jump to navigation

Von der Ausbeutung der Natur… 25. Juni, 2010

Posted by Rika in aus küche und keller, aus meinem kramladen.
trackback

… profitiert man auch im Hause Rika!

Holunderblüten...

… Sooo lecker!

Gestern sind der Liebste und ich mit den Fahrrädern in die Feldmark geradelt und haben uns, vorbei an einem prächtigen Weizenfeld und am Feldrand heimtückisch lauernden Brennnesseln und Diesteln, zu einem wunderschön anzusehenden und in voller Blüte stehenden Holunderbusch „vorgekämpft“.

Holunder!

Außer im Frühsommer, wenn er von den hell leuchtenden Blütendolden übersät ist und einen unvergleichlichen Duft verströmt, ist Holunder ein eher unscheinbarer Busch, dem in der Vorzeit allerlei Mythen und Geheimnisse zugesprochen wurden (die in alten Kinderliedern anklingen…  „sitzen unterm Hollerbusch, machen alle husch, husch,husch…), aus dessen Blüten man seither schlecht schmeckende, aber gesunde Tees und „Kräutermedizin“ zubereitete und dessen Früchte heutzutage  im Reformhaus in Form von supergesunden Säften und Brotaufstrichen zu horrenden Preisen angeboten werden.  Den Tee hatte ich in meiner Kindheit ausreichend „genossen“, Saft und Brotaufstrich schmeckten mir nicht (irgendwie dann doch zu gesund!),   kurz und gut,  Holunder stand  nicht auf meinem Speiseplan!

Vor einigen Jahren aber  las ich in einem alten Kochbuch ein Rezept:   „Holunderblüten gebacken“.  Ich probierte es aus – und siehe da, die Hollerküchlein schmeckten vorzüglich. Mein so gewecktes Interesse an Holunderblüten, führte schnell zu weiteren Versuchen, die hübschen Blüten gustatorisch zu nutzen! Und seither koche ich Holunderblütengelee in den verschiedensten Ausführungen und  Holunderblütensirup, der in Verbindung mit Sekt unvergleichliches Entzücken auszulösen vermag.

Gestern nun – siehe oben – war es wieder so weit:   Holunderblütenernte – ergiebig und gut!

Die Verarbeitung der Blütendolden zu Gelee betreibe ich mit einigem Aufwand, weniger aufwendig ist die Zubereitung der Hollerküchlein.

Für die Hollerküchlein bereitet man einen leichten Ausbackteig.  ***   Ich habe heute für ca. 14 Küchlein 4 Eier, 8 El Mehl, 1 El Zucker, 1 P Vanillezucker, 1 gr. Pr Salz, 1 P Backkpulver leicht verrührt und dabei soviel Milch zugegeben, dass es einen nicht zu  flüsigen Teig ergab.  ***   In einer Pfanne mit hohem Rand soviel Öl erhitzen, dass die Küchlein „schwimmen“ können,  jeweils eine Holunderblütendolde in den Teig tauchen und sofort in der Pfanne ausbacken. Sinnvollerweise haben die Blüten von Natur aus Stengel, mit denen man sie eintauchen und in die Pfanne geben kann, da aber der Stengel nicht unbedingt der schmackhafte Teil der Blütendolde ist, schneide ich den Hauptstengel und seine Verzweigungen vor dem Wenden der Küchlein ab!  *** Die goldgelben Küchlein auf Küchenpapier abtropfen lassen ***  und noch heiß und mit Zucker&Zimt genießen.  Sie schmecken auch ohne Zimtzucker hervorragend.  Ich esse sie sehr gerne mit Aniszucker – dafür habe ich immer ein Glas mit Zucker bereit stehen, dem ich eine entsprechende Menge gemahlenen Anis zugegeben habe.  „Entsprechend“ heißt: Das Mischungsverhältnis muss mir entsprechen! 😉   also eine Pi x Daumen – Angelegenheit!

Für den Holunderblütengelee bereite ich zunächst einen Sud aus ca. 8 – 10   Dolden auf gut 1 l Wasser. ***   Dabei achte ich sehr darauf, dass die Blüten frei von allerliebsten kleinen Tierchen sind und nach Möglichkeit auch von einem Busch fern ab von der motorisierten Zivilisation oder beliebten Hundewegen stammen – deshalb der „dornenreiche“  😉  Weg durch die Brennesel zum Hollerbusch, s.o.!  ***   So ausgewählte Dolden müssen vor der Verarbeitung nicht unbedingt „gewaschen“ werden, was nämlich dem Aroma nicht unbedingt zugute käme / kommt! ***  Wobei es an dieser Stelle angebracht ist zu sagen, dass man vorzugsweise die Blütendolden  abschneidet, deren winzige Blüten noch erkennbar gelbe Pollen aufweisen – sie sind die Aromaträger! Blüten in der Knospe oder schon kurz vor dem Verwelken sind wenig bis gar nicht geeignet!   ***   Da auch der Gelee in erster Linie von den Blüten und nicht von den Stengeln sein Aroma beziehen soll, schneide ich alle Stengel relativ kurz unterhalb der Blütenansätze ab und gebe sie in einen hohen Topf mit Wasser.  Ich lasse Blüten und Wasser gut 1/4  Stunde leicht sprudelnd kochen und anschließend gemeinsam auskühlen, anschließend gieße ich  den Sud durch ein sehr, sehr feine Sieb  – die winzigen Pollen dürfen das Sieb durchaus passieren, Stengel und Blüten aber nicht!  *** Parallel zum Sud lege ich weitere 3 – 4  Dolden in eine Schüssel und bedecke sie mit der Menge Gelierzucker, die man für 1 l Flüssigkeit benötigt. (Ich nehme den 1:1-Zucker), dabei mache ich mir allerdings die Mühe, die feinen Blüten einer großen Dolde sorgfältig abzuzupfen, sie finden sich später im Gelee wieder. *** Der Sud verbringt die Nacht im Kühlschrank, die Schüssel mit den unter dem Zucker verborgenen Dolden können gut abgedeckt auf der Anrichte stehen – ich bilde mir ein, dass der Zucker das Aroma so besonders gut aufnehmen kann  😉  *** Am nächsten Tag gieße ich den Sud in einen ausreichend großen Topf und gebe den Zucker mit den darin verborgenen Blüten und Dolden hinzu, nach einigem Umrühren fische ich die Dolden heraus, verfeinere das Gemisch mit einem halben Päckchen geriebener Orangenschlae und einem halben Päckchen geriebener Zitronenschale aus dem „Zuckerbäckerzutatenhandwerk“ und bringe das Ganze zum Kochen.  ( Unerfahrerne Geleeköche verfahren dabei  nach der Vorschrift, die auf der Zuckertüte zu finden ist! )  *** Es versteht sich von selbst, dass die Marmeladengläser samt Deckel peinlich sauber sind und mit kochendem Wasser ausgespült werden! *** Den Gelee in die Gläser füllen, sofort verschließen, kurz auf den Kopf stellen und dann in der richtigen Lage abkühlen lassen.  *** Dann hat man fertig   😉  *** Ich gebe manchmal auch geriebenen Ingwer oder eine Spur Kardamom oder etwas fein gemahlenen Piment hinzu … je nach Nase, Lust und Laune! ***

Erkaltete Gläser von eventuellen Geleekleckern befreien und hübsch beschriften  (dieser Arbeitsgang steht den oben abgebildeten Gläsern noch bevor!)   Die allmorgendlichen Brötchen freuen sich über den leckeren Aufstrich …

Die „Ausbeutung der Natur“   war wieder einmal erfolgreich!

Danke an den Schöpfer und Geber aller Gaben!

Advertisements

Kommentare»

No comments yet — be the first.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: