jump to navigation

Schlechtes Timing… 11. März, 2010

Posted by Rika in israel.
Tags: ,
trackback

… oder doch eine mit naiver Unschuldsmine vorgebrachte gezielte „Provokation“?

Die Zeitungen jedenfalls überschlagen sich wieder in der Berichterstattung, um das gemeinhin gutmütigegläubige Volk des Westens  über die Ungeheuerlichkeit Israels aufzuklären, eine Ungeheuerlichkeit die darin besteht, das just in dem Augenblick, in dem Mr. Biden  Bibi Netanjahu an sein Herz drückt und verkündet, dass nichts und niemand zwischen Israel und den USA stünden, der Innenminister Israels die Planung für weitere Wohnungen im sogenannten Ostteil Jerusalems bekannt gibt.

Das schlägt in der Tat dem Fass den Boden aus. Solche Frechheit hat die Welt noch nicht gesehen.  Eine unglaubliche Provokation und eine Brüskierung des amerikanischen Präsidenten Obama, der doch so sehr um den Frieden im Nahen Osten bemüht ist und darum auch Israel ziemlich unmissverständlich  zum Siedlungsstop aufgefordert hatte. Denn die Siedlungen sind es natürlich, die einzig und allein dem Frieden zwischen den arabischen Palästinensern  und den  Israelis im Wege stehen. Das weiß jedes Kind. Und vor allem weiß das Mr. Präsidente Terroriste, Mahmud Abbas, der prompt seine Teilnahme an den inoffiziellen Friedensgesprächen zurück zog.

Er und seine Spießgesellen beeilten sich, ihren arabischen Brüdern in nah und fern zu versichern, man werde keinesfalls mit Israel (ob er wirklich Israel gesagt hat??? Die korrekte Sprachregelung ist doch „das zionistische Gebilde“!), also mit den Regierungsvertretern des Staates verhandeln, der nach der für die Weltöffentlichkeit offiziellen Lesart in die Grenzen von 1967 gezwungen werden  und nach inoffiziellen Bekundungen, also nach den in der Charta der Hamas festgelegten Zielen, völlig von von der Bildfläche verschwinden soll, ganz in Übereinstimmung übrigens mit dem bekannten Herrn A. aus T., der von „aus dem Buch der Geschichte löschen“ oder „von der Landkarte radieren“ in seinen berühmten Reden faselt, deren eigentlicher Sinn aber in der Übersetzung dem gemeinen Volk des Westens  bekanntlich nicht korrekt wiedergegeben wird. Weshalb es von den Israelis natürlich umso verwerflicher ist, an Angriffsplänen gegen den Iran zu arbeiten. Schließlich dienen die atomaren Fortschritte des Mullahstaates ganz allein zivilen und vollkommen friedlichen Absichten. Auch das weiß jedes Kind. Darum beteiligen sich ja auch fortschrittliche deutsche Unternehmen an den Fortschritten des radikal-islamischen Landes.

In unseren westlichen Augen mag es bei einigem Wohlwollen für den jüdischen Staat  so aussehen, als habe Israel „nur“ propagandistisch ungeschickt gehandelt, als es den Neubau der Wohnungen in dem Moment verkündete, als die Palästinenser bereit schienen, sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen.  Aber glaubt denn irgendein mit Vernunft begabter Mensch wirklich, dass es sich im Gegenzug nicht  um ein (gleichfalls) propagandistisches palästinensisches Schelmenstück handelt, wenn Abbas  „indirekte Verhandlungen“ mit Israel aufnimmt?  Was soll denn bei „indirekten Verhandlungen“ tatsächlich verbindlich geklärt werden können? Wie blind muss man sein, um solchem Spuk zu vertrauen? Kann jemand im Ernst glauben, die aus propagandistischen Gründen und die wahren Absichten verschleiernden „Verhandlungen“ brächten die Zusage, von einem verbindlichen Vertrag ganz zu schweigen, die Palästinenser würden – wenn schon nicht in absehbarer Zeit, so aber doch in weiter, weiter Ferne liegenden Zukunft – den Staat Israel als jüdischen Staat anerkennen, mit dem sie in Frieden und gut nachbarschaftlichen Verhältnissen wohnen wollen? Da soll uns doch nur wieder weiß gemacht werden, dass „man“ – die Rede ist von den armen geknechteten und in KZ-ähnlichen Wohnverhältnissen hausenden Palästinensern – doch den Frieden wolle, aber die eigentlichen Verhinderer die bösen Zionisten seien. Mir kommt es vor wie die weiland sehr unterhaltsame unendliche Geschichte von „Dallas“ oder dem „Denver-Clan“, immer wenn es so aussieht, als wende sich die Geschichte zum Guten, taucht unvermittelt der Bösewicht wieder auf und der Streit kann von Neuem beginnen. Nur das dieses Stück nicht der allabendlichen Unterhaltung dient, sondern blutiger Ernst ist, in dem Israel es sich nicht leisten kann, „Spielchen“ zu treiben.

Abgesehen davon, dass es nie einen palästinensischen Staat gegeben hat, dem Israel irgendetwas weggenommen hat und dem man jetzt etwas zurück geben müsste, hat doch die Erfahrung nach dem Rückzug aus Gaza gezeigt, dass mit dem Rückzug nicht der Friede Einkehr gehalten hat, sondern sich im Gegenteil die Situation verschärft hat. Gaza ist vollkommen unter die Kontrolle der radikalen, islamistischen Terrorbande der Hamas geraten, zum Nachteil nicht nur der Friedensbemühungen, sondern auch zum massiven Nachteil der Bevölkerung von Gaza selbst, die dem fundamentalistischen Terror, der sich gegen die eigenen „palästinensischen Brüder“ kehrt, nichts entgegen zu setzen hat.

Und für alle Bibel-Kenner noch eine interessante Frage am Rande:  Käme es nicht der berühmten Geschichte aus dem 1. Buch Mose gleich, in dem ein  Mann sein Erbe  wegen seines augenblicklichen Appetits und Hungers gegen eine schmackhafte Mahlzeit, die sein wenige Minuten jüngerer Bruder zubereitet hat, eintauscht, wenn Israel gegen die Utopie des Friedens Land eintauschte, das unverbrüchlich laut Gottes Zusage mit dem jüdischen Volk verbunden ist?

Ja, von mir aus können nun alle säkularen, linken, atheistischen und sonstigen Meinungsmacher aufheulen und mit dem Finger auf mich zeigen wegen angeblicher oder tatsächlicher fundamentalistischen Ansichten. Es ist nur eine kleine Bemerkung am Rande. Aber sie geht mir durch den Kopf, seit ich alt genug bin, mir Gedanken über biblische Aussagen zu machen und über  ihre Relevanz für heute nachzudenken. Das gilt auch und ganz besonders für die vielen biblischen Aussagen über Jerusalem …

Advertisements

Kommentare»

1. Omar - 11. März, 2010

Gaza zeige, dass Rückzug nichts bringe! Das behauptest nicht nur du, das behaupten viele proisraelische Kommentatoren. Dabei wird der Tathergang deutlich verkehrt dargestellt. Der „Rückzug“ hatte für Israel den angenehmen Effekt, dass sie sich von der Verantwortung als Besatzungsmacht formal zurückziehen durfte. Aber nicht nur das: Die Blockade des Gaza-Streifens hätte natürlich mit den Siedlungen im Gaza-Streifen nicht funktionieren können.

Nachdem man also die Palästinenser in einen sehr engen Raum eingegrenzt hatte, konnte man sich daraus zurückziehen (auch wenn ein paar Siedler sich das anders gewünscht hatten) und sie einpferchen. Das funktioniert mit Hilfe der ägyptischen Regierung so gut, dass nicht nur der Landweg nach Israel, sondern auch der nach Ägypten, sowie der Seeweg und – aufgrund der israelischen Bombardierung – auch der Luftweg abgeschnitten sind. Das betrifft nicht nur den freien Handel und die Lieferung von Hilfsmitteln, sondern im Falle des Mittelmeers vor allem auch die Fischerei, der man durch Drangsalierung und Beschuss der Fischer ein Riegel vorgeschoben hat.

Palästinenser hatten faktisch einen Landgewinn zu verzeichnen, der aber durch die großen Sperrbereiche um die Mauern herum (zeitweise auch nach Ägypten, aber vom israelischen Militär forciert) wieder rückgängig gemacht wird. Dafür hat man aber keine Reisefreiheit und kann sehr viel leichter den Bombardierungen und sog. „sonic booms“ ausgesetzt werden. Der Gaza-Krieg anfang 2009 hätte so nicht stattfinden können, wenn noch Siedlungen im Gaza-Streifen gewesen wären.

Was will ich sagen? Rückzug funktioniert anders! Leider sieht es derzeit so aus, als würde Israel im Westjordanland und in Jerusalem dieselbe Taktik verfolgen: Einpferchen, aussiedeln wenn möglich und weiter so viel Land abgreifen, wie grundsätzlich möglich ist (die Bevölkerungsdichte in den Siedlungen ist weit höher als die Israels). Das schafft Fakten!

Du als Christin scheinst ja der Auffassung zu sein, dass Juden (wie du sie definierst, wirst du uns vielleicht noch offenbaren) ein unumstössliches Anrecht auf das Land haben „, weil Gott es so sagt“. Es scheint dir dabei egal zu sein, welche Gewalt sie anwenden, um an dieses „Recht“ zu kommen. Eine Frage hätte ich dazu: Gibt es einen vergleichbaren Fall irgendwo auf der Erde, wo das der Fall ist? Dass ein „Volk“ ein unumstössliches Anrecht auf irgend etwas hat, das es sich mit allen Mitteln (also auch mit der Entrechtung, Vertreibung und Ermordung anderer) erkämpfen darf?

2. Rika - 11. März, 2010

Du scheinst ein Meister darin zu sein, die Tatsachen so zu verrühren und zu verdrehen, dass am Ende immer das gleiche Ergebnis rauskommt:
Israel ist schuld am Elend der Palästinenser!

Das ist übrigens eine Taktik, die schon die Palästinenser drauf hatten, die noch als „Araber“ das britische Mandatsgebiet Palästina bewohnten, das, wie man ja weiß, nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches eine vorläufige Verwaltung des Landstrichs bedeutete.

Und weil du diese Taktik der Diskussion weitaus besser beherrscht als ich, werde ich mich nicht auf ein endloses und völlig überflüssiges Lamentieren über Henne und Ei, über Vertreibung und Ermordung mit dir einlassen, sondern dir empfehlen, folgenden Text zu lesen:

http://www.eussner.net/artikel_2010-03-05_00-30-52.html

der beschäftigt sich mit der rechtlichen Seite der Geschichte, nicht aus dem Bauch heraus, sondern ganz wissenschaftlich belegt.

Zu deiner seltsamen Frage nur so viel: es haben in all den letzten mindestens drei Jahrtausenden immer Juden in dem Land gelebt, dem einst die Römer den Namen Palaestina gaben, um genau das vergessen zu machen: Palästina ist jüdisches Land!

3. yael1 - 15. März, 2010

„Der “Rückzug” hatte für Israel den angenehmen Effekt, dass sie sich von der Verantwortung als Besatzungsmacht formal zurückziehen durfte“

Ich glaube, dass Sie überhaupt keine Ahnung haben, denn man kann Terroristen viel besser kontrollieren und damit Raketenabschüsse verhindern, wenn man eine Besatzung aufrechterhält.

„Nachdem man also die Palästinenser in einen sehr engen Raum eingegrenzt hatte, konnte man sich daraus zurückziehen (auch wenn ein paar Siedler sich das anders gewünscht hatten) und sie einpferchen. Das funktioniert mit Hilfe der ägyptischen Regierung so gut, dass nicht nur der Landweg nach Israel, sondern auch der nach Ägypten, sowie der Seeweg und – aufgrund der israelischen Bombardierung – auch der Luftweg abgeschnitten sind.“

Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass all das geschah, als die Hamas gewählt wurde.

„Einpferchen, aussiedeln wenn möglich und weiter so viel Land abgreifen, wie grundsätzlich möglich ist (die Bevölkerungsdichte in den Siedlungen ist weit höher als die Israels). Das schafft Fakten!“

Wie wäre es, wenn Sie Fakten erst einmal zur Kenntnis nehmen???

„Durch die Siedlungen werden die in den besetzten Gebieten lebenden Araber nicht vertrieben. Die Medien vermitteln manchmal den Eindruck, als müssten für jeden Juden, der in die Westbank zieht, mehrere hundert Palästinenser fortziehen. In Wirklichkeit wurde die überwiegende Mehrheit der Siedlungen in unbewohnten Landstrichen errichtet; aber auch durch die Hand voll jüdischer Siedlungen, die in oder in der Nähe von arabischen Städten gelegen sind, wurde kein einziger Palästinenser zum Verlassen seiner Heimat gezwungen.“

Alles in allem: Klischees über Klischees, die den Tatsachen nicht standhalten, weil Sie einfach keine große Ahnung haben.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: