jump to navigation

Kirchturmspitzen und Minarette… 3. Dezember, 2009

Posted by Rika in islam.
Tags: , ,
trackback

als weithin sichtbare Symbole dafür, dass Menschen ihren Glauben leben,  ihm Ausdruck verleihen und Geltung verschaffen (wollen).

Kirchtürme und Glockengeläut – das prägte Jahrhunderte lang das öffentliche Leben in Deutschland und Europa, gehörte zu „unserem“ Kulturkreis  so sicher wie das berühmte „Amen in der Kirche“, war selbstverständlicher Ausdruck des christlich geprägten Lebensstils, Ausdruck von Zugehörigkeit aber auch von Einvernommenwerden durch die Institution „Kirche“, die, obschon seit langem  nur noch geringe weltlich-politische Macht, doch das Leben der Menschen tiefgreifend beeinflusste und bestimmte.

In den letzten Jahrzehnten vollzieht sich ein dramatischer Wandel in den europäischen Gesellschaften. Nicht zuletzt als Folge des verheerenden Krieges haben  viele Menschen erfahren, dass ihr Glaube an Gott, der in den Kirchen gepredigt wird, ins Wanken geriet, dass Zweifel aufkamen an  Sinn und Gehalt christlicher Lehre. Die Verstörung durch die Ideologien des Nationalsozialismus ebenso wie des Kommunismus wirken sehr viel nachhaltiger, als wir es uns je bewusst gemacht haben. Das Voranschreiten der Säkularisierung, die Zunahme eines humanistisch geprägten Atheismus tritt immer deutlicher zutage. Gläubige, praktizierende Christen empfinden sich in vielen Teilen unseres Landes in der Minderheit, die Kirchen haben nicht mehr die geistliche und spirituelle Kraft, den meisten Menschen Sinn und Halt zu bieten, esoterische Bewegungen und obskure pseudoreligiöse Gemeinschaften gewinnen an Attraktivität und Einfluss.

Gleichzeitig wächst mit den muslimischen Einwanderern in Europa   der Einfluss des Islam, werden wir mit Werten und Regeln konfrontiert, die unserem christlich geprägten Denken nicht vertraut sind, wenngleich es Übereinstimmungen zu geben scheint hinsichtlich eines „frommen“ Lebensstils.   Toleranz und Gleichgültigkeit bildeten über Jahre  die Basis für das unbehelligte  Nebeneinander von Muslimen, Atheisten und Christen in Deutschland, man kümmerte sich nicht umeinander und ließ jeden nach „seiner Facon selig werden„, wie einst der alte Fritz so schön formulierte.

Große Verunsicherung machte sich jedoch breit, als nach den Anschlägen in New York die ideologisch-gewaltbereite Seite des Islam erstmals überdeutlich hervorbricht. Der Islam wird nicht mehr nur als eine Religion wie jede andere wahrgenommen, sondern als eine politische Ideologie, die sich gegen die Werte des (christlichen) Westens richtet.

Und damit treten auch die hier lebenden Muslime aus den Hinterhofmoscheen in die öffentliche Betrachtung, wird darüber diskutiert, ob die sichtbaren Zeichen der Religionszugehörigkeit wie z.B. das  Kopftuch  oder die Verweigerung des Sportunterrichts für Mädchen in gemischten Klassen Ausdruck religiösen Empfindens oder ideologisch motivierte „Kampfansagen“  sind.

„Religionsfreiheit“ wird zum alles erklärenden und fordernden Argument und „Toleranz“  ist das Zauberwort, das die auseinander driftenden Wertvorstellungen der Gesellschaft zusammen halten soll, wobei von großen Teilen der politisch einflussreichen Gruppen  Toleranz FÜR Muslime gefordert, nicht aber in gleicher Weise VON Muslimen eingefordert wird für die (immer noch mehrheitlich christlich geprägte)   Gesellschaft dieses Landes.

Im Namen der Toleranz wird Rücksichtnahme auf die Gefühle der Muslime gefordert ( Beispiel: Kritik an Mohammed und Koran vollkommen undenkbar) und im gleichen Atemzug die Rücksichtnahme auf Gefühle und Befindlichkeiten praktizierender Christen (oftmals mit dem Hinweis auf die Trennung von Kirche und Staat)  verweigert (Beispiel: Kreuze in Klassenzimmern, vehemente Kritik an Evangelikalen in öffentlich-rechtlichen Medien).

Die sehr spezielle,  vom Christentum geprägte „Art der Toleranz“  – nämlich die andere Wange auch noch hinzuhalten, statt die eigenen Belange zu verteidigen – fördert die Nachsichtigkeit gegenüber den Forderungen islamischer Verbände, Koran gemäße Regelungen in das Rechtssystem europäischer Gesellschaften einfließen zu lassen, obwohl sie vielmals nicht in Einklang stehen mit den von uns so verstandenen Menschenrechten und Menschenwürde. Jesuanisches Denken und Handeln, wie wir es etwa in den Seligpreisungen sehr eindrucksvoll erfahren,  ist unvereinbar mit Gewaltandrohungen oder gar Terror zur Durchsetzung der eigenen Interessen.  So verwundert es nicht, dass ausgerechnet hohe Kirchenführer sich dafür stark machen, dass Muslimen die ihnen gemäße Form der „Gottesdienste“ in Moscheen möglich sein MUSS und sie den „Kuhhandel“ weitgehend ablehnen, der da heißt:  Moslems bauen  in Deutschland eine Moschee, dafür bauen Christen in der Türkei oder Saudiarabien  eine Kirche,  moslemisches Gemeindezentrum hier, christliches Zentrum dort.

Selbstverständlich gehört zu einer ordentlichen Moschee auch ein ordentliches Minarett – zumindest ist das die Vorstellung, die man gemeinhin hört, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass zwei der wichtigsten Symbole der muslimischen Welt überhaupt, der Felsendom und die AlAksa-Moschee in Jerusalem gänzlich ohne Minarette auskommen… Wenn Christen also sagen, baut in Allahs  Namen auch ein Minarett um zu demonstrieren, dass hier Muslime leben und beten, so hat das nichts mit Gewährung der  Religionsfreiheit zu tun – denn die Ausübung der koranischen Religion ist durchaus auch ohne Minarett möglich – sondern mit freundlichem  Entgegenkommen. Und wenn die Schweizer in ihrem Votum sich gegen den Bau von Minaretten aussprechen, so hat das gar nichts mit mangelnder Religionsfreiheit,  Intoleranz oder gar dem Rückfall ins finsterste Mittelalter zu tun, wie manche Berichterstatter geradezu panisch schreiben – denn die Religionsausübung ist nicht von dem Bau der Minarette abhängig -, sondern doch wohl in erster Linie damit, dass sie sich ihrer selbst  bewusst bleiben  und „die Kirche im Dorf lassen“ wollen als sichtbares Zeichen  der christlichen Basis ihres Lebens.

Darüber zu entscheiden sollte man ihnen in aller Toleranz zugestehen…

Advertisements

Kommentare»

1. islamicrevolutionservice - 3. Dezember, 2009

Wie wäre es mit dem Kuhhandel wenn die Palästinenser in Kern-Israel eine Siedlung bauen dürfen dann dürft ihr eine Siedlung im Westjordanland bauen. Was natürlich bedeutet zuerst müssen genausoviele Siedlungen in Kern-Israel gebaut werden wie es schon zionistische Siedlungen im besetzten Westjordanland gibt und dann kann man mit diesen Kuhhandel beginnen.

2. yael1 - 3. Dezember, 2009

Thema verfehlt, wie immer.

Oh Rika, jetzt bist du schon ein Israeli. 😀

3. Jutta - 3. Dezember, 2009

Naja,liebe Rika,

das sehe ich schon etwas anders.Es ist sicher so, dass in islamischen Ländern der Bau von christlichen Kirchen nicht gerade gefördert wird.Dennoch meine ich,dass im demokratischen Europa ein friedliches Miteinander von Kirchen, Moscheen und Synagogen möglich sein muss,was auch den Bau von Minaretten einschließt.
LG
Jutta

4. Rika - 3. Dezember, 2009

Yael,
„Oh Rika, jetzt bist du schon ein Israeli. :D“

Dagegen hätte ich prinzipiell nichts einzuwenden … 🙂

wobei die islamische Revolution vollkommen übersieht, dass es im Kernland von Israel sehr, sehr viele Siedlungen gibt, die von Arabern bewohnt werden… aber Palästinenser sind natürlich keine Araber…

Jutta,
natürlich muss ein friedliches Miteinander von Synagogen, Kirchen (mit Kirchtürmen) und Moscheen (mit Minaretten) möglich sein – nicht nur in der Schweiz, wie ich meine, nicht nur in Deutschland und Europa -, aber so zu tun, als hinge die ganze Religionsfreiheit vom Bau der Minarette ab, entspricht doch nicht den tatsächlichen Gegebenheiten und Boykottmaßnahmen gegen die Schweiz zu fordern, wie es die fortschrittliche Regierung der Türkei tut, das halte ich für ziemlich daneben…

Nachtrag:
Lesenswertes dazu hier und hier und hier

5. Rika - 4. Dezember, 2009

Passend zum Thema auch der lange Text.
Lesen!

6. yael1 - 4. Dezember, 2009

„Die Minarette sind bloß ein Vorwand – die SVP wollte ursprünglich eine Kampagne gegen die islamischen Traditionen des Schlachtens von Tieren fahren, fürchtete dann aber, den schweizerischen Juden zu nahe zu treten und verlegte sich stattdessen auf die Minarette.“

http://www.welt.de/kultur/article5393404/Die-SVP-zwang-die-Schweizer-in-die-Opferrolle.html;jsessionid=3BD644F23935A23D49AAC1388E1E5989#vote_5374795

Und jetzt:

http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Darbellay-stoesst-die-Juden-vor-den-Kopf-22838252

Menschengruppen sind immer austauschbar.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: