jump to navigation

Die Debatte … 20. Juni, 2009

Posted by Rika in aktuell.
Tags: ,
trackback

… über Sinn oder Unsinn, Vernunft oder Unvernunft  des  sozial-diakonischen Einsatzes junger Frauen im Jemen wird nun auch deutlich kritisch in den öffentlichen Medien geführt und bleibt nicht den Foren der Internetseiten von Tageszeitungen, Magazinen oder Informationsdiensten überlassen.

Ich hatte  meinem Beitrag „Alles, was ihr tut…“   einen Kommentar angefügt und auf die eher hämisch-kritischen Kommentatoren in den diversen Foren hingewiesen  – und kopiere diesen Kommentar und die beiden folgenden hierher, weil sie am „alten Platz“ dem eigentlichen Gedanken des Blogbeitrags nicht entsprechen und fehl am Platz sind.

Die Diskussion um Sinn oder Unvernunft von diakonischen Einsätzen ist aber wichtig und angebracht.  Inhalt und Wortwahl sollten aber meiner Meinung nach in einem sachlich-nüchternen Zusammenhang gebracht werden, fern von jedem hämischen Nachtreten!

Mein Kommentar:

„Angesichts hämischer und unaussprechlich christenfeindlicher Reaktionen in sehr vielen Foren der Internetauftritte großer Tageszeitungen und/ oder Informationsdiensten, die ich hier nicht namentlich auflisten will, scheint es mir angebracht, folgenden Link einzustellen.

http://diepresse.com/home/panorama/religion/435337/index.do?offset=25

Was mir bei vielen Kommentaren auffällt ist, dass die Schreiber sich absolut nicht vorstellen können, Gott als Realität wahrzunehmen und so etwas wie “seinen Willen” zur Kenntnis nehmen zu können.

Es ist traurig zu lesen, dass den Opfern durch die Form der Berichte und Kommentare auch noch (nachträglich) ihre Würde genommen wird …“

Julia:

„Liebe Rika, ich verstehe nicht, warum man den Opfern ihre Würde nimmt, wenn man mutmaßt, daß sie sich wider besseres Wissen in Gefahr begeben haben, und daß sie der Mission zumindest nicht abgeneigt waren….sonst wären sie ja wohl kaum in dieser Schule gewesen. Und wenn manche dann dazu schreiben, daß sie Mission in keinem Fall akzeptabel finden…auch dann nimmt niemand irgendjemandem seine Würde….“

meine Antwort:

Julia,
ich habe doch gar nichts von Mission und dgl. gesagt!

Der Ton macht die Musik – und bei vielen Kommentaren klingt sehr viel Häme an, damit meine ich nicht kritisches Nachfragen, das, denke ich, wird sicher (und auch notwendigerweise) auch in der Bibelschule und in der Gemeinde passieren.
Ich kann das, was ich meine nur schwer beschreiben, es ist eine Art sich über Leute zu erheben, die sehr gradlinig einen Weg gegangen sind.
Kopiere dir hier mal einige Kommentare rein:

“Zwei arme, junge, unwissende Mädels von einer “Bibelschule” dorthin zu schicken, das ist schon der Hammer. Missionierende evangelikale Christen, das brauchen die im Jemen so dringend wie ein drittes Ohr…Um die Mädels tut es mir leid, aber: das war wohl Schicksal (man könnte auch fragen wo der Herr denn war in der Stunde der Not, aber das lassen wir mal). Ich sehe die beiden, christliche Liedchen auf den Lippen, durch den Jemen fahren….Oh Mann…hoffentlich ging es wenigstens schnell ”

Wenn es meine Tochter wäre, über die so locker-flockig geredet wird, würde es mir das Herz ein zweites Mal brechen … und dabei ist dieser Schreiber noch freundlich-harmlos.
oder dies:
“Ich bin ja kein Macho,aber die Naivität der jungen Frauen in Deutschland ist eigentlich reif für das Guinness-Buch der Rekorde.Und die Eltern der drei Kinder,ich muß sagen,da fehlen einem einfach die Worte.”

Es sind die Worte, der Ausdruck, der Kontext…

Oder lies dies:

“Man kann nicht den Staat Jemen oder seine Bevölkerung pauschal für solche Verbrechen verurteilen. Allerding halte ich Leute, die freiwillig in den Jemen fahren für grob fahrlässig, um nicht zu sagen wahnsinnig. Wer dort hinfährt nimmt solche Risiken bewusst in Kauf. Das ist vergleichbar mit einem Führerscheinneuling, der sturzbetrunken mit 200 Sachen über die Landstraße fährt. Daher hält sich auch meine Bestürzung in Grenzen. Die Damen hätten ihr Pflegepraktikum auch in Detmold oder Hameln ableisten können. Das ist genauso lehrreich und ungefährlicher ist es allemal. Bibelforschen kann man in Europa ohnehin besser als in einem radikal muslimischen Land”

“Deutsche Bibelschülerinnen, die in einem islamistischen Staat ein Praktikum ablegen?
Dann bleibt nur der Schluss: es war Gottes Wille. Oder schiere Dummheit
Na, als entweder stimmt das, woran sie glauben, dann kommen sie sofot in den Himmel. Oder es stimmt nicht, dann haben sie sich ausgemendelt.”

“Diese Frauen gehörten einer fundamentalistischen Bewegung an, die den Taliban in Ihrer verbohrtheit kaum nachsteht.
Es ist kaum anzunehmen, dass jemand, der die Missionierung jedes Ungläubigen zu seiner Lebensmaxime auserkohren hat, seine Überzeugung zu Gunsten eines humanitären Hilfswunsch – der ihm ansonsten fremd ist – an der Grenze zum Jemen ablegt.

“In Deutschland werden viele Menschen einen massiven Missionierungseinsatz wohl einfach ignorieren. In einer traditionalistisch-muslimischen Gesellschaft wie dem Jemen ist derartiges Agieren eine ungeheure Provokation. Ganz nebenbei bemerkt: Südkoreaner haben auch in Afghanistan massive Missionierungsversuche unternommen. Diese evangelikalen Sekten sind im Übrigen in ihrer Religiösität nicht weniger fundamentalistisch als die Taliban, sie wenden nur keine Gewalt an, sondern agieren subtiler.”

Von evangelikalen Sekten ist die Rede, die als fundamentalistisch angesehen werden und den Taliban gleich gesetzt werden!

Alle möglichen Spekulationen werden über die Bibelschule angestellt, Vermutungen geäußert, Informationen verdreht und uminterpretiert…

Solche Kommentare meine ich, Julia; und es ist mir wichtig, Dir dies so konkret zu vermitteln!

Ich möchte aber an dieser Stelle KEINE Diskussion über die zitierten Kommentare!
und bitte das zu respektieren!“

.

Soweit die Kommentare an alter Stelle!

Die Kommentare im Beitrag werden gelöscht, eine mögliche Erwiderung kann hier erfolgen!


Die hannöversche Tageszeitung greift heute mit einem Artikel und dem Kommentar in die Debatte ein und legt eindeutig den Schwerpunkt auf das Fehlverhalten der Bibelschule bzw. der Getöteten selbst. Nicht christliche Hilfsorganisationen kommen zu Wort, die sich kritisch zu dem Einsatz christlicher Dienstleister (Betreiber von Krankenhäuser in Elendsgebieten gehören für mich auch dazu!) äußern.

Eigenartigerweise kommen viele Kritiker aber gar nicht auf den Gedanken, an der geübten Praxis – in Ländern wie dem Jemen –  Christen zu verfolgen, Kritik zu üben,  sie vermitteln vielmehr den Eindruck,  dies auch selbst für  „Recht“  zu erachten, zumindest reagieren sie mit Verständnis für die landesüblichen Gepflogenheiten.

Zu den universal geltenden Menschenrechten gehört auch das Recht auf Religionsfreiheit.

Und  –   so könnte man doch zumindest im Denkansatz auch argumentieren – wenn Christen in einem nicht-christlichen Land Entwicklungshilfe leisten oder soziale Einsätze in Krankenhäusern und ambulanten medizinischen Stationen erbringen, müssen sie auch frei sein, ihren Glauben ausüben zu können.

Wenn ich in ein fremdes Land reise, werde ich dort genauso beten, Bibel lesen, singen, wie ich es zu Hause gewohnt bin – und in aller Regel stelle ich mich auch zu Hause nicht auf die Hauptstraße meines Dorfes, sondern  „gehe in mein Kämmerlein“, wie es einer Empfehlung im Neuen Testament entspricht!  Beim Singen werden ich nicht unbedingt das Fenster öffnen und außerhalb meiner Behausung singe ich sowieso so gut wie gar  nicht, es sei denn bei öffentlichen Veranstaltungen oder Wanderungen  😉   und in fremden Ländern eigentlich nie! Wir wissen aber  von einigen Ländern, in denen der Islam Staatsreligion und politisches Programm zugleich ist, dass (christliche) Fremde, die sich vorübergehend in den Ländern aufhalten, nicht mal in ihrem Hotelzimmer in der Bibel lesen dürfen. Auch Treffen mit Gleichgesinnten, „Gleichgläubigen“ um miteinander zu beten im ganz privaten Bereich sind strikt verboten!

Aber was hat die persönliche Bibellese oder  das gemeinsame Gebet mit Freunden  mit der so heftig kritisierten Mission  zu tun?

Es ist gelebter Glaube!

Wie stellen sich die Kritiker eigentlich vor, dass in in muslimischen Ländern „missioniert“ wird? Öffentlich Bibeln verteilen, Gottesdienste feiern, Gebetsversammlungen abhalten, Traktakte an belebten Straßen verteilen, Schilder mit dem Aufruf zur Bekehrung hochhalten, laut Heilslieder singen?

Mission heutzutage ist doch immer gelebtes Christsein – und das bedeutet doch nichts anderes, als für die Menschen da zu sein, die Hilfe dringend brauchen.  Von „Hintergedanken“ zu sprechen, wie es manche Kritiker tun, unterstellt ja schon „böse“ Absichten.

Trotzdem wird nun wieder verstärkt darüber nachgedacht, wie die Mitarbeiter vor Ort besser vor möglichen Angriffen geschützt werden können. Denn Fremde sind doch nicht nur ihres Glaubens wegen im Visier möglicher „Banden  und Banditen“, sie eignen sich in der Regel auch gut als „Verhandlungsmasse“ für Lösegeldforderungen  (wie das Kidnapping harmloser Urlauber oder Geschäftsleuten in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat!) oder – etwas weniger spektakulär, sie werden einfach „nur“ beraubt!

Eine meiner Nichten arbeitet als Kinderkrankenschwester in einem Waisenhaus für Aidswaisen und betreut an Aids erkrankte Kleinkinder in Afrika. Bei einem ihrer Besuche eines medizinischen Außenpostens wurde der Jeep, in dem sie mit einem afrikanischen Fahrer unterwegs war, überfallen und sie konnten nur mit knapper Mühe ihr Leben retten.

Ganz sicher war dieser Angriff nicht religiös motiviert.

Sollte man  darauf verzichten, Hilfen für Hilflose in „unsicheren Gebieten“ anzubieten?

Wohl kaum!

Von der Hilfe der „roten Heidi“ und der wenigen „regierungsnahen Organisationen“ allein, wird die Not ganz sicher nicht gelindert!

Mutter Teresa wird wegen ihrer  –  an Jesus orientierten – Arbeit für die ärmsten der Armen und die Verlassenen als Heilige verehrt… da redet auch niemand davon, dass man die nichtchristlichen Notleidenden sich selbst überlassen  und sich nicht in die Angelegenheiten fremder Länder einmischen sollte.

Bei „evangelikalen Fanatikern“   ist  es natürlich ganz etwas anderes, wenn Menschen sich  – an Jesus orientiert –  um die Not der Ärmsten und Verlassenen  kümmern, nicht wahr?

ABER,

nichts und gar nichts rechtfertigt den brutalen Mord an wehrlosen Frauen  -und das meine ich sehr grundsätzlich – weder hier in Deutschland, der islamischen Ehre geschuldet, noch dort im Jemen  als Strafe für vermeintlichen oder tatsächlichen missionarischen Eifer!

EIN MORD IST EIN MORD IST EIN MORD IST EIN MORD IST EIN MORD

Advertisements

Kommentare»

1. Blond - 20. Juni, 2009

Meine erste Reaktion auf die Getöteten und Verstümmelten war auch : „selbst schuld !“ – da wusste ich noch nichts über die ‚Berufung‘ der Geiseln als Krankenhaus-Personal :
Es ist doppelt schändlich, Helfende zu masakrieren !

2. Blond - 20. Juni, 2009

Aber aufregen über die Gott-Losigkeits-Kommentare in D(umm)-Land tue ich mich nicht mehr – die Meisten in Europa haben durch die links-grünen Lügen die Basis des Lebens verlassen, auf dem das Abendland aufgebaut ist:
Daher sind obige Ansichten „normal“ !

3. Rika - 20. Juni, 2009
4. Julia - 23. Juni, 2009

Entschuldige, Rika, daß ich nicht geantwortet habe, hatte eine extrem stressige Zeit. Ich werd mir deinen langen Beitrag jetzt erstmal genau durchlesen, und auch drüben nachlesen. Schönen Urlaub!

5. Bernd Dahlenburg - 9. Juli, 2009

Danke für deinen sehr guten Beitrag, Rika,

als ich ihn gelesen hatte fiel mir sofort ein, was ich vor ein paar Wochen geschrieben hatte. Ob du es gelesen hattest weiß ich nicht, aber die Reakionen sprachen teilweise für sich:

http://castollux.blogspot.com/2009/06/wessen-emporung-ist-glaubwurdig.html

Herzliche Grüße und alles Gute!
Bernd

===============

P.S.: Wenn du für die Verbreitung der iranischen Demokratiebewegung sorgen willst (wovon ich ausgehe), hier ein Link:

http://freeirannow.wordpress.com/

Den einen oder anderen Autoren oder Blog wirst du sicher kennen.

6. Rika - 11. Juli, 2009

Ein feiger Mord und seine Folgen:
http://www.tagesschau.de/inland/aegypterin100.html

7. Anteilnahme und Verständnis? « himmel und erde - 11. April, 2011

[…] Der Tod – zumindet der beiden deutschen Frauen – löste in Deutschland sehr unterschiedliche  Reaktionen aus. Von Anteilnahme und Mitleid, bis zur Schuldzuweisung, offener Häme und Herabwürdigung der jungen Christinnen war in den Beiträgen der Medien zu der Tragödie zu lesen, und in manchen Kommentaren zu den Berichten fehlte oftmals  jedes  Anzeichen für  schlichte Menschlichkeit, ein Tatbestand, der mich schon damals sehr bewegte. […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: