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Die Debatte … 20. Juni, 2009

Posted by Rika in aktuell.
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… über Sinn oder Unsinn, Vernunft oder Unvernunft  des  sozial-diakonischen Einsatzes junger Frauen im Jemen wird nun auch deutlich kritisch in den öffentlichen Medien geführt und bleibt nicht den Foren der Internetseiten von Tageszeitungen, Magazinen oder Informationsdiensten überlassen.

Ich hatte  meinem Beitrag „Alles, was ihr tut…“   einen Kommentar angefügt und auf die eher hämisch-kritischen Kommentatoren in den diversen Foren hingewiesen  – und kopiere diesen Kommentar und die beiden folgenden hierher, weil sie am „alten Platz“ dem eigentlichen Gedanken des Blogbeitrags nicht entsprechen und fehl am Platz sind.

Die Diskussion um Sinn oder Unvernunft von diakonischen Einsätzen ist aber wichtig und angebracht.  Inhalt und Wortwahl sollten aber meiner Meinung nach in einem sachlich-nüchternen Zusammenhang gebracht werden, fern von jedem hämischen Nachtreten!

Mein Kommentar:

„Angesichts hämischer und unaussprechlich christenfeindlicher Reaktionen in sehr vielen Foren der Internetauftritte großer Tageszeitungen und/ oder Informationsdiensten, die ich hier nicht namentlich auflisten will, scheint es mir angebracht, folgenden Link einzustellen.

http://diepresse.com/home/panorama/religion/435337/index.do?offset=25

Was mir bei vielen Kommentaren auffällt ist, dass die Schreiber sich absolut nicht vorstellen können, Gott als Realität wahrzunehmen und so etwas wie “seinen Willen” zur Kenntnis nehmen zu können.

Es ist traurig zu lesen, dass den Opfern durch die Form der Berichte und Kommentare auch noch (nachträglich) ihre Würde genommen wird …“

Julia:

„Liebe Rika, ich verstehe nicht, warum man den Opfern ihre Würde nimmt, wenn man mutmaßt, daß sie sich wider besseres Wissen in Gefahr begeben haben, und daß sie der Mission zumindest nicht abgeneigt waren….sonst wären sie ja wohl kaum in dieser Schule gewesen. Und wenn manche dann dazu schreiben, daß sie Mission in keinem Fall akzeptabel finden…auch dann nimmt niemand irgendjemandem seine Würde….“

meine Antwort:

Julia,
ich habe doch gar nichts von Mission und dgl. gesagt!

Der Ton macht die Musik – und bei vielen Kommentaren klingt sehr viel Häme an, damit meine ich nicht kritisches Nachfragen, das, denke ich, wird sicher (und auch notwendigerweise) auch in der Bibelschule und in der Gemeinde passieren.
Ich kann das, was ich meine nur schwer beschreiben, es ist eine Art sich über Leute zu erheben, die sehr gradlinig einen Weg gegangen sind.
Kopiere dir hier mal einige Kommentare rein:

“Zwei arme, junge, unwissende Mädels von einer “Bibelschule” dorthin zu schicken, das ist schon der Hammer. Missionierende evangelikale Christen, das brauchen die im Jemen so dringend wie ein drittes Ohr…Um die Mädels tut es mir leid, aber: das war wohl Schicksal (man könnte auch fragen wo der Herr denn war in der Stunde der Not, aber das lassen wir mal). Ich sehe die beiden, christliche Liedchen auf den Lippen, durch den Jemen fahren….Oh Mann…hoffentlich ging es wenigstens schnell ”

Wenn es meine Tochter wäre, über die so locker-flockig geredet wird, würde es mir das Herz ein zweites Mal brechen … und dabei ist dieser Schreiber noch freundlich-harmlos.
oder dies:
“Ich bin ja kein Macho,aber die Naivität der jungen Frauen in Deutschland ist eigentlich reif für das Guinness-Buch der Rekorde.Und die Eltern der drei Kinder,ich muß sagen,da fehlen einem einfach die Worte.”

Es sind die Worte, der Ausdruck, der Kontext…

Oder lies dies:

“Man kann nicht den Staat Jemen oder seine Bevölkerung pauschal für solche Verbrechen verurteilen. Allerding halte ich Leute, die freiwillig in den Jemen fahren für grob fahrlässig, um nicht zu sagen wahnsinnig. Wer dort hinfährt nimmt solche Risiken bewusst in Kauf. Das ist vergleichbar mit einem Führerscheinneuling, der sturzbetrunken mit 200 Sachen über die Landstraße fährt. Daher hält sich auch meine Bestürzung in Grenzen. Die Damen hätten ihr Pflegepraktikum auch in Detmold oder Hameln ableisten können. Das ist genauso lehrreich und ungefährlicher ist es allemal. Bibelforschen kann man in Europa ohnehin besser als in einem radikal muslimischen Land”

“Deutsche Bibelschülerinnen, die in einem islamistischen Staat ein Praktikum ablegen?
Dann bleibt nur der Schluss: es war Gottes Wille. Oder schiere Dummheit
Na, als entweder stimmt das, woran sie glauben, dann kommen sie sofot in den Himmel. Oder es stimmt nicht, dann haben sie sich ausgemendelt.”

“Diese Frauen gehörten einer fundamentalistischen Bewegung an, die den Taliban in Ihrer verbohrtheit kaum nachsteht.
Es ist kaum anzunehmen, dass jemand, der die Missionierung jedes Ungläubigen zu seiner Lebensmaxime auserkohren hat, seine Überzeugung zu Gunsten eines humanitären Hilfswunsch – der ihm ansonsten fremd ist – an der Grenze zum Jemen ablegt.

“In Deutschland werden viele Menschen einen massiven Missionierungseinsatz wohl einfach ignorieren. In einer traditionalistisch-muslimischen Gesellschaft wie dem Jemen ist derartiges Agieren eine ungeheure Provokation. Ganz nebenbei bemerkt: Südkoreaner haben auch in Afghanistan massive Missionierungsversuche unternommen. Diese evangelikalen Sekten sind im Übrigen in ihrer Religiösität nicht weniger fundamentalistisch als die Taliban, sie wenden nur keine Gewalt an, sondern agieren subtiler.”

Von evangelikalen Sekten ist die Rede, die als fundamentalistisch angesehen werden und den Taliban gleich gesetzt werden!

Alle möglichen Spekulationen werden über die Bibelschule angestellt, Vermutungen geäußert, Informationen verdreht und uminterpretiert…

Solche Kommentare meine ich, Julia; und es ist mir wichtig, Dir dies so konkret zu vermitteln!

Ich möchte aber an dieser Stelle KEINE Diskussion über die zitierten Kommentare!
und bitte das zu respektieren!“

.

Soweit die Kommentare an alter Stelle!

Die Kommentare im Beitrag werden gelöscht, eine mögliche Erwiderung kann hier erfolgen!


Die hannöversche Tageszeitung greift heute mit einem Artikel und dem Kommentar in die Debatte ein und legt eindeutig den Schwerpunkt auf das Fehlverhalten der Bibelschule bzw. der Getöteten selbst. Nicht christliche Hilfsorganisationen kommen zu Wort, die sich kritisch zu dem Einsatz christlicher Dienstleister (Betreiber von Krankenhäuser in Elendsgebieten gehören für mich auch dazu!) äußern.

Eigenartigerweise kommen viele Kritiker aber gar nicht auf den Gedanken, an der geübten Praxis – in Ländern wie dem Jemen –  Christen zu verfolgen, Kritik zu üben,  sie vermitteln vielmehr den Eindruck,  dies auch selbst für  „Recht“  zu erachten, zumindest reagieren sie mit Verständnis für die landesüblichen Gepflogenheiten.

Zu den universal geltenden Menschenrechten gehört auch das Recht auf Religionsfreiheit.

Und  –   so könnte man doch zumindest im Denkansatz auch argumentieren – wenn Christen in einem nicht-christlichen Land Entwicklungshilfe leisten oder soziale Einsätze in Krankenhäusern und ambulanten medizinischen Stationen erbringen, müssen sie auch frei sein, ihren Glauben ausüben zu können.

Wenn ich in ein fremdes Land reise, werde ich dort genauso beten, Bibel lesen, singen, wie ich es zu Hause gewohnt bin – und in aller Regel stelle ich mich auch zu Hause nicht auf die Hauptstraße meines Dorfes, sondern  „gehe in mein Kämmerlein“, wie es einer Empfehlung im Neuen Testament entspricht!  Beim Singen werden ich nicht unbedingt das Fenster öffnen und außerhalb meiner Behausung singe ich sowieso so gut wie gar  nicht, es sei denn bei öffentlichen Veranstaltungen oder Wanderungen  😉   und in fremden Ländern eigentlich nie! Wir wissen aber  von einigen Ländern, in denen der Islam Staatsreligion und politisches Programm zugleich ist, dass (christliche) Fremde, die sich vorübergehend in den Ländern aufhalten, nicht mal in ihrem Hotelzimmer in der Bibel lesen dürfen. Auch Treffen mit Gleichgesinnten, „Gleichgläubigen“ um miteinander zu beten im ganz privaten Bereich sind strikt verboten!

Aber was hat die persönliche Bibellese oder  das gemeinsame Gebet mit Freunden  mit der so heftig kritisierten Mission  zu tun?

Es ist gelebter Glaube!

Wie stellen sich die Kritiker eigentlich vor, dass in in muslimischen Ländern „missioniert“ wird? Öffentlich Bibeln verteilen, Gottesdienste feiern, Gebetsversammlungen abhalten, Traktakte an belebten Straßen verteilen, Schilder mit dem Aufruf zur Bekehrung hochhalten, laut Heilslieder singen?

Mission heutzutage ist doch immer gelebtes Christsein – und das bedeutet doch nichts anderes, als für die Menschen da zu sein, die Hilfe dringend brauchen.  Von „Hintergedanken“ zu sprechen, wie es manche Kritiker tun, unterstellt ja schon „böse“ Absichten.

Trotzdem wird nun wieder verstärkt darüber nachgedacht, wie die Mitarbeiter vor Ort besser vor möglichen Angriffen geschützt werden können. Denn Fremde sind doch nicht nur ihres Glaubens wegen im Visier möglicher „Banden  und Banditen“, sie eignen sich in der Regel auch gut als „Verhandlungsmasse“ für Lösegeldforderungen  (wie das Kidnapping harmloser Urlauber oder Geschäftsleuten in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat!) oder – etwas weniger spektakulär, sie werden einfach „nur“ beraubt!

Eine meiner Nichten arbeitet als Kinderkrankenschwester in einem Waisenhaus für Aidswaisen und betreut an Aids erkrankte Kleinkinder in Afrika. Bei einem ihrer Besuche eines medizinischen Außenpostens wurde der Jeep, in dem sie mit einem afrikanischen Fahrer unterwegs war, überfallen und sie konnten nur mit knapper Mühe ihr Leben retten.

Ganz sicher war dieser Angriff nicht religiös motiviert.

Sollte man  darauf verzichten, Hilfen für Hilflose in „unsicheren Gebieten“ anzubieten?

Wohl kaum!

Von der Hilfe der „roten Heidi“ und der wenigen „regierungsnahen Organisationen“ allein, wird die Not ganz sicher nicht gelindert!

Mutter Teresa wird wegen ihrer  –  an Jesus orientierten – Arbeit für die ärmsten der Armen und die Verlassenen als Heilige verehrt… da redet auch niemand davon, dass man die nichtchristlichen Notleidenden sich selbst überlassen  und sich nicht in die Angelegenheiten fremder Länder einmischen sollte.

Bei „evangelikalen Fanatikern“   ist  es natürlich ganz etwas anderes, wenn Menschen sich  – an Jesus orientiert –  um die Not der Ärmsten und Verlassenen  kümmern, nicht wahr?

ABER,

nichts und gar nichts rechtfertigt den brutalen Mord an wehrlosen Frauen  -und das meine ich sehr grundsätzlich – weder hier in Deutschland, der islamischen Ehre geschuldet, noch dort im Jemen  als Strafe für vermeintlichen oder tatsächlichen missionarischen Eifer!

EIN MORD IST EIN MORD IST EIN MORD IST EIN MORD IST EIN MORD

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Der Wille zählt… 18. Juni, 2009

Posted by Rika in aktuell, familie.
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… der Wille des Patienten nämlich!

Heute verabschiedete der Bundestag ein Gesetzt zur Patientenverfügung, das vorsieht, dem Patienten die größtmögliche Entscheidungsfreiheit zu lassen.

Liegt der Patientenwille schriftlich vor, gilt er auch – und zwar völlig unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung. Das bedeutet, dass beispielsweise ein Motorradfahrer für den Fall eines Komas das Abschalten des Beatmungsgeräts festlegen kann, wenn ihm beide Beine abgenommen werden müssten. Fehlt die Verfügung, muss wie bislang der mutmaßliche Wille des Patienten ermittelt werden. Sind sich Betreuer und Arzt in dieser Entscheidung nicht einig, wird ein Vormundschaftsgericht eingeschaltet.

Wie schwierig die Entscheidung zu diesem Gesetz war und wie schwer es trotz des Gesetzes  für Betroffene sein wird, dem Willen des Patienten und dem Gesetz Rechnung zu tragen und Geltung zu verschaffen lässt sich an der lange und engagiert geführten Debatte schon im Vorfeld der  heutigen Entscheidung und wohl auch am Abstimmungsergebnis ablesen.

Gut sechs Jahre lang hat die deutsche Politik um eine Regelung zum Umgang mit Sterbenden gerungen. Jetzt ist ein Gesetz zur Patientenverfügung beschlossen, das vor allem den Willen der Betroffenen gelten lässt. In der vorangehenden Debatte traten die Abgeordneten angespannt und leidenschaftlich wie selten auf.

Das Gesetz mag den einen zu weit und den anderen zu unpräzise erscheinen, es hat sicher Schwachpunkte und vermutlich kommt es – wie bei nahezu allen Gesetzen – letztlich auf die Auslegung an, aber dennoch ist es gut, dass nun eine gesetzliche Regelung vorliegt.

Dabei trieb die Abgeordneten nicht die Fraktionsdisziplin zur Abstimmung. Quer durch alle Parteien hatten die verschiedenen Anträge für ein Gesetz zur Patientenverfügung im Vorfeld Unterstützer gefunden – da unterzeichnete Angela Merkel einen Entwurf in einer Reihe mit Linken-Politiker Diether Dehm, CSU-Mann Norbert Geis unterschrieb einen anderen gemeinsam mit Volker Beck von den Grünen, Linken-Chef Oskar Lafontaine einen dritten zusammen mit FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Schwer war abzusehen, wie die Entscheidung ausgehen würde – jede Stimme zählte.

Am Ende fand ein Vorschlag einer Gruppe um den SPD-Abgeordneten Joachim Stünker eine doch überraschend deutliche Mehrheit: 317 Parlamentarier stimmten für den Entwurf, 233 Parlamentarier votierten dagegen, fünf enthielten sich. Stünker hatte schon vor der Abstimmung die meisten Unterstützer aus den verschiedenen Fraktionen gewinnen können, darunter allerdings keine aus der Union.

Die gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung beendet (zunächst) die Diskussionen um die Rechtswirksamkeit bisheriger Verfügungen,  auch wenn es  in der nächsten Zeit sicher zu Debatten darüber kommen wird, wie gut das Gesetz sich im Alltag von kranken, alten, dementen Menschen, von Koma-Patienten und sterbenskranken Patienten  in den Krankenhäusern, Pflegestationen und in der häuslichen Pflege bewähren wird.

Durch die schwere Erkrankung meines Vaters vor 6 Jahren bin ich endgültig mit der Frage konfrontiert worden, wie ich mir mein eigenes Sterben wünsche, unter welchen Bedingungen ich mir ein Leben als mögliche schwerst pflegebedürftige Patientin vorstellen kann und was ich unter keinen Umständen an Maßnahmen der Lebensverlängerung oder Wiederbelebung für mich will.

Meine Eltern haben sich damals ebenfalls sehr intensiv mit den Fragen auseinander gesetzt und eine sogenannte „Christliche Patientenverfügung“ abgeschlossen und mir zusätzlich eine notariell beglaubigte Generalvollmacht erteilt. Wir glaubten damals,  für alle Fälle gut gerüstet zu sein. Und nach der neuen Gestzeslages scheint es auch so zu sein, denn

Die Gültigkeit der bereits verfassten Patientenverfügungen steht durch das neue Gesetz nicht in Frage. Sie müssen nicht neu verfasst werden.

Dann mussten meine Eltern ihre Wohnung in der weit von hier  entfernten Stadt aufgeben und gegen ein Appartement in einem Pflegeheim hier in der Nähe eintauschen, weil meine Mutter die Pflege meines Vaters beim besten Willen nicht mehr bewältigen konnte – trotz Hilfe im Haushalt und ambulantem Pflegedienst.

Die Zeit im Pflegeheim lehrte uns, dass der „eigene Wille“ nicht nur ein hohes, sondern vor allem ein durch Vorschriften, Pflegedokumentation, Pflegerinnen und Pfleger höchst gefährdetes Gut ist, für dessen Erhalt gestritten und gebettelt werden muss, so kam und kommt es mir jedenfalls bisweilen vor.

Die Pflegevorschriften legen zum Beispiel fest, wie viel ein alter Mensch täglich „einführen“ (das heißt tatsächlich so!!!) muss, an Flüssigkeit vor allem, aber auch an mit der Nahrung aufgenommenen Kalorien. Meine Mutter war eine sehr selbstbestimmte Frau und konnte freundlich bestimmt sagen, was sie wollte und was nicht und ebenso bestimmt auch die Rechte ihres Mannes verteidigen. Seit dem Tod meiner Mutter erlebe ich es immer wieder, dass meinem Vater das Essen aufgenötigt wird und sein energisches „Ich will nicht!“  mit dem Hinweis ignoriert wird, dass er essen und trinken  MUSS!!, weil ihm sonst die Zwangsernährung drohe, da ja der kommunale medizinische Dienst die Dokumentationen überprüfe und dem Heim Ärger ins Haus stehe, wenn ein Bewohner nicht die Norm erfülle und durch Unterernährung oder Flüssigkeitsmangel in eine lebensbedrohliche Situation kommen könne.  Zum Glück habe ich mit einer verständnisvollen Ärztin und mit einigen der Pflegekräfte ausmachen können, dass der Wille meines Vaters respektiert wird, ohne gleich den Tropf bereit zu stellen, wenn er seine Tagesration nicht erreicht.  Aber die Pflegedienstleitung hat mir dabei sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass wir uns allesamt damit in einer Grauzone bewegen und Ungemach drohen könne.

Mein Vater, dauerhaft bettlägerig,  weiß sehr genau was es bedeutet, wenn er nicht genug isst oder trinkt. Sein Verstand arbeitet nämlich noch ganz ordentlich, wenn er auch nicht mehr so wortgewandt wie in früheren Jahren seine Interessen vertreten und seine Ansichten darlegen kann. Ich bin gefordert, seine berechtigten Interessen und seinen Wunsch, respektiert zu werden bei den wenigen Dingen die er noch selbst bestimmen kann, durchzusetzen. Dazu gehört es nun einmal, dass er sagen kann: „Ich will nicht essen und ich will auch heute nichts mehr trinken!“  Bisher ist ein lebensbedrohlicher Zustand noch nicht eingetreten, darüber bin ich froh, dafür bin ich dankbar.

Aber ich möchte selbst dann den Wunsch meines Vaters respektieren, wenn absolut klar ist, dass die Konsequenz aus seiner Entscheidung dazu führt, dass er in einen Mangelzustand kommt, der sein Sterben bedeutet.

Die Begleitung meiner Mutter auf ihrer letzten Wegstrecke hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, der Sterbenden den Rhythmus zu überlassen, ihr die Ruhe zu geben, Abschied nehmen zu können, nicht durch technische Geräte oder medizinische Dauerbehandlung den Zeitpunkt weit und weiter hinaus zu schieben. Eine sehr einfühlsame Ärztin hat sie gut versorgt mit dem was nötig war, um keine Schmerzen zu erleiden oder in Panik zu geraten. Es war ein ruhiger, langer und intensiver Prozess des langsamen Loslassens.

Mir ist natürlich bewusst, dass andere Leute mit anderen Bedürfnissen und Erfahrungen zu anderen Schlüssen kommen und ein viel stärker begrenztes Patientenrecht für sinnvoll erachteten. Mir ist auch bewusst, dass die größere Freiheit des jetzt beschlossenen Rechts auch die Gefahr des Missbrauchs in sich birgt – und mir liegt viel daran, diesen so weit wie möglich auszuschließen.

Mir steht aber auch eine Veranstaltung im Pflegeheim meiner Eltern vor Augen, in der eine sehr eloquente Anwältin die Segnungen der anwaltlichen Beratung und eine vom Anwalt aufgesetzte Patientenverfügung anpries, dabei die Gefahren in den düstersten Farben malte und und schon den Terminkalender bereit liegen hatte, um Beratungsgespräche für eine anwaltlich-rechtlich einwandfreie Patientenverfügung zu führen – das mehrseitige Papier konnte nicht eingesehen werden, die anwaltlich korrekt aufgesetzte Verfügung war natürlich nicht kostenlos!

Das mag ein Einzelfall sein – wobei die Anwältin sehr sympathisch und nett „rüberkam“ – aber würde nicht der Zwang zu einem Beratungsgespräch mit Anwalt und / oder Arzt, wie es der Entwurf  Wolfgang Bosbachs vorsah, vor allen Dingen diesen Berufsständen eine neue und (staatlich) garantiert krisenfeste Einnahmequelle sichern, denn wer möchte nicht abgesichert sein für die Einhaltung seines  Willen  bei seinem letzten Weg? (Ich bitte meine kleinen gemeinen Hintergedanken zu verzeihen…!)  Und andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass man nicht mit dem Arzt seines Vertrauens über die medizinischen Belange redet, wenn man sich mit dem Gedanken trägt, eine Patientenverfügung für den Fall seines Sterbens oder eines langen, zum Tode führenden Leidens aufzusetzen.

… Dass ein Gesetzt vermutlich immer  an Grenzen stößt bzw. Fragen offen lässt, machte mir mein Bruder, seines Zeichens Prof. Dr. med.,  klar, als wir über die möglichen Begleitumstände beim Sterben unserer Eltern redeten und er auf den Umstand zu sprechen kam, dass Ärzte ihrem hippokratischen Eid verpflichtet sind und selbst bei einer schon sehr explizit festgelegten Patientenverfügung, die regelt,  was in welchem Fall getan, bzw. unterlassen werden solle die Situation sehr diffiziel sein kann  …

Der folgende Satz erinnert mich daran:

Das Problem beim Aufsetzen einer Patientenverfügungen ist aus Sicht von Experten, genau eine spätere Situation und die eigenen Wünsche vorauszuahnen. Viele Verfügungen waren bisher nicht exakt genug, wenn sie zum Beispiel anwiesen, „unwürdiges Dahinvegetieren“, „qualvolles Leiden“ und „Apparatemedizin“ zu beenden.

So kann man sich doch eigentlich nur einen    „gnädigen Tod“   zu Hause wünschen, wie es früher oft in Todesanzeigen zu lesen war, der Tod fragt nämlich nicht nach einer Patientenverfügung – auch wenn man sie natürlich bereit halten sollte für den Fall der Fälle!

„Und alles, was ihr tut … 17. Juni, 2009

Posted by Rika in aktuell.
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…im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!“  Kolosser 3,17

Mit Begeisterung habe ich immer wieder die Motette Dietrich Buxtehudes gesungen, die sich an diesem Bibelwort orientiert.

Und natürlich stehe ich generell auch zu dem Wort selbst, muss aber in kritischer Reflexion meines Lebens immer wieder feststellen, dass ich nicht genauso generell und grundsätzlich (immer) danach gehandelt oder mir dieses „Alles“  bewusst war und ich  mich entsprechend verhalten habe.   Ich frage mich daher schon immer wieder, kann man oder könnte man in dem was ich tue, rede, schreibe  „Jesus erkennen“ oder gar – wie bei einem  Auftrag   das Kürzel „i.A.“  –   seinen Namen  daruntersetzen?

ALLES, was ihr tut…  im Alltag wie im Gottesdienst, in der Familie wie im Beruf, im Freundeskreis wie unter Fremden… ALLES!?

Wenn ich an die beiden jungen Frauen denke, die ihr sozialdiakonisches Praktikum im Jemen absolvieren wollten, erst am Anfang ihrer Zeit dort waren und nun so grausam ermordet wurden, wird mir dieses „Alles“ wieder neu bewusst. Wir wissen inzwischen, dass sie Christinnen waren, Studierende der Bibelschule in Brake, Mitglieder der freien baptistischen Immanuelgemeinde in Wolfsburg.  Man kann mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass sie „im Namen Jesu“ in den Jemen gegangen sind, wohl wissend, welcher Gefährdung sie sich in diesem streng muslimischen Land aussetzen. Christen sind ja keine weltfremden, naiven und gutgläubigen Spinner, sie wissen, was sie tun und in wessen Auftrag sie handeln und so war es vermutlich nicht leichtfertige Abenteuerlust, die sie in den Jemen gehen liess, sondern „die Liebe zu Gott und den Menschen“, wie es heute in der HAZ zu lesen war.

Ihr Einsatz für Hilfsbedürftige im Jemen wird von den islamischen Geistlichen dort gewürdigt, die Ermordung der jungen Frauen scharf verurteilt.

„Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, dass tut alles im Namen Jesu und dankt Gott, dem Vater, durch ihn!“

Mein Alltag hier im ruhigen hannöverschen Umland ist wenig spektakulär, ich laufe nicht Gefahr, meines Glaubens wegen ermordet zu werden, allenfalls handel ich mir ein spöttisches Lächeln von denen ein, die meinen, Christentum sei heutzutage nur noch etwas für alte Frauen oder Spinner. Ich falle aber auch nicht besonders auf als „Nachfolgerin Christi“, nicht in meinem alltäglichen Trott. Sicher, meine Schüler fragen schon mal nach: „Glauben Sie an Gott, Frau Rika?“ und natürlich gebe ich dann bereitwillig Auskunft.

Werde ich wahrgenommen als eine, die „im Namen Jesu“ unterwegs ist in einem ganz normalen Leben? Reicht es aus, einfach nur unterwegs zu sein in der Zuversicht des Glaubens an Jesus Christus?

Ich kann, denke ich  – gerade angesichts der Tragödie im Jemen – die Ermutigung für mein Leben in diesem Vers finden:   Das „Alles“ meint wirklich mein ganzes Leben, das Besondere wie das Unspektakuläre. Ich muss mich nicht mit einem Schild um den Hals auf den Kröpke in Hannover stellen um Jesus zu bezeugen, muss keine missionarischen Großeinsätze machen, um dem „Alles“ zu entsprechen.

Doch wenn einer  „im Namen Jesu“ sich auf den Kröpke stellt oder in den Jemen oder nach Uganda geht, in den Kongo oder zu den Uiguren, tut er das nicht  „auf eigene Rechnung oder eigenes Risiko“  –   er tut es, weil Jesus „Alles“ ist, was das Leben ausmacht!

So wünsche ich den Angehörigen und Freunden, den Kommilitonen und den Gemeindemitgliedern der Ermordeten und allen, die mit ihnen „im Namen Jesu“ unterwegs waren und sind, dass sie in diesem Bewusstsein Trost  und Ermutigung erfahren  und über den Tod der beiden jungen Frauen  hinaus sagen können „und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!“   – nicht als billige Vertröstung, sondern als die spürbare Erfahrung der Gegenwart Jesu in ihrem Leben, gerade jetzt, gerade angesichts eines unbegreiflich scheinenden Todes zweier Menschen  – Anita und Rita –  die mit Jesus unterwegs waren.

Auch im Regen schön… 16. Juni, 2009

Posted by Rika in meditatives.
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Immer wieder bin ich entzückt über die Seerosen in unserem kleinen Gartenteich …  seit gestern blühen sie  …   zum ersten Mal in diesem Jahr …

Seerosen

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Das ist mein persönliches „Kontrastprogramm“ zu allen Wahlen, Reden und Bedenken…

Mut und Wut … 16. Juni, 2009

Posted by Rika in aktuell, islam.
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Folgt man der Berichterstattung über die Unruhen und Proteste gegen den Wahlausgang im Iran, wird deutlich, dass  bei vielen Menschen  der Unmut über die Regierung des Landes stark und stärker geworden sein musste und nun, angesichts des „Wahlerfolgs“ Ahamadinedschad,  in offene Empörung und Wut umgeschlagen ist.

Ich kann es natürlich nicht beurteilen, ob sich die Empörung wirklich „nur“ gegen die Durchführung und das Ergebnis der Wahl richtet oder nicht vielmehr doch  das gesamte politisch-religiöse Regime, einschließlich oberstem Mullah samt dem Wächterrat als Repräsentanten eines sich totalitär gebärdenden Islam die eigentliche Zielgruppe der Proteste ist. Als sehr ferne  Beobachterin habe ich den Eindruck, dass der unterlegene Mussawi keinesfalls als eine wirkliche Alternative zu dem bisherigen Präsidenten   i.S.v.   Politikwechsel und struktureller Veränderung angesehen werden kann, auch wenn „wir“ es vielleicht gerne so sehen möchten.

Denn Wahlen sind in der Islamischen Republik Iran nicht Mittel zu verträglichem Machtwechsel, sondern Manifestationen zur Bestätigung des Regimes. Der oberste geistliche und politische Führer Ayatollah Chamenei bezieht seine Legitimation nicht aus demokratischer Abstimmung, sondern aus göttlicher Erwählung. Er, nicht der Präsident, wie immer er heißt, hat bei allen wichtigen Entscheidungen das maßgebliche Wort. In der hohen, 80-prozentigen Wahlbeteiligung, nicht im Ausgang der Wahl, sah deshalb Chamenei daher in seiner ersten Stellungnahme vor allem eine Anerkennung der Legitimität des Regimes; eine „Bekräftigung für den weiteren Fortschritt des Landes und die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit.“

Es kann doch nicht außer Acht gelassen werden, dass der allmächtige Revolutionsführer auf Lebenszeit, Ajatollah Chamenei,  der eigentlich absolute Herrscher ist   an dem vorbei Politik zu machen absolut unmöglich sein dürfte! Schwer vorstellbar, dass Herr Chamenei die vier möglichen Kandidaten für das Präsidentenamt nicht auf ihre Gefolgschaftstreue hin überprüft hätte, und ebenso schwer vorstellbar, dass Mussawi bei erfolgreicher Wahl einen gänzlich anderen Kurs als  der Chamenei treue Ahmadinedschad gefahren hätte, allenfalls wäre er diplomatischer im Umgang mit „dem Westen“  und geschmeidiger in den Verhandlungen um das Atomprogramm vorgegangen. Vermutlich würde er auch  nicht ganz so lauthals gegen Israel wettern und sich mit Äußerungen über den Holocaust sicher deutlich zurückhalten.  Möglicherweise wäre er bei der Unterstützung der Hisbollah ein bisschen diskreter vorgegangen und hätte nicht ganz so offensichtlich Einfluss auf Syrien und Hamas genommen. Aber im Prinzip, denke ich, hätte sich auch mit Mussawi nicht sehr viel geändert, nicht viel von dem ändern können, was den Mullahs  generell nicht genehm war oder ist.

Und dennoch galt und gilt er offenbar für viele Iraner als Hoffnungsträger, als einer, dem es gelingen könnte, die Finsternis der mittelalterlich anmutenden islamischen Strukturen ein wenig zu erhellen, der freien Lebensgestaltung etwas mehr Spielraum zu geben, das Gesicht des Iran im Ausland ein wenig freundlicher erscheinen zu lassen, der eine Antwort auf die Kairoer Rede geben könnte, die dem Entgegenkommes Obamas entspräche, wenn auch nur in Ansätzen.

Die Enttäuschung, die Wut der Demonstranten ist verständlich und nachvollziehbar, ihr Mut ist bewundernswert.

Wir können nur hoffen und beten, dass Enttäuschung, Wut und Ärger der „Straße“ nicht weiterhin mit (schier grenzenloser)  Gewalt seitens der Mächtigen beantwortet werden…

Aber nicht ins Gesicht… 12. Juni, 2009

Posted by Rika in islam.
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Mann darf Frau schlagen – so er denn Gründe hat, die ihm die Schläge hochoffiziell erlauben.

Die Gründe sind: Wenn die Gute keine Lust hat, ihm im Bett gefällig zu sein oder wenn sie sich nicht für die gleichen Dinge begeistern kann  wie der Herr Gemahl oder wenn sie mal eben kurz das Haus verlässt, ohne den Ehemann um Erlaubnis gefragt zu haben.

Er wird aber gehalten, nicht ins Gesicht zu schlagen und auch andere Teile, die für die Funktion des weiblichen Körpers wichtig sind, zu schonen.

Empfindliche Stelle am Körper der Ehefrau müssen beim Schlagen so vermieden werden, dass ihr keine Knochen gebrochen werden. Dazu darf ihr keine Verstümmelung ihrer Schönheit zugeführt werden, sei diese Verstümmelung im Gesicht oder an einer anderen Stelle ihres Körpers. Das Schlagen gilt als verboten, wenn es der Ehefrau Blutungen, Knochenbrüche, Verstümmelung oder einen blauen Flecken verursacht,  weil die Menschen dadurch erkennen können, dass sie geschlagen wurde.

Da kann man doch beruhigt sein, Blutungen, Knochenbrüche und Verstümmelungen sind zu vermeiden!

Ich muss aber der Fairness halber  erwähnen, dass den Schlägen freundliche Ermahnungen voraus zu gehen haben und erst wenn alles nichts mehr hilft, kann geprügelt werden.

Mit unserem Recht ist das vermutlich nicht vereinbar, wenngleich es ebenso vermutlich Richter geben wird, die – der besonderen Glaubenspraxis des Schlagenden gedenkend –  den Schläger nicht verurteilen, sondern bestenfalls ermahnen werden, sich doch etwas freundlicher der eigenen Ehefrau gegenüber zu verhalten.

Aber keine Sorge, es geht ja nicht um die Frauen im Allgemeinen und um die  in unserem aufgeklärten Westeuropa schon gar nicht,  sondern um die Frauen muslimischer Ehemänner im  modernen Staat Ägypten, wobei man allerdings nicht so sicher sein kann, ob nicht der eine oder andere in Deutschland lebende Ehemann sich genau auf so ein Rechtsgutachten eines Rechtsgelehrten beziehen wird…

Nein, ich zeige nicht mit dem Finger auf   „DIE“   –    ich bin heute eher zufällig auf die Fatwa zur Züchtigung der Frauen gestoßen und denke, dass ich das nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen kann!

Ja, ich weiß, dass es viele Ehemänner in Deutschland gibt, die hemmungslos auf ihre Frauen einschlagen OHNE sich um irgendwelche ethisch-moralischen Vorschriften oder Ansichten zu kümmern, Männer, die keine Erlaubnis für ihre Prügelexzesse brauchen –  die allerdings auch keine mildernden Umstände ihrer religiösen Zugehörigkeit wegen in Anspruch nehmen können, wenn man sie vor Gericht stellt!

Und ich hoffe, dass unsere Gerichte in Deutschland nicht nur christlichen oder säkular lebenden Ehemännern keine mildernden Umstände gewähren, sondern allen Frauen, gleich welcher Religionszugehörigkeit Recht und Schutz vor prügelnden und gewalttätigen Ehemännern und Lebensgefährten verschaffen!

Ich bin aber nicht so sicher, ob das auch in Zukunft so bleiben wird, las ich doch ebenfalls heute einen Beitrag, der sich mit dem Thema Recht und Scharia beschäftigt,  Markus brachte mich auf die Spur!

Die Unlust des Herrn Schäuble… 11. Juni, 2009

Posted by Rika in aktuell.
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Er will einfach nicht!

Weigert sich!

Zumindest möchte er mehr wissen … über die Leute nämlich, die Herr Obama so gerne nun endlich und nach Jahren der brutalen amerikanischen Zwangshaft frei lassen will und für die er geradezu verzweifelt Aufnahmeländer sucht.

Ich bin nun wirklich kein Fan unseres Innenministers und habe mich in der Vergangenheit mehr als einmal gefragt, ob es private Verfolgungsangst oder Paranoia ist, die den Minister auf immer mehr krude Ideen bringt, um  eine „garantiert terrorfreie  Zone BRD“   Wirklichkeit werden zu lassen, die dann allerdings einem Überwachungsstaat Orwellscher Visionen nicht unähnlich sein dürfte.   Orwell liest sich zwar spannend, aber ein Leben nach selbigem Muster ist alles andere als wünschenswert. Da stimme ich den Kritikern des Ministers offen und in voller Zurechnungsfähigkeit zu!

Was ich aber nun gar nicht nachvollziehen kann, ist die Kritik an Herrn Schäuble durch den Grafen Lambsdorff wegen des Ministers Unlust, Guantanamo-Häftlinge mit offenen Armen in der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen.

Der FDP-Außenpolitiker Graf Lambsdorff sagte im Deutschlandfunk, die Bundesregierung lasse US-Präsident Obama bei dessen Bemühen, das umstrittene Lager zu schließen, im Stich. Vor allem Innenminister Schäuble verfolge eine Blockade-Haltung.

http://www.dradio.de/nachrichten/

Ich muss mich hier ja nicht zum wiederholten Male als politisch Naive outen und eigens betonen, dass ich nun von den Feinheiten der Diplomatie im Allgemeinen und den Verzwicktheiten der Bündnistreue im Besonderen so gut wie keine Ahnung habe und daher zu denen gehöre, die mehr oder weniger aus dem Bauch heraus Stammtisch-Politik betreiben. (Es bleibt mir als Ottonine-Normalbürgerin ja auch kaum eine andere Wahl, über eine durchaus erfolgreiche Kandidatur zum örtlichen Gemeinderat meines Dorfes bin ich nämlich nicht hinausgekommen, hatte allerdings auch nicht den Ehrgeiz dazu!)

Was Guantanamo anbetrifft, teile ich  die Unlust des Ministers.

Es will mir nämlich gar nicht einleuchten, warum das große  Amerika mit seiner langen Tradition der Einwanderungen aus aller Herren Länder zwar die des Terror Verdächtigen nach Guantanamo holte, sie aber nun, nachdem sie vom Terrorverdacht freigesprochen wurden, nicht reinlassen will in das gelobte Land der Freiheit und demokratischen Ordnung und es viel lieber hätte, wenn die „Freunde“ den unliebsamen „Besuch“ bei sich aufnähmen.

Die Uiguren können nicht in ihre Heimatprovinz in China zurückkehren, weil sie dort mit Folter und Haft bedroht werden, im schlimmsten Fall sogar mit dem Tod, heißt es, denn die chinesische Regierung will sie wegen Terrorismus vor Gericht stellen und sicher sind die Chinesen nicht „zimperlich“ im Umgang mit mutmaßlichen oder tatsächlichen Terroristen, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Und dennoch:  Scheinheiliges Geschwätz!

Folter und Haft hat ihnen Amerika doch schon zu Genüge geboten, wäre es nicht an der Zeit, sie auch die Segnungen einer freien und sicheren Zivilisation genießen zu lassen? Oder fürchtet sich Amerika vor der Rache der Gemarterten und denkt sich, dass die „Freunde“ damit besser leben und umgehen können oder die Rache nicht zu befürchten brauchen, weil sie ja auch mit Guantanamo nichts zu tun hatten?

Kämen die Uiguren nach Deutschland – wohin sie am liebsten reisen würden, weiß der Spiegel zu berichten -, müsste sich die Bundesregierung mit dem Auslieferungsersuchen der chinesischen Regierung beschäftigen, und das wäre eine hochnotpeinliche Situation, will man doch die ohnehin nicht gerade glänzenden Beziehungen zu China in Zeiten wirtschaftlicher Not nicht weiter strapazieren, aber andererseits  seinen guten Ruf als Menschenrechtler und verständnisvolle Freunde jedweder Widerstandskämpfer gegen Willkürakte und Staatsterrorismus auch nicht aufs Spiel setzen.

Verzwickte Lage!

Und was ist mit den vielen anderen Häftlingen von denen man ja  nun wirklich nicht so genau weiß, ob sie schon vor der Gefangennahme dem Terror   (***) zugeneigt waren oder erst durch die Haft auf die Idee gekommen sind,  genau das zu tun, wofür man sie (unschuldig) eingesperrt hat, nämlich Terrorakte gegen   „God’s Own Country“   zu verüben?  Dann doch lieber im alten Europa zwischenlagern, was einer Endlagerung ohne Lager gleich käme, wie wir doch alle wissen! Und Herr Schäuble eben auch. Und das würde ihm, Herrn Schäuble, sicher ganz enorme Kopfschmerzen bereiten, ist doch die Orwellsche Vision eben noch nicht in Kraft getreten und ein Sack Flöhe wäre daher vermutlich leichter zu hüten, als die Freigelassenen im Auge zu behalten. Soviel Aspirin kann Herr Schäuble gar nicht schlucken, um diesen Kopfschmerzen zu entgehen!

Da kann man doch die Unlust des Herrn Ministers verstehen!

.

*** Sollten aber die Gefangenen tatsächlich und erwiesener Maßen Terroristen sein, verstehe ich erst recht nicht, warum sie dann nicht von denen weiter „versorgt“ werden sollten, die sie auch gefangen genommen haben!!!

So oder so ist es mir absolut unverständlich, WARUM die Leute nicht in Amerika bleiben können und sollten und wieso sie auf die befreundeten Staaten verteilt werden sollen und was an diesem Reisezirkus   „humanitärer“  sein soll als eine Aufnahme in den Vereinigten Staaten. Oder werden den Staaten die gefangenen Freizulassenden einfach zu teuer angesichts der wirtschaftlichen Not, die die USA völlig unverhofft und unverdient ereilt hat?   Ich jedenfalls  verstehe die Unlust des Ministers!

Wobei ich es natürlich gut verstehe, wenn schwerst traumatisierte Folteropfer nicht unter den Landsleuten ihrer Peiniger wohnen wollen. Aber dann muss das auch so klar von den USA benannt  und nicht einfach nur mit der Bitte um humanitäre Hilfe schamhaft verbrämt und verschleiert werden .

Humanitäre Hilfe sollten vor allem die körperllich schwer verletzten und die traumatisierten zivilen Opfer der Kämpfe in Irak und Afghanistan erhalten…

Obama – ganz mutig! 3. Juni, 2009

Posted by Rika in aktuell, israel.
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Da sitze ich nichts ahnend vor meinem Bügelbrett und schiebe das Bügeleisen von rechts nach links und wieder zurück, bemüht, alle Falten und Knitter auszubügeln, die Waschmaschine und Trocknen hinterlassen haben, als ich plötzlich aufmerksam werde:

Das Radio läuft, Deutschlandfunk, Interview … ich muss gestehen, dass ich den Anfang nicht so ganz mitbekommen habe, weil ein Familienfest ansteht und ich mit meinen Gedanken mehr bei den Vorbereitungen bin als mich den vielen Denkanstößen, Meinungen und Nachrichten zu widmen, die aus dem Radio quellen …

Jemand redet über Obama und seine Popularität in der arabisch-muslimischenWelt und dass man gespannt sein kann, was er in Ägypten so alles sagen wird, ein Anfang sei ja schon darin gemacht, so verstehe ich den Sprecher, dass Obama Israel in seine Grenzen und Schranken verwiesen habe…

Spengler: Obama hat bereits deutliche Worte an Israel gerichtet, er hat mehrere Interviews gegeben, wo er sich sehr positiv zu den Arabern, zu den Muslimen der Welt geäußert hat.

nun höre ich doch etwas genauer hin … vom Iran ist die Rede und davon, dass man den Muslimen deutliche Angebote machen wolle …

Lüders: Die Erwartungen sind sehr groß, aber wenn man die arabischen Kommentare heute liest, dann muss man sagen, man erwartet in der arabischen Welt mehr als nur Verlautbarungen. Es wird auch erwartet werden, dass die amerikanische Politik sich bewegt, und hier hat man mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass Barack Obama an die Adresse der israelischen Regierung deutliche Worte gefunden hat, um die Regierung dort davon zu überzeugen, den Siedlungsbau einzustellen.

Das ist doch sehr freundlich von Herrn Obama und wird dem Herrn A. in I. sicher gut gefallen, samt den Freunden bei Hisbollah und Hamas  …

. Konkret wird die amerikanische Regierung auch ihr Verhältnis zur Hamas und zur Hisbollah überdenken müssen. Beide Organisationen gelten in den USA und auch in Europa als Terrororganisationen. Aber schon am nächsten Sonntag finden Wahlen im Libanon statt und es sieht so aus, als würde die Hisbollah, die schiitische Partei Gottes, die eng mit Teheran zusammenarbeitet, zur stärksten politischen Kraft des Libanon werden, und dann wird die Stunde der Bewährung kommen, denn die USA werden es sich kaum erlauben können, die Beziehungen zum Libanon auf Eis zu legen.

Na bitte!  Es geht doch!  Wenn eine Terrororganisation demokratisch in die Regierung gewählt ist, wird man sie in den Kreis der Demokratien aufnehmen müssen (Das hat ja  früher auch schon funktioniert! Eine Diktatur ist keine Diktatur, wenn sie demokratisch gewählt wurde. Darum ist z.B. Kuba ja auch immer noch keine Demokratie!)  Und natürlich muss man nett zu der Hisbollah sein, denn der Libanon ist ein besonders wichtiger Verhandlungspartner im nahen Osten. Logisch!

Und wir Europäer tun doch gut daran, dem guten Beispiel des Herrn Obama zu folgen:

Lüders: Ich glaube, dass Barack Obama ein in jeder Beziehung bemerkenswerter amerikanischer Präsident ist, als er wirklich anfängt, die Verhältnisse im Nahen Osten analytisch zu betrachten, amerikanische Interessen nüchtern abzuwägen gegenüber den Interessen anderer Akteure in der Region – allen voran Israel -, um dann unter Freunden klare Worte zu finden, was geht und was nicht geht. Ich denke, das ist ein Weg, wo gerade auch die Bundesregierung und darüber hinaus die Europäische Union gut beraten wäre, ihm darin zu folgen, denn wir müssen auch unseren Freunden in der Region klar machen, dass wir sie natürlich gegenüber ihren Feinden verteidigen werden, falls dieses zum Eklat kommen sollte, etwa bei einer Konfrontation mit dem Iran.

Das hört man doch gerne, dass Freunde den Freunden mal so richtig klar machen, was gut für sie ist! Auch wenn es zum Eklat kommen sollte und am Ende die Freunde …. naja, dann hat man es halt nicht verhindern können und dann können wir immer noch sagen, dass wir das so nicht gewollt haben und dass niemand SO ETWAS haben kommen sehen oder ahnen können. Nicht doch!

Die Freunde?

Spengler: Sie meinen jetzt Israel?

Lüders: Ja, in der Tat und ich glaube, dass hier Barack Obama ein sehr mutiger amerikanischer Präsident ist. Er hat ja sehr klar gesagt, unsere Beziehungen bleiben eng, aber wir werden neue Akzente setzen, und er meint damit ganz klar, es muss einen palästinensischen Staat geben. Es gibt keine Lösung für die verschiedenen Konflikte in der Region, ohne dass dieser Kernkonflikt angegangen wird. Barack Obama hat etwas getan, was seine beiden Vorgänger Clinton und Bush nicht gemacht haben: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wendet er sich diesem schwierigen Problem zu und das ist ausgesprochen mutig und visionär.

Da habe ich mich dann doch vor meinem Bügelbrett gefragt, was denn so mutig daran ist, wenn man Israel mehr oder weniger die Freundschaft – wenn schon nicht aufkündigt, so aber doch bzw. die Bedingungen diktiert, zu denen man bereit ist, die „Freundschaft“ zu pflegen … und ganz nebenbei zu verstehen gibt, dass man geneigt ist, den „Wünschen“ der Palästinenser und arabischen Brüder mehr Gehör zu geben.

Was ist denn mutig daran, den Forderungen der arabisch-muslimischen Welt zu entsprechen, OHNE  Sicherheiten für Israel unmissverständlich einzufordern?

Was um alles in der Welt ist denn MUTIG daran, der Hisbollah im Libanon den Rücken zu stärken und in dieser Organisation nicht mehr   „Terrorismus“ zu sehen?  Und selbstredend wird dann wohl auch die Hamas eine friedliebende und demokratische Partei im nahem Osten sein, die sich die Stabilität der ganzen Region auf ihre Fahne geschrieben hat.

Es geht jetzt nicht mehr darum, Demokratisierung voranzutreiben, sondern mit den Akteuren, die dort sind, so skrupellos sie im einzelnen auch sein mögen, ins Geschäft zu kommen, und das schließt ausdrücklich die islamische Republik Iran ein – aus der Erkenntnis heraus, dass der Iran eine Regionalmacht ist, ohne die man nicht auskommen kann. Auch die gemäßigten arabischen Staaten, allen voran Saudi-Arabien und Ägypten, die große Differenzen mit Teheran haben, haben die Amerikaner immer wieder darauf hingewiesen, dass man den Iran auf Dauer nicht außen vor lassen kann.

Ah, ja! Demokratie war gestern, Geschäft ist heute!

Aber was  ist daran  so mutig?

Ah, ich vergaß, Israel ist willens und  in der Lage, die ganze arabische Welt von der Landkarte verschwinden zu lassen. Das ist natürlich ein riesengroßes Gefahrenpotential und deshalb darf man die Israelis keinesfalls verärgern oder vergrätzen, denn das gefährdet den Weltfrieden und die gute Meinung der Iraner über Obama. So gesehen ist es natürlich extrem mutig, einer Vision zu folgen, die die arabisch-muslimische Welt in ihrem Kampf gegen Israel stärkt.

Da können wir doch nur staunend bewundern, dass der amerikanische  Präsident so ein mutiger Mensch ist.

Nachlesen kann man das Interview hier

Nachtrag ein paar Stunden später:

Wirklich mutig wäre er, hielte er in Kairo diese Rede!

Nachtrag II:  Sehr lesenswert ist der Text, den  beer7 übersetzt hat . Danke an Ruth!!!