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Charta Media Özkan’a… 23. Juli, 2010

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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Die    „Magna Charta„,    so lernten wir in der Schule,  war eine  –   mit grundsätzlicher Bedeutung für das spätere englische und in der Folge auch amerikanische  Rechtswesen  –   schriftlich festgelegte Vereinbarung zwischen dem englischen König und dem Adel, in der dem Adel – und später auch den Bürgern –  weitgehende Rechte zugestanden wurden, eine schriftlich garantierte  „Form der Freiheit“  also  und zugleich eine Abkehr vom „Gottesgnadentum“ der englischen Krone. (Siehe dazu auch diese Erklärung)

Über die „Charta der Hamas mag ich hier gar keine Worte mehr verlieren, ich habe es schon oft genug gesagt, dass oberste Priorität dieses „Werkes“  die Vernichtung Israels ist und im weiteren Fortgang die „Befreieung der Welt von den Ungläubigen“, also ebenfalls eine, wenn auch sehr spezielle „Form der Freiheit“, die jeden Demokraten allerdings zum Widerstandskämpfer machen sollte….

Die „Charta Media Özkan’a“ nun, bietet ebenfalls eine sehr spezielle „Form der Freiheit“ an, bzw. fordert sie ein:

Die Freiheit von der Pressefreiheit nämlich in Form einer Selbstverpflichtung der Medien!   Zeitungen, Medien, politische Magazine, ja, selbst so ein Käseblättchen wie die Hildesheimer Nachrichten sollen sich verpflichten, über „Herausforderungen der Integration“ zu berichten und dabei für   den sensiblen Bereich  Migranten und Migration auch besondere Sorgfalt in Sprache und Form walten zu lassen.

Die Charta im Wortlaut:

Der Wortlaut der Charta:

„Der demografische Wandel verändert auch Niedersachsen: Wir werden weniger, älter und vielfältiger. Dadurch ergeben sich neue, veränderte Zielgruppen für die Medien in unserem Land. Bereits 16 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Das wirkt sich auch auf die Medienlandschaft aus. Die Vertreter der niedersächsischen Medien betonen die Aufgabe, den Integrationsprozess in Niedersachsen zu unterstützen. Sie übernehmen die damit verbundene Verantwortung und erklären:

– in ihrer Berichterstattung über Sachverhalte und Herausforderungen der Integration zu berichten und zu informieren,

– eine kultursensible Sprache anzuwenden,

– die interkulturelle Öffnung zu fördern, – die interkulturelle Kompetenz zu verstärken,

– Projekte hierfür zu initiieren und zu begleiten.

Hannover, den 16. August 2010“

entnommen dem Bericht in HAZ-online, der  auch den beträchtlichen Wirbel beschreibt, den Frau Özkan mit ihrer vermutlich nur gut gemeinten Initiative auslöst:

Niedersachsens neue Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) hat am Freitag in der Medienwelt erheblichen Wirbel ausgelöst: Die Ministerin will Journalisten eine „Mediencharta für Niedersachsen“ unterzeichnen lassen. …

Medienvertreter kritisierten die Pläne heftig. „Unverblümter hat seit langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen“, sagte der Chefredakteur der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“, Rolf Seelheim.

Nachdem Frau Özkan gut drei Monate lang so gut wie gar nicht öffentlich in Erscheinung getreten war – bei den „Hannoverschen Steinwürfen“   hat sie sich ja auffällig zurückgehalten –  taucht sie nun mit einem Paukenschlag aus dem  ansonsten politikarmen Sommerloch auf und  irritiert, verstört und verprellt Freund und Feind gleichermaßen. Vielleicht schwebte ihr ja so etwas wie ein Ehrenkodex der Pfadfinder vor, die sich ja auch zu allen möglichen guten Taten verpflichten und die bösen zu unterlassen geloben. Nur das Journalisten keine ehrenamtlich tätigen Wegweiser sind, mag ihr dabei entgangen sein. Natürlich wäre es eine feine Sache, wenn Journalisten jeden Tag oder zumindest jede Woche über eine gute migrantische Tat berichteten und die unangenehmen Dinge höflich außen vor ließen, die Welt wäre gleich viel netter in der Wahrnehmung der Leserinnen und Leser, der Radiohörerinnen und Hörer und des Fernsehpublikums. Doch so liegen die Dinge ja nun mal nicht und die Berichterstatter sind in aller Regel  heute keine Hofberichterstatter mehr, auch wenn man manchmal durchaus den Eindruck haben könnte, dass Journalisten sich zum Sprachrohr der Herrscherinnen und Herrscher machen – ob nun im Fußball und Sport, der Politik oder der Welt der Schönen und Reichen…

Die Sache mit der Pressefreiheit ist der Ministerin  wohl nicht so ganz geläufig.  Sie kann natürlich die Medienmeute bitten, sich im obigen Sinn zu verhalten, aber sie eine Verpflichtungserklärung, eine „Mediencharta“ unterzeichnen zu lassen, das ist nun eine ganz andere Sache.

Ich weiß ja nicht, wer sie bei / zu dieser Initiative beraten oder überredet  hat, aber ganz sicher war es nicht die weiseste Entscheidung, die Verpflichtungserklärung  in der Art wie bei einem feierlichen Gelöbnis der neuen Rekruten anzugehen, aber das hatte sie offenbar vor, auch wenn nach dem ersten Sturm der Entrüstung ihre Pressesprecherin die Situation zu retten versuchte, indem sie die Absichtserklärung relativierte. Die HAZ schreibt dazu:

Die Sprecherin Özkans betonte, dem Ministerium gehe es um einen Erfahrungsaustausch mit den Medien. Die bereits an Chefredakteure und Verlagsleiter versendete Charta sei „lediglich ein Entwurf zur Diskussionsgrundlage“. Dagegen heißt es in der Einladung für einen Runden Tisch zu dem Thema am 16. August in Hannover: „Es ist vorgesehen, dass die anwesenden Medienvertreter die „Mediencharta“ öffentlichkeitswirksam unterzeichnen.“

Man muss sich nicht wundern, dass die Opposition mit Empörung reagiert – so eine Steilvorlage lässt sich wohl niemand entgehen:

Auch die Opposition reagierte empört auf die Ideen der Ministerin. „In Deutschland ist die Pressefreiheit ein hohes Gut und im Grundgesetz verankert“, sagte die Medienexpertin der SPD-Fraktion im Landtag, Daniela Behrens. Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsender hätten ein Recht auf die freie Ausübung ihrer Tätigkeit „Eine Mediencharta schränkt dieses Recht erheblich ein. Freie Medien sind nicht dazu da, Kampagnen von Landesregierungen zu unterstützen.“

Die Linke kritisierte, das Ziel der Charta sei zwar grundsätzlich richtig, der Weg aber falsch. „Die Ministerin verfolgt mit ihrem Anliegen richtige Ziele mit unsensiblen Methoden“, hieß es. Die Grünen kritisierten, die geplante Mediencharta sei ein „Instrument der Zensur“. „Die geplante Sprachregelung mag gut gemeint sein, aber die geplante gemeinsame Absichtserklärung zwischen Medien und Ministerium geht gar nicht“, sagte der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Stefan Wenzel. Er forderte den Ministerpräsidenten und Özkan auf, das Projekt zu beerdigen.

Dass Herr McAllister „mit der Sache nicht befasst“ gewesen sei, ist auch nach zu vollziehen, war der neue Ministerpräsident doch mit wichtigeren Dingen als  dem Umgang der Medien mit sensiblen Migrationsthemen beschäftigt, es dürfte ihn jedoch nicht wirklich erfreuen, dass seine Ministerin auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf Hannover und die Landesregierung lenkt… wo wir doch gerade durch Lena und den neuen BP so gut dastehen und der Fokus des Interesses so herrlich negativ auf Hamburg ruhte…

Nein, diese Aktion ist nicht geeignet, der Landesregierung und ihrem Chef Pluspunkte einzufahren.

Man muss sich vielmehr   fragen, ob Frau Özkan einfach nur naiv ist und ungeschickt taktiert hat oder ob sich hinter diesem neuerlichen Affront  nicht doch eine sehr geschickte Taktik verbirgt…  tarnen und täuschen und ganz lieb gucken!

Heute Nachmittag soll eine Erklärung zur Mediencharta durch die Ministerin erfolgen.

NACHTRAG:

Einen Hinweis auf die Erklärung der Ministerin konnte ich nicht finden.

Ich musste aber noch eine Weile über die Einleitung der „Mediencharta“ nachdenken: “ Der demografische Wandel verändert auch Niedersachsen. Wir werden weniger, älter und vielfältiger.“

„Wir“, damit sind offenbar die Bewohner des Landes Niedersachsen gemeint. Die werden weniger – das könnte die absolute Einwohnerzahl betreffen,  aber auch ein diskreter Hinweis darauf sein, dass die „Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen“ langsam, aber sicher aussterben. (Wobei ich mir hier die Bemerkung erlaube, dass ich auch keine gebürtige Niedersächsin bin, weder sturmfest noch erdverwachsen, sondern Westfälin, eine Zugereiste sozusagen eine Deutschmigrantin in Deutschland.)

Die weniger, weil  „aussterbenden Niedersachsen“ werden zuvor und naturgemäß älter. Somit wäre der Teil der Einleitung geklärt.

Bleibt vielfältiger.

Vermutlich sind damit weder meine Freundin, die  aus Essen zugewandert ist, noch die Freundin, die in Köln geboren wurde gemeint und auch nicht meine westfälische Herkunft.  Gebürtige Bayern, Hessen, Berliner und Neubrandenburger können wir ebenso ausschließen.

Die „Vielfalt“ der Niedersachsen war ja schon immer gegeben,  leben doch Ostfriesen in trauter Eintracht mit Oldenburgern,  Leute aus dem Weserbergland mit den aus dem Eichsfeld zusammen, rangeln Hannoveraner und Braunschweiger seit jeher um die Führungsrolle, kämpfen die Wendländer gegen das Atomendlager und pflegen die Lüneburger ihre Heide und die Nähe zu den Hamburgern. Darüberhinaus wurde in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg die Vielfalt auf vielfältige Weise durch Menschen ergänzt und erweitert,  die aus den „deutschen Ostgebieten“, aus dem jetzigen Polen und der damaligen Sovjetunion mehr oder weniger freiwillig nach Niedersachsen einwanderten – übrigens ist auch das Land selbst erst in der jetzigen Form nach dem Krieg entstanden.  Doch an diese Zuwanderer scheint die Ministerin nicht gedacht zu haben als sie von „vielfältiger“ sprach.

Die neue Vielfalt speist sich aus der Weltvölkergemeinschaft, wobei ich persönlich an die „boat people“ denken muss, die vor ca 30 Jahren in Niedersachsen eine neue Heimat fanden. Meine aus Köln stammende Freundin und ich sammelten damals Geld für die Cap Anamur und die armen Flüchtlinge, die aus Vietnam stammten und dem Kriegs- und Nachkriegschaos zu entrinnen suchten.  Ich kann mich aber nicht erinnern, dass die „boat people“ eine „kultursensible Sprache“ erforderlich machten.  Aber vielleicht war ich damals auch noch nicht für die „Herausforderung der Integration“ sensibilisiert und hatte überdies keine Ahnung von der Bedeutung „interkultureller Kompetenz“, wohl aber von internationaler Esskultur, gab es doch  damals  ein unglaublich tolles vietnamesisches Restaurant auf der Vahrenwalder  in Hannover   –  neben den vielen italienischen, spanischen, jugoslawischen bajuwarischen und griechischen Restaurants in der Stadt.

Das ist heute ja ganz anders.

Die Weltvölkergemeinschaft entsendet nicht mehr so viele Menschen aus dem fernen, dafür aber immer mehr aus dem nahen Osten   ins schöne Niedersachsen. Und ohne interkulturelle Kompetenz kann jeder  verantwortliche Bürger des Landes Niedersachsen  gleich einpacken. (Das gilt besonders für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund,  Straßenbahnfahrer (ich meine die Fahrgäste!), Polizisten, Passanten,  junge und alte Leute von nebenan,   jüdische Tänzer bei Stadtteilfesten,  multikulturell tätige Sozialarbeiter  und überhaupt  und eigentlich ALLE.)

So ist es durchaus zu begrüßen, dass die Medien durch ihre kultursensible Berichterstattung die interkulturelle Kompetenz der geneigten Leser-, Zuschauer- und Hörerschaft hinsichtlich der Herausforderung der Integration stärken und die interkulturelle Öffnung fördern. Wobei ja ganz sicher nur gemeint sein kann, dass sich die wenigen, älteren interkulturell öffnen müssen, weil die vielfältigen sind ja bereits interkulturell, oder sehe ich das falsch?

Und so muss man doch irgendwie zugeben, dass sie sich das doch eigentlich fein ausgedacht hat, die interkulturelle deutsch-türkische Ministerin. Wir weniger und älter werdenden Niedersachsen erwerben mit Hilfe der kultursensiblen Medien interkulturelle Kompetenzen, damit die vielfältigen Niedersachsen uns besser integrieren können in ihre bunte Welt der interkulturellen Vielfalt.

Und das mit Kultur ey un Sprache, ey,   Alter, das machst du!  Echt ey,  easy,  kultursensibel, ey!

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Kommentare»

1. Markus - 24. Juli, 2010

Sehr guter Artikel.
Obwohl ich manchmal schon den Medien eine Art Verhaltenskodex anraten würde. Aber das geht zu weit und vor allem für diese Zielgruppe. Warum ausgerechnet wieder diese Gruppe??

Wenn wir damit erstmal anfangen, wer könnte dann alles eine ….sensible Sprache einfordern???
Wir Christen könnten das auch mit Recht tun, die Juden erst Recht. Aber über uns „alte Deutsche“ spricht keiner.

2. yael1 - 25. Juli, 2010

Sowas nannte man vor kurzen noch Gleichschaltung.

3. Joachim - 25. Juli, 2010

Wenn Frau Özkan etwas geschickter gewesen wäre, hätte sie auch gerade die christlichen Kirchen mit ins Boot geholt und sich allgemein als die Anwältin aller Beleidigten ausgewiesen – so aber, war die eigentliche Absicht natürlich eindeutig zu durchschauen.

Man kann ihr für ihre Ungeschicklichkeit fast dankbar sein.

4. Pjotr Gulgenhoek - 26. Juli, 2010

Wenn „Frau“ Özkan noch einmal die Impertinenz besitzt, von der 6-Melonen-Lüge zu sprechen, kacke ich in den Hausflur vor Wut, wie kann denn bitte sowas im Amt bleiben?

5. Was ich noch zu sagen hätte…. « himmel und erde - 21. Januar, 2013

[…] das erreicht hat, weswegen Herr Wulff sie in sein Kabinett geholt hatte. Sie hat nach außen wenig Sichtbares für die Integration von Migranten getan, aber ich würde mich nicht versteigen in das gleiche Horn […]


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