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Glockengeläut… 30. September, 2010

Posted by Rika in aus meinem kramladen, meine persönliche presseschau.
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Wenn man, wie ich, in einem kleinen Städtchen aufgewachsen ist, das zudem in der abendländisch-christlichen Tradition verwurzelt war, dann gehört das Glockengeläut einfach zum Leben dazu. In meinen ersten Lebensjahren wohnte ich in etwas größerer Entfernung zum nächsten Kirchturm, entsprechend leise war das Geläut der Glocken zu vernehmen, dafür aber umso lauter das Dröhnen der Maschinen in den Fabriken, die auch des nachts nicht ruhten.

Ein Umzug an die Grenze zu den Niederlanden verschlug uns ins tief katholische Münsterland und die Wohnung lag in unmittelbarer Nähe einer Kirche mit einem – so schien es mir damals – gewaltigen Glockenturm, von dem nicht nur die Stunden verkündet wurden,  die halben und die viertel natürlich auch!!!,  sondern vor allem  zur Messe und den täglichen Gebetszeiten geläutet wurde,  natürlich auch in aller Herrgottsfrühe um Fünf! Es dauerte einige Tage und wir hatten uns an das morgendliche Gewecktwerden gewöhnt, schliefen wieder ein und wurden später erst gar nicht mehr wach. (Wir waren ja nicht katholisch… 😉  meine Mitschülerinnen besuchten manchmal schon vor Schulbeginn die erste Messe!)

Meine weiteren Stationen führten mich über diverse Städte mit diversen Kirchen und mehr oder weniger lauten Glocken in mein jetziges Dorf mit einer nur kleinen Kirche und einer eher leisen Glocke, die brav die Stunden zählt  – die halben, wie auch die viertel -, auch in der Nacht.

Ob in der großen Stadt vor den Toren meines Dorfes auch noch die Stunden per Glockenklang verkündet werden, weiß ich nicht so genau, aber an Sonntagen ist es schon ein wunderbarer Klang, wenn von den Kirchtürmen der Stadt zum Gottesdienst eingeladen wird – und das höre ich schon, weil meine Gemeinde in der großen Stadt liegt und von allen Seiten kurz vor Zehn die Glocken der umliegenden Kirchen   zu hören sind… Baptistengemeinden haben in aller Regel kein Glockengeläut.

Den Ruf eines Muezzins hörte ich zum ersten Mal in Israel, laut und durch einen Lautsprecher leicht verzerrt und schrill. In der Altstadt von Jerusalem ist er besonders durchdringend und überall zu vernehmen ….   Mir klang er wie ein Schlachtruf!  Während unserer diesjährigen Türkeireise war der Muezzinruf unser morgendlicher Wecker, schrill und für meine Ohren auch nicht schön, aber es gibt schlimmere Wecker! Als ich später  in einer Biographie las, wie sehr die Autorin die Poesie des Muezzinrufs  in deutschen Landen vermisst, konnte ich das nicht so recht nachvollziehen, sagte mir aber, dass es für nicht christlich sozialisierte Menschen wohl auch nicht nachvollziehbar ist, dass Glockengeläut ein angenehmes Gefühl von Vertrautheit  hervorrufen kann  – sofern man es überhaupt noch bewusst wahrnimmt – und dass man sich wohl mehr oder weniger mit den örtlichen Gegebenheiten abfinden und sich ihnen anpassen muss.

Muss man aber wohl nicht überall!

In einer kleinen Stadt haben  Zugereiste eine Eingabe gegen das Glockenläuten gemacht. Nun stört die Glocke weder den nächtlichen Schlaf, noch das Heimatgefühl der Zugewanderten.

Hier kann man die Geschichte nachlesen, die ich bei achgut entdeckt habe.

Wie heißt es doch in Schillers Lied von der Glocke so trefflich:


Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen….

Es wäre vielleicht nicht so schlecht, „Die Glocke“ zum verbindlich-verbindenden Kulturgut zu erheben… man muss sie ja nicht unbedingt auswendig lernen… aber lesen, lesen sollte man sie!

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Kommentare»

1. kirchenglocken - 10. November, 2010

Wenn mensch das glockengeläut gar nicht mehr bewusst wahrnimmt, wozu soll es dann gut sein?
Und: nicht nur der ruf des muezzins ist laut und schrill, auch die glocken dröhnen und scheppern dass die einem das leben zur lärmhölle gemacht wird!


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