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Zwischenbemerkung II … 8. Dezember, 2010

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, meine persönliche presseschau.
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Ich habe wegen intensiver Familienangelegenheiten in den letzten Wochen das mediale und politische Geschehen nur so mit einem Auge und einem Ohr mitbekommen und daher sind meine Ausführungen dazu auch eher einäugig-blauäugig  und mögen einigen Lesern eher als eine taube Nuss erscheinen…  gerade auch in Bezug auf die Wikileaks-Enthüllungen und den Herrn der offenbarten Geheimnisse, Julian Assange.

Wenn in diesen Tagen im Internet über Wikileaks geschrieben wird, ist das Interesse an den vermuteten Gründen für die Festnahme seines Begründers riesengroß und die Empörung über das vermeintliche Unrecht, das dem armen Julian geschieht, nicht minder riesig. Üble Machenschaften der USA werden angenommen, „Das Imperium schlägt zurück“ waren gar  Artikel übertitelt! Natürlich können nur die USA die Bösen sein, das zu schlußfolgern ist ja mehr als logisch, folgt man den Argumenten der vielen „Wiki-Verteidiger“, die nach den Offenbarungen über schmutzige Kriegsinternas und wenig schmeichelhafte Äußerungen über führende Politiker das Grundübel der Menschheit in Amerika und seiner Politik ausmachen.

Ob sich diejenigen, die sich so vollmundig empören, aber wirklich gründlich inhaltlich mit den Enthüllungen auseinandergesetzt haben, darf doch sehr bezweifelt werden, lassen einige Aspekte der geheimen Geheimpapiere, auf die Lila in unnachahmlicher Weise eingeht, doch vermuten, dass sie den Freunden der offenen Geheimdiplomatie vollkommen entgangen sind.

Ich wage nämlich zu behaupten, dass diejenigen, die die Offenbarungen des Julian so inbrünstig beklatschen, identisch sind mit denjenigen, die ach so gerne mit den Fingern auf das böse imperialistisch-zionistische Israel zeigen, in dem sie den einzig möglichen Grund für die Gefährdung des ohnehin nicht vorhandenen Friedens auf dieser Welt ausmachen, und dem sie unterstellen, dass es die USA an den Fingern der jüdischen Weltverschwörer tanzen lassen…

Danke an die nimmermüde Briefschreiberin auf Rungholt, die mehr zur politischen Aufklärung zum Thema Nahost beiträgt als die Eiferer um den sauberen Herrn Assange!

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Kommentare»

1. yael1 - 9. Dezember, 2010

Die Frage bringt es auf den Punkt: Hätte Wikileaks die Invasionspläne der Alliierten in der Normandie veröffentlicht, wenn sie ihr zugespielt worden wären?

Die Antwort ist klar: Selbstverständlich hätte Wikileaks die Invasionspläne publiziert. Die Rote Armee wäre dann wohl bis Paris vorgerückt.
Leaks können die Geschichte verändern. Sie können Politiker zum Rücktritt zwingen, sie können Regierungen stürzen, sie können in Kriege münden. Bekanntes Beispiel ist die Emser Depesche, die 1870 den Deutsch-Französischen Krieg auslöste.

Die Sichtweise der Medien ist in diesen Tagen klar geworden. Für sie steht das Gebot der Transparenz über allen anderen Geboten. Transparenz sei heilig, weil nur sie die öffentliche Kontrolle der Politik sicherstelle. Natürlich schwingt in dieser Argumentation eine gehörige Dosis Eigeninteresse mit. Leaks garantieren primär flotte Storys. Vom Fall Carlo Jagmetti bis zum Fall Roland Nef ist auch unsere Mediengeschichte voll davon.

In der Sicht des Staatsbürgers ist die Frage komplexer. Hier geht es um Vertrauen und um das Funktionieren der Demokratie.

Leaks gibt es fast nur in Demokratien. Auch Julian Assange von Wikileaks hatte noch nie vertrauliche Dokumente aus China, Weissrussland oder dem Iran. Das hat damit zu tun, dass diktatorische Regimes viel schärfere Kontrollen und Sanktionen ausüben. In China, Weissrussland und im Iran würden die Verantwortlichen eines leak sofort hingerichtet. In Washington gibt es nun ein paar interne Versetzungen.

Damit wären wir beim Wesen der Demokratie. Demokratie beruht auf Vertrauen. Das Vertrauen zeigt sich in einer offenen Gesellschaft. Sie gibt ihren Bürgern, etwa den Mitarbeitern von Behörden, grosszügigen Zugang zu Informationen und vertraut darauf, dass sie dieses Privileg nicht missbrauchen. Demokratie vertraut auch darauf, dass man intern freimütig debattieren kann, ohne sich am Pranger wiederzufinden.

Man stelle sich nun aber vor, beim nächsten leak gehe es um britische Dokumente zum Islamismus, um israelische Strategiepapiere zum Libanon oder um indische Geheimpläne zum Kaschmir. Das kann zu Terroranschlägen oder gar Kriegen führen.

Die Journalisten werden ihren Spass daran haben und die leaks publizieren. Für die Staatsbürger hört der Spass dann allmählich auf.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wikileak_ein_rein_demokratisches_problem/


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