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Der lutherische Palästinenser aus dem „Heiligen Land“… 26. Juli, 2010

Posted by Rika in Allgemein.
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Das ist so eine Sache mit dem „Heiligen Land“.

Heiliges Land, Gottes Land, biblisches Land, jüdisches Land, Land der Verheißung…

Heiliges Land – ein Begriff, der den biblischen Bezug des „Landes“  beschreibt, auf dessen (Teil)Gebiet  der heutige Staat Israel liegt mit seinen vielen biblischen Stätten, jüdischen wie jesuanisch-christlichen mit seiner Hauptstadt Jerusalem, die schon Hauptstadt eines jüdsischen Staates war, als weder von Christen noch von Arabern  und schon gar nicht von Palästinensern die Rede war. In einem biblischen Bezug hat der Ausdruck in Predigten und Andachten auch durchaus seine Berechtigung.

Nun lebt die lutherische Kirche weltweit aber nicht in heiligen biblischen Ländern, sondern agiert, arbeitet, glaubt und lebt in Staaten, die als solche auch mit ihrem Staatennamen gekennzeichnet sind. Allenfalls macht man noch in Deutschland (und vielleicht auch anderswo) Unterscheidungen  hinsichtlich der innerstaatlichen „lutherischen“ Gebiete, sprich Landeskirchen.

Anders verhält es sich mit DEM   „Heiligen Land“. Das existiert, folgt man der kirchensprachlichen Begrifflichkeit, wohl  im staatenlosen Nirgendwo irgendwo im Nahen Osten, verfügt anscheinend  weder über staatliche Systeme noch über eine Hauptstadt, wenn man die Meldungen liest, die über den neuen Präsidenten des Lutherischen Weltbundes berichten.  Der wird als  „Palästinenser aus dem Heiligen Land“ vorgestellt, geboren in Jerusalem.

Als der neue Präsident geboren wurde, war er „noch“ ein christlicher Araber. Die „Heilige Stadt“ Jerusalem war zu dem Zeitpunkt  bis auf den neuen Teil weitgehend von Juden befreit und von Jordanien, verwaltet  – eigentlich müsste man sagen:  besetzt. Dank des unermüdlichen Eifers eines gewissen Herrn Arafat, selbsternannter Führer und streitbarer Terroristenchef, wurden alle Araber des „Heiligen Landes“ zu Palästinensern, was sie fortan gegenüber allen anderen Arabern der Region auszeichnete als  Staatsbürger eines nicht existierenden  Staates Palästina, den es ja, wie wir alle wissen, nie gegeben hat. Wohl aber die Bezeichnung „Palästina“ für das geografische Gebiet, das damals von den Briten als Mandat verwaltet wurde und auf dessen heutigem geografischen Gebiet die Staaten Jordanien und Israel  liegen.

„Lila von Rungholt“ macht in ihren Blogbeiträgen immer wieder darauf aufmerksam, dass vor der Gründung Israels alle Bewohner – Araber ebenso wie Juden –  kurz und knapp „Palästinenser“ waren, dem regionalen Mandatsgebiet entsprechend. Siehe z.B.  in diesem  Beitrag dieses Zitat:

Und Heimatland der Palästinenser? Schon, es kommt nur darauf an, wie man Palästinenser definiert. Die heutige Sprachregelung, mit der nur Araber als Palästinenser gelten, ist sehr modern – ja jünger als ich (und ich bin zwar kein spring chicken mehr, aber mit dem Alter, den zB das Wort „Jude“ oder „Judäa“ hat, kann ich trotzdem nicht konkurrieren!). Jeder regelmäßige Leser meines Blogs weiß, daß mein geschätzter Schwiegervater als Palestinian geboren wurde – nämlich als Palestinian Jew.

Heute allerdings ist die Bezeichnung „Palästinenser“  zu einem Kampfbegriff geworden und zugleich zu einem mitleidheischenden Synonym  für vermeintlich entrechtete und verfolgte Flüchtlinge, die seit der jüdischen Staatsgründung  einen nimmermüden Kampf gegen den großen Goliath führen und dabei nach Kräften von der Weltgemeinschaft finanziell und in vielen Ländern auch ideologisch unterstützt werden. Das auch hier die unermüdliche Propaganda der Pal-Araber zu einer Trübung des Geschichtsbewusstseins und zu Verdrehungen der Tatsachen geführt hat, der wohl meinende Friedenskrieger in schöner Regelmäßigkeit auf den Leim gehen, ist zwar eine traurige Tatsache, soll hier aber nicht näher erläutert werden.

„Das Heilige Land“ immerhin  gibt es  gleichwohl zu bereisen und zu besuchen. Man findet es – zum großen Teil  –  als  „Staat Israel“ mit der Hauptstadt Jerusalem,  was aber die Mehrheit der demokratischen Staaten dieser Welt nicht so gerne sieht und darum darauf besteht, Tel Aviv als Stadt der diplomatischen Vertretungen und damit als Pseudo-Hauptstadt Israels zu führen. (Man stelle sich vor, die Mehrheit der demokratischen Staaten dieser Welt würden Berlin nicht als Hauptstadt Deutschlands anerkennen und stattdessen am gemütlichen alten Bonn festhalten oder als Alternative Frankfurt am Main zur Hauptstadt erklären.  Oder man würde Rom als Zentrum der Christenheit, nun nicht mehr geeignet finden, gleichzeitig die Hauptstadt des italienischen Staates zu sein oder würde statt Wien lieber Klagenfurt zur Hauptstadt Österreichs machen. Ich weiß, das klingt ziemlich an den Haaren herbei gezogen, aber wieo um Himmels willen, soll es weniger an den Haaren herbeigezogen sein, Tel Aviv zur Hauptstadt Israels zu erklären, wo doch schon vor 1000en von Jahren Jerusalem die Hauptstadt des jüdischen Staates war… ?)

Aber ich schweife ab.

Was ich eigentlich sagen will, ist, dass es doch ziemlich merkwürdig ist, dass ausgerechnet die Kirchen so einen Eiertanz um den Begriff   „Staat Israel“ machen und statt dessen vom „Heiligen Land“  reden, wenn sie das moderne jüdische Staatswesen im Blick haben!  Als damals der Herr Huber eine Reise  ins „Heilige Land“ antrat und in der Pressemappe zwar „Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten als Staatennamen auf der Landkarte auftauchten,  nicht aber  „Israel“, begründete man das auf Nachfrage damit, der Raum auf der Karte sei für den langen Namen einfach nicht groß genug gewesen.  Ich wollte das damals sogar (gerne) glauben, weil ich mir einfach nicht vorstellen mochte, dass die große evangelische Kirche in Deutschland den jüdischen Staat so einfach klammheimlich verleugnet.

In der Berichterstattung über den neuen Präsidenten des LWB taucht aber wieder nur der Begriff „Heiliges Land“ auf, von Israel ist nicht die Rede:

Die LWB-Vollversammlung wählte den 59-Jährigen, der als Bischof für die palästinensischen Christen im Heiligen Land und in Jordanien zuständig ist, am Samstag in Stuttgart in das Amt. Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland gratulierten ihm zu seiner Wahl.

Man beachte die Wortwahl auch in diesem Bericht: Christen im Heiligen Land und in Jordanien!  (Hervorhebung von mir)  Wenn also heute   von dem Palästinenser aus dem „Heiligen Land“ die Rede ist und damit ein Bischof aus Jerusalem gemeint ist, dann stimmt mich das schon sehr, sehr nachdenklich!  Palästinenser JA, Israel NEIN! Man tut so, als gäbe es den Staat Israel gar nicht und als lebten in Israel keine Christen für die der Bischof zuständig wäre.

Vielleicht bin ich aber auch nur vollkommen desinformiert und für die Christen in Israel ist Herr Younan tatsächlich gar nicht zuständig, sondern irgendein anderer evangelisch-geistlicher Herr?

Das mag ja sein.

Aufklärung über den seltsamen Titel  gibt dieser Text, der u.a. darauf hinweist, dass die Bezeichnung „Jordanien und Heiliges Land“ bereits im 19. Jahrhundert kreiert wurde und offenbar bis heute beibehalten wird:

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELKJHL) wurde im 19. Jahrhundert von Deutschen gegründet. Younan wurde 1998 als Bischof in der Evangelisch-Lutherischen Erlöserkirche in Jerusalem eingeführt – als dritter palästinensischer Bischof der Kirche. Die ELKJHL gehört seit 1974 dem LWB an und hat rund 3.000 Mitglieder.

Immerhin gibt der Text einen Hinweis auf die historisch begründete Kirchenbezeichnung  – man lernt nie aus !

Eigentlich hätte ich es mir denken können, wird doch das (größte) evangelisch-lutherische  Kirchengebiet in Niedersachsen „Hannoversche Landeskirche“ genannt, vermutlich auch noch an die seligen Zeiten hannoverscher Könige anknüpfend und  andere Kirchengebiete in Deutschland tragen  schöne Namen wie  „Nordelbien“  oder „Hessen-Nassau“.

Aber hätte man nicht, angesichts des allgemein schlechten Informationsstandes des Nicht-, wie des Kirchenvolkes darauf hinweisen können, dass es sich eher um eine kircheninterne „Flurbezeichnung“,  denn um eine  „richtige“ Verortung des „Heiligen Landes“ handelt!

Natürlich muss der Bericht auch den  Flüchtlingstatus des Bischofs hervorheben:

Bischof Dr. Munib A. Younan wurde am 8. September 1950 in Jerusalem geboren. Sein Vater, Andria Younan aus Beersheba, und seine Mutter, Alice Qandalaft aus West Jerusalem, waren von 1948 an Flüchtlinge. Younan besitzt immer noch eine Ausweiskarte des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), die seinen Flüchtlingsstatus belegt.

Das macht sich ganz einfach besser und fördert sicherlich viele Sympathien ….  nicht ohne auf das Aufbauen neuer Antipathien zu verzichten …

Bischof  Younan hat im vergangenen Jahr einen Aufruf unterzeichnet,

in dem die Besetzung der palästinensischen Gebiete als „Sünde gegen Gott und die Menschen“ bezeichnet wird.

Es stimmt mich immer wieder traurig und macht mich fassungslos, wenn Christen in so drastischer Weise einseitig die Position arabisch-palästinensischer Israelgegner vertreten. Und die Vorstellung nach zu vollziehen, dass sich Herr Younan mit dieser Unterzeichnung   „für den Frieden zwischen Israel und den Palästinensern“   einsetzt, wie an anderer Stelle versichert wird,  fällt mir ausgesprochen schwer.

Aus dieser  Quelle geht übrigens auch hervor, dass der Bischof tatsächlich  „nur“  für Christen in Jordanien, Jerusalem und Gemeinden in der Westbank zuständig ist, von Christen im übrigen  Israel selbst  ist nicht die Rede…

Ich hoffe und bete, dass meine Vorbehalte sich als  haltlos erweisen, meine Befürchtungen als unbegründet  und dass der Mann an der Spitze des großen evangelisch-lutherischen Weltbundes  sein Feindbild von Israel als „sündigem Besetzer palästinensischen Landes“ revidiert und so dazu beiträgt, dass ich gleichfalls  mein Feindbild von einem evangelisch-palästinensischen  Bischof, der gegen Israel kämpft, aufgeben  kann…

………………………………………………………………………………………………………………………………………..

NACHTRAG im August:

Im Internet fand ich einen Hinweis darauf, dass der Bischof seine Unterschrift unter das Kairos-Dokument  inzwischen  zurückgezogen habe.

Wer sich näher mit dem „Kairos-Palästina-Dokument“ auseinandersetzen möchte, kann den Text lesen und eine kritische Stellungnahme, die der   „Pfarrer für das Gespräch zwischen Christen und Juden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg“, der evangelische Theologe Dr. Michael“ verfasst hat.


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