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Deutsch? Nein, danke! 18. Oktober, 2010

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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Natürlich, sagen auch die Migrantenverbände, sei es unerlässlich, dass man in Deutschland die deutsche Sprache beherrsche und darum sei es zu begrüßen, dass im Unterricht deutsch gesprochen werde, aber auf den Schulhöfen, bitteschön,  müsse man es den Schülerinnen und Schülern schon überlassen, in welchen Sprachen sie miteinander redeten.

Und deshalb wehren sich die Migrantenverbände auch gegen eine mögliche „Deutschpflicht“ auf deutschen Schulhöfen,  wie sie beispielsweise von der FDP gefordert wird. Nachzulesen in diesem Bericht:

Migrantenverbände in Deutschland haben den Ruf nach einer Deutschpflicht auf Schulhöfen heftig kritisiert. „Dies führt zu Stigmatisierung der Migrantensprachen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung vom heutigen Freitag. Bund und Länder müssten die Fähigkeit zur Mehrsprachigkeit und die sprachliche und kulturelle Vielfalt in Deutschland fördern, forderten die Verbände. „Wir sind sehr besorgt“, betonten die Verbände. Das Europarecht schütze die Muttersprachen der Wanderarbeitnehmer. Gleichzeitig versicherten sie: „Die Erstrangigkeit der deutschen Sprache ist für uns selbstverständlich.“

„Stigmatisierung der Migrantensprachen“, ja, das ist freilich ein Problem der besonderen Art! Da klingt wieder die „Opferrolle“ durch, ein Jammern darüber, dass man „hier“ eben nur die Minderheit ist, die von der Mehrheitsgesellschaft benachteiligt wird.

Es gäbe aber auch eine andere Lesart für die Migrantenverbände, eine die sich wirklich um das Gemeinsame bemüht und darum, es den Kindern der Einwanderer leichter zu machen, hier Fuss zu fassen, eine Lesart, die sich aus der Sicht der Pädagogen mit dem Problem beschäftigt.

Kein Lehrer, keine Lehrerin wird ein Problem damit haben, wenn kleine Mädchen im Grundschulalter mit ihren Freundinnen auf dem Schulhof Türkisch oder Arabisch sprechen – das gilt für kleine Jungen genauso. Wenn aber Halbwüchsige und pubertierende Jungen und Mädchen auf dem Schulhof in  (großen)  Gruppen zusammen sind und ihre jeweilige Muttersprache als Ausschlusskriterium für alle anderen Mitschülerinnen und Mitschüler dient, ist das schon ein Problem, das die Zusammengehörigkeit der Schulgemeinschaft  empfindlich beeinträchtigt. Da wird Sprache nämlich als ein gezieltes Mittel zu Absonderung und Ausgrenzung eingesetzt. Und wer je einmal auf einem Schulhof Aufsicht geführt hat, der wird begreifen, wie schwer es sein kann, solche Strukturen aufzubrechen. Das hat nicht nur etwas mit Migration zu tun, sondern auch viel mit Pubertät und der in dieser Phase des Lebens besonders virulenten Form der Auseinandersetzung mit Autorität und Macht, die ja in der Schule eben an der Person der Lehrerin, des Lehrers festgemacht wird. Lehrerinnen und Lehrer müssen generell viel Überzeugungsarbeit leisten für das Einhalten von  Absprachen und Regeln, bei „freiwilligen Regeln“ umso mehr, und sie haben ohnehin  kaum Möglichkeiten das Übertreten dieser Regeln zu sanktionieren – und noch viel weniger Spielraum, sofern diese Regeln eben auf einer freiwilligen Selbtverpflichtung beruhen.

Wenn den Kindern und Jugendlichen nun ausdrücklich mitgeteilt wird, dass es gar keine rechtlich abgesicherte Pflicht zur Schulhofssprache DEUTSCH gibt, macht das die (freiwillige)  Einhaltung einer schulinternen Regel sehr viel schwieriger und es hängt einzig von dem guten Willen der Schülerinnen und Schüler ab, ob sie „freiwillig“ Deutsch reden oder nicht. Die Erfahrung der Lehrer   –  und an Schulen in Problembezirken allemal  –   zeigt aber, dass der „gute Wille“ ein seltener Gast auf Schulhöfen ist – auch bei „deutschen“ Schülern -, und es einfach sehr hilfreich ist, wenn man nicht nur an den „guten Willen“ appellieren, sondern auch eine Pflicht einfordern kann.

Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Stigmatisierung zu tun.

Leider haben unsere Migranten unterstützenden Politiker die Realität an den Schulen aus den Augen verloren, obwohl viele von ihnen in ihrem früheren Leben als Lehrer / Lehrerin  täglich hautnah mit Schule konfrontiert waren.

Ich wünsche mir, dass  in diesem Fall nicht alles durch die „Opferbrille“ der Migranten betrachtet, sondern an der Realität gemessen wird, die jeden Tag auf Schulhöfen und Schulen in Deutschland stattfindet.

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Kommentare»

1. Rika - 18. Oktober, 2010

Man kann das Problem auch so sehen und „besingen“:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/zur_integrationsdebatte/

„…
Was soll der Scheiß ? Wie Ignorant muss man sein ?
Du willst kein Deutsch lernen aber in Deutschland bleiben
Das ist mir zu viel, ich versteh das nicht
Kannste mir das bitte erklären ? Ups, ich versteh dich nicht
Und darum bleibt ihr unter euch, ihr könnt kein Deutsch
Aber das wisst ihr ja, dass ist nichts neues
Und dann diese Deutschen mit ihren Gebräuchen …
…“

Der Song des Berliner Rapper Harris sollte zur „Pflicht“lektüre an deutschen Schulen werden…

2. julia - 19. Oktober, 2010

In Österreich-ich müßte jetzt raussuchen , wo genau, gab es eben diesen Fall, eine Schule, eine private, verbot Pausengespräche in einer anderen Sprache als Deutsch, auf der Schule sind grade mal eine Handvoll ausländischer Schüler, in dem Fall ging es um 2 Schülerinnen, nicht um eine Riesengruppe. Kanns das sein? Wie intolerant dürfen wir werden?

3. julia - 19. Oktober, 2010

Ok, eine Schule in St. Johann, im Land Salzburg. Von 400 Schülerinnen haben 16 eine andere Muttersprache, das sind grade mal 4 %.

4. Rika - 19. Oktober, 2010

Liebe Julia,
warst du mal in letzter Zeit auf einem Schulhof einer ganz normalen Schule mit vielen Kindern, die nicht muttersprachlich Deutsch reden?

Ich halte das Problem nicht für eine Frage der Toleranz oder Intoleranz.

Ich stimme dir aber zu, dass es schon ziemlich merkwürdig erscheinende Verhältnisse gibt, dein Beispiel scheint so ein Fall zu sein.

5. julia - 21. Oktober, 2010

Nein, war ich nicht, kann also dazu gar keinen Kommentar abgeben. Mir fiel nur beim Lesen deines Postings diese Schule wieder ein, in diesem Fall halte ich ein Sprachverbot absolut für übertrieben.


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