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Preisvergabe (n) … 9. Oktober, 2010

Posted by Rika in aktuell, islam.
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Dass der Friedensnobelpreis an den inhaftierten chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobao geht, zeigt, dass das Nobelkomitee doch noch mit feinem Gespür für das politisch Notwendige agieren kann – bei der Auszeichnung  Obamas im letzten Jahr musste man das ja doch bezweifeln -, und sich dabei auch nicht scheut, einen großen und politisch wie wirtschaftlich mächtigen Staat zu brüskieren. Die Regierung Chinas hatte bereits im Vorfeld vor der Auszeichnung Liu Xiaobao gewarnt und ihn als Kriminellen bezeichnet. Entsprechend fiel  die Reaktion der Staatsführung aus.

Glückwunsch an Liu Xiaobao,  und ich hoffe inständig, dass er nicht nur davon erfährt, dass der Preis IHM verliehen wurde – bisher durfte seine Frau ihm nichts davon berichten und die staatlichen Organe werden die Übermittlung der guten Nachricht sicher nicht übernommen haben -, sondern dass er keinen  neuerlichen und weiteren Repressalien wegen der Preisverleihung  ausgesetzt sein wird. Zu glauben, dass er demnächst aus dem Gefängnis freikommen wird, ist wohl eine Utopie!

Auch ein anderer Preis, der heute vergeben wurde, missfiel einigen, um nicht zu sagen, vielen Leuten:

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard ist unter Protest mit einem weiteren deutschen Medienpreis ausgezeichnet worden. Zusammen mit dem bulgarischen Reporter Assen Yordanov und dem afghanischen Journalisten Sayed Yaqub Ibrahimi erhielt er den Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien. „Pressefreiheit ist noch an zu vielen Orten der Welt gefährdet – auch an Orten, wo man nicht mehr damit rechnete oder rechnen darf“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitagabend bei der Verleihung der Auszeichnung auf einem Medienkongress in Leipzig.

Ich muss hier sicher nicht betonen, wie wichtig ich die Vergabe an Westergaard finde, den Zeichner der umstrittenen Mohammed-Karikaturen und schließe mich darum einfach  den Aussagen unseres Innenministers und des Leipziger Oberbürgermeisters an, die ihre kritische Haltung zu den Karikaturen nicht verleugnen, aber der Meinungsfreiheit einen höheren Rang einräumen als der  Befindlichkeit einer religiösen Organisation, die, wenn es um Ungläubige geht, nicht zimperlich ist in der Wahl der Mittel, diese mundtot oder ganz tot zu machen!

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und de Maizière distanzierten sich zwar von den Karikaturen, verteidigten aber den Preis. „Persönlich, als bekennender Christ, habe ich ein Problem damit. Aber die Meinungsfreiheit ist der persönlichen Einschätzung überzuordnen“, sagte Jung. Der Innenminister sagte, Westergaard verdiene Respekt und uneingeschränkte Wertschätzung der Demokraten in der ganzen Welt.

Glückwunsch an die Preisverleiher und an den Empfänger gleichermaßen! Der Glückwunsch gilt auch den beiden mit Westergaard ausgezeichneten, den bulgarischen Reporter Assen Yordanov und den afghanischen Journalisten Sayed Yaqub!

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Kommentare»

1. fille - 11. Oktober, 2010

Ich finde nicht, dass Westergaards Karikaturen so toll sind, dass sie einen Preis verdienen.

Und aus politischen Gründen würde ich ihm diesen Preis auch nicht geben.

Es ist so einfach, das, was anderen heilig ist, mit Füssen zu treten. Ich verdiene nicht, dass das einen Preis verdient, erst recht nicht, wenn deshalb Mord und Totschlag passiert.

2. Rika - 14. Oktober, 2010

Da magst du schon Recht haben, dass es preiswürdigere Karikaturen gibt – rein künstlerisch betrachtet -, aber Westergaard hat ja auch keinen Kunstpreis bekommen, sondern einen Medienpreis!
Und du hast sicher auch Recht, dass es einfach ist, das, was anderen heilig ist, mit Füssen zu treten – Christen erleben das seit Jahrzehnten, z.B. durch verunglimpfende und / oder spöttische Berichterstattung im Spiegel zu allen hohen Feiertagen, durch ironisch-kritische Berichterstattungen über Fromme, Glauben, kirchliche „Würdenträger“ oder die berühmt-berüchtigten „Evangelikalen“ und „Fundamentalisten“.
Selbst als die jungen Frauen im Jemen brutal ermordet wurden, hieß es zu allererst, sie seien selbst Schuld, schließlich hätten sie „missioniert“, ohne das überhaupt auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft zu haben.
Niemand kam auf die Idee, dass es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die allgemeine Religionsfreiheit war – und bis heute ist, wenn Menschen wegen ihres Glaubens oder in Ausübung ihrer religiös motivierten Hilfsbereitschaft oder ihres Berufes als Pastor / Ordenschwester oder was auch immer getötet wird, wie es ja immer wieder der Fall ist, siehe Pastoren im Gazastreifen, koptische Christen in Ägypten, Geistliche in der Türkei usw., usw!

Die Presse- und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, und es käme mir nie in den Sinn, sie wegen meiner persönlichen religiösen Befindlichkeit für die Berichterstattung Christen auszusetzen. Das gilt eben auch für Berichte über Buddhisten, Kommunisten, Atheisten, Kapitalisten, Islamisten und Muslime.
Punkt!


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