jump to navigation

Da habe ich gerade ein positives Bild … 27. März, 2010

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
5 comments

…     von  und wunderbare Eindrücke in der Türkei gewonnen und schon könnte ich wieder an die Decke gehen.

Aber ich habe mir ja vorgenommen, mich nicht mehr über alles aufzuregen und erst einmal tief durch zu atmen und schätzungsweise bis 1000000000000 zu zählen, ehe ich meinem Ärger Luft mache. Und so will ich hier auch nicht über meinen Ärger reden.

Im dunklen deutschen Herbst erhielten wir eine Werbebroschüre für xxx-Leser, die zu einer Bildungsreise in die Türkei einlud, um den Spuren des Apostel Paulus zu folgen.

Wer hier ab und zu liest, hat sicher schon mitbekommen, dass ich ein ziemlich gestörtes Verhältnis zu hier lebenden türkischen Bürgern habe, die scheinbar oder tatsächlich integrationsunwillig sind und am liebsten auch in Deutschland türkische Verhältnisse für alle fordern würden. Jedenfalls ist das eines meiner Vorurteile, die ich mehr oder weniger hege (und pflege) und „natürlich“   auch immer wieder  bestätigt sehe, selbstkritisch betrachtet (eben) nicht  frei nach dem Fuchs aus „Der kleine Prinz“:  „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, sondern in blinder Beschränktheit  abgewandelt in: „Man sieht nur das, was man sehen will“ oder so ähnlich.

Mein liebster Ehemann war  sehr angetan von der Offerte, zumal die Reise für einen Spottpreis zu haben sein sollte. Ich jedoch, mir meiner Vorurteile bewusst, hegte große Bedenken, nicht zuletzt wegen der Ankündigung „auf den Spuren Paulus“ zu reisen und zu wissen, wie schlecht es aktuell um die Christen in der Türkei bestellt ist. Hinzu kam, dass in dem Angebot offen die Rede davon war, dass verschiedene Produktions- bzw. Verkaufsstätten besucht werden sollten und mehr oder weniger die Erwartung an die Reisenden  geknüpft war, entsprechende Produkte auch zu erwerben…

Nun hatte ich vor etlichen Jahren an einer kostenlosen Kaffeefahrt teilgenommen zu der ein besonderer Personenkreis eingeladen war. Es handelte sich ausschließlich um die Personen, die auserkoren waren, während der Reise einen nagelneuen Golf zu gewinnen und ich gehörte dazu! Mein alter Golf war schon sehr betagt und mehr un- als fahr- tüchtig und die Aussicht auf ein neues Auto allzu verlockend! Der Ausflug wurde zu einem Horrortrip fast ohne Ende. Niemals zuvor in meinem Leben und niemals danach war ich einem derartigen Psychoterror ausgesetzt gewesen, wie bei dieser Tour. Grauenvoll! Natürlich hatte niemand der Auserwählten ein Auto gewonnen, war dafür aber mit Angeboten von Rheumadecken, Magneten, Nahrungsergänzungsstoffen, um ein vielfaches überteuerten Kochtöpfen und ähnlich „günstigen“ Angeboten mit strategischer Aggressivität überhäuft worden. Ich hatte nichts gekauft, dafür aber Häme, Spott und Zorn des Verkäufers im Unmaß auf mich gezogen! Und ich hatte mir geschworen, niemals, niemals mehr ein Angebot anzunehmen, bei dem ich irgendetwas gewinnen oder günstig erwerben könnte.

Nun also die Preiswertreise in die Türkei.

Der Abreisetag rückte näher und näher und meine Bedenken wuchsen ins schier Unermessliche. Lediglich die Aussicht, eine lange Woche lang ohne meinen Liebsten allein zu Haus zu sein und bei seiner Rückkehr wohlmöglich einen enthusiastischen Bericht über eine grandiose Reise anhören zu müssen, führte dazu, dass ich meinen Koffer packte und schließlich mit Bauchgrimmen und dem festen Vorsatz die Reise antrat,  mich nicht becirzen zu lassen von Reiseleitern und Verkaufsexperten.

Von Antalya aus ging es über das Taurusgebirge,

Halt kurz vor der Passhöhe, ca 1800 m hoch

Halt kurz vor der Passhöhe, ca 1800 m hoch

die Stadt Konya (zu Paulus Zeiten „Ikonien“ genannt) und eine unglaublich flache Hochebene

nach Kappadokien.

Im Freilichtmuseum Göreme, Besichtigung u.a. der Höhlenkirchen

Göreme

Welch eine grandiose Landschaft mit einer ebenso grandiosen Geschichte!

Es war allerdings ein kleiner Schock als wir am ersten Morgen nach unserer Ankunft aus dem Fenster sahen.

Frisch gefallener Schnee in Kappadokien – und ich glaubte, der Winter sei vorbei.

Blühender Mandelbaum im Schnee

Damit hatte ich ja nun gar nicht gerechnet. Es war richtig kalt!

Doch zum Glück taute der Schnee noch im Laufe des Tages und die Sonne wärmte Gemüt, Körper und Seele, jedenfalls kam es mir so vor…

Wohnhöhlen

Kappadokien ist eine unglaublich fantastische und faszinierende Landschaft mit vielen Zeugen reicher Geschichte.

Allein das zu berichten, was wir in den wenigen Tagen dort gesehen, gehört  und erlebt haben, würde meinen Blog zu einem Buch machen und mich für die nächste Zeit vollkommen auslasten.

Beeindruckt haben mich die Menschen, denen wir begegnet sind, durch ihre Freundlichkeit und Gastfreundschaft – das, fürchte ich, können Kappadokier hier abei uns nicht in gleicher Weise erfahren…

Wir nahmen den gleichen Weg zurück nach Antalya, schauten unterwegs in den angegebenen Produktions- und Verkaufsstätten vorbei und wurden dort mit großer Höflichkeit behandelt.

Zurück in Antalyah machten wir noch einen Abstecher nach Perge

Perge

.

und nach Aspendos

Das antike Theater von Aspendos

Eine wunderbare Kulisse auch für heutige Aufführungen und Konzerte…

Die Reise klang mit einer sehr geruhsamen Bootsfahrt auf einem nahe gelegenen Fluß aus.

Reisen bildet, sagt man.

Mir hat die Reise  sehr geholfen, meine Vorstellungen über die Türkei und die Menschen  zu konkretisieren und zu relativieren. Dabei war es sicherlich sehr hilfreich, dass wir einen hervorragenden Fremdenführer hatten, der nicht nur fließend Deutsch sprach, sondern auch durch seine ausgezeichneten Kenntnisse der Geschichte einerseits und seine moderne Einstellung und politischen Vorstellungen andererseits das Bild der Türkei „weit zeichnen“ und Verständnis für die vielfältigen Probleme des Landes wecken konnte.

Wieder hier in Deutschland las ich dann in der Zeitung, dass Herr Erdogan gegen die „Assimilation“ der Türken in die deutsche Gesellschaft sei, die ethnische Zugehörigkeit der aus der Türkei stammenden Bundesbürger gleichzeitig zu einer „staatlichen“, zur Türkei gehörenden machen will, auch wenn „deutsche Türken“ längst deutsche Staatsbürger sind, dass er türkische Gymnasien fordert und mehr oder weniger großen Einfluss auf die deutsche Gesellschaft nehmen will und unter Integration der Türken in Deutschland versteht, dass sie via DITIB und anderen Vereinen nach seiner Pfeife tanzen…

Das geht – bei aller Begeisterung für ein interessantes Land – dann doch entschieden zu weit.

Werbung
%d Bloggern gefällt das: