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Frage: Führen Sie auch immer Steine in Taschen mit sich… 15. Juli, 2010

Posted by Rika in Allgemein.
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… Sie oder Ihre Angehörigen – Bruder, Vater, Mann, Freund, Sohn, Lebensgefährte, Schwester, Tochter, Freundin, Mutter?

Nein?

Ich auch nicht.

Deshalb verwundert es mich auch, dass der Autor des ergreifend verständnisvollen Berichts: „Ali, Tatiana und die Steinwürfe“ wiederum es so gar nicht seltsam findet, dass  „die Kinder“  die Steine, die sie auf die jüdischen Tänzer warfen, schon in ihren Taschen trugen

Tatiana Ilchenko, auch eine Tänzerin, hört, wie ein junger Mann „Juden raus“ in sein Megafon ruft, sie sieht, wie Kinder in ihre Taschen greifen, Steine herausziehen und Richtung Tänzer werfen. Sie ist erschrocken, entsetzt, da muss doch jemand eingreifen, denkt sie.

Da nimmt auch Ali einen Stein. Und wirft.

…. sondern vielmehr  den kleinen Ali stellvertretend für die „Kinder“ als weiteres Täter- Opfer der Sahlkamp-Fete stilisiert  …

Es ist eine Geschichte von Tätern und Opfern also – und ein Versuch, Antworten zu finden, drei Wochen, nachdem die Steinwürfe arabischstämmiger Jugendlicher auf jüdische Tänzer so viele in der Stadt aufgeschreckt haben und selbst Zeitungen in den USA und Israel darüber berichteten.

…   das jedenfalls ist mein Eindruck, den der Artikel wohl auch hinterlassen soll.Das harte und schwere Los der Migranten in Deutschland bringt es halt so mit sich,

Ein anderer Bruder von Ali ist 17 Jahre, der kräftige Oberkörper steckt in einem engen Muskelshirt. Wegen der Duldung dürfe er die Stadt nicht verlassen, nicht mal nach Langenhagen fahren. „Das ist wie im Knast.“ Ob er noch zur Schule geht? „Förderschulabschluss“, sagt er. Was er mal werden will? „Ich weiß es nicht.“ Bei der WM habe er jedenfalls immer den Gegnern von Deutschland die Daumen gedrückt. „Weil ich in diesem Land nie Spaß hatte.“

dass man gegen Juden Stimmung macht und Steine wirft…

Es gibt hier eine Menge solcher Geschichten, Geschichten von schwierigen Bedingungen, begrenzten Fähigkeiten und vom Scheitern, und wahrscheinlich haben sie eine Menge mit Ali und den Steinwürfen zu tun. Wer elf ist, sucht Vorbilder.

Alis Cousin darf dann auch noch mal das Statement wiederholen …

Mohammed, Alis Cousin, ist 15, er trägt eine Schirmmütze und beherrscht die Posen der Rapper. „Alle hier im Viertel hassen Juden“, sagt er. Warum? „Ist eben so.“

… das zur „Rechtfertigung“ erläuternd herangezogen wird:

In der sozialen Hierarchie muss es immer einen geben, der noch tiefer steht – und das sind hier, wo mehr als 80 Nationen in wenigen Blöcken zusammenwohnen, die Juden. Mohammed erzählt von der jüdischen Familie, die aus dem Viertel vertrieben wurde. Eines der Mädchen sei gezwungen worden, Sand zu essen. Sie erzählen das wie eine Anekdote, nicht wie etwas Skandalöses.

… Leider fühlt sich der Autor nicht bemüssigt, das nicht so stehen zu lassen.  Er hätte  zumindest den Lesern dieses Rührstücks sehr klar vermitteln müssen:

Es ist ein Skandal, wenn Menschen beschimpft und vertrieben werden, weil sie   J U D E N    sind!

Artikel wie dieser dienen der Verharmlosung des neu um sich greifenden Antisemitismus, weil sie ihn mit sozialer Ungerechtigkeit, mit Benachteiligung und mit Verständnis zu erklären suchen, statt aufzudecken, was sich tatsächlich hinter der Aussage verbirgt  : „Alle hier im Viertel hassen Juden. Ist einfach so.“

Es geht nicht darum, dass Benachteiligte andere Benachteiligte brauchen, denen es noch schlechter geht, um sich selbst besser zu fühlen, wie uns Thorsten Fuchs glauben machen will,  es geht um  Hass gegen JUDEN.

Das hatte der Sozialarbeiter im Sahlkamp nicht begriffen, der die „Du-Jude“ Schimpfwörter doch längst kannte und der Schreiber dieses „herzergreifenden“  Erklärungsversuchs der Steinewerfer vom Sahlkamp ganz offensichtlich auch nicht.

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Kommentare»

1. peet - 15. Juli, 2010

Sehr gut geschrieben!

2. yael1 - 15. Juli, 2010

Rika, der Link geht leider nicht.

3. yael1 - 15. Juli, 2010
4. skriptum - 15. Juli, 2010

Ja, „Es ist ein Skandal, wenn Menschen beschimpft und vertrieben werden“, und zwar generell!

5. Joachim - 15. Juli, 2010

Leider laufen viele Menschen mit Scheuklappen durchs Leben, bis es sie mal selbst trifft.

6. Rika - 16. Juli, 2010

Danke Yael
für Hinweis und Link!

7. Juebe - 16. Juli, 2010

Als ich heute den wunderbar bissigen Artikel von H. Broder las:
„Zehn Regeln für eine ausgewogene und faire Berichterstattung“
http://www.tagesspiegel.de/meinung/zehn-regeln-/1884470.html

mußte ich an dieses Blog denken.

8. curioustraveller - 20. Juli, 2010

Ich frage mich: Wo bleiben hier die ganzen Leute, die sonst bei jedem politisch unkorrekten Wort (sagen wir mal „Autobahn“) sofort reflexartig „Wehret den Anfängen!“ brüllen? Hier gäbs mal so einige Anfänge…

9. Joachim - 21. Juli, 2010

@curioustraveller:

Wer den linksliberalen Mainstream nachbetet befindet sich immer auf der richtigen Seite – deshalb hat das so einen Erfolg in unserer Gesellschaft. Wer will schon in pöhser „Rechter“ sein?

Mit der Herde laufen ist bequem:

– man hat immer Recht
– man kann Andersdenkende fertigmachen, ohne schlechtes Gewissen – toll !!!
– man wird manchmal belohnt für eine kleine Denunziation
– man muss nicht um den Arbeitsplatz fürchten
– man ist ja sooooo gut!
– man ist modern und aufgeklärt, ohne sich näher mit Kant oder Voltaire beschäftigen zu müssen, wie nett und einfach 🙂
– man muss keinen Widerspruch befürchten
– man kann sich wunderbar erregen in der Pose „J’accuse!!“

Noch Fragen, warum die Political Correctness hierzuland vorherrscht?


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