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Ich bin nicht froh, 24. Februar, 2010

Posted by Rika in Allgemein.
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dass ich mit  meiner Vermutung und Einschätzung Recht hatte, Frau Käßmann werde wegen der Ereignisse am späten Samstagabend von ihrem Amt zurücktreten.

Ich habe nie ein  Hehl daraus gemacht, dass ich die Bischöfin der Hannoverschen Landeskirche sehr schätze – auch wenn ich oder gerade weil ich kein Mitglied der evangelischen Kirche, sondern geistlich und „ideologisch“  in einer Freikirche beheimatet bin.   „Geistlich“ – durch den und in dem Glauben an Jesus Christus, wie ER uns  in den Evangelien und den Zeugnissen der Apostel durch ihre „Briefe“ bezeugt wird und uns begegnet.  „Ideologisch“ –  der festen Überzeugung wegen, dass es keiner Bischöfe und kirchlicher Hierarchien bedarf, um „Kirche“, Gemeinde Jesu zu sein.

Frau Käßmann hat mich mit ihrer klaren Botschaft von Jesus Christus und der Liebe Gottes überzeugt, sie hat mich beeindruckt durch ihr kraftvolles Eintreten für die Schwachen der Gesellschaft, durch ihr Aufgreifen schwieriger und oftmals kontrovers diskutierter Themen, durch ihre Eindeutigkeit, mit der sie Stellung nimmt und durch  ihre Bodenhaftung und ihre Menschlichkeit.

Niemand, der alle seine Sinne beisammen hat, wird in Frau Käßmann  eine unfehlbare Heilige gesehen haben, erst recht nicht nach ihrer Scheidung, die ihr nicht gerade nur Mitgefühl und  Sympathien eingetragen hat, sondern vielen Kritikern ein Anlass war, schon damals ihren Rücktritt vom Bischofsamt zu fordern.  Menschen können scheitern und tun es auch –  immer wieder. Das macht ihr Menschsein aus,  Fehler und  Scheitern   machen gerade  auch  Personen, die ständig im Licht der Öffentlichkeit stehen,  menschlich.

Dass ausgerechnet ein – menschlich nachvollziehbarer –   schwerer Fehler dieses „normale Menschsein“  der Bischöfin  so krass und heftig sichtbar macht, ist tragisch.

Fehler dieser Art können wir alle machen, aber ein Amt, das wie kein anderes an dem gemessen wird, was Kraft dieses Amtes gepredigt und geschrieben wird, verträgt es wohl nicht, dass der Amtsinhaber über eine –  auch strafrechtlich  schwere –  Verfehlung strauchelt, daran  mag auch die   fundamentale christliche  Botschaft von der  „Vergebung der Sünden“ (durch Gott)  und das (in diesem Fall auch mögliche)  Vorbild praktizierter Vergebung durch die  Brüder und Schwestern untereinander wenig ändern.  Der Druck von außen auf die Vorbildfunktion und Glaubwürdigkeit des Amtsinhabers ist einfach zu groß.

Es ist Margot Käßmann hoch anzurechnen, dass sie nichts beschönigt oder herunterzuspielen sucht und für ihren Fehler einsteht und die Konsequenzen daraus zieht und von beiden Ämtern zurücktritt, dem Amt der Landesbischöfin und dem der Ratsvorsitzenden der EKD.

Sie erweist damit auch denen einen letzten Dienst, die die Steine schon aufgehoben hatten…

—-

Die Erklärung der Bischöfin

Daraus zitiert:

„Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue. Aber auch wenn ich ihn bereue, und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigterweise zu machen sind, immer wieder selbst gemacht habe, kann und will ich nicht darüber hinweg sehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind. Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so wie ich sie hatte. Die harsche Kritik etwa an einem Predigtzitat wie „Nichts ist gut in Afghanistan“ ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird.

Zuletzt: Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar.“

—————————————————————–

Statement des stellvertretenden Ratsvorsitzenden …

Sehr lesenswert auch dieser Kommentar:

…  Drum, noch mal zum Mitschreiben: sie hat einen Fehler gemacht. Das ändert aber nichts daran, dass sie bis zu jener Samstag nacht eine hervorragende Bischöfin war. Eine Hoffnungsträgerin für die evangelische Kirche in diesem Land. Sie wird fehlen. Sehr. „

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Kommentare»

1. theomix - 24. Februar, 2010

Danke! In kritischer Solidarität M. K. gut gewürdigt (hier und auch in anderen Beiträgen).

2. Flash - 25. Februar, 2010

Am Rande sei bemerkt, daß es durch diesen Rücktritt immerhin soweit kam, daß in den deutschen Hauptnachrichten (DLF) der Satz erwähnt wurde:

„Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand.“

Ich glaube, es ist nicht mal selbstverständlich, daß eine Bischöfin in D. in so einer PK Gott erwähnt. Im allgemeinen geben sie ja nur politische Statements ab.

3. Roman - 26. Februar, 2010

Es ist Margot Käßmann hoch anzurechnen, dass sie nichts beschönigt oder herunterzuspielen sucht und für ihren Fehler einsteht

Das ist die Regel 1 der Krisen-PR. Kannst Du in jedem Buch zum Thema nachlesen.

4. Käßmann zum Letzten – vorläufig | Manfreds politische Korrektheiten - 2. März, 2010

[…] Ich glaube nicht, dass Rika speziell mich meinte, als sie anlässlich der Käßmann-Affäre über Zeitgenossen schrieb, die „kübelweise Spott und Häme über die Bischöfin ausschütten und alle Register ziehen von frauenfeindlich über kirchenkritisch bis links-atheistisch“, sich in „Wasser-Wein-Predigten“ ergehen, von „Vorbildfunktion“ „schwafeln“, anlässlich ihrer Scheidung wenig „Mitgefühl und Sympathien“ zeigten, stattdessen „schon damals ihren Rücktritt vom Bi…. […]

5. Markus - 2. März, 2010

Ich finde es nur erstaunlich, warum sie zurückgetreten ist.
Ihre Scheidung wurde von ihr und vielen anderen nicht als Grund für einen Rücktritt akzeptiert, das Fahren mit Alkohol am Steuer schon.

Mal abgesehen davon, dass Alkohol am Steuer ein schwerer Fehler ist, den sich eine Bischöfin nicht erlauben kann:
Nach welchen Maßstäben wird hier gemessen? Nach gesellschaftlich akzeptierten? Denn da ist eine Scheidung heute Alltagsgeschäft, während das Fahren mit Alkohol heutzutage (wie gut) von vielen nicht mehr akzeptiert wird.

Aber sollte eine Bischöfin, die die ev. Kirche und viele Christen vertritt und die Bibel als Grundlage des Lebens akzeptiert, nicht nach biblischen Maßstäben entscheiden – anstatt nach zeitlich veränderbaren der Gesellschaft? Denn nach der Bibel sollte ein Bischof sich nicht scheiden lassen. Er sollte verheiratet sein, Mann einer Frau und sein Haus in guter Weise führen (analog für eine Bischöfin).

Ist das wieder so ein Tabubruch – biblische Maßstäbe sind out und werden von tapferen Rebellen niedergerungen?
Seltsam, dass eine kirchliche Amtsträgerin sich mehr den gesellschaftlichen als den biblischen Maßstäben beugt. Oder?

6. Markus - 2. März, 2010

Nachtrag: Auch das Argument, dass ihre Scheidung sie menschlicher und nahbarer gemacht hat und sie den Menschen dadurch mehr Hoffnung gegeben hat, ist ein recht Seltsames. Wenn man das mal zu Ende denkt, wo landen wir denn dann??

7. Rika - 2. März, 2010

Markus,
ich habe und hatte durchaus den Eindruck, dass Margot Käßmann biblische Maßstäbe ihrem Handeln und Reden zugrunde legt.

Sie hat den Menschen, denen es ähnlich geht oder ging wie ihr, vorgelebt, was es heißt, in Gottes Hand zu fallen und dort geborgen zu sein.
Kann man „Sündern“ ein besseres Vorbild sein?

Schließlich kennt die evangelische Kirche eben NICHT die unfehlbaren Heiligen, die auch in der Versuchung „standhaft“ bleiben, nicht fallen und dafür mit der Heiligsprechung durch den Papst belohnt werden …

Christen leben von der Vergebung – und anders als bei langer Haft und dem möglichen Resozialisierungsprogramm, das Strafgefangene nach der Verurteilung durchlaufen, gilt Gottes Vergebung sofort und absolut. Das jedenfalls lese ich aus den vielen Beispielen des Neuen Testaments. Jesus sagt: Dir sind deine Sünden vergeben, gehe hin und sündige hinfort nicht mehr. Er legt nicht, was wir so gerne tun würden, diverse Beschränkungen und Bedingungen dem Sünder auf, lässt ihn auch nicht mit einem Makel zurück oder zeichnet ihn mit dem Kainsmal, nein, es steht das einfache „Sündige hinfort nicht mehr!“ als einzige Empfehlung da.

8. Käßmann zum Letzten – vorläufig! | Korrektheiten - 10. Februar, 2011

[…] ergehen, von „Vorbildfunktion“ „schwafeln“, anlässlich ihrer Scheidung wenig „Mitgefühl und Sympathien“ zeigten, stattdessen „schon damals ihren Rücktritt vom Bi….Ich glaube aber, dass viele Käßmann-Fans (und von denen gibt es auch unter Konservativen […]


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