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„Wiesu denn bluß?“ 13. Februar, 2010

Posted by Rika in islam.
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…  fragen die kleinen Rumpelwichte in dem zauberhaften Buch „Ronja Räubertochter“, wenn ihnen etwas unerklärlich erscheint – zum Entzücken  meiner und sehr,  sehr vieler anderer Kinder (und  Erwachsenen!).   „Was tut sie da?“ wispert das Rumpelwichtchen, und so gehören diese beiden Audrücke neben dem schon erwähnten  „man frägt sich“  zum Repertoire der Familie wenn angesichts seltsamer Erscheinungen, Berichte oder Unverständigem  pure Ratlosigkeit herrscht.

So ging es mir heute morgen beim Lesen der Zeitung.

Unter der Überschrift „Islamfeindschaft und Antisemitismus – vom Sinn sogenannter ‚Vergleiche‘ „ versucht Herr Baader Licht und Ordnung in unser durch allerlei Meldungen und Berichte getrübtes Weltbild zu bringen. Darf man oder doch besser nicht? Soll man nicht oder vielleicht doch, und könnte nicht … ?   Nach dem Lesen  seiner wenig erhellenden Ausführungen  steht dann doch  Rumpelwichtchens Frage:   „Was tut er da, wiesu denn bluß?“

Nun mag ich nicht den ganzenArtikel  Karl-Ludwig Baaders   Absatz für Absatz hier kommentieren, aber an einem Gedankengang bin ich doch hängen geblieben:

„Die Gemeinsamkeiten betreffen Argumentationsfiguren und Agitationsformen – aber die zentrale ideologische Bedeutung, die der Antisemitismus für die europäische Entwicklung und gerade auch für die Bildung von Nationalstaaten hatte, kommt der Islamfeindschaft nicht zu. Zudem hat die Judenfeindschaft viel tiefere Wurzeln in der europäischen Kultur, schon seit der frühchristlichen Epoche. Ein markanter Unterschied: Der Antisemitismus ist ein antimodernes Phänomen. Die Juden wurden für alle Verwerfungen des sozialen und ökonomischen Modernisierungsprozesses verantwortlich gemacht: sei es für die wachsende Rolle des Geldes, die Auflösung ständischer Strukturen oder die Entwicklung der großstädtischen Zivilisation. Die Islamfeindschaft argumentiert dagegen vom Standpunkt der Moderne, gelegentlich aus säkularistischer Perspektive und verurteilt die islamische Religion als archaisch.“

Diese Sätze fordern meine Stellungnahme geradezu heraus!

Ich weiß ja nicht, welchem Jahrgang Herr Baader angehört, aber zu meiner Schulzeit wurden noch im Fach Geschichte die Ruhmestaten eines  Karl Martell gelehrt, der bei Tours und Portiers das christliche Abendland vor den muslimischen (islamischen) Mauren rettete, auch die Schlacht auf dem Amselfeld ist mir als historisches Datum in Erinnerung und aus dem Musikunterricht das schöne Lied über Prinz Eugen, der dem Kaiser die Stadt Belgrad rettet. Nun gut, meine Schulzeit lag in den Jahren vor der 68-Periode. Die hatte sich ja unter anderem dem Anti-Imperialismus gewidmet und so wissen wir ja seit dieser Zeit auch, dass bei den Kreuzzügen* die Rollen fest verteilt waren: Die angreifenden Christen waren die Bösen, die verteidigenden Muselmanen die Guten. Ist klar! Spielt dabei auch keine Rolle, dass die bedeutendste Kirche Ostroms in Konstantinopel-Istanbul von den Muselmanen natürlich nur Kraft der Überzeugung ihrer Worte zu einer Moschee umgewidmet wurde, dass Jerusalem eben nicht der Entstehungsort des Islam sondern des Christentums war und Mohammed Dank seiner guten Kriegsführung die in seinem Geltungsbereich wohnenden Juden und Christen mit dem Schwert bekehrte oder umbrachte.

Alles Schnee von gestern.

Geschenkt!  Hatte ja auch gar keine Bedeutung für die europäische Entwicklung und Identität.   Wenngleich man doch davon ausgehen könnte, dass auch diese Ereignisse irgendwie ihre Spuren im kollektiven Gedächtnis der Deutschen hinterlassen haben.   Und gibt der immer noch gängige Begriff   „christliches Abendland“  nicht einen geradezu definitiv erhellenden   Hinweis auf    die   „ideologische Bedeutung der Islamfeindschaft“   für die Identitätsbildung   Europas  in Abgrenzung   zum Orient als  „muslimischen    Morgenland“???  Vielleicht hat Herr Baader aber nur nicht daran gedacht, weil es früher um Muselmanen oder Moslems ging und der „Islam“ erst in den letzten  paar Jahren nach 68 als Begriff Einzug in die Debatte fand?

Vermutlich erinnert sich Herr Baader auch nicht mehr an die Zeiten der RAF, die in Ausbildungslagern der PLO im Libanon und dem Jemen das nötige militärische Rüstzeug für den bewaffneten Kampf erhielt und sich mit den antiimperialistischen Palästinensern solidarisierte und sich im Kampf gegen US-Imperialismus, BRD-Wohlstandsstaat und das zionistische Gebilde gegenseitig Hilfe und Ansporn war!  Mogadischu lässt grüßen!!!  Aber vermutlich wird Herr Baader meinen, die PLO habe nichts mit dem „Islam“ gemein und sei nur rein zufällig in der Mehrheit ihrer Mitglieder muslimisch…  (Für tatsächliche und /oder vermeintliche Verbrechen, die von   „christlichen“   Herrschern verübt wurden (oder werden), wird hingegen gern immer die gesamte Christenheit, das Christentum als solches verantwortlich gemacht!)

Die Anschläge  im Namen des Islam, die es ja nicht erst seit dem 11. September gegeben hat, will ich als „Angst“Faktor  gar nicht ins Feld führen.

Soviel zu dem  Satz:

Die Islamfeindschaft argumentiert dagegen vom Standpunkt der Moderne, gelegentlich aus säkularistischer Perspektive und verurteilt die islamische Religion als archaisch.“

Damit macht es sich Herr Baader doch ein bisschen zu einfach.

Wiesu denn bluß?

Es ist keine Polemik, wenn ich hier daran erinnere, dass im Namen der (nach Herrn Baader wohl  NICHT)   archaischen Religion Frauen gesteinigt, Homosexuelle gehängt, Dieben die Hand abgehackt, Jeans-tragenden Frauen Peitschenhiebe verabreicht und Frauen im öffentlichen Raum unter die Ganzkörperverhüllung verbannt  werden und in Staaten mit islamischer Gesetzgebung Kirchen verboten und das öffentliche Bekenntnis zum Christentum unter Strafe gestellt wird und bei Konversion die Todesstrafe verhängt und vollzogen wird.   Zwangsverheiratung  minderjähriger Mädchen mit alten Greisen, Vielweiberei, Genitalverstümmelungen und barbarische Ehrenmorde und die Vorstellung, dass Frauen weitgehend „Besitzt“  ihrer Väter und/oder Ehemänner und Brüder sind und deren Verantwortung vollkommen unterstehen, ihre Eigenständigkeit an der Wohnungstür endet und sie somit weitgehend den Männern der Familie und ihren Anordnungen hilflos ausgeliefert sind,  gehören ohnehin zum koranisch abgesegneten Verhaltenskodex.

Doch es  spielt  für den globalisierten Menschen und Beobachter in der Wahrnehmung des  „Islam“  gar keine Rolle, dass das, was Angst auslösend und bedrohlich erscheint und damit auch das  „Feindbild Islam“   speist und begünstigt   „noch“ nicht hier bei uns passiert (Ehrenmorde mal ausgenommen) sondern im fernen Iran, Sudan, Saudi-Arabien, Afghanistan  und wo immer die Koran-Islam-konforme Scharia zur Anwendung kommt.   Wobei  doch viele Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung (Schule, Nachbarschaft) und in der Begegnung mit traditionell lebenden muslimischen Menschen die negativen Kehrseiten einer Ideologie zu sehen und manchmal auch zu spüren bekommen, die unter dem Deckmantel der Religion totalitäre Strukturen und Ausübung von Macht hervorbringt!    ( Einschub: Der Hinweis muss an dieser Stelle  erlaubt sein, dass sich das Judentum schon vor mehr als 1000 Jahren vom Ritual der Steinigung oder anderen „archaischen“ Formen der Bestrafung verabschiedet hat!)   Es kann aber doch nicht sein, dass Judentum und Christenheit einfach  den „Vorsprung“ von gut 600 Jahren abwarten sollte in der Hoffnung auf eine irgendwie geartete Form der „Aufklärung“ , bis auch der Islam seine „nicht-archaischen“ Traditionen, Sitten und Gebräuche überwunden hat, schließlich sind wir doch alle froh und dankbar, dass die Finsternis des Mittelalters mit Hexenhammer und grausamsten Folter- und Tötungsmethoden der Vergangenheit angehört!  Wollen und  können wir wirklich  zusehen, dass viele dieser mittelalterlichen Gepflogenheiten unter dem Deckmantel von Scharia und Koran fortbestehen und sogar zunehmend  Einfluss auch in Europa gewinnen? Wenn ein britischer Minister laut darüber nachdenkt, ob nicht die Scharia in das britische Rechtssystem zu integrieren sei, löst das in mir ein Gefühl von Unbehagen und Bedrohung aus – ganz im Sinn der archaisch anmutenden  Form von Macht , Ohnmacht und Unterdrückung.

*Anmerkung zu Kreuzzüge: Es sind unbestritten fürchterliche Gräuel passiert, die ich weder rechtfertigen noch kleinreden will.

Nachgereicht noch dies:  Zu behaupten, Islamfeindlichkeit – auch Islamophobie genannt – sei im Kern identisch  mit Antisemitismus halte ich für  eine besonders perfide Form des letzteren.


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