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„Macht kaputt, was euch kaputt macht…“ 8. Dezember, 2010

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Die alte Methode der  APO – selig-unseligen Angedenkens*** –  scheint auch diesmal zu funktionieren:

Erst die Schweizer Postfinance, jetzt Mastercard: Die Website des Kreditkartenunternehmens ist derzeit so gut wie unerreichbar. Ursache ist angeblich eine Attacke von WikiLeaks-Unterstützern, die sich in der sogenannten Operation Payback organisieren.

Für große Ziele müssen eben Opfer gebracht werden – von den Feinden, selbstredend. Und wenn diese Ignoranten von Unternehmen nicht einsehen, welch wahrhaft großen und wichtigen Kampf Wikileaks gegen das Imperium führt und einfach den Zugang zu den Spendengeldern erschwert, müssen auch alle anderen Finanztransaktionen unterbleiben. Ist doch logisch!

Bereits seit zwei Tagen ist die Seite der Schweizer Postfinance unerreichbar, hier ist die DoS-Attacke bestätigt worden.Damit sind zwei von vier Finanzunternehmen, die WikiLeaks ihre Services verweigern, inzwischen gar nicht mehr oder nur sehr schwer erreichbar. Nicht betroffen scheinen bisher die Unternehmen Visa und Paypal. Der Ebay-Ableger Paypal wurde bereits attackiert, wenn auch mit weniger Erfolg.

Koordiniert werden die Attacken offenbar über den Twitter-Account @Anon_Operation, hinter der eine informelle Gruppierung steht, die ihre Wurzeln im Netzwerk der berüchtigten Hacker- und Trash-Plattform 4Chan hat. Das Forum gilt als Wiege der Anonymous-Bewegung, die immer wieder mit Protestaktionen, beispielsweise gegen die Scientology-Sekte, aber auch mit chaotischen Fun-Aktionen von sich reden macht.

Robin Hood in Hochform und alle Möchtegernpiraten im freien Universum des Internet gleich mit. Das macht doch vor allen Dingen  und in erster Linie eines:

Fun, Bock, eben  eine Menge Spaß – und dient erst unter ferner liefen der Transparenz politischer Strukturen.

Leute, das müsst ihr einfach verstehen, so funktioniert die Welt!

*** Ich erinnere mich mit gemischten Gefühlen aus nostalgischer Wehmut und leichter Scham an meine Studentenzeit und daran, dass ich in Kassel gemeinsam mit vielen KommilitonInnen auf dem „Stern“ saß und wegen der Debatte um die Notstandsgesetze den Verkehr stundenlang zum vollkommenen Stillstand brachte …

NACHTRAG:

Dauerfeuer aus Ionenkanonen

Eine anonyme Armee wütender, oft jugendlicher Protestler bläst seit Dienstag die Internetseiten von Weltunternehmen aus dem Web. Erfolge, aber auch Gegenmaßnahmen sorgen für steten Zulauf. Die Community ist berauscht von ihrer eigenen Macht – und sie lässt sich tatsächlich nicht aufhalten.

Die eindeutig kriminellen Handlungen in Folge  der Wikileaksaktion ließen natürlich auch nicht lange auf sich warten:

Seit Dienstagmorgen richten sie die wachsende Zahl der teilnehmenden „Ionen-Kanonen“ auf ein Ziel nach dem anderen.Im Fall Mastercard geschah möglicherweise sogar mehr als das: Twitter sperrte den Koordinationskanal erst, als dort Anonymous-Protestierer begannen, Kreditkartendaten von Mastercard-Kunden zu veröffentlichen. Ob die im Rahmen der aktuellen Attacken abgefischt wurden oder aus den zahlreichen Datensätzen stammen, die man so oder so in kriminellen Bereichen des Web kaufen kann, ist nicht geklärt.

Die einmal entfesselten Kräfte sind, wie es im Artikel weiter heißt, wohl nicht mehr zu stoppen…

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Kommentare»

1. Manfred - 12. Dezember, 2010

Tja, Rika, das blüht wohl Leuten, die aus der Arroganz der Macht heraus glauben, die Regeln verletzen zu dürfen: die Regeln des Rechtsstaats, der eine staatliche Zensur nicht vorsieht (und auch die Umgehung des Zensurverbots durch Einschaltung Privater), wie die Regeln von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr.

Wer Kritik kriminalisiert, wird durch Kriminalität kritisiert. So einfach ist das.

2. Rika - 12. Dezember, 2010

@
„das blüht wohl Leuten, die aus der Arroganz der Macht heraus glauben, die Regeln verletzen zu dürfen: die Regeln des Rechtsstaats, der eine staatliche Zensur nicht vorsieht (und auch die Umgehung des Zensurverbots durch Einschaltung Privater), wie die Regeln von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr.“

Wer kriminalisiert Kritik? Wo übt der Staat Zensur?
Und von welchem Staat ist hier die Rede?

Wir leben in einem Staat in dem Kritik zu allem und jedem öffentlich geäußert werden darf – auf der Straße, in den Medien, von den Dächern gerufen oder in den Bierzelten bierselig gegrölt, an den Stammtischen vieltönend siskutiert und sogar von den Kanzeln gepredigt – siehe Frau Käßmann, z.B.

Aber vielleicht meinst du ja die „Arroganz der Macht der Straße“, die für sich in Anspruch nimmt, schon deshalb „gut“ zu sein, weil sie nicht zur politischen Kaste gehört.

3. Manfred - 13. Dezember, 2010

Kritik im Sinne der Aufdeckung von Fakten, die der Öffentlichkeit vorenthalten werden, die sie aber kennen müsste, um politische Vorgänge angemessen zu beurteilen. Zensur durch Privatunternehmen auf Veranlassung der Regierung. Kriminalisierung durch offenkundig fingierte Anschuldigungen. Arroganz der Macht, indem bestenfalls noch der Buchstabe – zweckwidrig verdreht – der Verfassung von der Regierung eingehalten wird, zu deren Kontrolle die Verfassung da ist, und oft genug nicht einmal der Buchstabe. Und was die Kritik angeht, die öffentlich geäußert werden darf: Schau mal genauer hin, welche Kritik geäußert werden darf (und welche nicht), wer sie äußern darf (und wer nicht).

4. Rika - 13. Dezember, 2010

Ob die Öffentlichkeit wirklich ALLES kennen muss, „um politische Vorgänge angemessen beurteilen zu können“, mag dahin gestellt sein, ob „die Öffentlichkeit“ das wirklich kennen will, muss dagegen heftigst bezweifelt werden.
Gründe meines Zweifels lassen sich auf höchst einfache Weise eruieren, sie sind in jedem Fernsehprogrammheft zu finden in Form von Angeboten an das wissensdurstige Volk. Und solange Leute wie Heidi Klumm, der zu schlagende Raab, Dieter Bohlen und all die anderen „pädagogisch und informatorisch wertvollen“ 😉 Volksbelustiger mehr Aufmerksamkeit erregen als der „Bericht aus Berlin“ (nicht dass das „DIE“ Quelle der Erkenntnis wäre…), die Trashshows die Öffentlichkeit mehr bewegen als die „politischen“ Magazine und die schrecklichen bunten Blätter deutlich häufiger bei Friseuren und in Wartezimmern anzutreffen sind, als unsere „politisch wertvollen“ Magazine, scheint es mit dem Bedarf der Öffentlichkeit an „Faktenwissen“ nicht allzu weit her zu sein.

Wer informiert sein will, konnte das immer schon sein, von geheimstem Geheimwissen der Nachrichtendienste einmal abgesehen.
Nein, ich denke, Wikileaks macht in erster Linie eins:
SICH SELBST WICHTIG!

Schön formuliert findet man das hier:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1340076/

Auch wenn dradio und Reinhard Mohr nicht unbedingt den Stein der Weisen oder den der Erkenntnis errungen haben…

5. Rika - 13. Dezember, 2010

Manfred,
mal ganz im Stillen, meinst du nicht, dass ein großer Teil der Wikileak-Aktivisten und Fans einfach nur aus reiner Lust an der Freude zur Provokation handeln oder sich per Tastatur und Maus an den Aktivitäten beteiligen, weil sie auf diese Weise (vermeintlich) teilhaben können an Macht, zumindest aber an Machtspielchen?

6. Manfred - 13. Dezember, 2010

Ich kenne keinen dieser Aktivisten persönlich und kann daher nichts über ihre persönlichen Motive sagen. Ich kann nur sagen, was sie objektiv tun: Sie tun alles, um Netzzensur zu verhindern und den Kollaborateuren eines seine Befugnisse überschreitenden Staates zu signalisieren: Wenn Ihr das tut, zahlt Ihr einen Preis dafür! Ich halte das für legitimen Widerstand gegen eine im Entstehen begriffene „Gelenkte Demokratie“ russischen Zuschnitts.

Und was das angeblich fehlende Interesse der Öffentlichkeit angeht: Weißt Du, was meine Lieblingssendung im ZDF ist? – Die Küchenschlacht. Einfach, weil sie genau das ist, was sie zu sein beansprucht, nämlich eine Unterhaltungssendung, während die sogenannten Informationssendungen sich ehrlicherweise besser „Desinformationssendungen“ nennen sollten.

Die Leute merken, dass das, was dort verhandelt wird, nichts mit ihren Problemen, nichts mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu tun hast, und schalten ab. Wenn es ausnahmsweise einmal anders ist, wie in der Sarrazin-Debatte, dann ist auch das Zuschauerinteresse da.

Es geht nun einmal nicht Jeder täglich ins Internet, um sich zu informieren, zumal man sich auch dort erst einmal zurechtfinden muss; das geht nicht von heute auf morgen.

7. Manfred - 14. Dezember, 2010
8. Rika - 14. Dezember, 2010

Manfred,
es ist mir natürlich klar, dass ein Sachverhalt so schlicht, wie ich ihn manchmal schreibe, nun wirklich nicht ist.
Meine Anmerkung gibt daher vor allem eine Tendenz, nicht aber ein „Ist“ wieder.

Das, was wir heute hierzulande Meinungs- und Pressefreiheit nennen, ist ja auch in einer langen Entwickelung „erarbeitet“ worden und vermutlich ebenfalls durch Aktionen, die nach damaligen Maßstäben nicht ganz legal waren…


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