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Wie Aasgeier … 16. März, 2009

Posted by Rika in vermischtes.
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… schlachten die Damen und Herren ModeratorInnen der Talkshows das Unglück aus, das über die Menschen in Winnenden gekommen ist.

Was kann ein Herr Plassberg oder Herr Kerner samt „Experten“ zur Aufklärung des Unbegreiflichen beitragen, welche Perspektiven können eine  Frau Illner oder eine Frau Will und alle ähnlichen  Klugschwätzerrunden – die ich schon bei „normalen“ Themen weder höre noch sehe –   tatsächlich entwickeln, die wesentlich sein könnten zur Prävention?

Aasgeiern gleich machen sie sich über die Toten her … und schänden die Lebenden gleich mit!

Es graust mich  der Gedanke, dass Leute sich im Gefühl der eigenen Bedeutung und Wichtigkeit mit dem tragischen Schicksal von Menschen befassen – und coram publico drauf los schwadronieren, wie sie immer schwadronieren, wenn ein Ereignis vorübergehend die Nachrichten bestimmt. Und ich möchte Wetten darauf abgeben, dass sich nichts wirklich ändern wird an den üblichen Tagesabläufen in Schulen, Elternhäusern, Beratungsstellen und schon gar nicht bei den Leuten, die über die Finanzierung möglicher Präventionsprojekte großen Stils entscheiden müssten.

Dass die Journalisten, die „Tat und Leute“  in ellenlangen Artikeln in diversen Zeitungen und Magazinen aufbereiten, kaum besser sind in ihrem Betroffenheitsjournalismus, muss ich nicht eigens schreiben – lediglich der Abstand zum ebenfalls „betroffenen“ Publikum  ist durch die Art des Mediums etwas größer … und auch wir als Leser haben unseren Anteil an dem wüsten Treiben …

Bettina Röhl bringt das gut auf den Punkt, wie ich –   selbstkritisch –  finde!

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Kommentare»

1. Perry - 16. März, 2009

Rika, ich bin Deiner Meinung aber die „Aasgeier“ -und damit meine ich einige Berichterstatter sowie einige so genannte Experten- berichten eben auch für sensationslustige TV/Boulevard-Gaffer und . Da ist ein Markt der bedient werden will – ein gieriges Publikum. Ich persönlich finds nicht gut aber so sind viele Menschen nunmal.

PS: Die Wette, dass sich letztlich nichts ändern wird, wirst du gewinnen Rika. Die aktuell laufenden Diskussionen von Experten , Politikern, den Aktionismus, dass alles kann ich nicht ernst nehmen.

2. Rika - 16. März, 2009

Mit den „sensationslustigen TV/Boulevard-Gaffern“ hast Du leider nur allzu Recht, Perry!

Deshalb ja auch meine Selbstkritik – ich kenne natürlich auch Neugier und auch Sensationslust, wobei ich mir einbilde, dass sich beides eher auf „harmlose“ Bereiche bezieht, wie Fußball oder Sport oder „Politik“ (s.Ypsilanti und Co) oder … oder!

Stimmt, so sind Menschen … und deshalb müssen die Verantwortlichen eben noch ein bisschen mehr Verantwortung für die übernehmen, die gar keine eigenen Bremsen haben …

3. Yael - 17. März, 2009

Mein Bruder, der in der Nähe wohnt, kannte eine der ermordeten Referendarinnen. Da bekommt das Ganze noch eine persönliche Note.

Aber dass sich die Medien daruf stürzen, verwundert nun wenig. Denn erstens bedeutet das eine hohe Einschaltquote und der Sensationsgier der Menschen wird Genüge getan. Die Medien sind nur ein Spiegelbild einer Gesellschaft. Wo keine Gier ist, da auch keine Bedienung derselben. Es sind die Menschen, die das wollen, da braucht man sich nichts vorzumachen.

4. julia - 18. März, 2009

Hier bei uns läuft ja grade der Prozess gegen den Mann, der seine Tochter etwa 25 Jahre lang im Keller gefangen hielt….ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wild hier die Aasgeier sind: Die Tochter hat den Namen geändert und versucht mit ihren Kindern irgendwo ins Leben zu finden, eine Spur Normalität zu erleben….und ein Boulevardblatt veröffentlicht Photos und Adresse des Wohnorts! Auch, wenn es ein Publikum dafür gibt, sollte es nicht einen Konsens darüber geben, über das, was absolut tabu ist, worüber einfach nicht berichtet wird? Ich denke, es ist zu einfach, die gierige Masse verantwortlich zu machen….wo bleibt die Instanz (sei es das persönliche Empfinden oder eine Art Presserat), der sagt, bis hierher, aber nicht weiter?

5. Yael - 18. März, 2009

„es ist zu einfach, die gierige Masse verantwortlich zu machen….wo bleibt die Instanz (sei es das persönliche Empfinden oder eine Art Presserat), der sagt, bis hierher, aber nicht weiter?“

Wo keine Nachfrage, da kein Angebot.
Wenn kein Interesse besteht, wird das nie solche absurden Auswirkungen haben. Jeder muss sich da an die Nase fassen. Neugierde ist es etwas menschliches, aber auch die muss im Zaum gehalten werden.

Natürlich gibt es einen Presserat, in Österreich wird das nicht anders sein, nur den muss man einschalten, wenn er nicht von allein in die Pötte kommt.

6. Perry - 18. März, 2009

„Wo keine Nachfrage, da kein Angebot.“

Genau Yael. Aus diesem Grunde lese ich mir die ganzen „Enthüllungen“ über Kampbusch, Fritzl und Winnenden gar nicht erst durch.

7. julia - 18. März, 2009

In Frankreich war es ja lange Zeit üblich, das Privatleben von Politikern auch in der Presse privat sein zu lassen (ob das jetzt immer noch so ist, weiß ich nicht). So wußten zwar viele Journalisten von der unehelichen Tochter Mitterands, es war aber einfach kein Thema. JEtzt glaub ich nicht, daß die Franzosen so viel weniger neugierig sind als die Engländer, in England wurde nur schon immer so brutal aus dem Privatleben berichtet, daß es für die Leute zu einer Selbstverständlichkeit wurde. Das Bedürfnis nach „Infos“ wurde geschaffen eben von der Presse, die diese Infos bringt. Drum meine ich, es ist zu einfach, die Schuld dem Leser zu geben.

Und Yael, ich weiß natürlich, daß es einen Presserat gibt, aber wo ist für den die Grenze? Der fand zumindest nichts dabei, daß der Name der Familie veröffentlicht wurde.

8. Rika - 19. März, 2009

„Das Bedürfnis nach “Infos” wurde geschaffen eben von der Presse, die diese Infos bringt. Drum meine ich, es ist zu einfach, die Schuld dem Leser zu geben.

ich weiß natürlich, daß es einen Presserat gibt, aber wo ist für den die Grenze? Der fand zumindest nichts dabei, daß der Name der Familie veröffentlicht wurde.“

Ich denke auch, dass der Presserat viel stärker auf die Grenzen der Berichterstattung achten müsste.
Aber was kann man schon von einem sich selbst kontrollierenden System erwarten?
Es ist traurige Realität, dass das nur selten funktioniert!
Schließlich kontrolliert die Schnapsindustrie auch nicht die Abgabe/Nichtabgabe von Spirituosen an Alkoholiker … so eine Schnapsidee aber auch!
😉 😦

9. Yael - 19. März, 2009

Nun, in einer englischen Zeitung wurde die Tochter und ihre Familie schon abgebildet, bisher hat sie keiner in Deutschland oder Österreich veröffentlicht. Schauen wir mal wann und ob überhaupt.


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