jump to navigation

Die seltsame Schlußfolgerung des kriminologischen Professors… 7. Juni, 2010

Posted by Rika in islam.
Tags: , ,
trackback

Der Professor hat ein Lieblingsthema, das er in den letzten gefühlten 1oo Jahren in allen nur denkbaren Variationen anbietet: Gewaltbereite und gewalttätige Jugendliche.

Als ich vor etlichen Jahren zum ersten Mal einem Vortrag des Leiters des kriminologischen Instituts beiwohnte, ging es um gewaltbereite Jungen und die vaterlose Gesellschaft. In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich viele gewaltbereite Kinder und Jugendliche  – überwiegend Jungen – kennengelernt und bin oftmals Zeugin ihrer überbordenden Gewaltbereitschaft geworden.  Der Theorie des Professors konnte ich aus eigenem Erleben die  Umsetzung in die/der Praxis bescheinigen.

Einige Zeit später machte der Kriminal-Profi vor allem das Internet und dort die Kriegs- und Gewaltspiele für die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen verantwortlich, auch diese These konnte ich bis zu einem gewissen Grad mittragen.

Nun hat Herr Pfeiffer eine neue Studie auf den Markt geworfen, demnach gibt es einen Zusammenhang zwischen religiöser Bindung und Gewaltbereitschaft – dies gilt allerdings in der negativen Auswirkung nur für die bekannte Religion des Friedens. Deren jugendliche Anhänger werden, je intensiver sie ihre Religion leben, umso gewaltbereiter und gewalttätiger.

Jungen Christen wird hingegen bescheinigt, dass die intensive Beschäftigung mit der christlichen Religion zu einer signifikanten Abnahme der Gewalt führt.

Beiden Aussagen stimme ich zu  – wenn auch nur auf der sehr, sehr dünnen Basis eigener Erfahrung mit jungen Christen und jungen Muslimen.

Was mich aber wirklich verwundert die Augen reiben lässt, ist des Professors Aussage, die Gewalt junger muslimischer Frommer hinge keineswegs mit dem Islam zusammen, sondern sei vielmehr ein „Vermittlungsproblem“!

Nicht der Islam an sich fördere Gewalt, vielmehr gerieten die Jugendlichen in falsche Hände, oder so ähnlich!

Verantwortlich für die beschriebenen Probleme sei nicht der Islam selbst, so Pfeiffer: „Das ist kein Problem des Islam, sondern seiner Vermittlung.“ Eine entscheidende Ursache sei, dass die Imame häufig ohne Sprach- und Kulturkenntnisse aus dem Ausland nach Deutschland kämen und mitunter „reaktionäre Männlichkeitsvorstellungen“ vermittelten.

Also wird islamisch-religiöse Gewalt überall dort anzutreffen sein, wo mangelnde Sprach- und Kulturkenntnisse dazu führen, den „wahren Islam“   falsch oder unzureichend darzulegen. Dazu muss man wissen, dass in aller Regel die Basis der islamischen Kultur der Koran ist und  selbstverständlich in seiner ursprünglich arabischen (Sprach- und Schrift-)Form   einzige Quelle der  göttlichen Offenbarung, will heißen, jeder Muslim auf Gottes schöner Erde muss in Schrift und Wort des Arabischen mächtig sein,  um lesen zu können, was dem Propheten einst eingeflüstert wurde. Übersetzungen sind verpönt, gleichwohl gibt es sie, wenn auch nicht als offizielle Amtssprache des Propheten und seiner Nachfolger geduldet, geschweige denn anerkannt.

Die Situation ist durchaus vergleichbar mit der Lage der christlich-katholisch-deutschen  Welt vor Luther.

Wer die Bibel lesen wollte, musste Latein und Griechisch lesen (und übersetzen!) können, wahlweise auch Hebräisch, wenn man sich nicht mit der Septuaginta als lateinischer Übersetzung der hebräischen Urschriften zufrieden geben wollte.  Dann kam Luther, schaute dem Volk aufs Maul und übersetzte die heiligen Schriften so, wie ihm der Schnabel gewachsen war.  Ich bin sicher, dass das sehr zum besseren Verständnis der Schrift beigetragen hat und einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte, die Deutungshoheit der Schrift nicht allein der mächtigen Kirche und ihren Priestern und Pastoren zu überlassen.

Aus eigener Anschauung weiß ich, wie schwer es ist, die Bibel im Original zu lesen – jedenfalls was das Hebräische angeht. Ich habe mich ein paar Jahre lang ziemlich intensiv  mit dem modernen Hebräisch – Ivrith – beschäftigt, kenne  das Alef-Bet und die wichtigsten grammatikalischen Strukturen, kann nach dem Weg  fragen und auch über einfache Dinge parlieren und ich  kann hebräische Texte „lesen“ und mit Hilfe eines guten Wörterbuches auch übersetzen. Für die Hebräische Bibel gibt es ebenfalls gute Wörterbücher und dank eines ebenso guten Lehrbuches gelingt es mir,  Texte „sinnentnehmend“ zu lesen. Vom Griechischen habe ich leider gar keine Ahnung, sieht man von den wenigen Buchstaben ab, die wir im Matheunterricht lernten, um Winkel zu bezeichnen… da bin ich vollständig auf gute Übersetzungen angewiesen.  Ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich viele verschiedene Bibelübersetzungen besitze und auch gebrauche, von daher weiß ich, dass Übersetzungen auch voneinander abweichen können, dass sie in Satzbau und Ausdruck „altmodisch“ und schwerfällig daherkommen können (beispielsweise die alte Elberfelder) oder in einer gut zu lesenden modernen Form, wie sie in „Hoffnung für alle“ üblich ist.

Dem Islam ist so ein übersetzunstechnischer Umgang mit seiner heiligen Offenbarung  fremd.

Und  –    das ist wohl der Pfeiffer’sche Ansatz  –  so scheint es zunächst nicht verwunderlich, dass da ein „Vermittlungsproblem“ für junge Migranten in Deutschland  besteht, verständigen sie sich doch über ein Buch, dass sie nur in einer ihnen völlig fremden Sprache „lesen können“  mit Imamen, die zwar in der Lage sind, die unverständlichen Texte zu lesen und in ihrer (zumeist) türkischen  Muttersprache zu kommentieren, die aber gar nicht in der Lage sind, diese Kommentare auch in Deutsch von sich zu geben, was sie ja tun müssten, da, wie wir sicher wissen,  die jungen Migranten in aller Regel gar kein Türkisch (mehr) sprechen können, vor allen Dingen dann nicht, wenn sie aus Albanien und dem Libanon kommen, nicht wahr? (Die Sprachkenntnisse reichen aber immer noch aus, um via Satelit das „heimische“ Fernsehprogramm verfolgen zu können und „deutsche“ Mitbürger lauthals zu beschimpfen und zu verfluchen oder Absprachen in deren Gegenwart und zu ihrem Nachteil zu treffen.  Traurige Erfahrung in der Schule!!!)

Aber Herr Pfeifer zielt ja verständnisvoll und entschuldigend  weniger auf die Sprachprobleme ab, als vielmehr auf die archaischen Denkstrukturen, die den Imamen aus den fernen Ländern (noch) zu eigen sind und die nicht kompatibel sind mit den hier gebräuchlichen Formen gesellschaftlichen Miteinanders.

Diese Denkstrukturen aber haben nach dem Urteil des Professors nichts, aber auch gar nichts mit dem Islam zu tun. Die stammen vermutlich noch aus vorislamischer Zeit und sind auch in der mehr als  tausendjährigen islamischen Herrschaft nicht zugunsten der eigentlichen und friedlichen Inhalte des Islam verändert worden   (das muss man doch so annehmen), während sich in der christlichen Welt immer stärker der eigentliche Inhalt der christlichen Botschaft durchzusetzen scheint und überall dort nachhaltig wirkt, wo Menschen sich mit dieser Botschaft auseinandersetzen und die Ausübung von politischer  Macht zum Monopol des Staates wurde und nicht mehr länger an Kirchen und kirchliche Strukturen und Hierarcheien gebunden ist. Das Evangelium Jesu Christi taugt nicht (länger) zur Durchsetzung herrschaftlicher und politischer Machtansprüche und damit auch nicht zur Legitimation von Gewalt gegen andere!

Kann man sich vorstellen, dass junge Leute, die in Taizee waren, zur Gewalt aufrufen, Fahnen verbrennen und „Tötet die Juden“ skandieren?  Nein, das kann man nicht.

Aber das hat vermutlich, wenn man Herrn Pfeifer folgt, nichts mit dem Inhalt der christlichen Botschaft zu tun, sondern mit der humanitären Erziehung, die die jungen Leute in Westeuropa genießen…

Advertisements

Kommentare»

1. julia - 8. Juni, 2010

Rika, es ist doch unbestritten, daß auch im Namen des Christentums unzählige Verbrechen begangen wurden. Und ich nehme an, daß du auch der Meinung bist, daß in diesen Fällen der wahre christliche Geist verraten wurde, oder falsch verstanden, oder wie auch immer. Gleiches Recht für alle?

Rika - 20. Juni, 2010

Julia,
erst heute, nach meinem Urlaub, eine Antwort:
Du hast ganz sicher Recht, dass im Namen des Christentums unzählige Verbrechen begangen wurden, aber eben nicht im Namen dessen, der Namensgeber des Christentums ist: Christus!
Liest man die Evangelien sorgfältig, finden sich weder Aufforderungen zur Bekämpfung noch zur Unterdrückung anderer Menschen, im Gegenteil, es ist von Vergebung und Nächstenliebe die Rede. Diesen Teil der Bibel haben christliche Machthaber gern übersehen.
Der Koran fordert die Gläubigen aber ganz ausdrücklich zum Kampf, auch mit dem Schwert auf, und damit ist nicht, wie bei Paulus, eine Metapher gemeint, sondern das tatsächliche Schwert, mit dem man Menschen tötet.
Du wirst weder bei Jesus noch bei Paulus eine Aufforderung finden, Juden oder Ungläubige zu töten oder sie zu unterdrücken oder eine besondere Steuer von ihnen zu verlangen.
„Christliche“ Machthaber, Päpste und katholische Fürstbischöfe inbegriffen, haben leider, leider unter dem Deckmantel der Mission ihre eigenen Machtspiele betrieben, zum Schaden der Menschen, denen eigentlich Gottes Wort zum Guten dienen sollte.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: