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Ich kann mir nicht helfen, mir tut er Leid! 30. Juni, 2010

Posted by Rika in aktuell.
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Der Christian Wulff, der von seiner Kanzlerin zum Tanz gebeten wurde und nicht NEIN sagen konnte oder wollte – wer außer ihm kann und / oder will das schon wissen!

Der zweite Wahlgang hat soeben ein wenig erfreuliches Ende für Christian Wulff genommen – keine erforderliche Mehrheit!

Mir kommt es so vor, als habe die Kanzlerin zur  Tarantella gebeten – auf elegante Weise einen ihrer größten Nebenbuhler ins politische Abseits, wenn auch das in einem  Schlösschen, befördert.  Doch die Choreographie des Tanzes liegt nun nicht mehr bei ihr. Wundert sich irgend ein Mensch darüber?

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Gefährliche Christen… 27. Juni, 2010

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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… mitten in Deutschland!

Hatte sich vor einigen Tagen schon eine „Theologin und Journalistin“ zu dem „fragwürdigen“ Umstand geäußert, dass der Kandidat der CDU dem Kuratorium von ProChrist angehört (ich schrieb darüber),  so sind nun auch weitere „Journalisten“ dem üblen  christlichen Treiben des Kandidaten Wulff auf die Spur gekommen und schlagen die Trommel:

Sich als aktiver Christ zu bekennen, gehört für einen CDU-Politiker zum guten Ton. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der ins Schloss Bellevue einziehen will, bewegt sich mit seinem Engagement für christlich-evangelikale Kreise allerdings in durchaus fragwürdigen Kreisen.

Wohl gemerkt, es handelt sich NICHT um eine vom Verfasungsschutz observierte Gruppe oder um linke Chaoten am rechten Rand des gesellschaftlichen Spektrum, weit gefehlt, es handelt sich um äußerst gefährliche, erzkonservative Christen:

Seit 2005 sitzt Wulff im Kuratorium von Pro Christ, einer theologisch erzkonservativen Bewegung, deren Ziel die „Bekehrung von Menschen zum Glauben an Jesus Christus“ ist. Die Gruppierung organisiert mehrtägige missionarische Großveranstaltungen, die über Satellit in viele Städte übertragen werden. Charismatische Führungsfigur ist Ulrich Parzany, früher Pfarrer der rheinischen Landeskirche. Kenner der evangelikalen Szene rechnen Pro Christ dem gemäßigten Spektrum zu. Aber auch hier wird ein rigides Familienbild propagiert. Was nicht ins Bild passt wie etwa Scheidung, Abtreibung, Homosexualität, wird diffamiert. Christian Wulff ist geschieden.

Oha, natürlich ist es sehr, sehr viel, schlimmer und gefährlicher  an Jesus Christus zu glauben als an die Heilkraft von Rosenquarz oder die wohltuende Energie des Feng-Shui, an Wasseradern und Energiekreise unterm Bett, die das Schlafen verhindern!

Aha, Kenner meinen, die ProChrist -Leute seinen gemäßigte Christen, das Gefährdungspotential wäre demzufolge eher gering einzuschätzen.

Über die Gefahr, die von mehrtätgigen missionarischen Großveranstaltungen ausgeht, habe ich ja neulich schon geschrieben, nicht bewusst war mir allerdings die Tatsache, dass dabei  ein „rigides Familienbild“ propagiert wird, das vermutlich mit der modernen Gesellschaft in der wir leben, nicht kompatibel ist.  Es geht nicht an, dass Eltern auch die biologischen Erzeugern des Kindes  oder – was der Himmel verhüten möge – der Kinder sind. Alles was nicht Patchwork ist, muss verdächtig sein und Ehepaare, die amtlich verehelicht mehr als 3 Monate überstehen, sind ohnehin entweder tief gestört oder bewusst anachronistisch, beides  ist der modernen Gesellschaft abträglich.  Auch die Tatsache, dass Frauen Embryos, die zu Kindern werden können, ob zufällig  oder bewusst  ungewollt gezeugt, einfach austragen, auch wenn der Zeitpunkt gerade nicht günstig ist und ein Karriereknick droht, ist absolut nicht in Einklang mit dem modernen Familienbild und dem Selbstbestimmungsrecht der Frau. Da droht die jahrelang propagierte These: „Mein Bauch gehört mir!“, plötzlich trotz 40-jähriger Bemühungen von Emma und anderen in Vergessenheit zu geraten und, schlimmer noch, bewusst unterwandert, was heißt unterwandert, unterlaufen zu werden!  Schrecklich!

Das Thema Homosexualität

Parzany wendet sich gegen „praktizierte Homosexualität“ und ist wie viele evangelikale Christen der Meinung, Homosexualität sei heilbar. „Selbstverständlich gibt es Fachleute, die die Möglichkeit sehen, dass Menschen ihre homosexuelle Neigung verändern und dass da Hilfe möglich ist“, sagte er in einem Gespräch mit dem Grünen-Politiker Volker Beck.

lass ich hier aus, darüber habe ich schon genug gesagt, ich denke, dass das einfach zu den Standardvorwürfen gehört, die man frommen Christen macht, dass sie generell und sowieso gegen Homosexuelle sind und sie alle mit Gebet, Fasten und Gehirnwäsche umzudrehen versuchen.  Achtung, Christen nennen das, nach den Medien zu urteilen: heilen! Aufgepasst also, wenn wieder mal von Heilung die Rede ist! Das ist eine gefährliche und subversive Angelegenheit! (Ob der Herr Grüne von Beck  für die neuerlichen Behauptungen, Christen wollten Homosexuelle umkrempeln,  wieder seine Finger auf der Tastatur hatte, will ich hier nicht weiter spekulativ ausbreiten…)

Auch die überaus beliebte Frage nach dem Werden der Welt darf natürlich nicht fehlen, wenn man Christen eins auswischen will:

Auf der Internetseite von Pro Christ finden sich Äußerungen, die den Eindruck erwecken, man unterstütze die Ideologie der Kreationisten. „In der Schule lernen wir, dass nicht Gott, sondern Zufall der Ursprung war. Die Bibel dagegen sagt eindeutig: Gott ist der Anfang aller Dinge. Ohne Gott gäbe es gar nichts“, steht dort.

Ja, das steht nun mal dort. Aber für wie bescheuert halten die Autoren, die dererlei blöde Sätze schreiben, eigentlich uns Christen? Schon mal was von Differenzierung gehört? Oder davon, dass wir die Bibel weder als Biologie- noch als Geschichtsbuch missbrauchen, sondern als eine sehr spezielle Offenbarung ansehen, in der Gott sich den Menschen verständlich  – bisweilen auch höchst unverständlich – mitteilt?

Ja, Gott ist der Anfang aller Dinge und die  Unendlichkeit aller Dinge, der Ursprucng und das Ziel für den, der glaubt. Für die Menschen, die diesen Artikel geschrieben haben vermutlich nicht und deshalb können sie sich nicht vorstellen, dass der Glaube an einen Zufall weitaus spektakulärer und irrationaler ist als der Glaube an Gott den Schöpfer. Und vermutlich können sie sich auch nicht vorstellen, dass gläubige Christen beides können, sich mit den Naturwissenschaften beschäftigen, so wie sie in den Schulen und  Universitäten gelehrt werden und trotzdem an Gott glauben.  Und dass Christen sich die Freiheit nehmen, auch noch andere Denkmodelle zuzulassen als die Evolutionstheorie, an der von vielen Menschen mit geradezu fanatischem Eifer festgehalten wird, das ist natürlich die schlimmste Sünde gegen die Wissenschaft schlechthin und darum glauben viele Menschen  die Herren Darwin bis Dawkins und ihre schönen Theorien und Weltbilder  mit allen Mitteln verteidigen zu müssen, auch wenn eine Theorie nur eine Theorie ist und die Evolutionstheorie eine unter vielen Möglichkeiten darstellt, das Werden der Welt zu beschreiben – nur mal geschichtlich betrachtet, wenn man vom Scheibenmodell ausgeht… und wer weiß schon, was in 2000 Jahren die Theorie der Schöpfung sein wird!!!???  Gott aber, Gott darf mit dem nichts zu tun haben. Irrlehre und Irrglaube!

Und was fange ich mit diesem  Satz an?

Während die Amtskirchen immer weniger Mitglieder zählen, wachsen die evangelikalen Freikirchen. Mehr als 1,3 Millionen Gläubige gehören in Deutschland dieser Richtung an.

Vielleicht sollte man ein wenig differenzieren:  Es gibt Freikirchen und es gibt Evangelikale.

Freikirchen sind die christlichen Gemeinden, die vollkommen unabhängig von den großen Volkskirchen existieren.  Ihre  Mitglieder sind in der Regel in den Gemeinden sehr engagiert, sie entrichten keine Kirchensteuer  sondern finanzieren die Gemeinde und sehr viele diakonische Einrichtungen aus den freiwilligen Abgaben, die sich  auch heutzutage häufig noch an dem biblischen „Zehnten“ orientieren.  Viele Freikirchen lehnen die Taufe vo Säuglingen und Kleinkindern ab und erwarten von den Menschen, die sich aus eigener Überzeugung taufen lasse, ein klares Bekenntnis zu Christus.  In vielen Freikirchen werden die Täuflinge durch vollständiges Untertauchen getauft.  Über die theologische Ausrichtung freikirchlicher Gemeinden will ich hier nicht Stellung nehmen – es würde den Rahmen des Eintrags sprecnen.     Eine schöne Zusammenfassung zum Thema Freikirche liefert Wiki, in meiner Blogroll findet sich der Link zum Bund Evangelisch- freikirchlicher Gemeinden – Baptisten, zu dem meine Gemeinde und damit auch ich gehöre.  Selbstverständlich gibt es in Freikirchen auch Evangelikale.

Evangelikale sind aber vor allem  in den evangelischen Landeskirchen anzutreffen! Ihre geistliche Basis und ihr christliches Selbstverständnis gründet in der biblischen Offenbarung Gottes.  Über Ursprung des „Evangelikalismus“  und Verbreitung der Evangelikalen in Deutschland und der Welt gibt Wik so gut es geht Auskunft. Die hätte auch der Autor in Anspruch nehmen  und damit den etwas nebulösen Satz von den „evangelikalen Freikirchen“ vermeiden können.

Aber wenn man einer bestimmten Person etwas anhängen möchte, ist es ganz gut, ein bisschen vernebelnd die Tatsachen zu verschleiern oder sogar zu verfälschen.  Und so schreibt man dann zunächst von „fragwürdigen Kreisen“, um dann zu sagen, das Kenner die Evangelikalen dem gemäßigten Spektrum zuordnen. Und man schreibt von „evangelikalen Freikirchen“, weil sich das doch so ein bisschen nach Sekten und Irrglaube anhört und jedenfalls suspekt erscheint, obwohl man leicht feststellen könnte, dass die Mehrzahl der Evangelikalen in den großen evangelischen Landeskirchen beheimatet sind.

Aber so ein bisschen negativ muss doch berichtet werden, weil es sonst ja keinen Skandal ausmachen würde, dass auch der Kandidat für das Bundespräsidentenamt im  Kuratorium des von Evangelikalen betriebenen ProChrist sitzt.

Wobei man doch eigentlich auch die Tatsache erwähnen könnte, dass der Katholik Wulff sich für missionierende Protestanten einsetzt… DAS wäre vermutlich noch vor 30 Jahren ein Grund für öffentliche Kritik gewesen, aber heute, heute ist die bloße Tatsache, dass sich  jemand als Christ bezeichnet und bekennt, an Gott zu glauben schon ein Grund, der  ihn nach Meinung der links-säkularen Politpropaganda  in der säkularen bundesrepublikanischen Gesellschaft als Präsidentschaftskanditat disqualifiziert – dann schon lieber einen bekennenden grün-atheistisch-links-autonomen  Dackelbesitzer!

„Die Religionsauffassung und die gesellschaftspolitischen Positionen von Pro Christ passen nicht zur Rolle eines Präsidenten in einem säkularen Staat“, sagte die Vorsitzende der Linksfraktion im niedersächsischen Landtag, Kreszentia Flauger, und forderte Wulff auf, sich aus Pro Christ zurückzuziehen, bevor die Bundesversammlung kommende Woche zusammentritt. „Wer dieses Amt bekleidet, darf keine Hetze gegen Schwule unterstützen, oder gegen Frauen, die abgetrieben haben.“

Wie unsagbar bescheiden ist doch der „Durchblick“ der Frau Kreszentia Flauger in die „Machenschaften der Christen“…

Aber als sei das alles nicht genug, wird jetzt auch noch Wulffs Beziehung zum ACP  gerügt.  Hinter dem Kürzel verbirgt sich nicht etwa  die „Alternative Christliche Partei“, eine (mögliche Splittergruppe der CDU), sondern der „Arbeitskreis Christlicher Publizisten“ – und dieser Verein steht nach Meinung der Weltanschauungsbeauftragten der Kirchen in Baden Württemberg sooooo weit rechts am äußersten Rand des Protestantismus, dass man schon gar nicht mehr hinschauen kann und ein aufrechter christlicher Publizist sich nie und nimmer in dieses Gremium trauen würde.

Hans-Jörg Hemminger, Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche Württemberg, bezeichnete den 1972 gegründeten ACP als „Splittergruppe am äußersten rechten Rand des Protestantismus“. Sie unterhalte Kontakt mit rechten Sekten und biete ultrarechten bis rechtsextremen Parteien ein Forum. Die Zeitschrift des ACP sei ein „Schmutzblatt erster Güte“. „Mit dem ACP sollten seriöse Politiker nichts zu tun haben“, sagte Hemminger. Dass Wulff dort auftritt, sei „politisch bedenklich“.

Mutmaßliche Kontaktpersonen zu Sekten, Ultrarechten und Rechtsextremen und andere Verdächtige, die ein  Schmutzblatt erster Güte herausbringen…

Wulffs Engagement für den ACP ist kein Versehen. Wulff sei die weltanschauliche Ausrichtung des ACP bekannt gewesen, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) in einer Landtagsdebatte. „Wulff hatte Gelegenheit, die Ernennung von Aygül Özkan zu erläutern und in der Kruzifixdebatte die Maßstäbe zurechtzurücken.“ Auch Ernst Albrecht, Wulffs Vorgänger im Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten, suchte die Nähe rechtskonservativer Kreise. Bei der ACP-Tagung im Mai wurde Albrecht geehrt, wie früher dort auch schon Hans Filbinger und Theodor Oberländer.

Ich bin bekennnde NICHT-CDU-WÄHLERIN und als alte Genossin nicht unbedingt eine Freundin von CDU-Parteivorsitzenden und CDU-Landesvätern, ich würde auch nicht Herrn Wulff, sondern eher den Herrn Gauck zum Bundespräsidenten wählen, hätte ich denn die Möglichkeit dazu, doch  die Gründe, die der Tagesspiegel gegen Christian Wulff ins Feld führt, könnten mich dazu bringen ihm gerade darum meine Stimme zu geben.

Die Zitate stammen aus einem Artikel im Tagesspiegel

Deutliche Worte… 26. Juni, 2010

Posted by Rika in islam.
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… zu den Steinwürfen in Hannover, aber vermutlich „soziopolitisch“ angreifbar, mir jedoch vollkommen aus dem Herzen gesprochen und geschrieben:

Auf einem Stadtteilfest haben Kinder und Jugendliche, ebenfalls mit Migrationshintergrund, eine Tanzgruppe der liberalen jüdischen Gemeinde mit Steinen beworfen. Angefeuert haben sie sich bei der kriminellen Tat mit antisemitischen Parolen.

Da es sich bei den Tätern nicht um unbelehrbare Deutsche handelt, ist in unserer Öffentlichkeit wieder einmal Verständnis angesagt, zumindest aber herrscht Erklärungsbedarf. Angeblich. Man will in Deutschland einfach nicht verstehen, dass es Angelegenheiten gibt, bei denen es ganz und gar nicht auf das Verständnis ankommt, und auch nicht auf die Erklärung, dass es vielmehr um die Ächtung der Vorkommnisse geht.

(Hervorhebung von mir)  DAS ist genau der entscheidende Punkt, jahrelang ist man Fehlverhalten vermeintlich „pädagogisch“ begegnet, sprich: verbalisieren, reflektieren (die Pädagogen reflektieren!!!),  Verständnis aufbringen für soziokulturelle Gegebenheiten, Entwicklungsdefizite, Rücksichtnahme auf archaisch anmutende kulturelle Eigenheiten, aber kaum jemand sagte laut und deutlich „STOP“, zeigte Grenzen auf und verlangte das konsequente Einhalten der hier geltenden bürgerlich-demokratischen-oder-wie-auch-immer-geheißenen Spielregeln, weil, man wollte es den Migranten leicht machen, hier eine neue Heimat zufinden. Was sich aber zeigte in all den Jahren war und ist, dass gar nicht alle Migranten hier eine neue Heimat finden wollten oder wollen, sondern die Sitten und Gebräuche der Heimat hier implementieren und zwar ohne Wenn und Aber und zu Lasten der gesellschaftlichen Struktur dieses Landes.

Herr Wagner führt weiter aus:

Das wahre Desaster, das uns ins Haus steht, offenbart sich gerade in den diversen, mehr oder weniger hilflosen Erklärungen. So heißt es immer wieder, das Viertel sei ein sozialer Brennpunkt. Was bitte ist ein sozialer Brennpunkt, und vor allem, wie kommt er zustande. Sind es nicht die Bewohner selbst, die diesen ihren Wohnort unbewohnbar machen?

In Deutschland leben ja nicht nur Araber aus dem Libanon und Kurden und Türken aus Anatolien. In Deutschland leben in großer Zahl auch Polen und Italiener. Gibt es ein einziges Beispiel eines Stadtteils, der von Polen oder Italienern zum Brennpunkt gemacht wurde?

(Hervorhebung von mir), nein, das wohl nicht, wenngleich man fairerweise sagen muss, dass in den Mitte 6oer Jahren Italienern noch mit Vorbehalten begegnet wurde und später manche „Spätaussiedler“ mit Skepsis betrachtet und z.B. hier neu eingebürgerte “ Russlandsdeutsche“  unter der Bezeichnung „Russen“, mit der sich bedacht wurden, litten!

Herr Wagner bedient in dem Zusammenhang (zu Recht) einen Begriff, der hier jahrelang, sofern es um das Deutsche ging, verpönt, ja, geradezu geächtet war, wenn er sich zur „Leitkultur“ wie folgt äußert:

Verwahrlosung ergibt sich nicht zwangsläufig aus der sozialen Deklassierung, sondern aus den mentalen Leitlinien. Es ist die islamisch geprägte Leitkultur, die in diesen Familien und Großfamilien die Denkmuster lenkt. Das Problem ist nicht auf fehlende Bildung zurückzuführen, sondern in der Einbettung in eine falsche Tradition zu suchen.

Eine Leitkultur, deren Grundsätze weitgehend der Barbarei zuzurechnen sind, und nicht der Zivilisation, hat die moralische Verwahrlosung zur Folge. Das bezieht sich auf alle Lebensbereiche. Die Steinewerfer sind die Jungen, die im Zeichen von Frauenverachtung zur allgemeinen Gewalttätigkeit erzogen werden. Sie haben die Prügelstrafe auf unseren Schulhöfen eingeführt. Die Religion aber, mit der argumentiert wird, ist nichts weiter ist als eine billige politische Machtideologie einer traditionellen Männergesellschaft. Ihr theologischer Wert tendiert zu Null.

(Hervorhebung von mir)  Es ist dringend  an der Zeit,  diese These laut und öffentlich zu diskutieren, auch wenn man sich gegenwärtig sein muss, dass sie einen Aufschrei sowohl in den islamischen Gemeinden, wie auch bei den Vertretern eines ungebrochenen und unkritischen  Zuspruchs für die bunte Multikultiwelt hervorrufen wird, die ja leider nicht nur aus Eiscafes und Dönerbuden, Zaziki und Sushi besteht!

Es muss aber an dieser Stelle auch gesagt werden, dass ein Christentum, das sich in erster Linie als sozialpolitisches Konzept versteht und nicht mehr vom Geist Jesu getragen und inspiriert ist und aus der spirituellen Kraft einer gelebten Gottesbeziehung lebt, der gleichen Gefahr ideologischer Verblendung ausgesetzt ist – wenn auch mit anderen Vorzeichen und möglichen Folgen. (Wie Christentum/ Christsein durch den bloßen Machtanspruch der Kirche missdeutet, missbraucht und korrumpiert wurde, muss ich nicht eigens erwähnen, die Geschichte ist bekannt!)

Und auch das dürfte Vielen im grün-bunten Spektrum nicht gefallen:

Diese Positionen sind nicht kompatibel mit den Werten unserer Gesellschaft. Das ist die Wahrheit, und aus dieser Wahrheit sind Konsequenzen zu ziehen. Wer sich nicht an die Leitkultur vom Grundgesetz und abendländischer Konvention halten will, der möge dahin zurückkehren, wo er von der Verpflichtung zur Menschenwürde und den Risiken der Freiheit verschont bleibe.

Seinen (Wagners) kritischen Blick auf die Bemühungen zur Eingliederung sollten sich vor allem die zu eigen machen, die zwar nicht selber in den „Brennpunkten“ arbeiten, aber die politisch die entsprechenden Projekte zu verantworten haben:

Es gibt Situationen, in denen mit Entgegenkommen nicht nur nichts zu erreichen, sondern auch so Manches zu verlieren ist. Die Gewaltbereitschaft dieser religiös gesteuerten Jugendlichen lässt sich gewiss nicht durch ein Projekt wie die internationale Stadtteilgärten aus der Welt schaffen. Was internationale Stadtteilgärten sind? Der Name sei Programm, heißt es. Familien aus verschiedenen Ländern aus dem arabischen Raum, ebenso wie aus der Türkei, Afrika und Osteuropa, bauen hier gemeinschaftlich Gemüse, Obst, Kräuter und Blumen an.

Und so schließe ich mich seiner Forderung an, die ich im eigenen Beitrag auch bereits erhoben habe und die da lautet:

Wo Steine geworfen werden, fliegen aber sicher keine Blumen. Wo Steine geworfen werden, sollte man die Polizeimarke zeigen. Und zwar rechtzeitig.

Ausdrücklicher Dank an Herrn Wagner für die klaren Worte, die ich bei achgut entdeckt habe!

Von der Ausbeutung der Natur… 25. Juni, 2010

Posted by Rika in aus küche und keller, aus meinem kramladen.
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… profitiert man auch im Hause Rika!

Holunderblüten...

… Sooo lecker!

Gestern sind der Liebste und ich mit den Fahrrädern in die Feldmark geradelt und haben uns, vorbei an einem prächtigen Weizenfeld und am Feldrand heimtückisch lauernden Brennnesseln und Diesteln, zu einem wunderschön anzusehenden und in voller Blüte stehenden Holunderbusch „vorgekämpft“.

Holunder!

Außer im Frühsommer, wenn er von den hell leuchtenden Blütendolden übersät ist und einen unvergleichlichen Duft verströmt, ist Holunder ein eher unscheinbarer Busch, dem in der Vorzeit allerlei Mythen und Geheimnisse zugesprochen wurden (die in alten Kinderliedern anklingen…  „sitzen unterm Hollerbusch, machen alle husch, husch,husch…), aus dessen Blüten man seither schlecht schmeckende, aber gesunde Tees und „Kräutermedizin“ zubereitete und dessen Früchte heutzutage  im Reformhaus in Form von supergesunden Säften und Brotaufstrichen zu horrenden Preisen angeboten werden.  Den Tee hatte ich in meiner Kindheit ausreichend „genossen“, Saft und Brotaufstrich schmeckten mir nicht (irgendwie dann doch zu gesund!),   kurz und gut,  Holunder stand  nicht auf meinem Speiseplan!

Vor einigen Jahren aber  las ich in einem alten Kochbuch ein Rezept:   „Holunderblüten gebacken“.  Ich probierte es aus – und siehe da, die Hollerküchlein schmeckten vorzüglich. Mein so gewecktes Interesse an Holunderblüten, führte schnell zu weiteren Versuchen, die hübschen Blüten gustatorisch zu nutzen! Und seither koche ich Holunderblütengelee in den verschiedensten Ausführungen und  Holunderblütensirup, der in Verbindung mit Sekt unvergleichliches Entzücken auszulösen vermag.

Gestern nun – siehe oben – war es wieder so weit:   Holunderblütenernte – ergiebig und gut!

Die Verarbeitung der Blütendolden zu Gelee betreibe ich mit einigem Aufwand, weniger aufwendig ist die Zubereitung der Hollerküchlein.

Für die Hollerküchlein bereitet man einen leichten Ausbackteig.  ***   Ich habe heute für ca. 14 Küchlein 4 Eier, 8 El Mehl, 1 El Zucker, 1 P Vanillezucker, 1 gr. Pr Salz, 1 P Backkpulver leicht verrührt und dabei soviel Milch zugegeben, dass es einen nicht zu  flüsigen Teig ergab.  ***   In einer Pfanne mit hohem Rand soviel Öl erhitzen, dass die Küchlein „schwimmen“ können,  jeweils eine Holunderblütendolde in den Teig tauchen und sofort in der Pfanne ausbacken. Sinnvollerweise haben die Blüten von Natur aus Stengel, mit denen man sie eintauchen und in die Pfanne geben kann, da aber der Stengel nicht unbedingt der schmackhafte Teil der Blütendolde ist, schneide ich den Hauptstengel und seine Verzweigungen vor dem Wenden der Küchlein ab!  *** Die goldgelben Küchlein auf Küchenpapier abtropfen lassen ***  und noch heiß und mit Zucker&Zimt genießen.  Sie schmecken auch ohne Zimtzucker hervorragend.  Ich esse sie sehr gerne mit Aniszucker – dafür habe ich immer ein Glas mit Zucker bereit stehen, dem ich eine entsprechende Menge gemahlenen Anis zugegeben habe.  „Entsprechend“ heißt: Das Mischungsverhältnis muss mir entsprechen! 😉   also eine Pi x Daumen – Angelegenheit!

Für den Holunderblütengelee bereite ich zunächst einen Sud aus ca. 8 – 10   Dolden auf gut 1 l Wasser. ***   Dabei achte ich sehr darauf, dass die Blüten frei von allerliebsten kleinen Tierchen sind und nach Möglichkeit auch von einem Busch fern ab von der motorisierten Zivilisation oder beliebten Hundewegen stammen – deshalb der „dornenreiche“  😉  Weg durch die Brennesel zum Hollerbusch, s.o.!  ***   So ausgewählte Dolden müssen vor der Verarbeitung nicht unbedingt „gewaschen“ werden, was nämlich dem Aroma nicht unbedingt zugute käme / kommt! ***  Wobei es an dieser Stelle angebracht ist zu sagen, dass man vorzugsweise die Blütendolden  abschneidet, deren winzige Blüten noch erkennbar gelbe Pollen aufweisen – sie sind die Aromaträger! Blüten in der Knospe oder schon kurz vor dem Verwelken sind wenig bis gar nicht geeignet!   ***   Da auch der Gelee in erster Linie von den Blüten und nicht von den Stengeln sein Aroma beziehen soll, schneide ich alle Stengel relativ kurz unterhalb der Blütenansätze ab und gebe sie in einen hohen Topf mit Wasser.  Ich lasse Blüten und Wasser gut 1/4  Stunde leicht sprudelnd kochen und anschließend gemeinsam auskühlen, anschließend gieße ich  den Sud durch ein sehr, sehr feine Sieb  – die winzigen Pollen dürfen das Sieb durchaus passieren, Stengel und Blüten aber nicht!  *** Parallel zum Sud lege ich weitere 3 – 4  Dolden in eine Schüssel und bedecke sie mit der Menge Gelierzucker, die man für 1 l Flüssigkeit benötigt. (Ich nehme den 1:1-Zucker), dabei mache ich mir allerdings die Mühe, die feinen Blüten einer großen Dolde sorgfältig abzuzupfen, sie finden sich später im Gelee wieder. *** Der Sud verbringt die Nacht im Kühlschrank, die Schüssel mit den unter dem Zucker verborgenen Dolden können gut abgedeckt auf der Anrichte stehen – ich bilde mir ein, dass der Zucker das Aroma so besonders gut aufnehmen kann  😉  *** Am nächsten Tag gieße ich den Sud in einen ausreichend großen Topf und gebe den Zucker mit den darin verborgenen Blüten und Dolden hinzu, nach einigem Umrühren fische ich die Dolden heraus, verfeinere das Gemisch mit einem halben Päckchen geriebener Orangenschlae und einem halben Päckchen geriebener Zitronenschale aus dem „Zuckerbäckerzutatenhandwerk“ und bringe das Ganze zum Kochen.  ( Unerfahrerne Geleeköche verfahren dabei  nach der Vorschrift, die auf der Zuckertüte zu finden ist! )  *** Es versteht sich von selbst, dass die Marmeladengläser samt Deckel peinlich sauber sind und mit kochendem Wasser ausgespült werden! *** Den Gelee in die Gläser füllen, sofort verschließen, kurz auf den Kopf stellen und dann in der richtigen Lage abkühlen lassen.  *** Dann hat man fertig   😉  *** Ich gebe manchmal auch geriebenen Ingwer oder eine Spur Kardamom oder etwas fein gemahlenen Piment hinzu … je nach Nase, Lust und Laune! ***

Erkaltete Gläser von eventuellen Geleekleckern befreien und hübsch beschriften  (dieser Arbeitsgang steht den oben abgebildeten Gläsern noch bevor!)   Die allmorgendlichen Brötchen freuen sich über den leckeren Aufstrich …

Die „Ausbeutung der Natur“   war wieder einmal erfolgreich!

Danke an den Schöpfer und Geber aller Gaben!

… „die nicht unumstrittene Politik Israels“… 24. Juni, 2010

Posted by Rika in Allgemein.
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Der Rat der Religionen fordert alle Bürger Hannovers auf, sich gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus einzusetzen. Die nicht unumstrittene Politik des Staates Israel darf nicht dazu missbraucht werden, den Frieden unter den Religionsgemeinschaften zu zerstören und Hass zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu säen.

Dies ist ein Zitat aus der öffentlichen Presseerklärung des „Hauses der Religionen“, das damit auf die Steinewerfer in Hannover reagiert.  (Hervorhebung von mir)

Da haben wir es wieder schwarz auf weiß. Antisemitismus wird verurteilt, aber in einer Bemerkung schnell noch mitgeteilt, dass man mit der Politik Israels nicht einverstanden sei.

Das Haus der Religionen in Hannover vereint unter seinem Dach Christen, Bahais, Juden, Moslems, Buddhisten und Hindus. Man kann davon ausgehen, dass die Vertreter der verschiedenen Religionen diese Presseerklärung, die einen eindrücklichen Appell gegen Antisemitismus sein soll (und wohlwollend betrachtet ja auch ist)  unterstützen und mittragen, auch wenn sie lediglich von Herrn Höflich und Herrn Al-Fahad unterzeichnet ist.

Natürlich steht sie im Kontext der Ereignisse vom Samstag und dennoch frage ich mich, warum und wieso die Bemerkung zur Politik Israels ebenfalls aufgenommen wurde, schließlich waren Tänzer der liberalen jüdischen Gemeinde von der Aggression betroffen, die hier weder den Staat Israel repräsentieren, noch für seine Politik zuständig sind.

Wann endlich wird deutlich gesagt, dass  deutsche Juden in Deutschland nicht verantwortlich sind für die Regierung eines Staates, dessen Bürger sie nicht sind?

Könnte ich – auf der gleichen argumentativen Schiene – sonst als Christin  nicht auch mit Fug und Recht fordern, dass die hier lebenden muslimischen Bewohner dafür Sorge zu tragen haben, dass  die muslimischen Regierungen Irans, Saudi-Arabiens, Ägyptens, des Sudans, die im Jemen und auch die in der Türkei ab sofort und generell das Versammlungsverbot für Christen, die einen Gottesdienst feiern wollen, aufheben, dass  der Erwerb, der Gebrauch und auch die Weitergabe von Bibeln nicht länger unter Strafe gestellt wird und das jeder Moslem, der das aus tiefer Überzeugung tun möchte, seine Religion wechseln kann ohne dafür bestraft zu werden oder gar mit dem Tode bedroht zu sein?

Welchen Wert hat so eine „Antisemitismuserklärung“ und was bewirkt ein Appell an die Muslime der Stadt, wenn in der Erklärung selbst ein nicht zu überlesender Hinweis auf die vermutete Ursache für antijüdische Aggression ist und damit für weniger differenziert denkende Menschen gleich eine „Entschuldigung“ für die Übergriffe mitgeliefert wird, die noch dazu in das derzeitige niebel-politische Klima passt?  Und wäre es  – zumindest aus meiner Sicht  – nicht Sache des christlichen Vertreters gewesen, dafür einzutreten, auf den Israel-Hinweis zu verzichten?

Ich lese die Erklärung mit einem kritischen Blick und sehe darin mehr den Versuch, hannovers Bevölkerung zu beruhigen, denn als unmissverständliche Aufforderung an das Umfeld der muslimischen Täter, auf anijüdische, antisemitische,  ja, und auch auf antiisraelische Aktionen ind Wort und Tat zu verzichten!

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Aber die Erklärung passt durchaus zu der Gemengelage, die bei der Aktion und den Verantwortlichen  des  Stadtteilfest selbst deutlich wurde, aber auch zu den Erklärungsversuchen, die heute berichtet werden und dann steht heute noch in der HAZ dieser irritierende Satz:

Arnds verteidigte seine Entscheidung, nicht die Polizei zu rufen. Er habe sich für „Deeskalation“ entschieden, da die jüdischen Tänzer rasch von der Bühne gegangen und dann in Sicherheit gewesen seien.

Mit anderen Worten, die Juden, die Auslöser der Unruhe waren weg – aus dem Blick und aus dem Geschehen – damit kehrte Ruhe ein und die Polizei war nicht mehr von Nöten.  Die Polizei als Ordnungsfakktor war nicht mehr gefragt, dass da gerade ein Straftatbestand erfüllt war, dem man nachgehen MUSSTE, lag völlig außerhalb der Vorstellung. Nicht die Opfer werden in der Öffentlichkeit geschützt, sondern die Täter! Die Opfer werden „in Sicherheit gebracht“, in die vermeintliche Sicherheit des anonymen Aufenthalts, weggesperrt.

Das halte ich für falsch.  Das macht mich ziemlich fassungslos.

Wäre es nicht auch denkbar gewesen, dass sich Herr Arnds und seine Mitstreiter an das Publikum gewandt hätte und es aufgefordert hätte, die jüdischen Tänzer zum Bleiben zu bewegen und sie gegen die Angreifer zu schützen? Aber vielleicht war das mit dem Publikum nicht möglich,  waren Erwachsene in der Minderheit. Das ist von meinem Schreibtisch aus leicht einzufordern.

Auch aus pädagogischen Gründen wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, die Polizei sofort zu rufen und konsequent gegen die Täter vorzugehen, bzw. so zumindest ein sichtbares Zeichen zu setzen, dass eine Grenze überschritten wurde und man das nicht hinnehmen wird! (Auch wenn jetzt das Argument von den Vertrauen bildenden Maßnahmen angeführt werden könnte und Polizei da nicht so hineinpasst.)

Eine lange Welle… 23. Juni, 2010

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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eine sehr lange Welle war es, die nach der „Aktion“ zur Berichterstattung in den Medien führte.

Die Aktion der jugendlichen Steinewerfer, die anläßlich eines Stadtteilfestes in Hannover-Sahlkamp Steine auf die  Tanzgruppe der liberalen jüdischen Gemeinde von Hannover warfen, geschah bereits am Samstag. Die Berichterstattung in der HAZ lief im Internet am Dienstag an, in den Printmedien ist sie erst heute, Mittwoch, zu lesen.

Eine Berichterstattung, die sehr darum bemüht ist, nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen, jedenfalls, was das „Feuer der Täterzugehörigkeit“  betrifft. Die   Täter nämlich   kamen ziemlich glimpflich davon, wurden verharmlosend als „Kinder und Jugendliche“  bezeichnet, unvernünftig Naive, die Steine schmeißen,  „geistig behindert“ der (angebliche) Wortführer  noch dazu!

Wer nimmt solche Sachen schon ernst, ein Dummejungenstreich sozusagen. Nicht der Rede wert und „ga nich um kümmern“.

Das mag (zunächst) die Strategie der Verantwortlichen, des „Stadtteiltreff Sahlkamp“  gewesen sein, mit „Bordmitteln“ die Aktion klären, für Ruhe sorgen und das Fest weiterfeiern, als sei nichts gewesen. Keine Polizei, kein Aufsehen, keine Unruhe in dem ohnehin schwierigen  Stadtteil mit dem langen „Sahlkamp“,  in dem auf der einen Seite gutbürgerliche Wohnsiedlungen mit netten Einfamilienhäusern stehen, und den Plattenbauten (die schon in der Abrissplanung sind!)  auf der anderen Seite, mit dem sehr  hohen Anteil an Migranten, was  zu einer als „Problemviertel“ bekannten Wohnsituation geführt hat.  Berühmt berüchtigt und bekannt bei den Insidern, anzutreffen  in Lehrerkollegien und bei  Sozialarbeitern.   (Das weiß ich aus sehr authentischen Berichten von Freunden und Familienangehörigen in den entsprechenden „Einrichtungen“.) Da ist jede negative Schlagzeile kontraproduktiv für die ohnehin schon schwierige Arbeit „an der Basis“, mag man gedacht haben.

So scheint es schon verständlich, dass man keine Öffentlichkeit wollte und weder Pollizei noch Presse oder Behörden über den Vorfall informierte. (Das ist meine ganz private Arbeitshypothese!)

Und dann sickert eben doch etwas durch, man kann die Dinge nicht unter dem Teppich liegen lassen, unter den man die Angelegenheit so elegant beim allgemeinen Aufräumen gekehrt hatte. Es entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, inwieweit doch zumindest den Behörden durch die Sozialarbeiter bekannt war, dass es den antisemitischen Vorfall gegeben hatte. Und so ist es meine Spekulation, wenn ich vermute, dass man „dicht halten“ wollte.

Sehr zum Schaden all derer, die sich um mehr Transparenz bemühen, die im Milieu arbeiten, in den Migrationsausschüssen sitzen, die sich Gedanken machen über Programme gegen Neonazis, Eingliederungsmaßnahmen und Förderung benachteiligter Jugendliche, die eben zumeist aus den Migrantenfamilien und da besonders aus den muslimischen Familien kommen.

Und sehr zum Schaden einer Gesellschaft, die mit ihren eigenen antisemitischen Vorurteilen noch lange nicht aufgeräumt hat, die immer noch unschlüssig ist, wie sie die deutsche Vergangenheit einzuordnen und zu verarbeiten hat und die die alten antijüdischen Ressentiments noch nicht aus den letzten Bierzelten, Hinterwäldern und vor allem noch nicht auch aus den verborgensten Winkeln der menschlichen Gehirne gekehrt hat.

Und leider, leider wurde in Hannover bei der medialen Aufbereitung des Ereignisses versäumt, auf die Verlinkungen und Verknüpfungen alter bestehender Vorurteile mit neu aufkeimenden Antisemitismus gepaart mit deftigem Antizionismus – als Israelkritik getarnt- und ebenfalss schon lange gärender muslimischer Judenfeindlichkeit hinzuweisen.

Statt Aufklärung und Hinsehen Beschönigen und Beschwichtigen auf der ganzen Linie!

Die  (nicht weit hergeholte) Vermutung, dass die „Kinder“ durchaus im (nicht ausdrücklich bezeugten)  Einverständnis  ihrer Eltern handelten, zumindest aber in dem Geist, in dem sie zu Hause erzogen werden, wird von den Autoren in dem Bericht lediglich äußerst verhalten angedeutet.

Weitgehend unstrittig ist aber auch, dass Antisemitismus unter den palästinensischen und arabischen Jugendlichen des Viertels weitverbreitet ist. „Jude“ gelte als Schimpfwort, sagen Kenner des Stadtteils.

Und auch die Einlassung des Vorsitzenden der palästinensischen Gemeinde in Hannover, es gäbe sicher keinen Zusammenhang mit den Vorgängen in Gaza, wird von den Journalisten nicht zum Anlass genommen,  das Phänomen und Problem jugendlicher Steinewerfer gegen Juden in Israel ausführlicher zu beleuchten, es wird lediglich angedeutet und das in einer Weise, dass unterschwellig das „Verursacherprinzip“ – also die suggerierte Verantwortung Israels für die Gewalt in Gaza – auch hier auf subtile Weise und fast als Entschuldigung für die jugendlichen Straftäter am Sahlkamp herhalten könnte.

Sicher ist niemandem gedient, wenn man eine Straftat – als solche muss man die Aktion bezeichnen, auch wenn sie von „Kindern“ verübt wurde -, medial zu einem großen Ereignis aufbauscht, insofern ist eine sachlich kluge Berichterstattung durchaus zu begrüßen.

Was mich aber nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass  ganz offensichtlich zunächst gar nicht berichtet werden sollte.  (siehe meine Annahmen oben)  Das lässt sich relativ leicht schlussfolgern, stand doch bereits am Montag der Bericht über ein anderes Gewaltereignis  in unserem Käseblättchen, das sonst über wirklich alles berichtet der Zeitung, dass  nämlich Jugendliche ebenfalls am Samstag einen Mann „aus dem Trinkermilieu“ angegriffen und die Nase gebrochen haben.

Und auffällig ist auch, dass die HAZ heute eine ganze Seite „den Türken in Hannover“ widmet und die Begeisterung rühmt, mit der sie (die türkisch-stämmigen Deutschen und die türkischen Migranten) heute für die deutsche Elf die Vezuzelas tönen lassen und die Fahnen schwingen werden.

Das Verfahren der HAZ klingt in meinen Ohren sehr, sehr nach Beschwichtigung und Anbiederung, nach Ruhigstellen und nach Verharmlosen der Konflikte, die man lieber unter den Teppich kehrt, als sie offen zu benennen und zu bearbeiten.  Man macht sich „lieb Kind“ und biedert sich an.  Probleme mit muslimischen Migranten sind im wahrsten Sinne des Wortes in Hannover indiskutabel. Man kennt sie, aber verschweigt sie so „gut“ es eben geht.

Leidtragende sind in diesem Fall die jüdischen Mitbürger, die nicht nur ein Opfer der Gewalt wurden, sondern auch ein Opfer einer unsäglichen „Öffentlichkeitsarbeit“, Verdummungstaktik und „Mitteilungsstrategie“.

Leider!

Und noch ein Wort zum deutschen Selbstverständnis.

Wären die Steinewerfer vom Sahlkamp Deutsche und bekannte oder bekennende Nazis oder als „rechte Schläger“ bereits erfasst gewesen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre das die Schlagzeile auf der ersten Seite gewesen und man hätte schimpfen und sich empören können über die Ewiggestrigen und ihre antisemitische Gesinnung,  man hätte sich aufs Schärfste distanziert und gefordert, gegen die Täter mit allen Mitteln vorzugehen.

Und das auch völlig zu Recht!

So aber, so duckt man sich so gut es geht ein bisschen weg, nur nicht gegen die Antisemiten unter den Migranten vorgehen, man könnte als Rassist geächtet werden…

…  und heute spielt „Deutschland“ und das Ergebnis wird morgen die Schlagzeilen beherrschen.

Steinewerfer in Hannover… 22. Juni, 2010

Posted by Rika in aktuell.
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Es waren „Kinder und Jugendliche“, die bei einem Stadtteilfest eine jüdische Tanzgruppe mit Steinen bewarfen und „Juden raus“ riefen.

Kinder und Jugendliche  „vor allem libanesischer, palästinensischer, irakischer, iranischer und möglicherweise auch türkischer Abstammung“, wie die HAZ schreibt:

Nach übereinstimmenden Darstellungen haben bis zu 30 Kinder und Jugendliche vor allem libanesischer, palästinensischer, irakischer, iranischer und möglicherweise auch türkischer Abstammung antisemitische Parolen gerufen und Kieselsteine auf die acht erwachsenen Tänzer geschmissen. Die jüdische Folkloregruppe musste die Bühne verlassen, eine Tänzerin wurde am Bein getroffen und erlitt eine Prellung. Das internationale Kulturfest wurde nach einer Pause fortgesetzt, die Polizei nicht verständigt.

Weiter wird berichtet:

Einige Beobachter berichteten am Dienstag von ihrem Verdacht, die Aktion sei möglicherweise vorbereitet gewesen, da einige Jugendliche bereits Kiesel in der Tasche gehabt hätten. „Auf dem Marktplatz lagen jedenfalls keine Kiesel herum“, berichtet Augenzeugin Tatiana Ilchenko, die sich ebenfalls mit einer Folkloregruppe an dem Kulturfest beteiligt hatte. Andere Beobachter sprachen dagegen von einer spontanen Eskalation. Die äußerst reizbaren Jugendlichen hätten auf Ordnungsrufe nach anfänglichen Parolen von Umstehenden aggressiv reagiert. Der Jugendliche mit dem Megafon, der als Erster die antisemitischen Parolen rief, sei, so heißt es, geistig behindert. Weitgehend unstrittig ist aber auch, dass Antisemitismus unter den palästinensischen und arabischen Jugendlichen des Viertels weitverbreitet ist. „Jude“ gelte als Schimpfwort, sagen Kenner des Stadtteils.

Beschönigend soll es klingen, dass der Jugendliche, der über Megaphon „Juden raus“ rief, „geistig behindert“ sei – und dabei wird  völlig übersehen, dass gerade die Tatsache, dass der Jugendliche geistig behindert ist,  ein Indiz ist für die antisemitische Haltung seines Elternhauses und der kulturellen Gemeinschaft, der er angehört, „plappert“ er doch offensichtlich genau das nach, was er von anderen hört!

Es ist der Vorsitzende der Palästinensergemeinde in Hannover, der einen Vergleich zu anderen Steine werfenden Jugendlichen anstellt:

Bestürzt reagierte auch Yazir Shammout, der Vorsitzende der Palästinensischen Gemeinde, auf den Vorfall. „Jede Form von Gewalt ist aufs Schärfste zu verurteilen“, sagte er. Die Palästinensische Gemeinde organisiere seit einiger Zeit gemeinsame Aktionen und Gesprächsabende mit jüdischen Vertretern: „Auch wenn wir anderer Ansicht sind, gehen wir sachlich und zivilisiert miteinander um“, sagte Shammout. Er hoffe, dass die Steinwürfe nichts mit der Gaza-Politik Israels zu tun haben: „Leider wird die weit verbreitete Solidarität mit den Palästinensern, die dort leben, immer wieder missbraucht, um antiisraelische Stimmung zu machen – und von dieser ist es nur ein kleiner Schritt zum Antisemitismus, der wirklich niemandem dient.“ Steinwürfe von Jugendlichen auf Israelis waren ein Kennzeichen der Intifada, jenes Palästinenseraufstandes, der vor zehn Jahren in die zweite Runde ging.

Der ganze Bericht hier

Was mich aber zusätzlich aufregt an dem Bericht, ist das geschickte Taktieren des Herrn Shammout, der es versteht, so ganz nebenbei die Steinewerfer von Hannover zu entlasten, indem er mit dem Finger auf Israel  (die Juden) weist, das mit seiner Politik das Steinewerfen erst provoziert. Es ist ein Paradebeispiel dafür wie man –  mit einer sich vom eigentlichen Tatbestand distanzierenden Stellungnahme  –  antiisraelische Propaganda macht und gleichzeitig beteuert, genau das – antiisraelische Propaganda – nicht tun zu wollen.

Perfekt organisierte Gottesdienste sind irgendwie gefährlich… 22. Juni, 2010

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… für die plurale und freiheitliche Gesellschaft, weshalb sich die großen Kirchen auch von den perfekt organisierten Großveranstaltungen der „christlichen Eventmanager“ von ProChrist distanzieren.

Evangelikale rüsten zur Missionierung Deutschlands und scheuen sich dabei nicht, Rockbands, Theatergruppen und Prediger  in Gottediensten auftreten zu lassen, die als Großereignisse auch nicht in normalen Kirchen, sondern in riesigen Hallen stattfinden, die sonst nur die Rolling Stones oder Leute vom Schlag Robby Williams füllen würden. Und das Perfide ist, dass diese Gottesdienste via Satellit auch im hinterletzten hintertupfigsten Dorf mitverfolgt werden können. Zwangsmissionierung  droht, niemand entgeht dem evangelikalen Missionierungsdrang, keiner wird verschont. Es droht die Verdummung der Menschheit, die nach dem Willen „der Evangelikalen“ Darwin und der Evolutionstheorie abschwören muss und  ihre Kinder zu verklemmten Seelenkrüppeln erzieht.

Das alles wäre aber für das D-Radio nicht eine Sendeminute wert, würde nicht im Kuratorium der evangelikalen Eventmanager von ProChrist ausgerechnet der Kandidat für das höchste Amt im Staate sitzen: Christian Wulff!

DAS ist ein Skandal, hat der Bundespräsidentkandidat doch auf alle gesellschaftlichen Positionen Rücksicht zu nehmen und Evangelikale stehen bekanntermaßen doch eher außerhalb der Gesellschaft von ordentlichen Christen, Atheisten, Pazifisten, Maoisten, Feministen (müsste eigentlich …nistinnen heißen) Kommunisten, Faschisten, Islamisten, Neonazisten, Emanzipisten, Pädophilisten, Kapitalisten, Sozialisten, Hartzzisten, Liberalisten, Unionisten, Niebelisten und was es sonst noch so an gesellschaftlich relevanten Bürgeristen gibt.

Die überaus bekannte Theologin und Journalistin  Kirsten Dietrich gibt ihrer Besorgnis über Herrn Wulff in Kombination mit ProChrist Ausdruck:

Die Vereinigung „ProChrist“ sei eine fundamentalistische Bewegung, erklärt die Theologin und Journalistin Kirsten Dietrich. Sie hält es für nötig, dass der für das Bundespräsidentenamt kandidierende Christian Wulff seinen Kuratoriumsposten dort aufgibt.

Für diejenigen unter uns, die noch nie etwas von ProChrist gehört haben, klärt Frau Dietrich bereitwillig auf:

Ja, „ProChrist“ ist keine irgendwie fest umrissene Gemeinde, sondern eine Art christlicher Eventmanager. Und darin unternehmen sie es, mehrmals im Jahr oder auch in einzelnen Veranstaltungen, kleineren Veranstaltungen, größere Veranstaltungen, Missionsveranstaltungen für jede Gemeinde, für jeden Bedarf zu organisieren. Am bekanntesten ist alle zwei bis drei Jahre das sogenannte „ProChrist“-Festival. Da finden mehrere Tage hintereinander Großgottesdienste in einer deutschen Stadt statt und werden dann per Video, Satellit übertragen in ganz viele beteiligte Gemeinden. Das sind also ganz perfekt organisierte Gottesdienste mit Rockband, Theater, Prediger. Das muss man sich wirklich so vorstellen wie so amerikanische Erweckungsgottesdienste, wie man sie aus dem Film kennt. Und daher kommt „ProChrist“ auch. Das ist, als es vor 20 Jahren gegründet wurde, hatte es als Starprediger immer den amerikanischen Prediger Billy Graham, das ist sozusagen einer der Urväter des amerikanischen Evangelikalismus.

Wer hätte das gedacht, dass Christen alle zwei bis drei Jahre an mehrern Tagen hintereinander Großgottesdienste veranstalten!? Das muss einem ja den Angstschweiß in die Achselhöhlen treiben!

Der Herr Meyer vom Deutschlandradio Kultur (das ist der Sender, der das bekannte Afghanistan-Interview unter die Leute brachte!) fragt vorsichtshalber nach, was denn die zentralen Glaubenssätze der Evangelikalen seien und wie das mit dem Darwin und seiner Theorie sei  (nur damit auch alle wissen und erfahren können, wie gefährlich die Lehre der Evangelikalen sein könnte…)   und erhält diese erhellende Antwort:

Ja, das sind natürlich jetzt nicht, die haben da keine festen Glaubenssätze, die da irgendwo so auf gebotsähnlichen Tafeln niedergelegt sind, aber „ProChrist“ steht für eine Strömung, die – ich würde sie mit dem Fachbegriff der evangelikalen Strömung bezeichnen -, steht für eine Strömung, ein Christentum, die genau nach diesen Grundlagen die Bibel interpretiert und versucht, ihr Leben zu leben.

Das ist natürlich sehr verdächtig, wenn Christen versuchen, nach den Grundlagen der Bibel zu leben. Schon die 10-Gebote sind ja eine einzige Kriegserklärung an den modernen Menschen – und dann noch die ausdrückliche Aufforderung, seinen Nächsten zu lieben – wie weit man damit kommt, hat neulich der Herr Mixa – nein, das ist aber jetzt ein anderes Thema! Auch seine Feinde sollte man lieben – und das ist ja echt schwer, geht nicht, geht gar nicht. Ehebruch wird auch nicht so gerne gesehen, wenngleich Jesus mit der Ehebrecherin doch sehr freundlich umgeht und sich einfach weigert, sie nach der damals üblichen Praxis zu steinigen… könnten die Scharialeute noch von lernen … wäre vielleicht nicht so schlecht, so ein evangelikales Megaevent… mein ich jetzt mal so … Aber ich schweife ab, sorry!

Nach der Sache mit dem Missionsanspruch fragt der Herr Meyer, da lenkt  die Frau Dietrich ein bisschen ab:

Na ja, im Prinzip hat das natürlich jede christliche Gruppe, das steht so in der Bibel am Ende des Matthäusevangeliums.

meint dann aber doch, dass die Evangelikalen die Mission ganz ernst nehmen, was man auch an dem Missionsehepaar im Jemen sehen könne. Ein Knackpunkt sei auch die Mission unter russischen Spätaussiedlern, die seien ja häufig jüdisch und die jüdischen Gemeinden hätten ihre Schwierigkeiten mit den Missionaren. (Den Punkt müsste man genauer unter die Lupe nehmen, ich halte auch nichts von Mission unter Juden!)

Gefragt nach der Größenordnung evangelikaler Bedrohung, sprich nach der Anzahl der Leute, die sich zu diesem Kreis zählen, macht Frau Dietrich diese Angaben:

Na ja, „ProChrist“ wie gesagt selber ist ja nur dieser Verein, der diese Missionsveranstaltungen organisiert. Zu diesem evangelikalen Christentum kann man sagen, weltweit schätzt man ungefähr ein Viertel aller Christen und wachsend, in Deutschland ist der Anteil geringer, da schätzt man – die Zahlen sind wirklich sehr, sehr schwer zu bekommen -, man schätzt ungefähr, 1,5 Millionen Christen gehören dazu, wobei das auch wieder ganz vielfältig sind. Die Hälfte davon ist organisiert in irgendwelchen kleinen Freikirchen, die andere Hälfte ist organisiert in der EKD, also in der Evangelischen Kirche Deutschlands und ihren verschiedenen Landeskirchen.

1,5 Millionen Christen, die ihren Glauben ernst nehmen und weitersagen. Das ist in einem immer noch christlich geprägten Land allerdings besorgniserregend!

Darum fragt Herr Meyer wohl auch nach, ob denn die EventChristen von der Landeskirche unterstützt werde. Darauf Frau Dietrich:

Inzwischen tut sie es, oder man muss genauer sagen, man hat sich angenähert. In den 70er-, 80er-Jahren, da haben die evangelischen Landeskirchen, die waren politisch, und die Evangelikalen haben gebetet, da hat man wenig sich zu sagen gehabt. Und das hat sich geändert so seit, ja, dem Jahr 2000 ungefähr, seit 2005, 2006 hat man sich aneinander angenähert. Die evangelische Kirche macht sich „ProChrist“ auch zu eigen – nicht unbedingt, weil man da jetzt Heerscharen von Menschen missionieren möchte, denn Untersuchungen zeigen, „ProChrist“ predigt vor allen Dingen zu den schon Bekehrten, also zu den Menschen, die dieser Bewegung sowieso nahestehen, und stützt die eher, als dass es neue Mitglieder gewinnt. Aber eben um dieses Stützen der etablierten Mitglieder, darum geht es den evangelischen Kirchen, da hat man ein Potenzial erkannt, das man lange Jahre vernachlässigt hat. Und deswegen nähert sich die Evangelische Kirche in Deutschland diesen frommen Christen sehr deutlich in den letzten Jahren wieder an.

Das ist ja mal ne Ansage: Die Kirche war politisch und die Evangelikalen haben gebetet!  Hab ich’s doch gewusst. Und nun haben die L-Kirchen gemerkt, dass sie mit der Politik die Kirchen nicht mehr so richtig voll kriegen und beten wieder mehr und nähern sich den frommen Christen wieder an, oder wie?

Und geradezu dramatisch gefährlich sind die Veranstaltungen, weil sie sich vor allem an die wenden, die ohnehin irgendwie schon zum fromm-christlichen Spektrum  gehören. Diesen armen Menschen wird so jede Chance genommen, sich anderen religiösen oder ideologischen Gruppen zuzuwenden, praktizierenden Schamanen, zum Beispiel oder der Esoterik, dem alten Germanenkult oder den Fußballgöttern, dem Turbokapitalismus oder einfach dem „Gar nichts“. Schlimm ist das, wirklich!

Herr Meyer möchte gerne wissen, ob denn irgendeine politische Gefahr für das Land von den Evangelikalen ausgehe. Das wohl nicht wirklich, meint auch Frau Dietrich:

Politisch gefährlich würde ich so direkt nicht sagen, denn sie halten sich am Rand des Parteigeschehens. Also ich denke, Tagespolitik gehört da nicht unbedingt zu den Dingen, die im Namen Jesu wichtig, nützlich und richtig zu tun sind. Ich glaube eher, es ist schwierig für Menschen, die in diesen Gruppierungen drin sind und aber nicht direkt ins Raster reinpassen, also natürlich ganz eklatant für Menschen, die zum Beispiel homosexuell sind. Die finden in evangelikalen Gemeinden keinen Ort, die finden niemanden, der sie so akzeptiert, wie sie sind. Die werden konfrontiert mit Beispielen von bekehrten Homosexuellen, von Homosexuellen, die durchs Gebet geheilt wurden und jetzt ein glückliches Familienleben führen. Also da bleibt dann nur, entweder an seinem eigenen Sein zu zerbrechen oder diese Gemeinschaften zu verlassen.

Oh ja, Menschen die nicht ins Raster passen, für die ist es schwierig! Und wer passt nicht ins Raster, fällt uns da auch was ein? Ach ja, Leute mit homosexuellen Neigungen, die finden keinen Ort, werden nicht akzeptiert, müssen die Gemeinschaft verlassen oder an ihrem eigenen Sein zerbrechen.  Da steht es wieder, das Totschlagargument.  Seelsorge, Beratung, liebevolle Aufnahme – gibt es nach Meinung von Frau Dietrich bei praktizierenden Christen wohl nicht. Aber in Fußballvereinen und Moscheeverbänden, Managerseminaren und bei Lieschen Müller auf dem Dorf. Genau!

Dann möchte Herr Meyer noch wissen, wie denn die ProChrist-Leute Politiker wie Herrn Wulff oder Herrn Beckstein in ihr Kuratorium locken.

Naja, so genau weisss die Frau Dietrich das auch nicht, da gibt es eben diese Netzwerke und so…

Aber der Herr Wulff, der muss aus dem Verein austreten, sonst kann er nicht Bundespräsident werden. (Herr Wulff sollte meiner Meinung nach besser Ministerpräsident in meinem schönen Bundesland bleiben.)

Und wenn es nicht so bezeichnend für das Ansehen heutiger Christen und gleichzeitig so  erbärmlich entlarvend und  traurig wäre, dieses Interview mit der  Journalistin und Theologin, hätte ich von Herzen über so viel „Kenntnisreichtum“ und aufgeblasene Wichtigtuerei gelacht…

Urlaub in Blau und Grau… 22. Juni, 2010

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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… in Licht und Wolken, Meer und Bergen und natürlich auch in Grün und all den Farben des Nordens!

Mit dem Schiff zum Nordkap – das war schon lange ein Traum -,  möglichst in der Zeit um Mitsommer – der hellen Nächte und des Lichts wegen, das dort oben so ganz anders sein soll  als in unseren normalen Breiten, jedenfalls sagen das alle Leute, die schon einmal zur Mitsommernacht am Nordkap waren…

Wir hatten schon im dunkel-trostlosen November gemeinsam mit unseren Verwandten den Urlaub  gebucht …  auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff, das die Reise noch zu einer „Seefahrt“  macht und nicht zu einem Aufenthalt in einem riesigen Hotel mit Wellnessabteilung, Swimmingpool, Einkaufsmeile, Disco  und „Rundummeerblick“.

Seit gestern (Sonntag) sind wir wieder zu Hause, noch habe ich weder Eindrücke noch Bilder sortiert, sorgsam datiert, abgeheftet oder geordnet, aber eine erste Durchsicht meiner Bilder inspirierte mich zu der Überschrift dieses Eintrags:

Himmelsblau…

Mitternachtshimmel in Honningsvag - Nordkap

und facettenreiches Grau …

Vorbeifahrbild - auf dem Weg zum Dalsnibba

Grün in allen nur denkbaren Abstufungen und natürlich Himmel,  Meer und Wolken satt, Berge hoch und bizarr, schroff und unheimlich, mit Eis und Schnee bedeckt oder rund „gewaschen“ in tausendjährigen Eiszeiten, von Moosen und Flechten wild bewachsen…

dazu winzige Blümchen…

sattgrüne Gräser, Heidelbeerbüsche, Birken, Eschen, Fichten … und Felsen, Felsen, Felsen!

Eine Landschaft von urwüchsiger, atemberaubender Schönheit…

Wenn ich Zeit und Musse habe, werde ich einen ausführlichen Bericht einstellen …  wenn!

Sognefjord - zurück Richtung Meer

Die seltsame Schlußfolgerung des kriminologischen Professors… 7. Juni, 2010

Posted by Rika in islam.
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Der Professor hat ein Lieblingsthema, das er in den letzten gefühlten 1oo Jahren in allen nur denkbaren Variationen anbietet: Gewaltbereite und gewalttätige Jugendliche.

Als ich vor etlichen Jahren zum ersten Mal einem Vortrag des Leiters des kriminologischen Instituts beiwohnte, ging es um gewaltbereite Jungen und die vaterlose Gesellschaft. In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich viele gewaltbereite Kinder und Jugendliche  – überwiegend Jungen – kennengelernt und bin oftmals Zeugin ihrer überbordenden Gewaltbereitschaft geworden.  Der Theorie des Professors konnte ich aus eigenem Erleben die  Umsetzung in die/der Praxis bescheinigen.

Einige Zeit später machte der Kriminal-Profi vor allem das Internet und dort die Kriegs- und Gewaltspiele für die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen verantwortlich, auch diese These konnte ich bis zu einem gewissen Grad mittragen.

Nun hat Herr Pfeiffer eine neue Studie auf den Markt geworfen, demnach gibt es einen Zusammenhang zwischen religiöser Bindung und Gewaltbereitschaft – dies gilt allerdings in der negativen Auswirkung nur für die bekannte Religion des Friedens. Deren jugendliche Anhänger werden, je intensiver sie ihre Religion leben, umso gewaltbereiter und gewalttätiger.

Jungen Christen wird hingegen bescheinigt, dass die intensive Beschäftigung mit der christlichen Religion zu einer signifikanten Abnahme der Gewalt führt.

Beiden Aussagen stimme ich zu  – wenn auch nur auf der sehr, sehr dünnen Basis eigener Erfahrung mit jungen Christen und jungen Muslimen.

Was mich aber wirklich verwundert die Augen reiben lässt, ist des Professors Aussage, die Gewalt junger muslimischer Frommer hinge keineswegs mit dem Islam zusammen, sondern sei vielmehr ein „Vermittlungsproblem“!

Nicht der Islam an sich fördere Gewalt, vielmehr gerieten die Jugendlichen in falsche Hände, oder so ähnlich!

Verantwortlich für die beschriebenen Probleme sei nicht der Islam selbst, so Pfeiffer: „Das ist kein Problem des Islam, sondern seiner Vermittlung.“ Eine entscheidende Ursache sei, dass die Imame häufig ohne Sprach- und Kulturkenntnisse aus dem Ausland nach Deutschland kämen und mitunter „reaktionäre Männlichkeitsvorstellungen“ vermittelten.

Also wird islamisch-religiöse Gewalt überall dort anzutreffen sein, wo mangelnde Sprach- und Kulturkenntnisse dazu führen, den „wahren Islam“   falsch oder unzureichend darzulegen. Dazu muss man wissen, dass in aller Regel die Basis der islamischen Kultur der Koran ist und  selbstverständlich in seiner ursprünglich arabischen (Sprach- und Schrift-)Form   einzige Quelle der  göttlichen Offenbarung, will heißen, jeder Muslim auf Gottes schöner Erde muss in Schrift und Wort des Arabischen mächtig sein,  um lesen zu können, was dem Propheten einst eingeflüstert wurde. Übersetzungen sind verpönt, gleichwohl gibt es sie, wenn auch nicht als offizielle Amtssprache des Propheten und seiner Nachfolger geduldet, geschweige denn anerkannt.

Die Situation ist durchaus vergleichbar mit der Lage der christlich-katholisch-deutschen  Welt vor Luther.

Wer die Bibel lesen wollte, musste Latein und Griechisch lesen (und übersetzen!) können, wahlweise auch Hebräisch, wenn man sich nicht mit der Septuaginta als lateinischer Übersetzung der hebräischen Urschriften zufrieden geben wollte.  Dann kam Luther, schaute dem Volk aufs Maul und übersetzte die heiligen Schriften so, wie ihm der Schnabel gewachsen war.  Ich bin sicher, dass das sehr zum besseren Verständnis der Schrift beigetragen hat und einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte, die Deutungshoheit der Schrift nicht allein der mächtigen Kirche und ihren Priestern und Pastoren zu überlassen.

Aus eigener Anschauung weiß ich, wie schwer es ist, die Bibel im Original zu lesen – jedenfalls was das Hebräische angeht. Ich habe mich ein paar Jahre lang ziemlich intensiv  mit dem modernen Hebräisch – Ivrith – beschäftigt, kenne  das Alef-Bet und die wichtigsten grammatikalischen Strukturen, kann nach dem Weg  fragen und auch über einfache Dinge parlieren und ich  kann hebräische Texte „lesen“ und mit Hilfe eines guten Wörterbuches auch übersetzen. Für die Hebräische Bibel gibt es ebenfalls gute Wörterbücher und dank eines ebenso guten Lehrbuches gelingt es mir,  Texte „sinnentnehmend“ zu lesen. Vom Griechischen habe ich leider gar keine Ahnung, sieht man von den wenigen Buchstaben ab, die wir im Matheunterricht lernten, um Winkel zu bezeichnen… da bin ich vollständig auf gute Übersetzungen angewiesen.  Ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich viele verschiedene Bibelübersetzungen besitze und auch gebrauche, von daher weiß ich, dass Übersetzungen auch voneinander abweichen können, dass sie in Satzbau und Ausdruck „altmodisch“ und schwerfällig daherkommen können (beispielsweise die alte Elberfelder) oder in einer gut zu lesenden modernen Form, wie sie in „Hoffnung für alle“ üblich ist.

Dem Islam ist so ein übersetzunstechnischer Umgang mit seiner heiligen Offenbarung  fremd.

Und  –    das ist wohl der Pfeiffer’sche Ansatz  –  so scheint es zunächst nicht verwunderlich, dass da ein „Vermittlungsproblem“ für junge Migranten in Deutschland  besteht, verständigen sie sich doch über ein Buch, dass sie nur in einer ihnen völlig fremden Sprache „lesen können“  mit Imamen, die zwar in der Lage sind, die unverständlichen Texte zu lesen und in ihrer (zumeist) türkischen  Muttersprache zu kommentieren, die aber gar nicht in der Lage sind, diese Kommentare auch in Deutsch von sich zu geben, was sie ja tun müssten, da, wie wir sicher wissen,  die jungen Migranten in aller Regel gar kein Türkisch (mehr) sprechen können, vor allen Dingen dann nicht, wenn sie aus Albanien und dem Libanon kommen, nicht wahr? (Die Sprachkenntnisse reichen aber immer noch aus, um via Satelit das „heimische“ Fernsehprogramm verfolgen zu können und „deutsche“ Mitbürger lauthals zu beschimpfen und zu verfluchen oder Absprachen in deren Gegenwart und zu ihrem Nachteil zu treffen.  Traurige Erfahrung in der Schule!!!)

Aber Herr Pfeifer zielt ja verständnisvoll und entschuldigend  weniger auf die Sprachprobleme ab, als vielmehr auf die archaischen Denkstrukturen, die den Imamen aus den fernen Ländern (noch) zu eigen sind und die nicht kompatibel sind mit den hier gebräuchlichen Formen gesellschaftlichen Miteinanders.

Diese Denkstrukturen aber haben nach dem Urteil des Professors nichts, aber auch gar nichts mit dem Islam zu tun. Die stammen vermutlich noch aus vorislamischer Zeit und sind auch in der mehr als  tausendjährigen islamischen Herrschaft nicht zugunsten der eigentlichen und friedlichen Inhalte des Islam verändert worden   (das muss man doch so annehmen), während sich in der christlichen Welt immer stärker der eigentliche Inhalt der christlichen Botschaft durchzusetzen scheint und überall dort nachhaltig wirkt, wo Menschen sich mit dieser Botschaft auseinandersetzen und die Ausübung von politischer  Macht zum Monopol des Staates wurde und nicht mehr länger an Kirchen und kirchliche Strukturen und Hierarcheien gebunden ist. Das Evangelium Jesu Christi taugt nicht (länger) zur Durchsetzung herrschaftlicher und politischer Machtansprüche und damit auch nicht zur Legitimation von Gewalt gegen andere!

Kann man sich vorstellen, dass junge Leute, die in Taizee waren, zur Gewalt aufrufen, Fahnen verbrennen und „Tötet die Juden“ skandieren?  Nein, das kann man nicht.

Aber das hat vermutlich, wenn man Herrn Pfeifer folgt, nichts mit dem Inhalt der christlichen Botschaft zu tun, sondern mit der humanitären Erziehung, die die jungen Leute in Westeuropa genießen…