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Eine lange Welle… 23. Juni, 2010

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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eine sehr lange Welle war es, die nach der „Aktion“ zur Berichterstattung in den Medien führte.

Die Aktion der jugendlichen Steinewerfer, die anläßlich eines Stadtteilfestes in Hannover-Sahlkamp Steine auf die  Tanzgruppe der liberalen jüdischen Gemeinde von Hannover warfen, geschah bereits am Samstag. Die Berichterstattung in der HAZ lief im Internet am Dienstag an, in den Printmedien ist sie erst heute, Mittwoch, zu lesen.

Eine Berichterstattung, die sehr darum bemüht ist, nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen, jedenfalls, was das „Feuer der Täterzugehörigkeit“  betrifft. Die   Täter nämlich   kamen ziemlich glimpflich davon, wurden verharmlosend als „Kinder und Jugendliche“  bezeichnet, unvernünftig Naive, die Steine schmeißen,  „geistig behindert“ der (angebliche) Wortführer  noch dazu!

Wer nimmt solche Sachen schon ernst, ein Dummejungenstreich sozusagen. Nicht der Rede wert und „ga nich um kümmern“.

Das mag (zunächst) die Strategie der Verantwortlichen, des „Stadtteiltreff Sahlkamp“  gewesen sein, mit „Bordmitteln“ die Aktion klären, für Ruhe sorgen und das Fest weiterfeiern, als sei nichts gewesen. Keine Polizei, kein Aufsehen, keine Unruhe in dem ohnehin schwierigen  Stadtteil mit dem langen „Sahlkamp“,  in dem auf der einen Seite gutbürgerliche Wohnsiedlungen mit netten Einfamilienhäusern stehen, und den Plattenbauten (die schon in der Abrissplanung sind!)  auf der anderen Seite, mit dem sehr  hohen Anteil an Migranten, was  zu einer als „Problemviertel“ bekannten Wohnsituation geführt hat.  Berühmt berüchtigt und bekannt bei den Insidern, anzutreffen  in Lehrerkollegien und bei  Sozialarbeitern.   (Das weiß ich aus sehr authentischen Berichten von Freunden und Familienangehörigen in den entsprechenden „Einrichtungen“.) Da ist jede negative Schlagzeile kontraproduktiv für die ohnehin schon schwierige Arbeit „an der Basis“, mag man gedacht haben.

So scheint es schon verständlich, dass man keine Öffentlichkeit wollte und weder Pollizei noch Presse oder Behörden über den Vorfall informierte. (Das ist meine ganz private Arbeitshypothese!)

Und dann sickert eben doch etwas durch, man kann die Dinge nicht unter dem Teppich liegen lassen, unter den man die Angelegenheit so elegant beim allgemeinen Aufräumen gekehrt hatte. Es entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, inwieweit doch zumindest den Behörden durch die Sozialarbeiter bekannt war, dass es den antisemitischen Vorfall gegeben hatte. Und so ist es meine Spekulation, wenn ich vermute, dass man „dicht halten“ wollte.

Sehr zum Schaden all derer, die sich um mehr Transparenz bemühen, die im Milieu arbeiten, in den Migrationsausschüssen sitzen, die sich Gedanken machen über Programme gegen Neonazis, Eingliederungsmaßnahmen und Förderung benachteiligter Jugendliche, die eben zumeist aus den Migrantenfamilien und da besonders aus den muslimischen Familien kommen.

Und sehr zum Schaden einer Gesellschaft, die mit ihren eigenen antisemitischen Vorurteilen noch lange nicht aufgeräumt hat, die immer noch unschlüssig ist, wie sie die deutsche Vergangenheit einzuordnen und zu verarbeiten hat und die die alten antijüdischen Ressentiments noch nicht aus den letzten Bierzelten, Hinterwäldern und vor allem noch nicht auch aus den verborgensten Winkeln der menschlichen Gehirne gekehrt hat.

Und leider, leider wurde in Hannover bei der medialen Aufbereitung des Ereignisses versäumt, auf die Verlinkungen und Verknüpfungen alter bestehender Vorurteile mit neu aufkeimenden Antisemitismus gepaart mit deftigem Antizionismus – als Israelkritik getarnt- und ebenfalss schon lange gärender muslimischer Judenfeindlichkeit hinzuweisen.

Statt Aufklärung und Hinsehen Beschönigen und Beschwichtigen auf der ganzen Linie!

Die  (nicht weit hergeholte) Vermutung, dass die „Kinder“ durchaus im (nicht ausdrücklich bezeugten)  Einverständnis  ihrer Eltern handelten, zumindest aber in dem Geist, in dem sie zu Hause erzogen werden, wird von den Autoren in dem Bericht lediglich äußerst verhalten angedeutet.

Weitgehend unstrittig ist aber auch, dass Antisemitismus unter den palästinensischen und arabischen Jugendlichen des Viertels weitverbreitet ist. „Jude“ gelte als Schimpfwort, sagen Kenner des Stadtteils.

Und auch die Einlassung des Vorsitzenden der palästinensischen Gemeinde in Hannover, es gäbe sicher keinen Zusammenhang mit den Vorgängen in Gaza, wird von den Journalisten nicht zum Anlass genommen,  das Phänomen und Problem jugendlicher Steinewerfer gegen Juden in Israel ausführlicher zu beleuchten, es wird lediglich angedeutet und das in einer Weise, dass unterschwellig das „Verursacherprinzip“ – also die suggerierte Verantwortung Israels für die Gewalt in Gaza – auch hier auf subtile Weise und fast als Entschuldigung für die jugendlichen Straftäter am Sahlkamp herhalten könnte.

Sicher ist niemandem gedient, wenn man eine Straftat – als solche muss man die Aktion bezeichnen, auch wenn sie von „Kindern“ verübt wurde -, medial zu einem großen Ereignis aufbauscht, insofern ist eine sachlich kluge Berichterstattung durchaus zu begrüßen.

Was mich aber nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass  ganz offensichtlich zunächst gar nicht berichtet werden sollte.  (siehe meine Annahmen oben)  Das lässt sich relativ leicht schlussfolgern, stand doch bereits am Montag der Bericht über ein anderes Gewaltereignis  in unserem Käseblättchen, das sonst über wirklich alles berichtet der Zeitung, dass  nämlich Jugendliche ebenfalls am Samstag einen Mann „aus dem Trinkermilieu“ angegriffen und die Nase gebrochen haben.

Und auffällig ist auch, dass die HAZ heute eine ganze Seite „den Türken in Hannover“ widmet und die Begeisterung rühmt, mit der sie (die türkisch-stämmigen Deutschen und die türkischen Migranten) heute für die deutsche Elf die Vezuzelas tönen lassen und die Fahnen schwingen werden.

Das Verfahren der HAZ klingt in meinen Ohren sehr, sehr nach Beschwichtigung und Anbiederung, nach Ruhigstellen und nach Verharmlosen der Konflikte, die man lieber unter den Teppich kehrt, als sie offen zu benennen und zu bearbeiten.  Man macht sich „lieb Kind“ und biedert sich an.  Probleme mit muslimischen Migranten sind im wahrsten Sinne des Wortes in Hannover indiskutabel. Man kennt sie, aber verschweigt sie so „gut“ es eben geht.

Leidtragende sind in diesem Fall die jüdischen Mitbürger, die nicht nur ein Opfer der Gewalt wurden, sondern auch ein Opfer einer unsäglichen „Öffentlichkeitsarbeit“, Verdummungstaktik und „Mitteilungsstrategie“.

Leider!

Und noch ein Wort zum deutschen Selbstverständnis.

Wären die Steinewerfer vom Sahlkamp Deutsche und bekannte oder bekennende Nazis oder als „rechte Schläger“ bereits erfasst gewesen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre das die Schlagzeile auf der ersten Seite gewesen und man hätte schimpfen und sich empören können über die Ewiggestrigen und ihre antisemitische Gesinnung,  man hätte sich aufs Schärfste distanziert und gefordert, gegen die Täter mit allen Mitteln vorzugehen.

Und das auch völlig zu Recht!

So aber, so duckt man sich so gut es geht ein bisschen weg, nur nicht gegen die Antisemiten unter den Migranten vorgehen, man könnte als Rassist geächtet werden…

…  und heute spielt „Deutschland“ und das Ergebnis wird morgen die Schlagzeilen beherrschen.

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Kommentare»

1. Omar - 23. Juni, 2010

Stimmt! Eigentlich hätte die HAZ schon am Montag zur Hatz auf Türken aufrufen müssen! Das meinte ich vorhin mit dem „Aufgeilen“.. Ebenso wie pi-news benutzt du die antisemitische Tat einzelner als Aufhänger für deinen eigenen Rassismus. Und dann natürlich dies:

„Steinewerfer gegen Juden in Israel“.. Was für ein Blödsinn! Steinewerfer auf palästinensischer Seite haben diese vornehmliche auf israelische Soldaten geworfen, während du wahrscheinlich von jüdischen „Siedlern“ nicht als Steinewerfer sprechen würdest, auch wenn sie diese nicht nur auf palästinensische Bauern, sondern auch auf westliche Reporter werfen.. So funktioniert aber Rassismus: negative Aspekte werden nur bei einer Gruppe hervorgehoben, während alle anderen Gruppen entweder ignoriert oder aber gar verherrlicht werden. Du bist wirklich nicht besser als die Steinewerfer.

2. Rika - 23. Juni, 2010

Danke für deine freundlichen Belehrungen über mein wahres Ich.

3. yael1 - 23. Juni, 2010

Omar, Sie vergreifen sich langsam im Ton. Ihre Distanzlosigkeit ist nicht akzeptabel und ihre frechen Verdrehungen ebenso wenig.

4. Martin Treibholz - 23. Juni, 2010

Heute sind wir leider so weit, dass bestimmte Gruppen unter „Naturschutz“ stehen, ganz oben auf der Liste findet man Muslime.

Juden und Schwule sollen zurückstecken, sich körperlicher Gewalt aussetzen, ohne die Täter zu benennen, damit die schon lange gescheiterte Multikulti-Idylle der Linken nicht beschädigt wird.

Es herrscht nur noch die Ideologie, wie es in Wirklichkeit aussieht, ist den Gutmenschen völlig egal, solange sie sich als die „Guten“ profilieren können.

Das ganze ist so verlogen, ich könnt nur noch kotzen vor Ekel!

5. yael1 - 23. Juni, 2010

Noch eine Anmerkung: Bei mir Omar haben Sie einen sehr sachlichen Beitrag verfasst, den ich sehr gut fand und ich bin etwas erstaunt darüber, dass Sie Rika so aggressiv begegnen. Wirklich sehr schade.

6. yael1 - 23. Juni, 2010

Morgen wird dieser Zwischenfall schon wieder kein Thema mehr sein. Es scheint so, als habe sich die dt. Gesellschaft daran gewöhnt, wenn sie es denn überhaupt mitbekommt. Juden können nach Israel gehen, aber ich frage mich was machen dann die Nichtjuden, wenn sie an der Reihe sein werden? Diese Gleichgültigkeit erstaunt mich zwar nicht besonders, aber was muss noch passieren, damit das Land aus seinem Tiefschlaf erwacht. Muss es erst wieder einmal tote Juden sein, denen man scheinheilig gedenkt? Ich habe in diese gleichgültige Gesellschaft keinerlei Vertrauen mehr. Und irgendwann werde ich sicher auch die Koffer packen.

7. Rika - 23. Juni, 2010

@ noch einmal an Omar

Hier ist der Link zu einem Beitrag, den du selbst zum Thema Antisemitismus bei muslimischen Jugendlichen verfasst hast.
http://www.toomuchcookies.net/archives/2266/judenhassantisemitismus-unter-muslimen.htm

Das Gefühl muslimischer Jugendlicher ausgegrenzt und gegenüber Juden benachteiligt zu sein, beschreibst du ziemlich gut, wenngleich du gegenüber deiner / ihrer eigenen Voreingenommenheit („man sieht nur, was man sehen will“, wie du sie mir zum Vorwurf gemacht hast) relativ wahrnehmungsresistent bist. Will meinen, ihre / deine Sicht, Juden würden hierzulande bevorzugt wegen des Holocausts, führt nicht dazu, sich mit der Shoa zu beschältigen und auch nicht zu einem tieferen Verständnis der Ereignisse in Nazideutschland mit den schrecklichen Folgen für die Juden und für die, die das Grauen überlebt haben und zeitlebens mit dem Trauma leben müssen, sondern wird als „Ausrede“ / Ursache / Anlass / Begründung für antisemitische Tendenzen unter muslimischen Jugendlichen gesehen, verstanden und auch anerkannt.

Und den Imamen fehlt, folgt man deiner Erklärung, die nötige Information und wohl auch der Wille, diese Sicht- und Denkblockade zu durchbrechen.

8. yael1 - 24. Juni, 2010

Ich habe noch nie bemerkt, dass wir „bevorzugt“ werden. Wie kommt man auf so eine absurde Idee? Ist bevorzugt werden, dass jüdische Einrichtungen Tag und Nacht geschützt werden müssen, ist es bevorzugt werden, wenn Juden sich nicht trauen sich als Juden zu erkennen geben, ist es bevorzugt werden, wenn man Juden „Sceiß Jude“ hinterher schreit? Dann würde ich gern darauf verzichten.
Ich weiß nicht woher diese Wirklichkeitsverzerrung kommt, aber sie ist erschreckend.

9. Herr Mazyeck sorgt für Ordnung… | himmel und erde - 28. März, 2013

[…] doch nicht von der Hand gewiesen werden, ich erinnere nur an die Steinewerfer von Hannover. Es waren junge Muslime, die eine jüdische Tanzgruppe bei einem Stadtteilfest mit Steinen […]


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