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Welch ein strahlender Held – und so mutig!! 20. April, 2010

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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DAS hätte man dem smarten Christian Wulff doch gar nicht zugetraut, dass der sich „was traut“, den Eindruck muss man gewinnen, wenn man diesen Titel liest:

Wulffs geschickte Kabinettsumbildung

Ausgerechnet im Land der konservativen Niedersachsen-CDU wird eine Muslimin Ministerin. Ministerpräsident Wulff will zeigen, dass er sich etwas traut.

Der Mann, der sich was traut! Wow!

Dabei traut der sich noch ganz andere Sachen.

Zum Beispiel traut er sich, den Bildungsetat in Niedersachsen mal eben um 40 Millionen zu kürzen, VIERZIG MILLIONEN !!!

Das stand erst neulich in der Heimatzeitung.  Vor allen Dingen will man im KITA-Bereich und im Grundschulbereich sparen. DAS ist eine tolle Leistung und entspricht natürlich der Tatsache, dass Niedersachsen ein Agrarland ist und die d—sten Bauern die dicksten Kartoffeln … was braucht es da Schulen und Kindergärten. Hähnchenmastbetriebe und Schweineaufzuchtstationen tun es doch auch. Ja, da jubeln alle Niedersachsen, endlich spart man mal am richtigen Ende!

Ähh, da habe ich etwas verwechselt, das Geld wird ja nicht gespart, nur anders eingesetzt, für den Neubau des Landtags nämlich. Darüber jubeln alle Niedersachsen! Nein, stimmt auch nicht! Ein Volksbegehren soll die bereits beschlossene „Einsparung“ wieder rückgängig machen. Wir in Hannover wollen sowieso keinen neuen Glaspalast mit Säulen, passt nicht in die Stadt, nicht zum alten Leineschloss, nicht zu Hannover. Wir wollen unseren alten, unspektakulären und etwas in die Jahre gekommenen Oesterlen-Bau behalten.  Was sollen wir 40 Millionen für einen Neubau ausgeben, wenn das Plenum ohnehin so gut wie nie vollständig versammelt im neuen Hause tagen wird?  Obwohl, vielleicht kämen ja alle, wenn die Luft- und Lichtbedingungen besser wären…?

Jedenfalls ist es ungeheuer „mutig“ von unserem Landesvater, dass er in die Zukunft investiert. In die politische Zukunft nämlich. Angesichts der Tatsache, dass unter allen Migranten die Türken am schlechtesten ausgebildet sind und die meisten Hartz IV-Bezieher stellen, dass Frauen und Mädchen in dieser Migrantengruppe stärker unterdrückt werden, als in allen anderen Volksgruppen, die sich in Niedersachsen tummeln (konnte man erst gestern in der Heimatzeitung lesen und wenn ich einen Link*** dazu finde, stelle ich ihn auch ein!),  ist doch eine „türkisch-stämmige“ Ministerin ein Hoffnungsschimmer am Horizont, ein leuchtendes Vorbild für alle, die eigentlich lieber in der Türkei… nein, das ist jetzt nicht nett von mir…  Ist eine türkischstämmige Ministerin ein wahrer Motivationsimpuls für alle türkischen Mädchen, die leider nicht  in Kitas gehen können (da soll ja eingespart werden) und in der Grundschule nicht genug gefördert werden, um mal aufs Gymnasium zu wechseln und Jura studieren zu können.  Das wird die neue Ministerin sicher sehr freuen! Deshalb  ist die Berufung dieser Ministerin auch so ganz,  ganz mutig von Herrn Wulff!

Immerhin weiß die neue Ministerin, was man von ihr erwartet und was vor allem auf sie zukommt. Sie soll den mutigen  Wolf Wulff vor dem bösen Schünemann schützen, der hat nämlich was gegen Migranten und schiebt sie immer ab und das gefällt dem freundlichern Herrn Wulff gar nicht. Darum ist der Schünemann jetzt ein bisserl verstimmt, weil er nicht mehr für die Migranten zuständig ist und nur noch auf die innere Sicherheit achten darf.  Der mutige Wolf Herr Wulff mag sich nämlich nicht länger mitr Herrn Schünemann anlegen, das darf jetzt die neue Ministerin, mutig, gell?!!

Innenminister Uwe Schünemann muss das Thema Integration an das Sozialressort abgeben. Damit werde „ein Spannungfeld zwischen mir und dem Innenminister abgebaut“, sagte Wulff.

So steht es zart angedeutet in  HAZ-online Die Printausgabe schreibt etwas ausführlicher:

Auch Innenminister Uwe Schünemann wird wohl nicht nur Freude an der neuen Kollegin haben. Im Innenministerium ist man ohnehin nicht begeistert, dass Wulff den Verantwortungsbereich beschnitten hat….

Dadurch entstehe ein neues „Spannungsfeld“ im Kabinett, sagte Wulff gestern. Zugleich werde das Verhältnis zwischen ihm und Schünemann, das zuweilen angespannt ist, entschärft. Es hatte zum Beispiel unter Schünemanns rigider Flüchtlingspolitik gelitten. Und mit einer Muslimin im Kabinett hätte es wohl auch von vornherein nicht die anlasslosen Kontrollen von Moscheebesuchern gegeben, die zuletzt erheblich viel Ärger auf der Regierungsbank ausgelöst hatten.

Die Hervorhebung ist von mir,  ja, an diesem Punkt trappst die Nachtigal, ich höre sie ganz deutlich!

In Zeiten, in denen laut Islamkritiker-Kritikern wahrlich ganze Heerscharen von Wählern in die islamophobe Ecke gedrängt werden abwandern und in denen zunehmend und auch zunehmend  lauter öffentlich  darüber nachgedacht wird, wieviel Islamismus in Islam steckt und wieviel von beidem einer Gesellschaft zuträglich sind, ist es natürlich extrem mutig, mit einer schiitisch-muslimischen Frau ein wichtiges Ministeramt zu besetzen. Die Islamgegner könnten ja Farbbeutel gegen den Landtag werfen oder die Niedersachsenfahne verbrennen oder böse Karikaturen über den Ministerpräsidenten in Umlauf bringen…

Vermutlicht meint ja der Mensch von der Zeit-Presse ja deshalb:

Christian Wulff, Ministerpräsident und Stellvertreter Angela Merkels im CDU-Bundesvorsitz, dürfte die Wirkung in Berlin und im Rest der Republik mindestens genau so stark im Blick gehabt haben wie den Effekt in Wiesmoor oder Wolfenbüttel. Das Kabinett Wulff II ist eine Demonstration.

Die Hervorhebung ist von mir, damit auch jeder sehen kann, wie mutig der Wulff ist.

„Eine Demonstration“

Wofür denn, um himmelswillen? Dafür, dass der Ministerpräsident völlig inkompetente Leute endllich, endlich entlässt?  Dass er Leute von „außen“ holt, die möglicherweise besser sind als die, die bisher so taten, als würden sie sich für das Land und seine Bürger nach bestem Wissen und Gewissen einsetzen?  In den vergangenen Jahren hat Herr Wulff seine Regierungsmitglieder bei aufkeimendem öffentlichen Missfallen  einfach nur von A nach B und wieder zurück geschoben.  Bildung, Soziales, Umwelt, Landwirtschaft… bekanntlich können unsere Minister ja alles –  – –  dank ihres gut funktionierenden Ministeriums. Dort sitzen doch die wahren Helden, Könner, Experten…. nun ja…

Die „Demonstration“ an einem bekennenden muslimischen Kabinettsmitglied festmachen zu wollen, kann  doch nun wirklich nicht sein, das wäre einfach zu einfach … und irgendwie auch ein bisschen schräg … islamophob-phil?

Und zuletzt: Warum das Kabinett in Hannover dem Herrn Rüttgers gegenüber nicht so nett sein soll, leuchtet mir auch nicht unmittelbar ein, dazu muss man schon ein paar CDU-interne Verwickelungen und Windungen zu Rate ziehen… wer ist Muttis Liebling … Lieblingserbe… sie wird ja wohl nicht wie der Alte … 16 Jahre…?

Aaaber mutig, ach so mutig!

NACHTRAG:

Der Spiegel hat eine Feinheit entdeckt, die mir ganz und gar nicht aufgefallen war: Zum ersten Mal wird eine „Ostdeutsche“ Ministerin „im Westen“…

So etwas gab es noch nie – eine Ostdeutsche wird Ministerin in einem westdeutschen Bundesland. Johanna Wanka soll das Wissenschaftsressort in Niedersachsen leiten. Die Personalie ist ein Schritt zur Vollendung der inneren Einheit.

ob darin ein weiteres Indiz dafür zu sehen ist, dass sich Herr Wulff etwas „traut“?

Ist es nicht eher so normal wie  „ostdeutsche“ ErzieherInnen, MechanikerInnen, ArbeiterInnen usw. usw. „im Westen“?

Nein, Minister sind was ganz besonderes. Erzieher, Verkäufer, Arbeiter kann jeder.

Und dann noch ein Ossi-minister in der West-CDU ….  die trau’n sich was…!!!!

Wie war das mit Bundeskanzlerin?

Hatten wir schon und haben wir noch…

Komisch, diese Spiegel-Leute!

NACHTRAG II :

Da blicken die von der SZ schon besser durch und sehen das große Stimmvolkpotential, das sich mit einer „türkischen“ Ministerin für die CDU ergibt.

Doch das gewagte Manöver könnte sich auszahlen: Bei den liberal eingestellten Einheimischen kann sich die CDU damit als weltoffen präsentieren, bei den Zuwanderern kann sie sich als neue politische Heimat für Migranten darstellen. Sie zapft damit ein wachsendes Wählerpotential an: Gut vier Millionen Zugewanderte besitzen bereits den deutschen Pass, etwa 600000 von ihnen haben türkische Wurzeln – und jedes Jahr kommen fast 100000 Neudeutsche durch Einbürgerung hinzu. Die Berufung Özkans ist deshalb vor allem ein taktischer Schritt.

(Könnte doch auch für Herrn Rüttgers noch ein kleiner Rettungsanker werden, wenn ich es mir so recht überlege…)

Schön, dass dieser Wulff’sche Schachzug auch in der Türkei  Beachtung und Lob findet:

„Dankeschön Frau Merkel“ titelte das Massenblatt Hürriyet in seiner Deutschland-Ausgabe und ließ die CDU-Vorsitzende hochleben, weil ihre Partei die Deutsch-Türkin Aygül Özkan in Niedersachsen zur Ministerin gemacht hat.  …  …  Der Hürriyet-Bericht lässt sich deshalb auch als Warnung an die SPD lesen, ihrer Zuwanderungspolitik endlich ein Gesicht zu geben. Denn die zweite Schlagzeile zu Aygül Özkan lautet: „Unsere erste Ministerin“.

Das sieht Herr Erdogan vermutlich ganz ähnlich und auch das große Potential, das sich aus diesem „taktischen Schritt“ ergeben könnte…

———————————

*** Einen HAZ_Link habe ich nicht gefunden, aber der tut es sicher auch!

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Kommentare»

1. Kristy - 20. April, 2010

Juhu, noch weniger Bildung! Dann kann ich mich ja gegenüber der nächsten Generation ja total schlau fühlen, weil ich’s zwar noch bis zum Abi, aber nicht mehr in die Uni geschafft habe, dank Studiengebühren. Was für eine Motivation …

2. skriptum - 21. April, 2010

„Krieg“ heißt „Friedenseinsatz“. „Utopie“ wurde mittlerweile umbenannt in „ehrgeiziges Ziel“. „Visionen“ galten einst als Geisteskrankheit und sind heutzutage eine Voraussetzung zur Ausübung hochrangiger Ämter und Jobs.

Über all das kann man nachdenken; sollte man vermutlich jedoch lieber nicht.

Ein Minister der (beispielsweise seinerzeit durch eine Nichtraucher-Organisation) Dank seiner vorherigen Handlungen erpressbar ist, hat m. E. auf seinem Sessel sowieso nichts zu suchen.

Herr „Wuff“ traut sich was und hat Mut? Dann möchte ich keine wahren Helden erleben …

Super Artikel!

3. Rika - 24. April, 2010

Sie ist schnell, die neue Sozialministerin:
„Niedersachsens neue Sozialministerin gegen Kruzifixe
Kulturrevolution in der CDU: Die designierte Sozialministerin von Niedersachsen, Aygül Özkan, hat sich für ein Verbot von Kruzifixen an öffentlichen Schulen ausgesprochen.“

Noch nicht den Amtseid abgelegt und schon Klartext geredet!

„Özkan sagte FOCUS, die Zuständigkeit für Integration habe sie vor ihrem Wechsel nach Hannover bei Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) eingefordert. „Ich habe klar gesagt, dass ich den Bereich Integration übernehmen möchte, der bislang im Innenministerium angesiedelt war.“ Da wolle sie „etwas bewegen“ und werde sich etwa „dafür einsetzen, ausländische Abschlüsse in Deutschland anzuerkennen“. „Es darf nicht sein, dass hervorragend ausgebildete Bürger Taxi fahren müssen, wenn sie nach Deutschland kommen“, so Özkan. „“

http://www.focus.de/politik/deutschland/ayguel-oezkan-niedersachsens-neue-sozialministerin-gegen-kruzifixe_aid_501716.html

So sieht also der lang geforderte „Ruck“ aus, der durch Deutschland gehen muss…
Keine Kruzifixe – und damit die Christen das nicht übel nehmen, eben auch keine Kopftücher in Schulen, von mir aus gern auch umgekehrt formuliert! Keine Kopftücher in Schulen und damit die vielen deutschen Muslime das nicht übel nehmen, verbietet man auch gleich die Kruzifixe, die seit schier ewig scheinenden Zeiten in deutschen Schulzimmern hängen.

Zum Wohlbefinden der Migranten im Einwanderungsland Deutschland gehört nach Meinung der Frau Özkan, dass mehr Migranten an deutschen Gerichten als Richter arbeiten. Ihre Begründung:

„Özkan: Nein. Wir alle sind noch nicht am Ziel. Ein Beispiel: Wir brauchen an unseren Gerichten dringend mehr Richter mit Migrationshintergrund. Damit die Betroffen auch sehen, hier entscheidet nicht eine fremde Autorität, sondern wir gehören da auch zu.
aus einem Interview, das die Berliner Morgenpost mit der designierten Ministerin führte.
http://www.morgenpost.de/politik/article1296680/Frau-Oezkan-wann-wird-eine-Muslimin-Kanzlerin.html

Ich will das nicht so hoch hängen, aber die Autorität des Gerichts leitet sich nicht von der Abstammung des Richters, der Richterin ab, sondern einzig und allein vom Gesetz, dem jeder Richter und jede Richterin verpflichtet ist, ganz egal aus welchem Land sie oder er ursprünglich stammt! Und das gehört nun einmal zu den wesentlichen Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaft, zu der man dazu gehört, wenn man einen deutschen Pass hat und der man sich eben auch unterordnen muss, wenn man hier in Deutschland lebt. Es wäre gut, wenn die neue Ministerin für Migration und Integration das den Migranten so schnell wie möglich klar machen würde, statt mehr Migranten-Richter zu fordern, wobei ich nichts gegen Migranten-Richter habe, aber viel gegen die seltsame Begründung der Frau Özkan!

.
Interessant auch ihre Einlassung zum Beitritt der Türkei zur EU:

„Die neue niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) stellt sich in der Frage des EU-Beitritts der Türkei gegen die Linie ihrer Partei: „Die Beitrittsverhandlungen sollen weiter ergebnisoffen betrieben werden“, fordert die türkischstämmige Hamburgerin. Sie sollten „nicht durch Diskussionen gestört werden, die versuchen, das Ergebnis vorwegzunehmen“. Deswegen sei sie „dagegen, der Türkei nur eine privilegierte Partnerschaft anzubieten““
http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,691015,00.html

Mir scheint, Herr Wulff war nicht mutig sondern übermütig!


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