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… „die nicht unumstrittene Politik Israels“… 24. Juni, 2010

Posted by Rika in Allgemein.
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Der Rat der Religionen fordert alle Bürger Hannovers auf, sich gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus einzusetzen. Die nicht unumstrittene Politik des Staates Israel darf nicht dazu missbraucht werden, den Frieden unter den Religionsgemeinschaften zu zerstören und Hass zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu säen.

Dies ist ein Zitat aus der öffentlichen Presseerklärung des „Hauses der Religionen“, das damit auf die Steinewerfer in Hannover reagiert.  (Hervorhebung von mir)

Da haben wir es wieder schwarz auf weiß. Antisemitismus wird verurteilt, aber in einer Bemerkung schnell noch mitgeteilt, dass man mit der Politik Israels nicht einverstanden sei.

Das Haus der Religionen in Hannover vereint unter seinem Dach Christen, Bahais, Juden, Moslems, Buddhisten und Hindus. Man kann davon ausgehen, dass die Vertreter der verschiedenen Religionen diese Presseerklärung, die einen eindrücklichen Appell gegen Antisemitismus sein soll (und wohlwollend betrachtet ja auch ist)  unterstützen und mittragen, auch wenn sie lediglich von Herrn Höflich und Herrn Al-Fahad unterzeichnet ist.

Natürlich steht sie im Kontext der Ereignisse vom Samstag und dennoch frage ich mich, warum und wieso die Bemerkung zur Politik Israels ebenfalls aufgenommen wurde, schließlich waren Tänzer der liberalen jüdischen Gemeinde von der Aggression betroffen, die hier weder den Staat Israel repräsentieren, noch für seine Politik zuständig sind.

Wann endlich wird deutlich gesagt, dass  deutsche Juden in Deutschland nicht verantwortlich sind für die Regierung eines Staates, dessen Bürger sie nicht sind?

Könnte ich – auf der gleichen argumentativen Schiene – sonst als Christin  nicht auch mit Fug und Recht fordern, dass die hier lebenden muslimischen Bewohner dafür Sorge zu tragen haben, dass  die muslimischen Regierungen Irans, Saudi-Arabiens, Ägyptens, des Sudans, die im Jemen und auch die in der Türkei ab sofort und generell das Versammlungsverbot für Christen, die einen Gottesdienst feiern wollen, aufheben, dass  der Erwerb, der Gebrauch und auch die Weitergabe von Bibeln nicht länger unter Strafe gestellt wird und das jeder Moslem, der das aus tiefer Überzeugung tun möchte, seine Religion wechseln kann ohne dafür bestraft zu werden oder gar mit dem Tode bedroht zu sein?

Welchen Wert hat so eine „Antisemitismuserklärung“ und was bewirkt ein Appell an die Muslime der Stadt, wenn in der Erklärung selbst ein nicht zu überlesender Hinweis auf die vermutete Ursache für antijüdische Aggression ist und damit für weniger differenziert denkende Menschen gleich eine „Entschuldigung“ für die Übergriffe mitgeliefert wird, die noch dazu in das derzeitige niebel-politische Klima passt?  Und wäre es  – zumindest aus meiner Sicht  – nicht Sache des christlichen Vertreters gewesen, dafür einzutreten, auf den Israel-Hinweis zu verzichten?

Ich lese die Erklärung mit einem kritischen Blick und sehe darin mehr den Versuch, hannovers Bevölkerung zu beruhigen, denn als unmissverständliche Aufforderung an das Umfeld der muslimischen Täter, auf anijüdische, antisemitische,  ja, und auch auf antiisraelische Aktionen ind Wort und Tat zu verzichten!

.

Aber die Erklärung passt durchaus zu der Gemengelage, die bei der Aktion und den Verantwortlichen  des  Stadtteilfest selbst deutlich wurde, aber auch zu den Erklärungsversuchen, die heute berichtet werden und dann steht heute noch in der HAZ dieser irritierende Satz:

Arnds verteidigte seine Entscheidung, nicht die Polizei zu rufen. Er habe sich für „Deeskalation“ entschieden, da die jüdischen Tänzer rasch von der Bühne gegangen und dann in Sicherheit gewesen seien.

Mit anderen Worten, die Juden, die Auslöser der Unruhe waren weg – aus dem Blick und aus dem Geschehen – damit kehrte Ruhe ein und die Polizei war nicht mehr von Nöten.  Die Polizei als Ordnungsfakktor war nicht mehr gefragt, dass da gerade ein Straftatbestand erfüllt war, dem man nachgehen MUSSTE, lag völlig außerhalb der Vorstellung. Nicht die Opfer werden in der Öffentlichkeit geschützt, sondern die Täter! Die Opfer werden „in Sicherheit gebracht“, in die vermeintliche Sicherheit des anonymen Aufenthalts, weggesperrt.

Das halte ich für falsch.  Das macht mich ziemlich fassungslos.

Wäre es nicht auch denkbar gewesen, dass sich Herr Arnds und seine Mitstreiter an das Publikum gewandt hätte und es aufgefordert hätte, die jüdischen Tänzer zum Bleiben zu bewegen und sie gegen die Angreifer zu schützen? Aber vielleicht war das mit dem Publikum nicht möglich,  waren Erwachsene in der Minderheit. Das ist von meinem Schreibtisch aus leicht einzufordern.

Auch aus pädagogischen Gründen wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, die Polizei sofort zu rufen und konsequent gegen die Täter vorzugehen, bzw. so zumindest ein sichtbares Zeichen zu setzen, dass eine Grenze überschritten wurde und man das nicht hinnehmen wird! (Auch wenn jetzt das Argument von den Vertrauen bildenden Maßnahmen angeführt werden könnte und Polizei da nicht so hineinpasst.)

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Kommentare»

1. Omar - 24. Juni, 2010

„Wann endlich wird deutlich gesagt, dass deutsche Juden in Deutschland nicht verantwortlich sind für die Regierung eines Staates, dessen Bürger sie nicht sind?“

Etwa wie es implizit ja in der von dir zitierten Stelle der PM steht? Auf der anderen Seite fragst du:

„Könnte ich – auf der gleichen argumentativen Schiene – sonst als Christin nicht auch mit Fug und Recht fordern, dass die hier lebenden muslimischen Bewohner dafür Sorge zu tragen haben, dass die muslimischen Regierungen Irans, Saudi-Arabiens, Ägyptens, des Sudans, die im Jemen und auch die in der Türkei ab sofort und generell das Versammlungsverbot für Christen, die einen Gottesdienst feiern wollen, aufheben…“

Aber, wenn man sich deine früheren Artikel anschaut, dann merkt man schnell, dass du genau das ja bereits tust: Muslimen in Deutschland die Verfehlungen in Saudi-Arabien zu unterstellen – und da bist du nicht allein. Auf die Schnelle findet sich etwa eine Kritik an die ev. Kirche, die wohl zu lasch gehandelt hat.. Hier:
„So verwundert es nicht, dass ausgerechnet hohe Kirchenführer sich dafür stark machen, dass Muslimen die ihnen gemäße Form der „Gottesdienste“ in Moscheen möglich sein MUSS und sie den „Kuhhandel“ weitgehend ablehnen, der da heißt: Moslems bauen in Deutschland eine Moschee, dafür bauen Christen in der Türkei oder Saudiarabien eine Kirche, moslemisches Gemeindezentrum hier, christliches Zentrum dort.“

Oder hier noch deutlicher:

„so zu tun, als gäbe es diese repressalien [in Saudi-Arabien] nicht, bringt aber gar nichts. vor diesem hintergrund ist die frage an die muslime in deutschland zu verstehen: „was versteht ihr unter religionsfreiheit?“.“

Also, wieder müssen wir feststellen, dass du deinen eigenen Rassismus zu rechtfertigen versuchst. Ich bin mir auch sicher, dass man mehr Zitate von dir und anderen dazu finden kann. –> fail!

Ansonsten: Dass es eine Fehleinschätzung des Veranstalters war, die Polizei nicht sofort einzuschalten oder eben das „Verstecken“ der jüdischen Gruppe zu verhindern und dafür die Angreifer zu sanktionieren, da zumindest stimme ich dir zu.

2. Rika - 24. Juni, 2010

Genau das tue ich eben nicht, ich unterstelle den Muslimen in Deutschland gerade nicht, verantwortlich für Saudi-Arabien zu sein oder für die Massaker in Dafur! Es ist absurd, das aus dem von dir verlinkten Beitrag herauszulesen.

Deshalb
in aller Deutlichkeit und Schärfe: Ich habe mir Deine Vorwürfe des Rassismus nun lange genug und wohl auch reichlich geduldig angehört.
Ich weise sie ganz entschieden zurück!

Ich verstehe absolut NICHT, was eine Diskussion über Religionsfreiheit – auf die sprichst du mit dem Link an – mit Rassismus zu tun haben soll.

„Rassismus“ ist aber ein ähnlich gut geeignetes Totschlagargument wie „Religionsfreiheit“ in den Händen und Köpfen derjenigen, die allein schon eine Debatte über die Begriffe verweigern und lieber mit dem Finger auf die anderen zeigen. In Deutschland hatten wir, wie du ja sicher weißt, eine Zeit – und ich hoffe das der Imperfekt wirklich zutrifft – der allerschlimmsten Auswüchse des Rassenwahns gegen andere Menschen. Auch in der jüngsten Vergangenheit gab es leider Übergriffe gegen Menschen wegen ihrer Hautfarbe und „Rasse“ , wie manche Verbohrten immer noch sagen, wenn sie die Tatsache beschreiben, dass Menschen unterschiedlich aussehen und unterschiedliche Sitten und Gebräuche pflegen.

Aber die Religionszugehörigkeit als „Rassemerkmal“ zu stilisieren, was du ja tust, wenn du von meinem Rassismus gegen Muslime redest, das ist nun wirklich nicht hinnehmbar.

Und ich werde es auch nicht länger hinnehmen, sondern deine Kommentare löschen, wenn du dich wieder dieses Vorwurfs bedienst.

Versuche eine andere Sprache und andere Worte für meine Vorurteile zu finden, aber lass diesen unsäglichen Rassismusbegriff aus dem Spiel.

Nichts kommt nämlich der Katastrophe gleich, die von deutschem Rassenwahn ausgelöst wurde. Deshalb ist es unangemessen und unanständig von Rassismus zu reden, wenn es in einer Diskussion um Freiheit, Glauben, Religion, Christen oder Muslime geht.

3. yael1 - 24. Juni, 2010

@Rika

לא יעזור לו כלום

4. Perry04 - 24. Juni, 2010

זה נכון יעל

חלקם רוצים להבין לא רק

5. Perry04 - 24. Juni, 2010

Guter Artikel Rika – letztlich schriebst du, was ich auch selbst gedacht habe. Hier in meiner Stadt richtete die jüdische Gemeinde vorletzte Woche ein Sommerfest aus (war recht gelungen, hätten aber mehr Leute vorbeikommen können) und es war von Anfang an ein sichtbarer Polizeischutz vor Ort und dies aus gutem Grunde, wie sich mal leider wieder zeigte.

6. Joachim - 24. Juni, 2010

Rika, danke für Dein Engegament und die klaren Worte!
Ich kommentiere ja nicht oft hier .. Grüße aus dem Rheinland von apokryphe/Joachim

Man darf den persönlichen Glauben (der Respekt verdient) eben nicht mit allgemeinen Regeln des gesellschaftlichen Umgangs vermengen, wie Kommentator Omar das versucht.

7. Rika - 24. Juni, 2010

Yael, Perry, Joachim,
danke für den Zuspruch!

8. Herr Mazyeck sorgt für Ordnung… | himmel und erde - 28. März, 2013

[…] öffentlich auftreten, kann doch nicht von der Hand gewiesen werden, ich erinnere nur an die Steinewerfer von Hannover. Es waren junge Muslime, die eine jüdische Tanzgruppe bei einem Stadtteilfest mit Steinen […]


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