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Kollaborateure… 24. September, 2010

Posted by Rika in israel.
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… werden, sofern sie mit Israel kollaborieren, hingerichtet. Nicht von den Israelis – das  entspräche allerdings eher dem Feindbild „Israel“ -, nein, von den „eigenen“ Leuten in Gaza und im Westjordanland.  Seltsamerweise finden diese Hinrichtungen kaum oder gar kein Echo in den deutschen Medien, die sonst über getötete Palästinenser berichten und Israel dafür verantwortlich machen und verurteilen.

Aber natürlich trägt Israel auch die Verantwortung für das Töten der Kollaborateure durch die „Widerstandskämpfer“ der Hamas und Fatah.  Das jedenfalls schreibt Sumaya Farhat-Naser in ihrem Buch „Disteln im Weinberg“.  Ab Seite 95 berichtet sie über  Ra, den Jungen, der von seinem Onkel „angeworben“ wird mit den Worten:

„Diese Verbrecher (gemeint sind in diesem Fall NICHT  die Israelis, sondern Palästinenser aus dem Dorf. Anmerk. von mir.) haben deinen Vater getötet, sie haben kein Herz. Wenn du Rache üben willst, so helfe ich dir. Hier, nimm dieses Handy,folge diesen zwei Personen, beobachte, wo sie hingehen, mit wem sie sich treffen, wie ihr Tagesablauf aussieht, und berichte es mir.“

Ra tut, was der Onkel ihm rät, wird aber bald darauf an einen anderen Mann verwiesen, der ihm in Zukunft die Aufträge zur „Beobachtung“ gibt. Aus dem Verhör-Video der Palästinenser , dem Frau Farhat-Nasers  Bericht über Ra zugrunde liegt, geht hervor, dass die Männer, die Ra beobachtete, von „den Israelis“ umgebracht wurden.

„Wieviel Menschen sind gestorben?“ fragt der Vernehmer. „Acht“ antwortet der Jugendliche. „Hast du sie getötet?“ wird gefragt.  Ra antwortet mit „Ja“.  „Welche Strafe verdienst du?“ „Ich verdiene den Tod.“ „Welchen Tod verdienst du?“ „Ich verdiene es, auf grausamste Weise getötet zu werden. Wie einen Hund soll man mich durch die Straßen schleifen.“   (Die wörtliche Rede zitiere ich wörtlich! Seite 98)

Ra wird schließlich erschossen.  Die Autorin kommentiert das Geschehen wie folgt:

„Ein Tabuthema wie dieses anzusprechen ist sehr gefährlich. Der israelische Geheimdienst will das Kollaborateurensystem für die Besatzung und Beherrschung aufrecht erhalten.“  Sie berichtet ferner, dass die meisten Kollaborateure zwischen 12 un 17 Jahren alt sind und „im Gefängnis rekrutiert [werden], wo sie extremem physischem und psychischem Druck ausgesetzt sind – durch Schläge, sexuellen Missbrauch und Androhunglanger Haftstrafen. …“ Seite 99 f

Ihre unterschwellige Botschaft lautet: Es ist die Besatzung, es sind somit die Israelis, die die Schuld für die Tötung der Kollaborateure tragen.  Das Töten selbst wird von ihr zwar zutiefst bedauert, aber nicht hinterfragt, nicht einmal im Ansatz. Genauso wenig übrigens wie die Tatsache, dass mit dem „Ausüben  Wollen der Rache“ der junge Ra von seinem Onkel zur Kollaboration verführt wird.

Das Buch, das die Friedensaktivistin als ihren Beitrag zum Kampf ihres Volkes begreift,  ist nur sehr schwer zu ertragen, reiht es doch  eine „israelische Gräueltat“  an die nächste.  Auch wenn die Autorin immer wieder beteuert, trotz ihrer Wut, ihres Zorns und ihrer Trauer  keinen Hass zulassen zu wollen, sind es aber genau diese Gefühle von Trauer,  Unverständnis, Wut und  Zorn, die sie mit subtiler Suggestivkraft im Leser hervorruft und weniger israelfreundlich gestimmte Menschen als ich könnten durchaus zu Verachtung oder gar Hass gegenüber Israel angespornt werden – ganz im Sinne der „Friedensarbeit“, für die Frau Farhat-Naser ausgezeichnet wurde…

Warum ich ausgerechnet heute darüber schreibe?

Weil die heutige Ausgabe von Israelnetz über die Todesstrafe für einen Kollaborateur berichtet:

Bei dem Verurteilten handelt es sich nach Angaben des PCHR um den 28-jährigen Omar Hmeidan Kaware aus Chan Junis. Er war bei einer Massenfestnahme von Kollaborateuren durch Hamas-Sicherheitskräfte verhaftet worden. Nun soll er durch ein Exekutionskommando hingerichtet werden.

Al-Ghusein bezeichnete die Festnahmen als „Sieg gegen Israel“: „Der Besatzung ist es misslungen, Gaza in einen Morast von Kollaboration und Verrat zu verwandeln.“ Alle Verdächtigen, die sich in Gewahrsam befänden, hätten ihre Verbrechen gestanden, fügte er laut der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma´an“ hinzu.

Wie das PCHR mitteilte, warten fünf Palästinenser auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile wegen Kollaboration. Drei weitere wurden im Mai hingerichtet. Nach Auffassung der Menschenrechtsorganisation sind Kollaborateure „ein fester Bestandteil der israelischen Besatzung“. Deshalb müssten sie belangt werden. Doch jeder habe das Recht auf einen fairen Prozess.

Ich kann nicht beurteilen, inwieweit die Anschuldigungen, die Frau Farhat-Naser erhebt, gerechtfertigt sind.  Ich kann auch nicht beurteilen, inwiefern Israels Sicherheit von der Zusammenarbeit mit Palästinensern im Gazastreifen und Westjordanland maßgeblich abhängig ist.

Aber ich empfinde es als menschenverachtend und zynisch, wie die „Palästinensische Organisation für Menschenrechte“ mit diesem und wohl ähnlichen Todesurteilen umgeht. Nicht das Töten wird kritisiert, sondern die Tatsache, dass das Urteil „nicht der gesetzgebenden Gewalt zur Bewilligung vorgelegt worden sei“. Die eigenen Leute werden getötet, weil es dem Kampf gegen Israel dient. Es ist eine andere Variante der Gewalt und des Tötens, die/das grausam und blutig in den „Selbstmordattentaten“  gipfelt. Selten nur werden die arabisch-palästinensischen Terrorakte von deutschen Politikern und / oder  in den Meinung bildenden Medien scharf verurteilt.   Für die Friedensaktivisten in unserem Land   sind die Selbtmordattentate legitime Formen des Widerstandes. Frau Farhat-Naser hält wohl auch die Entführung „eines israelischen Soldaten“ von israelischem Gebiet in den Gazastreifen für einen „Widerstandskampf“, schreibt  sie doch  in ihrem Tage-Buch  „Disteln im Weinberg“ von Widerstandskämpfern, die die Entführung durchführten.     Den Namen des Soldaten,  Gilad Schalit,   kannte sie wohl beim Erstellen ihres  Tagebucheintrags vom 25. Juni noch nicht, aber sie verschweigt ihn auch  in dem Eintrag vom 28. Juni, den sie über die „israelische Militärakation Sommerregen“ schreibt, die auch prompt ihr Echo in den Medien  findet ! Über palästinensische Gewalt gegen Israel wird man  dagegen nur wenig in deutschen  Zeitungen und Magazinen erfahren und schon gar nicht ohne den erklärenden Hinweis auf die Notlage der Menschen in den „Besetzten Gebieten“.

Und palästinensische Gewalt gegen Palästinenser ist erst recht kein Thema für die Friedensbewegten in unserem Land. So wird man über das Todesurteil für den Kollaborateur vermutlich nicht aus unseren Zeitungen erfahren.

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