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Kein Bedarf… 1. Februar, 2010

Posted by Rika in islam.
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Die An- bzw. Absage ist deutlich:

Es gibt keinen Bedarf für Imame, die in Deutschland ausgebildet werden. Das erklärte der    Dachverband DITIB zum Vorhaben, an deutschen Hochschulen islamische „Theologen“ auszubilden, die als Imame in den mehr als 2000 Moscheen in Deutschland tätig werden    oder als  (muslimische) „Religionslehrer“  auch den Religionsunterricht an den staatlichen  Schulen für muslimische Kinder erteilen sollten.

Kein Bedarf.

Verständlich, wenn man weiß, dass die Imame bisher in aller Regel vom  „türkischen Amt für Religionsausübung“ nach Deutschland entsandt werden – ohne fundierte Kenntnisse von Sprache und Kultur des Landes, in dem sie ihren türkischen Landsleuten die Weisheit des Propheten nahe bringen und vertiefen sollen.

Kein Bedarf für eine wissenschaftliche Ausbildung und damit auch Auseinandersetzung mit dem religiösen System „Islam“, erst recht wohl nicht mit dem ideologisch-politischen System.

Dabei hat es der Wissenschaftsrat doch so gut gemeint:

Der Wissenschaftsrat urteilt in seinen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“, es werde der Bedeutung des Islam als größter nichtchristlicher Glaubensgemeinschaft in Deutschland nicht gerecht, dass es bislang keine „Islamischen Studien“ an den Hochschulen gibt. Es bedürfe jetzt „einer großen Anstrengung“, um Islamische Theologie an zwei bis drei deutschen Hochschulstandorten zu konzentrieren. Dort sollten neben Lehrkräften für islamischen Religionsunterricht auch islamische Religionsgelehrte, Fachpersonal für Sozial- und Gemeindearbeit sowie wissenschaftlicher Nachwuchs ausgebildet werden.

Islamisches Fachpersonal für Sozial- und Gemeindearbeit, Religionsgelehrte, wissenschaftlicher Nachwuchs, ja, das fehlt doch in Deutschland. Wie schön könnte es mit der Integration muslimischer Menschen in unsere deutsche Wertegemeinschaft vorangehen, wenn man nach dem deutsch-christlichen Muster deutsch-islamische Gelehrte und Pädagogen ausbildete, muslimische Kinder in religionspädagogisch korrekter  Weise in ihrer Religion unterwies und jeden Freitag in den zahlreichen Moscheen des Landes  muslimisch-deutsch-korrekte Predigten  hielte…

Ja, das wäre so recht nach dem Herzen deutscher Bildungspolitiker und Migrationsexperten, und was den Christen recht ist, sollte doch den Muslimen billig sein, freie Religionsausübung, freie Forschung und Wissenschaft auf der Grundlage des ehrenwerten Koran und der heiligen Schriften…

Fein haben sie sich das ausgedacht, so könnte man doch die Aufklärung der Unaufgeklärten und im finstersten religiösen Mittelalter steckengebliebenen Gläubigen vorantreiben zum Nutzen und Frommen aller friedliebenden Menschen hier und auf der ganzen Erde.

„Nö“,  sagen die, die bisher das Sagen und die Deutungshoheit in Sachen Koran, Prophet und Ummah haben…

„Kein Bedarf“…

Vielleicht sollten die Christen, angesichts dieser  Empfehlung des Wissenschaftsrates

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates befassen sich aber zugleich auch mit der christlichen Theologie sowie der Judaistik und den Jüdischen Studien an deutschen Hochschulen. Angesichts des Wandels in einer „religiös pluralisierten Gesellschaft“ schlägt der Wissenschaftsrat „bedarfsgerechte Anpassungen der christlichen Theologien“ vor.

nach „bedarfsgerechter Anpassung der christlichen Theologie“ auch sagen: „Nö, kein Bedarf“.

Frei nach dem Motto:

„Danke, wir sind schon selig“

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Kommentare»

1. alien59 - 2. Februar, 2010

Ich schrieb gestern einen Artikel, eigentlich zur Islamkonferenz, aber der beinhaltet für mich auch diese ganzen doppelbödigen „Angebote“:
http://alienineurope.wordpress.com/2010/02/01/muslime-sagt-nein/

Dass von allen Verbänden gerade die DITIB imstande ist, „nein“ zu sagen, erstaunt und erfreut mich. Ich hoffe, die anderen werden sich anschließen.
Ich wäre zwar auch für in Deutschland ausgebildetes Personal, aber nur dann, wenn eine entsprechende Hochschule die gleichen Freiheiten hätte, wie die Rabbinerausbildung, insbesondere freie Wahl und Visa für die Lehrenden. Keinen staatlichen Einfluss auf Lehrinhalte und Abschlüsse.
So, wie das derzeit geplant ist und mit den vorhandenen Beispielen zur Abschreckung (Münster), NEIN.

2. Markus - 2. Februar, 2010

Warum sagt die Ditib nein? Vielleicht haben sie Angst um ihre Deutungshoheit zum Thema Islam und Koran?

Guter Artikel!

3. alien59 - 3. Februar, 2010

Ich denke, die DITIB sieht die Gefahr, die ich in meinem Artikel zum Anlass für diesen Aufruf nehme: der deutsche Staat will den Islam nach seinem Gusto definieren. Das lässt sich keine Religion gefallen, und wir sollten es auch nicht.

4. Rika - 3. Februar, 2010

Es geht nicht im die staatliche „Definition“ der Inhalte einer Religion.

Das Problem, dass wir in Deutschland mit dem Islam haben, ist, dass es meiner Wahrnehmung nach keine scharfe Trennung von Religion und Politik bzw. Ideologie gibt, da sich der Islam sowohl als Ideologie und als politisch-gesellschaftliches System mit eigener Rechtsordnung (Stichwort Sharia) wie auch als spirituelles, also religiöses System darstellt, welches aber je nach Lage variabel meinungsbildend und fordernd eingesetzt wird.

Nichtmuslime in unserer Gesellschaft haben zu wenig Informationen über Koran und Islam, werden aber immer wieder heftig konfrontiert mit den Reaktionen der Muslime: Empörung und / oder Beleidigtsein, weil „man“ den Koran oder den Propheten in irgendeiner Form respektlos behandelt oder beleidigt hat (und wenn es nur um etwas so Harmloses wie das Vereinslied von Schalke geht!!!), Forderungen nach „Teilautonomie“ im Alltag aus religiösen Gründen, siehe gemeinsamer Sportunterricht, Gebetszeiten usw., politische Einflussnahme auf staatliche Entscheidungsträger, ideologische Auseinandersetzung, wie die Diskussion um die Einbürgerung oder den Zuzug von Familienangehörigen türkischer Migranten, aber auch z.B. Demonstrationen für die Palästinenser mit unverhohlenem Antisemitismus und Aufruf zum Heiligen Krieg gegen Israel … es ließe sich die Reihe beliebig erweitern.

Vieles geschieht und noch mehr wird gefordert in Deutschland und Europa im Namen des Islam, der für sich in Anspruch nimmt, die letztgültige und einzig wahre Offenbarung Allahs zu sein – und damit doch gleichzeitig die Delegitimierung des Christentum bedeutet, auf dem (bisher) das europäische und westliche Wertesystem gründet.

Und natürlich wird das in den Moscheen von den Imamen durch die Auslegung des Korans unterstützt, der ja, wie wir wissen, sich jeder Kritik entzieht, wie sie aber z.B. im Umgang mit der Heiligen Schrift und den theologischen Glaubenssätzen der Christen üblich und sinnvoll ist.
Insofern hat der Staat natürlich ein Interesse an einem ideologischen „System Islam“ und daran, wer „Islam“ deutet und unter die Leute bringt und vor allem wie das geschieht.


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