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Eine Frau an der Spitze … 28. Oktober, 2009

Posted by Rika in Allgemein.
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…  der evangelischen Kirche!

Heute wurde Margot Käßmann mit großer Mehrheit zur Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt,  132 von 142 Stimmen fielen auf die Bischöfin der Landeskirche Hannover, der größten Landeskirche in Deutschland, 4 Personen enthielten sich der Stimme, 5 Menschen stimmten mit Nein, eine Stimme war ungültig.

Bei allem Respekt für Frau Merkel, die ja auch heute (wieder) gewählt wurde, ich halte die Wahl Margot Käßmanns zur Ratsvorsitzenden der EKD für wesentlich bedeutsamer für und in unserer Gesellschaft als die Wiederwahl der Kanzlerin.

Zeigt diese Wahl doch, dass die Kirche die gesellschaftlichen Bedingungen und Herausforderungen unserer Zeit nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern sich ihrer annimmt und sich ihnen stellt.

Die Kirche macht neben allen administrativen Notwendigkeiten auch deutlich, dass sie das  Evangelium von Jesus Christus mitten in die Gegenwart holt,   Jesus selbst, der in der Hinwendung zu dem Einzelnen  die Liebe Gottes zu den Menschen  als das Wesentliche jeglicher Gottesbeziehung sichtbar gemacht hat, indem er  Menschen nahe ist, ihre Schwächen und Schwachheiten kennt und trägt, Sünden vergibt und Verletzungen heilt.

Das lange Zeit als unumstößlich geltende Wort des Apostel Paulus: „Das Weib schweige in der Gemeinde!“ wie Luther den Text aus 1.Korinther 14, 34 übersetzt,  wird nicht länger als genereller  Maulkorb für Frauen verstanden, sondern in den Kontext der damaligen Zeit gestellt, den Paulus kurz anklingen lässt:  „Wie es in allen Gemeinden der Heiligen ist, sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie es auch das Gesetz sagt.“ Damit ist vermutlich  nicht nur  das „Gesetz des Mose“, also die Thora  gemeint (die Elberfelder Bibel gibt hier den Verweis auf 1. Mose 3, 16 an) , denn die Korinther waren überwiegend  „Heidenchristen“, sondern auch das weltliche / politische Gesetz.

Und wie die politischen Bedingungen unserer Zeit Frauen Redefreiheit und die Übernahme von öffentlicher Verantwortung zugestehen (s. Kanzlerin und Ministerinnen), sollten auch die religiösen Belange von Frauen wahrgenommen werden.  In unserer Zeit heute, in der die Auseinandersetzung um die Rechte der Frauen auf dem Hintergrund religiöser Bestimmungen wieder neu geführt wird, ist es ein mutiges Zeichen der Kirche, die Ebenbürtigkeit von Mann und Frau auch und gerade in geistlichen Kontexten durch die Wahl der Bischöfin zu betonen.

Wer die Berichterstattung über die Synode in Ulm verfolgt hat, wird sicher auch mit Erstaunen gelesen haben, dass die männlichen Bewerber ihr untadeliges Familienleben als Qualitätsmerkmal für das höchste Amt der evangelischen Kirche hervorhoben. (Sie mögen damit auf die biblischen Empfehlungen für Amtsinhaber in den Gemeinden hingewiesen haben, wie wir sie etwa im 1. Timotheus-Brief lesen  – 1.Tim. 3 , 1 ff)  Margot Käßmann, geschieden nach 26 Ehejahren,  schien diesem Merkmal nicht zu entsprechen. Aber vielleicht   steht sie gerade deshalb exemplarisch für die „Mühseligen und Beladenen“, die Jesus auffordert, zu ihm zu kommen, um „Erquickung“ zu erfahren.  Dieses „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ hat die Kirche lange Zeit  vernachlässigt, zwar hat sie sich in ihrem diakonischen Engagement um die gekümmert, die am Rand stehen, hat Not gelindert und zur Lebensbewältigung geholfen, aber in der Kirche selbst, in den Gremien und Arbeitskreisen  waren doch eher die propperen und integeren Persönlichkeiten gefragt, die etwas hermachen konnten. (Es ist noch gar nicht so lange her, dass Scheidung als ein so großer Makel angesehen wurde, dass man Geschiedenen die Mitarbeit in den Gemeinden verweigerte und auch andere „Randgruppenvertreter“ praktisch in den Mitarbeitergruppen der Kirche nicht vorkamen – Ex-Gefangene, Ex-Junkies, ganz zu schweigen von „akut am Rand stehenden“  Christen, die es ja gibt…) Vielleicht, so ist meine Hoffnung für die Kirche, nimmt  die Kirche auch in ihren verschiedenen institutionellen Gruppierungen wieder  die Menschen mit all ihren menschlichen Unzulänglichkeiten und Bedürftigkeiten in ihre Mitte.  Wir müssen doch keine Vorzeigechristen oder gar Heilige sein, um Wort Gottes heute in unserer Gesellschaft lebendig werden zu lassen.

Unsere Gemeinden  leben nicht von den wenigen nahezu perfekten Supermännern und Frauen, sondern von allen denjenigen, die sich – so wie sie sind – in  Gesellschaft und Gemeinde einbringen.  Dass Frau Käßmann aber auch alle Merkmale einer Superfrau aufweist, ist für ihre Wahl  – und für ihre zukünftige Arbeit – sicher ein wesentlicher und grundsätzlich positiver Aspekt!

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Kommentare»

1. Manfred - 29. Oktober, 2009

Ein „mutiges Zeichen“?

Deutschland wird von einer Frau regiert, Amerika von einem Schwarzen, Berlin, Hamburg, Paris und die deutsche Diplomatie von Schwulen; in Norwegen hat es eine Ex-Fixerin zur Prinzessin gebracht, in der Partei „Die Grünen“ ein Moslem zum Vorsitzenden; außerdem haben wir einen Schwerbehinderten als Innenminister. Was, bitte, ist „mutig“ daran, auf dieser Welle mitzuschwimmen? Mutig ist höchstens die Römische Kirche, die das nicht tut.

Eine EKD-Vorsitzende sollte der Auflösung des Christentums nicht noch Vorschub leisten. Frau Käßmann mit ihrer Sympathie für dieses Monstrum „Bibel in gerechter Sprache“

http://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/gif/chrismon_Kaessmann_Okt06.pdf

ist einfach eine Fehlbesetzung:

Wenn Jesus etwa in der Bergpredigt die Schrift
auslegt, stellt er sich nicht in einen Widerspruch dazu,
wie es die Übersetzung „Ich aber sage euch“ (Matthäus
5, 22) andeutet, sondern er interpretiert sie, wie andere
Rabbinen, Schriftgelehrte, seiner Zeit auch. Die Übersetzung:
„Ich lege das heute so aus“ weist darauf hin.

Damit nur ja niemand auf die Idee kommt, er sei der Sohn Gottes oder so etwas gewesen.

2. Manfred - 29. Oktober, 2009
3. Manfred - 29. Oktober, 2009

Ich will Dir nicht auf den Keks gehen, liebe Rika, aber weil ich in Rage bin und weil es gerade so schön passt, setze ich noch ein Zitat aus der Süddeutschen drauf:

Die Entleerung des Pfarrhauses aber ist auch beim Gegenüber zu beobachten. Margot Käßmann ist, wie immer mehr Pastoren, geschieden: Das Pfarrhaus verliert seine Funktion als kulturell-pädagogische Keimzelle. Und die neue Chefprotestantin stammt aus der evangelischen Weltverbesserungs-, aus der Kirchentagswelt. Sie wird den tagespolitischen Interventionismus ihrer Kirche fortsetzen und den Eigengehalt religiöser Rede in Talkshows zugunsten von sozialer Zeitgenossenschaft kaschieren. Zwar betont sie jetzt stärker das Geistlich-Pastorale, aber das wirkt eher wie eine Legitimation, ja eine Kompensation des politischen Engagements. Margot Käßmann und Angela Merkel, so scheint es, werden sich gut verstehen.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/277/492632/text/5/

4. Rika - 29. Oktober, 2009

Manfred,
über die Bibel in gerechter Sprache kann man ganz gewiss geteilter Meinung sein, ich z.B. mag die Übersetzung gar nicht und lese und arbeite lieber mit der guten Elberfelder! Doch die BigS. soll ja nicht die bereits vorhandenen Bibelübersetzungen ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen!

An dieser Stelle will ich gerne dafür werben, für das (tägliche – wöchentliche) Bibellesen nicht nur eine Übersetzung zu lesen. Da die meisten von uns weder des Hebräischen noch des Griechischen mächtig genug sind, die Schrift in ihren Ursprachen zu lesen, kann es sehr hilfreich sein, verschiedene Übersetzungen zu nutzen, um dem Sinn einer Bibelstelle auf die Spur zu kommen. (Ich lese und arbeite mit mindestens 8 verschiedene!) Gut finde ich z.B. auch, die Parallelstellen, die in einigen Übersetzungen angeboten werden, auch zu lesen. Das vertieft sowohl das Bibelwissen wie auch die eigene bewusste Auseinandersetzung mit dem Text. Einfach mal ausprobieren, es macht sogar richtig Spaß!!!

Das von Dir eingestellte Zitat finde ich aber gar nicht anstößig, „ich aber sage euch“ ist dem Sinn nach nichts anderes als „ich lege das heute so aus“, wobei es ja nicht auf die Aussage als solche ankommt, sondern auf DEN, der das sagt.
Und an Jesus scheiden sich bekanntlich die Geister.
Den aber, Jesus Christus, bekennt die Bischöfin ohne wenn und aber, (das ist bei sehr vielen ihrer PastorkollegInnen ganz anders), auch wenn die Süddeutsche das als frommes Mäntelchen – „Legitimation“ – darzustellen versucht.
Ich habe Frau Käßmann einige Male „in echt“ erlebt, in Hannover in der Marktkirche – das, was sie sagt und wie sie es sagt hat Hand und Fuß, berührt Kopf und Herz gleichermaßen, bedient den Verstand und auch die Sehnsucht nach Spiritualität, nach „geistlicher Nahrung“.

Warum ich den Schritt mutig finde?
1.) Noch vor wenigen Jahren diskutierte die Kirche sehr kontrovers, ob geschiedene Pastoren weiter im Amt bleiben und eine Gemeinde seelsorgerlich betreuen und geistlich leiten dürfen – und in manchen Gegenden ist das bis heute ein heißes Eisen, in meiner Freikirche ebenfalls immer noch.
2.) In der gegenwärtigen Situation in Deutschland und Europa, in der ein fundamentalistischer Islam zum Vorbild für viele Frauen und Mädchen wird oder erzwungen wird, ist eine Frau in einem hohen geistlichen Amt ein wichtiger Kontrapunkt zu den sonst üblichen Gepflogenheiten im Umgang mit muslimischen Befindlichkeiten und den entsprechenden Rücksichtnahmen.
Das gilt im übrigen auch für die Diskussion mit erzkonservativen Katholiken, wie etwa denjenigen, die hier ab und zu in der Blogwelt auftauchen und ganz merkwürdige bis schreckliche Positionen vertreten in Bezug auf Frauen etwa oder – noch schlimmer – in Bezug auf Juden und Israel. Da sträuben sich mir regelmäßig alle Nackenhaare…

An einer Pastorin kann man vorbeisehen, wenn es einem nicht passt, dass eine Frau dieses geistliche Amt ausübt, der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland wird man nicht aus dem Weg gehen können, wenn es um den Dialog der Religionen und Kulturen in diesem Land geht.

Ich halte die Wahl Margot Käßmanns für einen sehr wichtigen Schritt im Hinblick auf die Zukunft der Kirche in Deutschland, ja, sogar darüber hinaus für das „christliche Abendland“ insgesamt.

http://www.ekd.de/aktuell/67616.html

5. Rika - 29. Oktober, 2009

Und noch eine kleine Ergänzung: Jesus hatte ja nicht nur JüngER, er redete nicht nur mit wissensdurstigen und gelehrigen SchülERN. Zwar waren an den überlieferten Schul- und Streitgelehrten mit den Torah-Gelehrten seiner Zeit vermutlich NUR Männer beteiligt, aber in seinem persönlichen Umfeld gehörten sehr viele Frauen zu seinen aufmerksamen JüngerINNEN!
Übrigens waren auch viele Frauen unter den ersten nicht aus dem Judentum stammende Christen, die in ihren Gemeinden herausragende Rollen spielten.

Ich denke, in der heutigen Zeit, in der Frauen ja nicht nur zum Essen zubereiten und servieren mit Männern außer dem eigenen in Kontakt kommen, ist es richtig gut, dass eine Frau eine Institution repräsentiert, die aus dem Grundsatz lebt, dass wir, die Gemeinde Jesu, in Christus „ein Leib“ sind, geliebte Kinder Gottes, geschaffen als Mann und Frau!

6. Manfred - 31. Oktober, 2009

Liebe Rika, ich fürchte, ich kann Dir in keinem Punkt zustimmen:

Doch die BigS. soll ja nicht die bereits vorhandenen Bibelübersetzungen ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen!

Vor allem soll sie die darin enthaltenen theologischen Irrlehren legitimieren. Wenn sich die Schäfchen daran gewöhnt haben, dass es legitim und nicht unchristlich ist, Christus nicht für den Sohn Gottes zu halten, dann werden Schritt für Schritt diejenigen theologischen Positionen, die der feministischen Theologie, dem jüdisch-christlichen Dialog, den politkorrekten linken Marotten und – wettest Du dagegen? – der islamischen Theologie nicht entsprechen, beiseite geräumt. Das Gerede von der „Ergänzung“ ist nur das erste Scheibchen der Salami.

Das von Dir eingestellte Zitat finde ich aber gar nicht anstößig, „ich aber sage euch“ ist dem Sinn nach nichts anderes als „ich lege das heute so aus“

Nichts anderes? Das ist das Gegenteil!

Erstens ist das Wort „aber“ – kompetenter Quelle zufolge – im Originaltext enthalten, das Wort „heute“ aber nicht, und „sagen“ ist auch etwas anderes als „auslegen“. Es handelt sich also um eine Manipulation. Was ist deren Sinn?

Nun, das Wort „aber“ betont das im Verhältnis zur Tradition Neue der Predigt Jesu. Wenn man es weglässt, tut Jesus in der Tat dasselbe „wie andere Rabbinen, Schriftgelehrte, seiner Zeit auch“.

Das Wort „heute“ besagt, dass er es sich morgen vielleicht anders überlegt. Dass er sich irren kann. „Wie andere Rabbinen, Schriftgelehrte, seiner Zeit auch“.

Das Wort „auslegen“ besagt, dass er nicht aus eigener Vollmacht predigt, sondern nur den bereits vorhandenen Text „auslegt“. „Wie andere Rabbinen, Schriftgelehrte, seiner Zeit auch“.

Was heißt das? Das heißt, dass er nicht der Sohn Gottes ist.

Solches, also die Abschaffung der christlichen Zentraldogmen soll dann dem „jüdisch-christlichen Dialog“ dienen. Ich traue mich wetten, dass kein Rabbiner irgendetwas in dieser Art gefordert hat, und erst recht traue ich mich wetten, dass zumindest jeder orthodoxe Rabbiner unter Absingen schmutziger Lieder den Saal verlassen würde, wenn man ihm zumuten würde, die hebräische Bibel in eine „gerechte Sprache“ zu übertragen und politisch zu manipulieren.

Man kann solche Dinge nicht nach Belieben manipulieren, und man darf es nicht! Die Nazis wollten bekanntlich das Alte Testament abschaffen und propagierten den „arischen Christus“. Damals sind sie nicht damit durchgekommen, weil es einfach undenkbar gewesen wäre, die Bibel nach politischen Gesichtspunkten zu manipulieren. Wenn man jetzt aber die Unantastbarkeit des biblischen Textes zur Disposition stellt, dann wird man sich NIE WIEDER auf diese Unantastbarkeit berufen können, wenn wieder ein totalitäres Regime versucht, das Christentum zu vergewaltigen!

(Und komm mir bitte nicht mit dem Argument, jede Übersetzung sei notwendig eine Interpretation, und daher sei es mit der „Unantastbarkeit“ ja sowieso nicht weit her. Selbstverständlich ist jede Übersetzung eine Interpretation, aber nicht jede Interpretation ist auch eine Übersetzung, und die Bigs ist es auf keinen Fall!)

Was vor siebzig Jahren der „arische Christus“ war, wird dann der koranische Jesus sein, und eine „Kirche“, die nicht einmal den Juden gegenüber theologisc Rückgrat zeigt, wird es gegenüber den Moslems erst recht nicht tun!

Ich will ja gerne glauben, dass sich Frau Käßmann über die theologischen Implikationen der Bigs und über die dahinterstehende kirchenpolitische Strategie nicht im Klaren ist; dann ist sie aber schlicht für ihren Posten unqualifiziert. Und dann nützt ihre „Spiritualität“ überhaupt nichts, zumal „Spiritualität“ per se nicht etwas spezifisch Christliches ist. „Spiritualität“ bringt auch der Dalai Lama mit, und wahrscheinlich auch mancher pakistanische Mufti zwischen zwei Hasspredigten.

In der gegenwärtigen Situation in Deutschland und Europa, in der ein fundamentalistischer Islam zum Vorbild für viele Frauen und Mädchen wird oder erzwungen wird, ist eine Frau in einem hohen geistlichen Amt ein wichtiger Kontrapunkt zu den sonst üblichen Gepflogenheiten im Umgang mit muslimischen Befindlichkeiten und den entsprechenden Rücksichtnahmen.

Moslems, was immer man ihnen sonst vorwerfen mag, haben sich noch nie in die inneren religiösen Angelegenheiten christlicher Glaubensgemeinschaften eingemischt. Die werden einer Bischöfin mit derselben Mischung aus Ignoranz und Verachtung entgegentreten wie einem Bischof. Allenfalls betrachten sie es als weiteres Zeichen für die Dekadenz des Westens, dass Frauen solche Ämter bekommen. Das ist selbstverständlich kein Grund, ihnen solche Ämter nicht zu geben, aber wenn Du glaubst, damit kannst Du Moslems beeindrucken, bist Du schief gewickelt. Im Gegenteil, so etwas wie die BigS ist für die der handgreifliche Beweis, dass der koranische Vorwurf zutrifft, Christen würden bei Bedarf die Bibel fälschen; und dass gerade Frauen an einem solchen – für Moslems wirklich unmöglichen, undenkbaren und blasphemischen – Projekt mitarbeiten, wird sie in ihrer Frauenfeindlichkeit höchstens noch bestärken.

Und zu Deinem Nachtrag: Es kommt auch überhaupt nicht darauf an, ob Jesus Jüngerinnen hatte, sondern darauf, ob der Originaltext das aussagt. Es kommt auf die Integrität des Textes an! Wenn Du aber schon (vermutete) historische Sachverhalte gegen den biblischen Text ins Feld führst, dann müsstest Du konsequenterweise auch dagegen sein, dass von „Richterinnen und Richtern“ und „Pharisäerinnen und Pharisäern“ die Rede ist – die hat es nämlich garantiert nicht gegeben! Diese Fehlübersetzungen haben – auch in der Intention der Übersetzer – nicht das Geringste mit historischer Wahrheit zu tun, sondern mit feministischer Klippschülergrammatik. Ideologen, für die sogar das Private bekanntlich politisch ist, können nämlich nicht dulden, dass irgendein Lebensbereich, und sei es die deutsche Grammatik nicht politisch ist, und können deshalb nicht zugeben, dass es geschlechtsneutrale Gruppenbezeichnungen gibt. Weil es das nicht geben, muss man in die Bibel etwas hineinschreiben, was nicht drinsteht: Pharisäerinnen. Richterinnen.

Ich halte die Wahl Margot Käßmanns für einen sehr wichtigen Schritt im Hinblick auf die Zukunft der Kirche in Deutschland, ja, sogar darüber hinaus für das „christliche Abendland“ insgesamt.

Ein sehr wichtiger Schritt im Hinblick auf die Zukunft der Kirche? Das glaube ich allerdings auch: Im Angesicht eines Abgrundes ist in der Tat jeder Schritt „sehr wichtig“. Dass der Protestantismus (um den es nicht schade ist, der aber in fünfzig Jahren bis zu seinem Untergang noch mehr Schaden anrichten wird als in den 500 Jahren davor) wirklich an einem solchen Abgrund steht, lässt sich daran ermessen, dass man heutzutage ellenlange Texte schreiben muss, um etwas zu zeigen, was noch vor einer Generation jedem Kind eingeleuchtet hätte: dass nämlich der, der nicht davor zurückschreckt, die Bibel zu fälschen, vor ÜBERHAUPT NICHTS zurückschreckt! Anders gesagt: Wer bereit ist, wegen irgendeiner lächerlichen politischen Ideologie auf das Wort Gottes zu spucken, der wird für diese Ideologie eines Tages auch morden!

7. Rika - 1. November, 2009

Manfred,
ich halte das Wort Gottes weder für beliebig, noch für beliebig interpretierbar!

Ich will mich mit dir nicht über die BigS streiten, wie gesagt, ich lese sie nicht. Ich lese am liebsten die Elberfelder, der man nachsagt, dass diese Übersetzung am dichtesten am Urtext (hebräisch und griechisch) sei.

Ich habe eine Stellungnahme zur Wahl Frau Käßmanns geschrieben, deren Qualitäten ich nicht davon abhängig sehe, dass sie der Bigs eine wohlwollende Empfehlung mit auf den Weg gegeben hat.

Ich erlebe sie als eine Geistliche, die zu denen gehört, die sagen:
Ich verkündige Christus, den Sohn Gottes und Auferstandenen Herrn.

Dass es heute leider nicht mehr selbstverständlich ist, dass es selbst Kindern einleuchtet, dass man die Bibel nicht fälschen oder verfälschen darf, ist ja nun wirklich nicht Frau Käßmann anzulasten, sondern den Eltern, Vätern und Müttern, die ihren Kindern nichts mehr über die Bibel zu erzählen wissen und erst recht nicht je auf die Idee kommen würden, mit ihren Kindern in der Bibel zu lesen.

Ich verstehe mich hier auch nicht als eine Verteidigerin der Institution Kirche – weder der katholischen noch der evangelischen. Ich bin Baptistin und in meiner Gemeinde ist es üblich, dass schon Kinder mehr oder weniger ausführlich die Bibel lesen und sich (unter Anleitung) darüber unterhalten.

Ich weiß nicht, in wieweit die evangelische Kirche am Abgrund steht, wie du meinst oder der Christenheit Schaden zufügt – bei Schaden zufügen denke ich viel eher an die Pius-Brüder und ihren oskuren Bischof oder auch an Entwicklungen, bei denen sich jeder das spirituelle Element aus Bibel, Christentum, Buddhismus, Esoterik und Spökenkiekerei zu seiner eigenen Patchwork-Religion zusammenschustert, ohne überhaupt noch zu wissen, was das eine vom anderen generell und grundsätzlich unterscheidet und ohne darüber nachzudenken, was es heißt, wenn Jesus sagt:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Aber das darf man ja leider auch nicht mehr so dezidiert weitersagen…. dann wird man in fundamentalistische Ecken getrieben…

8. Manfred - 1. November, 2009

Ich habe nicht Dich angegriffen, Rika, sondern die Verfasser der BigS und diejenigen geistlichen Würdenträger, die ihnen, aus welchen Gründen auch immer, Rückendeckung geben. Dazu muss ich auch Frau Käsmann rechnen.

wenn Jesus sagt:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Aber das darf man ja leider auch nicht mehr so dezidiert weitersagen…. dann wird man in fundamentalistische Ecken getrieben…

Wie die Piusbrüder. Übrigens handelt es sich nur um ein Zwischenstadium. Zehn Jahre weiter, und man wird in die rechtsextreme Ecke gestellt („Fundamentalismus“ ist nur so etwas wie die Vorhölle dazu). Und dann wird man aus der evangelischen Kirche ausgeschlossen, weil die EKD, zweifellos mit dem Segen Deiner Lieblingsbischöfin, sozusagen als deren erste Amtshandlung, den Ausschluss von „Rechtsextremisten“ fordert.

9. Rika - 2. November, 2009

Manfred,
ich fühle mich nicht von Dir angegriffen, eher ein bisschen missverstanden… 😉

Die Pius-Brüder sind mir ihrer antijüdischen Haltung wegen reichlich suspekt … ansonsten schließe ich mich Deiner düster klingenden Prognose widerstreben und zähneknirschend an und würde es lieber wie Martin Luther halten und das Apfelbäumchen der Hoffnung gegen die Resignation setzen!

Meine „Lieblingsbischöfin“ ist ja streng genommen gar nicht „meine“ Bischöfin – und eigentlich halte ich nichts von Bischöfen, Erzbischöfen, Kardinälen oder Päpsten als „christliche“ Ämter.
„Meine Lieblingsbischöfin“ ist eine mich – was nicht nötig wäre 😉 – überzeugende und überzeugte Christin und eine tolle Frau, die schon in der Vergangenheit Tacheles gegen Rechts (Nazis und ihre spätgeborene Erbengemeinschaft!) geredet hat…

Gebe GOTT, dass wir weder Vorhölle noch Hölle in unserem irdischen Dasein zu spüren bekommen! Und nach unserem Tod Christus für uns einsteht, wie Er es verheißen hat: „Jeder nun, der sich vor den Menschen zu mir bekennen wird, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.“ Matthäus 10, 32

10. Rika - 13. November, 2009

http://www.zeit.de/gesellschaft/2009-11/kaessmann-russisch-orthodox
„Käßmann-Wahl provoziert Russisch-Orthodoxe

Eine geschiedene Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche will die russisch-orthodoxe Kirche nicht akzeptieren. Sie beendet die Zusammenarbeit.“

Irgendwie war das ja zu erwarten …
Ich finde es traurig und unzeitgemäß, dass sich Christen (immer noch) zum Wächter des wahren Evangeliums erklären und anderen die Zugehörigkeit zur „Kirche“ iSv „Gemeinde Jesu“ absprechen…
auch wenn ich manche der Kritiker ( Margot Käßmanns) verstehen und ihre Kritik auch nachvollziehen, allerdings nicht grundsätzlich teilen kann.


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