisch-religiöse Vorschriften das ganze Leben bestimmen … sogar solche Fragen wie die, ob ein Moslem Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften zu deren Festen beglückwünschen darf …

Die Fatwa gegen die  „Satanischen Verse“ waren ja nur der Anfang …

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Kommentare»

1. So verschieden können Blogs sein! - “Brightsblog” vs. “Himmel und Erde” « Webreligion - 27. Februar, 2009

[…] sei es nun in Palästina oder in Deutschland, kommt bei ihr weniger gut weg (vgl. den Beitrag: “Was haben die satanischen Verse mit dem Papst zu tun?” vom 15. […]


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